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Mecker von Hermann

Horst von Allwörden aka Hexen HermannZur Einführung

Während meiner Zeit als Chefredakteur bei Geisterspiegel.de zwischen Mai und Dezember 2006 verfasste ich die Leitartikel des Online-Magazins

Bevor ich damit begann, fragte ich mich, was angebracht wäre, um Leute schon durch den Leitartikel für den Inhalt zu interessieren und auf das Projekt neugierig zu machen

Die erste Möglichkeit war nach streng sachlichen Kriterien vorzugehen. Dem Leser das zu präsentieren was Helmut Markwort in der Focus-Werbung "Fakten, Fakten, Fakten" nennt.
Würde mich das interessieren, wenn mir da einer nur trocken und fade daher käme? – Die Antwort ist ein klares nein.


So was langweilt nur. Und somit wären sie keine Aushängeschilder für das Projekt, das ich unter das Motto "Sturmgeschütz des Fandoms" gestellt hatte (ob das nach meinem Ausscheiden dort immer noch gilt, mögen die Leser von Geisterspiegel.de selbst beurteilen).

Der Zauberspiegel jedenfalls soll dieses Ziel wieder anstreben. Er soll wie weiland in den Achtzigern wieder nicht politisch korrekt sein, Standpunkte haben und Stellung beziehen.

Meine größten Erfolge in mehr als einem Vierteljahrhundert Artikelschreiben für Fanzines hatte ich mit solchen Artikeln, die zwar Fakten präsentierten, aber im Ton hart, bissig, ironisch bis sarkastisch und in der Wortwahl drastisch, offen und hart waren.

Ich weiß nicht wie oft ich es schon festgestellt habe: Meine Manieren wurden auf dem Fußballplatz geprägt. Will sagen: Während des Spiels wird mit Haken und Ösen gekämpft, aber wenn der Schiri abpfeift steht man am Tresen und trinkt ein Bier.

Da waren einige Artikel im Clubletter des Dan Shocker's Fantastik Club 'Marlos', im Magazin des Sinclair / Zamorra Clubs, Bremen und natürlich auch in den alten Printausgaben des Zauberspiegel. Warum also im Geisterspiegel mit dieser Tradition brechen?

Und wie der Anhang dann auch zeigt: Ich stelle mich dann auch immer den Reaktionen. Es gab im Laufe der Jahre einige davon, wie die Kolumne "As Time Goes By" zeigt bzw. noch zeigen wird.

Diese Tradition setzte ich bei Geisterspiegel.de also nun fort. Die Themen waren teilweise ein Flashback zurück in die Achtziger. Auch dort habe ich mich gern dem Heftroman und dem Komplex Jason Dark/John Sinclair zugewandt.

Insgesamt waren es zehn Leitartikel, die ich verfasste. Neben drei im Grunde interne, dem Geis­terspiegel und seiner Ent­wicklung gewidmeten Arti­keln (die hier fehlen) schrieb ich insgesamt sieben Leitar­tikel, die sich im Geister­spiegel und nun auch wieder in der Online-Edition des Zauberspiegel: Lei(d)tartikel nennen.

Ein Lei(d)artikel bleibt jedoch ungeschrieben: Der zum Abschied vom Geisterspiegel, denn der Blick richtet sich nach vorn.

Aber auch so bleibt genug, denn etwas mich störendes finde ich immer und dann leide ich. Wenn ich leide, pre­sche ich vor, mache meinem Ärger Luft und kriege ne­ben den Markwortschen Fakten immer ein paar böse Worte, alte Kalauer und bis­sige Bemerkungen zum Thema zusammen. Obwohl: Es gibt immer wieder Leute, die so provoziert werden, dass sie die Fakten ignorie­ren. Aber mit solch Überre­aktionen muss man leben.

Damit also jeder weiß, was im Zauberspiegel auf Euch, die Leser, zukommt, hier nun das Lei(d)tartikel-Archiv des Übungsprojekts Geisterspie­gel.de.

Viel Spaß dabei.

 Stade, im März 2007
Horst von Allwörden

Quo Vadis, Romanheft?

 "Wissen sie eigentlich, wie unwirtschaftlich die Dinger sind?"
(Walter Fuchs, Verlagsleitung Burda, 1991)

Die große Ära des Heftromans waren die 60er und 70er Jahre des 20. Jahr­hunderts. Dutzende von Serien und Reihen erschienen in diversen Verlagen. Bastei, Kelter, Pabel, Moewig (beide noch getrennt), Marken, Zauberkreis (als die Großen des Romanheftes) und noch ein paar kleinere tummelten sich und lieferten Woche Herz, Schmerz, Spannung, Wild West, Utopisches und auch Unheimliches an die Kioske und Verkaufsstellen. Serien und Reihen wie "Lore, "Perry Rhodan", "Jerry Cotton", "Silber-Grusel-Krimi" (insbesondere der von Dan Shocker), "Rote Laterne", "Gaslicht", "Glenn Collins", Markens "Westmann", Basteis "Wildwest-Ro­man", "Silber Western", "Dämonenkil­ler", John Sinclair, "Butler Parker", "Fledermaus", "Franco Solo", "Kom­missar X", "Wyatt Earp", "Jeff Conter", "Lassiter", "Dr. Stefan Frank", "Berg­doktor", und viele, viele andere sind Legenden oder wie z. B. der "Lore-Ro­man" Synonym für ein ganzes Genre und brachten es auf teilweise mehrere tausend Romane. Reihen aller Genres (Western, Krimis, Arzt, Schicksal, Adel, Heimat, SF) gab es und manche hatten durchaus einen hohen Unterhal­tungswert.

Dabei hatte der Heftroman die Nachfolge des Leihbuches angetreten. In den 50iger Jahren dominierte diese Publikationsform den trivialen Unterhaltungsbuchmarkt. Billigstes Papier zwischen zwei verstärkte Pappumschläge, ein buntes Bild, Plastikfolie und noch einen Papierumschlag gezwängt und im Videothekensystem an die Leser für einen Groschen verliehen (Kurt Brand, der bekannte Perry Rhodan-Autor und Ren Dhark-Erfinder besaß einmal die größte Leihbücherei von Köln, die dann dem Sterben des Genres zum Opfer fiel).

Oft wurden die Leihbücher neu aufgelegt. Im Romanheft, das es auch schon gab, wurden viele der Titel nachgedruckt. Viele später auch und gerade im Heft erfolgreiche Autoren starteten dort ihre Karrieren: K. H. Scheer, G.F. Unger, Jürgen "Dan Shocker" Grasmück (als Jay Grams), Kurt Brand, Wolfgang Marken, Günter Dönges, H. C. Nagel, H. J. Stammel, und wie sie alle hießen. K.H. Scheer avanciert in den 50iger Jahren via Leihbuch zum meistgelesenen Autor Deutschlands. Dies mit seinen "utopischen Romanen" (wie die SF noch landläufig genannt wurde) und seinen Piratenabenteuern.

Anfang der sechziger kippte das Verhältnis. Das Romanheft hatte an Popularität zugelegt. Es war nicht viel teurer und man konnte es nach Hause tragen und behalten. Es war handlicher und lieferte die gleichen Geschichten wie im Leihbuch. Das Verhältnis von Nachdruck zu Erstdruck kippte zugunsten des Heftes. Mehr Hefte wurden nun im Leihbuch nachgedruckt. So fanden "Kommissar X", "Jerry Cotton", "Larry Brent", "Mr. Dynamit" (Taschenbuchserie) und auch "Perry Rhodan" den Weg ins Leihbuch. Die Publikationsform begann zu sterben. Aber erst 1979 legte der Mülbüsch Verlag das letzte Western-Leihbuch, einen Unger-Titel (natürlich ein Nachdruck), auf und damit verabschiedete sich das Leihbuch vom Buchmarkt. Obwohl: Vereinzelt gab es noch Leihbüchereien. Bis in die frühen neunziger hielt in Stade noch die mit einem Kiosk und Tabakgeschäft kombinierte Lottoannahmestelle "Blumentritt" Leihbücher vor. Vorwiegend Western und Liebesromane. Aber zur Jahrtauendwende waren sie endgültig verschwunden, nach dreißigjährigem Sterben hatte es sie endlich den Platz in Antiquariaten und Privatsammlungen gefunden, aber als Publikation war es abgeschlossenes Sammlergebiet.

Dem Heft sagt man seit Mitte der achtziger Jahre das Ende voraus. Die Prophezeiung ist also um die zwanzig Jahre alt, aber es ist mehr dran als nur ein Gerücht, um das Heft tot zu reden (wie zum Beispiel W.K. Giesa jahrelang vermutete, der eben diese Antithese des 'unsterblichen Heftromans' mit Nachdruck vertrat). Man sehe sich noch mal die Anzahl der Verlage an: Bastei (die einzigen mit Vollprogramm, wo noch mehr Erst- als Nachdrucke erscheinen), Kelter (die oft nur alte Serien in neuen Gewändern recyceln) und VPM mit seinem rudimentären Restprogramm aus Rhodan, Atlan und Landser. Dazu kommen noch halbprofessionelle Kleinverlage wie Zaubermond, Blitz und HJB, die insbesondere den phantastischen Heftroman in unterschiedlicher Form nachdrucken, aber wohl kaum über den Kreis von Sammler und Fans hinaus dringen und sich wie Zaubermond aus dem Handel zurückziehen und auf den Direktvertrieb setzen.

In den achtziger Jahren waren Zauberkreis und Marken (als Große des Heftromans und doch letztlich kleine Fische der Verlagslandschaft) von der Landkarte verschwunden. Noch davor Erber und andere kleine Anbieter. Dazu in den Achtziger und Neunzigern noch ambitionierte Kleine wie Merkur und Milton. Auch die Serien und Reihen pro Verlag nehmen mehr und mehr ab. Die Kioske stopfen schon alles mögliche mit in den Heftstander, so sie sich überhaupt noch die Mühe der Präsentation machen und die Dinger nicht irgendwo in eine Ecke schieben, wo sie den lukrativen Zeitschriften und auch Comics (obwohl auch dieser Boom schwächelt) keinen Platz wegnehmen können.

Denn das Zitat von Werner Fuchs steht. Hefte sind unwirtschaftlich. Vertriebstechnisch den Zeitschriften und nicht etwa Büchern und Taschenbüchern zugerechnet, muss es sich auch mit den Erträgen erfolgreicher TV-Zeitschriften, dem „Spiegel“, dem „Stern“ oder Blättern wie „Bunte“ und dem „Neuen Blatt“ messen lassen. Und da schneidet das Heft katastrophal ab, denn bei den Zeitschriften zählt der Verkauf nur bedingt. Die Anzeigen sind das Entscheidende.

Ohne Rabatt kann ich die komplette Heftrückseite des Bastei Männerspannungsromans für 5473,00 € (Farbe) oder 3041,00 €[1] (S/W) kaufen. Auf diese Preise gibt es bei mehrmaliger Buchung auch noch Rabatte, so dass der Anzeigenerlös nicht hoch sein dürfte, zumal der Anteil der Eigenwerbung von Jahr zu Jahr steigt. In erfolgreichen Zeitschriften kriege ich dafür einen schlappen Zweizeiler in einer Spalte, wenn überhaupt. Und große Werbekunden hat das Heft als 'Schmuddelliteratur' nicht gehabt. In den Siebzigern dominierten Mittel gegen abstehende Ohren, Warzen, schlechten Sex, Walkie Talkies und der für ein Nahrungsergänzungsmittel werbende Arnold Schwarzenegger die Heftrückseiten. Das ist heute nicht viel anders. Oft füllen die Verlage (wohl aus der Not heraus) die Rückseite mit Eigenwerbung oder – früher absolut undenkbar – mit Anzeigen der Konkurrenz.

Aus dem Verkauf kann ich auch nicht soviel herausholen. Die Hälfte des Verkaufspreises schluckt der verteilende Großhandel, und dann wollen noch Kiosk, Verlag Autor und das Finanzamt mitverdienen. Da bleiben nur noch Cent-Beträge für jeden übrig. Was Wunder, dass die Verlage unter anderem das Heil in Abonnenten suchen, denn dann bleibt ein Teil des Geldes, das der Großhandel verbraucht, um seinen Aufgaben nachzukommen und etwas zu verdienen, im Hause. Aber auch das ist letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Man kann um jede Serie froh sein, die breiter angesiedelt ist, sprich nicht nur im Heft stattfindet (Alternativen: Hörspiele, Hardcover, Taschenbuch). Hier können Erlöse generiert werden, die das Dasein im Heft erleichtern. Wahrscheinlich werden diese Serien (insbesondere Jerry Cotton, Perry Rhodan, John Sinclair) das Heft in der einen oder anderen Form wohl sogar überleben.

Wird es eine Art Nachfolger fürs Heft geben, das Taschenheft beispielsweise? Das ist auch so eine Frage. In den frühen Neunzigern ging man davon aus, dass dem so sein wird. Aber da ist CORA (eine Springer-Tochter) gewesen. Und Bastei und VPMs eher halbherzige Versuche, sich da zu etablieren (UFO-Akten, Vampira, Coras Selbstversuch Kommissar Wilton – wobei ich fragte warum man diesen behäbigen österreichischen Heft-Krimi noch mal nachdruckte – und Bravo-Herzklopfen) sind im Wust des CORA-Programms untergegangen. Und auch Cora spürt den Druck des Leserschwundes. Anfang der Neunziger bröckelten auch dort die Verkaufsauflagen gerade der auf Teenager zugeschnittenen Serien. Somit dürfte das Taschenheft zusammen mit dem großformatigen Bruder untergehen (wobei Coras Taschenhefte das Heft wohl noch ein wenig überleben wird).

Fernsehen rund um die Uhr, Spielkonsolen, Internet, DVD sind Konkurrenten mit denen sich das Heft einfach nicht messen kann. Das und das zunehmende Desinteresse am Lesen dieser Publikationsform fressen die jugendlichen Leser weg. Lesen, gerade von Heften, ist uncool. Viele meiner jüngeren Arbeitskollegen (um die zwanzig) kennen Jerry Cotton und Perry Rhodan nicht mehr.

Also irgendwann in den nächsten 10-15 Jahren wird es dem Heft ähnlich ergehen, wie seinem Vorgänger, dem Leihbuch. Das letzte Heft wird erscheinen. Welcher Verlag wird es sein, der das Licht ausmacht und die Tür schließt? Bastei, VPM oder Kelter?

Mein Tipp ist Kelter, denn die machen nichts anderes als Romanhefte und Rätsel, wobei das Rätsel dort wohl ungebrochen läuft. Bastei ist nur ein Teil der Verlagsgruppe Lübbe und da setzen gerade Lübbe-Audio (mit dreistelligen Zuwachsraten) und der Buchverlag jedes Jahr neue Bestmarken und auch das Taschenbuch ist stark. Die Verlagsgruppe Lübbe ist der letzte deutsche Publikums-Verlag in Privatbesitz. Der Rest gehört zu den Medienkonzernen. Daher wird Bastei die Einstellung des Heftprogramms mehr oder minder gut überstehen, wenn auch die Tradition flöten geht. Aber es war ohnehin eine schwierige. Es brauchte Jahrzehnte im Buchhandel die Marke "Lübbe" zu etablieren, klebte daran doch das Schmuddelimage des Romanhefts. VPM gehört zum Bauer Verlag. Und da wird man auch das rudimentäre Restprogramm opfern und versuchen, den Rhodan auf anderen Wegen am Leben zu erhalten.

In der Tat ist Kelter als der letzte der Heftromanverlage am Wahrscheinlichsten. Und somit dürfte das Signet, die Rebe, aus dem Wandsbeker Verlagshaus das letzte erscheinende Heft zieren und die Familie Melchert dann eine Tradition beenden, die viele Jugendliche zum Lesen und zum Schreiben brachte. Kelter, der Mühlbüsch des Romanhefts. Ja.

Man wird sehen, wie lange das noch dauert. Möglicherweise noch zwanzig Jahre, denn das sterbende Heft hat sich bislang als zäh erwiesen und noch kämpft es einen vergeblichen Kampf auf verlorenem Posten. Und was dem Leihbuch gelang, sollte auch das Heft können.

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Quo Vadis, Horror?

