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Willkommen in der »Hundewelt« - »Mondo Cane«

Mondo Cane Willkommen in der »Hundewelt«
»Mondo Cane«

1962 legten die italienischen Regisseure Gualtiero Jacopetti, Franco Prosperi und Paolo Cavara den eigentlichen Grundstein für das Mondo-Genre mit ihrem Dokumentarfilm MONDO CANE. Dies wiederholten Jacopetti und Prosperi dann nochmals mit dem Dokumentarfilm MONDO CANE 2. Selbst danach kamen noch weitere Filme dieser Art und mit gleichem Titel in die Kinos, bei denen jedoch Jacopetti und Prosperi keine Rolle mehr spielten.

Mondo CaneDoch was war das Geheimnis dieser Dokumentationen?

Sieht man z.B. in der Wikipedia nach, so dürfte einem sofort auffallen, dass man hier die Bezeichung "Pseudo-Dokumentarfilm" bereits für MONDO CANE aus dem Jahre 1962 verwendet. Dies liegt jedoch keineswegs daran, dass man hier etwas nachgestellt hätte, was es so in der Realität eigentlich nicht gibt.

Eigentlich wird sogar umgekehrt erst ein Schuh daraus, denn Jacopetti, Prosperi und Cavara mussten zwar für die vielen kleinen Einblicke aus aller Welt durchaus drei Jahre suchen, sich aber etwas aus den Fingern saugen mussten sie sich nicht. So legten sie mit MONDO CANE den Grundstein für das Mondo-Genre, dessen Form man auch später als "Shockumentary" bezeichnete. Dabei ist die wörtliche deutsche Übersetzung von MONDO CANE "Hundewelt" (Mondo für "Welt" sowie Cane für "Hund"). Zwischen der wörtlichen Übersetzung und dem, was man aber eigentlich mit dem Titel wirklich meinte, liegt allerdings auch ein feiner Unterschied, denn sinngemäß steht der Titel MONDO CANE auf Deutsch eigentlich für "Verfluchte Welt".  

Was allerdings schon damals etwas übel aufstieß war die schon 1962 gewünschte, oder doch lieber erhoffte Political Correctness, die jedoch unsere Regisseure wohl kaum bereit waren, hier nun auch brav abzuliefern. Franco Prosperi nannte MONDO CANE daher lieber gleich eine "Anti-Dokumentation" mit der man bewusst die Zuschauer "in ein Wechselbad der Gefühle" stoßen wollte.

Völlig fern lag ihnen daher eine Dokumentation über schöne Natur- und Tieraufnahmen oder zu welchen großen Leistungen die Menschen auf der Welt in der Lage sind, oder aus heutiger Sichtweise vielleicht hätten sein können. Denn nicht alles, was man so zu Beginn der 1960er Jahre als menschliche Leistung bejubelt hatte, stellt sich heute als ein Segen des menschlichen Geistes heraus. Das man da aber schon damals so einiges recht kritisch sah, macht selbst heute der Film MONDO CANE durchaus ersichtlich. Kritische Stimmen sahen jedoch in MONDO CANE damals in erster Linie recht schnell eher eine Verherrlichung von Gewalt und Pornographie.

Nun muss man dabei auch gestehen, dass man später eben auch vor der Präsentation sogenannter internationaler sexueller "Abartigkeiten" usw. (je nachdem, wie man es damals eben sehen wollte) nicht zurückschreckte. So gab es dann eben auch bald entsprechende Dokumentationen im Stil von MONDO CANE, die dann unter Titeln wie etwa MONDO SEXUALITY (neben INSERATEN-REPORT oder ADDIO ONKEL TOM) sowohl unterhalten, schockieren und in gewisser Weise auch ein wenig aufklären wollten. Heute läuft so etwas zumeist unter dem Oberbegriff "sexueller Fetische" und holt auch nur noch sehr bedingt so manchen noch erstaunt hinter dem Ofen hervor.

