Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Zu viel Adrenalin, zu wenig Vernunft - Verleger, Autoren und Rezensionen

Zauberwind - Der Zwischenruf Zu viel Adrenalin, zu wenig Vernunft
Verleger, Autoren und Rezensionen

Wir haben es selbst (in sehr milder Form, quasi in homöopathischer Dosis) schon erlebt. Zumeist passiert es nach der Rezension von Erzeugnissen kleinerer Medienproduzenten. Dort sind die kreativen Kräfte oft auch jene, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig sind. Bei Rezensionen fehlt dann die Souveränität, mit Verrissen locker umzugehen und diese einfach hinzunehmen. Manche gehen dann in den Keller und verhauen Sandsäcke …

 

… andere grummeln dann schon mal in einer Mail oder machen ihren Ärger in Kommentaren, Leserbriefen oder gar durch Missachtung Luft (sprich: Wir bekommen keine Rezensionsexemplare mehr).

Im Großen und Ganzen nichts Schlimmes. Man knurrt und bellt ein wenig (wie Welpen) und dann spielt man irgendwann wieder miteinander, als wäre nichts geschehen. Gehört dazu und macht ab und zu auch ein bisschen Spaß. Kreative sind eben leicht erregbar, schnell verletzt. Das ist wie in der Sandkiste im Kindergarten, wenn Klein-Günter und Klein-Rudolf mit dem Kipplaster spielen wollen und Klein-Hermann hat ihn aber.  

Aber wegen der Verletzungsanfälligkeit der Kleinen mag ich eigentlich die großen Verlage. Selbst wenn der Autor ob eines Verrisses in seinem Keller sitzt und mit dämonisch-irrem Lachen Voodoopuppen mit dem Foto des Rezensenten herstellt, um diesen zu malträtieren, sind die Damen und Herren der Presseabteilungen völlig unaufgeregt. Sie setzen die Zusammenarbeit fort und das in gewohnt freundlicher Art und Weise. Von diesen netten Damen und Herren bekommt man immer dann eine Mail, wenn ein Zahlendreher in der ISBN vorgekommen ist. Und man wird höflich, aber bestimmt, auf den Fehler hingewiesen. Das wars dann auch. (An dieser Stelle Grüße an alle die netten Damen und Herren aus den Presseabteilungen.)

Doch es geht nicht nur in homöopathischer Dosis. Wenn Eine eine Rezension schreibt, dann geht die Reaktion der Beteiligten darauf auch deutlich drastischer, unsouveräner und (hier möge jeder eine Phrase als farbig-derbe Umschreibung für ›nicht gerade intelligent‹ einsetzen – warum erfährt der gemeine Leser dieses Textes noch …).

Und hier beginnt die Erklärung: Die bisherige Krönung einer Reaktion auf eine Rezension erlaubten sich Verlegerin Antje Roder und Autor John Asht. Was die beiden da herausposaunten, ist verdächtig, den Weg in das ›Guiness-Buch der Rekorde‹ zu finden. Was die beiden sich erlaubten, ist geradezu ein Beispiel für die urmenschlichen tierischen Reflexe des Rückenmarks, die den Höhlenmenschen ihre Besitztümer schützen ließen. Da brachen sich Urinstinkte Bahn. Man könnte vermuten, das ist der Beleg für die These von Robert E. Howard, dass die Zivilisation bestenfalls eine dünne Tünche ist und die Barbarei am Ende triumphiert.

Was aber ist passiert?

In dem Blog »Bücherzeit« hat die Betreiberin unter ihrem Pseudonym ›Myriel‹ eine Rezension zu dem im Roder Verlag erschienenen Buch Twin-Pryx. Zwillingsbrut von John Asht verfasst. Dass zu dieser Zeit noch kein Impressum mit Klarnamen der Rezensentin vorhanden war, gab ihm (wie gleich nachzulesen sein wird) Anlass zu Verschwörungstheorien, die mutmaßen lassen, dass die gigantische Karriere des Autors mit Aufstieg in die Liga der Blockbusterverfasser (oder großen - phantastischen - Literaten) ganz gezielt torpediert wird. Allerdings müssen die Verschwörer seltsam blöd sein. Gute Verschwörer hätten ihren Versuch, den (unaufhaltsamen?) Aufstieg des Autoren Asht mit Sicherheit durch eine Strohfrau oder einen Strohmann und ein (anscheinend) völlig korrektes Impressum abgesichert (oder ist das nicht die Gewichtsklasse von Verschwörern, die es mit John Asht aufnehmen?).
 