Die siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts des vorigen Jahrtausends waren die Jahrzehnte des Horrors. Stephen King, Peter Straub, Dean R. Koontz, Ramsey Campbell, John Saul und viele andere feierten Triumphe und Bestseller. In den USA erlöste man Rekordvorschüsse und selbst eher durchschnittliche Autoren konnten sich manchmal über siebenstellige Schecks und anständige Lizenzerlöse freuen. Jeder der großen deutschen Publikumsverlage unterhielt eine Horrorreihe im Taschenbuch oder brachte Titel des Genres in schönster Regelmäßigkeit in ihren Allgemeinen Reihen. Oft mit zufrieden stellendem bis großen Erfolg. Es muss sich gerechnet haben. Einkaufsschlachten wurden geführt. Ein Verlag jagte dem anderen Autoren ab und das wohl nicht nur wegen des Lächelns der Verlagssekretärin. Da wird (wohl in erheblichen Umfang) Kohle, Moos, Mammon geflossen sein. Ackermann von der deutschen Bank hätte wohl immer noch "Peanuts" gemurmelt, aber ich würde wohl gern einmal für ein solches Honorar ein Buch schreiben (Oh Bestseller, wo bleibst du? Ich schreib dich auch ... Tschuldigung, die gequälte kommerzielle Seite meiner Autorenseele hat sich Bahn gebrochen ... Aber die Therapie zeigt schon Wirkung)
 
 
 

Der Literaturverlag Suhrkamp unterhielt seine phantastische Bibliothek dessen Horror-Rückrat die Erzählungen eines Gentleman aus Neuengland waren: H. P. Lovecraft. Dazu kam noch der Autodidakt Clark Ashton Smith. Es gab die Bibliotheca Dracula bei Insel (wo Dracula, Frankenstein, das Phantom der Oper, und in einer außergewöhnlichen Anthologie ("Von den Vampiren und Menschensaugern") auch Carmilla von Sheridan Le Fanu erschien. Auch Bastei brachte (wie andere Publikumsverlage auch) klassischen Horror im Taschenbuch, wo so illustre Namen wie Friedrich Schiller (Der Geisterseher, komplettiert von H. H. Ewers), Mary Shelley, Arthur Conan Doyle, Bram Stoker und Hanns Heinz Ewers ("Alraune"), Gustav Meyrink ("der Golem") zum Zuge kamen.

 

Auch im Heft dominierte seit den siebziger Jahren der Horror. Zwischen dem Beginn der siebziger Jahre mit dem großen Erfolg von Dan Shocker's Silber Grusel Krimi beim Zauberkreis Verlag (lief seit Juli 1968) und dem Nachziehen der anderen Heftverlage (Pabel/Moewig, Bastei und Kelter) und dem Ende der achtziger Jahre war der Horror in allen Schattierungen präsent. Man warf die Nebelmaschine für den sanften Grusel an (Basteis Mitternacht, Kelters Irrlicht und insbesondere VPM mit Gaslicht), der harte, brutale Horror dominierte mit "Dr. Morton" (nicht zu Unrecht wanderten – ich glaube - 21 Titel auf den Index für jugendgefährdende Schriften, wobei ich damit nichts über den Sinn und Unsinn der Institution Jugendschutz gesagt haben will, das ist ein Extra-Thema). Dazwischen lagen Larry Brent, John Sinclair, und der Dämonenkiller. Reihen wie der Silber-Grusel-Krimi, der Geister- und Gespenster Krimi und Vampir Horror brachten Romane der unterschiedlichsten Qualität. Selbst mit einem Mischmasch aus Western und Horror wurde bei Marken und Bastei experimentiert (Grusel- bzw. Geister-Western betitelt)

 

Aber auch Exoten wie Erbers Grusel Magazin mit der seltsamen Mischung aus Klassikern, modernen Autoren, Cartoons (u. a. vom Uli Stein) und Artikeln konnten sich eine gewisse Zeit halten.

 

Doch wie sang Bob Dylan so schön "Times, they are changing". In den neunziger Jahren ging der Anteil des Horrors sowohl bei den Heften als auch im Taschenbuch und Hardcover zurück. Heutzutage ist das Programm im Heft bei Bastei auf den Geisterjagenden John Sinclair und den, laut Chef-Autor Werner Kurt Giesa, nie auf den Lokus müssenden Parapsychologen und Amulett tragenden, vornamenlosen Professor Zamorra geschrumpft. Kelter macht den Geisterfänger (mit alten Nachdrucken) und gas- und irrlichtert noch ein wenig (mit neuen und alten Titeln in einer doch recht kruden Melange). Dabei hat das Romanheft hier unter zwei Dingen zu leiden: Der allgemeinen Schwäche der gesamten Publikationsform und dem Popularitätsverlust des Genres Horror.

 

Aber auch im Taschenbuch und Hardcover findet man in den großen Publikumsverlagen nur noch wenige Horrortitel im Programm. Und diese wirken teilweise wie Platzhalter, als wolle man das Genre nicht völlig begraben. Es scheint, als halte man sich den Verlagshäusern für den Tag X bereit, wenn der Horror-Boom wiederkehrt (so wie die Straßenwacht auch im Sommer Streusalz und Granulat bereit hält, um für den Winter vorbereitet zu sein). Nach dem Motto: Ja, wir machen ihn noch, den Horror.

 

Stephen King ist dabei der Unverwüstliche, den die Krise nicht anficht. Der Turm in der Schlacht. Nicht tot zu kriegen. Mit unverändert hohen Auflagen (und Honoraren), trotz mehrfacher Abschiedsdrohungen, hält er die Fahne des Horrors hoch. Aber nach ihm? Wenig. Gelegentlich verirrt ein Hohlbein mit Horrorthema sich mal wieder in den Buchhandel. Und vielleicht kehrt auch der Hexer noch einmal zurück (überraschen würde es mich nicht). Anne Rice mit ihrer sich langsam totlaufenden Vampir-Serie. Es hat sich bald ausinterviewt, könnten Spötter sagen (und ich wollte diesen Kalauer einfach machen ...).

 

Gleichzeitig macht sich der Horror in den Nischen des Buchmarktes breit, krallt sich dort fest und versorgt insbesondere das sammelnde Publikum und die Freaks bzw. Fans mit Lesestoff, ohne jedoch beim breiten Publikum punkten zu können. Kleinverlage wie Zaubermond, Blitz und die Romantruhe drucken die Hefte der siebziger und achtziger Jahre nach, ja führen diese fort, aber außer in Sammler- und eingefleischten Fankreisen scheint das wenig Anklang zu finden. Im Gegenteil: Zaubermond hat sich komplett aus dem Handel zurückgezogen und setzt auf die Karte Direktvertrieb.

 

Auch im "Premium Horror" gibt es Verlage, die internationale und deutsche Autoren unterschiedlichster Qualität im Hardcover, Paperback und Taschenbuch präsentieren. Doch wirklich im Buchhandel Fuß fassen können diese Verlage nicht. Fachbuchhandel (sprich die auf das Phantastische spezialisierten Händler und Comicshops) und teilweise der Bahnhofsbuchhandel bilden neben dem Direkt- und Abonnentenvertrieb das Rückrat des Verkaufs.

 

Im Hörspiel und Hörbuch scheint es einen Boom zu geben, aber wie viele der Titel gehören wirklich zu den Bestsellern und welche sind auch dort nur einen Nischenerzeugnis? Manchmal weiß ich es nicht zu beurteilen, weil die ganze Audio-Szene mit teilweise dreistelligen Zuwachsraten boomt, so dass selbst Randerscheinungen auf den ersten Blick wie Bestseller erscheinen mögen.

 

Auf DVD und im Kino ist das Genre allerdings immer noch präsent und das massiv. Japaner und amerikanische Neuverfilmungen japanischer Filme gehören zu den Blockbustern (Ring, Ju-On - The Grudge). Neuverfilmungen wie "The Hills Have Eyes" und "House Of Wax" gelangen in die Kinocharts (wobei man sich insbesondere beim "House of Wax" fragt: warum eigentlich?) und auch bei "The Hills have Eyes" lohnt es sich zu fragen: War das nötig? Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass in bewegten Bildern der Horror nicht tot zu kriegen ist und augenscheinlich boomt.

 

Ist das die Zukunft des geschriebenen Horrors in Deutschland? Wieder ein Mauerblümchendasein zu führen? Bis auf wenige Ausnahmen ignoriert vom breiten Publikum? Hingegen im Kino, auf DVD und im TV ein Umsatzbringer zu sein.

 

Ich würde zurzeit antworten: So ist es. Der literarische Horror könnte zum ewigen Mauerblümchen werden, wo kommerziell erfolgreiche Ausnahmen die Regel bestätigen, während der Horrorfilme (und PC-Spiele des Genres, die man nicht vergessen sollte) zu den Blockbustern zu rechnen sind.

 

Und schuld ist der Erfolg des Horrors in bewegten Bildern, sprich dem Film und ein Trend, dass Kinder nicht mehr lesen und damit selbst mittels ihrer Phantasie Bilder in ihren Kopf entstehen lassen können. Aber warum auch? Der Film liefert ihnen diese Bilder. Die Tricktechnik ist soweit, dass nichts mehr ungezeigt bleiben muss. Warum also die eigene (in meinen Augen nicht zu schlagende Phantasie zu bemühen) wenn aus den Trickstudios Hollywoods (und der Welt) doch jedes Bild frei Haus und ohne eigene Geistesleistung geliefert wird.

 

Daher sehe ich schwarz für die Literatur, kann mich aber auf gelegentliche Perlen des Horrorkinos freuen. Das reicht aber kaum für ein lachendes Auge. Denn diese Perlen des Kinos hätte es wohl auch dann gegeben, wenn das Lesen von Horrorliteratur verbreiteter wäre.

Also, bleibt mir nur noch der Aufruf: Eltern, bringt Euren Kindern das Lesen nahe ... Zeigt ihnen den Spaß an der Phantasie. Aber da sehe ich schwarz
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Quo Vadis, John Sinclair?

Noch etwas weniger als ein Jahr und Band 1500 der Serie "Geisterjäger John Sinclair", der erfolgreichsten Horror-Serie der Welt, (überwiegend) aus der Feder Helmut "Jason Dark" Rellergerds, erscheint im Bastei Verlag, mittlerweile ein Teil der Verlagsgruppe Lübbe. Insgesamt sind dann fast 2000 Romane (als Heft, Taschenbuch, Paperback und Hardcover) teilweise in mehreren Auflagen vom Verlag aus dem Bergischen Land vorgelegt worden. Nahezu 150 Hörspiele (von Tonstudio Braun und WordArt), ein paar Comics, ein Computerspiel und Handygame, ein Fernsehfilm und eine TV-Serie gehören ebenso zu der Erfolgsgeschichte John Sinclairs.
 

1973 begann mit Gespenster-Krimi Band 1 "Die Nacht des Hexers" der Siegeszug des mittlerweile zum Oberinspektor beförderten Scotland Yard Beamten, die bis heute andauert und aus dem Bastei-Redakteur und Gelegenheitsautor Helmut Rellergerd einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftsteller machte.

 

Doch mittlerweile sind selbst Hardcorefans der Serie der Meinung, dass nun langsam genug sei. Jason Dark gilt selbst unter seinen treuen Anhängern als ausgebrannt und erledigt. Der Autor, Jahrgang 45, hat seine Serie, so heißt es, nicht mehr im Griff. Er verstrickt sich in logische Fehler, Widersprüche (manchmal sogar im Rahmen eines Heftes) und lässt (teilweise längst) Verstorbene wieder auftauchen, als wäre nie etwas passiert. Ein zu vernachlässigender und (mittels der kosmischen Urmacht Heftromanlogik) zu korrigierender Lapsus, wenn es denn nur gelegentlich passieren würde. Aber Fans der Serie können mittlerweile seitenlang referieren, was dem Autor nicht mehr auffällt. Ein schönes Beispiel aus der Frühzeit: Seit der Okastra-Saga aus den achtziger Jahren hat der Autor in der Vergangenheit vor der Küste des antiken Babylon ein U-Boot der Royal Navy vergessen. Die armen Seeleute harren der Rückkehr in die Gegenwart. Oder hat der Autor vor, eines Tages Moses und das Volk der Juden mit dem U-Boot durchs Rote Meer fahren zu lassen? Oder sie mittels Royal Navy aus der babylonischen Gefangenschaft zu befreien? Wer weiß es? Doch die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ihn das alles frei nach Konrad Adenauer nicht berührt. Was schert mich mein Geschreibsel von gestern? Immerhin sagt man ja (bewiesen ist das nicht), dass alle fünf Jahre eine neue Lesergeneration erscheint. Nur was machen die Dauerleser und Langzeitfans? Aber was schert’s die Dark'sche Eiche, wenn die Fansau sich daran reibt.

 

Dazu kommen zu viele offene Fäden in der Serienhandlung, die der Autor nicht abschließt (aus welchen Gründen auch immer). Böswillige Zungen, wie ich es möglicherweise bin, könnten sagen: Zu Jason Darks Stärken gehörte es nie in Zusammenhängen zu denken und diese zu entwickeln. Viele seiner wiederkehrenden Personen und Handlungsfäden sind nichts weiter als wiederkehrende Personen und Motive, die er wahllos wieder aufgreift. Eine wirkliche Entwicklung (wie in Perry Rhodan oder Professor Zamorra) hat nie stattgefunden und wird wohl auch nicht stattfinden. In der Tat sind seine besten Romane Einzelromane. Insbesondere möchte ich den Roman "Melinas Mordgespenster" (Band 177; in den Nachauflagen 227) herausstellen (von vielen Lesern ungeliebt, weil er mit diesem Roman das gewohnte Schema seiner Romane aufbrach und neue Wege andeutete, von Helmut Rellergerd massiv verteidigter Roman). Dazu einige der Gespenster-Krimis und frühen Romane der eigenständigen Serie. Effektvolle, einfach gestrickte Schocker, die angenehm zu lesen waren. Sobald es auf Zusammenhänge ankam, war Schluss. Man kann auch sagen, dass Helmut Rellergerd in dem Moment in Schwierigkeiten geriet, wo er den gesicherten Boden dessen verließ, was er beherrschte. Doch hat Jason Dark mit seinen Mitteln einen ungeheuren Erfolg gehabt. Das meiste lässt sich wohl auf ein Wort zurückführen, das er Anfang der achtziger Jahre jeden entgegen warf, der fragte, was man zum Schreiben denn brauche? Helmut Rellergerds Standardantwort war: "Disziplin!"

 

Was Kritikern (wie eingestandenermaßen ich es einer war und bin, Vergleich hierzu auch "As Time Goes By" #2 auf Geisterspiegel.de oder meine Rezension von John Sinclair Band 1450) schon vor zwanzig und mehr Jahren auffiel (denn diese nun auch von treuen Anhängern entdeckten Kritikpunkte sind nichts neues und lassen sich ab etwa Band 150 der eigenständigen Serie in ihren Anfängen, aber noch nicht in derart extremen Ausprägungen nachweisen), ist nun also auch nach langen Jahren in das Bewusstsein der Hardcorefans gerückt, die viele Fehlentwicklungen über die Jahrzehnte hinweg klaglos bis begeistert mitgemacht haben. Und nicht wenige fragen sich: Wäre es nicht besser die Serie mit Band 1500 einen würdigen Abgang in das Nirwana der Heftromanserien zu verschaffen?

 

Immerhin 33 Jahre seines Lebens (also mehr als die Hälfte desselben) hat Helmut Rellergerd mit dem Erzählen von Geschichten um den Geister, Vampire und Dämonen jagenden Oberinspektor der legendären englischen Polizeibehörde verbracht. Das kann dann schon mal nerven und an der Motivation nagen. Disziplin allein gleicht das dann nicht mehr aus. Dennoch haben der Durchhaltewille und die beinah schon preußisch zu nennende Disziplin Rellergerds etwas Rührendes und durchaus beinahe etwas Bewundernswertes (wenn die Ergebnisse nicht teilweise derart schaurig ausfielen).

 

Leider wird die Hoffnung eines würdigen Abschlusses mit Band 1500 der Serie ein frommer Wunsch bleiben, denn die Serie ist kommerziell noch sehr erfolgreich – oder soll man sagen zu erfolgreich? Man darf da nicht nur schwindende Heftauflagen (unter denen aber alle Serien leiden) im Auge haben. Es gibt da noch die erfolgreichen Taschenbücher und die Nachdrucke der Hefte in den so genannten Jubiläumsbänden, sowie die Hörspiele. Und die Heftserie ist der Imageträger, das Herz des Projekts "Geisterjäger John Sinclair". Das gibt Bastei nicht so schnell auf. Nicht ohne Not (sprich verschwindend geringer Verkaufszahlen) und Misserfolgen bei den anderen unter der Marke "John Sinclair" publizierten Dinge.

