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Sammlerausgabe? Humbug! - Wenn bei Blitz vom ›Brent‹ nur die Hälfte übrig ist

Zauberwind - Der ZwischenrufSammlerausgabe? Humbug!
Wenn bei Blitz vom ›Brent‹ nur die Hälfte übrig ist

Ist das noch eine Ausgabe für den Sammler oder Versuch eines (Klein-)Verlegers, sich als der ›wahre‹ Verlag Dan Shockers und Sachwalter seiner Serien zu gerieren und Sammlern Geld zu entlocken? Ist die Bearbeitung des im Original im Taschenbuch erschienenen »Marotsch, der Vampir-Killer« ein Ausrutscher oder symptomatisch für die ›Arbeit‹ bei Blitz? Immerhin hat es noch nicht einmal für den kompletten (und schon gekürzten) Text der Neuauflage in Heftform gereicht.


1 Der Blitz Verlag und seine »Larry Brent«-(Sammler?-)Edition war zuletzt bereits zweimal Thema im Zauberspiegel und das nicht im ›guten‹ Sinn, sprich voll des Lobes über gelungene Arbeit. Eher im Gegenteil. Da gibt es viel zu kritisieren. Der Vorwurf, den ich mir mache. Man hätte es früher merken können.

Zum einen war Blitz ein Thema, weil dieser Verlag Mythen verbreitet, die dann auch noch aufgegriffen und weiter verbreitet werden (»Und es ward ›Legende‹ - Dan Shocker’s Kurzgeschichten«)
und zum anderen, weil diese Brent-Edition aufgrund von diversen Format- und Layoutwechseln und mangelnden Goodies für die Leser kaum einen Sinn ergibt (»Die Guten ins Regal ...« - Über Sammlereditionen). Beides sind keine Glanzleistungen. Da ist viel Murks gemacht worden. Aber noch nicht das Ende des Gemeckers wie sich herausstellt. Vielmehr war das wohl eher die Spitze des Eisbergs. 

Denn jetzt wird es richtig ärgerlich. Aber so richtig, gerade für den gemeinen Sammler ...

1 Da geht es (zunächst einmal) nur um ein Buch. Ob aus diesem einen Buch mehr werden, wird sich zeigen. Es gibt Indizien, dass dem so ist. Aber erstmal geht es eben nur um ein Buch ... Aber schon das eine ist für den Sammler kein Vergnügen.

Dieses Buch hat bei Blitz die Nummer 64 und trägt den Titel »Der Vampir-Killer«. Dabei handelt sich um den zunächst als Silber-Grusel-Krimi-Taschenbuch Nr. 10 erschienen Roman »Marotsch, der Vampir-Killer« (gekürzt neu aufgelegt als Heft im Silber-Grusel-Krimi als Nummer 111 und als Larry Brent unter der Nummer 64).


Grundsätzlich sei einmal die Frage gestattet: Welchen Text möchte ich als Sammler vorfinden? Den (möglicherweise) noch einmal vorsichtig und respektvoll lektorierten, aber ungekürzten Originaltext oder den den gekürzten Hefttext? Als Sammler kenne ich nur eine Antwort: Den ungekürzten, am besten nur um einst übersehene Fehler) korrigierten, Originaltext ... Dass ich gar nur eine dritte Variante bekomme, kommt gar nicht in Frage!

1 Uwe Schnabel hat den Text des »Larry Brent«-Heftes nun mit der Blitz-Ausghabe angenommen und den Text aus dem »Larry Brent« Nr. 64 (Vampir-Killer vs. Marotsch - Ein Paperback voller Veränderungen) mit dem Blitz Taschenbuch verglichen.  Und das sit nur der erste Teil. Der zweite folgt ob der schieren Textmenge dann kommenden Donnerstag ...

Auslöser für diesen Vergleich war Kommentar #11 zu »Die Guten ins Regal ...« - Über Sammlereditionen. Ich zitiere die entscheidende Passage dieses Kommentars von Mathias Käther der Einfachheit halber mal:

Eine andere Unsitte an Editionen ärgert mich viel mehr - die krasse Berarbeitungswut. Ja, wäre Larry Brent mal Larry Brent! Ich habe alle Bände der Edition wieder herausgeworfen, als ich festgestellt hab, dass hier kaum ein Satz mit dem Original übereinstimmt. Also ich möchte schon den echten Shocker lesen - mit allen Stärken und Schwächen! (...)

