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Ratio und Emotio - Die Gegensätze der Serie

1 Ratio und Emotio
Die Gegensätze der Serie

Beide Aspekte finden wir im Rahmen von fast 3000 Heften.Natürlich gibt es  mitunter auftretende stark emotionell gefärbte Szenen, etwa Thoras Tod oder andere,modernere, neuere Szenarien. Diese sind aber nicht gemeint mit dem Begriff der Emotion.

Vielmehr ziehen sich fast seit dem Anfang der Serie zwei Pole durch den Handlungsrahmen.

Perry ist für den rationalen Anteil verantwortlich und Gucky, diese geniale Erfindung, ebenso geliebt wie gehasst von vielen Lesern, bildet den Gegenpol der Emotion mit seinen Kuller-Knopfaugen. Zwar ist er ein Agent sowohl der Sol-Ab- als auch USO-Schulung und nicht nur vielfach psibegabt...aber jeglicher Versuch, ihn in einen rein ernsthaften Rahmen zu zwängen, ist missglückt.

Der Ilt, vulgo „Mausbiber“, muss einfach seine Späße machen, seine Scherze treiben, damit im klassischen Bild  der zwei Protagonisten, Perry um so besser als der strategisch vorausdenkende und  handelnde Rationalist herauskonturiert werden kann. Dass natürlich auch Rhodan seine emotionalen Momente hat, spricht nicht gegen die übergeordnete Darstellung der beiden Figuren im längeren Handlungsrahmen.

Natürlich ist auch Bull noch da, der klassische Aristoteliker als Gegenstück zum Perry, der „Watson“ von Rhodan. Auch er ist ja mehr der geradlinige, klar vorwärts agierende, kein Blatt vor den Mund nehmende Polterer, Choleriker aber gutmütig, eher emotional als rational handelnd, wobei sich beide Ebenen bei ihm aber  die Waage halten. Er agiert nur eben mehr aus dem Bauch heraus als der immer kühl wirkende Perry, der auch Distanz halten muss, damit er als Führungsperson überzeugend herüberkommen kann.

Vielfach wurde in den letzten tausend Bänden von den neueren Autoren auch versucht. Perry emotionaler darzustellen, etwa in persönlichen Beziehungen. Meines Erachtens klappte das nicht immer sehr gut und sollte auch nicht häufig  beschrieben werden. Dafür gibt es andere Serien.Der Großteil der Leser sind wohl immer noch Männer...und die mögen meist keinen Gaslicht-Anteil in der Reihe, da sie oft SF-Puristen sind, die sich auf den Technik-Anteil, den Miltary -oder den sense-Of-Wonder-Teil der Serie spezialisiert haben...

Zunehmende Teilnahme von Frauen als Autoren(...innen) ließen oft emotionalere Anteile in die Serie einfließen etwa die Beschreibung von gefühlsmäßigen  Konflikten in Familien oder Beziehungen.Sehr marginal angewendet, kann dies die Serie bereichern...ein Satz in einem Heft für eine einmalig agierende Person schadet dem Serienkanon dadurch nicht. Aber bitte nicht zuviel, auch hierfür gibt es andere Reihen...das gilt ebenfalls für Sexszenen.

Schon ein Händchenhalten von Perry mit Sichu stört den Handlungsfluss, macht die Serie vielleicht menschlicher aber eben auch weniger konzentriert auf ihr eigentliches Anliegen: die SF .Kann störend wirken.

Spannen wir den Bogen der Betrachtung zurück zum Lausbiber, dem Lausbuben der Frühzeit, der mit Betty Toufry telekinetisch die Schotte öffnet und allerlei Unsinn anstellt...aber auch immer wieder Helfer in der Not ist: es ist der Ilt, der durchgehend für den emotionalen Kick sorgt, für den Gegenpart zum kühl agierenden Perry oder Atlan, dessen oft sarkastischer Extrasinn nicht wirklich erhellende Beiträge liefert oder nur dann, wenn man ihn als Autor auch verwendet, um eindeutige, klare logische Erklärungen zu liefern, nicht nur Kneifelsche-Sarkast-Kommentare ohne Informationsinhalt. Dennoch lockert auch dieser Zusatz die Serie auf. 

