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Quo Vadis, Macabros?

Quo Vadis, »Macabros«?

Dan Shocker’s Macabros wird fortgesetzt. Leider verstarb Jürgen Grasmück, der Schöpfer der Serie, so dass er nicht mehr mit Rat und Tat dabei sein kann. Dass er noch geschrieben hätte, wäre – angesichts seiner Erkrankung – ohnehin nur ein frommer Wunsch gewesen.

Dennoch: Vor der Hand erstmal eine gute Nachricht. Für mich als bekennenden Macabros-Fan allemal.

Fast ein viertel Jahrhundert nach der vom Autor und Schöpfer gewollten Einstellung 1983, wird diese große Serie, die Elemente aus Horror, Fantasy und SF in sich vereinte, fortgesetzt. Eine zyklisch orientierte, monatlich erscheinende Serie mit unklarer Genredefinition war ein Erfolg. Das war ein kleines Wunder (vgl. hierzu auch den Artikel „Shockers Welten“).

Definitiv ist der Erfolg auch der zum Serienstart 1973 ungeheuren Popularität Dan Shockers geschuldet. Er hatte den Horrorheftroman begründet und mit den Abenteuern des Agenten Larry Brent, den Weg zur letzten großen Erfolgsstory des Heftromans gewiesen. Aber seine Phantasie reichte weiter als Larry Brents-Abenteuer. Es ist dem Autor hoch anzurechnen, dass er das Gerüst der Brent-Romane beibehielt und seine Phantasie in einer weiteren Serie freien Lauf ließ. Jürgen Grasmück vermied so den Fehler mancher Kollegen, die ihren Helden dann einfach mal aus seinem Konzept rissen und ihre Serien um Elemente der SF und Fantasy mehr oder weniger bereicherten. Dies glückte manchmal (Tony Ballard, Damona King) oder auch nicht (John Sinclair).

Nein, Larry Brent blieb ein James Bond des Übersinnlichen, löste seine Fälle im vorgegebenen Rahmen, ohne unpassende Elemente (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Die Reisen in fremde Dimensionen als Erbe der Macht eines untergegangenen Kontinents übernahm der deutsche Millionärssohn Björn Hellmark. Und das war für beide Serien gut.

Jürgen Grasmück hat lt. Verlagsmitteilung des Zaubermond-Verlages die Planung der Fortsetzung vor seinem Tod am 7. August dieses Jahres noch miterlebt und befördert. Aber: Zaubermond und Dan Shocker, da war doch mal was? Richtig, wer die Folgen 50-52 der Zauberspiegel-Kolumne As Time Goes By verfolgt, der erfährt, dass er dort bereits 1994 mit Larry Brent war und fürchterlich auf die Nase fiel. Aber das spielt – zum Glück - keine Rolle mehr. Der Zaubermond-Verlag hat sich, nachdem der Gründungsverleger Bernd Götz abgetaucht war, zu einem zuverlässigen, kleinen Verlagshaus gemausert.

Zaubermond hat ein breit gefächertes Programm aufgebaut, das aus Neuauflagen und Fortführungen von Heftserien besteht, darunter die legendäre Dämonenkiller-Serie von Ernst Vlcek und Kurt Luif. Leider eben nur im Direktvertrieb, aber das ist weniger ein Zeichen von verlegerischem Unverstand, sondern ein Indiz für die ungute Marktlage. Kaufmännisch und vom Sachverstand gibt es dieses Mal keinerlei Einwände gegen die Wahl des Verlages. Dafür haben Thomas Born und auch Dennis Ehrhardt, die Nachfolger des singenden Frisörs, gesorgt.