Was den Vorwurf der Pornographie bei MONDO CANE aus dem Jahre 1962 anging, so war dieser Vorwurf recht bald kaum wirklich zu halten. Denn wenn man älteren US-Frauen zusieht, wie sie in einer Art Fitnessstudio versuchen, mit schwungvollen Bewegungen ihre Falten so fit zu machen, das sich noch mal ein Mann finden lässt, der sie zum Traualtar führen könnte, hofft man als Zuschauer eigentlich nur noch, dass man bei diesen Bildern nicht blind wird. Und selbst wenn an der Küste von Australien jüngere Damen in Badeanzügen seltsame Rettungen von jungen Schwimmern vor dem ertrinken darstellen, kommt man eigentlich heute bei diesen putzigen Bildern irgendwie nicht aus dem schmunzeln heraus. Besonders wenn man sieht, wie zaghaft die Damen hier eine Mund-zu-Mund-Beatmung angehen und dann hübsch synchron bei der öffentlichen Darbietung immer wieder ihren Blick in Richtung der Badehosen der willigen jungen Buschen richten. Glücklicher Weise zeigten diese "männlichen Geretteten" an dieser Stelle aber keine offensichtliche Reaktion.

Weniger lustig sind dagegen die Bilder von der Hamburger Reeperbahn, wo man stark alkoholisierte Menschen zeigt, wie sie selbst am nächsten Morgen auf offener Straße unkontrolliert taumeln oder völlig betrunken aufeinander im Streit einschlagen. Denn spätestens bei solchen Bildern merkt man, wie schnell und wie weit der Mensch sich eigentlich von Kultur und Zivilisation entfernen kann, wenn man ihn nur von der Leine lässt. Aber seien wir da mal ehrlich, hierzu muss man heute nicht mehr zur Reeperbahn fahren, denn jedes Fußballspiel  hat seine bis zum Stillstand der Augen alkoholisierten und prügelnden "Ultras" (nett beschrieben auch Fußballrowdys genannt) als eher ungeliebte Fangemeinde zu bieten, an denen dann am Wochenende jegliche Form von Sozialisation und Zivilisation (von Kultur kann eh wohl keine Rede mehr bei ihnen sein) verloren zu gehen scheint. Viel eher bricht dann zwischen Alkohol und (verbotener) Pyrotechnik der auch gewaltbereite Höhlenmensch in den Stadien und auf der Straße aus ihnen wieder hervor. Allerdings handelt es sich in allen Fällen wohl auch um Bilder, die man damals wie heute nicht unbedingt gerne in einer Dokumentation über den Mensch an sich sehen wollte.

Mondo CaneMondo Cane und die Gewaltfrage:
Bei der Gewaltfrage war man bei MONDO CANE allerdings wirklich nicht zimperlich. Dabei spielt die Gewaltfrage in MONDO CANE sich weniger zwischen den Menschen selbst ab. Viel eher bekommen wir hier recht unschöne wie schockierende Bilder geliefert, wie der Mensch sich als soganannte "Krone der Schöpfung" sich z.B. gegenüber den Tieren verhält.

Prosperi rechtfertigte die gezeigte Gewalt daher auch deshalb, weil sie, was den Menschen betrifft, ganz klar ein Teil seines Lebens darstellt. Unschön für den Tierfreund dürfte da z.B. beim Auftakt von MONDO CANE schon sein, wo man sieht, wie man einen kleinen veränstigten Hund an der Leine an anderen Hundezwingern vorbeischleift, um ihn dann mit einem Fußtritt in einen der Verschläge zu seinen wild kläffenden Artgenossen zu sperren.

