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Ungelegte Eier (Perry Rhodan: Kurs 2500) Drucken E-Mail
Geschrieben von Jochen Stude   
Donnerstag, 7. Juni 2007
Das Romanheft, das Universum ... und die Dinge dazwischen - Die Multimedia-KolumneUngelegte Eier

Perry-Rhodan wird sich nach Ende des Terranova-Zyklus nachhaltig verändern. Perry Rhodan MUSS sich nachhaltig verändern. Eine gewagte These für einen Leser, der erst seit Band 2300 regelmäßig dabei ist? Mitnichten!

Sofern nicht noch in Heft 2498 das Dallas-Dusch-Szenario bemüht wird, oder in letzter – besser noch: allerletzter – Sekunde (Heft 2499, ab Seite 60) die Super-Hyper-Mega-Multifunktionsbombe erfunden wird, die die Chaostruppen ans Ende aller Tage sprengt, wird nach Zyklusende ein schaler Geschmack im Mund bleiben. Natürlich entsteht dieser Geschmack auch in verschärfter Form sowohl bei der„Dallas-Lösung“, als auch bei der Megabombe, - waffe oder Mega-was-auch-immer. Wie will man es schaffen, dass man mit dem Geschmack von frischer Pfefferminze im Mund zum Kiosk geht, sich Band 2500 kauft und gespannt ist auf den Sense-of-wonder im neuen Zyklus, der so oft beschworen wird. Kann man nach Ablauf eines 200 Hefte umfassenden Zyklus, dessen Inhalt eine einzige universelle, gigantische Bedrohung ist, einfach zur Tagesordnung übergehen?

Wiederholt wurde von Seiten der Autoren erwähnt, das TRAITOR militärisch nicht zu besiegen ist. Die terminale Kolonne pflügt mir einer Urgewalt durch die Milchstraße, die ihresgleichen sucht. Ganze Planeten werden zur Ressourcengewinnung in im Weltraum treibende Gesteinsbrocken verwandelt. Angreifende Schiffe werden mit fraktalen Aufrissglocken und Potenzialwerfern abgewehrt bzw. in die Form platt gewalzter Coladosen verwandelt. In Anbetracht der Tatsache, dass Duale Kapitäne oder Vizekapitäne Befehlshaber der Kolonnen-Forts sind, gewinnt der Begriff duales System hier eine völlig neue Qualität.
Terra verbarrikadiert sich hinter einem Schutzschirm, weitgehend zur Passivität gezwungen, es werden nur minimale Fortschritte erzielt, hier mal etwas Salkrit, dort etwas vergessene Lemurer-Technik. Wie will man sich also dieser Bedrohung erwehren und zu Beginn des neuen Zyklus ab Band 2500 von dieser enormen Altlast befreien?

Ein Sieg über diese Kolonne ist noch unglaubwürdiger als das Alles-nur-geträumt-Szenario, soweit man bei SF die Glaubwürdigkeit als Maßstab heranziehen kann. Will man TRAITOR zum Abzug zwingen, muss man die entstehende Negasphäre verhindern. Aber wie will man das anstellen? Und was wäre, wenn diese Negasphäre wirklich verhindert würde? Ziehen die Truppen dann einfach so ab, nach dem Motto: Schade, hat nicht geklappt, wir versuchen es anderswo. Denkbar, aber ist das der Weisheit letzter Schluss?

Die Entstehung einer Negasphäre dauert angeblich eine seeeehr lange Zeit. Muss sie dann überhaupt verhindert werden? Natürlich muss sie das, sonst schlagen sich die Leser noch die nächsten 500 Hefte mit den Chaostruppen rum. Und dann wird´s doch wohl langweilig.
Was mich allerdings weit mehr beschäftigt, als die Frage, wie die Autoren das gegenwärtige Szenario bewältigen wollen, ist die Frage: Was kommt danach? Oder besser: Was kann danach noch kommen?