Wie dem auch sei: Mittlerweile ist auch der Klarname Myriels im Übrigen durch einen simplen Blick ins Impressum zu finden (aber nur die wenigsten sind in der Lage, in Impressen oder FAQs zu blicken, wenn sie was wissen wollen).

Die Rezensentin wies darauf hin, dass sie nur 90 Seiten des Buches schaffen konnte, bevor sie aufgab und nicht mehr weiterkonnte. Aber die gelesenen Seiten hätten es nicht geschafft, sie davon zu überzeugen, dass sie sich die mehreren hundert weiteren Seiten auch noch lesend antun sollte. Ein vorangehender Versuch, das Buch zu lesen, scheiterte schon auf Seite 30. Da Rezensionen immer etwas Subjektives sind (das sagen zum Beispiel wir unseren Lesern dazu) war es auch formal völlig korrekt, nun den Stab über das Buch zu brechen. Ihr Fazit war:
»Noch einige mehr dieser Ungereimtheiten sowie eine ziemlich schwerfällige Sprache haben die Lektüre für mich zu einer Qual gemacht, so dass ich nicht mal ein Zehntel dieses Ziegelsteins geschafft habe.«
So weit - so gut. Das ist doch ein schickes Fazit. Damit hätte die Geschichte ein Ende haben können, aber dann würde ich das hier alles nicht geschrieben haben. Denn nun erscheinen (Shakespeare schrieb einst »approach«) ›der Autor‹ (dargestellt von John Asht) und ›die Verlegerin‹ (dargestellt von Antje Roder) auf der Bühne und die Tra…, nein, eher Komödie nimmt ihren Lauf (Shakespeare hat da weitsichtig »Much Ado About Nothing« verfasst und dieses ist das passende Motto des nun Folgenden).

John Asht startete mit zwei Kommentaren zur Rezension, die ich mal ungekürzt zitieren möchte ...
Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch’ unqualifizierte Pseudo-Rezi.
Mädel, schreib’s dir hinter die Ohren: Phantastische Literatur ist nicht „Fantasy“.
Also, tu uns allen einen Gefallen und bleib bei deinen Zwergen und Elfen – für mehr reichts nicht!
(Anmerkung: Dem Herrn Asht mag entgangen sein, dass vom Marketing ausgehend das Sub-Genre ›Urban Fantasy‹ geboren wurde, das als Sammelbecken für die früher als ›Phantastik‹ oder ›phantastischer Roman‹ betitelten Bücher gilt. – Und daher ist es mittlerweile statthaft, seine Texte unter ›Fantasy‹ einzuordnen - eben als ›Urban Fantasy‹.)
… außerdem werde ich „Myriel“ und „Bücherzeit“ von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen – denn mir sieht diese Einrichtung sehr suspekt aus – etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten. Das wird teuer, Lady!
Und da ist das Phantastische in die Realität des Herren Asht eingebrochen. Mal abgesehen davon, dass ein Anwalt nicht gerichtlich ahnden kann (für einen Autor, der ja wohl gestochen scharfe Phantastik schreibt, ein schwacher Ausdruck), überkommt mich der erste Lachanfall. Verschwörungstheorien sind ja so modern. Da scheint es eine Gruppe zu geben, die den Autor John Asht vernichten will. Wie heißt es da in ›Switch‹ immer so schön, wenn die ›Galileo Mystery‹ verkackeiern:
Und was haben die Illuminaten damit zu tun?
Da hätte er Myriel auch gleich dafür verantwortlich machen können, Kennedy ermordet oder Günter Guillaume in die SPD und ins Kanzleramt eingeschleust zu haben. Immerhin kommt sie aus Leipzig (da war doch vor 25 Jahren noch der Russe und damit der Feind ansässig). Wen stört es da, dass die Verfasserin der Rezension auch erst 23 Jahre alt ist?

Doch ›der Autor‹ betritt die Bühne ja nicht allein … Es folgt ihm ›die Verlegerin‹, deren elend langer Monolog mit diversen Höhepunkten gewürzt wurde. Die Einlassungen der Verlegerin lassen dabei den Schluss zu, dass sie mit abweichenden Meinungen einfach nicht umgehen kann.

