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50 Jahre James Bond: DIE BOND-ROMANE - GOLDFINGER

50 Jahre James Bond: DIE BOND-ROMANEGoldfinger

Nach der Erledigung eines Auftrages in Mexiko befindet sich James Bond auf dem Flughafen von Miami, wo er feststellen muss, dass sein Flug auf den nächsten Tag verschoben wurde.

Als er gerade den Flughafen verlassen will, trifft er auf Junius Du Pont. 007 kann sich nur sehr dunkel an den Mann erinnern, der ihm während des CASINO ROYALE-Falles begegnet ist. Du Pont lädt Bond ein, sein Gast zu sein. Zudem will er mit 007 ein Problem besprechen.


1Beim Abendessen erzählt Du Pont seinem Gast, dass er, obwohl er ein sehr guter Spieler ist, 25.000 Dollar beim Canasta an den Millionär Auric Goldfinger verloren habe.

Du Pont bietet James Bond 10.000 Dollar an, wenn er dem Falschspieler Goldfinger auf die Schliche kommt. 007 nimmt an.

Um herauszufinden, wie es Goldfinger gelingt, Du Pont beim Kartenspielen auszunehmen, begibt er sich in Goldfingers Hotelzimmer. Dort trifft er auf Jill Masterton, die durch einen Feldstecher genau sieht, was Goldfingers Mitspieler für Karten haben und die mit ihrem Chef über ein getarntes Hörgerät über Funk verbunden ist.

Bond macht sich einen Spaß und macht Goldfinger während des Spiels einen Strich durch die Rechnung, der Du Pont danach einen Scheck ausstellen muss.

Zurück in London schiebt James Bond im Secret Service Hauptquartier in Regent’s Park erst einmal eine Woche lang Nachtdienst. Danach hat M wieder einen Auftrag für ihn.

Die britische Regierung macht sich Sorgen um den Goldschwund im eigenen Land. Ein gewisser Auric Goldfinger soll Millionen Pfund ins Ausland gebracht haben, mit denen u. a. auch SMERSCH, die Killerabteilung des russischen Geheimdienstes, unterstützt wird.

James Bond erinnert sich an die 'Einladung' Goldfingers zum Golf spielen und begibt sich zu dessen Klub, wo es zu einem kleinen Turnier zwischen den beiden Männern kommt, das 007 gewinnen kann, wodurch Bond in der Achtung Goldfingers steigt.

Doch nach und nach kommt Goldfinger dem Geheimagenten auf die Schliche, zumal James Bond versucht, die Unternehmungen des Millionärs zu torpedieren.

Nachdem es Goldfinger gelingt, 007 auszuschalten, lässt er den Geheimagenten danach ein bisschen von seinem Leibwächter, den Koreaner Oddjob, foltern. Danach wird James Bond in die USA gebracht, wo Auric Goldfinger einen besonderen Coup plant: den Überfall auf Fort Knox.

Bei der weiteren Planung macht James Bond die Bekanntschaft mit Pussy Galore, der Bandenchefin einer Frauengang aus Harlem, die zusammen mit anderen Gangstern in den USA in den Überfall involviert ist ...

Nach Dr. No erschien am 23. März 1959 mit Goldfinger der siebente James Bond-Roman, der leider etwas braucht, bis er in die Gänge kommt, und auch nicht gerade Flemings bester James Bond-Roman ist, was auch daran liegt, weil Ian Fleming in seinem Roman auf 'Wiederholungen' zurückgreift.

So haben wir am Anfang des Romans mal wieder eine Kartenspiel-Szene, wie man sie bereits aus CASINO ROYALE und MOONRAKER kennt. Und auch Auric Goldfinger, der Bösewicht des Romans, ist genauso wie Le Chiffre und Hugo Drax ein Falschspieler, dem James Bond auf die Schliche kommt.

Als neue Zutat, um die Handlung von GOLDFINGER ein bisschen zu strecken, enthält der Roman die Beschreibung eines Golfspiels zwischen Goldfinger und James Bond, das über mehrere Kapitel geht.

Nichts gegen Golf, aber wie viele Leser eines Thrillers bzw. eines James Bond-Romans spielen Golf oder sind an dieser 'Sportart' interessiert?

Erst als Goldfinger James Bond auf die Schliche kommt, dessen Leibwächter Oddjob 007 ein bisschen in die Mangel nimmt und es zur Planung und Durchführung des Überfalls kommt, wird der Roman etwas spannender.

Doch Ian Fleming hätte beim Schreiben etwas mehr Zeit in den Überfall investieren sollen. Denn das ganze Überfall-Szenario auf Fort Knox wirkt dilletantisch und ist ein Manko von GOLDFINGER.