Dabei ist diese Auftaktszene sogar noch realtiv harmlos, denn nachdem man kurz danach so einige Menschen beobachtet, die auf einem Tierfriedhof in den USA ihre verstorbenen Haustiere mehr betrauern, als eventuell einen verstorbenen Nachbarn, so wird man in einer anderen Szene mit Ureinwohnern konfrontiert, die alle fünf Jahre ihre Schweine in einem Tal zusammentreiben, um sie dort mit Knüppeln zu erschlagen und später bei einem Festmahl zu verspeisen. Und in einer weiteren Szene bekommt man dann mit, wie perfekt Gurkha-Soldaten im Dienst der British Army bei einer Vorführung festgebundene Büffel mit nur einem Hieb mittels einer langen Klinge den Kopf abschlagen. Und wer seine Liebe zu den Hunden einer weiteren Schocktherapie unterziehen will, der wird dann mit einer weiteren Szene aus Asien belohnt, wo man sich gleich den entsprechenden lebenden Hund aussuchen kann, den man dann bald danach auf seinem Teller zum verspeisen zubereitet wiederfindet. Aber auch hier sei mal unter der Hand gesagt, dass z.B. in der Schweiz der Verzehr von Hundefleisch zwar auch verboten ist, aber in einer weitaus moderneren Dokumentation mal gezeigt wurde, dass auch hier dieses Verbot bei entsprechender Nachfrage und gutem Geldbeutel in getarnten Kreisen durchaus umgangen wird. Man muss also nicht unbedingt immer in Richtung Asien (bzw. China) zeigen, wenn man einen gehäuteten Pudel im Kochtopf schmoren sehen will.

Was MONDO CANE oder dessen Nachfolger als Dokumentation allerdings gemeinsam haben, ist der Umstand, dass bei der schnellen Abfolge der unterschiedlichen filmischen Segmente niemals tiefer nachgehakt wird, um das Gesehene auch verstehen und eventuell richtig einordnen zu können.  Hier nehmen die Regisseure viel eher mit ihren Beiträgen bereits 1962 etwas von der heutigen YouTube-Generation vorweg, wo man sich viel bequemer mit den jeweils passenden Clips durch eine Welt aus Kuriositäten, Fanatismus, Gewalt und schockierender kultureller Eigenarten klicken kann. Aus diesem Grund wäre eine Dokumentation im Stil von MONDO CANE heute im Kino wohl auch kaum noch möglich, bzw. für die Macher finanziell erträglich, da man gleiches ohne Probleme nur mit wenigen Klicks sich eben gleich im Internet nun selbst zusammenstellen und anschauen kann.

Mondo CaneWas damals im Bahnhofskino nach schockte:
Nehmen wir als Beispiel nur einmal in MONDO CANE die gezeigten Szenen aus Asien heran und wie man dort damals in manchen Regionen mit dem Sterben naher Familienangehöriger und dem Tod selbst umging.

Es ist durchaus selbst heute noch irgendwie schockierend zu sehen, wie die Menschen sich mit diversen Köstlichkeiten der Region gut gelaunt vollfressen, während sie darauf warten, dass ein Angehöriger in einem Sterbehaus (eine etwas bessere Form einer Bruchbude)  endlich den Löffel abgibt. Gut, hier in Deutschland nennt man so etwas zynisch einen Leichenschmaus. Nur den nimmt man hier bekanntlich nach der Beerdigung eines Verstorbenen in einem Gasthaus etwas stiller und (hoffentlich) gesitteter zu sich. Ganz anders in den hier gezeigten Szenen aus Asien, wo man wahrlich eben schon vom fröhlichen fressen reden darf, während der Angehörige noch im Sterbehaus auf einem kargen Bettgestell in den letzten Zuckungen liegt.

