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# 133: Des Barden Lied vom Jubiläumstreffen in Altenstadt (1987)

As Time Goes By - Gastautot# 133: Des Barden Lied vom Jubiläumstreffen in Altenstadt (1987)

Erneut öffne ich die alten, staubigen und vergilbten Schriftrollen des geheimen Marlosarchiv und blase den Staub der Jahre hinfort.

Wir ihr euch sicherlich noch erinnern werdet,  wohlwollender  Leser dieser Zeilen, berichtete ich das letzte Male von den beiden Zusammenkünften im Jahre des Herren 1987, von denen eines im hohen Norden, das zweite im tiefen Süden des Landes, welches Deutschland genannt wird, stattfand.


So begeben wir uns erneut gedanklich zurück in dieses so ganz spezielle Jahr, um euch von der dritten, ganz speziellen Zusammenkunft zu berichten, die im Lande der Hessen stattfand.

Doch zuerst werde ich euch erzählen vom 24. Oktober im Jahre des Herren 1987, an dem gewöhnliche Sterbliche sich als Dämonen, Monster, Henker und Fantasiegestalten maskierten, und die Burg des Baron von Frankenstein  ganz und gar schaurige dekoriert war. Wimmern, Jammern und Stöhnen, wie von myriaden gefolterten Seelen war überall zu hören, und ließen so manchen schon am helligen Tag das Mark im Gebein erstarren.

Reisender, wenn du diesen Ort betreten willst an dem die Geister erscheinen und die Dämonen die Erde betreten, so musst du einen Berg erklimmen dessen Weg dem der der Schlange gleicht. Dieser Weg ist für dich, oh unwissender Wanderer zwar der längere Weg, aber auch der sicherste. Solltest du jedoch mit der Schlauheit des Fuchses gesegnet sein, so wirst du den Bus nehmen, der damals an den Halloween-Wochenenden kostenlos ganz bis nach oben zum Parkplatz fuhr.

Meine Erinnung an meine damalige Anreise nach Darmstadt ist verschwommen, so dass ich nicht mit Genauigkeit zu sagen wage ob ich mit Uwe Schnabel aus Frankfurt mit dem Stählernen Ross gekommen war, oder wir getrennten Weges angereist waren.

Auf jeden Fall hatte Mechthild Weichel bekundet uns abzuholen, so daß wir mit ihrem Wagen gemeinsam bis zum einem Parkplatz fahren konnten, wo wir dann in den oben erwähnten kostenlosen Bus zur Burg Frankenstein umsteigen wollten.

Als wir das schützende Gebäude des Bahnhofs verlassen hatten, und mein Blick durch die Gegend schweifte, erlebte ich einen kleinen Schock, denn eine in weißen Gewändern, mit ebenso weißem Gesicht, schwarzen Lippen und Fingernägel, sowie grünen Augenumrandungen, gehüllte Gestalt wartet auf uns!

Nein, es war nicht der berühmt-berüchtigte Geisterfahrer, der des öfteren die Autobahnen unsicher macht, sondern Mechthild Weichel, die schon kostümiert an ihrem Auto stand.

Wer Mechthild kannte, der weiß das sie an Halloween nicht ohne spezielle Aufmachung den Weg zur Burg antrat. Und diese Kostümierungen stachen ins Auge!

Uwe und ich stiegen zu Mechthild in den Wagen, dann fuhren wir los. Die Blicke der entgegenkommenden Autofahrer könnt ihr euch ja vorstellen.

Aber ganz besonders war dann unser Grüppchen im Bus aufgefallen -  alles Normalos und nur eine Maskierte. Wir hätten damals den Hut herumreichen sollen, es wäre bestimmt ein gutes Sümmchen zusammengekommen. Laughing

Oben auf der Burg angekommen besetzten wir erstmal einen Tisch im Burgrestaurant und ließen die Schankmaid Getränke auftragen.

Kurz nach unsere Ankunft kamen Familie Kissel (Ingeborg, Renate und Günther), sowie Dave Hill und Harry G.Watkins. Später kamen Birgit Fischer, Wolfgang Kehl und Hans-Joachim Dietenhöfe hinzu, die sich ebenfalls mit Speis und Trank versorgen ließen.