 

Als Alternative wird in Fankreisen (unter anderem auch im Sinclairforum) folgendes Modell diskutiert. Jason Dark setzt sich zu Ruhe. Er ist nur noch Namenspatron der Serie, deren Titel dann quasi lauten würde "Jason Dark's Geisterjäger John Sinclair" und ein Team ambitionierter Autoren, versucht die Serie fortzuführen, was in erster Linie heißen würde: Handlungsfäden abschließen, Unlogiken erklären, im Kreis der Haupt- und Nebenpersonen ein Blutbad anzurichten und damit eine Basis für eine Fortführung zu schaffen.

 

Was kann man tun? Aufräumen. Und zwar heftig. Grundsätzlich sehe ich erstmal so, dass sowohl Hölle als auch die Sinclairwaffen entmachtet werden müssen, um wieder persönlich bedrohliche Auseinandersetzungen zu bekommen. Wieder mehr Atmosphäre und Stimmung statt Superwaffen und Supergegner.

 

Das ist dann eine Basis, auf der man aufbauen und die Serie richtig entwickeln kann. Doch die Altlasten sind schwer zu beseitigen. Das ist wie für Herakles das Ausmisten des Stalls.

 

Spinnen wir diesen Faden noch ein wenig weiter. Wer würde sich denn als Anführer bzw. Chef- und Exposéautor einer solchen Serie eignen, wer wäre im Team? Friedrich "Fritz" Tenkrat alias A. F. Morland könnte der Haupt- und Exposéautor sein. Seine Serie, Tony Ballard, dümpelte im Gespenster-Krimi und der Frühphase der eigenen Serie nur so dahin. Die Romane um den "Dämonenhasser" waren nur ein fader Abklatsch seiner Insekten- und Blutbestienromane. Doch dann suchte er sich seine Nische, fand ein Konzept, das aus Tony Ballard eine interessante, spannende Serie machte. Er fand seine Nische zwischen Sinclair und Zamorra und zog seine Linie durch. Derartiges wird wieder gebraucht. Tenkrat ist dabei im Zweifel, bevor er schwafelte, immer den Weg der Action gegangen.

 

Wer gehört ins Team. Erfahrene Leute wie Walter Appel. Dann böten sich Zamorra-Autoren wie Volker Krämer, Christian Montillon an. Vielleicht auch noch ein paar Autoren aus dem Stall von Zaubermond- und Blitz-Verlags.

 

Ist so etwas denkbar? Ich halte das für ausgeschlossen. Die Serie läuft wie sie ist. Helmut "Jason Dark" Rellergerd schreibt in der Hauptsache, möglicherweise wieder unterstützt von einigen oder einem Co-Autor vor sich hin. Zumindest mehren sich die Stimmen, dass im Stil Variationen auftreten (auch ich hatte den Eindruck bei der Lektüre des Bandes 1450). Warum also etwas ändern? Diese Stilvariationen könnten aber auch auf Außenlektoren zurückzuführen sein, die in den Skripten ihre Spuren beim Ausmerzen von Fehlern und Widersprüchen hinterlassen.

Daher kann man wohl die Frage "Quo vadis, John Sinclair?" so beantworten. Die Serie wird ihren ausgetretenen Pfaden folgen, bis die letzte Mark herausgequetscht, der letzte Leser vergrault und alle Umsätze im Keller sind. Vielleicht wird man sich dann wünschen, rechtzeitig etwas unternommen zu haben.            
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Quo Vadis, Jason Dark?

 

Jason Dark und John Sinclair – das ist eine gemeinsame Marke seit 1973, als Helmut Rellergerd, Redakteur des Bastei Verlages, begann, die ersten Romane um den geisterjagenden Scotland Yard Beamten zu schreiben. Daraus wurde eine gewaltige Erfolgsstory, die wohl einmalig ist in der Heftszene und alle Anerkennung verdient. Nahezu 2000 Romane hat Helmut Rellergerd aka Jason Dark seither über den Geisterjäger verfasst. Es gab fast 150 Hörspiele, eine misslungene TV-Serie und einen mäßigen Fernsehfilm, ein PC-Spiel und alles Mögliche. Verlag und auch der Autor gaben nach außen hin den Anschein, alles sei bestens. Und im Grunde sollte das auch so sein. Ein Autor wie Jason Dark, der mit seinen beschränkten Mitteln so viel erreicht hat, kann sich mehr als freuen. Und ein Verlag, der mit einem solchen Autor diese Erfolgsstory hinlegt, sollte glücklich und zufrieden sein.

 
 

In letzter Zeit mehren sich jedoch die Anzeichen, dass Jason Dark seine Arbeit an John Sinclair beenden möchte. In Interviews äußert er sich dahingehend, dass er sich anderen Projekten zuwenden und John Sinclair nicht mehr allzu lange schreiben will. Dies nicht als wörtliches Zitat, aber ...

 

Dazu passt, dass im September der erste seiner drei Bände "Don Harris – Psycho-Cop", mehr als 10 Jahre nach dem er sie verfasste, bei Blanvalet (und nicht bei der Verlagsgruppe Lübbe) erscheint ...

 

Es passt, dass er sich den Ex-Verlagsleiter der Verlagsgruppe Lübbe, Peter Molden, als Agent nahm ...

 

Dazu passt, dass er seine Schloss-Trio-Bände (Jugendbücher in der 3-Fragezeichen-Tradition, einst unter dem Pseudonym Red Geller bei Pelikan erschienen) jetzt unter dem Namen Jason Dark erneut herausbringt ...

 

Dazu passt ein mysteriöser Eintrag (Neudeutsch: Post) eines Users (altdeutsch: Benutzer/Mitglied) namens "Jonas" im Sinclairforum zum Thema (Neudeutsch: Thread) "Hört Jason Dark auf?", das als Reaktion auf das mysteriöse Interview eröffnet wurde. „Jonas“ kam neu hinzu und hat nur diesen einen Eintrag gemacht und ist seither nicht wieder aufgetaucht. Offensichtlich ging es ihm nur darum diese Message gezielt zu streuen.

 

Dieser "Jonas" führt in einer Wortwahl, die Helden- und Schurkenrolle auf Rellergerd (als Bettelritter in weißer Rüstung) und Verlag (als den schurkischen Ausbeuter und Sklaventreiber) verteilt, einige Tatsachen an, die nicht allzu viele Leute wissen (vernebelt damit wohl aber Realitäten). "Jonas" zeichnet ein verschwommenes Bild, das der Verlag einst Jason Dark aus dem Verlagsgebäude geschmissen habe und in seine Dachkammer verbannte, dass er im Vergleich zu seinem Erfolg ein doch eher geringes Honorar erlöse, dass Heyne 1995 Interesse an Psycho Cop Don Harris gehabt habe, diese Pläne aber fallen ließ, nachdem die Verlagsgruppe Lübbe auf Rechte an dem Pseudonym "Jason Dark" gepocht habe, dass es nun einen Rechtstreit um die Rechte am Namen Jason Dark gegeben habe, den Rellergerd siegreich beendete und das Pseudonym nun ihm gehöre. Zu guter Letzt fügte "Jonas" an, dass Helmut "Jason Dark" Rellergerd alsbald die Arbeit an John Sinclair beenden werde, um sich anderen – neuen – Projekten in den Genres Horror und Krimi zuzuwenden.

 

In der Tat scheint es also Risse in der Fassade der heilen John-Sinclair-Welt zu geben. Risse, deren Wurzeln schon mehr als zehn Jahre zurück liegen. Folgt man "Jonas", so ist hier der arme, vom Verlag ausgepresste Jason Dark, der sich die Finger blutig arbeitete, dem man insbesondere materiell nicht dankte und nicht mal sein Pseudonym ließ; dort die böse Krake in Gestalt der Verlagsgruppe Lübbe, die sich dann wohl eine goldene Nase verdiente und alles an sich reißt oder es zumindest versucht. Dazu passt auch, dass er den Ex-Verlagsleiter der Verlagsgruppe Lübbe als Agent nahm (ob es zwischen Peter Molden und dem Verlag eine Trennung in Unfrieden gab, weiß ich allerdings nicht und möchte darüber auch nicht spekulieren).

 

Was ist nun dran an den Behauptungen des Sinclairforums-Mitglieds "Jonas" (Neudeutsch: User)?

 

In der Tat hat Jason Dark lange seine Sinclair-Romane in seinem Verlagsbüro geschrieben. Er kam mit Disziplin und in preußischer Beamtenmanier zur Arbeit, bis er relativ plötzlich in die Dachkammer seines Privathauses umzog. Es war bislang nicht in Erfahrung zu bringen, warum das geschah, aber es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Rellergerd/Dark vom Verlag "hinausgeschmissen" wurde. Eben so wenig gibt es Hinweise auf ein wie auch immer geartetes Fehlverhalten Jason Darks. Was bekannt ist: Er hatte zu dem Zeitpunkt seines Umzuges keine redaktionellen Arbeiten mehr im Verlag. Warum sollte er also nicht zu Hause arbeiten? Ist doch viel bequemer? Hier scheint "Jonas" mit verschwommenen Andeutungen nur Dreck über die Verlagsgruppe Lübbe ausgießen zu wollen.

 

Bleibt der Vorwurf, Jason Dark erlöse zu wenig Geld für seine Romane. "Jonas" räumt ein, dass er bei der Verlagsgruppe Lübbe fürs Heft die höchsten Honorare erhält, aber eben zu wenig im Vergleich zur Auflage. Jason Dark äußerte sich in Interviews ähnlich: Er wäre, so steht es nachzulesen, Millionär, wenn er für seine Auflagen ähnlich bezahlt worden wäre, wie seine US-Kollegen (nur haben die, das will ich mal einwerfen, keine Heftromane geschrieben). Was "Jonas" hier nämlich verschweigt, sind die geringen Margen, die generell mit dem Heftroman erlöst werden können.

 

Und da kommen wir an den Punkt, wo es gilt auf dem Teppich zu bleiben und die Füße still zu halten. Die US-Kollegen erzielten ihre Auflagen und Honorare in anderen Publikationsformen als dem Romanheft. Der US-Buchmarkt ist ein anderer und auch die Margen beim Taschenbuch und Hardcover sind andere. Da vergleichen sowohl Helmut "Jason Dark" Rellergerd als auch "Jonas" Äpfel mit Birnen.

 

Dazu kommt, dass Jason Dark jahrelang als abhängig beschäftigter Redakteur bezahlt wurde, obwohl sein Bearbeitungsaufwand der von ihm betreuten Serien nicht unbedingt hoch war. Viele Zamorra-Manuskripte gelangten nahezu ohne Änderung in den Verkauf. Die Äußerungen der Zamorra-Autoren, dass sie machen könnten, was sie wollten, sind Legion. Aber da war nicht nur das reine Gehalt. Rellergerd und seine Familie waren in der Sozialversicherung (und er ersparte sich die teure private Absicherung seiner Familie). Diese Leistung des Verlages unberücksichtig zu lassen, zeigt, dass "Jonas" wirklich nur Helden- und Schurkenrollen verteilen wollte. Propaganda eben. Und vielleicht hängt die Beendigung des Arbeitsverhältnisses des Redakteurs Rellergerd bei der Verlagsgruppe Lübbe mit dem Auszug aus dem Büro und dem Einzug in die Dachkammer zusammen (wobei ich darauf verweise, dass dies nur Spekulation ist).

 

Selbst wenn dann für Nachdrucke im Taschenbuch nur der mir bekannte prozentuale Standardsatz der Verlagsgruppe gezahlt würde, kommt er je nach Verkauf der Bücher gut weg. Natürlich kenne ich da keine Einzelheiten der Rellergerd'schen Verträge, aber ich habe nun auch für die Verlagsgruppe gearbeitet und Verträge erhalten. Darin sind auch die Aufteilung der Honorare für Lizenzen und ähnliches enthalten, so dass auch der Autor Anteile an Hörspielen und Verfilmungen erfasst ist.

 

Bliebe noch der Psycho-Cop Don Harris und der Streit um die Rechte am Namen Jason Dark (was vielleicht auch einige der ausweichenden Antworten Holger Kappels im Interview mit Geisterspiegel.de erklärt). In der Tat gab es 1995 die Meldung, dass Heyne die Veröffentlichung der Romane plante. Vorausgesetzt, "Jonas" hat Recht und es scheiterte am Veto der Verlagsgruppe Lübbe wegen der Verwendung des Pseudonyms Jason Dark, so muss der Standpunkt des Verlages auch mal ins Blickfeld rücken. Immerhin war Helmut Rellergerd zum Zeitpunkt, da er Jason Dark wurde, abhängig Beschäftigter des Bastei Verlages. Ich selbst habe bereits Arbeitsverträge unterzeichnet, die explizite Klauseln über von mir entwickelte Ideen und Schriftstücke während der Arbeitszeit hatten: Sie gehören meinem Arbeitgeber. Daher ist es grundsätzlich legitim vom Verlag, darauf zu pochen, dass der Name dem Verlag gehöre, zumal "Jason Dark" mit dem "Gespenster-Krimi" und "Geisterjäger John Sinclair" eng verbunden ist. Wenn man "Jonas" glauben darf, hat ein Gericht anders entschieden. Und die Verwendung des Pseudonyms Jason Dark beim "Psycho Cop"-Projekt und der Neuauflage der "Schloßtrio"-Romane geben ihm wohl Recht.

 

Zu guter Letzt: Jason Dark möchte sich anderen Projekten zuwenden und wohl endlich nicht nur Auflagenmillionär sein, sondern auch entsprechende Summen für seine Machwerke erlösen. Wenn man so will: Er will in die Fußstapfen Hohlbeins, Eschbachs und Schätzings treten. Da sollte Helmut Rellergerd noch mal den Schuhfachhandel aufsuchen, möchte der Zyniker in mir aufschreien, damit er nicht in diesen Fußspuren untergeht. Denn Helmut Rellergerd ist in der beschaulichen Welt des Heftes als Jason Dark ein Star. Aber außerhalb, in der Welt des Taschenbuchs, des Hardcovers? Und ohne seinen Helden John Sinclair, mit dem der Name Jason Dark verbunden ist?

 

Der Schriftsteller Helmut Rellergerd ist ein Autor mit ziemlich limitierten Mitteln. Er ist ein Meister der Stilblüte, der schon mal einen Anker hisst, um davon zu segeln, der schon mal schrieb, dass einer nur drei Worte sagte, die da waren "Das gibt es nicht" (ich, von der Sesamstraße gestählt, komme auf vier Wörter), und der auch feststellte, dass die Ziele von weißen Walen und Riesenkröten sich unterschieden, sowie konstatierte auf englischen Rummelplätzen röche es nach "Fish & Ships". Es gibt hunderte von Beispielen, die trotz der Arbeit von Lektoren durchrutschten. In dieses Bild passen auch die in den Achtzigern verlosten "Originalmanuskripte" Jason Darks, die aber keine waren, sondern abgetippte Hefte (also bearbeitete Texte). Woher ich das weiß? Nun, ich gewann selbst eines und sah einige der anderen Exemplare. Das Schriftbild entsprach einer Typenradmaschine (damals hochmodern). Aber Helmut Rellergerd schrieb auf einer alten mechanischen Maschine. Zudem war das Layout nicht das eine Manuskriptes. Da stellt sich der interessierte, kritische Fan die Frage: Wie sahen denn die Original-Manuskripte aus? Die Exemplare anderer Autoren waren authentischer.

 

Die Sinclair-Romane der letzten 25 Jahre zeigen mehr als deutlich, dass Helmut Rellergerd nicht in großen Zusammenhängen denkt und logische wie inhaltliche Schnitzer en gros einbaut. Der letzte überzeugende und außergewöhnliche Roman war die Nr. 177 "Melinas Mordgespenster" der eigenen Serie (da ist knapp 1400 Wochen her). Sein Stil reicht nicht, um große Bestseller zu schreiben, es reicht nicht, um an Wolfgang Hohlbein heranzukommen und erst recht nicht an Schätzing und Eschbach. Im Grunde war er einst der ideale Heftromanautor, der sein eigenes Denkmal nun in Grund und Boden schreibt.

 

Sein Pseudonym ist zu sehr verwachsen mit dem Namen John Sinclair. Wäre er wirklich ein so guter Autor (mit gewaltigem kommerziellen Potential), wie er (und sein Agent) wohl annehmen, hätte Heyne 1995 auf den Namen Jason Dark gepfiffen und die Romane um den Psycho Cop Don Harris auch unter dem Namen Helmut Rellergerd oder einem x-beliebigen Pseudonym herausgebracht. Aber auf die Marke "Dark" wollten sie in München nicht verzichten. Warum wohl? Aber die Frage ist vielmehr: Was zählt die Marke "Dark" ohne die Marke "Sinclair"?

