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1967: Unternehmen Stardust... oder Perry Rhodan startet in einen farbigen Kosmos! Drucken E-Mail
Geschrieben von Konrad Wolfram   
Mittwoch, 3. Februar 2010
Perry Rhodan Comics1967: Unternehmen Stardust...
...oder Perry Rhodan startet in einen farbigen Kosmos!

Nein liebe Leserschaft, ich habe mich da nicht in der Jahreszahl bei unserem allseits bekannten Universums-Erben vertan. "Unternehmen STARDUST" war der Titel des ersten Heft das im September 1967 in die Auslagen kam und das ist Realität!

Jetzt sehe ich schon die ersten Rhodanisten mit ihren Vibratormessern zwischen den Zähnen in Position gehen um über mich her zu fallen! Doch ich kann euch beruhigen. Ich meine nicht die Romanserie Perry Rhodan, denn die ist genauso Alt wie ich, also Jahrgang 1961 und ja, da war auch irgendwas mit Stardust und Mond!


Man hätte mir also einen Roman in den Kinderwagen legen müssen, wenn ich ab dem Romanstart ins All mit auf die Reise hätte gehen sollen. Nein, mein erster Kontakt mit Perry Rhodan ereignete sich in einem Kaufhaus und nannte sich nicht einfach nur Perry Rhodan sondern PERRY RHODAN IM BILD!

Der Moewig-Verlag hatte es sich nämlich 1967 zur Aufgabe gemacht, nunmehr den Comic-Markt zu erobern da ja Perry Rhodan bereits im Heftroman-Bereich eine feste Größe war. Comics wurden zu dieser Zeit nicht wie in unseren Tagen vermehrt von 30 oder 40 jährigen gelesen und gesammelt sondern zu fast 98 Prozent von Kindern und Jugendlichen. Man braucht nicht viel Phantasie um die wortreichen Argumentationen der Erwachsenen zu Comics jener Zeit zu erraten. Die Umschreibung lässt sich schlicht und einfach mit dem Wort "Schundliteratur" umschreiben (was man von Romanheften  her
ja schon kennt).

Perry Rhodan (lang Jeffries)Aber Kinder und Jugendliche waren eben auch ein fester Markt den es zu erobern galt und wenn man sie an die Roman-Serie heranführen kann, umso besser. Gleichwohl spielte auch die Verfilmung unseres guten Perry eine nicht unwesendliche Rolle für das Comic. Hierbei handelt es sich um den Film "Perry Rhodan - SOS im Weltraum" der trotz allem heute schon wieder irgendwie Kult ist, obwohl die Bezeichnung B-Movie wohl schon als maßlos übertrieben angesehen werden dürfte. Der Film von 1967 ("...4...3...2...1...morte aka Mission Stardust) war eine Gemeinschaftsproduktion von Italien, Spanien und der Bundesrepublik Deutschland unter der Regie von Primo Zeglio. Als Perry Rhodan fungierte Lang Jeffries und als Thora Essy Persson (wegen ihr lohnt es sich schon sich den Film rein zu ziehen...*fg).

So sah der Kugelraumer in PERRY RHODAN IM BILD weniger wie die aus, die man aus den Romanen her kennt (also nicht Karl Herbert Scheers Raumschiffsvorlage) sondern glichen anfangs völlig der Darstellung aus eben besagter Verfilmung. Erst später dann wurden sie der Roman-Serie angepasst mit richtigen Landestützen und einem Ringwulst (letzteres, nämlich der Ringwulst eines Kugelraumers wurde aber gerne auch ab und an mal wieder in den Comics vergessen oder bewusst kreativ nicht verwendet). Die STARDUST selbst glich denn auch optisch einer Apollo-Rakete der NASA.

Wie der Kugelraumer in PERRY RHODAN IM BILD dem Film-Raumschiff glich, lässt sich z.B. sehr gut am Titelbild des vierten Comics der Serie erkennen (PR im Bild/Ausgabe 4./Titel: "Götterdämmerung"). Der Aufbau des Comics selbst gestaltete sich wie folgt in der PR-Hauptstory (ca. 16 Seiten), einer Gucky-Story (ca. 7 Seiten) und einer Atlan-Story (ca. 6 Seiten). Die Gucky-Abenteuer wurden jedoch später eingestellt und durch die Comic-Kurzgeschichten mit dem Titel "UFO-AGENT" ersetzt. Diese Serie hatte jedoch keinerlei Bezug zum Perry Rhodan Kosmos und gestaltete sich eher wie eine Krimi-Serie in denen die Guten halt eben über eine Untertasse verfügten.

