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Nummer 6 - The Prisoner: Episode 12: »Sinneswandel«

Nummer 6 - The PrisonerEpisode 12
»Sinneswandel«

Ein hochrangiger Agent des britischen Geheimdienst scheint irgendwie die Schnautze von seinem Job gestrichen voll zu haben. Also macht er sich mit seinem Lotus 7 (mit dem Kennzeichen KAR 120C) auf den Weg und reicht seinen Rücktritt ein. Zu dumm nur, das man dies wohl vorausgesehen hat, weshalb unser Agent denn auch gleich mittels eines Gases umgehend ins Traumland geschickt wird.

Als er wieder erwacht, findet er sich in einem recht seltsamen Dorf wieder, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.

Nach wie vor gibt sich Nummer 6 in "The Village" nicht gerade kooperativ aber dafür eher aggressiv gegenüber dem System. Da nutzten auch bisher der Einsatz diverser Drogen oder andere Mittel nicht wirklich viel. Das Verhalten von Nummer 6 wird bei der neuen Nummer 2 daher schlicht als "Unmutual" bezeichnet, weshalb er Nummer 6 dann auch das "Wohlfahrtskomitee" auf den Hals hetzt, welches für eine Gleichschaltung auch bei Nummer 6 sorgen soll.


Nummer 6 - The PrisonerSinneswandel (A Change Of Mind)
Vorab trainiert Nummer 6 allerdings wieder einmal an seinen illegalen Fitnessaufbauten mitten im Grünen, was ja eigentlich ebenfalls als nicht gerade kooperativ angesehen werden dürfte. Nur erhält er hier aber plötzlich Besuch durch Mitarbeiter (einer davon ist der Schauspieler Michael Billington) des Systems, die nicht nur seine Trainigsgeräte zerstören wollen, sondern auch Nummer 6 wegen seinem unkooperativen Verhalten körperlich angreifen. Zwar gelingt den Rüpeln ihr Vorhaben nicht wirklich, Nummer 6 zusammenzuschlagen, doch der Plan von Nummer 2 sieht hier durchaus noch einiges mehr vor.

Da Nummer 6 nun überall als "Unmutual" eingestuft ist, beginnen die anderen Bewohner von "The Village" ihn systematisch zu meiden. Auf einem dieser Spaziergänge mit eben diesem sonderbaren Verhalten der Anwohner, trifft Nummer 6 auch auf einen etwas verwirrten Mann mit einer seltsamen Vernarbung an der Stirn. Auch er hatte sich als unkooperativ erwiesen und zeigte sich bisher nicht einsichtig. Also hatte man an ihm (scheinbar?) eine Lobotomie vorgenommen, um ihn völlig auf Linie zu bringen.

Nummer 2, welcher Nummer 6 mit der weiblichen Nummer 86 ständig beobachtet, glauben zuerst daran, hiermit Nummer 6 einschüchtern zu können. Doch auch hier macht ihnen Nummer 6 selbst bei der ärztlichen Pflichtuntersuchung ganz offensiv einen Strich durch die Rechnung. So treibt er es sogar so weit, bis das man ihn ebenfalls zu einer Lobotomie seitens der Damen vom Wohlfahrtsverein verurteilt.

Wenig später findet sich Nummer 6 gegen seinen Willen gefesselt im Operationssaal wieder, wo Nummer 86 ihm mittels eines kleinen Strahleneingriff im Stirnlappen die eigene Aggression und auch den eigenen Willen nehmen will. Am Ende soll er so ein gleichgeschaltetes Mitglied der Gemeinschaft sein. Bevor man jedoch damit beginnt, sein Gehirn entsprechend zu bearbeiten, setzt man ihn unter Drogen.