Während Renate als Aufpasser unser Hab und Gut bewachen durfte, schauten wir uns die Burg und das Spektakulum an. Reichlich wurde Gebrauch von der Kamera gemacht.

Gegen 23:30 Uhr verließen wir den Ort des "Grauens" und wandte uns den abfahrenden Bussen zu.

Patrick Liebel, sein Bruder Hans-Jürgen, Birgit Fischer, Wolfgang Kehl, Hans-Joachim Dietenhöfer, Mechthild Weichel und Uwe Schnabel stiegen zuerst in den Bus. Doch als ich ebenfall einen Platz ergattern wollte, wurde ich sofort von den Sicherheitsleuten herausgezogen. Man tat mir kund ich solle das nächste Gefährt nehmen, es wäre zu voll.

Mit einem fröhlichen ”Nimm den nächsten Bus” verabschiedeten sich meine Gefährten und ließen mich mit dem Gefühl zurück, das irgendwie heute Nacht nicht meine Nacht wäre. Frodo Beutlin und seine Ringgefährten werden von einer Horde Orks angegriffen, als plötzlich  ein busähnliches Gefährt zur Rettung kommt. Alle springen rein, nur Frodo wird von den Orks rausgezogen und hört seine Gefährten fröhlich rufen: „Nimm den nächsten Bus, Frodo!”

Ab er es sollte noch schlimmer kommen, denn auch beim nächsten und übernächsten Bus passierte mir das Gleiche. Irgendwann murmelte ich irgendwas in der Richtung das mich jeder irgendwo könne und stampfte wütend die Straße hinab ins Tal.

Nach einigen Minuten wütendem Stampfens und einigen hundert Metern vrfiel ich auf die glorreiche Idee querfeldein zu laufen, denn ich hatte ja eine Taschenlampe!

Ganz wie nachdem bliebten Horror-Film-Motto: "Oh, ich bin mutterseelenalleine in einem dunklen, düsteren, geheimnisvollen Wald. Auf der Straße wäre ich ja sicher, da kommen die Autos ab und an. Da könnte mich ja jemand mitnehmen und heil ins Tal bringen. Aber nein, ich nehm‘ mal die Abkürzung durch den monsterverseuchten Wald.  Was soll da schon passieren, ich hab‘ ja  ein Schweizertaschenmesser!" 

Ach ja, hatte ich schon erwähnt das ich damals Orginal-Westernboots trug? Nein? Nun gut, jeder der dies Stiefel mal getragen hat weiß ja dann wie sich meine Füße nach diesem Marsch - es sind doch schon einige Kilometer bis ins Tal - angefühlt hatten. Füße? Welche Füße?

Meine Socken jedenfalls wären als ökologische Wärmespeicher durchgegangen, wenn man vom Geruch abgesehen hätte, der nach (operativen) Entfernen der Stiefeln ausgeströmt war.

Um 1 Uhr in der Frühe erreichte ich Mechthilds Wagen, wo es dann nach dem Bericht meiner Misere ein lautes Gelächter gab.

Da Ende vom Lied war das Mechthild Uwe Schnabel und mich bis zu Uwes Domezil brachte, wo ich den Rest der Nacht mich auf Ohr hauen konnte.

Am nächsten Tag, war ja eigendlich schon seit 1 Uhr Sonntag, fuhr ich dann mit dem Zug nach Hause ins Saarland...

....nur um am 30.Oktober im Jahre des Herren 1987 wieder in Frankfurt zu sein, denn einen Tag später, am 31.Oktober sollte in Altenstadt das Ende des zehjährigen Jubiläums stattfinden - und dazu war auch ich eingeladen.

„Dan Shocker läd uns alle ein” so sang man bei der großen Zusammenkunft in Ludwigsburg fröhlich - und so geschah es auch am 31. Oktober, also Halloween im Jahre des Herren 1987 auf der Feier zum zehnjährigen Jubiläum von Marlos, die in Altenstadt, dem Wohnort von Dan Shocker, und mittlerweile auch der von Werner Kurt Giesa stattfand.
Ich war, wie auch Ralf Radzuweit schon am 30. Oktober angereist, da wir beide mit Uwe Schnabel ausgemacht hatten, das wir bei ihm zu nächtigen. Uwe und Christian Marzi wollten uns eigenlich am Bahnhof in Frankfurt abholen. Also warteten wir mehr oder minder geduldig.