GötterdämmerungDie Perry Rhodan-Story
In den Hauptstorys von PERRY RHODAN IM BILD war man von Seiten der Verantwortlichen nicht danach bestrebt, das Forum Comic als eine Plattform für eigene, also neue Abenteuer unseres Helden zu nutzen. Vielmehr wurden auf wenigen Seiten versucht, die Romane umzusetzen.
So fiel natürlich vieles was in den Romanen beschrieben wurde unter den Tisch um eigendlich nur das wesendliche auf wenigen Seiten zu transportieren. Trotzdem gelang es spannende Abenteuer daraus zu machen. So erlebte man mit wie Perry auf die Arkoniden Chrest und Thora trifft, wie er in der Wüste Gobi die "Dritte Macht" aufbaut, Das Mutantencorps bildet, gegen die Individualverformer kämpft oder im Wega-System auf die Ferronen und ihre Widersacher, die echsenartigen Topsider trifft. Desweiteren findet er die künstliche Welt Wanderer um von der Superintelligenz Es die Zelldusche zu erhalten, bekämpft den bösen Mutanten Overhead um dann geradewegs in den Konflikt mit den Springern zu geraten.

Was die Comics an sich angeht, so wurden sie oftmals als einfach bzw. schlecht gezeichnet kritisiert. Hier muß ich aber feststellen, dass 1. in der damaligen Zeit nicht wenige Comics in der gleichen Machart auf den Markt geworfen wurden und 2. es auch bei PERRY RHODAN IM BILD Qualitätsunterschiede gegeben hat. Und mal ehrlich, seht euch mal die ersten Spider-Man Comics an, die waren auch nicht besser. Als Kind fand ich sie einfach nur faszinierend (um mal das gute alte Spitzohr Spock zu zitieren) und selbst heute mag ich am Zeichenstiel nicht rummeckern wollen (das mach ich später in den Folgeartikeln). Grundsätzlich muß ich sogar sagen das die damaligen Zeichner (auch farblich) sich sehr stark an den Titelbildern des 1995 verstorbenen Jonny Bruck hielten, was späterhin leider nicht mehr passierte! Sollte der eine oder andere mal in den Genuss kommen ein altes Heft in die Hand zu bekommen oder gar eines (oder mehrere/alle) haben, so sollte er sich einmal ansehen wie der gute "Bully" gezeichnet ist. "Bully" ähnelt nämlich stark dem US-Schauspieler Ernest Borgnine (wir erinnern uns jetzt mal stark an meinen Artikel zur Roman-Serie BUTLER PARKER, wo sein Kopf ebenso damals als Logo herhalten musste), den Jonny Bruck auch späterhin für "Bully" als Vorlage für die Bilder der "Perry-Galerie" heranzog. Alles in allem muss man hier den Machern zugestehen, dass es ihnen perfekt gelungen ist die Geschichten der Romane auf nur wenigen Seiten umzusetzen!

Raumschlacht im Wega-SektorGucky als Lehrstoff für Kinder
Nein, ich habe mich da oben gerade nicht verschrieben. Die Storys um Gucky spielten alle auf seiner Heimatwelt Tramp und so sind in den Geschichten Raumschiffe eher eine Seltenheit. Viel eher geht es in diesen kleinen Geschichten um Gucky und die ganzen Mausbiberbande (und natürlich um Karotten).

Irgendwie scheinen diese Comic-Geschichten aber nicht so ganz in diese Hefte zu passen und eher für die ganz Kleinen gedacht zu sein, denen man Abends die Geschichten vorliest und ihnen dazu die passenden Bilder zeigt. Und irgendwo zwischen Mausbibern, Karotten und Co. versteckt sich dann auch noch eine kleine Weisheit die kindgerecht zwischen Zähneputzen und Schlafen gehen an den betreffenden Jungcomicfreund im Strampler gebracht werden will!

Lässt man sich aber mal auf die kleinen Geschichten ein, so erkennt man zwischen den Worten "Niedlich" und "ach wie süß", dass hier mit Hingabe und Liebe an die Geschichten und die Zeichnungen herangegangen worden ist.

In PERRY RHODAN IM BILD taucht auch Gucky späterhin in den Hauptstorys auf, wobei er hier aber eher noch eine von vielen Randfiguren ist. Das soll sich später, nach dem Ende von PERRY RHODAN IM BILD radikal ändern, denn dann spielt der Mausbiber keine Rolle mehr in den Comics, um später mit dem einsetzen des Zeichnerstudios um Alberto Giolitti um so heftiger wider in die Comics zurück zu kehren (aber dazu ein anderes mal mehr).

Atlan und die Steine schmeißenden Menschen
Richtig, unser Arkonide fürs Grobe befindet sich hier nicht auf Arkon, wo alle weiblichen Wesen bei Drei auf den Kelchgebäuden sitzen müssen wenn er kommt, sondern im Comic darf er gleich als der Einsame der Zeit herum irren.

Zeichnerisch werden diese kurzen Storys wohl am meisten gelobt und man muss sagen, sie gefallen besser als späterhin in der direkten Nachfolgeserie von PERRY RHODAN IM BILD (wobei man eigentlich feststellen muss, dass die Serie eigentlich eher vereinfacht umbenannt wurde, denn es ging ja ohne große Zwischenpause weiter mit den Comics).

