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Konny über ... Helden und ihre Sidekicks im Wandel

Konny über ...… Helden ...
... und ihre Sidekicks im Wandel

Der Held sei Edel und Gut, Aufopferungsvoll und Mutig. Er sei ein moralischer Fels und das Vorbild für alle die wankend sind zwischen dem Guten und dem Bösen. Kurz, ein Held ist eine phantastische Idealfigur die mit der Realität nicht viel zu tun hat. Und weil ehemals in literarisch dunklen Zeiten der Jugendschutz mit Argusaugen den Heftroman genau im Fadenkreuz hielt, kämpften diese Idealfiguren gnadenlos unrealistisch vor sich hin. Und natürlich durften ihre zahlreichen Sidekicks dem nicht nachstehen.


Nun, der Heftroman lebt noch, wenn auch auf einer immer kleiner werdenden Sparflamme, was sich in den Verkaufszahlen ausdrückt. Wirklich übrig geblieben sind da solche Figuren wie Perry Rhodan im Weltraum mit seinen Sidekicks Atlan, Gucky, Bully und Co., oder John Sinclair und Professor Zamorra mit ihren jeweiligen Nebenfiguren. Natürlich dürfen wir da auch Maddrax nicht vergessen, mit Aruula oder Rulfan im Schlepptau und von Jerry Cotton ganz zu schweigen. Und ganz früher, als der Heftroman noch goldene Verkaufszeiten sah, da gab es solche Helden auch in Buchform bzw. Taschenbuch. Hier seien Conan oder Doc Savage als kleine Beispiele genannt.

Jedoch muss man es einfach mal sagen, im Buch ist der Held immer mehr von der Realität überrollt worden und das gerade im Ausland. Da hat er Ecken und Kanten, kann manchmal nicht einmal das Wort MORAL buchstabieren und so wirklich Edel, Gut und Aufopferungsvoll ist er auch nicht mehr. Egal ob er gegen Gangster vorgeht oder böse Dämonen bekämpft, ob er herrschsüchtigen Aliens und Superwesen zeigt, wo die nächste Nova am heißesten ist, oder um die letzten Smarties-Reserven in den Ruinen des ehemaligen New York kämpft, er ist nicht mehr die saubere und strahlende Liebhabfigur die über allen Abgründen steht!  

Der jetzige „Held“ nimmt seine Rolle eher widerwillig auf und statt die holde Maid in Nöten selbstlos zu retten, geht er lieber mal den einfachen Weg ins Bordell, wo der Spaß keine wilden folgen nach sich zieht. Er kämpft mit anderen bzw. für andere, weil sein Kopf auch in der gleichen Schlinge hängt, hat aber manchmal nichts dagegen auch Unschuldige über die Klinge springen zu lassen, weil er es nicht einsieht, für vollkommen Fremde lachend in die Kreissäge zu springen. Alkohol ist für ihn kein Fremdwort. Nun, das war auch nie ein Fremdwort für die alten Helden gewesen. Der Unterschied lag nur darin das die alten Helden am nächsten Morgen nicht gegen einen dicken Kopf vom übermäßigen Genuss ankämpfen mussten. Die neuen „Helden“ entsprechen so garnicht dem früheren Heldenideal – so oder so.

Da gibt es welche, die machen schon mal einen Deal mit einem Dämon um etwas zu erreichen oder schießen erst einmal bevor sie Fragen stellen (sofern danach das Opfer überhaupt diese Fragen noch beantworten kann). Ja, nicht wenige würden sogar ganz einfach den Schwanz einziehen und das Weite suchen wollen, wenn sie denn könnten. Also ist ihnen das Heldenideal nicht gerade in die Wiege gelegt, sondern eher den Umständen entsprechend ans Bein genagelt worden. Und natürlich gibt es da die eine oder andere Nebenfigur, für die man schon mal die Brust schwellen lässt (besonders wenn sie jung, weiblich und willig ist), aber selbst dann geht der „Held“ nur dann los, wenn er sich zumindest kleine Chancen ausrechnen kann, denn er mag vieles sein, aber kein potentieller Selbstmörder oder selbstloser Narr.

