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Nummer 6 - The Prisoner: Episode 9: »Schachmatt« (2)

Nummer 6 - The PrisonerEpisode 9
»Schachmatt«

Ein hochrangiger Agent des britischen Geheimdienst scheint irgendwie die Schnautze von seinem Job gestrichen voll zu haben. Also macht er sich mit seinem Lotus 7 (mit dem Kennzeichen KAR 120C) auf den Weg und reicht seinen Rücktritt ein. Zu dumm nur, das man dies wohl vorausgesehen hat, weshalb unser Agent denn auch gleich mittels eines Gases umgehend ins Traumland geschickt wird.

Als er wieder erwacht, findet er sich in einem recht seltsamen Dorf wieder, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.

Der Tag beginnt für Nummer 6 bereits recht seltsam, lässt aber durchaus wieder einige Rückschlüsse zu, wie weit die Menschen in "The Village" manipuliert werden. Denn Rover, dieser äußerst gefährliche Ballon schwebt mit seiner eigenen, recht seltsamen wie bedrohlichen Tonart gemächlich durch die Hauptstraße, worauf alle Bewohner von "The Village" wie versteinert stehen bleiben, bis das Rover wieder außer Sichtweite ist. Die reine Existenz von Rover ist nämlich bereits für jeden eine Alarmsignal, welches man nicht unbeachtet lassen sollte.


Nummer 6 - The PrisonerSchachmatt (Checkmate)
Auch Nummer 6 nötigt dieser Monsterballon einigen Respekt ab, schließlich weiß er sehr genau, wozu dieses unheimliche Gebilde imstande ist. Doch erstarren mag er nicht vor diesem Monsterball. Allerdings scheint auch ein älterer Herr mit Stock Rover nicht diesen Respekt zu zollen, was Nummer 6 direkt auffällt.

Als er seinen Weg weiter zum zentralen Grün des Ortes fortsetzt, macht er die Bekanntschaft mit diesem älteren Mann mit Stock, der von Rover weniger beeindruckt zu sein scheint. Dafür wird die Unterhaltung mit ihm für Nummer 6 recht interessant. Scheint er sich doch hier fasst schon in einer weitaus älteren Version seiner selbst erkennen zu können. Der ältere Mann, der auch einiges an Psychologie hinsichtlich der Menschen hier zu verstehen scheint, ist einer der zwei Schachspieler, die hier auf dem zentralen Grün gerade ein Schachspiel mit lebenden Figuren spielen.

Auch Nummer 6 wird in dieses Spiel recht schnell mit einbezogen und erlangt seinen Einsatz so als Bauer für die weiße Königin, deren Part hier die weibliche Nummer 8 übernimmt, welche scheinbar recht gerne die direkte Nähe von Nummer 6 bevorzugt. Während des Spiel kommt es jedoch zu Unstimmigkeiten, da Nummer 53, der als Turm der Königin fungiert, hier nun einige recht individelle Eigenarten an den Tag legt. Dies bleibt natürlich auch Nummer 2 nicht verborgen, der aus seiner Zentrale heraus die Situation beobachtet.

So bringt man Nummer 53 auch umgehend ins Krankenhaus, um dessen Individualismus zu brechen. Zudem glaubt Nummer 6 recht bald, die eigentlichen Gefangenen in "The Village" unter den vermeintlichen Mitarbeitern erkennen zu können. Also setzt er sich später mit Nummer 53 in Verbindung. Zusammen mit einem weiteren Gefangenen stehlen sie nun elektronische Teile um eine Art Sender zu bauen, was ihnen sogar gelingt, da man diesem Treiben scheinbar seitens Nummer 2 tatenlos zusieht.

Doch auch Nummer 6 läuft Gefahr, wieder geistig manipuliert zu werden. Die Tests zieht hierbei eine Psychologin durch, die Nummer 2 den Rat gibt, bei Nummer 6 eine Lobotomie durchzuführen, was dieser jedoch ablehnt. Dafür sorgt man allerdings mittels Gehirnwäsche dafür, das Nummer 8 sich Hals über Kopf in Nummer 6 verliebt und nunmehr ständig seine direkte Nähe sucht. Ein Sender in ihrer Halskette vermittelt der Überwachung ihren Herzschlag, der sich stets dann erhöht, wenn sie sich in der Nähe von Nummer 6 befindet und man somit auch seinen Standort ermitteln kann.

Trotzdem gelingt es Nummer 6 und den anderen Gefangenen, Kontakt mit der Außenwelt zu bekommen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt soll so ein Boot auf sie warten. Damit dieser entscheidende Zeitpunkt näher rückt, ist es Ihnen bereits im Vorfeld gelungen, den Emotionssender von Nummer 8 quasi auszuschalten. Lieferte der doch das letzte entscheidende Bauteil für ihren Sender.