Wieder zu Gucky: Jeder Versuch, ihn in einen rein logisch agierenden, kühl handelnden PSI-Roboter zu verwandeln, scheiterte. Der Ilt ist eben trotz der 3000 Jahre, die er auf dem Buckel hat, immer noch die Figur für die Späße und den Emo-Part. Auch die Versuche, ihn anderweitig zu verändern, fruchteten auf Dauer nichts, hatten nicht wirklich Erfolg. Wirkt zwar auch der Ilt immer grimmiger, wie die Serie mitunter eine düstere Dystopie bekommend, sucht der Leser dennoch immer noch den klassischen Archetypus der braunen „Guck-Augen“ in ihm, der das Gegenstück abliefert zu den rationalen Handlungen Rhodans. Dass in einigen Bänden die Anteile auch vertauscht erscheinen, nimmt dieser Betrachtung nichts hinweg, sondern ergänzt nur die genannten Tatsachen durch einen gut durchdachten Gegensatz, den der jeweilige Autor dann als erzählendes Stilmittel verwendet.

Schließlich ist Gucky ja auch der klassische „Teddybär“ des Archetypus, die kuschlige Pelzform, mit der Menschenkinder, auch Perry-Leser, Gefühle verbinden. Auch sie müssen eben ab und an  zwischen den Ohren gekrault werden.So ist der Kreis geschlossen zwischen den rein rationalen und den Emo-Anteilen der Serie.

Auch der Leser und Fan projiziiert ja sowohl rationale Fehleranalyse heraus als auch emotionalen Unmut über Autoren, Expokraten, Handlungsfiguren oder -Ebenen. Auch hier widerspiegelt sich also die Dialektik des Zweigeteiltseins der Perryserie in Ratio und Emotio.

© 2017 by H. Döring

Kommentare  

#1 Larandil 2017-01-10 09:50
Vor den längeren Aus-Zeiten in Raum und Zeit war in meiner Wahrnehmung eigentlich Atlan der Mann fürs rational-pragmatische "Willst du dir ein Omelett backen, musst du ein paar Eier knacken!"
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#2 AARN MUNRO 2017-01-10 12:10
...stimme zu...Atlan war/ist der Pragmatische...Flottenadmiral der alten Schule... :-)
Rhodan ist mehr der Humanist...man muss ihn zwingen, zu handeln...sehr oft zauderte er, wo Atlan bereits zugeschlagen hätte...dennoch halte ich auch das eher für rationales Kalkül, weniger für (Mitleids)-Emotion. Mit Mitleid allein kann kann man kein großes Land... äh Sternenreich führen...man hat Verantwortung für die Bevölkerung...Rhodan zeigte auch das...obwohl er die Menschheit so manches Mal durch strategische Falschhandlungen in die Katastrophe führte...(Ende M87-Zyklus z.B.)
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#3 Advok 2017-01-10 21:23
Hm, "Zunehmende Teilnahme von Frauen als Autoren(...innen) ließen oft emotionalere Anteile in die Serie einfließen etwa die Beschreibung von gefühlsmäßigen  Konflikten in Familien oder Beziehungen."
Da möchte ich eher widersprechen. Ich denke, dass die SF-Erzählweise (wie auch der anderer Literatur) sich ab der Flower-Power-Zeit eben an sich gewandelt hat. Ich will den weiblichen Autoren jetzt nicht Rum und Ehre absprechen - aber dass sie alleine für emotionalere Anteile verantwortlich zeichnen, halte ich für gewagt. Hat sich da nicht bereits Marianne Sydow im Werkstattband darüber ausgelassen? Und ob die anderen weiblichen Perry-Rhodan-Autoren sich auf den "Faktor" weiblich reduzieren lassen wollen? Na, ich weiß nicht ...
... vor allem, wenn dann ein "sehr marginal angewendet" folgt und dies letztlich in Konsequenz bedeutet, den weiblichen Autoren insgesamt weniger Anteil am Gesamtvolumen einräumen zu wollen. Unabhängig von der Qualität ihrer Arbeit.

Ach ja: Gucky als Gegenpol der Serie darzustellen halte ich gleichfalls für gewagt. Gucky hat definitiv nicht das Potential, ein Gegenpol zu sein. Wirklich nicht. Wenn, dann hat er das Potential, in einem Roman einen Kammerjäger zu beschäftigen. Dies wurde versäumt. Band 19 oder 20 wären dafür geeignet gewesen ...
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