 

Ich denke, es wäre ein Fehler, wenn Helmut "Jason Dark" Rellergerd Abschied von John Sinclair nähme, um sein Glück auf dem freien Markt zu versuchen. Ein 61jähriger, der auszieht, um den Büchermarkt zu erobern. Ein Grauer-Nachwuchs-Panther, der es allen noch mal zeigen will. Dem Horror (der auf dem Weg zur Nischenliteratur ist) und dem Krimi will er sich zuwenden (so konnte man sowohl bei "Jonas", als auch bei Rellergerd lesen). Wem will Rellergerd denn Konkurrenz machen. Stephen King? Peter Straub?

 

Im Krimi sieht es noch fataler aus. Da dominieren Autoren, die in einer ganz anderen Liga agieren, wie Mankell zum Beispiel. Wie will Rellergerd mit seinem ruppigen Stil und seinen simplen Storys mit den einfachen Lösungen da punkten. Sein einziger Jerry Cotton und seine wenigen anderen Kriminalromane waren bestenfalls Durchschnitt. Und so bezeichnete er sich 1982 auch im Interview mit dem Zauberspiegel: Durchschnitt (und das dürfte eine realistische Selbsteinschätzung sein, Vgl. hierzu AS TIME GOES BY #2). Und wieder die Frage: Werden ihm seine Leser wenigstens folgen oder sind diese doch eher an die Kombination Dark/Sinclair gebunden? Eine Antwort (wenn auch wohl keine repräsentative) auf diese Frage gibt unsere von Oliver Fröhlich initiierte laufende Umfrage auf Geisterspiegel.de.

 

Die Zukunft wird es weisen. Wenn diese bloß für Rellergerd nicht 'dark' ist ...
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Quo Vadis,Fantasy(fan)?

In Fanzines wird von klugen Artikelschreibern und (organisierten) Fantasyfans John Ronald Reuel Tolkien immer wieder mal vorgeworfen, er hätte mit "Der Herr der Ringe" das Genre verdorben und auf einen Irrweg geführt. Die Verlage publizierten nur noch Nachzügler seines Romans. Die Verleger wären dann genauso schuld, wie die Autoren, die eine Queste im Stile Tolkiens nach der anderen produzierten. Sie würden das Genre korrumpieren. Die armen Leser, die nach anderen Formen hungern und dürsten (ja geradezu lechzen), im wahrsten Sinne des Wortes, (geistig) verdursten und verhungern lassen. Soweit (leicht überspitzt) der Tenor dieser Artikel.

 
 

Man könnte diese Thesen unter dem Motto: Schuld sind immer die anderen zusammenfassen. In diesem Fall also die produzierende Seite. Die konsumierende Seite leidet unter dem massiven Diktat der unheiligen Allianz der Autoren, Lektoren, Verlagen und vielleicht auch noch dem Buchhandel. Dazu kommt Tolkien, der, während er zwischen Ende der Dreißiger und den Fünfzigern an "Der Herr der Ringe" schrieb, dieses Komplott zum Schaden der Leser ab der zweiten Hälfte der Achtziger des 20. Jahrhunderts plante. Gefährlicher und weitsichtiger Mann, dieser Professor aus Oxford. Sein hohles, triumphierendes Lachen dringt aus der Gruft und verhöhnt nun Generationen von Fantasyfans. Vielleicht bekommen seine Erben ja Zuwendungen?

 

Im geringen Maße gehöre ich ja selbst zu diesem Kartell, dass den Fantasyfan mit der tausendsten Queste nach Tolkien'schem Muster foltert. Und für den Artikelschreiber in diesem oder jenen Fanzine ist das auch eine sehr bequeme Lösung, da man den Schuldigen ausgemacht hat. In den Kreisen, die Fanzines lesen, findet die These auch den nötigen Widerhall und der Verfasser bekommt Applaus dafür. Die Idee, am Lagerfeuer auf einem Con, bei einem Liverollenspiel, bei Pen-und-Paper-Rollenspielen auf dem heimischen Sofa oder bei Diskussionen im Internet entstanden, ist ja auch so griffig und argumentativ gut zu begründen. Sie reift schließlich zu einem gepfefferten Artikel. Das ganze lässt sich augenscheinlich durch das einseitige Angebot im Handel belegen, wenn der frustrierte Fantasyfan auf der Suche nach der innovativen Fantasy in den Regalen auf immer das gleiche stößt und dann frustriert ohne Lesestoff nach Hause geht. Poor Chap, würden die Engländer sagen.

 

Hat denn keiner von diesen schlauen Leuten Krimis gesehen oder gelesen? Die offensichtlich Verdächtigen sind da nie die Schuldigen, aber lenken prima vom Täter bzw. dem Schuldigen ab. Aber der unscheinbare Buchhalter, der im ganzen Film oder im Roman nur im Hintergrund mitlief und aussah oder beschrieben wurde, als könne er keiner Fliege etwas zu leide tun: Der war dann der Mörder.

 

Genauso ist es im Falle der Fantasy und deren Angebot im Handel. Die einfache Antwort (des organisierten Fans und Artikelschreibers in einem Fanzine) ist für den Verlag, den Lektor, den (oder mich als) Autor oder auch für den Buchhandel keine richtige Antwort. Verfolgt man die Entwicklung im Verlagswesen und Handel, sähe der aufmerksame Beobachter, dass die Verlage sich konzentrieren. Die Verlagsgruppe Lübbe ist der letzte unabhängige Verlag in Familienbesitz. Der Rest gehört zu Bertelsmann oder einer anderen Mediengruppe oder Konzern. In den Siebzigern und Achtzigern waren Heyne, DroemerKnaur, Goldmann und Co. noch selbständig. Das ist vorbei. Auch im Handel dominieren gegenüber dem kleinen Fachbuchhandel große Ketten. In meiner Kreisstadt Stade sehen sich gerade die drei alteingesessenen Händler von der Filiale der Thalia-Buchhandelskette in ihrer Existenz bedroht (inzwischen ist die erste Buchhandlung, schräg gegenüber, geschlossen). Montanus wäre ein weiterer Name für eine solche Kette. Weltbild und der 'Club' (Bertelsmann) haben ein Netz von Shops errichtet, das an den Umsätzen des klassischen Buchhandels nagt.

 

Ist das ein Klima in dem selbstherrliche Verleger, Händler, Lektoren und Autoren eine unheilige Allianz schmieden, um dem Leser mit einem Angebotsdiktat, den Spaß am Genre Fantasy zu nehmen? Wer das denkt, ist (und ich schäme mich nicht, das zu sagen) ein gewaltiger, ignoranter Hirni und Dummschwätzer, der dem typischen Irrtum eines Fans aufsitzt, nämlich repräsentativ für die Leserschaft zu sein (das eint den Fantasyfan mit Fans anderer Genres). Es ist vielmehr das Klima, in dem versucht wird, die Produkte (in diesem Fall Bücher) zu präsentieren, die der Konsument (in diesem Fall Leser) will. Der Markt ist in Sachen Fantasy nicht angebots-, sondern vielmehr nachfragedominiert.

 

Aber, kommt jetzt zumeist der Einwand: Die Fans wollen doch die innovative Fantasy, die wollen nicht immer wieder ein Abklatsch Tolkiens lesen. Dann, werfe ich ihnen entgegen, muss sich dieser (Fan-)Wunsch auch in den Verkaufszahlen spiegeln. Oft genug haben Verlage versucht Fantasy abseits des gängigen, des Tolkien'schen zu bringen und füllten damit dann die Tische der modernen Antiquariate mit verbilligten, aus der Preisbindung genommenen Sonderangeboten auf, die allesamt Rückläufer aus dem Handel oder Lagerbestände sind. Wenn der Wunsch nach innovativen bei der Leserschaft so stark wäre, gingen die Dinger wie geschnitten Brot über den Ladentisch (und Verlage und Handel würden sich ein Loch in den – manchmal dicken – Bauch freuen; von den Autoren und auch den Lektoren ganz zu schweigen). Ausnahmen gibt es immer wieder (die dann aber auch die Regel bestätigen, weil es Ausnahmen sind und bleiben), aber die Gesamtübersicht zeigt: dem (möglicherweise organisierten) Fan (sich als Eliteleser fühlend, den er hat ja Einsichten) und den gemeinen Leser trennt ein gewaltiger Graben im Kauf- und Leseverhalten.

 

Der Fan ist, um das noch mal festzustellen, nicht repräsentativ. Er ist einer, der sich tiefer mit Personen, Mustern und Traditionen des Genres befasst und über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg das Genre verfolgt und liest. Den Otto-Normal-Verbraucher (bzw. Leser) scheren die ausgetretenen Pfade (und die Fans) nicht die Bohne. Die gehen in den Buchhandel (oder auch zu Amazon, einen anderen Versandhändler oder Weltbild) und wollen wieder einen Titel kaufen, der ihnen gefällt. Wieder eine Queste, ein magisches Artefakt und einer bunt gemischten Truppe mit Elben, Zwergen, Menschen und Hobbits im Kampf gegen das übermächtig Böse folgen. Das kennen und wollen sie. Nicht umsonst hat Amazon die Empfehlung: "Wer dieses Buch gekauft hat, bestellte auch folgende Titel" als Service im Angebot. Nicht umsonst, mochten die Vertreter der Verlagsgruppe Lübbe Helmut Peschs und meine Gemeinschaftsproduktion "Die Ringe der Macht". Es war ein Tolkiennachzieher, der dem Buchhandel als verkäuflich zu präsentieren war (und in der Tat gibt es vier Auflagen des Taschenbuchs und der Titel war in einer Mailingaktion des Bertelsmann Buchclubs).

 

Ich mag die Tolkien'sche Fantasy und es stört mich nicht im Mindesten diese für kommerzielle Zwecke oder auch für ein Fanzine zu schreiben. Das haben Helmut und ich auch im Vorwort zu den "Ringen der Macht" festgestellt, wo es heißt "Sie [die Geschichte] entstand aus dem Bedürfnis, mehr von jener Art Fantasy lesen zu können wie wir sie lieben" und manchmal kann es schön für die eigenen Vorlieben und auch den Geldbeutel sein, eine Schnittmenge mit dem Geschmack der Masse zu haben. Und wenn ich meine innovativ sein zu müssen, dann kann ich dies auch sein, in dem ich es in FOLLOW oder bei Geisterspiegel.de bin. Und da sollten es auch die marktkritischen und analytischen Fans sein, bevor sie Schuldige da suchen, wo sie keine finden.

 

Oder aber diese Fans müssen hingehen und den Durchschnittsleser erreichen und missionieren, ihnen zeigen, dass Fantasy soviel mehr sein kann, als eine Gruppe Abenteurer, die ein magisches Artekakt aus einem bestimmten Grund zu einem Vulkan oder einen anderen Ort bringen müssen / wollen / möchten. Der Leser ist unter anderem über Kleinverlage, die die Nischen besetzen, wo Innovatives, Frisches und Neues gemacht werden kann, zu erreichen (na wer geht das Risiko einer Verlagsgründung ein?). Es hilft nichts, den Publikumsverlagen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Die sind nämlich – drastisch formuliert – kein Sozialamt für Not leidende Fantasyfans, sondern müssen Gewinne erwirtschaften und somit versuchen, den Geschmack einer möglichst großen Zahl von Leser treffen.

 

Fantasy ist in den letzten Jahrzehnten im Mainstream (was immer das genau sein mag) angekommen und nicht mehr die Rand und Nischenliteratur der siebziger und frühen achtziger Jahre, wo Herausgeber wie Hubert "Hugh Walker" Straßl bei Terra Fantasy fröhlich herumexperimentieren und den Lesern die volle Breite des Genres präsentieren konnten. Aber aus diesem Angebot, dass dem Leser präsentiert wurde, ist die Fantasy Tolkien'scher Prägung als klarer Sieger hervorgegangen.

 

Auch mit schlauen Artikeln in Fanzines erreichen sie die Leser nicht (sondern nur ihresgleichen, die ohnehin schon dem gleichen Irrglauben anhängen) und stellen zudem unwahre Behauptungen auf. Aber dadurch, dass sie wiederholt werden, werden diese Thesen auch nicht haltbarer oder gewinnen Substanz.

 

Bis dahin muss man hingehen und die Art Fantasy, die man lesen will, eben selbst schreiben ... Dies nur als Hinweis.

 

Bei Helmut und mir hat es geklappt ...
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Quo Vadis, Bu-Con?
1986 – Deutschland wird in Mexiko Fußball-Vizeweltmeister (2:3 Niederlage gegen die "Hand Gottes" und den Rest der argentinischen Fußballnationalmannschaft), Helmut Kohl geht in sein fünftes Jahr als Kanzler, das Fest der Fantasie findet Anfang August in Marburg statt, in der gleichen Stadt wird im April die Dachorganisation der Horror-Clubs formlos aufgelöst, Larry Brent und andere Heftserien werden eingestellt und ich bin Zivildienstleistender. Darüber hinaus erscheinen die Zauberspiegel 9-12 und …
 

… der erste Buchmessen-Con findet im Frankfurter Gallus-Viertel statt. Der Ersatz für die herbstlichen Meerbusch-Events, die mit einem Desaster endeten (mehr dazu in drei Wochen in As Time Goes By #31 – Draußen vor der Tür). Uwe Schnabel, W. K. Giesa und andere hatten ein nettes Event organisiert, dass sich im Laufe der Jahre als eines der letzten Relikte des Horrorfandoms etablierte. Man zog von Gemeindezentrum zu Gemeindezentrum, landete im Henniger Turm, um dann in Bahnhöfen weiterzumachen. Aber immer eine Veranstaltung von Fans für Fans.

 

Phantastisch amüsante Stunden mit einem singenden Trio (mehr dazu in vier Wochen in As Time Goes By #32 – Vom Heldentenor nahtlos zum Bass), kurzen Einaktern, Werwolf-Imitationen, lebhaften Diskussionen, Gaspistolen, Versteigerungen, Smalltalk und lockeren Gesprächen in einer zumeist urgemütlichen Atmosphäre und zumeist in Sicht- und Reichweite der Messe. Es entwickelte sich tatsächlich so was wie ein Programm (ungewohnt fürs Horrorfandom). Aber es war stets ein Fanevent.

 

Stargäste zum Anfassen: Dan Shocker, Kurt Brand, Horst Hübner, Walter Appel, Rolf Michael und andere mehr. Sie klönten, signierten und stellten sich in den Dienst des Faninteresses. Sie kamen gern und immer wieder, hatten Spaß und brachten sich auf unterschiedliche Art und Weise in die Veranstaltung ein. Profis für die Fans. Ein Spaß auf einem Fanevent.

 

1994 der große Zoff um den von Bernd "der singende Frisör" Götz gegründeten Zaubermond-Verlag, als er sein Projekt vorstellte. Er verstieg sich zu der These einer Luxusausgabe in Leder für unter 30,00 DM. Nach Ansicht des einzigen Shocker-Hardcovers bei Zaubermond gab es von einem erfahrenem Verlagsmann den Kommentar: "Der Trend geht zum gebundenen Fanzine." In der Folge gingen die Auseinandersetzungen auf den Leserbriefseiten des Clubletters des Dan Shocker Fantastik Club 'Marlos' weiter. Kontrahenten waren insbesondere W. K. Giesa und ich. (Und nur um das klarzustellen, derartige Rosinen hatte nur Bernd Götz im Kopf. Unter seinen Nachfolgern hat es der Zaubermond Verlag verstanden das 'Erbe' seines Gründers abzuschütteln)

 

Es ließe sich noch trefflich über diese Veranstaltungen schwärmen. Wenn das Horrorfandom nicht parallel zu den ersten Buchmesse Cons eingegangen wäre (im übrigen das Thema der Podiumsdiskussion auf dem ersten Buchmesse-Con, wo Dieter "Oberguru" Hoven ("der Imperator aus Erkrath und seine reitenden Leichen") und ich heftigst aneinander gerieten), hätte es der Beginn einer neu Ära sein können, stattdessen wurde das Horrorfandom da im Grunde auf dieser Veranstaltung jedes Jahr aus Neue beerdigt. Aber eben auf einer Veranstaltung für Fans von Fans.

 

Dann wechselten die Veranstalter und setzten nach und nach neue Prioritäten. Star Trek, SF, Fantasy und erste Stände von Händlern, Fanclubs und Kleinverlegern kamen hinzu. Dank meiner Aktivitäten auf der Messe ging ich immer seltener auf den Buchmesse-Con. Meistens reichte es nicht einmal für eine Stippvisite. 2000 oder so schaute ich mal wieder vorbei und verbrachte einen unvergesslichen Nachmittag in der Ecke, um mit Uli Heise über die Veranstaltung zu lästern (vgl As Time Goes By – Spezial #2 – Synarch, Söldner, Lästermaul). Doch es war immer noch ein Event der Fans.