Ein positiver Aspekt des Romans ist Auric Goldfinger, der zwar auch flemingtypische Klischees aufweist, aber weit weniger klischeehaft wirkt wie Le Chiffre oder Hugo Drax und auch mehr Substanz aufweist.

Über die Frauenfiguren im Roman gibt es nicht viel zu sagen. Sie wirken ebenfalls sehr klischeehaft, sind entweder willige Bettgefährtinnen oder werden, wie Pussy Galore und Tilly Masterton, als Lesben 'abgestempelt'

Vergleicht man den Roman mit der gleichnamigen Verfilmung, so hat der Film GOLDFINGER klar die Nase vorn, weil darin die besten Aspekte und Szenen aus dem Roman verwendet und einige 'Klischees' etwas reduziert wurden und somit 'positiver' rüberkommen.
1
GOLDFINGER
Originaltitel: Goldfinger
von Ian Fleming
Aus dem Englischen von Stephanie Pannen und Anika Klüver
Titelbild von Michael Gilette
Taschenbuch, 394 Seiten
ISBN 978-3-86425-082-8
12,80 Euro

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© by Ingo Löchel

 

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2013-07-21 14:22
Dieser Roman erschien in der Tat 1959. 1959!

In diesem Jahr gehörten zu den erfolgreichsten US-Filmen der Thriller Der unsichtbare Dritte mit Gary Grant sowie Bettgeflüster mit Doris Day. Den Ersteren hielt man für "rasant", die Darstellerin des Letzteren für "sexy". Kann man alles heute nicht mehr so richtig glauben. Darum halte ich auch die meiste Kritik an diesem Roman – und auch den anderen Flemings - für wenig hilfreich.

Für Flemings damalige Leser – die, die seine Miete bezahlten und nicht ihre Enkel – war ein Golfspiel interessant. Denn ihr Held Bond bewegte sich in Kreisen, in die er vor allem im klassenbewußten England nicht reingehörte, und konsumierte laufend Dinge, die für den Durchschnittsleser unerreichbar waren. Das ist heute schwer nachzuvollziehen, aber als der erste Bond erschien, hatte man in England erst kurz zuvor die Rationierung nach dem Krieg aufgehoben. Das kann nicht einmal mehr meine Generation nachvollziehen, wie das sein muss, grundsätzliche Dinge nur auf Bezugsscheine zu bekommen – es sei denn, man war reich -, aber für den britischen Durchschnittsleser von 1953 (Casino Royale) war alles, was Bond tat, exotisch. Heute wirkt das wie Zeilenschinderei, über Bonds Menüfolge zu lesen. Damals hat es die Figur charakterisiert.

Klar, 2013 über ein Golfspiel zu lesen, ist – vor allem wenn man kein Fan ist – ungefährt so spannend wie Farbe beim Trocknen zuzusehen. Aber der Vorwurf, dass Fleming das Buch damit "gestreckt" hätte, greift daneben. Für Flemings damalige Durchschnittsleser war auch das ein exotisches Milieu.

Das Gleiche gilt für den Vorwurf, dass der geschilderte Überfall auf Fort Knox "dilletantisch" ist und sich der Autor etwas mehr Mühe hätte geben können. Verglichen mit dem letzten supertechnischen Heist-Film wirkt es sicherlich oberflächlich, aber zur Entstehungszeit war es eine noch nie zuvor dagewesene Idee. (Sicher, wie schnell sich so etwas abnutzt, zeigt ja schon, dass die Filmversion bereits vier Jahre später die Idee aufmotzen musste. Trotzdem.)

Und was die Frauenfiguren angeht, damals waren das auch noch keine Klischees. Das haben erst Horden von Nachahmern daraus gemacht. Dabei bietet Fleming gerade in diesem Punkt in der Tat aus heutiger Sicht ein tolles Ziel, wenn man ihn kritisieren will. Ob es nun der schnarchige Herrenwitz des Namens Pussy Galore ist oder dass Bond die Lesbe als Herausforderung an seine Männlichkeit begreift, die man nur wieder auf den richtigen Weg bringen muss.