Irgendwann bekam Ralf Hunger, und da weder Uwe noch Christian Marzi auftauchten, ließen wir Uwe Schnabel ausrufen. Nichts geschah.

Also ins nächste Tchibo rein, denn dort gab es Kaffee, Kuchen und hamburgerähnliche Objekte - ich nenne sie UFOs (Unbekannte Fleischähnliche Objekte) oder Tibetkugeln (wegen dem unerforschten Inneren).

Nach dem Ralf gesättigt war, und wir keinen Uwe sahen (wie sollte wir auch wissen das Uwe uns 5 Minuten später nach unserem Aufruf ausrufen gelassen hatte) verließen wir die schützenden Hallen des Frankfurter Hauptbahnhofs und gingen nach draußen.

Ralf ließ gute Dinge verlauten, er hätte schon immer mal gerne mit der Straßenbahn fahren wollen. Dies hätte er besser nicht getan, denn manche Wünsche werden war.

Also schnappten wir uns die nächste Straßenbahn Richtung Höchst, stiegen dort um in einen Bus und landen wohlbehalten an der Haltestelle vor dem Hochhaus in dem Uwe residierte.

Vor dem Haus spielten ein Haufen Kinder ein seltsames Spiel. Es nannte sich "Hassan ist dran!" Und als Hassan dann kam liefen alles weg, oder man rannten wie wild um einen Mercedes der da nichts böses ahnend stand. Andere fuhren um Hassan mit dem Fahrrad im Kreis, und wieder andere traten sich gegenseitig in den Magen - was ihrer Freundschaft und ihrer Gesundheit scheinbar keinen Schaden tat.

Es war ein seltsames Spiel, dieses "Hassan ist dran!"

Wenn heute jemand "Hassan ist dran!" rufen würde, stände gleich die US-Army mit einem Bombenentschärfungskommando vor Ort. Hassan dürfte auch nicht rufen "Bin-schon-da", da das ja Verwandschaft von "Bin-laden" sein könnten. Ja die Zeit kindlicher Spiele ist vorbei.

Doch zurück zu Ralf und mir. Da die spielenden Kinder die Haustür nicht geschlossen hatten, begaben wir uns ins Innere des Gebäudes, ergriffen Besitz vom Fahrstuhl, der uns in "rasender" Geschwindigkeit in den dritten Stock, genau vor Uwe Schnabels Wohnungstür brachte.

Als  nach einiger Klingelei in verschiedenen Stufen (normal, länger, nervend länger und panisch länger) sich keine Seele rührte, befestigten wir einen Zettel an der Tür: "Sind Pizza essen!" und verschwanden erst einmal.

Nach der Pizza standen wir erneut vor verschlossener Tür, und verließen nach angemessener Wartezeit das Haus erneut um Uwe zu suchen - natürlich per Bus und Straßenbahn.

Hassan war immer noch dran - und die Uhr zeigte 18 Uhr.

Ich schlug vor meine Mutter zu besuchen, die ja auch in Frankfurt lebte, um dort erst mal in Ruhe Kaffee zu trinken. Ausserdem hörten wir so nicht Sekunde um Sekunde "Hassan ist dran!"

Das wäre doch die Folter in der Hölle für Kinderhasser! Spielenden Kinder die niemals schlafen, niemals ausruhen und immer lachend, kichernd kreischen "Hassan ist dran, Hassan ist dran!"

Da man bei meiner Mutter nicht übernachten konnte - höchstens hochkant-stehend, kroch in Ralf Gehirnwindungen die glorreiche Idee empor das wir doch einfach nach Altenstadt fuhren und bei W.K.G um Asyl bitten sollten. Natürlich hätten wir als Gegenleistung für das opulente Kaviar-Schampus-Abendessen, das in jedem Schrifstellerhaushalt allabendlich kredenzt wird, Werner geholfen seine unfertigen Manuskripte fertig zustellen, was Werner bestimmt zu Freudensprüngen veranlasst hätte - oder eher  - wie Ralf nach Verwerfung dieser Idee zugab - zum Griff nach dem Schwert. :-)

Also ergaben wir uns unserem Schicksal und fuhren erneut Straßenbahn. Habe ich schon erwähnt das Ralf sich schon mittlerweile selbst für seine Aussage „Ich wollte schon immer mal Straßenbahn fahren” kasteien wollte? Nein?  Dann fragt mal Ralf nach seinen Straßenbahnerlebnissen von damals.