Jede neue Invasion in den nächsten tausenden von Jahren verkommt zur Lachnummer. „He, wir sind mit TRAITOR fertig geworden, was wollen denn jetzt diese Flitzpiepen von uns?“ Außerdem würde man mit einer neuerlichen Invasion die bisher dargestellte Größe und Mächtigkeit der terminalen Kolonne im Nachhinein ad absurdum führen. Ein Zeitsprung in der Handlung böte sich da an, aber: Käme die nächste Invasion wäre erstens in der Realzeit trotzdem nur eine Woche vergangen und zweitens höre ich die Leser bis hierher schreien: „Neiiiiin, nicht schon wieder“. Mit Recht übrigens. Gibt´s im nächsten Zyklus mal keine Invasion, sondern etwas völlig anderes – was aber auch irgendwann schon mal da gewesen ist – braucht man natürlich auch keinen Zeitsprung, zumindest keinen über einen längeren Zeitraum. Die Macher werden sicherlich wissen, wie der Terranova-Zyklus enden soll und es danach weitergeht. Ich unterstelle, dass diese sich bereits ihre Gedanken gemacht haben, denn wäre das nicht der Fall, würde auf dem Titelblatt der Serie nicht Perry Rhodan, sondern John Sinclair stehen und sie wäre schon lange vom Markt verschwunden. Dieses einfach-drauf-los schreiben funktioniert generell nicht, und bei einer Serie wie PR, an der die verschiedensten Autoren beteiligt sind, schon mal gar nicht.

Könnte es vielleicht auch sein, dass PR mit Band 2500 beendet wird? Die jährlichen Taschenbuchzyklen scheinen recht erfolgreich zu laufen. Könnte es sein, dass hier nicht nur Geld verdient werden soll (was völlig legitim und der eigentliche Sinn jeder professionellen Veröffentlichung ist) sondern gleichzeitig auch der Markt getestet wird, falls es zu einer Einstellung der Heftserie kommt? Man stelle sich mal vor: Die Völker der Milchstraße kabinettisiert, die Planeten ausgebeutet, die TRAITOR-Heuschrecken ziehen weiter, die Negasphäre entsteht, und ENDE. Ein Urknall! Ein Knall, der die Serie, die dann in den Taschenbüchern weitergeführt wird, bzw. aus vergangenen Jahren berichtet, in ihren Grundfesten erschüttert. Ein Knall, der die Leserschaft auf die Barrikaden treibt und zum Sturm auf Rastatt blasen lässt. Aber irgendwo doch ein glaubwürdiges Ende, allerdings auch ein äußerst unbefriedigendes. Die erfolgreichste SF-Serie, ein Mythos würde zerstört werden, nur noch rauchende Trümmer würden an die glorreiche Vergangenheit erinnern. Ein solches Ende hätte die Serie auch nicht verdient. Deshalb denke ich, dass die Serie weder eingestellt wird, noch dass dieser Zyklus in negativer Grundstimmung beendet wird. Solange man mit PR Geld verdienen kann, wird es verdient – und wie bereits erwähnt völlig legitim. Und sollte die Serie jemals enden, dann doch nicht auf solche Weise.

Aber wie geht´s weiter? Der nächste Zyklus kann nur „kleiner“ ausfallen, als der bisherige, sowohl im Unfang, als auch inhaltlich. Das sollte eigentlich jedem klar sein, aber dann treten wieder diejenigen Kritiker auf, die den Gigantismus vermissen, größere Raumschlachten etc.pp. Die Macher in Rastatt werden die jetzigen Reaktionen der Leser in Foren und Leserbriefen zu deuten wissen. Es gibt auch sehr viele positive Stimmen zum Zyklus, auf der Leserseite „betriebsbedingt“ natürlich mehr, als in den Foren. Aber man wird auch wissen, die Leserreaktionen in Relation zu den Verkaufszahlen zu setzen. Das werden viele Systemkritiker jetzt nicht gerne hören, aber nur sehr wenige Leser äußern sich öffentlich. Das Gros der Leser ist die schweigende Mehrheit, und allein an den Verkaufszahlen wird der Erfolg der Serie gemessen.

Natürlich kann man mit dem neuen Zyklus wieder nicht alle zufrieden stellen, einige Neuleser oder Wiedereinsteiger werden sich einfinden, andere enttäuscht abwandern.
Aber eines muss man den Machern der Serie neidlos zugestehen: Zumindest ich und bestimmt auch sehr viele andere wollen wissen, wie es weiter geht, was danach noch kommt; noch kommen kann. Wir werden also nächste Woche wieder den neuen PR kaufen, und den nächsten, und den nächsten. Ein Umstand, der bei John Sinclair nicht gegeben ist. Da kann ich beruhigt ein Jahr aussetzen, dann ein Heft lesen und merken, dass sich eigentlich nichts geändert hat. Zwischen endlosen Beschreibungen und sinnfreien Dialogen kämpft John dann wahlweise gegen Saladin oder Dracula II.

Und von diesem Zustand ist Perry Rhodan trotz aller Kritik der Leser noch weit entfernt. Zum Glück!

Jochen „Captain Elch" Stude
 

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