 

2006 – Deutschland wird Dritter bei der Fußballweltmeisterschaft (Sieg in Spiel um Platz 3 gegen Portugal), Angela Merkel (das "gute Mädchen" Helmut Kohls) geht mit ihrer großen Koalition ins zweite Kanzlerjahr, das Fest der Fantasie findet in Bad Kissingen statt, das Horrorfandom ist nur noch eine ferne Erinnerung in lustigen Anekdoten, Larry Brent und andere Heftserien laufen als Neuauflage und Fortführung in diversen Kleinverlagen und ich bin Telefonagent und leite redaktionell Geisterspiegel.de …

 

… der bislang letzte Buchmessen-Con, der sich (im Zuge des Zeitgeistabkürzungswahns) nun schon länger Bu-Con nennt (was mich an einen dänischen Frischkäse erinnert). Und in der Tat der Con ist nach 20 Jahren ein lautes "Buh" wert. Aber dazu später mehr. Der Veranstaltungsort: eine Schule. Toll, viele Räume, eine Aula für den Phantastikpreis, lange Gänge, aber wenig Atmosphäre. So verlief sich der eher karge Besucherstrom in den Sälen und auf den Gängen. War das noch ein Event für Fans?

 

Als ich meinen Obolus entrichtete und die Räumlichkeiten mit meinem feschen Namensschild auf der Brust betrat, das mich als Chefredakteur von Geisterspiegel.de auswies, hatte ich das Gefühl in eine Ausstellung der Kleinverleger geraten zu sein, eine Art schlecht besuchter alternativer Buchmesse und nicht mehr das herbstliche Treffen von Fans, organisiert von Fans. Räume für Panels, Platz für Stände erschienen dem unvoreingenommenen Beobachter wichtiger, als einen gemütlichen zentralen Raum für das wichtigste auf Cons zu bieten. Das Gespräch von Fan zu Fan. Das Tratschen über die letzten Verlagsgeheimnisse (Hast du schon gehört …), das Austauschen von Gerüchten (Stimmt, es dass …) das Ablästern (Guck dir die Trekkies an …) und Nölen (Wer ist denn der Typ im Sinclair T-Shirt …). Der heftige Streit über Lieblingsserien (So ein Unsinn. Zamorra ist besser als JS. - Ach hört mir doch mit dem Unsinn auf – Maddrax ist es. – Vergiß den Scheiß. In den Siebzigern war alles besser, denk an Shocker und den Dämonenkiller – Wenn Du nur ein bisschen Ahnung hast …). Das alles vermisste ich. War das doch eine Veranstaltung für Fans?

 

Ich traf nur wenig der Urgesteine des Horrorfandoms und benachbarter Veranstaltungen (und so grüße ich besonders auf diesem Weg Thomas Vaterrodt, Roger Noé (der glaube ich zu den Ur-Veranstaltern gehörte), Georg Schulz (die Juniorausgabe), Erik Schreiber, Hermann Ritter, Hermann Urbanek und natürlich Bifi).

 

Das Flair des klassischen Cons war weg. Monierte man (im Horrorfandom) in den 80igern (zu Recht) das Fehlen von Programm, so war dieser Con überladen damit. Ständig hing ein Teil der ohnehin nicht wirklich zahlreichen Gäste (so sie keinen Stand zu bewachen hatten) in irgendwelchen Sälen ab, um irgendwelchen Leuten zuzuhören, die irgendwas über Irgendwen oder irgendein Projekt erzählten oder dieses oder jenes vorlasen. Schön ist das nur, wenn das ausgewählte Highlights sind. (In seiner Maddrax-Kloume lässt Sascha 'Andro' Vennemann ähnliche Töne anklingen). Aber die paar Stuhlreihen in der Nähe der Verpflegungsstation waren zu wenig, um den Spaßfaktor (die Gespräche, Labereien und Diskussionen) eines Cons zu bieten. Veranstaltung für Fans? Nicht mehr …

 

Das war wirklich ein "Buh!!" wert. Ein weiteres "Buh!!" verdient der Zug in die hessische Pampa. Der Messeturm war nicht auszumachen. Dreieich – Ein netter Name (Herkunftsort eines der hessischen Urgesteine des Horrorfandoms und Urveranstalter des Buchmesse-Cons, Thomas Oelschläger, wobei ich kaum glaube, das die heutige Veranstalter ihm zu Ehren dort den Con stattfinden ließen), aber wirklich ein Veranstaltungsort für einen Con, dessen Vorsilbe "Bu" sich von Buchmesse herleitet? Ich meine: Nein!!! Man braucht Ewigkeiten, um von der Messe da hinaus zu kommen. Gibt es innerhalb Frankfurts nicht noch irgendeinen halbwegs geeigneten Veranstaltungsort?

 

Auch ein Schlaglicht wert: Der Deutsche Phantastik Preis. Netter Preis, ein Publikumspreis, aber moderiert von einem jungen Mann, der wie Graf Koks von der Gasanstalt daher kam mit dem öligen Charme eines Eintänzers in der Fischbratküche agierte. Ein paar flotte Sprüche in der Moderation sind ja in Ordnung, aber man kann es auch übertreiben. Die Preisträger, ob erschienen oder nicht, sollten im Mittelpunkt stehen. Nicht ein Moderator, der seine Bedeutung deutlich überschätzt. Die Paten, die manche der Preise übergaben, taten das mit deutlich mehr Charme. Auch hier wäre eine Änderung zu überdenken.

 

Fazit ist: So wie es jetzt ist, überlebt sich der Buchmesse-Con nach 20 Jahren. Dann stirbt auch eines der letzten Relikte, das aus dem Horrorfandom hervorgegangen ist. Es muss wieder ein Event werden, wo einige programmliche Highlights den Rahmen für ein Treffen von Fans hergeben. Es muss wieder eine Veranstaltung werden, wo es nicht mehr soviel Raum für Stände von Kleinverlagen und anderem gibt. Dazu sollte die Veranstaltung wieder an die Messe heranrücken. So kann sich der Buchmesse-Con wieder erholen.

 

Ich hoffe, es wird besser, denn im Grunde würde ich den Messesamstag wieder öfters auf dieser Veranstaltung verbringen. 
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Alle Amokläufe wieder ...
"'Es geht um Gewalt, die durch die Medien ausgelöst wurde.'
 
'Ach ja! Und was hat die spanische Inquisition ausgelöst? Ne' besonders fiese Folge von Bonanza?'"
 
(Aus der Fernsehserie "Becker", Sat1)

Erfurt, Emstetten – Schauplätze von Amokläufen in Deutschland. Schlimm, wirklich schlimm. Erfurt war grausam, Emstetten ging vergleichsweise glimpflich ab (dafür sollte man dankbar sein). Sofort wurde aber reflexartig, insbesondere in den Medien und natürlich und gerade von Politikern ein wiederkehrendes Ritual zelebriert: Der Amokläufer von Emstetten hat (wie der von Erfurt) Counterstrike gespielt (die BILD brachte für Emstetten auch Doom 3 ins Spiel) und natürlich fiel auch undifferenziert der Begriff Horrorfilme. Gutmenschen haben die Schuldigen sofort ausgemacht. Üble Sachen, diese Computerspiele und diese Horrorfilme. Sie verleiten zu solchen Taten. Sie machen aus Jugendlichen Gewalttäter, die mit Schusswaffen in Schulen gehen, um dort Lehrer und (ehemalige) Mitschüler zu töten. Und alle Amokläufe wieder kommt das Geschrei nach Verboten beinahe ebenso reflexartig. Weg damit und die Welt wird automatisch besser ... Differenzierte Töne gibt es kaum. Da drängt sich die Frage auf: Sind diese Typen (Journalisten und Politiker) wirklich so einfältig?

 
 

Es ist zum Kotzen ... Ich könnte schreien! Zum einen wird man mit die­ser billigen (IMHO auch irreführenden) These in keiner Weise den Opfern ge­recht und letztendlich kommt man den Tätern und den Ursachen, die zu diesen Taten führten, damit auch nicht näher. Damit werden Motive und Gründe eher verschleiert denn aufgedeckt. Daraus folgt, dass auch keine sinnvolle Präven­tion stattfinden kann, um solche Ge­waltexzesse künftig zu verhindern. Aber wer will das schon? Offensichtlich nicht die Ministerpräsidenten der CDU-re­gierten Bundesländer, wenn man den Nachrichten glauben darf. Die Meute dieser politischen Wichtigtuer stimmt das Lied der Verbote an. Leben wir noch in einem freien Land mit einer so hoch gerühmten freiheitlich-demokrati­schen Grundordnung? – Man könnte Zweifel bekommen.

 

Es kommt doch auch keiner auf die Idee, wenn ein Autofahrer Amok fährt, alle Autos zu verschrotten und alle Füh­rerscheine einzuziehen, nur weil ein Fahrer durchgedreht ist. Oder etwa doch? Nee, nicht wirklich ...

 

Werfen wir einen Blick nach Westen. Werfen wir einen Blick auf die freien Niederlande (wie ein ehemaliger, von dort stammender Arbeitskollege, sein Heimatland nannte, um mich zu ärgern). Dort kann man Horrorfilme aller Orten kaufen, dort kann ich PC-Spiele wie Counterstrike und Doom und wie sie alle heißen kaufen und spielen. Es gibt dort keinen Jugendschutz wie wir ihn aus Deutschland gewöhnt sind. Und wie viele Amokläufe gab es in Holland in den letzten – na sagen wir mal – fünfzig oder hundert Jahren? Mal abgesehen von dem der Wehrmacht 1940 und der Besatzungszeit in den Jahren danach (wovon unter anderem das Tagebuch der Anne Frank kündet) IMHO nicht einen einzigen. (Mann, was bin ich zynisch heute)

 

In Deutschland, jenem Land mit einem rigiden Jugendschutz, da gibt es Amokläufe. Fällt jemandem was auf? Da sehe zumindest ich einen Widerspruch. Ich kenne Leute, die Counterstrike spielen (insgesamt sollen es etwa eine halbe Millionen sein), ich kenne Leute die Doom spielen (vor zehn Jahren besaß ich ein T-Shirt, welches mich als bekennenden Doom-Spieler der ersten Generation dieses Spiels auswies). Und bei keinem von ihnen beschleicht mich das Gefühl, sie würden in die Fußstapfen der Täter von Erfurt und/oder Emstetten treten wollen.

 

Seit frühester Kindheit sehe ich mir Gewaltfilme an. Als 11-jähriger saß ich begeistert im Stader Zeughaus oder der Schauburg und sah im Sommerprogramm (täglich wechselndes Programm) Filme wie "Mondo Cannibale" (als Frühpubertierender mehr wegen der Titten, denn der Gewalt). Ich habe mit 14 oder so "Dawn of the Dead", mit 15 oder 16 Zombi II (Woodoo – Schreckensinsel der Zombies), "Über dem Jenseits" aka "Geisterstadt der Zombies" oder "Ein Zombie hing am Glockenseil" gesehen. Im Grunde wurden die ganzen Gewaltorgien, die damals durch die Kinos liefen von mir konsumiert. Nicht nur die Horrororgien, sondern auch gewalttätige Italo-Western (seit früher Kindheit), Gewalt verherrlichende Actionfilme und vieles andere mehr habe ich mir angeschaut. Ich habe moralisch nicht einwandfreie Bücher gelesen, jugendgefährdende Comics gelesen. Und natürlich auch seitdem ich 12 oder 13 war, in mehr oder minder kurzen Geschichten und meiner Phantasie zahlreiche Menschen getötet, verstümmelt oder sonst wie gequält.

 

Meine schlimmste Tat: Im zarten Alter von zehn Jahren las ich aus dem Larry Brent Roman "Satans Mörderuhr" die Köpfungsszene vom Beginn des Romans meiner Schulklasse vor. Einige der Mädchen bekamen davon Albträume. Ich durfte nicht wieder aus meinen Lieblingsromanen lesen wie es jeden Samstag Usus war (im Übrigen hat mich keiner gefragt, ob ich von manchen der Pferdebücher oder Hanni-und-Nanni-Geschichten nicht auch Albträume hatte). (Nachtrag: Wahrscheinlich bin ich deshalb Liebhaber von Perdesteaks, mmmhh)

 

Ich habe aber nie den Wunsch verspürt bzw. das Bedürfnis gehabt, meine Lehrer und Mitschüler mit einer Schrotfilme zu erschießen, mit einer Kettensäge das Altersheim heimzusuchen, die Arbeitskollegen und Vorgesetzten im Büro oder wildfremde Menschen auf offener Straße einfach niederzuknallen. Im Gegenteil: Ich habe den Kriegsdienst verweigert, Zivildienst aus Überzeugung geleistet (und diese Überzeugung bestand nicht darin, dass mir die Bundeswehr zu lasch war, sondern ich einfach Gewalt in realer Form ablehne). Mittlerweile bin ich im 43. Lebensjahr und habe mich noch nie geprügelt. Mein Vater hat mir sogar mal eine Backpfeife verpasst, weil ich mich nicht gewehrt habe, als ein Nachbarjunge mich schlug. In der Grundschule habe ich nicht zurück geschlagen, als mir ein Mitschüler im Zuge eines Streits die Nase blutig schlug. In beiden Fällen habe ich mich umgedreht und bin einfach weggegangen. Gewalt in realer Form ist Mist.

 

Und ich bin da nicht der einzige. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert treffe ich Horrorfans. Keiner von ihnen ist bis jetzt als Amokläufer tätig geworden. Seit gut anderthalb Jahrzehnten kenne ich Fans von Ego-Shootern oder anderen PC-Spielen. Und auch diese haben sich in der realen Welt mit Amokläufen eher zurück gehalten.

 

Ich besuche Horrorfilmbörsen, wo jede Menge Leute sich – auch gewalttätige – Filme der übelsten Art kaufen. Aber ich fühle mich anlässlich dieser Börsen nicht von einer Horde böser Menschen umgeben, die mich wohlmöglich umnieten, foltern oder mir sonst wie Gewalt antun wollen. Im Gegenteil, man plaudert nett bei einer Tasse Kaffee und einer Zigarette. Die Atmosphäre ist entspannt und ein Sicherheitsdienst, der für Ruhe und Ordnung sorgt, unnötig.

 

Dazu kommt, dass einige meiner besten Freunde sich ebenfalls diese Gewaltexzesse antun. Haben die mich bedroht, versucht mich zu verstümmeln oder zu töten? – Nicht, dass ich es bemerkt hätte und meine Gliedmaßen sind auch noch alle da. Habe ich das Gefühl, diese Freunde wären bereit, Altersheime und Schulen zu überfallen? – Nö, eigentlich nicht? Und: Einige von ihnen ziehen sich nicht nur die Filme rein, sondern spielen auch noch Counterstrike. Allerdings fühle ich mich in der U-Bahn und erst Recht in einem Fußballstadion unsicherer als bei diesen – Freaks.

 

Politiker (diese ganz besonders) und Journallie (von der differenzierte Töne in diesen Fällen kaum oder gar nicht zu hören und zu lesen sind) sollten einmal überlegen, was sie so von sich geben, wenn es zu Vorfällen wie diesen kommt. Dazu sollten gerade Politiker ihren blinden Aktionismus in den Griff bekommen, bevor sie was verbieten wollen oder den Jugendschutz verschärfen. Aber wenn sie so was tun, können sie sagen: Wir haben was getan!Ist doch egal, ob es am Ziel vorbei geht. Aber es ist etwas passiert. Nach Erfurt wurde der Jugendschutz hastig bearbeitet. Und diesmal schreien alle nach Verboten. Und vor allen Dingen hat es nicht viel gekostet am Jugendschutz zu drehen und auch die Verbote sind relativ günstig zu haben. Mal abgesehen davon, wie soll das Herunterladen dieser Spiele bzw. der Erwerb dieser Spiele per Internet verhindert werden?

 

Aber: Bevor Counterstrike oder Horrorfilme möglicherweise zu einer Gewalttat führen können, wie manche Forscher (nicht unumstritten) meinen, müssen viele andere Dinge geschehen sein, denn sonst würden viel mehr solcher Gewalttaten geschehen bei der Unmenge an Spielern und/oder Horrorkonsumenten. Letztlich wäre das PC-Spiel und/oder die Filme nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Frage muss also eigentlich sein: Was hat das Fass so voll gemacht, sprich den jungen Menschen so weit getrieben?