Wirklich schlimm wird es aber für den potentiellen Fan der alten, strahlenden Helden, wenn die Hauptfigur in einem Buch überhaupt kein Held ist, sondern eigentlich selbst genug Dreck am Stecken hat. Da sieht man schon den ungläubig großen Blick des Helden-Fan vor sich mit der ultimativen Frage: „Darf der das denn?“ Unter uns gesagt, ja, er darf.

Nun muss man aber sagen, das der heimische Heftroman sich nie wirklich von den Helden mit Heiligenschein trennen konnte. Aber das schafften auch nicht alle deutschen Autoren auf dem Buchmarkt. Zwar behauptet man auch, das auch die Heftromane heute moderner geschrieben werden als noch in den 70er oder 80er Jahren. Ich sag es mal so, wenn Wortgewalt modern ist, dann mögen die Fans recht haben und die letzten Vertreter einer possierlichen Gattung hegen und pflegen. Doch wirklich folgen kann ich dem Argument nicht.

Ein kleines Beispiel: 1961 entdeckte ein Astronaut mit dem Namen Perry (der Kühne) auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff und setzt alles daran, unter seiner Führung die Menschheit zu einigen (ob sie wollte oder nicht) und ein eigenes Imperium aufzubauen. Man führte nicht gerne Krieg gegen andere, aber wenn sie die Kreise der Menschheit zu sehr störten, musste man ihnen ja irgendwie beibringen, das man sich da nun wirklich nicht ins Handwerk pfuschen lassen wollte. Der Perry im Neoversum ist da eher politisch Korrekter. Die Machtfrage ist für ihn eher Pfui und er würde, glaube ich, lieber Schach spielen gehen, als die Menschheit mit Macht zu den Sternen zu führen. Vielleicht versuchen die Macher hier auch einfach nur eine weitere Kritik erst garnicht aufkommen zu lassen. Nämlich die, in PR würde sich faschistoides Gedankengut tummeln, was damals ja durchaus vom Gutmenschentum vorgebracht wurde. Perry (und die meisten aus seinem Umfeld) sind dabei moralisch noch schlimmer geworden und würden liebend gerne jeden bösen Alien den Nachtisch streichen, anstatt ihm das Hirn raus zu blasen. Das, ihr lieben Fans, ist nicht modern, das ist Anpassung an ein politisch gewolltes Idealbild das mit der Realität nicht wirklich etwas zu tun hat. Da wird die Sache auch nicht moderner, nur weil die Autoren statt wie ehemals nur mit 2000 verschiedenen Worten jetzt 4000 verschiedene Worte benutzen (es hört sich nur wortgewaltiger und gebildeter an).

Und wehe, der Held weicht von diesem Idealbild ab, dann kann man manche Fans mit den Hufen schon in den verschiedenen Foren scharren hören. Letzteres gilt auch für die Sidekicks in den Serien. Da witterte z.B. der Hardcore-Fan vor kurzem „Massenmord“ durch Aruula in der Serie Maddrax, obwohl von dieser Witterung nach Klarstellung der Macher dann nicht wirklich viel übrig bleibt als ein rektales Lüftchen. Doch die Fan-Seele kochte schon. Lieber sollten die Macher ihre Lieblingsfigur in moralischer Vollkommenheit sterben lassen, als sie auch nur annähernd in diesen Stallgeruch zu bringen. Die Macher tun jedoch gut daran, diesem Wunsch nicht zu folgen, denn täten sie es, würden sie unter den Fans den nächsten Urschrei auslösen. Ich verweise hier als Beispiel nur auf die Figur Gucky bei unserem Erbschleicher des Universum. Wer den Nager killen will, der spielt in den Fan-Foren quasi schon mit seinem Leben. Im Falle von Aruula erklärt man das dem Fan mit der Fremdbestimmung. Gut, die Kritik halte ich schon für berechtigt, wenn das Prinzip der Fremdbestimmung etwas zu häufig herhalten muss. Da erwarte auch ich mehr Phantasie von den Autoren. Das verbissene festhalten jedoch an der völlig unrealistischen Darstellung der Helden und ihrer Nebenfiguren, will mir nicht wirklich einleuchten. Warum ist das so?