Als Nummer 6 wieder erwacht, ist es Nummer 86, die sich um ihn kümmert. Nummer 6 scheint nun jegliche Aggression verloren und so umgänglich zu sein wie ein Lamm. Zwar hat auch Nummer 6 das Gefühl, als würde etwas mit ihm nicht mehr stimmen, doch richtig einordnen kann er dieses Gefühl direkt noch nicht. Als er dann den Ort mit seinen selbstgebauten, aber nun zerstörten Fitnessgeräten aufsucht, wird er erneut von den zwei Rüpeln des Systems angegriffen, welche ihn nun für eine leichte Beute halten. Gleichsam ist es Nummer 2, welcher nun endlich die Informationen von Nummer 6 erhalten will, weshalb er z.B. seinen Posten als Agenten plötzlich gekündigt hatte. Nummer 6 bittet ihn jedoch noch um ein wenig Bedenkzeit.

Zwar kommt Nummer 6 bei der Führsorge durch Nummer 86 schnell dahinter, das sie ihm ständigst eine Droge verabreicht, dafür scheint allerdings seine Aggression wieder von Zeit zu Zeit durchzubrechen, so das Nummer 2 anordnet, die Dosis der Droge zu erhöhen. Doch Nummer 6 hat längst Mittel und Wege gefunden, nicht nur die tägliche Dosis an Drogen zu umgehen, sondern er setzt sogar Nummer 86 so selbst heimlich dieser Droge aus, um hinter das üble Spiel zu kommen, welches man mit ihm treibt. Zwar fällt dies Nummer 2 am Monitor auf, weshalb er Nummer 86 zur Zentrale zurück beordert, doch gleichsam glaubt er immer noch, Nummer 6 stände auch immer noch unter dem Einfluss der Droge "Mytol".

Als es Nummer 6 kurze Zeit später gelingt, Nummer 86 unter Hypnose zu setzen, erfährt er, das die gesamte Operation an seinem Hirn reiner Betrug war und man ihm nur Mytol verabreicht hatte, um seine Aggressionen nachhaltig einzudämmen. Bevor er Nummer 86 jedoch gehen lässt, gibt er ihr unter Hypnose nun seine weiteren Instruktionen mit.

Als Nummer 6 dann zu Nummer 2 kommt, stimmt er zu, alle Informationen die er haben wolle, preiszugeben. Jedoch möchte er dies direkt auf dem Balkon vor allen Bewohnern von "The Village" tun. Nummer 2 geht nach einigen Überlegungen darauf ein und lässt alle Bewohner vor dem Rathaus versammeln. In diesem Moment schlägt dann auch die Falle von Nummer 6 zu, der Nummer 2 als nicht kooperativ vor den Bewohnern darstellt. Unterstützt wird diese Beschuldigung dann noch dadurch, das Nummer 86 plötzlich ebenfalls (unter der Hypnose von Nummer 6) Nummer 2 als "Unmutual" bezichtigt. So schlägt die Stimmung der Bewohner von "The Village" um, die nun Nummer 2 als Gegner des Sysrem ausmachen. Nummer 2 bleibt daher nichts anderes mehr übrig, als vor dem wütenden Mob die Segel zu streichen und den Ort fluchtartig zu verlassen.


Nummer 6 - The PrisonerInformationen zur Serie "Nummer 6":
Bei dieser Episode scheint es wohl zu ziemlichen Differenzen zwischen dem eigentlich vorgesehenen Regisseur und Patrick McGoohan gekommen zu sein, was die Umsetzung dieser Episode betraf. Das Ende vom Lied war wohl, das McGoohan den Regisseur schlußendlich gefeuert hatte und er selbst wieder unter dem Pseudonym Joseph Sherf die Umsetzung in die Hände nahm.

So konnte McGoohan in dieser Episode vertärkter den Gehalt einer in allen Lebensbereichen vorfindbaren Gleichschaltung sehr viel intensiver herausarbeiten. Hierbei handelt es sich um die zwei Schlüsselpositionen der Konformität und Unterwerfung unter das System selbst. Das ist nicht gerade neu und aus vielen geschichtlichen Diktaturen, einschließlich des rechten Nationalsozialismus oder des Faschismus her auch nur zu bekannt.