 

Denn: Die Ursachen liegen doch im Individuum selbst, in seiner Erziehung, Sozialisierung, seiner Umwelt, vielleicht auch seinen Genen. Aber davon hört man wenig, denn wenn davon spricht, kommen Fragen auf. Denn hier kann man vorbeugen. Nur, um hier präventiv tätig zu werden, bedarf es eines Systems, das versucht zu verhindern, dass Jugendliche verbittern, sich von ihrer Umwelt abkapseln und einen unglaublichen Hass aufbauen, der sich dann in solchen Taten entlädt. Aber dieses Systems würde Geld kosten, Eltern, Lehrer, Sozialarbeiter und Jugendamt müssten zusammenarbeiten. Psychologen müssten vorhanden sein. Das ist aufwändig. Vorgeblich nicht bezahlbar und letztlich auch keine absolute Sicherheit bietend, aber sagen tut uns das keiner. Das ist es doch viel leichter mit Aktionismus und Verboten vom eigentlichen Problem abzulenken ... Bis dann die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird (sprich die nächste Sensationsmeldung die öffentliche Meinung bestimmt). Da es Spätherbst ist: Die Vogelgrippe steht ante portas und wenn nicht die, etwas wird sich schon finden.

 
 

Da aber nichts Substantielles geschieht, was die Vorbeugung angeht, warten wir dann auf den nächsten Amoklauf an einer Schule, in einem Altersheim, in einem Büro oder auf offener Straße. Dann hören und lesen wir wieder, dass PC-Spiele und Horrorfilme schuld sind, welche endlich verboten gehören. Und wieder werde ich den Blick westwärts in die freien Niederlande wandern lassen und vielleicht dahin auswandern ...
 
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Auf den Leitartikel "Quo Vadis, Jason Dark?" gab es eine Reaktion in Form eines Leserbriefes von Ex-Bastei Chef-Lektor Peter Thannisch, der nun als freier Lektor arbeitet und unter anderem für die Bearbeitung der Rellergerdschen "Schloßtrio"-Bände und des neuen Versuches von Jason Dark "Don Harris" verantwortlich ist.

 

Peter Thannisch, München schrieb:

 

 

Sehr geehrter Herr von Allwörden,

 

 

 

ich habe gerade Ihre Kolumne im "Geisterspiegel" über den Autor Jason Dark gelesen und muss sagen, dass ich diesen wirren Mischmasch aus persönlicher Meinung, Gerüchteküche und Halb- und Unwahrheiten als wirklich unverschämt empfinde!

 

Es kann gut möglich sein, dass Ihnen Hrn. Rellergerds Sprachstil nicht zusagt, dennoch gehört Jason Dark zu den meistgelesenen Autoren deutscher Sprache. Die Leser seiner Romane mögen seinen Stil, sonst wäre sein Erfolg nicht denkbar. Aus über 1500 Romanen die ein oder andere Stilblüte herauszupicken ist nicht viel Arbeit. So mancher Autor bringt noch ganz andere Stilblüten, ohne jede Woche 150

 

Manuskriptseiten abliefern zu müssen! Die Äußerung persönlicher Meinung ist etwas anderes als berufsschädigender Rufmord!

 

Was diese ganzen Gerüchte um Jason Dark betrifft, verstehe ich nicht, wie Sie sich auf einen Anonymus namens "Jonas" berufen können, während wir wg. "Jerry Cotton" im engen Kontakt standen. Wäre es für Sie nicht besser gewesen, gesicherte Informationen aus erster Hand zu erhalten, statt sich auf einen unbekannten Gerüchteschmieder aus dem Internet zu berufen? Das ist nicht einmal schlechter Journalismus! Wenn Sie ein wenig recherchiert hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass Jason Dark die Romane um das "Schloß-Trio" gänzlich überarbeitet und modernisiert hat. Daß einen Roman mit Ostblock-Agenten kann man heutzutage wohl kaum noch als Jugendbuch auf den Markt bringen! Auch dass die "3 Helden" inzwischen alle mit Handys bewaffnet sind etc. hätte Ihnen auffallen müssen! Es handelt sich hier um alles andere als um eine bloße Neuauflage!

 

Dass es sich bei der Serie "Don Harris - Psycho-Cop" um zehn Jahre alte Romane handelt, ist frei erfunden! Zufällig bearbeite ich diese Reihe und spreche jeden Band mit Jason Dark im Vorfeld ab! Es ist mir unbegreiflich, wie man derartige Unwahrheiten als reale Tatsache hinstellen und solchen Unsinn auch noch weiterverbreiten kann!

 

Auf die anderen Gerüchte, die Sie aufgreifen und zum x-ten Mal verbraten, möchte ich schon gar nicht mehr eingehen.

 

Entschuldigen Sie, Herr von Allwörden, aber Ihre Kolumne ist nicht nur extrem schlecht recherchiert, ich empfinde sie als tendenziös und rufschädigend. Außerdem //hat das Ganze den unangenehmen Beigeschmack, als würde hier ein weniger erfolgreicher Autor über einen sehr erfolgreichen Kollegen herziehen! Vielleicht sollten Sie beim nächsten Mal etwas mehr Objektivität walten lassen, sonst ist der "Geisterspiegel" nicht mehr als eines von vielen Gerüchteküche-Magazine im Internet.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Peter Thannisch

 

 

 

 

 

HHVA antwortet:

 

 

 

Schönen Dank für diese Reaktion, Herr Thannisch.

 

Ich gebe zu, diesen Leitartikel in provozierender Manier geschrieben und meiner persönlichen Meinung über den Schriftsteller Helmut Rellergerd und seinen mehr oder weniger interessanten Plänen und (vielleicht auch kolportierten) Absichten durchaus breiten Raum eingeräumt zu haben. Sinn dieser Leitartikel ist, solange ich diese schreibe (was ich keinesfalls auf Dauer zu tun gedenke), provokant, reißerisch und direkt zu sein. Kurzum: Man soll ich über diese Leitartikel aufregen können, wenn man das will. Darum bin ich scharf im Ton. Sarkastisch, zynisch und hart im Stil.

 

Kleiner Exkurs

 

Daher schon mal der Aufruf an alle, die meinen sie könnten das auch oder ganz anders als ich: Schickt Eure Leitartikel ein. Inhaltliche und formelle Vorgaben gibt es nicht. Soll auch heißen: Wer Jason Dark für seine Leistungen feiern will, auch das ist hier möglich. Solange der Text sich mit dem breit gefächerten thematischen Spektrum von Geisterspiegel.de befasst, ist im Grunde alles möglich.

 

Kleiner Exkurs - Ende

 

Ob es Ruf schädigend ist, was ich da tue, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber die Erfahrung sagt mir, dass dem nicht der Fall ist (denn Artikel und Rezensionen über John Sinclair bzw. Jason Dark. schreibe ich seit den frühen achtziger Jahren und die Serie erfreut sich immer noch einer gewissen Beliebtheit. Habe ich nun versagt? Ja, wenn ich mit missionarischem Eifer und der Vorgabe angetreten wäre, die Serie zu kippen und den Autor dem literarischen Orkus zu überantworten. Bin ich aber nicht, denn mein Motiv ist Lust an der Auseinandersetzung. Und da habe ich in den letzten 25 Jahren viel Erfolg und Spaß mit mir widersprechenden Fans gehabt, wie auch jetzt mit Ihrer Reaktion). Ich nehme den Blickwinkel des Fans ein und Fanpresse (gleich ob gedruckt oder im Internet) wird gern und ausgiebig (oft sogar zu recht) ignoriert (dem sollte man sich als Fan immer bewusst sein), denn die Interessen von Fan und Verlag divergieren.

 

Daher mache ich mir keine Sorgen, dass dieser Artikel (oder die anderen auf Geisterspiegel.de, im Zauberspiegel oder anderswo) irgendjemand in der Verlagsbranche beeindruckt oder dessen Handeln beeinflusst. Das war so, ist so und wird so bleiben. Fanzines, gleich welcher Art, sind wie Berge, die kreisen und Mäuse gebären. Sie dienen einzig dem Austausch unter Fans und deren akademischen Streitigkeiten. Geisterspiegel.de ist da keinesfalls als Ausnahme zu sehen. Leser ignorieren im allgemeinen Fans, wie diese die Leserschar ignorieren (oder sich im schlimmsten Fall Fans als Modell für den gemeinen Leser sehen).

 

Ich sehe also nicht, wie ich ein großes Verlagshaus davon abhalten könnte, sich der Marke Jason Dark bzw. dem Autor Helmut Rellergerd zuzuwenden und Bücher von ihm zu verlegen (obwohl es natürlich meinem Ego schmeicheln würde, der gefährliche Fan zu sein, der Helmut "Jason Dark" Rellergerd vom Sockel schreibt. Nur eine realistische Möglichkeit mein Ego derart pinseln zu können, sehe ich nicht und – ob mans glaubt oder nicht: Ich will das auch gar nicht. Ich bin nicht die BILD, zum Glück und meiner Befriedigung).

 

Und ich meine es auch ehrlich, wenn ich konstatiere, dass die Erfolgsgeschichte Jason Dark/John Sinclair Bewunderung verdient. Und er hat jeden Pfennig und Cent verdient, den er bekommen hat. Auf diese Erfolgsgeschichte können Verlag und Autor stolz sein. Warum der Autor nun offensichtlich herumlaviert und nach Höherem strebt, vermag ich nicht wirklich zu sagen. Will Helmut Rellergerd es nun allen zeigen? Ist er wirklich unzufrieden mit der Verlagsgruppe aus dem Bergischen? Fühlt er sich verkannt und vernachlässigt? Immerhin äußerte sich Helmut Rellergerd auf Cons der Achtziger dahin gehend, dass er mit den Gewinnen aus John Sinclair den Buchverlag Lübbe finanziert (das hat er mehrfach unter Zeugen verlauten lassen).

 

Aber es ist eben auch so, dass Bestsellerautoren wie Follett, Brown & Co. in anderen Ligen arbeiten. Da gibt es in Arbeitsweise und Stil Unterschiede. Das geht bei der Recherche los, führt das Schreiben als technischen Vorgang bis hin zur Publikationsform und der Erwartungshaltung des Lesers. Ich wage immer noch zu bezweifeln, dass Jason Darks ruppige Art zu schreiben (und die ideal fürs Romanheft ist bzw. war, denn mittlerweile schreibt er, wie Norbert Aichele es nannte "lesbares Kaugummi". Ich erinnere mich da an Bd. 1000, wo Sinclair auf sieben Seiten vor der Kapelle stand, wo er rein musste und wollte und quasi nun jeder Regentropfen beschrieben wurde), in der Liga der internationalen oder auch nur nationalen Bestsellerriege Bestand hätte, wenn Jason Dark vom Heft zum Taschenbuch und zum Hardcover wechselt, ohne dabei seine Marke John Sinclair mitzuführen. Da ist die große Frage, ob seine Leser mitziehen werden? Der Erfolg der "Psycho-Cop"-Romane wird in einigen Monaten Aufschluss darüber bringen. Warten wir es ab, wer sich irrt.

 

Auch Wolfgang Hohlbein ist unter Fans des Fantasy- und Horrorgenres nicht unumstritten (wie Rezis in der Fanpresse und abfällige Kommentare auf Cons zeigen). Was schert das seine Leser? Nichts. Nicht 100, 1.000 oder 10.000 Klicks am Tag auf Geisterspiegel.de könnten mir da helfen (und ich bin auch nicht so vermessen, dies anzunehmen oder zu erwarten, in dieser Hinsicht etwas zu bewegen – vgl. hierzu auch den Leitartikel "Quo Vadis, Fantasyfan?" der am 18. August online ging, wo es unter anderem um gefühlten und tatsächlichen Einfluss von Fans geht). Für mich geht es letztlich nur um die Lust am Schreiben provokanter Texte, die andere Fans so aufwühlen, dass wir miteinander streiten. Das bringt Leben in die Bude.

 

Es gibt ein paar Dinge, in ihrem Schreiben, denen es (aus meiner Sicht) zu widersprechen gilt.

 

Ich habe nicht einige wenige Stilblüten aus 1500 Roman herausgesucht, sondern aus der Vielfalt derselben, die mir spontan noch einfielen, einige sehr putzige erwähnt. Während der achtziger und neunziger war es im Zauberspiegel so, dass wir eine Stilblütenseite unter dem Titel "'Kleine' Zitate 'großer' Leute" unterhielten. Waren mal aus eigener Produktion oder aus gelesenen Büchern keine Stilblüten angefallen, so gab es den geflügelten Satz: "Lesen wir einen Sinclair" und schon war eine Doppelseite sicher gefüllt. Bd. 464 der John Sinclair-Serie füllte insgesamt 5 Seiten mit ich glaube 45 Stilblüten (und das waren nur die kurzen knackigen, aber es gab da diese dreispaltige Szene mit dem Werwolf, einer Birke und John Sinclairs Automobil, die wahnsinnig komisch war).

 

Wenn Hans-Ullrich Stefan nicht anderweitig gute bis sehr gute Arbeit geleistet hätte, so wäre damals der Spruch vom schlampigen Lektorat fällig gewesen. Aber er war ein akribischer Lektor und dennoch gingen ihm derartig viel Stilblüten durch. Und es passieren immer noch mehrere solcher Ausrutscher in jedem Heft und Taschenbuch. Von einigen wenigen sollte man da nicht sprechen. Es waren seit 1983/84 viele, sehr viele Stilblüten, die den Weg zum Käufer fanden. Dazu empfehle ich auch als Lektüre das Bastei-Forum, insbesondere die archivierten Beiträge des Vorgängerforums, wo sich frustrierte Altfans eben über Stilblüten und logische Fehler aufregen.

 

Und die "Original"-Manuskripte von Jason Dark waren wirklich abgetippt. Das Schriftbild einer Typenradma­schine und einer mechanischen Ma­schine unterscheiden sich nur allzu deutlich. Dazu muss man sich nur daran erinnern, dass in der mechani­schen Schreibmaschine Stofffarbbänder Verwendung fanden, während in die Typenradmaschine Carbonfarbbänder eingespannt wurden. Auch das Schrift­bild der zu gewinnenden Skripte war nicht die von Helmut Rellergerd pro­pagiert Normseite mit 30 x 60 Zeichen. Daher bleibt die Frage bestehen: Wie sieht ein John-Sinclair-Original-Manu­skript wirklich aus? Warum wurden nicht – wie bei anderen Autoren, von Jürgen Grasmück über Friedrich Tenkrat bis hin zu Rolf Michael – die Durchschläge der Original-Manu­skripte bzw. deren Durchschläge ver­lost?

 

Zum Thema "Don Harris – Psycho Cop". Die Romane waren in den Neunzigern bei Heyne angekündigt, exakt auch als "Psycho-Cop Don Harris". Ich muss allerdings einräumen, dass ich nicht weiß, ob diese Ankündigung auf der Basis von Ideen oder bereits fertigen Manuskripten erfolgte. Ich war in meiner Naivität davon ausgegangen, dass Heyne da nicht die Katze im Sack beworben hatte, sondern auf der Basis von fertigen Skripten handelte. Fakt ist aber auch, dass Heyne diese Romane nicht veröffentlicht hat. Eben so nahe liegt dann der Schluss, dass das Münchener Verlagshaus, dann nur die Marke Jason Dark kaufen wollten. Denn wenn die Skripte auch ohne diesen Namen kommerziell viel versprechend gewesen wären, hätte Heyne die Romane unter dem Namen Helmut Rellergerd, Red Geller oder welchen auch immer veröffentlicht.

 

Was mich freut, dass Sie als Lektor Einfluss auf diese Romane haben, so dass ich in zwei Wochen mal in den Buchhandel gehen werde, um mir einen "Psycho Cop"-Roman anzusehen.

 

Zu "3 Helden"/"Schloßtrio" weiß ich nicht, ob man sagen könnte, der Kern der Geschichte wäre verändert worden. Im Endeffekt dürfte es immer noch ein Abklatsch von den "???", "TKKG", "Enid Blyton's Fünf Freunde", des legendäre Kalle Blomquist und seiner Freunde und anderer Detektivgruppen des Jugendbuches sein. Und genau dieser Kern war langweilig und fade. Da ist es nun egal, dass man einen Spion aus dem Ostblock ersetzt und den Heldennasen Handys in die Hand drückt. Das sind Äußerlichkeiten, kosmetische Korrekturen, die am eigentlichen Buch nichts ändern.

