| Durham, David Anthony: Acacia (Broschiert) |
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| Geschrieben von Bettina Meister | |
| Samstag, 7. Juni 2008 | |
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Wie beschreibt man den
Inhalt und die Wirkung eines Buches mit 800 Seiten von dem man weiss, dass es
noch zwei weitere geben soll? Im Fall von Acacia fällt mir dies schwer, zu
vielschichtig ist das Buch, zu vielfältig meine Eindrücke. Acacia entführt in eine
Welt, die weit entfernt von einem eindimensionalen Gut-Böse-Schema entfernt
ist. Gerade das macht es meiner Ansicht nach auch so packend - trotz gewisser
Schwächen, die dazu beitrugen, dass das Lesen lange dauerte (mal abgesehen von
der schieren Länge). Die Handlung hat kein
klares Zentrum, keine klare Hauptperson. Es gibt einen Kern von Akteuren um die
sich die Erzählung entspinnt. Da sind zum einen die Kinder des ermordeten König
Leodan Akaran, die nach dem Tod des Vaters in alle Winde verstreut werden, zum
anderen die beiden Brüder Hanish und Meander aus dem Volk der Mein aus dem
Norden. In einem engen Geflecht bewegen sich eine ganze Gruppe anderer Personen
durch die Handlung. Als einen zentralen Satz
empfand ich folgenden Ausspruch:
Hephron ist es, der diese entscheidenen Worte zu Aliver sagt, Sohn des ermordeten Leodan Akaran und damit designierter Nachfolger auf dem Thron von Acacia. Der Satz fällt als Aliver von den politischen Realitäten erfährt, in deren Schraubstock sein Vater steckte. Niemand? Doch, es gibt sie: Die Händlergilde. Durch ihre Vormachtstellung auf den Meeren sind sie es, die den Handel zwischen dem unbekannten Volk der Lothan Aklun und der bekannten Welt Eine Meinung zu dem Buch bildet(e) sich bei mir auf verschiedenen Ebenen.
Die andere, für mich viel bewegendere Ebene ist die der politischen und geschichtlichen Verflechtungen. Mit sehr viel Gespür (da bin ich einer Meinung mit Kay Meyer, der auf der Rückseite des Buches zitiert wird) bildet Durham Realitäten ab. Wer sich in die Wege der Politik begibt wird mit gewisser Wahrscheinlichkeit mit der Tatsache konfrontiert werden, dass es keine weißen Westen gibt. Abhängigkeitsverhältnisse entstehen fast von selbst, denen man sich kaum entziehen kann, die man teilweise "erbt" oder die sich erst im Laufe der Zeit wie Albträume offenbaren. So ist Leodan Akaran als König von Acacia liebender Vater, strahlender König in unvergleichlicher Pracht, drogenabhängiger alternder Mann, verantwortlich für politische Morde, die Entführung von Tausender Kinder. Feige, mutig, klug, dumm, abhängig ... und das alles in einer Person. In ähnlicher Weise gelingt es dem Autoren bei (fast) allen geschilderten Personen eine Identität mit Tiefe zu schaffen. Und gerade das ist es dann auch, das die unterschiedlichen Motive und Haltungen fast aller (Haupt)Akteure nachvollziehbar und teilweise verständlich macht.
Dieser "Tanz des Schickals" ist es, der mich gepackt hat und mich wieder zu Horst Eberhardt Richter und seinen Ansichten zum Thema Leid und Schicksal führte und die Frage aufwarf, welche Bedeutung ein einzelnes Leben im großen Weltgeschehen hat. Manches Mal, so kann man zwischen den Buchdeckeln von Acacia erleben, eine durchaus große - wenn einen der Mantel der Geschichte streift.
Link zu einem Auzug in Engl: http://davidanthonydurham.com/excerpts.html Quelle der Fotos und Abbildungen: http://davidanthonydurham.com |
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