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Nummer 6 - The Prisoner: Episode 5: »Der Doppelgänger«

Nummer 6 - The PrisonerEpisode 5
»Der Doppelgänger«

Ein hochrangiger Agent des britischen Geheimdienst scheint irgendwie die Schnautze von seinem Job gestrichen voll zu haben. Also macht er sich mit seinem Lotus 7 (mit dem Kennzeichen KAR 120C) auf den Weg und reicht seinen Rücktritt ein. Zu dumm nur, das man dies wohl vorausgesehen hat, weshalb unser Agent denn auch gleich mittels eines Gases umgehend ins Traumland geschickt wird.

Als er wieder erwacht, findet er sich in einem recht seltsamen Dorf wieder, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.

Nummer 6 scheint in "The Village" langsam Anschluss an einzelne Personen zu erlangen. Denn mit der jungen Alison scheint er recht gut klar zu kommen. Auch hilft er ihr mit einigen Karten, ihre scheinbar vorhandenen telepathischen Fähigkeiten zu schulen. Nur leider hat er Nachts einen zu leichten Schlaf.


Nummer 6 - The PrisonerDer Doppelgänger (The Schizoid Man)
Da hilft dann Nummer 2 etwas nach und versetzt Nummer 6 in einen außergewöhnlichen Tiefschlaf mit einigen Tricks in einer Lampe in der Wohnung von Nummer 6. Was nun kommt, hätte Nummer 6 im Leben nie erwartet, denn man pflanzt ihm mittels einer Gehirnwäsche ein, ein anderer Agent zu sein, der Nummer 6 äußerlich fasst aufs Haar gleicht und als Nummer 12 betitelt wird.

Und tatsächlich taucht plötzlich ein Doppelgänger auf, welcher ihm das Leben gehörig schwer macht. Nur warum ist Nummer 6 plötzlich Links- statt Rechtshänder und was bezweckt Nummer 2 mit diesem Doppelgänger-Spiel?

Mittels eines Stromschlag kommt Nummer 6 jedoch noch rechtzeitig zur Besinnung und kann sogar mittels eines Passwort den gefährlichen Ballon "Rover" dazu bringen, in dem Doppelgänger den eigentlichen Gegner zu sehen, weshalb Rover diesen dann auch vor den Augen von Nummer 6 tötet.

Doch Nummer 6 sieht auch eine Chance in diesem üblen Spiel, welches Nummer 2 hier spielt, denn nun kann er ohne weiteres in die Rolle von Nummer 12, seinem Doppelgänger schlüpfen, welcher nun per Hubschrauber nach den Ereignissen "The Village" wieder verlassen wird. Hilfreich scheint ihm hierbei auch eine Information zu sein, das Nummer 12 eine Partnerin hatte, welche Susan heißt. Zumindest steht dies auf einem Foto in seiner Brieftasche.

Dieses mal scheint der Fluchtplan von Nummer 6 zu gelingen, denn unbehelligt kann er den Hubschrauber besteigen und Nummer 2 weist ihn auf die Sicherheitsbestimmung hin, das er während des Fluges eine Augenbinde zu tragen hat, damit der Ort "The Village" geheim bleibt. Kurz bevor Nummer 6 mit dem Hubschrauber abhebt, ruft Nummer 2 ihm noch nach, er möge Susan schöne Grüße ausrichten, was Nummer 6 dann auch dankend annimmt. Dann hebt der Hubschrauber ab.

Doch als er wieder landet und Nummer 6 die Augenbinde wieder abnimmt, befindet er sich wieder in "The Village". Hier nimmt ihn Nummer 2 lächelnd wieder in Empfang und offenbart ihm in einem Satz, warum der Fluchtversuch von Nummer 6 fehlgeschlagen ist. Denn Susan, die Partnerin von Nummer 12 ist bereits seit einem Jahr verstorben, weshalb er ihr wohl schlecht die Grüße von Nummer 2 hätte ausrichten können.


Nummer 6 - The PrisonerInformationen zur Serie "Nummer 6":
Dass ein Geheimagent in einer Serie wie JAMES BOND eigentlich am Ende einer Geschichte immer die Welt rettet, war schon damals eine der gängigsten Konturen, die ein Agentenfilm oder eine entsprechende Fernsehserie eigentlich zu liefern hatte. Dies war in der recht populären englischen Serie DANGER MAN (deutscher Originaltitel: GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE) nicht anders, mit welcher Patrick McGoohan damals bereits eine beachtliche Berühmtheit als Schauspieler erlangte.

Nur kann man durchaus sagen, das DANGER MAN in gewisser Weise auch ein Gegenentwurf zum recht bekannten JAMES BOND darstellte. So lehnte McGoohan in dieser Serie bereits Schusswaffen wie auch die wilden Affären eher ab, mit denen ein JAMES BOND schließlich auch eine gewisse Berühmtheit erlangte. Dieser eher sehr nüchterne Agent traf damit allerdings ... wenn vielleicht auch nicht den Nerv der ganzen Welt ... so doch eben den Nerv der damaligen Zuschauer recht gut. Mit dem Konzept der Serie DANGER MAN wurde Patrick McGoohan jedoch mit der Zeit immer unzufriedener, was am Ende dann auch wiederum den Grundstein zur Serie NUMMER 6/THE PRISONER legen sollte.