Bisher hatten wir keinen Anlass, an den Texten der Blitz-Edition zu zweifeln. Aber ich habe auch von vornherein auf diese Edition verzichtet, hatte ich die Serie doch komplett und war zufrieden damit. Verleger Kaegelmann sprach von einem Lektorat. Und er sprach von respektvollen Umgang. Das zusammen mit der Sammleredition ließ uns vermuten, dass man vorsichtig Fehler ausbügelt (ein Heftlektorat musste in erster Linie schnell gehen und da rutscht dann mal was durch) und ganz vorsichtig diese oder jene unglückliche Formulierung geglättet wird. Dem scheint ganz und gar nicht so zu sein und ganz bestimmt ist es beim ›Marotsch‹-Text nicht so.

Uwe Schnabel schrieb in seinem Artikel:

  • Das Taschenbuch hatte einen Umfang von
    ca. 300.000 Anschlägen,

  • das »Larry Brent«-Heft (und auch der Silber-Grusel-Krimi 111)  lag bei
    ca. 235.000 Anschlägen

  • und das Blitz- Paperback hat
    ca. 150.000 Anschläge

Wenn ich eine Sammleredition kaufe, erwarte ich eigentlich, dass mir der längste verfügbare Text zur Verfügung gestellt wird. Von dem längsten Text (in diesem Fall so gar der Original-Text des Taschenbuchs) bleibt mir die Hälfte (und selbst vom gekürzten Hefttext bekomme ich nur knapp zwei Drittel).

Wow. Nur ein halber Roman! Da bin ich als Sammler doch echt - um es ganz drastisch zu formulieren - verarscht. Statt eines kompletten, korrigierten Romans bleibt mir noch die Hälfte Originals. In der Szene der Horrorfilmsammler würde es nun jede Menge Schnittberichte geben und (immer wieder fälschlicherweise) von der Zensur die Rede sein, aber jedes fehlende Bild wird da minutiös dokumentiert und dann wird sicha aufgeregt. Sollte man vermuten dürfen, dass die Sammler nur noch eine Edition in den Bücherschrank gestellt haben, aber die Texte von Zauberkreis gelesen haben oder aber in Unkenntnis des Originals, die Kaegelmann'schen Machwerke für komplett halten, denn es steht schon zu vermuten, dass ›Marotsch‹ nicht das einzige Opfer derartiger ›Bearbeitungen‹ ist. Filmfans würden ihn für jede dieser ›Schnitte‹ steinigen ...

Das ist kaum noch Lektorat zu nennen und ein respektvoller Umgang ist da auch nicht mehr festzustellen. Was der Blitz Verlag hier anbietet ist eine Mogelpackung (zumal festzustellen ist, dass in der Blitzausgabe »Der Vampir-Killer« noch 35 Seiten Leseproben statt ›Marotsch‹ geboten wird. Das sind mal gut 70.000 Anschläge, die uns dem Originaltext erheblich näher brächten).


1Man mag mir nun entgegenhalten, dass die ›Silberbände‹ der »Perry Rhodan«-Serie oder die ›HJB‹-Ausgabe der »Ren Dhark«-Serie auch erheblich bearbeitet worden sind. Dem halte ich folgendes entgegen. Die ›Silberbände‹ sind im Grunde keine Sammleredition, sondern sollten für die »Perry Rhodan«-Serie den Buchhandel erobern. Auch die Bearbeitungen der »Ren Dhark«-Serie waren auf eine Fortsetzung der Serie ausgelegt. Ich habe unter dem Titel »Ren Dharks Weg von Kelter zu HJB - Zur Einführung einer neuen Kolumne«in unserer »Ren Dhark-Kolumne« ein bisschen darüber geplaudert und das eben dies auch im Sinne des Schöpfer der »Ren Dhark«-Serie, Kurt Brand, gehandhabt wurde. Zudem sind beide Serien zyklisch angelegt.

»Larry Brent« hingegen brauchte nicht in Hinblick auf eine Fortsetzung bearbeitet zu werden ... Die Serie ist nicht zyklisch angelegt und brauchte im Hinblick auf eine Fortsetzung keine Bearbeitung. Das Setting der Serie ist in gewisser Weise zeitlos. Ein Polizist zieht in den Kampf (in diesem Fall nicht gegen Verbrecher, sondern das Übersinnliche, Außerirdische und verrückte Wissenschaftler). Außerdem kann man bei einer Auflage von mittlerweile nur noch 275 Exemplaren kaum noch davon sprechen, dass diese »Larry Brent«-Edition dafür gemacht wird, den Buchmarkt zu erobern ... Immer mehr Sammler werden vertrieben.

Für den Sammler kommt noch erschwerend hinzu, dass die Bearbeitung (wie Uwe Schnabels Artikel zeigt und Matthias Käther in seinem Kommentar ja schon hervorhob) der Romane - aber auf jeden Fall eben »Marotsch, der Vampir-Killer« - so tiefgreifend ist, dass da jemand ›Dan Shocker‹ gespielt hat und die Romane quasi noch umgeschrieben hat. Man kann über die die Motive dieser Bearbeitung nur spekulieren. Aber das lohnt nicht und die Motive sind auch nicht wichtig, weils den Sammler nicht interessiert.


