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Sylvester Stallone und seine Filme: SYLVESTER STALLONE, Teil 1

Sylvester Stallone
Teil 1

Michael Sylvester „Sly“ Gardenzio Stallone kam am 6. Juli 1946 in New York mit einer Gesichtslähmung zur Welt, der er in späteren Jahren seine hohen Wangen und einen chronisch lethargisch aussehenden Schlafzimmerblick verdanken sollte. Stallone wuchs in sehr einfachen Verhältnissen auf. In der Ehe seiner Eltern kriselte es ständig. Sylvester lief weg, wurde aber wieder eingefangen und zog schließlich als er neun Jahre alt war mit seiner  Mutter nach Philadelphia, die sich hatte scheiden lassen und eine neue Ehe geschlossen hatte.

Stallone besuchte die Notre Dame Academy sowie Lincoln High School in Philadelphia. Danach folgte die Charlotte Hall Military Academy. Zwei Jahre verbrachte er  zudem als Ausbilder am American College in Genf. Danach kehrte Stallone in die Vereinigten Staaten zurück und wählte an der University of Miami das Hauptfach Theater. Danach ging er nach New York City, um es mit der Schauspielerei zu versuchen, fand aber kaum Engagements.

Aus Geldmangel nahm Stallone schließlich für 200 US-Dollar die Rolle in dem Soft-Porno THE PARTY AT KITTY AND STUDS. Es folgten u. a. kleinere Rollen in LIEBHABER UND ANDERE FREMDE (Originaltitel: LOVERS AND OTHER STRANGERS, 1970), DER LETZTE AUSWEG (Originaltitel: NO PLACE TO HIDE, 1970), BANANAS (1971) sowie KLUTE (1971).

Bis 1973 hatte Stallone bei praktisch jedem Casting-Agenten in New York vorgesprochen und Tausende von Terminen wahrgenommen, ohne dass sich der rechte Erfolg einstellte. In dieser Zeit konzentrierte sich Stallone mehr und mehr auf das Schreiben und verfasste zahlreiche Drehbücher.

Eine erste Chance ergab sich 1974, als er eine Hauptrolle in dem Film BROOKLYN BLUES - DAS GESETZ DER GOSSE (Originaltitel: THE LORD'S OF FLATBUSH, 1974) erhielt. Danach folgten Rollen in CAPONE (1975). FRANKENSTEINS TODESRENNEN (Originaltitel: DEATH RACE 2000, 1975), MANDINGO (1975)  oder FAHR ZUR HÖLLE, LIEBLING (Originaltitel: FAREWELL, MY LOVELY, 1975).

Hinzu kamen 1975 seine beiden TV-Auftritte in THE CUTTING EDGE, einer Folge der Serie POLICE STORY, sowie in MY BROTHER, MY ENEMY, einer Folge der EINSATZ IN MANHATTAN (Originaltitel: KOJAK).

Am 28. Dezember 1974 heiratete er Sasha Czack mit der er zwei Kinder zusammen hatte, von der er sich am 14. Februar 1985 aber wieder scheiden ließ.

An seinem 29. Geburtstag, Stallone war mittlerweile von New York nach Hollywood gezogen, sah er im Fernsehen den Boxkampf von Muhammad Ali gegen den Außenseiter Chuck Wepner. Chuck schaffte, was wenigen gelang, er hielt sich gegen Ali immerhin 15 Runden im Ring. Dieser Kampf  inspirierte Stallone für seine Figur des ROCKY. 

Stallone bot den Produzenten Irwin Winkler und Robert Chartoff daraufhin kurze Zeit später sein Rocky-Drehbuch an und verlangte, die Titelrolle zu spielen. Die Produzenten wollten zwar lieber bekannte Stars wie Burt Reynolds oder James Caan für die Rolle des Rocky, aber Stallone blieb stur. Schließlich stimmten die Produzenten zu. Stallone bekam die Rolle und eine Gage von 23.000 US-Dollar. In nur 28 Tagen wurde der Film mit einem Budget von  einer Million US-Dollar abgedreht. Als der Streifen 1976 in die Kinos kam, machte der Streifen Sylvester Stallone nicht nur über Nacht berühmt, sondern ROCKY avancierte auch zum Hit an den Kinokassen und spielte weltweit 225 Millionen US-Dollar ein, davon allein über 117 Millionen US-Dollar in den USA.

"Der erste Film ist ohne jeden Zweifel sehr nah dran an meinem eigenen Leben. Aber niemand interessiert sich so recht für die Probleme und Schwierigkeiten eines sich durchkämpfenden Schauspielers. Ein Boxer ist visuell dafür einfach besser geeignet." (1)

Zudem hagelte es 1977 zehn OSCAR-Nominierungen für ROCKY. Darunter auch zwei Nominierungen für Stallone als BESTER HAUPTDARSTELLUND sowie für das BESTE DREHBUCH. Der Film gewann schließlich drei Oscars in den Kategorien BESTER FILM, BESTE REGIE sowie BESTER SCHNITT.