 

Zu Jonas: Dieser erscheint immerhin über ein paar Insider-Infos verfügt zu haben, wie eben über den Agenten Helmut Rellergerds, die Auseinandersetzung über das Pseudonym "Jason Dark". Daher nahm ich ihn als Aufhänger meines Artikels. Ihnen wir aufgefallen sein, dass ich ihn keinesfalls nachgebetet habe oder durch die Bank recht gab. Doch manches bei ihm, ist nicht von der Hand zu weisen.

 

Sie nicht konsultiert zu haben lag unter anderem daran, dass ich den Artikel, der Verlagsgruppe Lübbe auch zur Verfügung gestellt habe. Dies sogar ergänzt um den Post von Jonas aus dem Forum, damit man dort informiert war, worauf ich abgehoben habe. Sollte ich aber je wieder einen solchen Artikel schreiben, werde ich sie davon in Kenntnis setzen und ggf. Korrekturen unter Berücksichtigung Ihrer Antworten einarbeiten. Wenn ich nicht ohnehin einen kompletten Widerruf schreiben muss, um den kommenden hochqualitativen Bestsellern von Helmut Rellergerd aka Jason Dark die Ehre zu erweisen.

 

Ich hoffe, Sie begleiten uns (und auch mich und meine Ergüsse) weiterhin kritisch. Ob Sie es glauben oder nicht. Ich freue mich über ihre Reaktion und hoffe darauf, dass diese Antwort bei Ihnen den Bedarf an weiteren Kommentaren auslöst.

 

Schönen Dank und Beste Grüße von der Elbe an die Isar

 

Horst von Allwörden

 

P.S.: Peter Thannisch hat seinerzeit meinen ersten Roman, den "anerkannt schlechtesten" (Urteil eines Users des Bastei Forums) Trucker-King angekauft und bearbeitet, der dann als Bd. 220 "Höllenfluten" erschienen ist.

 

 

 

Da die Mail an mich nicht als Leserbrief gekennzeichnet war, schickte ich diese mit meiner Antwort zurück an Peter Thannisch und bat dabei um die Erlaubnis zum Abdruck. Die Antwort erfolgte dann auch ziemlich prompt.

 

 

 

Peter Thannisch, München ergänzte also:

 

Lieber Herr von Allwörden,

 

 

 

bitte verzeihen Sie, dass ich jetzt erst antworte, da ich gestern mit einem Autor unterwegs war. Vielleicht hatte meine letzte Mail einen etwas ruppigen Ton, da ich zuerst wirklich sehr erschrocken und wütend war - ich arbeite nämlich mit Hr. Rellergerd nicht nur zusammen, sondern bin auch gut mit ihm befreundet, deshalb mein anfänglicher Zorn.

 

Ich habe Hr. Rellergerd noch nicht sprechen können, es sieht wohl aber so aus, dass er schon einmal eine Serie namens "Don Harris" oder "Psycho-Cop" bei Heyne angeboten hat, die aber niemals geschrieben wurde. Offenbar gefiel ihm der Titel so gut, dass er ihn beibehalten hat. Ich werde da noch einmal rückfragen. Die Romane jedenfalls sind sehr neu.

 

Bei den "3 Helden" sind zwar die alten Storys erhalten geblieben, allerdings wurde von Helmut Rellergerd eine ganze Menge in den Romanen umgeschrieben. Ich finde die neuen Fassungen sehr viel spannender und auch sprachlich besser als das alte "Schloß-Trio".

 

Was Hrn. Rellergerds Schreibstil betrifft, muss man berücksichtigen, dass er einen Sinclair-Roman tatsächlich in drei Tagen schreiben muss, um alle Termine einzuhalten. In der Anfangszeit von "John Sinclair" hatte er ja Unterstützung, darunter so tolle Autoren wie Fritz Tenkrat oder Richard Wunderer (Andrew Hathaway), doch die Fans merkten den Unterschied im Schreibstil und wollten "ihren" Jason Dark. Als Lektor arbeite ich mit sehr vielen deutschsprachigen Autoren zusammen, und Rellergerd gehört hier wirklich nicht zu den schlechten; so manch anderer deutscher Autor macht mir erheblich größere Arbeit und Kopfzerbrechen und ist sehr, sehr erfolgreich. Hier muss man einfach bedenken, unter welchen Bedingungen Sinclair-Romane entstehen - und trotzdem läuft die Serie noch immer mit großem Erfolg.

 

Wir werden abwarten, wie "Don Harris" bei den Lesern ankommt. Ich selbst bin sehr gespannt.

 

Bleiben wir einfach in Verbindung - für Rückfragen zu Projekten, an denen ich arbeite oder gearbeitet habe, stehe ich gern zur Verfügung, auch telefonisch.

 

Mit besten Grüßen

 

Peter Thannisch

 

 

 

HHVA antwortet noch mal:

 

 

 

Sehr geehrter Herr Thannisch,

 

 

 

Ihr "ruppiger" Ton war durchaus keine Überraschung. Ich habe schließlich lauthals in den Wald gebölkt. Da rechne ich auch mit dem entsprechenden Echo, ohne überrascht oder gar angefressen zu sein. Das ist wie auf dem Fußballplatz. Man massiert sich neunzig Minuten die Schienbeine und beschimpft sich. Und nach Abpfiff geht’s an den Tresen, um dieses oder jene Getränk zu verzehren.

 

Im Gegenteil: Ich habe mich darüber gefreut. Solange es nicht persönlich wird, geht alles in Ordnung. Sie und ich sollten, wenn wir uns über den Weg laufen, ein Bier oder einen Kaffee zusammen trinken und ein bisschen schwatzen.

 

Dann werde ich mal einen wohlwollenden Blick auf die "Drei Helden" und den "Psycho Cop Don Harris" werfen und nachsehen, ob das eine besser geworden ist und das andere stilistisch und inhaltlich mehr bietet als die durchschnittlichen Romane Helmut "Jason Dark" Rellergerds. "Unter der Lupe" nennen sich unsere Rezensionsseiten und da kommen die Romane mal hin.

 

Ich kenne sowohl Fans und Leser aus der Zeit der Co-Autoren in der John Sinclair-Phase. Nur den wenigsten Fans fielen die Diskrepanzen zwischen Helmut Rellergerd und seinen Co-Autoren auf. Obwohl gerade Richard Wunderer (der mit seinen Rick Masters und Monstrula-Romanen zu meinen Lieblingen zählt) und Walter Appel (einer der wichtigsten Dämonenkiller-Autoren) sich im Stil doch stark von dem des "Original-Darks" unterschieden. Ich bin damals wüst beschimpft worden, als ich in Artikeln und Leserbriefen schrieb, dass es a) Co-Autoren gäbe und b) die stilistischen oder (besonders im Falle Wunderers) die thematischen Unterschiede schon augenfällig wären. Von Fanseite wurde wüst abgestritten, dass es Co-Autoren gäbe. Das gipfelte darin, dass man über mich sagte "Manchem Mundwerk muss man das Handwerk legen" (Sie sehen, ruppige Töne haben in der Auseinandersetzung mit mir durchaus Tradition).

 

Leser, die ich mal im Kiosk traf und mit denen ich ins Gespräch kam oder die ich kannte, glaubten ohnehin nicht daran, dass es nur einen Jason Dark gäbe oder es war ihnen egal, solange nur jede Woche ein Heft erschien. Diese ganze Aufregung um Co-Autoren war nahezu komplett auf das organisierte Fandom beschränkt. Darüber hinaus wurde davon keine Notiz genommen.

 

Auch auf diese Erfahrungswerte gründet sich meine These, dass Jason Dark und John Sinclair eine Einheit bilden, die beide quasi aneinanderkettet und es dem Autor Rellergerd schwer machen, dass alte Publikum zu neuen Ufern zu führen oder sich gar eine neue Leserschicht zu erschließen. Helmut Pesch würde sagen: "Der Fluch der Serie" und lächeln.

 

Zum Stil von Helmut Rellergerd ist aus meiner Sicht zu sagen, dass er auch zu seinen besten Zeiten (von 1973 – 1982) wohl ideal für den Heftroman war, aber kaum Potential zeigte die Grenzen des Heftes zu sprengen und sich für Romane mit mehr Anspruch zu empfehlen. Aber: Für das Heft war er wie geschaffen. Simple Geschichten konnte er zügig, mit Tempo und spannend erzählen. Ich habe viele der frühen John Sinclair-Romane geradezu verschlungen und war hellauf begeistert. Es waren Romane dabei, die durchaus als Lehrbeispiele für ein Seminar verwendbar wären, dessen möglicher Titel: "Wie schreibe ich einen Spannungsheftroman?" lauten könnte.

 

Lediglich in "Melinas Mordgespenster" deutete er mal an, dass möglicherweise mehr in ihm steckte. Aber seine Leser zerrissen diesen – für Rellergerd'sche Verhältnisse – ambitionierten Roman, den sein Schöpfer verzweifelt auf den Leserseite gegen wüste Kritik verteidigte (die im übrigen nicht von mir kam, sondern aus den Reihen seiner Leser und Fans stammte, die so daran gewöhnt waren, dass Vampire, Ghouls und Dämonen in Massen erledigt wurden, dass ein Psycho-Thriller sie zu beinahe idiotischen und absurden Beschimpfungen führte).

 

Und Helmut Rellergerds große Stärke, seine Romane zu entwickeln, während er sie schrieb bzw. ja immer noch schreibt, erwies sich dann immer mehr als kontraproduktiv, wo Helmut Rellergerd immer stärker versuchte aus einer Reihe gut und sauber erzählter Einzelromane, eine Serie zu machen. Seine Arbeitsweise widersprach und widerspricht hier dem "Muss", die Übersicht über Entwicklungen, Ereignisse und Personen zu behalten. Da sind ihm im Laufe der Jahre dann doch sehr viele Schnitzer unterlaufen.

 

Und um wirklich wieder in Ruhe schreiben und eine Geschichte entwickeln zu können, müsste er Abschied von John Sinclair nehmen. Ob das klug wäre?

 

Nun ja, die Zukunft wird zeigen, was sich ergibt.

 

Und auf Ihr Angebot werden wir von Geisterspiegel.de gern und ausführlich zurückkommen. Und wenn es nicht zu vermessen wäre, würde ich sie gern nach einer Art Werkstattbericht zu "Psycho Cop Don Harris" fragen. Wie ist er entstanden? Wie lief die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Helmut Rellergerd? Über einen Artikel würde ich mich freuen, der quasi die Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektorat dokumentiert. Wenn sie die Zeit finden, denken Sie doch mal darüber nach.

 

Und: Ich freue mich auf Auseinandersetzungen mit Ihnen. Und natürlich auf Ihre kritische Begleitung. Ich bedanke mich ausdrücklich für beide Briefe.

 

 

 

Nachtrag:

 

Den ersten Band, des bei Blanvalet erscheinenden Don Harris-Zyklus habe ich ausgesprochen positiv beurteilt. Die Folgenummern müssen noch begutachtet werden.

 

Zu dem Artikel "Quo Vadis, John Sinclair" gab es folgende Reaktion im Sinclairforum.

 

 

Florian Hilleberg (Ripper) schrieb in www.sinclairforum.de zu Quo Vadis, John Sinclair:

 
 

Hier wird die ganze Serie in den Schmutz getreten und da fragt man sich wieso jemand einen Leitartikel über eine Serie schreibt, die er eigentlich gar nicht mag.

 

Allein der Vorschlag A.F. Morland als Chef-Expose-Autor einzusetzen, gibt nur den persönlichen Geschmack des Leitartikel-Autors wieder.

 

Die Ballard-Romane strotzen allzu oft vor klischee-beladenen Figuren, die Sätze sind teilweise abgehackt und nur aneinander gereihte Action-Szenen machen noch keinen guten Roman aus.

 

Sinnlose Gewalt-Orgien, wie die Blutbestien-Romane oder auch Ghorra sind für jeden normalen Menschen eher Anlass zum Würgen.

 

Sicher sind manche Dinge ärgerlich, aber laut Holger Kappel weiß der Verlag eh schon über die Problematik Bescheid und der Autor ignoriert sie. Wer die Serie nicht mehr lesen will soll es bleiben lassen. Die guten Romane kann man noch mal lesen, die schlechten soll man außen vor lassen. Irgendwelche Fehler jetzt ausmerzen zu wollen, würde vielmehr Verwirrung stiften. 

 

Was irgendein U-Boot vor 1000 und mehr Romanen betrifft: W.K. Giesa schrieb mal zu einer ähnlichen Problematik bei Zamorra, dass Neuleser eh nichts mehr damit anfangen könnten und alte Themen nicht mehr zum neuen Konzept passen würden. 

 

Ich für meinen Teil habe bereits die Taschenbücher mit Band 300 liegen lassen und warte die Romanheft-Entwicklung bis Band 1500 ab. 

 

Mein persönlicher Wunsch ist im Prinzip ein würdiger Abgang für Dracula II. mit dem bin ich in die Serie eingestiegen, also kann ich mit ihm auch aufhören. 

 

Großartige Veränderungen wird es vermutlich nicht geben, obwohl viele Ideen von Fans hervorragend bis genial sind. Aber Sir James sterben zu lassen und einen neuen Vorgesetzten einzubauen, der John und Suko vielleicht sogar Steine in den Weg legt, würde Jason Dark vermutlich zu viel Kraft kosten. 

 

Ich für meinen Teil sehe die einzige Chance etwas gegen die momentane Lage zu machen einfach in einem Boykott. 

 

Der Verlag ist nicht willens etwas zu unternehmen und Leserbriefe die Jason kritisieren werden entweder nicht weitergeleitet oder von ihm selber ignoriert. Ich glaube meine letzten zwei oder drei sind komplett untergegangen.  Was den 1000er-Roman angeht ich fand den damals richtig gut. Allerdings zweifle ich mittlerweile daran, ob der heute auch so gut abschneiden würde. Seitdem ich Rezensionen zu den Sinclairs schreibe bin ich strenger und evtl. anspruchsvoller geworden. Außerdem hatte Sinclair auch einen großen Bonus und ich war schon froh, wenn sich in der Serie was tat und der Tod von Johns Eltern hat mich echt überrascht. Was mich schon immer störte war, dass ab der Zeit der Mobiltelefone in manchen Romane bis zu zehn Telefonate geführt wurden. 

 

 

 

Horst von Allwörden antwortet:

 

Ich mochte John Sinclair mal sehr gern. Das war in den Siebzigern und frühen achtziger Jahren. Und weil ich es im Grunde noch immer mögen möchte, äußere ich mich überhaupt darüber. Ich habe Jason Dark wirklich geschätzt. Und ich denke, auch das lasse ich in dem Lei(d)tartikel durchblicken.

 

Wenn ich nach meinem persönlichen Geschmack den Exposé- und Chef-Autoren ausgewählt hätte, wären die Namen Jürgen Grasmück, Horst Hübner, Kurt Luif, Rolf Micahel, Manfred Weinland und noch ein paar andere vor A. F. Morland gefallen (aber von diesen Herren will keiner so recht zu John Sinclair passen). Nein, A. F. Morlands Tony Ballard wirkte zum einen über Jahre hinweg wie Sinclair-Clon und war zum anderen über einen gewissen Zeitraum nur mäßig interessant, bis Fritz Tenkrat die Serie auf neue Wege führte, ohne dabei deren Geschichte zu verraten. Er hat Erfahrung, kann eine Serie führen und ist ein Freund Jason Darks. Das waren die Kriterien für die Auswahl Tenkrats, der zudem auch einer vielseitigsten, fleißigsten und guten Heftautoren ist. Und es ist ihm gelungen seine Serie zu entwickeln (Ob man damit einverstanden ist oder nicht, ist eine andere Sache, die wiederum Geschmackssache ist).

 

Bei der Ballard-Serie gebe ich Dir, was die Zeit im Gespenster-Krimi angeht, recht. Auch für die frühre Phase der Serie geht das OK. Aber: Danach machte er eine gute Entwicklung (durchaus bewusst voller Klischees, aber immer voller Tempo und Action, aber niemals so geschwätzig und langweilig wie es Jason Dark in John Sinclair macht) durch. Ich erinnere mich an den Band 1000 der Sinclair-Serie, wo Jason Dark uns fast jeden Regentropfen beschreibt und John ewig rätselte, ob er nun in diese Kapelle gehen sollte oder nicht. Ich habe nach sieben (!) Seiten dieses Gewäschs das Heft entnervt in Ecke geschmissen. Dieses - wie Norbert Aichele es nannte - lesbare Kaugummi ist übel. Oder man könnte es auch Zeilenschinderei nennen. Und gerade weil auch die JOHN SINCLAIR-Serie voller Klischees strotzt, wäre eben Fritz Tenkrat der Richtige dafür, denn er kann damit umgehen. Aber wie er in dem Interview mit uns zu kund und zu wissen gab, ist er nicht einmal hypothetisch bereit, eine solche Möglichkeit ins Auge zu fassen.