Im Gegensatz zu den sonst eigentlich üblichen Serien um Geheimagenten und ihrer Tätigkeit, weicht NUMMER 6 jedoch auch hierbei völlig von eben dieser bekannten Linie ab. Denn der "Superagent" arbeitet immer für ein Land mit einem klar westlich orientierten, politischem System und gehörte damals damit unverkennbar eben zu den "Guten". Dieses einfach gestrickte Muster trifft jedoch nicht auf die Serie NUMMER 6 zu.

So schrieb schon Thorsten Dörting daher zur Fernsehserie NUMMER 6 wie folgt sehr interessant:

"Vor allem stellt "The Prisoner" implizit immer wieder die eine große, noch heute virulente Systemfrage: Wie definiert sich das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen Staat und Bürger, Freiheit und Kollektiv?"

(Der Spion, der mich verwirrte/Spiegel Online)

Zwar merkt "Nummer 6" stets an, das er eben keine Nummer sei, sondern ein freier Mensch, doch über diese Feststellung hinaus bezieht er in keiner Episode eine eindeutige ideologische Position, welche zu Gunsten einer der damals großen politischen Systeme zwischen West und Ost/USA, NATO oder die Sowjetunion hinweisen könnte. Da die Möglichkeit auch durchaus offen gelassen wird, das in "The Village" eventuell die Systemfragen der Weltpolitik aufgehoben sind und dort alle Geheimdienste plötzlich Hand in Hand arbeiten, könnte man auch zu dem Schluss gelangen, das die Kernaussage schlicht und einfach lautet: Es ist völlig egal, welches politische System gerade irgendwo herrscht - im Grunde sind sie alle korrupt!

Nummer 6 - The PrisonerMein kritischer Blick:
Die sechste Episode DER DOPPELGÄNGER war in Wirklichkeit in der Produktionsreihenfolge die siebte Episode. Und auch die wurde damals seitens des ZDF nicht ausgestrahlt.

Das Konzept mit einem Doppelgänger ist zwar schon 1966 bei den Dreharbeiten zu dieser Episode bereits reichlich in anderen Filmen und Serien genutzt worden, doch in der Serie NUMMER 6 wird sie auf eine recht originelle Art und Weise umgesetzt.

Im ersten Entwurf des Skript für diese Folge wollte man sogar die junge Alison, gespielt von Jane Merrow,  und Nummer 6 zu einem Liebespaar machen. Leider scheint Patrick McGoohan jedoch mit solchen gefühlvollen Beziehungen innerhalb der Handlung auf dem Kriegsfuß gestanden zu haben und hatte diese Idee mit dem Liebespaar dann auch schnellstens wieder unterbunden.

Des weiteren dürfte Interessant sein, das Ilja Richter in dieser Episode der Nummer 2 (Anton Rodgers) innerhalb der Synchronisation seine Stimme lieh, was allerdings positiver Weise auch nicht zu auffällig erfolgte. Schließlich weiß man aus der damaligen ZDF-Musiksendung DISCO, wie nervig Richters Stimme unter Umständen ausschlagen kann.

Aber in dieser Episode wird auch der weiße Killer-Ballon zum ersten und einzigen mal mit dem Namen "Rover" betitelt. Gesamt betrachtet kann ich hier durchaus in Gänze sagen, das diese Folge DER DOPPELGÄNGER wieder zu den gehobeneren Episoden zählt, die durchgehend Spannung erzeugt. Aber auch die Schlusspointe gehört zu den genialsten Ideen, die die Serie NUMMER 6/THE PRISONER damals aufzuweisen hatte. Nach der eher wirren vierten Episode FREIE WAHL kann man also hier wieder von einer genialen Glanzstunde innerhalb der Serie sprechen.

Nummer 6 - The PrisonerDer Doppelgänger
(The Schizoid Man)
mit Patrick McGoohan, Angelo Muscat, Peter Swanwick, Anton Rodgers, Jane Merrow, Pat Keen, Earl Cameron u.a.
Regie: Pat Jackson
Drehbuch: Terence Feely
Produktion: (Keine Personenangaben)
Musik: Ron Grainer
Genre: Mystery
Deutsche Erstausstrahlung: Samstag den 31. Juli 2010/ARTE
Originalausstrahlung: Sonntag den 29. Oktober 1967/itv
Laufzeit je Episode ca. 48 Minuten
DVD/FSK allgemein: 12 Jahre
Komplettbox DVD: 17 Episoden vollständig synchronisiert
Extras: 36-seitiges Booklet, Interview, Bildergalerie u.m.
Koch Media


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