Ich zitiere mal den Schluss ihres großen Eingangsmonologs. Ich erlaube mir auch darauf hinzuweisen, dass sie nicht klar feststellt, in welche der von ihr aufgezeigten Kategorien das Werk des Herrn Asht bzw. der Autor zu fallen beliebt (klug, so kann sie sich problemlos von Herrn Asht zurückziehen oder …). Somit wissen wir auch nicht, ob er uns berieselt oder nicht.
Daneben gibt es aber noch solche Autoren, die sich Zeit nehmen für ihr Werk, die Handlungsstränge ausarbeiten und eine Geschichte entwickeln. Daraus entstehen Bücher, die nicht zur Massenware zählen und die den Leser zum Mitdenken anregen wollen – keine vorgekaute Kost. Damit bilden diese Bücher ein Gegengewicht zur heutigen Massenware Buch und bereichern das literarische Angebot im deutschsprachigen Raum. Diese Bücher wissen noch etwas zu erzählen und können den Horizont erweitern.
Wer damit nicht mehr umgehen kann, sollte sich künftig besser nur noch mit anspruchsloser Kost berieseln lassen. Das ist auch den Machthabern lieber, denn diese Art von Fast-Food-Leser lassen sich optimal lenken und kontrollieren – eben weil sie allmählich das rationale Denken verlernen.
In ihrem zweiten (etwas kürzeren) Monolog steigert sie sich aber noch. Wenn mich einer nach meiner Meinung zu ihren Äußerungen fragen würde, fallen mir reichlich volkstümliche Umschreibungen für »nicht klug« (und zwar die richtig derben) ein. Und sie beweist deutlich, dass die Kunde von modernen Sub-Genres wie »Urban Fantasy« auch noch nicht notwendigerweise bis nach Franken vorgedrungen sein muss. Ich nehme mir die Freiheit, diesen Monolog in vollem Umfang zu zitieren, und dem Börsenverein des deutschen Buchhandels wünsche ich viel Spaß, wenn auf dem Betriebsausflug die lustigsten Mails des Jahres verlesen werden … So was kommt gut nach ein paar Bier, Korn und Grillwürsten.
Hallo Myriel,
Artikel 5 des Grundgesetzes gibt Ihnen noch lange nicht das Recht, Wirtschaftskriminalität zu betreiben, indem Sie willkülich den Verkauf eines Produktes boykottieren.
Sie sind keine studierte Literaturkritikerin – das sieht man allein schon daran, dass Sie den fantastischen Abenteuerroman „Twin-Pryx, Zwillingsbrut“ fälschlicherweise in die Kategorie „Fantasy“ abgeheftet haben. Fantastische Abenteuerromane sind z. B. das Genre des Jules Verne. Fantasy hingegen ist das Genre der modernen Märchengeschichten, wo Fabelwesen um den Menschen agieren.
Es tut mir leid, Ihnen sagen zu müssen, dass ich mich John Asht anschließen werde und ab Montag gerichtlich gegen Sie vorgehe, falls Sie diese Rezension nicht sofort entfernen.
Außerdem werde ich den Börsenverein des Deutschen Buchhandels informieren, dass Sie auf launische Weise Literaturkritiken veröffentlichen, ohne überhaupt das Werk gelesen zu haben – abgesehen davon, dass Sie es wie oben beschrieben falsch kategorisiert haben.
Überlegen Sie sich, was für Konsequenzen das alles für Sie haben wird. Das Recht ist auf unserer Seite!
Der Frau Roder sei ins Stammbuch geschrieben, dass auch ihr im ›Ausdruck‹ bestenfalls ein ›mangelhaft‹ gebührt. Manche mögen gar die Note ›ungenügend‹ in Betracht ziehen, denn ›Myriel‹ torpediert im besten Fall den Verkaufserfolg, aber boykottiert ihn nicht. Ich rate ›der Verlegerin‹ an, einmal in Lexika (oder zur Not auch der Wikipedia) nachzuschlagen, was die einzelnen Worte bedeuten. Sie könnte eine Überraschung erleben. 

Zudem sei auch der Frau Roder einmal angeraten, sich mit den Sub-Genres der Fantasy näher und eingehend zu befassen. Sie wird dabei vielleicht auch die eine oder andere Überraschung erleben (ob nun diese Neueinteilung Gefallen findet oder nicht, ist dabei ziemlich egal).  