Am Abend macht man sich daran, die Männer in einem Wachturm unschädlich zu machen, die von dort einen Scheinwerfer bedienen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse zum Nachteil von Nummer 6. Denn durch sein eigenes Verhalten glaubten die Mitgefangenen - darunter Nummer 53 - er sei ein Spitzel seitens Nummer 2 und haben ihn aus diesem Grund und zu ihrer eigenen Sicherheit verraten.


Nummer 6 - The PrisonerInformationen zur Serie "Nummer 6":
Die Serie NUMMER 6 mag vielleicht nicht gerade häufig über die deutschen Fernsehbildschirme geflimmert sein und die wenigsten, eher jungen Zuschauer, dürften diese Serie überhaupt noch auf dem Schirm haben. Trotzdem hatte diese Serie Spuren hinterlassen, mit denen man auch heute noch hier und da konfrontiert wird.

Ohne die Serie NUMMER 6/THE PRISONER dürfte es spätere Serien wie AKTE X oder TWIN PEAKS so eventuell nicht gegeben haben. Gekommen wären sie wohl mit Sicherheit trotzdem, doch inhaltlich kann man durchaus einige Parallelen erkennen, die heute eindeutig auf den Einfluss der Serie NUMMER 6 hindeuten.

Auch der Autohersteller Renault hatte bei seiner Werbekampagne "Escape - to the totally New Renault 21!" aus dem Jahre 1989 einen direkten Bezug in seinem Werbespot auf das vollständige Intro und diversen Motiven der Serie NUMMER 6 genommen. Ganz zu schweigen von diversen Musikgruppen wie die Band GORILLAZ oder die Rockgruppe IRON MAIDEN, die sich Bezüge zur Serie NUMMER 6 für ihre Songs sicherten.

Am auffälligsten dürfte hierbei allerdings noch die Zeichentrickserie DIE SIMPSONS sein. In der Episode "Mr. X und der Website-Schund" findet sich Homer plötzlich als Nummer 5 auf einer Insel in "The Village" wieder, wo er auch auf Patrick McGoohan als Nummer 6 trifft. Hier kann Homer der Insel nur deshalb entkommen, weil er mit einer Gabel dem Ballon "Rover" quasi die Luft rauslässt. Damit nicht genug, treffen wir in der Episode "In den Fängen einer Sekte" seitens DIE SIMPSONS auf eine große Blase, der Marge entkommen kann und die ebenfalls Bezüge zu "Rover" aus der Serie NUMMER 6/THE PRISONER aufweist.

Ein weiteres Augenmerk sollte man bei dieser Episode von NUMMER 6 auf den Darsteller der hier tätige Nummer 2 legen. Der Schauspieler Peter Wyngarde dürfte zumindest denen noch ein Begriff sein, welche in meiner Altersklasse schon in recht jungen Jahren vor der Klotze gesessen hatten. Spielte er sich doch in der Krimiserie DEPARTMENT S (1969) als "Jason King" in die Herzen der Zuschauer auch in Deutschland. Mit seiner schrillen Kleidung, dem markanten Schnautzbart samt lockigem Langhaar spielte er sich direkt zum Erfolg, weshalb die Serie DEPARTMENT S immer stärker auf seine Figur als "Jason King" zugeschnitten wurde. Am Ende gab es dann schon aus diesem Grund die auf Wyngarden zugeschnittene Spin-off-Serie JASON KING, die es nochmals zwischen 1971 bis 1972 auf insgesamt 26 Episoden (eine Staffel) brachte. Wegen homosexueller  Handlungen ertappt und deshalb verurteilt wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses war danach seine Karriere in Großbritannien faktsch beendet und so spielte er zumeist unter Pseudonym nunmehr an eher kleineren Theatern. Eine letzte größere Rolle in einem Kinofilm hatte er als Klytus in dem SciFi-Film FLESH GORDON (1980), bei der er jedoch stets eine Metallmaske trug. In der SciFi-Serie DOCTOR WHO trat er dann 1984 nochmals in vier Episoden auf. Nach einem weiteren Filmprojekt (SOHO CONNECTION/1989) und einer Episode der Serie THE MEMOIRS OF SHERLOCK HOLMES (1994) zog er sich dann völlig aus dem Filmgeschäft zurück. Peter Wyngarden verstarb am 15. Januar 2018 ohne größeres Aufsehen in London.

Nummer 6 - The PrisonerMein kritischer Blick:
Die Episode SCHACHMATT ragt nun nicht unbedingt besonders hervor, was die Handlung angeht. Jedoch ist der Einstieg durch Rover schon recht ansprechend umgesetzt worden und bietet auch einige andere, sehr interessante Aspekte.