Nun, den Menschen macht eine entscheidende Sache aus. Er vereinigt sowohl positive wie negative Eigenschaften miteinander. Die Summe dessen macht erst den Menschen aus. Wehe, der Held oder einer seiner Sidekicks tötet aus Rache, schon platzt die Seele des Hardcore-Fan und er spuckt Gift und Galle. Mal eine Frage zwischendurch für die Hardcore-Fans: Merkt ihr eigentlich wie ihr euch von diesen Idealen, die ihr für euere Lieblinge einfordert selbst entfernt, wenn ihr in den Foren dann Sturm lauft? Nun, gerade die Sidekicks wirken manchmal in den Heftromanen wie Klone des Helden. Dabei wäre es durchaus realistischer, wenn der eine einen noch größeren Heiligenschein mitschleppt als der eigentliche Held, während ein anderer durchaus eher zu unfeinen und radikalen Mitteln greifen dürfte, um die Ziele durchsetzen zu wollen. Das wäre Realistisch und erweitert die sprichwörtlichen Möglichkeiten auch unter den Charakteren zueinander enorm. Aber hier sind die Macher schon sehr zaghaft, will man sich doch nicht die Finger mehr verbrennen als unbedingt nötig. Nun, dann darf man auch nicht weinen, wenn die Leserschaft langsam aber stetig weiter sinkt, denn die Masse der Leser, die sich eben nie zu Wort meldet, aber die Serie (noch) am Leben hält, will Spannung und Überraschung und nicht die ewig gleiche Schiene in nur jeweils anderer Ausführung serviert bekommen. Das Zauberwort heißt „Dramatik“!

Um Dramatik zu erzeugen, muss man auch ungewöhnliche Wendungen nutzen. Da darf der Sidekick sich auch mal als ausgemachter Drecksack betätigen oder gar eine beliebte Figur die Seite wechseln, weil weder das Leben noch die Einstellung einer Person eine Autobahn ist, von der man nicht abweichen kann. Schon in der Fahrschule lernt man, das man mit dem Auto auch wenden kann um eine völlig andere Richtung einzuschlagen. Im Bereich des Heftroman könnte man auch böse sagen das die eingeschlagene Einbahnstraße einem Fisch ähnelt, und der fängt bekanntlich irgendwann vom Kopf her an zu stinken.

Ich stelle also mal rotzfrech hier in den Raum, das nicht nur das Format Heftroman veraltet ist, sondern trotz mehr Wortgewalt auch die Charaktere, die irgendwie im Taka-Tuka-Land geboren wurden und nicht wirklich der Realität des Menschen entspringen.

Manche Serie ist darüber hinaus natürlich schon recht lange am laufen. Was früher gut war, muss heute nicht unbedingt schlecht sein. Aber zu sagen, die Verhaltensweise der Figur XY war früher so nicht angelegt und dementsprechend dürfe sie sich auch nicht gravierend wandeln, empfinde ich als einen Selbstmord auf Raten. Jeder Mensch verändert mehr oder weniger ersichtlich mit der Zeit sein Verhalten bzw. seine Einstellung, dafür sorgen schon die sich stetig verändernden Einflüsse in seinem Umfeld. Das hat auch Auswirkungen auf seine Moral, sein Sozialverhalten usw.! Das mag bei Lieschen Müller von Nebenan nicht wirklich gewaltig ins Auge fallen, aber unsere Helden und ihre Sidekicks stehen ja in den Romanen ständig am Rand einer Katastrophe. In diesem Sinne dürfte auch die Summe der verschiedenen Einflüsse und Begebenheiten drastischer ihre Spuren hinterlassen.

Die Zeit der Helden ist also nicht tot und war es wohl auch nie. In manchen Punkten kann man sogar von einer Renaissance des Heroischen reden. Doch der eingangs beschriebene, unrealistische Held dürfte getrost schon seinen Wechsel ins nächste Märchenbuch antreten haben. Ein Umstand, den so manche junge und rebellische Autoren in Deutschland schon begriffen haben, auch wenn sie eben noch nicht in den größeren Verlagen Eingang gefunden haben, sondern (noch) über die Schiene eBook und Printausgabe über Amazon und Co. Ihren Weg beschreiten. Denn sie orientieren sich eben nicht mehr an den möglichst politisch korrekten und weichgespülten Autoren, die in den Großverlagen noch den Teppich durch scheuern dürfen. Sie schreiben eher das, was sie selber gerne lesen würden und damit sind sie garnicht so weit weg von manchen Autoren aus den USA oder England, die schon seit Jahren vor nichts mehr Respekt zeigen und statt Hardcore-Fans zu befriedigen lieber Hardcore-Romane scheiben.