Also fuhren wir gen Höchst als ich plötzlich wie ein Irrer eine Urschrei von mir gab, der Tarzan hätte erblassen lassen.

"UWE!!! Uwe war da eben - in der Straßenbahn!" Ralf und der Rest der Passagiere sah mich mit wissenden Blicken an der auszudrücken schien: "Ja, ja... Uwe. Ganz ruhig, das geht vorbei. Und die Spritze tut auch gar nicht weh!"

Nach dem ich mich beruhigt hatte klärte ich Ralf auf das Uwe in der uns entgegen kommenden Straßenbahn gesessen hatte, und wahrscheinlich in Richtung meiner Mutter fuhr. "Er saß grinsend in der Straßenbahn", fügte ich noch hinzu, "hat uns aber nicht gesehen!"

19:20 Uhr am 30. Oktober im Jahre des Herren 1987 standen wir wieder vor dem Hochhaus, das jetzt im Dunklen wie ein finsterer Riese wirkte.

Hassan war noch immer dran.

Manch verwegen Zugen behaupten ja das es in Frankfurt ein Tor zur Hölle gibt, aber mir ist noch nie etwas merkwürdiges während meines Aufenthaltes in dieser Stadt aufgefallen -  wenn man von dieser "Hassan Geschichte" absieht.

Wieder beeilten Ralf und ich uns in den Fahrstuhl zu gelangen, und klingelten dann an Uwes Tür, auf der groß SCHNABEL stand.

Ein wienerischer Dialekt antwortete und nach Nennung unsere Namen gewährte uns Christian Marzi Eintritt. So erfuhren wir dann auch wie das ganze Verwirrspiel sich ergeben hatte.

Uwe Schnabel kam dann auch bald - es war um die 22 Uhr! :-)

Diese Nacht wurde kurz, und so brach den 31. Oktober an, der Tag, den wir entgegen fieberten.

Gegen Mittag kam Will (ex Schnabel) Lüders aus Bremen an. Die Videokamera, die Kresó Baotic freundlicher Weise Uwe ausgeliehen hatte, wurde getestet, denn man wollte das Ganze für die Nachwelt auf Zelloloid bannen.

 Uwes Archiv (und wer ihn kennt weiß das Uwe eigentlich ein getarntes Taschenuniverum in seinen Bücherregalen haben muss bei der Menge!) wurd nach brauchbarem Material durchstöbert.

Endlich ging es dann Richtung Altenstadt los. Willi fuhr, Uwe lotste. Christian, Ralf und ich saßen gemütlich auf dem Rücksitz der Limosine, die natürlich mit Minibar, einem Wirlpool, technischem Firlefanz und Topmodels zu unsere Kurzweil ausgestattet war - äh, glaubt ihr das?  Leider muss ich euch der Illusion berauben. Es war ein ganz normaler Kleinwagen, und wir drei waren „Sardinen” die auf dem Rücksitz nach Luft schnappten, denn normalerweise kommen sich Männer körperlich freiwillig nicht so nahe wie wir. :->

Aber für diese Feier musste man Opfer bringen!

Die Natur hüllte sich in Dunst und nebelte alles zu was gut zum Tage passte, denn es war Halloween. Nur das wir nach Altenstadt fuhren und nicht zur Burg Frankenstein wo es wie jedes Jahr stattfand.

Als wir um 16:45 Uhr den Rittersaal des Schlosshotels betraten stellten wir fest, es waren uns schon ein paar Marlosbürger zuvorgekommen. Mechthild Weichel, Eric Schreiber und Andrew Phillips, sowie die Mahler-Sisters Irmtrude und Sonja. Diese labten sich schon an Kaffee und Kuchen.

Nicky Pressburger mit Freundin Silvia Riebe, Thomas Knipp, Helmut Kirchmaier, Werner Kut Giese mit Frau Heike, Jürgen "Dan Shocker" Grasmück samt Ehefrau Karin, Rolf Michael mit damaliger Ehefrau Petra, Horst Hermann von Allwörden, Norbert Aichele, Ingeborg & Günther Kissel sowie Volkmar Webeck trudelten um 17 Uhr ein. Leider konnte Harry Pfister nicht erscheinen, da er in der Schweizer Armee Wehrdienst schieben musste.

