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...Christian Montillon & Klaus N. Frick über das Ende (nicht das Scheitern) von Perry Rhodan Action Drucken E-Mail
Geschrieben von Jochen Adam   
Freitag, 7. August 2009
Christian Montillon und Klaus N. Frick ... Christian Montillon & Klaus N. Frick über das Ende  (nicht das Scheitern) von Perry Rhodan Action

Nun ist es also soweit. Viel zu früh, nach gerade einmal 36 Heften und drei Staffeln, ist die letzte Ausgabe von »Perry Rhodan Action« erschienen. Da wir zum Start der Serie beide interviewt hatten, war es für uns zu diesem  (traurigen) Anlass keine Frage, uns noch einmal an Exposé-Autor Christian Montillon und PR-Chefredakteur Klaus N. Frick zu wenden. Wir haben ihnen einige Fragen zu den vergangenen PRA-Romanen, aber auch zur Zukunft der Serie und überhaupt zu zukünftigen Projekten aus dem Perryversum gestellt.

Das Ergebnis der Frage- und Antwortrunde könnt ihr in den folgenden Zeilen nachlesen.


Zauberspiegel: Hallo Klaus, hallo Christian! Trotz des eher traurigen Anlasses freut es mich natürlich, dass Ihr dem Zauberspiegel (mal wieder) einige Fragen beantworten wollt. Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum, sondern gehen gleich ans Eingemachte!
Nach 36 Heften und drei Staffeln heißt es Abschied nehmen von PRA. Mit dem Roman »Sonnendämmerung« wird die Serie beendet. Was für Gedanken gehen Euch bezüglich der Einstellung der Reihe durch den Kopf?
Worin lagen Eurer Meinung nach die Gründe für das Scheitern des Projekts?

Christian Montillon: Ich möchte mit einer Gegenfrage kontern (die ich tatsächlich nicht beantworten kann): Verträgt der Markt eine weitere, kontinuierliche Heftromanserie? Oder etwas positiver formuliert: Ist die Zeit momentan reif dafür?
Mit Inhalten will ich gar nicht groß argumentieren – sicher hätte man manches vielleicht (noch?) besser machen können. Vielleicht war es anfangs zu viel Action. Oder später zu wenig. Oder überhaupt.
Andererseits will ich eins nicht verhehlen: Ist "Scheitern" das richtige Wort? Wir wollten 12 Romane auf den Markt bringen und es sind 36 geworden.
Du siehst, man kann sich dem Thema von vielen Seiten nähern. (Ich fühl' mich wie ein Politiker...)
Klaus Frick: Dem Begriff "scheitern" möchte ich auch massiv widersprechen. Angesichts der Tatsache, dass Heftromane seit über zwanzig Jahre für tot erklärt werden, finde ich 36 Hefte ganz ordentlich,

Zauberspiegel: Lasst uns mal auf die Serie zurückblicken, ganz im Sinne eines abschließenden Fazits. Nennt mir doch bitte zunächst einmal ganz spontan ein paar Gedanken, die Euch zu der Reihe als Ganzes durch den Kopf schießen.
Christian Montillon: Das war super. Eine tolle Erfahrung. Gute Zusammenarbeit.
Klaus Frick: Dem kann ich mich nur anschließen. PRA war viel Arbeit, aber sie war lohnenswert.

Zauberspiegel: Wo lagen Eurer Meinung nach die großen Stärken der Serie? Mit anderen Worten: Was, denkt Ihr, hat PRA ausgezeichnet und zu etwas Besonderem gemacht?
Christian Montillon: Die Rückkehr in die "gute alte Zeit", gekoppelt mit dem modernen Schreibstil und dem, was heute möglich ist, auch inhaltlich in Punkto Action.

Zauberspiegel: Ihr könnt Euch wohl denken, wie meine nächste Frage lautet: Wo hatte die Serie Eurer Ansicht nach Schwachstellen vorzuweisen?
Christian Montillon: Ein neues Team muss sich erst einmal einspielen – und um von mir selbst zu sprechen: ich musste mich in die Rolle als Expokrat einfinden.
Klaus Frick: Es waren natürlich nicht alle Romane super; das war allerdings auch kaum anders zu erwarten.

Zauberspiegel: In jeder Serie gibt es Momente, die man ganz besonders liebt und ins Herz geschlossen hat. Was waren Eure persönlichen Highlights bei PRA?
Christian Montillon: Ein PERRY RHODAN-Exposé abzugeben. Inhaltlich: Das Wanderer-Backup auszuarbeiten und seine Folgen auf die Figur und das Leben des Saquola.
Klaus Frick: Mein persönliches Highlight waren die Romane der neuen Kollegen.

