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Reflexionen über Ren Dhark - »Schlomos« siebenundzwanzigste Kolumne

Ren Dhark & das Weltall Theater bei Ren Dhark
»Schlomos« siebenundzwanzigste Kolumne

Achtung! Diese Kolumne hätte beinahe einen Spoiler zu WiW 70 enthalten, aber da ich am Samstag auf »something completely different« gestoßen bin, den totalen Schreiblechts bekommen hab, MUSS ich das einfach sofort abschicken. Zu WiW 70 gibt es dann vielleicht später mal was.

2. September. Ein Samstag.


Am Morgen war meine Schwester nach Dublin abgeflogen, hier regnete in Stömen, meine ToDo Liste für heute wurde aber dadurch auch nur um einen Eintag kürzer: Bei dem Wetter konnte ich unmöglich (was für ein Wort! Und das von mir!) zum Baumarkt radeln (ca. 2km) um Bretter für ein Spatzenreihenhaus zu kaufen. Die sind Koloniebrüter und brauchen daher – ah, das könnt ihr irgendwo anders selber nachlesen.

Also hab ich angefangen, die Liste abzuarbeiten. Ein weiteres Foto für die Ausstellung am 24. aussuchen, ein “dramatisches” Wolkenbild (wie gewünscht) hatte ich schnell ausgesucht, dann eine Software weiter schreiben – laaangweilig – und dann - nein, erst mal Kaffeepause.

Also ein schneller Blick auf die Blitzortung – keine Gewitter in der Nähe -, dann auf das Regenradar – Starkregen, davon aber jede Menge, keine Pause in Sicht – und auf den Erdbebenmonitor – alles ruhig. Musste also nichts abschalten und konnte hoch in die Küche, Kaffee kochen.

Was ich auch gemacht hab. Dazu ein Weintraubenkuchen und die SZ. Hab ohne besondere Erwartung nach der “Wissen” Seite gesucht, sie gefunden und war sofort von einem Bild begeistert: Ein gemütliches Zusammensein mit Außerirdischen von Wolly Wood aus dem Jahr 1959. WOW!

Das war die Illustration zu einem Interview, das Esther Göbel mit dem Freiburger Exosoziologen Michael Schetsche geführt hatte. Und das las sich, als hätte sie mit Professor Tarantoga, Prof. Dr. Albert Schimauski und Professor Stefan Riedlhauser persönlich gesprochen! Absolut megagenial. Ich hab gemeint, ich brech ab vor Lachen! Sowas von saugut! (Findet man zwar auf der SZ Seite, kann man aber nur ohne AdBlocker und vermutlich mit eingeschaltetem JavaScript lesen. Nur, wer macht das schon? Daher: Kein Link)

Dann fiel mir eine Geschichte mit Professor Riedlhauser ein, der sich auf einer Zeitreise mit einem Exosoziologen im Jahr 2389 in Polen traf. Als Leser darf man man ruhig annehmen, dass dieser nie mit Namen genannte Wissenschaftler in Wirklichkeit Professor Tarantoga ist...

Von den beiden anderen Geschichten kennt ihr eine schon, zumindest wer die 25. Kolumne gelesen hat, und die dritte ist ein Vortrag auf dem Ging Con 2161, anlässlich des zweihundertjährigen Bestehens der Perry Rhodan Serie.

So. Damit hatte ich alles zusammen, um die Kolumne schreiben zu können. Halt! Etwas fehlt noch: Der eigentliche Auslöser. Der heißt Tom und kommt aus dem Ren Dhark Forum.

Langsam sollte ich vielleicht mal verraten, worum es diesmal eigentlich geht: Um Science Fiction im allgemeinen und um Space Operas im speziellen.

Großes Thema, oder? Vielleicht sollte ich erst mal eine Nacht darüber schlafen, damit mein Hinterkopf die ganzen Ideen in eine nachvollziehbare Systematik einsortiert? Hm. Nein. Ich hab gerade den totalen Schreiblechts, und den will ich jetzt ausleben. Sofort! Also fang ich einfach mal los...

(Vorher nur noch schnell ein Stück von diesem Weintraubenkuchen und eine Tass Kaff holen. Kippe drehen und los gehts:)

Wie war das damals? Vor etwa einen halben Jahr schlug Tom im Ren Dhark Forum http://board.rendhark-universe.net/ – wenn ich es richtig in Erinnerung hab – vor, dass die Terraner doch modifizierte Flash als Torpedos verwenden sollten. Weges ihres Intervalls können die (fast) überall durchfliegen, wären also eine Art ultimative Waffe. Zumindest fast.