Schnell wurden Stühle und Tische verschoben, so dass jeder Platz fand.

Mechthild, Silvia und Karin servierten schnell noch Kaffee und Kuchen. Mechthild hatte den Kuchen selbstgebacken, und einige Marlosianer trauerten darüber das es nur ein Kuchen war.

Jetzt hätte die Feier eigentliche beginnen können, doch Uwe Schnabel entführte Mechthild in einen separaten Raum. Natürlich zum arbeiten, denn sie musste die Urkunden noch mit dem Datum des Festes versehen.

Um 18:40 Uhr ging es dann aber zur Sache. Dan Shocker eröffnete das Jubiläumsfest mit einer kleinen Rede, die ich aus Marlos-Letter  51 entnommen habe und hier einfüge.
Liebe Marlos-Bürgerinnen und -Bürger, Liebe Freunde - ich könnte auch noch sagen: Herr Präsident, meine Damen und Herren - aber wir sind ja nicht im Bundestag sondern wir sind lauter vernünftige Menschen und zusammengekommen ein Jubiläum zu feiern.
Zunächst erst einmal herzlich willkommen im schönen Höchster Schlößchen. Ich freue mich, daß doch so viele derjenigen hierhergekommen sind, die aus einem besonderen Grund eingeladen wurden!
Nach zwei großen Treffen anläßlich der zehnten Wiederkehr der Gründung des DAN SHOCKER's FANTASTIK-CLUB - im Frühjahr oben im Norden, im Sommer unten im Süden - geht es also mit dem dritten Treffen fast im Herzen Deutschlands- dem Abschlußfest entgegen, daß wir aus gutem Grund allen denjenigen widmen, die seit 10 Jahren Mitglied des Fantastik-Club sind oder sich in der Vergangenheit als Redakteure durch regelmäßige Mitarbeit ausgezeichnet haben.
Fast auf den Tag genau - vor zehn Jahren - wurde der DAN SHOCKER's FANTASTIK-CLUB hier in Altenstadt aus der Taufe gehoben, hier wurde die Idee geboren und hier findet auch das Jubiläumsfest statt.
Wie fing eigentlich alles an?
Dem November 1977 ging natürlich einiges voraus. In unzähligen Leserbriefen wurde immer wieder der Wunsch geäußert, daß sich doch die Fans von LARRY BRENT und MACABOS zusammenschließen sollten. Wie es denn mit einem Club aussähe?
Ich habe damals alle Briefe und Karten gesammelt und auf Grund der Vorschläge den Club ins Leben gerufen. Innerhalb weniger Wochen waren schon 100 Mitglieder sogenannte 'Marlos-Bürger'.
Ich hatte mich von der Begeisterung der damals hauptsächlich Junegndlichen Leser so mitreißen lassen, daß ich erst viel später merkte, auf was ich mich da eigentlich eingelassen hatte.
Neben meiner schriftstellerischen Arbeit sorgte ich für die Texte für den Club-Letter, machte das Layout, beschaffte Zeichnungen und Bilder und tippte das ganze auch noch druckfertig ab.
Dann kam der Zeitpunkt, wo der Verlag Manuskripte in kürzeren Abständen benötigte, und wo ich immer mehr Leserbriefe zu beantworten hatte. Die Arbeit am Club-Letter fraß immer mehr Zeit un ich war schon drauf und dran, daß Handtuch zu schmeißen, als Gustav Gaisbauer, auch Marlos-Bürger der ersten Stunde, der leider heute nicht dabei sein kann, mir versprach den CL für mich zusammenzustellen. Auch das war nur eine vorübergehende Lösung, Gustav war mit der Arbeit an zwei eigenen Magazinen total überfordert.
Als ich bei einem SF-Con 1978 in Marburg Uwe Schnabels Bekanntschaft machte, konnte ich nicht ahnen, daß er es sein würde, der mir schon sehr bald unter die Arme griff. Anfangs war das alles nur sporadisch, dann hat er sich ganz in die Arbeit hineingekniet, und seit 1981 stellt er den CL nach Absprache mit mir zusammen, tippt, layoutet, hat nicht nur den CL komplett übernommen, sondern meinen Schreibtisch, mein Archiv, meine Schreibmaschine und sogar den ganzen Arbeitsraum, der in Insider-Kreisen 'Marlos-Zimmer' genannt wird.
