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Das ewige Leid mit den Heftromanen

In (Multi-)Medias Res - Die Multimedia-KolumneDas ewige Leid mit den Heftromanen

Wenn ich mich im Bastei-Forum umschaue und die Einträge lese, tauchen dort fast immer die gleichen Fragen auf.

Warum sind die Heftromane nicht mehr überall zu haben und warum führen die Kioskbesitzer etc. diese Hefte nicht mehr?

Ich will jetzt nicht auf das Pferd vom „Aussterben des Heftromans“ aufspringen.

Das halte ich, meiner Meinung nach, noch für etwas verfrüht, oder den Prophezeihungen diverser Leute Glauben schenken, die seit Jahrzehnten das Aussterben des Heftromans propagieren. Denn mit Prophezeiungen ist das immer so eine Sache. Sie können zutrefen oder auch nicht.

Dass Totgeglaubte länger leben, zeigt allein schon die Schallplatte. Vor vielen Jahren von der CD verdrängt und aus den Regalen verbannt, hat sie nun wieder Raum zurückerobert. Wie z. B. bei Saturn, wo die Schallplatte neben der CD gleich in mehreren Regalen wieder vertreten ist.

Aber zurück zum Heftroman, um den es nicht sehr gut steht.

So sollten die Verlage langsam mal Daten und Zahlen auf den Tisch legen, um den Lesern und sich selbst die Augen zu öffnen, wie es wirklich um den Heftroman steht.

Doch anstatt endlich etwas gegen die ständig schwindenden Zahlen und Auflagen zu tun, wird lieber geschwiegen und Zahlen verschwiegen. Zudem scheinen die Verantwortlichen die Augen darüber zu verschließen. Da hilft es auch nicht, wenn der Bastei Verlag versucht, die Abteilung Bastei Entertainment zu erweitern, um neue Wege zu gehen. Wie die auch immer aussehen mögen.

Fakt ist, dass sich der Heftroman immer mehr zu einem Nischenprodukt entwickelt.

Warum?

Weil nicht nur die Leser und die Auflage, sondern auch das Interesse am Medium Heftroman selbst immer weiter sinkt.

Botschaft aus SteinWenn Michael Schönenbröcher im Bastei-Forum schreibt, dass er sich wundere, warum die Serie „2012“ nirgendwo zu finden ist, obwohl die Auflage der Miniserie über der von „Maddrax“ liege, muss man sich über gar nichts mehr wundern.

Denn nach dieser seiner Aussage müsste die Auflage von „2012“ vermutlich nicht einmal bei 10.000 Exemplaren liegen.

Dass schon aufgrund dieser Auflagenhöhe die Hefte von „2012“ (als auch die von „Maddrax“, „Sternenfaust“ oder „Professor Zamorra“) nicht mehr überall zu bekommen sind, sondern nur  noch in bestimmten Gebieten und Ballungsräumen zu kaufen sind, ist eine rein logische Rechnung.

Hinzu kommt, dass die Kioskbesitzer an einem Heftroman, wenn es hoch kommt, gerade mal 10 Cent verdienen. Ein weiterer Grund, warum diese kein Interesse daran haben, Heftromane in ihren ‚Läden‘ anzubieten.

Da bleibt dann nur noch das Abo, das aber nicht mehr über den Bastei Verlag selber läuft, sondern ‚Anbieter‘ wie die Romantruhe oder Transgalaxis übernommen haben.

Dass früher alles besser war, trifft in Bezug auf den Heftroman ohne Wenn und Aber zu. Denn damals, in der guten alten Zeit, hatten selbst Serien wie „DIE ABENTEURER“, „DAMONA KING“ oder „FANTASY“ eine Auflage, von denen heutige Serien nur noch träumen können.

Heute überschreiten den Durchschnitt von etwa 11.000 Exemplaren nur noch  'Schlachtschiffe' wie „JERRY COTTON“, „JOHN SINCLAIR“ sowie „G. F. UNGER“. Arzt- und Frauenromane lassen wir dabei mal außer Acht. Ansonsten sieht es im Hause Bastei in Bezug auf den Heftroman, was die Auflage der Hefte betrifft, düster aus.  

Ob man mit E-Books oder ähnlichen ‚Produkten‘ noch das Ruder herumreißen kann, was leider viel zu lange versäumt wurde, ist fraglich.

Denn es fehlen schlicht und einfach die Leser. Viele junge Leute kennen zum einen die wenigen noch existierenden Heftromanserien überhaupt nicht mehr und zum anderen lesen viele Jugendliche und junge Leute einfach auch nicht mehr. Stichworte: Pisa-Schüler, komasaufende Jugendliche, Lesen ist uncool etc.

Auch die Intelligenz scheint in Deuschland rapide zu sinken. So besagt eine neue Studie, dass der Durchschnitts-IQ von 107 auf 98 gesunken ist. Tendenz weiter sinkend. Eigentlich kein Wunder, wenn man sich Abends und am Wochenende auf den Straßen das besoffene und lärmende Schüler- und Studentengesindel anschaut. Die anscheinend wirklich nur noch feiern und saufen im Kopf haben. So kann man sich in vielleicht 20 Jahren darauf vorbereiten, dass die Bilderschrift wieder zurückkehrt. Was jedoch in vielen Schulbüchern für Haupt- oder Realschule teilweise schon der Fall und Realität ist. Denn sie beinhalten immer weniger Text und immer mehr Bilder und Abbildungen.

Die meisten Leute, die mit ihrem Handy herumlaufen (mit dem sie vermutlich aus Suchtgründen auch ins Bett und auf die Toilette gehen), telefonieren, hören damit Musik oder spielen damit herum.

Ich persönlich habe noch keinen in Bus oder Bahn, in Cafés oder Restaurants etc. gesehen, der damit Romane etc. liest. Auch in Bezug auf die E-Book-Reader, in welcher Größe sie auch immer zu haben sind, trifft dies nach meinen Beobachtungen zu.

Was an Leser für den Heftroman übrig bleibt sind die Altfans, Altleser und eingefleischten Leser, die bedient werden wollen. Sodass in Bezug auf diese Nische z. B. Verlage wie der Zaubermond oder die Romantruhe einspringen und bereits eingestellte Serien als Hardcover neu herausbringen oder weiterführen. Doch auch diese Altfans, Altleser etc.  ‚sterben‘ irgendwann aus.

Das Problem hierbei ist dabei natürlich der Preis für diese Hardcover oder Taschenhefte, in dem zwei oder drei Romane für einen Preis zwischen 10 und 15 Euro verewigt sind.

Da entscheide ich mich doch lieber für einen Heftroman, der zwischen 1,60 und 1,75 Euro kostet. Was natürlich wiederum FÜR den Heftroman spricht. Viele würden  (nach Auskünften in diversen Foren im Intenet) sogar 1,95 Euro zahlen, so lange der Preis unter 2 Euro bleibt.

Aber diese positiven Aspekte, was den Heftroman ausmacht, muss man den Leuten auch erst klar machen und vor Augen halten bzw. diese unter die Leute bringen.

Doch wie macht man das?

Vielleicht durch Werbespots im Fernsehen?

Zu bestimmten Zeiten laufen in den Sendern der Privaten bestimmte Filme oder Serien aus bestimmten Genren. Hier könnten die Verlage gezielt Werbespots schalten, um die Zuschauer auf ihre Serien (aber auch Bücher etc.) aufmerksam zu machen. Das kostet zwar Geld, würde sich aber langfristig durchaus auszahlen und lohnen.

In Bezug auf Werbespots sollte man das Radio aber auch nicht vergessen bzw. verachten. Beim Radio könnte man aber noch etwas weitergehen und Interviews mit Autoren etc. schalten, mit Sendern bei Übertragungen von Hörspielen zusammenarbeiten und diese über den Äther schicken.

Möglichkeiten gibt es also viele. Sie müssen nur genutzt werden, um das Steuer tatsächlich herumzureißen und so neue Leser und Leserschichten dafür zu interessieren.

Wenn man aber natürlich als Verlag ständig versäumt, auf seinen eigenen Seiten im Internet Werbung, News etc. - besonders zu neuen Serien und ‚Produkten‘ zu schalten - oder sich allein auf eine Seite wie Facebook konzentriert, die als Werbeplattform völlig ungeeignet ist (denn schließlich ist Facebook ein Sozialnetzwerk, nicht mehr und nicht weniger), muss man sich auch als Verlag über gar nichts mehr wundern.

Die Frage ist natürlich auch, ob die Verantwortlichen am Medium HEFTROMAN überhaupt noch interessiert sind und ihn tatsächlich noch ‚retten‘ oder letztendlich doch lieber als 'Totengräber' dieses Mediums agieren wollen.

© by Ingo Löchel

 

Kommentare  

#136 Sarkana 2011-11-08 19:25
Ach, auch bei Kelter sind ab und an ganz gute Dingen zu lesen. Jan Gardemanns magisches Amulett ist sicher keine Hochliteratur, aber fast durchweg gut lesbar. Und Irrlicht/Gaslicht ist, gelegentlich sogar mit neuen Romanen, moderner als alles was Bastei in den Jahren nach dem Mitternachtsroman da so verbrochen hat. Romantic-Thriller muß man nicht toll finden (ich kann mit den meisten Mystery-Thiller-Heften noch weniger anfangen als mit Gaslicht), aber im Rahmen des Genres ist das durchaus vorbildhaft. Ich wollte damit nicht Kelter loben, die lästerliche Bezeichnung "Verlag mit dem grünen Punkt" haben sie sich redlich verdient. Und oftmals zeigt Kelter immerhin, was ohne Geld alles machbar ist. Basteis Bemühungen sehe ich im Übrigen äußerst skeptisch Die neuen Taschenhefte sind eine Nachauflage von Zeug aus den 80'ern. Neue Serien sind noch nicht mal auf der Homepage, die im übrigen in Teilen noch übler als die von Kelter ist (was gar nicht so einfach ist). Bastei lebt im Wesentlichen von , längst vergangenen, besseren Zeiten. Ob das ebook nun die Rettung sein wird, sei mal dahingestellt. Was Werbung angeht, hat sich Kelter jedenfalls als flexibler erwiesen.
#137 Rüdiger 2016-10-13 11:57
In meiner Stadt & Region ist das Angebot eigentlich noch recht umfangreich. (Auch der einigen Kreisen unerwünschte 'Landser' stand als 'Weltkrieg' wieder auf und feiert sozusagen fröhliche Urständ' ...)
#138 Christian B. 2016-10-23 16:24
Fraglich an diesem Artikel ist vor Allem, woher der Autor seine Infos nimmt. Bestes Beispiel folgendes Zitat: "[...] Heute überschreiten den Durchschnitt von etwa 11.000 Exemplaren nur noch 'Schlachtschiffe' wie „JERRY COTTON“, „JOHN SINCLAIR“ sowie „G. F. UNGER“. Arzt- und Frauenromane lassen wir dabei mal außer Acht." Alleine dieses Zitat zeigt mir, dass der Autor dieses Artikels nur sehr beschränkte Kenntnis über die derzeitige Marktsituation des Heftromans allgemein hat.

FAKT IST: Heftromane sind nach wie vor gefragt. Das beste Beispiel dafür liefert derzeit die Serie "Perry Rhodan", von deren Publikationen allein in der Standard-Ausführung ohne die zusätzlichen Sonderveröffentlichungen bis zu 80.000 Exemplaren pro Woche beträgt. Eine beachtliche Auflage. Direkt dahinter folgt "John Sinclair" mit derzeit knapp 35.000 Exemplaren pro Woche (auch hier sind Sonderveröffentlichungen ausgenommen). Die Zahlen stammen aus Anfragen, die ich selbst an die jeweiligen Redaktionen geschickt habe.

Alleine das zeigt die nach wie vor wichtige Stellung des Heftromans in zumindest zwei bestimmten Genres.

Aber auch hier gilt: Problemfrei ist der Heftroman nicht. Ja, die Lesergemeinde beginnt an vielen Ecken zu schwinden. Oft höre ich immer wieder von beherzten Leser/innen der Heftromane Klagen über abnehmende Qualität in ihren Lieblingsreihen, über plumpe Handlungsabläufe, lachhaft simple Charaktere und Settings oder einfach nur über das Bedauern, dass es die eine oder andere Lieblingsreihe einfach nicht mehr gibt. Grund dafür ist der Generationswechsel im Heftroman-Geschäft. Bestes Beispiel: DER LANDSER. zeit seines Bestehens immer schon umstritten, hatte er doch seine Fangemeinde und wurde vermehrt von Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten gelesen und abonniert. Doch nach der Einstellung gab es eine Art Schockstarre. Die Fans der LANDSER-Heftromane waren enttäuscht und traurig über das Ende ihrer Lieblingsreihe. Selbst die neu gegründete WELTKRIEG-Heftromanreihe konnte die Lücke, die DER LANDSER hinterließ, offenbar bei vielen Menschen nicht mehr füllen. Nun wissen wir ja, welch Geistes Kind diese Heftromane liest und wollen diese Reihe auch nicht schönreden. Bei Weitem nicht. Dennoch zeigt DER LANDSER, dass Heftromane durchaus ihren Stellenwert haben, wenn sie denn ein beständiges Publikum ansprechen können.

Perry Rhodan, John Sinclair und die neue WELTKRIEG-Heftromanreihe schaffen eben genau das. Sie haben über Jahrzehnte hinweg in den verschiedensten Generationen sich ihre treue Fangemeinde geschaffen, indem sie interessierten Leser/innen genau das boten, was diese suchten: Spannung, Abwechslung, halbwegs anspruchsvolle, aber durchaus verständliche Inhalte, etwas fürs Auge und ein Gefühl von Beständigkeit. Werte, die ein typischer Roman im klassischen Sinne nur selten aufbringen kann.

Der Autor sollte dem Heftroman nicht seinen Rang absprechen. Das wäre wider den bestehenden Tatsachen. Vielmehr sollte dieser Artikel sich mit der Frage befassen, wie man den Heftroman endgültig ins 21. Jahrhundert holen kann. In den Zeiten von E-Book, Tablet, High-End-Spielekonsolen, Online-Streaming medialer Inhalte sowie Internet-Blogs ist es für Heftromane zunehmend schwieriger, sich zu behaupten. Seit dem Aufkommen von Wattpad ist nun auch Jeder gleich Leser & Autor in einer Person, kann seine eigenen kleinen literarischen Meisterwerke verfassen, ohne am Ende auch nur einen Cent zahlen zu müssen. Ein Umstand, der für eine massive Konkurrenzvergrößerung sorgt.

Da würden selbst die beständigen Fangemeinden wenig helfen. Was also lässt sich zum Schluss sagen? Der Heftroman ist weder tot, noch vom Aussterben bedroht. Aber er neigt dazu, immer weniger zeitgemäß zu sein. Wenn der Heftroman als Publikation weiterhin Bestand haben soll, muss er sein Potenzial zu 200% auf das E-Book und die Online-Publikationen übertragen. Nur so lässt sich der Stellenwert des Heftromans bewahren und weiterhin fortführen.
#139 Harantor 2016-10-23 17:30
Ich frage woher der Kommentator seine Infos hat. Die Durchschnittswerte der Bastei-Serien sind nach Angaben des Verlages aus den Geschäftsberichten errechnet, angereichert durch Zusatzinfos aus Hintergrundgespräch mit Verlagsmitarbeitern. Und amn bekommt immer wieder zuh hören, dass das erfolgreichste Produkta us Basteis Produktion nicht etwa Sinclair ist, auch nicht Cotton, sondern G.F. Unger. Dieses flammende Plädoyer ist zwar hübsch, träfe aber letztlich die Verhältnisse der Neunziger. Eben mit Ausnahme von PR ist die Lage des Heftromans nicht so berauschend. Im aktuellen Geschäftsbericht von Bastei kann man lesen, dass das Segment von 10,5 auf 9,8 Mio gefallen ist (bei tausend Titel p.a.) kommen keine gewaltigen Auflagen mehr heraus.

Und digital kommt, aber mit den bestehenden altbackenen Inhalten ist das Potenzial nicht bei 200 %, zumal ein Großteil der Digital-Umsätze weder vom Heft noch von originär digitalen Inhalten stammt, sondern vom erfolgreichen Hardcover/Taschenbuchprogramm herrührt.
#140 Rüdiger 2016-10-23 17:36
"Nun wissen wir ja, welch Geistes Kind diese Heftromane liest und wollen diese Reihe auch nicht schönreden." Unpassend. Die Hefte die ich gelesen habe waren weder kriegsverherrlichend noch NS-sympathisierend.

"Wenn der Heftroman als Publikation weiterhin Bestand haben soll, muss er sein Potenzial zu 200% auf das E-Book und die Online-Publikationen übertragen."

Ich möchte wenn ich lese ein Buch oder Heft in der Hand haben und kein elektronisches Gerät ...
#141 Kari Sulhanen 2017-03-20 16:31
Den Satz "Eigentlich kein Wunder, wenn man sich Abends und am Wochenende auf den Straßen das besoffene und lärmende Schüler- und Studentengesindel anschaut. Die anscheinend wirklich nur noch feiern und saufen im Kopf haben. " ist nicht nur falsch geschrieben, sondern auch noch starker Tobak und eine dümmliche Verallgemeinerung!
#142 Kari Sulhanen 2017-03-20 16:33
Der Satz "Auch die Intelligenz scheint in Deuschland rapide zu sinken. So besagt eine neue Studie, dass der Durchschnitts-IQ von 107 auf 98 gesunken ist. Tendenz weiter sinkend. Eigentlich kein Wunder, wenn man sich Abends und am Wochenende auf den Straßen das besoffene und lärmende Schüler- und Studentengesindel anschaut. " ist starker Tobak und nicht wahr. Wo ist denn die genannte Studie veröffentlicht worden?

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