Damals schrieb ich gerade über das Perry Rhodan Treffen anlässlich des 200 Jährigen Bestehens der Serie. Und da PR gelegentlich vorgeworfen wird, sich zu Tode zu blähen, was lag da näher als einen der Vortragenden seine Theorie zum Gigantismus ausbreiten zu lassen?

Titel des Vortrags war: “Die ultimative Waffe”

Angenommen, in einer Space Opera sammeln die Protagonist über längere Zeit alle Technologien ein, die sie nur kriegen können, dann ist es denkbar, dass sie irgend wann daraus eine Waffe entwickeln können, der niemand etwas entgegenhalten kann.

Wie würde dann ein PR Zyklus aussehen? Heft xxx00: Der üble Feind greift an. Rhodan geht in die Waffenkammer, holt die UW (die ultimative Waffe). Das ist eine kleiner grauer Kasten mit einem roten Knopf darauf. Er nimmt die Schutzkappe ab und drückt den Knopf. Worauf die UW den Feind ortet und in die 28. Dimension beamt. Problem gelöst.

Heft xxx01 bis xxx99 sind dann Füllstoff.

Spannend, oder? Nein? Aber wieso denn nicht? Es gab doch alles, was zu einem gelungenen Zyklus gehört. Ah. Verstehe. Der Feind durfte ja gerne im ersten Heft auftauchen, aber Rhodan hätte erst auf der letzten Seite von Heft xxx99 auf den roten Knopf drücken dürfen....

Es geht natürlich auch noch wirkungsvoller: Die UW bekommt einen Zusatz, den UFA (den universellen Feind Aufspürer). Das ist die UFAUW. Die muss man nur einmal einschalten, dann spürt sie im ganzen Multiverversum jeden Feind auf und beamt ihn in die 45. Dimension. Damit man das auch mitbekommt, gibt sie jedes mal ein “Beep” ab.

Heft 00 eines jeden Zyklus` sieht dann so aus.

  • PR: “Mann, das dauernde Piepen nervt.”
  • Atlan: “Wem sagst du das.”
  • Bully: “Echt nicht auszuhalten.”

und endet in Heft 99 mit:

PR: “Irgendwer sollte endlich was gegen dieses Gepiepse erfinden.”
Atlan: “Wem sagst du das.”
Bully: “Echt nicht auszuhalten.”
im letzten Abschnitt der letzten Seite:
Ein Bote stürmt ins Büro: “Seht mal, was wir entdeckt haben!”

Der Folgezyklus heißt dann übrigens “Die Ohrenstöpsel”

Und jetzt mal im Ernst, recht viel weiter als bis hier her kann man die Technik nicht entwickeln. Nur: Wer will das lesen?

Damit es nicht so weit kommt, gab es bei PR und auch bei Ren Dhark immer wieder Degrader. Bei PR geht das recht einfach, da müssen die dortigen Götter, die Kosmokraten, nur ein wenig an der Physik drehen, und schon funktioniert nichts mehr.

Bei Ren Dhark war es zum Beispiel einmal der Weiße Blitz, der wie ein EMP alle nicht speziell geschützte Worgun Technik zerstörte. Ein Konzept, das übrigens nicht besonders konsequent durchgezogen wird. Es tauchen immer noch Worgun Einrichtungen auf, die problemlos funktionieren, obwohl sie damals eigentlich hätten ausfallen müssen. (Wär auch schade, wenn es anders wär.)

Ein anderes Problem, sozusagen eine Altlast, die noch von Kurt Brand persönlich stammt, hatte Hajo sehr elegant gelöst (hätte jetzt beinahe “beseitigt” gesagt...). Die extreme Überbevölkerung der Erde. Er hat einfach knapp 34 Milliarden der 34 Milliarden Menschen nach Babylon evakuiert. War eine – im wahrsten Sinn des Wortes – coole Lösung.

Allerdings ist auch die Ren Dhark Serie in eine Falle getappt: Die Übernahme der Worgun Technik. Als die Worgun noch die Geheimnisvollen, die Mysterious waren, gab es nur eine POINT OF, deren Technik man nicht wirklich verstehen oder gar nachbauen konnte. Dann ging das plötzlich. Es gab alles, was die Worgun herstellen konnten in Überfluss. Die Falle war zugeschnappt.