Das wir noch im eigenen Haus wohnen, über Hund und Katze selbst bestimmen können, verdanken wir wohl mehr einem glücklichen Zufall...
Diese kleine Feier heute füphrt einem vor Augen, wie schnell zehn Jahre vergehen. Die meisten, die in der Zeit vom November 1977 bis Januar 1978 Marlos-Bürger wurden, waren damals fünfzehn, sechzehn Jahre alt. Heute sind das erwachsene Frauen und Männer und ich muß gestehen, daß es mich froh stimmt zu sehen, daß es die Möglichkeit gibt, einer Idee, einer Begeisterung treu zu bleiben. Die Landschaft ringsum hat sich verändert - das gilt für die Situation der Verlage und den Heftroman genau wie für die Menschen die unsere Wege gekreuzt haben - aber die Insel Marlos ist so geblieben, wie ich sie einst von mir erträumt und gesehen wurde.
Da blibt es egal ob MACABROS jemals weitergeschrieben wirde oder nicht. Marlos bleibt unverändert der Ort, wo sich vieles wirkliche und unwirkliche ereignet hat und noch ereignen wird. MArlos ist in meinem Kopf, in meinem Herz - und vielleicht auch in Euren. Nein, nicht vielleicht, ganz bestimmt, denn sonst wärt ihr heute nicht hier!
Ich möchte mich bedanken für die zehnjährige Treue an einer phantastischen Idee und auch dafür, daß ihr diese Idee aus Eurer Jugendzeit mit herübergerettet habt in Euer Erwachsenen Dasein!
Ich möchte mich bei allen von ganzem Herzen bedanken, die durch ihre Arbeit mitgeholfen haben, den CL über nunmehr 50 Nummern am Leben zu erhalten und das Interesse an diesem Magazin wachzuhalten. Dieser Dank gilt auch Ingeborg Kissel die zwar kein zehnjähriges Mitglied ist und auch keine redaktionelle Arbeit geleistet hat; aber die den Club finanziell stark unterstützt. An dieser Stelle mein ganz persönlicher Dank. Bedanken möchte ich mich bei dieser Gelegenheit auch mal bei meiner lieben Frau, die in den vergangen zehn Jahren 'ne Menge Marlos-Abenteuer mit durchstehen musste, angefangen vobn der Arbeit bis spät in die Nacht bis hibn zu Frühaufstehen an vielen Sonntagen, als es darum ging, die Texte noch rechtzeitig zu Papier und zu Post zu bringen. Karin hat oft dadurch kein Wochenende gehabt. Ohne sie wäre veles nicht gegangen. Ganz zu schweigen davon, wo sie mich überall hinkutschiert hat.
Diese Jubiläumsfeier ist auch ein Dankeschön an unseren Freund Uwe Schnabel, ohne den es den CL nicht mehr gäbe. Uwe hat wie kein zweiter geschuftet, für die Fan-News aus Marlos und den Club.
Wir haben für alle Marlos-Bürger für zehnjährige Treue eine Urkunde vorberetet, für die Redakteure ein kleines Geschenk.
Es gibt nach dem Verteilen dieser Dinge noch eine kleine Überraschung. Ich hoffe jedenfalls, das es eine wird. Dazu werde ich später noch eine Kleinigkeit sagen.
Jetzt sollten wir auf das Jubiläumsjahr, auf zehn Jahre Marlos, auf alles die heute hier sind, auf unsere Freunde, die leider aus welchen Gründen auch immer nicht dabei sein können, unsere Gläser erheben. Dazu habe ich ein kleines Fläschchen mitgebracht, daß ich vor geraumer Zeit für einen besonderen Zweck besorgt habe. Ich denke, daß der heutige Tag Grund genug ist, diese Flasche zu öffnen.

Beschließen möchte ich meine kleine Ansprache mit einem Wort Björn Hellmarks:
"KOMM ZU UNS NACH MARLOS UND BLEIB. ES LOHNT SICH."

Soweit Jürgens Worte.

