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Von der Neufassung zum Original Drucken E-Mail
Geschrieben von Jochen Adam   
Samstag, 6. Februar 2010
Jochen und der (phantastische) TellerrandVon der Neufassung zum Original

Ganz unabhängig von ihrer Qualität haben Remakes und Adaptionen fast immer mit einem grundlegenden Problem zu kämpfen: mit der lauten Empörung von Fans des Originals, die es für eine Zumutung halten, dass ihr Lieblingsfilm neu interpretiert, ihr Lieblingsbuch (das stets unverfilmbar ist) verfilmt oder ihrem Lieblingsvideospiel eine wie auch immer geartete Adaption zuteil wird.

Als jemand, der der festen Überzeugung ist, dass die richtige Person mit den richtigen Möglichkeiten (von Talent über finanzielle Rahmenbedingungen bis hin zu technischen Möglichkeiten, was etwa Spezialeffekte angeht) im Grunde jedes Werk äußerst gelungen adaptieren bzw. neufassen kann, kann ich mit derartigen Kritiken – besonders dann, wenn sie im Vorfeld geäußert werden – meist recht wenig anfangen (auch wenn ich die Reaktionen echter Fans durchaus nachvollziehen kann).


Doch selbst als entschiedener Gegner von Neufassungen sollte man keinesfalls vergessen, dass Remakes und Adaptionen durchaus ihren Wert haben, rufen Sie doch einem breiten Publikum das Original wieder in Erinnerung – oder machen ihm gar erst einmal bewusst, dass es das entsprechende Werk überhaupt gibt. Das wiederum ist die Grundlage dafür, dass Menschen auf die Idee kommen, sich mit dem Original auseinander zu setzen. Um nur mal ein paar Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung zu nennen:

  • Nachdem ich den dritten »Mission Impossible«-Film gesehen hatte, besorgte ich mir die erste Staffel der Original-TV-Serie auf DVD – und war begeistert. Ohne das filmische Remake (das in meinen Augen nicht im Entferntesten an die TV-Fassung heranreicht), wäre mir dieses Highlight entgangen.
  • Erst die Neufassungen von »Ocean's Eleven« und »The Fog« haben mich dazu bewegen können, mir die Originale anzuschauen.
  • Die vielen Verfilmungen von Arthur Conan Doyles »Die vergessene Welt« sowie den Romanen von Jules Verne machten mich irgendwann neugierig auf die Bücher selbst. Zum Glück, wie ich mittlerweile sagen muss; insbesondere Vernes Meisterwerke wissen mich immer wieder in ihren Bann zu ziehen

Um abschließend noch ein aktuelles Beispiel zu bringen: Disney und Tim Burton sei Dank griff ich vor wenigen Tagen kurzerhand zur Buchfassung von »Alice im Wunderland«. Eine glückliche Fügung, wenn ich das so sagen darf, hat mich das Buch doch bestens amüsiert. Ohne die Neuverfilmung wäre ich in der Buchhandlung allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach einfach an dem Roman vorbeigegangen, ohne ihm einen zweiten Blick zu gönnen.

Von daher bin ich jedem Remake und jeder Adaption dankbar, stößt sie mich doch stets auf das Original, macht mich neugierig auf dieses oder animiert mich dazu, es mir, sofern bereits bekannt, ein weiteres Mal zu Gemüte zu führen. Ohne die viel kritisierten Neufassungen wäre mir so einiges entgangen – einfach deshalb, weil eben erst diese, ganz unabhängig von ihrer Qualität, meine Neugier am Original entfachen konnten.

 

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