In Folge mussten die Feinde ebenfalls immer stärker werden, immer mächtigere Mittel einsetzen, damit das Problem nicht ganz einfach mit einem “Beep” beseitigt werden konnte. Und da sich die Terraner ja irgendwie durchsetzen müssen, brauchten die dann ebenfalls eine Steigerung ihrer Möglichkeiten. Damit war die Aufwärtsspirale initialisiert. Wozu das bei bei Perry Rhoden geführt hat, wissen wir ja. Und jetzt besteht die Gefahr auch bei Ren Dhark...

Wie Ren Dhark da wieder heraus kommen soll, ist mir auch nicht klar. Jedenfalls hat mir die Serie besser gefallen, als die POINT OF noch einmalig, einzigartig war, die Terraner sich anstrengen mussten, selbst Technologie zu entwickeln, bestenfalls gelegentlich irgend welchen alten Schrott übernehmen konnten, aber eben nur eng begrenzte Möglichkeiten hatten, mit denen sie auskommen mussten. In einem solchen Umfeld kann man nachvollziehbar spannende Geschichten schreiben. Da spielen dann wirklich Phantasie, Taktik, Strategie, Versteckspiele, Psychospiele und alles, was einem sonst noch einfällt, die entscheidende Rolle. Nachvollziehbarkeit, Identifizierbarkeit, das sind die Stichworte, die es (zumindest für mich) bei Ren Dhark zwar immer noch gibt, aber ich hatte in den letzten Bänden schon gelegentlich den Eindruck, dass eine gewisse Beliebigkeit Einzug gehalten hat.

Zur Zeit gefallen mir die Agentenstorries eindeutig am besten (neben den Sonderbänden), da dort die eben geforderten Motive auftreten. Die anderen Teile der Romane sind zwar “nett”, aber eher Entspannungslektüre, als spannende Geschichten zum Mitfiebern. Auch ein Grund, weshalb ich in letzter Zeit wenig Lust hatte, in der Kolumne über die WiW Romane zu schreiben. Klar gefallen mir die Geschichten, aber sie waren eben schon mal “besser”. Was ich eben so unter “besser” verstehe.

Wenn man sich in Richtung immer größer, schneller vergallopiert hat, wie kommt man dann wieder heraus? Paramount hat mit Startrek Enterprise, mit den Archer Folgen eine Möglichkeit vorgeführt: Geschichten, die in der Vergangenheit der Serie spielen. Als vor Jahren der RD Sonderband “Jagd nach dem Time-Effekt” angekündigt wurde, ging ich ganz automatisch davon aus, dass es sich um eine Geschichte handelt, in der Forscher den Antrieb entwickeln. Hatte das für die Zeit ab etwa 2030 angesetzt. Entsprechend enttäuscht war ich dann von dem Roman. Das nenn ich eine verschenkte Chanze. Obwohl? Das könnte man doch noch nachholen...

Wenn ich mir ansehe, was momentan in der realen (was immer das sein soll) Welt in Forschung und Technik so abläuft, EM Drive, Warpfeld Metriken, Tabby`s Stern, der Plutoniumstern, die schnellen Radio Pulse, und und und, dann gibt es doch wirklich mehr als genug Inspirationen, aus denen sich wirklich spannende Geschichten stricken lassen, ohne in Gigantismus zu verfallen, oder einfach nur so weit abzuheben, dass keine Identifikation mit der Handlung mehr möglich ist. Sicher, bei Ren Dhark ist es noch nicht so weit, aber ich hab den unangenehmen Eindruck, dass es in diese Richtung läuft. Muss aber nicht so sein.

Ich glaube Ben B. Black, wenn er sagt, an Ideen mangle es nicht. Die Umsetzung ist eh perfekt. Nur seit ein paar Romanen zieht es sich eben, weshalb bei mir nicht so richtig Spannung aufkommt.

Eine kleine Ergänzung hab ich noch: Wie findet man eigentlich Themen, die neu und daher spannend sind (oder zumindest sein können?) Wie in der Mathematik: Man sucht nach Definitionslücken und strickt dann eine Theorie, die eine solche Lücke füllt. Bei SF geht das auch. Gerade in einem Universum, das mittlerweile doch recht komplexe Formen annimmt, wie bei Ren Dhark.

Mal sehen, was die Expokratur und die Autoren daraus machen...

P.S.: um 0303 wäre dann die Erdbebenortung interessant gewesen. Hab aber erst am Nachmittag darauf geschaut: 6,0 in Nord Korea...

Schalom,
Schlomo


Schalom,
Schlomo

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