Bei so alten Büchern wäre ein Vorwort hilfreich, das den Kontext zumindest etwas illustriert. Offenbar sah CrossCult das nicht so. Natürlich erscheinen da viele Handlungselemente öde, aber das ist weniger das Problem des Autors als vielmehr das späterer Generationen von Lesern.
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#2 Falk 2013-07-22 05:59
Man sollte auch nicht übersehen, dass Golf in Großbritannien einen ganz anderen Stellenwert als Volkssport einnimmt. In Deutschland sind Golfplätze fast ausschließlich in landschaftlich idyllischen Lagen und bei exklusiver Mitgliedschaft zu finden. Öffentlich zugängliche Golfplätze, bei denen man wie im Freibad seinen Eintritt bezahlt und dann seine neun oder achtzehn Löcher spielt sind hierzulande unbekannt. In Großbritannien findet man solche quer übers Land verteilt und durchaus auch einmal am Rande eines Industriegebiets. Mir fiel sogar einmal ein Golfplatz auf, der auf einer Seite an eine Müllhalde stieß, dafür aber wohl besonders günstig zu bespielen war. Aus diesem Grunde haben Briten wohl eine andere Beziehung zu Golf und auch zur Beschreibung eines Golfspiels.
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#3 Valerius 2013-07-22 10:14
Mag ja sein, dass Golf in England einen anderen Stellenwert hat und hatte, aber es ist wohl kaum anzunehmen, dass der normale Durchschnittsbürger und Leser der Bondromane so an diesem Sport interessiert war bzw. ihn ausgeübt hat, wie ihr beiden es annimmt.

Ob GOLDFINGER nun aus dem Jahre 1959 ist oder nicht, ist erst einmal nebensächlich, weil das Problem bei Ian Fleming ist, dass seine Bond-Romane qualitativ sehr unterschiedlich sind.

Und wenn man einen Überfall auf Fort Knox beschreibt, dann sollte man sich als Autor genauso auf diese Beschreibung vorbereiten, als wenn man sein Wissen über Canasta oder Gold ausbreitet.

1959 war auch das Jahr von RIO BRAVO, um mal auf die Kinofilme einzugehen.
Und RIO BRAVO oder der UNSICHTBARE DRITTE könnte man durchaus als zeitlose Klassiker bezeichnen und haben noch heute mehr Unterhaltunswert als die meisten Schnarch- und Ballerfilmchen aus den USA, die nur noch aus dem Computer stammen und wo die Schauspieler (wenn man sie denn so nennen will) nur noch eine Art 'Nebenprodukt' sind.
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#4 Valerius 2013-07-22 10:17
Und was die Klischees bzw. Frauenklischees betrifft, die gab es bereits vor Ian Fleming in den 1940er und Anfang der 1950er Jahren. Da bauche ich z. B. nur Mickey Spillane und seine Mike Hammer-Romane zu nennen.
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#5 Larandil 2013-07-22 12:34
zitiere Valerius:
Mag ja sein, dass Golf in England einen anderen Stellenwert hat und hatte, aber es ist wohl kaum anzunehmen, dass der normale Durchschnittsbürger und Leser der Bondromane so an diesem Sport interessiert war bzw. ihn ausgeübt hat, wie ihr beiden es annimmt.

Tja. Wer würde denn auch auf die Idee kommen, Meisterschaften im Dartwerfen oder in einer hochspezialisierten Variante von Poolbillard im Fernsehen zu übertragen?
Außer Engländern natürlich ...

P.S.: Wettet man eigentlich im Ruhrgebiet noch auf der Pferderennbahn, wie es mir Marius Müller-Westernhagen in "Aufforderung zum Tanz" zeigte?
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#6 Andreas Decker 2013-07-22 19:22
zitiere Valerius:
Und was die Klischees bzw. Frauenklischees betrifft, die gab es bereits vor Ian Fleming in den 1940er und Anfang der 1950er Jahren. Da bauche ich z. B. nur Mickey Spillane und seine Mike Hammer-Romane zu nennen.


Da hast du recht. Aber die Femme Fatale des Detektivromans und des Gangsterromans ist trotz naturgemäßer Überschneidungen anders motiviert und die Rolle ganz anders angelegt als die typische Frauenfigur im Spionageroman.

Ich will begründen, was ich meine. Grob gesagt, die Frau im Noir-Krimi verführt den Protagonisten oder den Detektiv dazu, für sie die Drecksarbeit zu machen und, wenn er Pech hat, für sie den Kopf hinzuhalten. Nehmen wir den Film Body Heat oder Double Indemnity, oder eben ein paar der Mike Hammer-Romane.

Im Spionage-Roman hast du entweder die feindliche Agentin, deren Job es ist, den Helden zu bekämpfen. Oder oft die tragische Frau, die sich in den Agenten verliebt und dafür ins Unglück gestürzt wird. Wie z.b. bei LeCarre. Oder auch bei Fleming, wo Bonds Frau sofort stirbt. Und in der billigeren Variante ist sie halt der Zeitvertreib des Agenten. Da nähern wir uns wieder dem Detektivroman an :D (Obwohl dieses Klischee eigentlich seltener vorkommt als man glaubt.)
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