 

Was die Insekten- und Blutbestien-Romane angeht wird man mit der reinen Reduzierung auf die Gore-Elemente diesen nicht gerecht, zumal gerade diese Splatterelemente lt. Michael Kubiak vom Verlag gefordert waren, um auszuloten wie weit man gehen kann (und weil diese Romane auffällig waren, wurde aus A. F. Mortimer dann irgendwann A. .F. Morland). In diesen Romanen steckt aber mehr als nur Gore, der im Vergleich zu manch Film, der nur wenig später über Leinwände flimmerte oder auf Video verliehen oder vertrieben wurde, harmlos war. Ich habe die Dinger als 10jähriger gelesen und bei einer Hausschlachtung üblere Szenen gesehen. Die Atmosphäre war aber besser geschildert, als die Gore-Sequenzen. So platt kann und darf man diese Romane nicht abqualifizieren 

 

Wenn man die Geschichte routiniert und geschickt angeht, kann man Fehler korrigieren und sich diese sogar zu nutze machen und als Stofflieferant nutzen. Vgl. Dan Shocker's 13 Wege in das Grauen. Der Autor hatte sich in Macabros verzählt und statt der angenommen 7 Manja-Augen, die er zur Vernichtung des Feindes benötigte, nur 6 von den zu Edelsteinen versteinerten Vogelaugen. Er hat diesen Fehler aufgegriffen und den erwähnten Zyklus kreiert, der seinen Hellmark am Ende in eine grandiose Falle laufen ließ. Dieser Band 100 "Rha Ta N'mys Schreckenszentrum" war einer der Höhepunkte der Serie. Wenn man also Jason Darks Fehlleistungen systematisch analysiert, kommt man vielleicht zu spektakulären Romanen.

 

Welches neue Konzept der John Sinclair-Serie oder sollte man besser Reihe sagen? Jason Dark hatte nie eines, sondern seine Gegner waren eben sich nicht entwickelnde Charaktere, sondern nur wiederkehrende Figuren. Im Zamorra geht die Aussage insgesamt OK (auch wenn bei sorgfältiger Planung auch alte Themen noch Verwendung finden könnten, Giesa scheint eher unlustig zu sein, diese Themen aufzuarbeiten), denn der verändert sich auf der Basis eines Konzepts, wenn auch kein komplett schlüssiges, weil Giesa an der Brand'schen Krankheit leidet, die auch der Ren Dhark-Serie zu eigen war. Sprich: Es wurden mehr Rätsel aufgeworfen, als sinnvollerweise abzuarbeiten war.

 

Aber für John Sinclair gilt das nicht, weil nichts wirklich aufeinander aufbaut, sondern nur etwas mit dem gleichen Namen gelegentlich wieder auftaucht und irgendetwas macht. Und ich glaube nicht, dass Leser und Fans ihn nicht auf dieses U-Boot aufmerksam gemacht hätten (auch schon vor 20 Jahren). Einige gespannt, welche Handlung sich daraus ergeben könnte. Und Biblische Elemente spielen in JOHN SINCLAIR immer noch eine Rolle. Daher ist das U-Boot verwendbar, zumal es in alttestamentarischer Zeit vor Anker liegt. Zu dem ist das U-Boot (und nicht nur das) ein Hinweis darauf, wie lange Jason Dark bei John Sinclair schon schludert.

 

Sicherlich kann man sagen, dass John Sinclair nicht mehr lese. Aber da wir nun ein Online-Zine sind (das zudem noch aus einem Sinclair-Forum und einem Fanclub der Serie hervorgegangen ist), kann man an JOHN SINCLAIR nicht vorbei und ich habe mich ihm auseinandergesetzt. Aber eben auch Meinungen von Altfans aufgegriffen verarbeitet. Diese kannst Du in aller Frustration im Archiv des alten Bastei-Forums zur Serie und im Sinclairforum nachlesen. Und ich leiste mir diese provozierende Meinung und einen ebensolchen Kommentar, um auch Reaktionen zu provozieren, die wir zumindest von Dir auch bekommen

 

Sicherlich haben Leser und Fans der Serie gute Ideen, aber auch das Ignorieren von Leserideen hat bei Jason Dark Tradition (obwohl in den frühen Achtzigern mal diese oder jene aufgegriffen wurde). Grundsätzlich aber neigt er dazu (im Gegensatz zu Perry Rhodan) die Leser und Fans nicht als Thinktank zu betrachten, sondern als Käufer seiner Romane.

 

Was einen Boykott betrifft: Wie willst Du die Masse der Leser erreichen? Nehmen wir – optimistisch -  einmal an, Du könntest über das Bastei-Forum, das Sinclairforum, Geisterspiegel.de, Gruselromane.de und ein paar andere Portale 500 Nasen gewinnen, die Dir in einen Boykott folgen. Was denkst Du hätte das, bei roundabout 30.000 – 40.000 aufgelegten und vielleicht auch verkauften Romanen, für Auswirkungen auf die Serie? Welchen Nutzen hätte ein erfolgreicher Boykott, außer das die Serie eingestellt wird? Ein sinnloser Weg. Nein, es müssen Umwälzungen beim Autor und der Gestaltung der Serie erfolgen. Die Revolution bei Geisterjäger John Sinclair kann nur vom Verlag und Jason Dark ausgelöst werden, in dem letzterer sich zurückzieht und ersterer ein neues Autorenteam zusammenstellt.

 

Dem Fan bleibt, was ihm immer blieb: Hilfloses Abwarten, Hoffen und Bangen. Mehr nicht. Fan sein ist manchmal schwer.
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[1] Quelle: www.bastei.de/media

Kommentare  

#1 Baad 2009-06-18 22:04
Bzgl Jason Dark und seinen Honoraren ist das Argument, dass er durch die Festanstellung im Verlag in der Sozialversicherung war, lachhaft; jeder deutsche Autor ist, wie auch jeder andere deutsche Künstler, automatisch in der Sozialversicherung, durch die Künstlersozialkasse, und unterscheidet sich in dem Punkt in keiner Weise von deutschen Angestellten.
#2 Harantor 2009-06-18 22:08
Das mit der Quasi-Pflichtmitgliedschaft in der Künstlersozialkasse stammt aus den Neunziger Jahren. Davor war die Mitgliedschaft freiwillig. Die ist erst ein oder zwei Jahre vor Jason Darks Wechsel ins Freiberufliche in der heutigen Form eingeführt worden. Das Atgument ist also nicht lachhaft. - Ergänzung: Und man braucht nicht in die Kpnstlersozialkasse einzahlen, wenn das ohnehin anderweitig geschieht.
#3 Baad 2009-06-19 00:43
Wenn man schreibt UND einen Hauptberuf hat, dann landet ein Teil tatsächlich bei der Künstlersozialkasse. Aber wie dem auch sei. Man zahlt ja nicht zuviel dort ein. Und deine Aussage, dass dies erst seit den 90ern Pflicht ist, ist schlicht falsch. Auch vor den 90ern war dies NICHT freiwillig, sondern es lief genau wie heute ab. Die KSK ist seit ihrem Bestehen eine Einrichtung für Autoren, die nichts mit Freiwilligkeit zu tun hat. Herr Rellergerd hätte sich also nicht teuer versichern müssen, wäre er nicht angestellt gewesen, sondern hätte die gleichen Beiträge zahlen müssen wie im Falle des Angestelltseins - nur eben an die KSK.

"Das Gesetz über die Sozialversicherung der selbstständigen Künstler und Publizisten (Künstlersozialversicherungsgesetz ? KSVG) vom 27. Juli 1981 (BGBl. I S. 705) bezog als rechtliche Grundlage erstmals zum 1. Januar 1983 die selbstständigen Künstler und Publizisten pflichtweise in die gesetzliche Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung ein."

Nachteil ist höchstens, dass kein Künstler in Deutschland egal ob Bohlen oder Rellergerd jemals aus der gesetzlichen Rentenversicherung rauskommen kann - aber den Nachteil hatte er als Angestellter ebenso.
#4 Harantor 2009-06-19 00:54
Zitat:
dann landet ein Teil tatsächlich bei der Künstlersozialkasse
Aber nicht vom Honorar. Das ahbe ich komplett ausgezaghlt bekommen, weil ich bei meinen Veröffentlichungen einem huptberuf nachgegangen bin. Da gab es eien Vordruck, drei Kreuze und eine Unterschrift. - Und der Redakteursberuf war der Hauptberuf, so dass Helmut Rellergerd eben auch mit der kompletten Familie pflichtversichert war.
#5 Baad 2009-06-19 09:24
Ich glaube wir reden etwas aneinander vorbei ;-)
Also:
Vom Honorar selbst landet NIE etwas bei der KSK, auch bei Hauptberuf Autor nicht. Zwar muss man seine Hälfte der Pflichtbeiträge selbst tragen, aber das muss man als Angestellter auch. Da werden sie auch vom Lohn einbehalten. Das Honorar wenn man hauptberuflich Autor ist, wird aber immer komplett ausgezahlt. Man muss nur einmal im Monat seinen Beitrag zahlen, was aufgrund der recht freien Regelung zur Einkommenschätzung recht günstig sein kann, und die andere Hälfte wird aus dem Topf gezahlt, in den die Verlage etc einzahlen.
#6 Fiction Fan 2009-08-04 12:39
Zu "Alle Amokläufe wieder": Jawohl, die "üblichen Verdächtigen" sind immer sehr schnell gefunden und pauschl ver(vor)urteilt! Tatsache ist, das kein Computerspiel, kein Buch, kein (Horror-)Film etc. einen Menschen zu etwas machen kann, das er nicht bereits ist. Diese Dinge können in kritischen Situation vielleicht (!) der Auslöser sein, aber Ursache sind sie NIE! Die liegen ganz woanders. Auch ich habe schon Counterstrike mit Begeisterung gespielt, lese ebenfalls Horror seit ich 10 war und liebe Horrorfilme (wenn auch ncht gerade die unapeetitlichen Spallterer), und ich habe noch einen umgebracht (außer in meiner Fantasie) und bin noch nicht Amok gelaufen, obwohl ich schon das eine oder andere Mal im Leben Grund dazu hätte haben können. Fakt ist - wie im Artikel erwähnt - dass immer nur der Täter der Schuldige sit, der sich wider besseren Wissens zum Richter über das Leben (und den Tod) seiner Mitmenschen erhebt. Auch eine schreckliche Kindheit (hatte ich auch), prügelnde, saufenden, misshandelnde Eltern(teile) (die ich auch hatte) sind KEINE Enschuldigung für solche Taten. Es wird m. E allerhöchste Zeit, dass sich in der Öffentlichkeit UND in den Köpfen der Richter wieder darauf besonnen wird, dass jeder Mensch für seine Handlungen voll verantwortlich ist (solange keine juristische Unzurechnungsfähigkeit vorliegt, was bei den Amokläufern ja wohl bisher nie oder nur in Ausnahmefällen der Fall war). UND es muss wieder der Konsenz darüber eingeführt werden, dass es Dinge gibt, die ein "anständiger" Mensch einfach nicht tut und nicht tun darf, egal wie frustriert, wütend, verletzt etc. er selbst ist. VERANTWORTUNG für das eigene Handeln heißt das Zauberwort. Aber genau daran mangelt es in unserer Gesellschaft - nicht nur im Hinblick auf Amokläufe ...

Oh, diese Schreibteufelfehler! Es muss natürlich heißen: ich habe noch KEINEN umgebracht (außer in meiner Fantasie)!
#7 Holzi 2009-08-04 15:23
"Der Amokläufer ist der Schuldige!"

So einfach kann man es sich vielleicht machen, das ist aber in den meisten Fällen genauso ein hohler Stammtischspruch wie "Computerspiele sind schuld". Wenn ein Mensch jahrelanger psychischer Folter durch Eltern, Lehrer und Mitschüler ausgesetzt ist und dann irgendwann austickt, dann ist die Sachlage eben keinesfalls so einfach zu definieren. "Mitmenschen", soziales Umfeld und Gesellschaft trifft mindestens eine Mitschuld. Aber man macht es sich natürlich viel einfacher und beruhigt das eigene Gewissen, wenn man die wegdefiniert.
#8 Fiction Fan 2009-08-05 10:58
Holzi: Der Amokläufer ist und bleibt der Schuldige, denn er allein entscheidet über seine Handlungen, in so einem Fall sich dazu, Menschen zu töten. Er hat in der Regel die Wahl: er kann aus den belastenden Situationen herausgehen - Schulwechsel, Arbeitsplatzwechsel, Therapie, Umzug (die Möglichkeiten sind vielfältig und in der Regel ist mindestens eine davon machbar!). Aber auch ein bis aufs Blut getrieztes Mobbingopfer weiß immer noch (!!!), dass es falsch und ein Verbrechen ist, andere Menschen umzubringen, besonders Unschuldige, die an seinem "Ungemach" gar keine Schuld und damit auch gar nichts zu tun haben. Die Umwelt und die Mitmenschen mögen vielleicht (in der Regel tatsächlich) ein AUSLÖSER für die Taten sein, die URSACHE sind sie nicht. Die Ursache für einen Amoklauf ist immer, dass der Täter sich dazu entschieden hat, (verbale oder physische) Gewalt mit brutalster Gewalt seinerseits zu beantworten, indem er Menschen tötet. Auch ein jahrelang psychisch "gefoltertes" Opfer hat immer noch ein halbes Dutzend anderer Möglichkeiten, darauf zu reagiern, als die Leute umzubringen. Auch ein Amokläufer weiß, dass er damit schwerstes Unrecht begeht und entscheidet sich trotzdem dafür, es zu tun. Die meisten Opfer solcher Amokläufer sind eben NICHT diejenigen, die den Täter mal irgendwann gequält haben, sondern UNSCHULDIGE, die das Pech hatten, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, als der Amokläufer meinte, sich wider besseren Wissens zum Gott aufschwingen und über deren Leben und Tod entscheiden zu dürfen. Man sollte hier nicht Auslöser mit Ursache verwechseln. Natürlich tragen die "Quälgeister" eine gewisse Mitschuld an der ENTSTEHUNG der Situation, aber die ENTSCHEIDUNG über seine Reaktion darauf liegt immer und allein beim Amokläufer. In der Regel haben diese Leute ihren Amoklauf sorgfältig vorher geplant, also eine immense kriminelle Energie investiert, um ihre Morde in die Tat umzusetzen. Unter der Voraussetzung, dass die entsprechenden Medienberichte in dem Punkt (weitgehend) korrekt sind, so haben alle Amokläufer ausnahmeslos ANDERE Möglichkeiten gehabt, auf die belastende Situation zu reagieren und haben es nicht getan. Wer also trägt für deren Fehlentscheidung die Verantwortung, die "Schuld" ???
#9 Larandil 2009-08-05 11:25
Im Film "Yakuza" mit Robert Mitchum erfährt man: "Wenn ein Amerikaner nicht mehr mit der Welt klarkommt, macht er das Fenster auf und beginnt, auf andere Leute zu schießen. Wenn ein Japaner nicht mehr mit der Welt klarkommt, macht er das Fenster zu und bringt sich um."
#10 M wie Meikel 2014-07-10 10:53
Ich lese hier in der Einführung, dass diese Texte hier als Leitartikel für den Geisterspiegel zwischen Mai und Dezember 2006 entstanden sind. Dabei feiert der Geisterspiegel doch seine Geburt im Juni. Irrt sich der Verfasser hier? Bitte um Klärung ...
#11 Harantor 2014-07-10 16:23
zitiere M wie Meikel:
Ich lese hier in der Einführung, dass diese Texte hier als Leitartikel für den Geisterspiegel zwischen Mai und Dezember 2006 entstanden sind. Dabei feiert der Geisterspiegel doch seine Geburt im Juni. Irrt sich der Verfasser hier? Bitte um Klärung ...


OK, denn man los: Der Geisterspiegel ging am 1. Mai 2006 online. Das ganze in einem sehr bescheidenen Layout, schwarz auf weißem Grund. Ende Mai begann Tommy Tohang mit der Erstellung eines neuen Layoutsa, das das Geisterspiegel-typische grau-rot brachte. Das ging am 5. Juni online, wurde als Relaunch betitelt und wird seither als Jahrestag gefeiert. Aber der Start des Geisterspiegels erfolgte nahezu 6 Wochen vorher.

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