Bleibt die Frage: Warum macht das nicht der Blitz Verlag, wo die Neuauflagen der Brent-Romane und der Macabros-Serie laufen und auch die Brent-Serie fortgeführt wird? Eine Frage für Interviews mit den Verantwortlichen. An dieser Stelle darüber zu sinnieren würde zu weit führen und eben nur Spekulation sein. Aber: Wir fragen nach... Das Ergebnis der Nachfrage beim Blitz Verlag hier. Die Antwort des Zaubermond Verlages in Gestalt von Dennis Ehrhardt hier.

Doch was heißt hier eigentlich Fortführung der Serie? Jetzt wo Jürgen nicht mehr lebt und die Serie vielleicht durch seine Ideen befördern kann, wie soll sich da eine Macabros-Fortführung gestalten. Wer soll sie machen?

Was war Macabros denn nun eigentlich? Worauf gilt es zu achten?

Macabros hatte mehrere Ebenen. Stets war da ein erdgebundenes Element, das da von den Taten in fremden Dimensionen in Zeit und Raum beeinflusst wurde. Da gingen Elemente der Fantasy ebenso wie Versatzstücke der SF.

Dazu war neben den verspielten Abenteuern in fremden Welten auch ein gutes Stück konventioneller Heftroman eingebaut, um dem interessierten Leser den Einstieg zu erleichtern. Namen der Dämonen trugen oft einen gewissen (heftromantypischen) Wiedererkennungswert in sich. Phantoma, Mandragora und Molochos mögen als Beispiele dienen.

Gut, es gilt sich damit abzufinden, dass es keine Dan Shocker-Romane geben wird. Daher ist die Fortsetzung zwangsläufig auch nicht mehr originär eine Dan Shocker-Serie. Jürgen hat nie viel notiert und große Pläne schriftlich festgehalten. Das war alles in seinem Kopf. Für ihn war Björn Hellmark aka Macabros der Mann der tausend Abenteuer. Fehlen noch 875 Stück.

Daher gibt es auch keinen groben oder auch feinen Masterplan zur Entwicklung der Serie. Das ist für Verantwortlichen der Fortsetzung eine große Chance, aber auch eine große Gefahr.

Jemand, der sich der Serie annimmt, sollte sich im Kosmos und mit den Konventionen der Macabros-Serie auskennen. Es geht nicht, dass da jemand ohne große Kenntnis herumfuhrwerkt und das was Jürgen geschrieben hat außer Acht lässt. Das würde zu nichts Brauchbarem geschweige denn Gutem führen. Immerhin hat die Serie ihre eigene Dynamik entwickelt.

Es gibt noch reichlich offene Fäden. Auch ließ die sterbende Dämonengöttiin Rha-Ta-N’my in ihrem letzten Band verlauten, dass hinter ihr noch mächtigere Wesen lauerten.

Damit ist dem zukünftigen/m Autor/Autorenteam ein Weg bereits vorgezeichnet. Romane im Geiste des Schöpfers der Serie muss nun diese offenen Fäden mit anderen Hauptgegnern kombinieren. Dabei sind die von Jürgen Grasmück geschaffenen Konventionen ins Zentrum zu stellen.

Eine schwere Aufgabe. Wer käme dafür in Frage?

Ohne hier allzu viele Namen diskutieren zu wollen, die man dann beurteilt und verwirft, möchte ich gleich meinen Favoriten nennen, der ein Team führt oder es am besten alleine macht. Christian Montillon. Er ist Fan, hat den Stil und die Ideen Dan Shockers verinnerlicht und kann somit die Fortsetzung der Serie aus den Vorgaben der Serie heraus entwickeln.

Nun hat der Zaubermond-Verlag diese Spekulation bestätigt. Und sie findet meinen Beifall. Was Montillon selbst dazu sagt, kann man morgen auf diesen Seiten lesen.

Mal schauen, was kommt. Ich werde ein kritisches Auge auf die Serie werfen...

Nachtrag von 18. Februar 2008: Die Frage hat eine erste Antwort gefunden. Der erste Band "Der Leichenorden von Itaron" ist erschienen. Hier die Rezi. 

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