Ihr erinnert euch noch an das Lied "Dan Shocker läd uns alle ein"?  Wie er es in seiner Rede versprochen hatte, spendierte Jürgen sein "kleines Fläschchen" - wenn man bei einer 12 Liter Flasche Rotwein aus Kaltern aus dem Jahr unseres Herren 1981 noch von "klein" sprechen kann. Zufälligerweise hatte der Wein genau den Jahrgang an dem Uwe Schnabel das Ruder, sprich den Redakteuersposten übernommen hatte - Zufall oder Absicht, da sei dahingestellt.

Nicky Pressburger und Will Lüders schenkten jedem der Anwesende ein und wir stießen auf das Jubiläum an.

Nachdem jeder sein Glas geleert hatte - ausser Uwe, der ja bekanntlich keinerlei Alkohol trank  und dafür Cola genommen hatte - wurden um 19 Uhr die Urkunden überreicht.

Urkunden gingen an: Eric Schreiber, Irmtrud Mahler, Horst-Hermann von Allwörden, Norbert Aichele, Karin Grasmück und Werner Kurt Giesa.

Natürlich ließ es Uwe sich nicht nehmen Dan Shocker persönlich dessen Urkunde zu überreichen. Doch Jürgen hatte auch ein Präsent für Uwe Schnabel, eine Urkundentafel.

MARLOS 
- Urkundentafel - 
Dank und Annerkennung  
Uwe Schnabel (MB 130)
Geb. 17.02.1958


lautete die  Inschrift. Diese Tafel durfte Uwe sich dann in sein Wohnzimmer hängen.
Aber die Zeit der Geschenke war noch nicht vorbei, dabei war noch gar nicht Weihnachten!
Uwe Schnabel hatte noch ein Geschenk als Anerkennung für die „Marlos-Idee” und die Gründung des Dan Shockers‘s Fantastik-Clubs. Christian Marzi hatte einen Briefbeschwerer kreiert der die unsichtbare Insel Marlos darstellte. Es war ein kleines Kunstwerk und fand allseits große Beachtung.
Danach waren die Redakteure an der Reihe und empfingen aus den Händen von Jürgen und Karin Grasmück "Marlos-Gläser".

Marlos
den 31.10.87
DAN SHOCKER

stand auf der einen Seite, auf der anderen stand:

Zur Erinnerung an 10 Jahre Marlos
1977-1987
für Michael
mit einem herzlichem Dankeschön!

meinem Glases, das noch in einem Stück ist und einen Ehreplatz hat!

Außer mir bekamen Heike & Werner Kurt Giesa, Willi Lüders, Christian Marzi, Andrew Philipps ein Glas.  Auch Ingeborg Kissel bekam ein Präsent.

Mechthild Weichel nutzte danach die Gunst der Stunde und überreichte Werner Kurt Giesea ein selbstangefertigtes Amulett, den „Merlins Stern”. Werner hatte nämlich auch sein Zehnjähriges. Denn seit zehn Jahren war er nun Schriftsteller.

Nicky Pressburger hatte aber auch noch etwas in petto. Hatte der Schlingel tatsächlich Larry Brent das Kennzeichen vom Lotus Europa geklaut und überreichte nun Dan Shocker das Autokennzeichen das auf X-RAY-3 lautete. Natürlich konnte Nicky an Hand von Fotos seine Tat belegen. Ob die PSA ihm nun die Kosten für neue KFZ-Kennzeichen in Rechnung gestellt hatte, das wissen nur die Götter.

Dass viele Geschenke verteilen und erhalten machte uns alle extrem hungrig. Und so folgten wir um 20 Uhr dem Ruf der Wildniss und fielen in Tonis Pizzaria ein, wo Karin Grasmück wohlweislich Tische bestellt hatte.

Nachdem alle Mägen gefüllt und der kleine Durst gestillt war begaben wir uns alle ins Schlosshotel zurück.

Dort hatte sich ein VIP ganz besonderer Art eingefunden - Cora, die Bernhardinerhundedame der Familie Grasmück. Cora ließ sich von jedem streicheln der es wollte und war ganz friedlich und gutgelaunt.