Alles in allem bekommt man bei Atlan einen sehr guten Mix aus Geschichtscomic und Science Fiction geboten, wobei man nun nicht gerade hoffen sollte, dass hier geschichtlich korrekt die Zeiten der wilden Homo Sapiens wiedergegeben werden. Viel mehr Lobeshymnen kann ich aber auch nicht weiter ausstoßen weil ich bekennenderweise nie ein Freund seiner "Zeitabenteuer" (Comic wie auch Romane) war.

Das Geheimnis der ZeitgruftKrimi in der Untertasse
Ich sage es ehrlich, ich habe den Sinn der Serie UFO-AGENT nie wirklich verstanden und wohl auch bisher nur eine Folge davon wirklich auch gelesen! Die Bilder waren recht klein, die Storys ärmlich (da nutzte wohl auch keine Spendenaktion) und zeichnerisch unter aller Kanone! Man hätte sich seitens des Moewig-Verlags besser verhalten wenn man Gucky bis zum Ende von PERRY RHODAN IM BILD beibehalten hätte. So werde ich mich hier auch nicht weiter sonderlich um diese Comics bemühen. Wer dies anders sieht, der möge es mir nachsehen!

PERRY RHODAN IM BILD und mit kurzer Lebensdauer
Über die Zeichner der damaligen Comics ist eigentlich so gut wie nichts bekannt und wurden in den Heften auch nicht genannt. Aus dieser Anonymität vermochte Michael Thiesen in seinem Artikel zu den Perry Rhodan-Comics ("Die grellen Farben der Zukunft"/Die Sprechblase v. Oktober 2002) nur den in Lothringen geborenen Kurt Caesar (1906 - 1974) zu nennen. Caesar (Wahlheimat Italien), so wusste Michael Thiesen zu berichten, fiel durch die in der faschistischen Mussolini-Ära heraus gebrachten rechten Fliegerserie "Romano il legionario" auf. Zumindest soll Kurt Caesar mehr als die Hälfte aller PERRY RHODAN IM BILD gezeichnet haben.

Mit der Nummer 27 war dann das Ende für PERRY RHODAN IM BILD gekommen. Und wie ich oben schon mal andeutete, sehe ich hier keine Einstellung der Serie an sich.

Im Banne des HypnoDenn die Serie lief eigentlich 1968 nahtlos unter dem Titel PERRY weiter, so dass auch der Konflikt mit den Springern in PERRY beendet wurde (PERRY Nummer 1./"Die Götter von Goszul").
Vielmehr wurde mit dem Wechsel des Titels und der Änderung der inneren Aufteilung die Serie eher modernisiert und auf einen Standart gebracht der nicht so altbacken daher kommt.
Für die inhaltliche Umsetzung (vom Roman in die Comicform) der PERRY RHODAN IM BILD - Comics zeichnete sich übrigens Karl Herbert Scheer verantwortlich und ich muss sagen, dass hat er mal wieder gut gemacht gehabt!

Die Reihe PERRY RHODAN IM BILD wurde späterhin (90er Jahre) von Hansjoachim Bernt im Albumformat als limitierte Reprints wieder aufgelegt und einzelne Bände waren noch bis vor kurzem über Bernts eigenem HJB-Shop als edle Hardcover-Ausgaben zu erhalten. Zumindest lohnt es sich mal im Netz dort nach zu schauen, vielleicht hat man noch Glück und ergattert noch ein Comic. Gut erhaltene Originalausgaben haben unter Sammlern aber einen stolzen Preis und auch die Alben vom HJB-Shop erzielen stolze Preise unter Sammlern so dass der Sammler hier nicht gleich vom Stuhl fallen sollte wenn er die Preisvorstellungen sieht. Oftmals werden die Hefte auch "nur komplett" angeboten wo sich der Preis nicht unter drei Stellen vor dem Komma einpendelt.

Auch der Norbert Hethke Verlag beabsichtigte, PERRY RHODAN IM BILD als "Museumsausgaben" wieder aufzulegen, jedoch nicht in Albenform sondern in Heftform wie das Original und zu einem Preis, den man schon fast für ein gut erhaltenes Original hätte hinlegen müssen. Dazu kam es jedoch nicht mehr! Genau wie bei Hansjoachim Bernt beging man erst mit den PERRY - Comics und nicht mit PERRY RHODAN IM BILD. Sollte also irgendwann nochmals jemand auf die Idee kommen, die alten Comics um Perry Rhodan wieder aufzulegen, so hier meine Bitte, fangt mit PERRY RHODAN IM BILD an wie es sich gehört und springt nicht in der Serie hin und her!


Perry Rhodan ComicsUnd weiter geht es weiter
Teil 2: Perry - Unser Mann im All... oder ein Universum der Nackten und Drogen (17. Februar 2010)
Teil 3: Weitere Versuche eines Perry Rhodan Comic (03. März 2010)
Teil 4: Perry von der Alligatorfarm
(17. März 2010)
 

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