Das schockierende hierbei ist nicht einmal der Umstand, dass es so etwas in manchen Kulturkreisen wohl gibt, sondern wie perfekt man in MONDO CANE die Bilder der fröhlich speisenden Angehörigen mit denen der sterbenden Menschen verbindet. Dazu kommt dann der stets zynische Kommentar, der das gezeigte sogar in Teilen noch offensichtlich etwas ins Lächerliche zieht. Und diese Verbindung ist bei allen damaligen Dokumentarfilmen dieser Art irgendwie ein Gemeingut.  Aber auch die Abfolge der jeweiligen Beiträge aus aller Welt (in MONDO CANE selbst richtet man den Blick recht gerne in Richtung Asien bzw. auf einige damals noch vorhandene Naturvölker) folgt einem recht ausgefeilten Muster. Sind sie doch wie ein Kaleidoskop angeordnet, in denen auf kuriose bis groteske Beiträge dann immer wieder befremdliche bis schockierende Aufnahmen folgen. Der Zuschauer wiederum folgt diesem System nur zu gerne, wird hier doch seine voyeuristische Seele irgendwo zwischen Schmunzeln und Schrecken doch geradezu perfekt gestreichelt.

Und natürlich ist auch die Abfolge der jeweiligen kleinen Beiträge mit System geordnet. Denn man springt hier von Asien nach Neu Guinea um sich kurz darauf in Australien oder den USA wiederzufinden, bevor man dann eben plötzlich in Deutschland oder Italien landet. Dabei kommen dann auch kurze Beiträge zu stande, die man wohl schon damals nicht unbedingt dem Normalbürger so offen präsentieren wollte, wie etwa der Schrecken für die Tierwelt auf dem Bikini Atoll, wo die USA zwischen den 1940er und 1950er Jahren mehrere Kernwaffentests durchführten. Denn man wollte damals den Menschen eigentlich nicht unbedingt Meeresschildkröten zeigen, die nach der Eiablage elendig und völlig erschöpft auf der Insel sterben, weil sie infolge der radioaktiven Strahlung über keinen Orientierungssinn mehr verfügen und so statt zurück zum Meer ins innere der Insel kriechen. Oder Seevögel, die hunderte von Eiern ausbrüten, ohne zu wissen, dass diese völlig durch die Radioaktivität steril sind und kein neues Leben hervorbringen.

Schaffte es so damals noch MONDO CANE auch zum Teil in die großen Kinos, so drängte man z.B. in Deutschland die Nachfolgefilme dieses Genre dann doch recht schnell ab in die etwas schmuddeligen  wie kleineren Bahnhofskinos der Großstädte, in denen man eh damals so manchen starken Tobak bis hin zum offensichtlichen Trash zu sehen bekam. So  hatte auch ich meine ersten Kontakte zu Beiträgen wie MONDO CANE oder z.B. so manchem Film von Jess Franco während meiner Militärzeit in einem solchen Kino in Hamburg (1979-1980) gefunden.

Man mag da auch heute noch etwas den Kopf schütteln über die durchaus wechselhafte Anordnung der einzelnen Beiträge in MONDO CANE wie auch der Form der Darbietung der verschiedenen Inhalte, aber damals machten Gualtiero Jacopetti, Franco Prosperi und Paolo Cavara zumindest für einen Kinobesuch die Welt um einiges kleiner, wenn es um Kuriositäten, menschliche Grausamkeiten und scheinbare Abnormitäten aus aller Welt ging. Ins Kino gehen muss man heute jedoch hierfür wie gesagt ja nicht mehr, denn Dank des Internet ist man heute jederzeit in der Lage, gleiches und ebenso ungeschöntes Clip für Clip ganz individuell selbst zusammenzustellen.

Damals jedoch präsentierte man so eben einen farblichen Bilderrausch in perfekter Schnittfolge, bei denen man es ebenso perfekt verstand, passende Anknüpfungspunkte zwischen den unterschiedlichsten Kulturkreisen zu schaffen. So erhielt MONDO CANE von 1962 nicht ohne Grund den David-di-Donatello-Preis als bedeutendste Filmauszeichnung Italiens und wurde so ganz nebenbei auch für die Goldene Palme von Cannes vorgeschlagen. Aber auch der Song "More" von 1963, der auf dem Titelthema von MONDO CANE basiert, wurde mit einer Oscar-Nominierung bedacht und existiert bis heute in vielfacher Interpretationsform unter anderem seitens Frank Sinatra oder Judy Garland.