Zauberspiegel: Wenn es einen Teil von PRA gibt, der reichlich umstritten ist, dann ist es die zweite Staffel. Wie steht Ihr heute, im Nachhinein, zum »Kristallmond«-Zyklus und zur Figur des Schurken Lok-Aurazin?
Christian Montillon: Loki hat nicht so funktioniert, wie er hätte funktionieren sollen. Dennoch, vorsichtig formuliert: Dass es einen Hype gab, einen Roman gleich zu verdammen, nur weil in einer Zeile sein Name auftaucht, fand ich aber ... übertrieben. Man wird das alles in zehn Jahren ganz anders beurteilen, glaube ich. Wie, das weiß ich auch nicht ...
Klaus Frick: Ich glaube nicht, dass die zweite Staffel wegen Lok-Aurazin schlecht war. Der "normale" Leser ohne Anschluss an Fan-Diskussionen hat sich über diese Figur garantiert nicht so aufgeregt. Die zweite Staffel hatte mit den denkenden Monden eine komplexe Struktur, dazu ein undurchsichtiger Bürgerkrieg auf einem fernen Planeten – ich glaube, das waren Themenkomplexe, die nicht jedem Fan gefielen.

Zauberspiegel: Die dritte Staffel hat ja leider nichts daran geändert, dass PRA schlussendlich eingestellt wurde. Glaubt ihr dennoch, dass die Reihe mit dem »Wega«-Zyklus auf dem richtigen Weg war und sich gegenüber der Vorgängerstaffel gesteigert hat?
Christian Montillon: Ja. (Wortgewaltig, gell?)
Klaus Frick: Die beste Staffel war die dritte, ganz klar.

Zauberspiegel: Bei PRA wurde das Konzept eines 12 Hefte umfassenden Zyklus ausprobiert. Wie waren die Erfahrungen, die Ihr hiermit gemacht habt? Ist ein solches Konzept tragfähig für eine Serie?
Christian Montillon: Es war ja kein neues Konzept für den Rhodan-Kosmos (siehe die ATLAN-Heftserie(n)). Und ja, es ist inhaltlich tragfähig und aus vielen Gründen »praktisch«. Andererseits ist es auch schwierig – es gilt, mehrere Spannungsbögen zu beachten.
Vielleicht kann Klaus mehr dazu sagen, er hat da sicher besseren verlagsinternen Durchblick.
Klaus Frick: Zwölf Hefte halte ich für praktisch; das sind drei Monate – und hinterher kann man drei Taschenbücher daraus machen. Seit wir den Traversan-Zyklus bei ATLAN gemacht haben, hat sich dieses Rechenbeispiel mehrfach bewährt.

Klaus N. FrickZauberspiegel: Hier nun ein paar Fragen, die sich speziell an Klaus richten:
PRA hat ja eine ganze Reihe von Autoren „hervorgebracht“, deren Romane von den Fans mit großer Begeisterung aufgenommen wurden. Gibt es Pläne, die „Neulinge“ im Perryversum zu halten? Wenn ja, wie genau sehen diese Pläne aus?

Klaus Frick:  Na klar gibt es diese Pläne. Über Details möchte ich aber erst dann reden, wenn es konkreter ist. Du weißt schon: ungelegte Eier und so.

Zauberspiegel: Im Heft hat sich das Actionkonzept ja nun leider nicht bewährt. Glaubt ihr, es könnte in einem anderen Format dennoch funktionieren (z.B. im Taschenheft)?
Klaus Frick: Ich widerspreche dem "nicht bewährt" erneut ... aber das hatten wir ja eingangs. Ob die Konzeption in einem anderen Format funktioniert, wäre etwas, das man ausprobieren müsste. Vielleicht tun wir das eines Tages. (Hausintern habe ich die Kostenstelle für PERRY RHODAN-Action auf jeden Fall auch fürs Jahr 2010 weiter laufen lassen.)

Zauberspiegel: PRA mag zu Ende sein, die Projekte im Perryversum sind es nicht, wie ja jüngst der Start der Taschenheft-Reihe zeigt. Sind bereits weitere Projekte angedacht, mit denen der Rhodansche Kosmos erweitert wird? Wie wäre es etwa mal mit einem PR-Manga (zumal ihr ja Partner in Japan habt)? Oder eine Taschenheft oder Heftserie in der Manga-/Animedramaturgie? Hier könnten völlig neue Zielgruppen angesprochen werden ...
Klaus Frick: Na klar gibt es weitere Projekte, an die wir denken. Es hapert nicht an Ideen, sondern eher an der – neudeutsch gesagt – Manpower, alles so umzusetzen, wie wir's gern hätten. Ein PERRY RHODAN-Manga gehört im Augenblick noch nicht dazu. Und woran ich gar nicht glaube, das sind Romane mit dieser Dramaturgie – ich glaube, das sind ganz unterschiedliche Leser mit noch unterschiedlicheren Erwartungen.