In dieser Episode wird dies allerdings um einiges intensiver in den Blickpunkt gerückt, da die ansonsten eigentlich recht bunten und manchmal skurrilen Bilder aus "The Village" manchmal vielleicht heute an eine Art Disneyland erinnern, was aber mitunter die eigentlich perfide Struktur des Systems überdecken kann. Der goldene Käfig, in dem sich Nummer 6 so manches mal zu befinden scheint, ist schließlich in Wahrheit ein äußerst brutales und recht gefährliches Konstrukt. Und Patrick McGoohan muss wohl auch aus diesem Grunde die Regiearbeit in die eigene Hand genommen haben, um diese inhaltliche Aussage möglichst nicht zu verwässern, womit dann zwangsläufig die Episode SINNESWANDEL wohl auch recht beliebig ausgefallen wäre.

Spannungstechnisch dürfte die Episode SINNESWANDEL zwar nicht wirklich im oberen Bereich der Gesamtserie liegen, vom Inhalt her zeigt diese Episode allerdings recht schön auch auf, das  als Beispiel Diktaturen nicht nur in gleichförmigen braunen oder schwarzen Uniformen daher kommen müssen, sondern sich auch hinter Nadelstreifenanzügen samt Krawatte oder eben wie hier in der Serie in eher schriller Kleidung verstecken können. In jedem Fall steht die unbedingte Unterordnung unter ein System und die schleichende Gleichschaltung der Gesellschaft gerade bei Diktaturen stets auf der Tagesordnung. Wer da aus der Rolle (als Person, Volksgruppe oder aus ethnischer Herkunft) fällt, dem droht die Ausgrenzung und letztendlich wohl immer auch die Eliminierung. McGoohan zeigt hier also recht eindrucksvoll auf, das Diktaturen im Auftreten und den Formen des Terrors variieren können. Unter dem Strich bleiben Diktaturen (welcher Form auch immer) jedoch immer im Kern menschenverachtende Systeme.

Jedoch (und auch darauf zielt die Episode ab) sind Ausgrenzung und eine mitunter regide, auf erzwungener Konformität basierende Politik eines politischen Systems nicht zwangsläufig auch immer nur Elemente einer offenen Diktatur. Diese Elemente, die grundsätzlich immer die Freiheit Einzelner oder Minderheiten einzuschränken versuchen, finden wir auch durchaus in unseren sogenannten westlichen Demokratien. Da macht Deutschland spätestens seit 1949 mit einer eigenen, neuen parlamentarischen Regierung nach der Diktatur des Nationalsozialismus wahrlich keine Ausnahme. Ein untrügliches Zeichen also auch dafür, das man auch hinsichtlich unserer eigenen Demokratie immer stets wachsam bleiben muss. Denn in einer Demokratie sind solche negativen Auswüchse (die wir schon unter Kanzler Konrad Adenauer/CDU hatten) auch immer ein Nährboden für die politischen Elemente, die schlussendlich wieder auf eine regide Diktatur hinarbeiten (siehe hierzu die rechtspopulistische Progammatik der AfD).


Nummer 6 - The PrisonerMein kritischer Blick:
Wie oben bereits einmal erwähnt, ist diese Episode nicht unbedingt im oberen Bereich anzusiedeln, zumindest was die Spannung angeht. Trotzdem ist das hier zeitweise zelebrierte Katz-und-Maus-Spiel gerade auch zwischen Nummer 6 und Nummer 86 durchaus recht interessant. Man sollte sich diese Episode allerdings ebenfalls zweimal ansehen, um hier hinter die eigentlichen Grundaussagen der Episode SINNESWANDEL in seiner ganzen Bandbreite zu gelangen. John Sharp konnte mich persönlich als Nummer 2 allerdings nicht wirklich begeistern, da er die Rolle hier doch in einigen Szenen etwas zu überdreht darstellte. Dies mag allerdings durchaus auch am Drehbuch oder der Regieanweisungen seitens Patrick McGoohan gelegen haben. Aber Schwamm drüber, es muss einem ja auch nicht immer alles gefallen.