Dass das Schachspiel innerhalb der Serie ein recht häufig auftauchendes Element innerhalb der Serie darstellt, hatte ich ja bereits im Vorfeld bereits geschrieben. Interessanter hier dürfte allerdings der ältere Schachspieler sein, der Nummer 6 nicht wirklich unähnlich ist. Auf die Nachfrage von Nummer 6 gesteht dieser z.B. das er Schach spielt, um sein Bedürfnis nach Individualität  umsetzen zu können. Außerdem könne er anhand der lebenden Schachfiguren (die alle recht bunt in ihrer Kleidung gehalten) durch genaue Beobachtung erkennen, wie man auch im richtigen Leben Freunde von Feinden unterscheiden könne. Ein Umstand, der recht offensichtlich auf eine ältere Version von Nummer 6 hindeutet, welcher ebenfalls sehr genau seine Mitbewohner zu beobachten pflegt. Es ist aber auch eine zentrale Aussage, die Nummer 6 nun dazu bringt, diesen strategischen Hinweis nun hinsichtlich einer möglichen Flucht anzuwenden.

Recht auffällig ist auch, das diese scheinbar ältere Version von Nummer 6 im weiteren Verlauf der Handlung plötzlich keine wirkliche Bedeutung mehr hat, sondern eher zu einer Randfigur mutiert, welche nun jeden entscheidenden Einfluss auf die Handlung verloren zu haben scheint. Dabei ist diese ältere Version direkt zu Beginn eine Figur, die ebenso wie Nummer 6, sich recht wenig von dem tödlichen Ballon Rover beeindrucken lässt, was schließlich das Interesse der Zuschauer und erst recht die Aufmerksamkeit von Nummer 6 auf diese Figur zieht.

Was die Handlung und das Schachspiel angeht, so kann man hier am Ende von einer Pattsituation zwischen Nummer 6 und Nummer 2 sprechen. Nummer 2 setzt darauf, das man Nummer 53 die Individualität genommen hat und somit auch den Keim der Rebellion gegen das System in "The Village". Damit soll auch Nummer 6 davon überzeugt werden, das Rebellion nichts bringt. Damit scheitert jedoch Nummer 2 auf ganzer Linie. Aber auch der Versuch, Nummer 6 über Nummer 8 ständig überwachen zu lassen, hat nur dazu geführt, Nummer 6 das entscheidende Bauteil für den Sender quasi auf dem Silbertablett zu präsentieren. Der Rückschlag dürfte für Nummer 6 jedoch ebenso bitter sein. Denn Nummer 53, welchem das selbstständige Denken eben nicht aberzogen werden konnte, wendet die Strategie von Nummer 6 nun auch gegen ihn an, um Freund von Feind  unterscheiden zu wollen. So wurde am Ende die an den Tag gelegte Selbstsicherheit von Nummer 6 zu seinem eigenen Verhängnis, weil hierdurch Nummer 53 und die anderen Gefangenen völlig falsche Rückschlüsse zogen.

Es ist also weniger die doch recht leicht zu durchschauende Grundhandlung, die diese Episode zu etwas besonderem macht. Vielmehr wird die Episode SCHACHMATT erst dadurch sehr interessant, weil sie ausdrückt, wie schädlich auch eine offen zur Schau getragene Selbstsicherheit sein kann, und das diese sogar ein Grund sein könnte, um einen wohl durchdachten Plan am Ende doch noch zum scheitern zu verurteilen. Das man die weibliche Nummer 8 hierbei zu einer liebestollen Frau macht, die wie wild nun ständig die Nähe von Nummer 6 sucht, sorgt hingegen schon für ein gewisses, eher unfreiwillig komisches Element innerhalb der Handlung.

Nummer 6 - The PrisonerSchachmatt
(Checkmate)
mit Patrick McGoohan, Peter Wyngarde, Rosalie Crutchley, Ronald Radd, George Coulouris, Patricia Jessel, Bee Duffell, Angelo Muscat, Shivaun O'Casey, Basil Dignam  u.a.
Regie: Don Chaffey
Drehbuch: Anthony Skene
Produktion: David Tomblin, Patrick McGoohan, Bernard Williams
Musik: Ron Grainer
Genre: Mystery
Deutsche Erstausstrahlung: Samstag den 29. November 1969/ZDF
Originalausstrahlung: Sonntag den 03. Dezember 1967/itv
Laufzeit je Episode ca. 48 Minuten
DVD/FSK allgemein: 12 Jahre
Komplettbox DVD: 17 Episoden vollständig synchronisiert
Extras: 36-seitiges Booklet, Interview, Bildergalerie u.m.
Koch Media

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