Zauberspiegel: Ist gerade diese ungewohnte Dramaturgie und die unterschiedlichen Leser nicht eine Chance, um junge, neue Leser für den PR-Kosmos gewinnen zu können? Oder ist das Risiko mal wirklich zu scheitern größer?
Klaus N. Frick: Ich spreche mich keine Sekunde lang gegen einen Manga-Comic aus. Aber mal ernsthaft: Wer soll diesen Comic zeichnen und texten, welcher Verlag in Deutschland soll ihn publizieren? Das ist eine Idee, die man umsetzen kann, aber nicht muss – und angesichts des derzeit schrumpfenden Manga-Marktes halte ich das für keine wirtschaftlich sinnvolle Idee. Denk doch bitte auch mal an die hohen Marketing-Kosten, die anfallen würden, und dergleichen.
Ein Roman mit Manga-Dramaturgie ist allerdings gar nicht sinnvoll; ich wüsste nicht, dass sich so etwas hierzulande schon durchgesetzt hätte. Romane und Comics sind verschiedene Zielgruppen.

Zauberspiegel: Aber da sind die Broken Sky-Trilogie (Twilight War, Communion, Broken Sky) von Chris Wooding, der sich in Dramturgie und Stil den Mangas annähert. Erfolgreich. Kann das nicht Vorbild für einen PR-Spinoff sein?
Klaus N. Frick: Ich kenne "Broken Sky" von Chris Wooding nicht, kann von daher nichts dazu sagen. Unter einem PR-Roman mit Manga-Dramaturgie kann ich mir nichts konkretes vorstellen; ich sehe auch nicht, dass sich das in nächster Zeit durchsetzen wird. Im übrigen glaube ich nicht, dass es sinnvoll wäre, hinter jedem Trend herzuspringen. Dann hätten wir vor sechs oder acht Jahren auch Romane um Zauberlehrlinge im Perryvesum haben müssen. Und dann hätten wir auch in diesem Jahr oder schon 2008 glutvoll-schwärmerische Liebesszenen mit jugendlichen Vertrieben publizieren müssen ...

Zauberspiegel: Glaubst Du, dass in absehbarer Zeit ein neues Spin-Off zur EA in Heftform drin ist?
Klaus Frick: Da halte ich mich an die Wortgewalt des Kollegen Montillon: Ja.

Christian MontillonZauberspiegel: Weil es so schön war, das gleiche Spiel noch einmal, diesmal aber mit Fragen speziell an Christian:
Für PRA hast Du bekanntlicherweise die Exposés verfasst. Wie hat Dir diese Tätigkeit gefallen? Wirst Du in diesem Bereich weiterarbeiten (in und außerhalb des Perryversums)?

Christian Montillon: Es war eine tolle Arbeit, und ich habe in dieser Zeit viel gelernt, bin auch noch viel tiefer in das Verständnis einer Storylinie eingedrungen. Ich verstehe nun besser als vorher, warum man manche Sachen so macht, wie man sie macht. Alleine deshalb war es wertvoll. Und ja, ich werde in und außerhalb des Perryversums auch hin und wieder Exposés verfassen. Mache ich z.B. gerade im Moment.

Zauberspiegel: Gab es eigentlich schon erste Planungen und Ideen für eine vierte Staffel PRA? Wenn ja, wie sahen diese aus (sofern Du Dich hierzu äußern willst)?
Christian Montillon: Natürlich gab es Ideen und solche Dinge, aber kein ausgearbeitetes Konzept. Insofern sag ich nix, denn Ideen sterben nie, werden verwandelt und anderswo eingesetzt ...

Zauberspiegel: Nach dem Ende von PRA hast Du wohl ein wenig an Freizeit gewonnen (sollte man zumindest annehmen). Nutzt Du diese Zeit, um an neuen Projekten zu arbeiten?
Christian Montillon: Siehe oben: ja. Aber ich nutz es momentan auch, um die gewonnene Freizeit als Freizeit zu nutzen (toller Satz, was?).

Zauberspiegel: Vielen Dank an Euch beide für dieses Interview!

 

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