Wer die Berichte aus dem Dan Shocker Sonderband des DSFCs kennt weiß das Cora eigentlich eine respekteinflößende Hundedame ist - jedenfalls wenn man im Hause Grasmück nächtigen durfte. Da gibts eine Story von gewissen Personen die Nachts auf die Toilette mussten... aber das ist wohl eher ein Fall für die Teestunde - gelle Rolf! Laughing

Der Rest des Abends wurde, wie es so üblich bei diesen Treffen war, beim gemütlichen Geplauder verbracht.

Kurz nach Mitternacht traten Jürgen und Karin samt Cora den Heimweg an, wobei sie genau wie Werner und Heike nicht gerade den weitesten Heimweg hatten. Tja, schon klasse wenn man Heimvorteil hat.

Stück für Stück verzogen sich die Anwesenden in die Betten bzw. nach Hause und auch Ralf Radzuweit, der als Berichterstatter anwesend war, wollte um 3 Uhr morgend nur noch an der Matratze horchen.

Um halb sechs Uhr morgens gaben dann auch die letzten drei Marlosbürger auf und gingen zu Bett - und auch nur deshalb weil diese noch „klar Schiff” machten und Geschirr spülten.
Dem entsprechend fehlte Uwe, Christian und mir auch ein paar Stündchen Schlaf, als wir uns mit dem gut ausgeruhten Ralf auf den Weg nach Frankfurt machten.

Dort schauten wir uns noch dreißig Minuten des gedrehten Films an, dann mussten Ralf, Christian und ich zum Bahnhof. Im Gegensatz zu mir hatte Ralf Radzuweit und Christian Marzi die längeren Heimfahrten, so dass sie im Zug den Schlaf nachholen konnten.

Für mich war das Jahr unseres Herren 1987 eines der besonderen Jahre in meinem Leben, und deshalb erinnere ich mich gerne zurück. Irgendwie war die Welt damals noch nicht so chaotisch wie heute - obwohl das wohl eine rein subjektive Meinung ist, die unsre Ahnen auch schon von sich gaben, wenn sie in die Jugend zurückblickten.
 
So schließ ich denn erneut meine Erzählung über die dritte und letzte Zusammenkunft des zehnjährigen Jubiläums im Jahre des Herren 1987.

Aber keine Angst, das Marlos-Treffen in Hannover im Jahre des Herren 1988 wirft schon seinen Schatten voraus. Und dann heißt es erneut: "Willkommen, oh ihr Suchenden, die ihr den Weg nach Marlos finden wollt. Setzt euch und lauschet meinen Worten."

Euer, Mikail the Bard

Kommentare  

#1 Laurin 2010-01-08 01:06
Köstlich, bei dem Text hatte ich sogar ab und zu Tränen in den Augen vor Lachen und Lachen ist ja bekanntlich gesund! :lol:
#2 Mikail_the_Bard 2010-01-08 18:49
zitiere Laurin:
Köstlich, bei dem Text hatte ich sogar ab und zu Tränen in den Augen vor Lachen und Lachen ist ja bekanntlich gesund! :lol:


Das Ganze rezeptfrei und ohne Praxisgebühr! ;-)
Leider enden meine Erzählungen über die Marlos-Cons mit dem Jahr 1997. Seit dem fand keiner mehr statt. Nun befinden wir uns im 13 Jahr ohne die große Zusammenkunft...
#3 Laurin 2010-01-08 19:27
Ja leider, Mikail_the_Bard :cry:

Zumindest hält man solche Erlebnisse immer in schöner Erinnerung und hier niedergeschrieben
kommen auch diejenigen in den Genuß, die damals eben nicht mit dabei waren. Das ist zumindest besser, als das solch schöne Erinnerungen einfach in Vergessenheit geraten :-)
#4 Volkmar 2010-03-15 21:08
Da googelt man mal zufällig nach seinem Namen und findet sich auf dieser Seite wieder. Da werden alte Erinnerungen wach!! Hat schon Spaß gemacht, die Zeit. Den Marlos-Ausweis und die Heftromane halte ich noch immer in Ehren. Viele Grüße, Volkmar Webeck, (MB 356)
#5 G. Walt 2013-08-30 14:05
Das Glas ging mir irgendwann zu Bruch (ich glaube bei einem Umzug). Schade. Bei dem treffen selbst war ich damals nicht zugegen. Es ist ein bisschen in Vergessenheit geraten, da es kein offizielles in der History war.

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