Die manchmal eher aus heutiger Sicht als "lustig" zu bezeichnenden Szenen mit den forschen Damen des Komitee können in dieser Hinsicht heute aber schon mal ein wenig von der Grundaussage ablenken. Allerdings kann man gerade an genau dieser Folge sehen, das man damals bereits wusste, wie negativ wandelbar bestimmte politische Kräfte  gerade auch in einer demokratisch-parlamentarischen Struktur sein können, wenn man ihnen nicht beharrlich auf die Finger schaut. Dies kommt nicht von ungefähr, denn der Zweite Weltkrieg war schließlich noch nicht so lange her und z.B. in der damaligen Bundesrepublik kamen ja auch nicht gerade wenige damalige Verfechter einer Diktatur ziemlich schnell wieder in Amt und Würden, die man eigentlich nie hätte mehr in verantwortungsbewußte Positionen hätte stellen dürfen.

Interessant für Serienfreunde und insbesondere Fans der Science Fiction dürfte indessen bei dieser Episode die hier eher kleine Rolle des Schauspielers Michael Billington als einer der Rüpel sein, die hier Nummer 6 offen körperlich angreifen, weil er sich dem System nicht konform zeigt. Für Michael Billington war diese zugegeben kleine Rolle nicht nur eine von vielen, sondern zugleich auch das Sprungbrett zu seiner Hauptrolle in der SF-Serie UFO (1970 bis 1971) neben Ed Bishop. Die Serie NUMMER 6/THE PRISONER hatte nämlich in Rose Tobias Shaw die gleiche Besetzungsleiterin, die danach auch für die Serie UFO zuständig war, die wiederum nach einer Idee von Gerry und Sylvia Anderson produziert wurde, welche auch für die jeweiligen futuristischen Modelle verantwortlich waren.

Nach den ersten Folgen der Serie UFO bemerkten nämlich die Produzenten, das sie für die nun folgenden Episoden eine weitere Hauptrolle benötigten, um die geplanten Inhalte umsetzen zu können. Hier erinnerte sich Rose Tobias Shaw wiederum an Billingtons Auftritt in der oben besagten Episode von NUMMER 6/THE PRISONER zurück, den sie damals ja auch interviewt hatte. Sylvia Anderson ließ darum Billington auf Shaws Hinweis hin für die besagte Rolle des Paul Foster testen.

Zwar standen neben Billington auch noch weitere fünf bis sechs Darsteller für die Rolle des Paul Foster im Gespräch und sprachen auch für diese Rolle vor, doch Michael Billington hatte recht schnell einen Stein im Brett von Lew Grade, der die Produktion der Serie UFO finanzierte. So können auch kleine Nebenrollen zu einem Sprungbrett in eine Hauptrolle werden, wie man hieran schön erkennen kann.

Nummer 6 - The PrisonerSinneswandel
(A Change Of Mind)
mit Patrick McGoohan, John Sharp, Angela Browne, Angelo Muscat, Michael Billington, Peter Swanwick, George Pravda, Kathleen Breck, Thomas Heathcote, Michael Chow u.a.
Regie: Joseph Scherf (Pseudonym von Patrick McGoohan)
Drehbuch: Roger Parkes
Produktion: David Tomblin, Patrick McGoohan, Bernard Williams
Musik: Ron Grainer
Genre: Mystery
Deutsche Erstausstrahlung: Samstag den 14. August 2010/ARTE
Originalausstrahlung: Sonntag den 31. Dezember 1967/itv
Laufzeit je Episode ca. 48 Minuten
DVD/FSK allgemein: 12 Jahre
Komplettbox DVD: 17 Episoden vollständig synchronisiert
Extras: 36-seitiges Booklet, Interview, Bildergalerie u.m.
Koch Media

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