Nach den beiden Flops F.I.S.T. - EIN MANN GEHT SEINEN WEG (Originaltitel: F.I.S.T.,1978) sowie dem VORHOF ZUM PARADIES (Originaltitel: PARADISE ALLEY, 1978), seinem Regie-Debüt, nahm Stallone die Zügel für ROCKY II selbst in der Hand, da er mit dem Konzept des Regisseurs John G. Avildsen nicht einverstanden war. Er schrieb daraufhin das Drehbuch zu ROCKY II und führte darin auch Regie.

„Er wollte, daß Rocky im zweiten Teil Drogen nimmt und daß Sex ins Spiel kommt. Das war absurd." (2)

ROCKY II war zwar nicht mehr so erfolgreich wie der Vorgängerfilm, spielte aber immerhin noch über 200 Millionen US-Dollar ein, davon allein über 85 Millionen US-Dollar in den USA.

Nach den Flops NACHTFALKEN (Originaltitel: NIGHTHAWKS, 1981) sowie FLUCHT ODER SIEG (Originaltitel: VICTORY) konnte Stallone 1982 mit ROCKY III - DAS AUGE DES TIGERS (Originaltitel: ROCKY III) einen weiteren Hit an den Kinokassen verbuchen, in dem er auch eigene Erfahrungen aus dem Show- und Filmgeschäft einbaute.

„Rocky III beschreibt im Grunde genommen, was mit mir passierte, nachdem ich den Oscar bekommen hatte als Rocky Millionär wurde, ging es ihm genauso wie mir. Wir verloren beide das Auge des Tigers. Wir waren nicht mehr hungrig, sondern gesättigt und zufrieden. Ich hatte Agenten, Anwälte und Manager, die mir diktierten, wer meine Freunde sind, welche Filme ich drehen und wie ich mich kleiden sollte. Ich ließ sie erst gewähren und dann schmiß ich sie alle raus. Den vergleichbaren gesunden Schritt zurück nimmt im Film Rocky vor, wenn er wieder in den Slums zu trainieren beginnt, aus denen er einst hervorging."  (3)

Doch 1982 war es ein anderer Film und eine andere Rolle, mit der Sylvester Stallone endgültig den Status eines Action-Stars erlangte: RAMBO. Mit  diesem Ex-Vietnam-Veteran hatte er zudem eine weitere Figur gefunden, mit denen sich die US-Amerikaner ohne Wenn und Aber identifizieren konnten.

Sylvester Stallone spielt in FIRST BLOOD den  mit höchsten militärischen Ehren ausgezeichneten Vietnam-Veteranen John Rambo, einen Ex-Green Beret, der in einer kleinen Stadt im kalten Norden Amerikas einen alten Kriegskameraden besuche besuchen will. Aber der Freund ist tot. Völlig niedergeschlagen läuft Rambo durch die kleine Stadt.  Der Sheriff, dem Rambos Visage und Aussehen nicht passt, will ihn wegen Landstreicherei einlochen.

Rambo leistet passiven Widerstand, verweigert jegliche Aussage. Auf der Polizeistation  nimmt  man ihm seine Kleider ab. Als man ihm die Haare schneiden will, löst das blitzende Messer des Polizisten eine entscheidende Kriegserinnerung in Rambo aus: Er dreht durch und macht in zwei, drei Minuten die gesamte Besatzung des kleinen Reviers nieder und flieht danach.  Der kleinliche Rachedurst des Sheriffs, der Rambo kaltstellen will, nährt einen wahnwitzigen Konflikt, der die kleine Stadt samt Umgebung schon bald in ein regelrechtes Kriegsgebiet verwandelt.

Drei Jahre später folgte mit dem Jahr 1985 ein weiteres goldenes Jahr für Stallone. Am 22. Mai kam mit RAMBO II  - DER AUFTRAG (Originaltitel: RAMBO: FIRST BLOOD PART II), der weltweit über 300 Millionen US-Dollar einspielte, der zweite RAMBO-Film in die Kinos. Einige Monate später, genauer gesagt am 27. November 1985,  folgte mit ROCKY IV - DER KAMPF DES JAHRHUNDERTS (Originaltitel: ROCKY IV) auch der nächste ROCKY-Film in die US-Kinos, in dem Stallone erneut die Regie übernahm. Der Film avancierte nicht nur  zu einem weiteren Hit an den Kinokassen, sondern ROCKY IV blieb mit seinen Einspielergebnissen von über 300 Millionen US-Dollar bis heute auch der erfolgreichste Film der ROCKY-Reihe. Gleich am Erstaufführungswochenende spielte der Streifen über  32 Millionen US-Dollar in den USA ein.

"Als der Erfolg kam, dachte ich: Es ist jetzt mal gut mit den einfachen Geschichten über die einfachen Leute. Ich hab' mich dann selbst verraten. Ich wollte Rocky Balboa und John Rambo in eine Cartoonwelt schicken. Das ist mir gelungen. Aber der Preis war hoch. Ich habe vernachlässigt, was ein Filmemacher und Schauspieler niemals vernachlässigen sollte: gute Geschichten über Menschen zu erzählen, über ihre Hoffnungen, ihre Sorgen, ihre Komik, über Ihre gottverdammte Würde. Gute, spannende Filme. Und auch Actionfilme können Würde atmen, oder?" (4)

 

(1) Sylvester Stallone
(2) Sylvester Stallone
(3) Sylvester Stallone
(4) Sylvester Stallone

 

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© by Ingo Löchel

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