In diesem Punkt schließt sich etwas der Kreis, denn nicht jeder Verlag öffnet bereitwillig für deutsche Autoren seine Pforten, was natürlich als Ungerecht empfunden wird und entsprechende Reaktionen befördert (was man sehr schön bei den Autorinnen in manchen Foren von Facebook verfolgen kann). Damit werde ich mich aber in einem anderen Artikel der Reihe beschäftigen, die ich hier in loser Folge fortsetzen möchte. Toll wäre es natürlich, wenn man sich die eine oder andere Kritik, die ich hier verarbeitet habe, durch den Kopf gehen lässt, bevor man die Keule schwingt. Denn eines sollen die Artikel nicht, nämlich der Weisheit letzter Schluss sein. Vielmehr sollte man es als eine Sichtweise betrachten und nicht als Weisheit letzter Schluss. Das da aber auch mal die eine oder andere „stinkige“ Reaktion folgen kann, nehme ich hier aber mal gerne in Kauf.

In diesem Sinne, bis zum nächsten mal ...

Kommentare  

#16 Gerhard Schäffer 2013-05-03 17:22
Um nochmal auf die Sidekicks selber zurückzukommen.

Allerdings sind manche schon eine Katastrophe für sich genommen.
Man nehme nur mal solche Figuren wie Mondra Diamond oder Shanda Sarmotte; die eine Größenwahnsinnig bis zum erbrechen und die andere triefig bis zum erbrechen. Zuwas sollen diese Figuren sich wandeln? Oder sieht so die Forderung nach Realität aus?
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#17 Laurin 2013-05-03 17:34
zitiere Gerhard Schäffer:

Man nehme nur mal solche Figuren wie Mondra Diamond oder Shanda Sarmotte; die eine Größenwahnsinnig bis zum erbrechen und die andere triefig bis zum erbrechen. Zuwas sollen diese Figuren sich wandeln?


Ab einem gewissen Punkt kannst du jede Wandlung vergessen und eigentlich die Figuren nur noch austauschen gegen neue.

Das Problem bei Figuren aus Heftromanen ist ja auch die, das die Fans sich laufend über ihre "Lieblingsfiguren" austauschen können. Ja, richtig gehört! Denn über das gemeinsame Austauschen darüber sind viele Fans doch schon längst hinaus. Wehe die Lieblingsfigur wird in einer Form geschildert, die dem Fan nicht mehr passt, dann geht dieser zum Angriff über auf die Macher. Die Spannung, Story selbst und das Gesamtbild hierzu ist dann selbst kaum noch wichtig für manche Fans. Sie werfen sich lieber vor ihren Lieblingscharakter wie eine Löwin vor ihr Kind und haben den Blick für das Ganze doch eigentlich schon verloren.

Da lobe ich mir Bücher mit abgeschlossenen Handlungen, da kommt man erst garnicht dazu als Fan, bei gewissen Charaktere die Bodenhaftung zu verlieren.
Klingt erst einmal hart, aber bei Büchern geht es um das Gesamtkonzept und lässt so keinen Platz für Identifikationen mit den einzelnen Charaktere über längere Zeiträume. Letzteres bekommt dem Fan nämlich irgendwie nicht gut, scheint mir. :-*
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#18 Larandil 2013-05-03 18:49
zitiere Gerhard Schäffer:
Um nochmal auf die Sidekicks selber zurückzukommen.

Allerdings sind manche schon eine Katastrophe für sich genommen.
Man nehme nur mal solche Figuren wie Mondra Diamond oder Shanda Sarmotte; die eine Größenwahnsinnig bis zum erbrechen und die andere triefig bis zum erbrechen. Zuwas sollen diese Figuren sich wandeln? Oder sieht so die Forderung nach Realität aus?


So gruselig finde ich Shanda Sarmotte gar nicht. Oder nicht mehr.
Mondra ... der hat Ramoz nicht gut getan und Delorian jetzt noch viel weniger, aber die Mondra Diamond, die Torr Samaho die Luft 'rausgelassen hat und später gegen Gon-Orbhon aktiv wurde, die hatte Klasse.
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