| Ein magisches Feuerwerk für Anspruchsvolle: Oliver Plaschkas "Die Magier von Montparnasse" |
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| Geschrieben von Jochen Adam | |
| Sonntag, 14. Februar 2010 | |
Ein magisches Feuerwerk für AnspruchsvolleOliver Plaschkas neuer Fantasyroman »Die Magier von Montparnasse« erscheint morgen
Was Plaschkas Erzählstil angeht, so gehen die Meinungen auseinander. Die einen sind begeistert von seinem Einfallsreichtum und seiner etwas verschlungenen, poetischen Sprache, die anderen erachten seine Texte als zu schwülstig und seine Schreibweise als zu umständlich und langatmig. In einem sind sich aber die meisten, ob Fans oder Kritiker, einig: Plaschkas Geschichten sind, was den Anspruch betrifft, den sie an den Leser stellen, auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt. Als Lektüre „für zwischendurch“ ist »Fairwater« ungeeignet. Man muss sich schon in Ruhe auf das Buch einlassen und sich beim Lesen Zeit nehmen, um die Erzählung wirklich genießen zu können. Wer sich schlussendlich dafür entscheidet und sich zum Lesen ein wenig Zeit und Ruhe nimmt, der wird es allerdings nicht bereuen: »Die Magier von Montparnasse« ist ein ebenso originelles wie höchst faszinierendes Buch, das sich angenehm von anderen Fantasywerken abhebt, die derzeit auf dem Markt sind. »Die
Magier von Montparnasse«: Inhalt An jenem 26. September 1926 werden, ausgelöst vom Zauber Ravis, eine Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Manche davon sind verblüffend, andere eher bizarr, und wieder andere lassen sich schlicht und ergreifend nur als magisch beschreiben. Allesamt haben die Ereignisse jedoch eines gemein: Sie sorgen dafür, dass die Welt im wahrsten Sinne des Wortes aus den Fugen gerät und auf eine ungeheure Katastrophe zusteuert ...
Beginnen wir ganz grundlegend mit der Story des Romans. Vorweg sollte ich an dieser Stelle vielleicht anmerken, dass die Inhaltsangabe, an der ich mich hier versucht habe, dem Buch in keinster Weise gerecht wird und die Romanhandlung allenfalls sehr dürftig beschreibt. Das liegt einmal daran, dass die Handlung, die Plaschka zum Besten gibt, derart komplex ist und die einzelnen Storylines derart miteinander verschlungen sind, dass es schwierig ist, den Kern der Erzählung adäquat in aller Kürze zusammenzufassen, ohne dabei entweder Ich möchte es mal so versuchen (ohne dabei allzu viel von der Handlung vorwegzunehmen, da man diese nur dann wahrhaft zu würdigen weiß, wenn sie sich nach und nach vor einem ausbreitet): Plaschka erzählt eine durch und durch magische Geschichte, in deren Mittelpunkt Magie und die Konsequenzen, die unachtsamer Umgang mit der Zauberkunst zur Folge haben kann, stehen. Es ist eine Geschichte, die mit jeder weiteren Seite an neuen, erstaunlichen Facetten hinzugewinnt. Schon der Prolog wirft so manches Rätsel auf und macht deutlich, dass der Plot von »Die Magier von Montparnasse« sehr vielschichtig ist. Seine wahre Komplexität offenbart sich aber erst nach und nach. Vor den staunenden Augen des Lesers entfaltet sich eine Handlung, die reich ist an originellen Einfällen und ungewöhnlichen Entwicklungen, welche eingebettet sind in einen außergewöhnlichen Rahmen, der der Story den letzten Schliff gibt. Mal philosophisch, mal melancholisch, dann wieder heiter oder packend und spannungsvoll schreitet das Geschehen bis zum Finale voran. Es ist eine Story, die einem viel zum Nachdenken gibt, die aber, da sie zwar komplex, nicht aber unnötig kompliziert ist, bestens zu unterhalten weiß – sofern man bereits ist, sich auf eine Geschichte einzulassen, deren ganze Tragweite sich erst auf den letzten Seiten in allen Einzelheiten erschließt. Was die Protagonisten angeht, so hat Plaschka im Grunde alles richtig gemacht. Ein illustres Figurenensemble voll exzellent charakterisierter Personen macht es dem Leser leicht, sich auf die Geschichte einzulassen. Zweifellos trägt hierzu auch bei, dass Plaschka die Handlung abwechselnd aus der Sicht verschiedener Figuren erzählt. Klischees bedient er sich dabei nur insofern, als dass der jeweilige Ich-Erzähler anderen Personen entsprechend eindimensionale Wesenszüge zuschreibt – Zuschreibungen, die sich im Allgemeinen als falsch erweisen, sobald die entsprechende Figur selbst in die Rolle des Ich-Erzählers schlüpft. Der Wechsel zwischen den Erzählern erweist sich als exzellenter Schachzug, bringt er dem Leser doch jeden noch so ausgefallenen Charakter geschickt näher. Das Setting des Romans beschränkt sich auf das Pariser Stadtviertel Montparnasse, das dem Leser auf zwei Lageplänen zu Beginn und am Ende des Romans vorgestellt wird. Auf den ersten Blick mag das für einen phantastischen Roman von mehr als 400 Seiten etwas dürftig sein. Es zeigt sich jedoch schnell, dass dies ein Trugschluss ist. Die ungewöhnliche Handlung des Romans macht einen schnell vergessen, dass die Kulisse der Geschichte recht eng gefasst ist. Zudem versteht es Plaschka vorzüglich, aus seinem Setting das Beste herauszuholen und Montparnasse als lebendigen, äußerst vielschichtigen Schauplatz zu zeichnen. Ein paar Worte noch zu Sprache und Komplexität des Romans: Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist »Die Magier von Montparnasse« ein sehr anspruchsvolles Buch. Plaschkas Sprache mag voll Poesie und Gefühl im Umgang mit Worten sein, sie fordert dem Leser damit gleichzeitig aber auch eine gewisse Konzentration ab. Zum „Auf-die-Schelle-Lesen“ ist der Roman wahrlich nicht geeignet, nicht zuletzt auch aufgrund der vielschichtigen Handlung, der man durchweg ein nicht zu unterschätzendes Maß an Aufmerksamkeit entgegenbringen muss, um nicht wichtige Details zu verpassen.
Ich persönlich kann aber nur jedem Freund ungewöhnlicher Fantasyabenteuer, die sich jenseits abgetretener Pfade bewegen, empfehlen, sich in die Geschichte zu vertiefen. Einfach mal abschalten, die Welt um sich herum ausblenden und ganz in die Handlung von »Die Magier von Montparnasse« eintauchen. Wem das gelingt, den erwartet ein durch und durch magischer Roman, ein anspruchsvolles Kleinod, das beweist: Fantasy ist so viel mehr als urbane Märchen und mittelalterliche Schlachtgemälde.
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