Der nachfolgende Dokumentarfilm MONDO CANE 2 bestand dagegen eigentlich fasst nur noch aus Szenen, die nach der Produktion von MONDO CANE übrig geblieben waren. Dafür gelang ihnen 1966 mit AFRICA ADDIO (1966) ein weiterer authentischer, filmischer Beitrag, bei dem sie sich auf Ostafrika nach der Kolonialzeit konzentrierten, welches damals Gefahr lief, in völlige Anarchie zu versinken. Versuchten Jacopetti und Prosperi mit AFRICA ADDIO jedoch hier eher auf die vielen Misstände in Afrika aufmerksam zu machen, so brachten sie damit gleichsam einen anderen, schlimmeren Stein ins rollen. Denn aufgegriffen wurde dieses Thema dann leider in den siebziger und achtziger Jahren auch von den Brüdern Angelo und Alfredo Castiglioni, die mit den Mondo-Filmen SECRET AFRICA, SHOCKING AFRICA oder AFRICA UNCENSORED eher auf inhaltlich rassistische Elemente, sowie grausame Stammesrituale und jeder Menge nackter Haut und sterbender Menschen basierende Werke nachschoben.

Mit dem aufkommen der Videorecorder in den heimischen Wohnzimmern fanden die Mondo-Filme auf VHS (oder alternativ eventuell auf Formaten wie Betamax oder VCC) nochmals eine gewisse Auferstehung in so manchen Videotheken (mitunter auch ungekürzt unter dem Ladentisch), verschwanden aber gleichsam auch in den 1980er bis 1990er Jahren dann fasst völlig im Untergrund. Dafür kamen ähnliche Filme z.B. des US-Regisseur Conan LeCilaire und dem Drehbuchautoren Alan Black (mit der sechsteiligen Reihe GESICHTER DES TODES) auf den Markt, die mit authentischen wie aber auch nun ersichtlich nachgestellten Szenen über die verschiedenen Arten des Todes  (Hinrichtungen, Selbstmord usw.) schockieren wollten.

Jacopetti hatte bis zu seinem Tod im Jahre 2011 in Rom für die Nachahmer innerhalb der Mondo-Welle allerdings nur Verachtung übrig. Denn während er und Prosperi sowie Cavara für MONDO CANE über drei Jahre die Welt berreisten um die bis dahin noch nie gezeigten Bilder in ihrem Dokumentarfilm entsprechend zu verarbeiten, setzten die Nachfolger auf schnelle, rein auf Grausamkeiten ausgerichtete  Aufnahmen in einer ebenso schnellen wie mitunter völlig sinnfreien Abfolge.

Mondo CaneMeine Filmkritik:
Man mag den Machern von MONDO CANE ja vieles vorwerfen können, denn sie gaben sich nicht gerade damit ab, vieles tiefer hinterfragen zu wollen und setzten hier recht gekonnt auf eine Mischung aus eher belanglosen Kuriositäten, zerstörerischen Elementen der Zivilisation und brutalem menschlichen Fehlverhalten gegenüber gerade Tieren und unterlegten dies mit zum Teil humoristischen bis zutiefst zyischen  Kommentaren. Damit befriedigt man auch im Stil der BILD-Zeitung bis RTL  durchaus die niederen voyeuristischen Triebe des Publikum.