Ich bin der Frau Roder auf der Buchmesse in Leipzig einmal begegnet und habe immer wieder gedacht, dass man mit diesem Verlag etwas im Zauberspiegel machen sollte. Aber – vielleicht gibt es ja doch Schutzengel? – es kam immer etwas dazwischen. Und nun wird weder John Asht noch der Roder Verlag weitere Berücksichtigung im Zauberspiegel finden. Die sind ja schlimmer als so mancher, der in Fußballstadien herumpöbelt (und dieses zweifelhafte Lob widme ich beileibe nur wenigen Personen, die sich dies durch außerordentliche ›Leistungen‹ verdient haben). 

Ich wusste im Übrigen auch nicht, dass man Buchkritik studieren kann und bekenne mich freimütig dazu, ebenfalls keine Buchkritik studiert zu haben (obwohl ich seit 1982 doch diese oder jene Buchkritik verfasst habe. Manche endeten mit der Bemerkung, dass ich trotz der Qualität des besprochenen Werkes gegen Bücherverbrennung sei). Aber ich werde mich mal einschreiben, wenn ich 'ne Uni finde, in der ich Magister, Master oder Doktor der Buchkritik werden kann.
 
Aber wie kann die Frau Verlegerin mein Zwerchfell so schädigen? Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Diese unfreiwillige Komik ist sooo großartig, dass ich immer noch beständig Nebenluft ziehe, in Teppiche beiße und verzweifelt um Fassung bemüht bin. Das ist wie die NDR-Sendung »extra3« zu ihren besten Zeiten. Das ist Realsatire. 

In diesen Äußerungen ist keine Souveränität, keine Kompetenz feststellbar (Vielleicht sollte sich die Dame eine Uni suchen, an der sie Verlegerin studieren kann?).

Wer will denn da noch verlegt werden, wer will mit denen noch sprechen, wer will noch Bücher aus dem Hause rezensieren? – Ich nicht, und nach Möglichkeit sollten auch die Mitarbeiter des Zauberspiegels davon Abstand nehmen (aber wenn sie es dennoch tun, sehe ich im Falle eines Verrisses der Sache mit Vorfreude auf ein paar gute Lacher entgegen). So viel von dem, was das Duo Asht/Roder da mitbringt (und wie immer man das umschreiben will, vielleicht unter Zuhilfenahme dessen, was das Repertoire an Fäkalsprache noch hergibt), kann mein Zwerchfell gar nicht aushalten. (Und ich wiederhole mich), so viel habe ich ganz selten gelacht. Das ist ›pythonesque‹.)

Ich bewundere Myriel, die in bewundernswerter Gelassenheit das Gemaule ertragen hat. Aber wer weiß, vielleicht ist sie vor ihren gelassenen Kommentaren zum Lachen in den Keller gegangen und hat sich ob des offensichtlichen Unsinns der Kommentare von Verlegerin Roder und Autor Asht ein befreiendes, ausdauerndes Lachen gegönnt. Nach außen blieb sie souverän und gelassen. Das ist die richtige Reaktion.

Ich habe mich königlich amüsiert … Und ich kann jedem nur raten, eine Rezension und einen Verriss nie zu ernst zu nehmen. Oder wenn man sich als kreative Persönlichkeit ärgert, es nie nach außen rauszulassen.

Mann [oder natürlich auch Frau] kann nur hoffen, dass es niemand so übertreibt, wie ein Pizzabote in Göttingen, der einen Kunden stundenlang festhielt, um Schadenersatz für eine miese Pizzakritik im Internet nach zehn Stunden Brechdurchfall einzutreiben.
 
Nicht, dass wir Rezensenten auf der Straße aufgegriffen werden und in Verlagskatakomben eine Gehirnwäsche bekommen … Alles ist gut ... oder so ...

Kommentare  

#91 McEL 2012-01-30 01:38
Zu dem von Woyton geposteten Zitat fällt mir nur eins ein: BRÜLL!!!!!!!!! :D :D :D :D :D :D usw.
Sch..., jetzt tut der Bauch wieder weh vor Lachen! Dabei wollte ich ihm doch Ruhe und ein Lachpäuschen gönnen ... :-*
#92 Guido 2012-01-30 08:45
Ich würde gerne mal die Bank sehen, in der ein Verlag, der darauf hofft aus dem Verlag einen Broterwerb zu machen, das ganze Hab und Gut als Sicherheit bei der Bank hypothekiert hat. Ich habe aber schon immer gesagt, dass es neben unserer Welt Alternativwelten gibt... :lol:

Gäste sind momentan nicht mehr berechtigt Kommentare zu schreiben, da täglich bis zu 200 Spamkommentare gelöscht werden mussten.

Bitte registriert Euch beim Zauberspiegel. Wir suchen nach einer Lösung.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles