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Ungelegte Eier (Perry Rhodan: Kurs 2500)

Das Romanheft, das Universum ... und die Dinge dazwischen - Die Multimedia-KolumneUngelegte Eier

Perry-Rhodan wird sich nach Ende des Terranova-Zyklus nachhaltig verändern. Perry Rhodan MUSS sich nachhaltig verändern. Eine gewagte These für einen Leser, der erst seit Band 2300 regelmäßig dabei ist? Mitnichten!

Sofern nicht noch in Heft 2498 das Dallas-Dusch-Szenario bemüht wird, oder in letzter – besser noch: allerletzter – Sekunde (Heft 2499, ab Seite 60) die Super-Hyper-Mega-Multifunktionsbombe erfunden wird, die die Chaostruppen ans Ende aller Tage sprengt, wird nach Zyklusende ein schaler Geschmack im Mund bleiben.


Natürlich entsteht dieser Geschmack auch in verschärfter Form sowohl bei der„Dallas-Lösung“, als auch bei der Megabombe, - waffe oder Mega-was-auch-immer. Wie will man es schaffen, dass man mit dem Geschmack von frischer Pfefferminze im Mund zum Kiosk geht, sich Band 2500 kauft und gespannt ist auf den Sense-of-wonder im neuen Zyklus, der so oft beschworen wird. Kann man nach Ablauf eines 200 Hefte umfassenden Zyklus, dessen Inhalt eine einzige universelle, gigantische Bedrohung ist, einfach zur Tagesordnung übergehen?

Wiederholt wurde von Seiten der Autoren erwähnt, das TRAITOR militärisch nicht zu besiegen ist. Die terminale Kolonne pflügt mir einer Urgewalt durch die Milchstraße, die ihresgleichen sucht. Ganze Planeten werden zur Ressourcengewinnung in im Weltraum treibende Gesteinsbrocken verwandelt. Angreifende Schiffe werden mit fraktalen Aufrissglocken und Potenzialwerfern abgewehrt bzw. in die Form platt gewalzter Coladosen verwandelt. In Anbetracht der Tatsache, dass Duale Kapitäne oder Vizekapitäne Befehlshaber der Kolonnen-Forts sind, gewinnt der Begriff duales System hier eine völlig neue Qualität.
Terra verbarrikadiert sich hinter einem Schutzschirm, weitgehend zur Passivität gezwungen, es werden nur minimale Fortschritte erzielt, hier mal etwas Salkrit, dort etwas vergessene Lemurer-Technik. Wie will man sich also dieser Bedrohung erwehren und zu Beginn des neuen Zyklus ab Band 2500 von dieser enormen Altlast befreien?

Ein Sieg über diese Kolonne ist noch unglaubwürdiger als das Alles-nur-geträumt-Szenario, soweit man bei SF die Glaubwürdigkeit als Maßstab heranziehen kann. Will man TRAITOR zum Abzug zwingen, muss man die entstehende Negasphäre verhindern. Aber wie will man das anstellen? Und was wäre, wenn diese Negasphäre wirklich verhindert würde? Ziehen die Truppen dann einfach so ab, nach dem Motto: Schade, hat nicht geklappt, wir versuchen es anderswo. Denkbar, aber ist das der Weisheit letzter Schluss?

Die Entstehung einer Negasphäre dauert angeblich eine seeeehr lange Zeit. Muss sie dann überhaupt verhindert werden? Natürlich muss sie das, sonst schlagen sich die Leser noch die nächsten 500 Hefte mit den Chaostruppen rum. Und dann wird´s doch wohl langweilig.
Was mich allerdings weit mehr beschäftigt, als die Frage, wie die Autoren das gegenwärtige Szenario bewältigen wollen, ist die Frage: Was kommt danach? Oder besser: Was kann danach noch kommen?

Jede neue Invasion in den nächsten tausenden von Jahren verkommt zur Lachnummer. „He, wir sind mit TRAITOR fertig geworden, was wollen denn jetzt diese Flitzpiepen von uns?“ Außerdem würde man mit einer neuerlichen Invasion die bisher dargestellte Größe und Mächtigkeit der terminalen Kolonne im Nachhinein ad absurdum führen. Ein Zeitsprung in der Handlung böte sich da an, aber: Käme die nächste Invasion wäre erstens in der Realzeit trotzdem nur eine Woche vergangen und zweitens höre ich die Leser bis hierher schreien: „Neiiiiin, nicht schon wieder“. Mit Recht übrigens. Gibt´s im nächsten Zyklus mal keine Invasion, sondern etwas völlig anderes – was aber auch irgendwann schon mal da gewesen ist – braucht man natürlich auch keinen Zeitsprung, zumindest keinen über einen längeren Zeitraum. Die Macher werden sicherlich wissen, wie der Terranova-Zyklus enden soll und es danach weitergeht. Ich unterstelle, dass diese sich bereits ihre Gedanken gemacht haben, denn wäre das nicht der Fall, würde auf dem Titelblatt der Serie nicht Perry Rhodan, sondern John Sinclair stehen und sie wäre schon lange vom Markt verschwunden. Dieses einfach-drauf-los schreiben funktioniert generell nicht, und bei einer Serie wie PR, an der die verschiedensten Autoren beteiligt sind, schon mal gar nicht.

Könnte es vielleicht auch sein, dass PR mit Band 2500 beendet wird? Die jährlichen Taschenbuchzyklen scheinen recht erfolgreich zu laufen. Könnte es sein, dass hier nicht nur Geld verdient werden soll (was völlig legitim und der eigentliche Sinn jeder professionellen Veröffentlichung ist) sondern gleichzeitig auch der Markt getestet wird, falls es zu einer Einstellung der Heftserie kommt? Man stelle sich mal vor: Die Völker der Milchstraße kabinettisiert, die Planeten ausgebeutet, die TRAITOR-Heuschrecken ziehen weiter, die Negasphäre entsteht, und ENDE. Ein Urknall! Ein Knall, der die Serie, die dann in den Taschenbüchern weitergeführt wird, bzw. aus vergangenen Jahren berichtet, in ihren Grundfesten erschüttert. Ein Knall, der die Leserschaft auf die Barrikaden treibt und zum Sturm auf Rastatt blasen lässt. Aber irgendwo doch ein glaubwürdiges Ende, allerdings auch ein äußerst unbefriedigendes. Die erfolgreichste SF-Serie, ein Mythos würde zerstört werden, nur noch rauchende Trümmer würden an die glorreiche Vergangenheit erinnern. Ein solches Ende hätte die Serie auch nicht verdient. Deshalb denke ich, dass die Serie weder eingestellt wird, noch dass dieser Zyklus in negativer Grundstimmung beendet wird. Solange man mit PR Geld verdienen kann, wird es verdient – und wie bereits erwähnt völlig legitim. Und sollte die Serie jemals enden, dann doch nicht auf solche Weise.

Aber wie geht´s weiter? Der nächste Zyklus kann nur „kleiner“ ausfallen, als der bisherige, sowohl im Unfang, als auch inhaltlich. Das sollte eigentlich jedem klar sein, aber dann treten wieder diejenigen Kritiker auf, die den Gigantismus vermissen, größere Raumschlachten etc.pp. Die Macher in Rastatt werden die jetzigen Reaktionen der Leser in Foren und Leserbriefen zu deuten wissen. Es gibt auch sehr viele positive Stimmen zum Zyklus, auf der Leserseite „betriebsbedingt“ natürlich mehr, als in den Foren. Aber man wird auch wissen, die Leserreaktionen in Relation zu den Verkaufszahlen zu setzen. Das werden viele Systemkritiker jetzt nicht gerne hören, aber nur sehr wenige Leser äußern sich öffentlich. Das Gros der Leser ist die schweigende Mehrheit, und allein an den Verkaufszahlen wird der Erfolg der Serie gemessen.

Natürlich kann man mit dem neuen Zyklus wieder nicht alle zufrieden stellen, einige Neuleser oder Wiedereinsteiger werden sich einfinden, andere enttäuscht abwandern.
Aber eines muss man den Machern der Serie neidlos zugestehen: Zumindest ich und bestimmt auch sehr viele andere wollen wissen, wie es weiter geht, was danach noch kommt; noch kommen kann. Wir werden also nächste Woche wieder den neuen PR kaufen, und den nächsten, und den nächsten. Ein Umstand, der bei John Sinclair nicht gegeben ist. Da kann ich beruhigt ein Jahr aussetzen, dann ein Heft lesen und merken, dass sich eigentlich nichts geändert hat. Zwischen endlosen Beschreibungen und sinnfreien Dialogen kämpft John dann wahlweise gegen Saladin oder Dracula II.

Und von diesem Zustand ist Perry Rhodan trotz aller Kritik der Leser noch weit entfernt. Zum Glück!

 

Jochen „Captain Elch" Stude

Kommentare  

#1 Laurin 2009-06-18 16:43
Die Sache ist wohl eher die, in welche Richtung PR nun gehen soll (denn eine Einstellung der Serie wäre wie rausgeschmissenes Geld) und in wie weit der Gigantismus der Handlung der Serie eventuell geschadet hat (und der Gigantismus keimte schon ab Band 1000 von PR). Oder anders gesagt: wie werden ferne Welten und Konflikte mit anderen Wesen wieder spannungsgeladen, wo Perry doch eher zum Streiter für oder gegen gottgleiche Seltsamkeiten mutierte und die eigene Galaxis eher an Tante Trudes Blumenbeet erinnert, wo man doch schon in den Gärten der Nachbarstädte umherflog!
Man könnte sich auch fragen, ob alles so gut war, was William Voltz ehemals so alles losgetreten hatte? Zwar würde der geneigte "Stammleser" erst einmal mit dem Kopf schütteln, wenn es ab Band 2500 in Richtung Retro-SF gehen könnte, aber der ehemalige "Stammleser", wie meine Person, der immer wieder gerne zu den Silberbänden greift oder mit jubel den Start von Perry Rhodan Action bedachte, mit der Mutterserie aber nicht mehr warm wurde, würde es mehr als freuen. Mit einem noch höher, noch gewaltiger würde die Serie sich jedenfall irgendwann selbst erledigen, denn Neuleser kriegen da nur schwer ein Bein in die Tür und hat das noch etwas mit dem vielbeschworenen
Sense-of-wonder zu tun? Mitnichten, denn den bekommt Atlan in den Taschenbuch-Ausgaben bei Fan Pro auch hin und dessen Abenteuer spielen in der Zeit des Solaren Imperiums! Bleibt also abzuwarten wo die Reise von Perry ab Band 2500 geht und wie man hier die Kurve kriegt. In jedem Fall muß diese so genommen werden, das Neuleser ohne Vorkenntnisse leicht und gut unterhalten in die Serie einsteigen und ehemalige Leser wieder zurückgewonnen werden können.
#2 Holzi 2009-06-18 19:42
Solange die Verkaufszahlen stimmen, wird man sich glücklicherweise nicht vom kosmologischen Überbau verabschieden. Ich vermute mal, dass der hier mit "Gigantismus" gemeint ist. Ansonsten wurden doch immer wieder Degrader eingesetzt, um die Serie nicht ausufern zu lassen, zuletzt die gestiegene Hyperimpedanz und die damit einhergehende Beschränkung auf die Milchstrasse (plus die lokale Gruppe mit sehr viel Aufwand oder geliehener Ultra-High-Tech). Wie weit soll das denn noch zurückgestutzt werden?

Dass Neuleser nicht in die Serie finden wird immer wieder gern von der "back to the roots"-Fraktion kolportiert, dass dem nicht so ist, wurde hier im Zauberspiegel von Jochen Adam eindrucksvoll bewiesen. Lies mal seine Kolumne nach.
#3 Larandil 2009-06-19 01:21
Zum Thema "Gigantismus" gab mal Kurt Mahr zu bedenken, daß die BASIS nicht mal die Größe einer der Hangarplattformen von OLD MAN erreichte ...
#4 Pisanelli 2009-06-19 11:14
Also, so schwer ist Rhodan jetzt auch nicht. Ich habe jetzt auch erst angefangen zu lesen - bin bei Band 500 eingestiegen. Inzwischen komme ich super zurecht. Und das Tolle an Serien ist inzwischen, dass man überall im Netz Lexika und Zusammenfassungen findet, so dass man sich weitergehende Informationen schnell und einfach zulegen kann. Man muss dann auch nicht die ganze Serie lesen. Ich bediene mich gerade bei Ebay, und mache es davon abhängig, welche Zyklen ich einigermaßen günstig kriege. So überspringe ich jetzt die 600er-Bände und mache demnächst bei 700 weiter. Ich glaube aber nicht, dass ich deswegen groß Probleme kriege, die Handlung zu verstehen. Und Gigantismus oder nicht - egal - Hauptsache, es ist spannend und ich werde gut unterhalten.
#5 Laurin 2009-06-19 18:48
Da gebe ich dir recht Holzi, man wird sich wohl nicht von diesem kosmologischen Überbau trennen und ja, wenn ein Neuling lange genug durchhält, dann schafft er den Einsteig in die laufende Handlung. Aber was nützt mir das, wenn ich SF lesen will, aber einen Roman mit knapp 63 Seiten nicht mal in 4 Tagen gelesen bekomme, weil es keine SF in diesem Sinne mehr ist, sondern gewaltig in den Bereich Fantasy abdriftet. Anders kann ich es nicht mehr bezeichnen, wenn der/die Helden sich abmühen, gottgleichen Überwesen zu trotzen! Ich weiß, vielen anderen gefällt dies und Geschmäcker sind halt nun mal verschieden, deshalb lese ich ja auch immer mal wieder die Silberbände bis ca. zum Romanheft 1000 oder weiche auf Retro SF aus, wo ich sie finden kann (Buchausgaben älterer SF Romanserien oder Büchernachdrucke etc.). Für mich (und da kann ich erstmal nur für mich sprechen) hat die PR Mutterserie nur eine Chance, ab dem Band 2500 regelmäßig von mir gelesen zu werden, wenn sie den Ausgleich schafft, für jeden etwas zu bieten, was sie aber leider sehr lange nicht mehr hinbekommen hat (sieht man von den drei Staffeln PRA oder den
Atlan Taschenbüchern bei Fan Pro ab). Spannung jedenfalls konnte ich dem nun endenden Zyklus nicht bescheinigen, wenn ich mich bei einem Heft von Seite zu Seite quälen muß. Aber wie gesagt, Geschmäcker sind verschieden.
#6 Laurin 2009-06-22 16:02
Noch kurz zu Pisanelli.
Ab Band 500 ist die Sache auch noch bodenständig (ohne den kosmischen Überbau) und man fand viel leichter (ähnlich wie jetzt in PRA) in die besagte Handlung hinein, die Sache ist aber zunehmend komplizierter in der EA (Verständnis/Handlungsebenen).
Beispiel: Wenn ich als Neuleser mit Band 23 der Sub-Serie Perry Rhodan Action einsteige fällt es mir leichter einzusteigen und weiter zu lesen als bei dem Roman der Mutterserie, der zum gleichen Termin erscheint. Ein Leser der von früher die Serie kennt oder ein Neuleser, der mehr wissen will, wird natürlich die Lexika's im Netz heranziehen, dann wird es auch einfacher und verschafft das gewünschte Lesevergnügen. Kann ich das bei jedem Neuleser voraussetzen? Nein, der Unbedarfte, der sich nur etwas die Zeit vertreiben wollte trifft auf einen kosmischen Überbau der ihn erschlägt (der PR-Dauerleser wird dies natürlich nun verneinen, aber er kennt ja auch den Werdegang usw.). Für wie viele Neuleser war es dann das erste und letzte Heft von PR, weil dieser einfach keine Bindung zur Serie aufbauen kann. Wer nun als Neuleser über PRA zur Mutterserie übergeht, wird also mit einem ganz anderen Anspruch zur Serie an die Sache gehen und sich (da eine Bindung über PRA bereits im entstehen) schlau machen wollen über das was da in der EA passiert und wie es dazu kam.
Der unbedarfte Neuleser ohne Bindung zur Serie ansich (eher Neugierde im unteren Bereich), würde mangels Durchblick und Nachvollziehbarkeit eher die Segel streichen.

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