Im Rückblick wird man aber auch mit Naturvölkern konfrontiert, die es so heute nicht mehr geben dürfte und von deren zum Teil seltsamen Gepflogenheiten man  vielleicht sonst nie etwas erfahren hätte, wie etwa einigen Ureinwohnern der Südsee, die damals in ihrem "Cargo-Kult" Flugzeuge als gottgesandte Himmelsboten ansahen, welche sie mit selbstgebauten Flugzeugattrappen dazu bewegen wollten, auch bei ihnen zu landen. Und so mancher kleine Beitrag zeigt Dinge, die wir hier vielleicht nur sehr schwer verstehen können. Seien es nun Menschen und besonders Kinder, die bei einem religiösen Totenkult Knochen und Schädel von Verstorbenen polieren, oder religiöse Fanatiker, die sich bei einem Fest selbst mit Glassplitter versehenen Utensilien bis aufs Blut peinigen. Und auch so manche Aufnahmen mit Tieren die lebendig und grausam  gefoltert, getötet und/oder verspeist werden, dürften so manchen Veganer  noch heute in die Ohnmacht treiben. Aufgelockert wird das ganze dann von eher kuriosen Szenen über Männer in Italien, die sich alle als Nachfolger des Schauspielers Rudolph Valentino ansehen (wobei eine gute Portion Selbstüberschätzung durchaus vorhanden sein dürfte), oder Inselbewohnerinnen, die sich auf die Jagd nach den Männern machen um sich mit ihnen zu paaren - koste es was es wolle.

Wie gesagt, man kann den Machern da durchaus einiges vorwerfen, aber wie schon die Zeitschrift SPIEGEL im Internet zum Dokumentarfilm MONDO CANE in seiner Kririk schrieb,  wird dieser Film jedoch in seiner Art und Umsetzung auch nie langweilig.  In gewisser Weise waren die Mondo-Filme aber auch die Vorläufer im Genre für Splatter- und Gore-Filme. Denn so ganz lassen sich diese auch auf Brutalität und Schockeffekte basierenden Dokumentarfilme und das Genre des Horror sich eben auch nicht voneinander abgrenzen.

In Zeiten des Internet jedoch, in der man auch ohne Probleme auf Legionen realer Clips zugreifen kann, die kurioses wie grausames direkt frei Haus liefern, hat der Schockeffekt zum Beispiel von MONDO CANE aus dem Jahre 1962  merklich nachgelassen.  Das Anliegen der Macher, den Menschen selbst auch als Lebewesen zu demaskieren, welches oft aus purer Grausamkeit handelt, war zu diesem Zeitpunkt durchaus ein Tabubruch, welcher jedoch einen tieferen kritischen Sinn hatte. Denn nicht selten muss man eben auch gerade die wieder auf den Boden der zum Teil unschönen Tatsachen zurückholen, die sich selbst so gerne als Krone der Schöpfung betrachten. Zwar konzentriert sich MONDO CANE in diesem Punkt eher gezielt auf die Grausamkeiten, welche Menschen den Tieren antun, aber er konzentriert sich auch auf kleine Seitenhiebe, denn Mensch richtet die Grausamkeiten eben mitunter auch gegen andere Menschen (z.B. durch Rassismus) oder auch gegen sich selbst (z.B. durch religiösen Fanatismus).  Schon aus diesen Gründen und weil der Film MONDO CANE mittlerweile auch ein kleines Zeitdokument darstellen dürfte, kann ich hier ohne Probleme trotzdem vier von insgesamt fünf Punkte als Höchstbewertung vergeben.

Mondo CaneMondo Cane
(Mondo Cane)
mit Stefano Sibaldi, Rossano Brazzi, Yves Klein
Regie: Gualtiero Jacopetti, Franco Prosperi, Paolo Cavara
Drehbuch: Gualtiero Jacopetti, Paolo Cavara
Produktion: Gualitero Jacopetti
Kamera: Antonio Climati, Benito Frattari
Musik: Riz Ortolani
Genre: Mondo/Shockumentary
Laufzeit: 108 Minuten (DVD)
DVD/FSK: Extended Version/18 Jahre
Extras: Englischer, Italienischer und US-Trailer, Bildergalerie, Radio-Spot, Single-Track, After "Mondo Cane" u.m.
Vertrieb: HDMV X/DVD Paradies
Italien 1962

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