Das Ergebnis zählt ... Und das ist für den Sammler nicht gerade erfreulich. Der Sammler will, wie Matthias Käther kommentierte:

Also ich möchte schon den echten Shocker lesen - mit allen Stärken und Schwächen!

Aber hier werde ich vom Verlag (aus welchen Gründen auch immer) vom Verlag um mein Sammelvergnügen gebracht, nämlich eine Serie in ansprechender Aufmachung sammeln zu können. Aber sieht man sich inzwischen einmal die Gesamtheit der Leistung des Blitz Verlagers an, so erscheint mir diese Ausgabe mehr ein Schlag ins Gesicht des Sammelnden zu sein, denn von einheitlicher Aufmachung kann ja schon lange keine Rede mehr sein, dann kommen Artikel wie der von Robert Linder dazu, in der Unsinn verbreitet (und dieser weder von Autor noch Verlag) überprüft wird. Und bekommt der Sammler dann Leseproben, ergänzt durch einen stark gekürzten Roman.

Sammlerausgabe?

Humbug!

1Und der Verleger teilte Matthias Käther nach der Kündigung des Abos folgendes mit.

Hallo Herr Kaether,
 
werde die Stornierung an den Versand weitergeben.
Sie hatten ja die Bände mit den unteren Nummern. Da war noch nicht viel mit Bearbeitung.
Nur die ganz großen Klöpse wurden rausgenommen.
Die alten Heftromane sind aber wirklich nur noch für Nostalgie gut, zum dran riechen. ;-)
Aber lesen kann man sie heute nicht mehr. Das gibt Knoten im Gehirn.
 
Herzliche Grüße vom BLITZ-Verlag!
 
Jörg Kaegelmann

So geht man mit Sammlern um und so zeigt sich was der Verleger wirklich von den von ihm verlegten Texten hält. Der Sammler fühlt sich ernst genommen (das ist Sarkasmus) und verstanden (nochmal Sarkasmus), denn das Objekt der Begierde macht - so der Verleger - ob mangelnder Qualität Kopfschmerzen. Solche Dinge mag der Herr Verleger in seinem Wohnzimmer sagen, aber unzufriedenen Kunden solche Äußerungen mit auf den Weg zu geben, die bereit sind, seine Preise zu zahlen. Seine Kernkundschaft. Und nein, ich mache das Fass der Plots der neuen Romane nicht auf. Die Verwandtschaft bleibt ebenso draußen wie Marmormänner und deutsche Innenminister ... Dieses Fass können wir ein andermal öffnen.

Mir stellen sich letztlich nur noch folgende Fragen:

  • Seit wann und bei wie vielen Romanen wird eine Kürzung des Textes um bis zur Hälfte des Originaltextes (bzw. des längsten verfügbaren Textes, denn Jürgen Grasmück hat ja auch diesen oder jenen Heftroman zum Taschenbuch erweitert, vgl. »Die Treppe ins Jenseits«) vorgenommen?

  • Seit wann schreibt da einer Passagen der Romane um?

  • Wer ist die Nase, die da ›Dan Shocker‹ spielt?

  • Wie rechtfertigt der Verlag diese tiefgreifenden, weit über das Ziel hinausschießenden Bearbeitungen?

  • Wie sieht das bei »Dan Shocker's MACABROS« aus?

Bei der Beantwortung dieser Fragen können uns unsere Leser helfen. Wer sich dazu aufraffen kann uns über dramatische Textveränderungen zu informieren und seit wann die stattfinden, der ist sehr hilfreich. Jörg Kaegelmann ist ein Fragenkatalog zum Thema Brent übersandt worden, aber offen gestanden rechne ich nicht mit einer Antwort. Vielleicht riecht er gerade mal wieder an einem alten Roman (wer weiß wo er die Dingfe lagert) und bekommt Kopfschmerzen (wer weiß, obs nicht Migräne ist), bevor er ihn umschreibt und das dann (allen Ernstes) »Sammlerausgabe« nennt und sie unter diesem Label auch verkauft.

Mal gucken, wohin uns dieser Themenkomplex noch führt. Haben wir eine Büchse der Pandora geöffnet?

Kommentare  

#46 Feldese 2017-04-21 00:21
Und noch ein Diskussions-Link zur Einstellung der Winterzeit-Hörspiele:
www.hoergruselspiele.de/index.php?thread/25877-winterzeits-larry-brent-wird-eingestellt/

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