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Schreibfauler Moffat - Warum das Doctor-Who-Christmas-Special 2016 nicht überzeugt

In (Multi-)Medias Res - Die Multimedia-KolumneSchreibfauler Moffat ...
Warum das Doctor-Who-Christmas-Special 2016 nicht überzeugt

Nachdem wir Doctor-Who-Fans ein Jahr auf Neues warten mussten und nachdem es hieß "Superheld trifft Doctor Who" und nachdem der Trailer einigermaßen passabel aussah - plus einige Minute Children-in-Need-Vorschau - hab ich mich echt auf den Doctor gefreut.

Vielleicht braucht der Doctor das auch einfach mal:


Eine geplante und verordnete Pause, bevor die Produzenten komplett wechseln, was eigentlich auch heißt, dass der kommende neue Companion vermutlich eher nicht unbedingt länger als eine Staffel bleibt, aber wer weiß - jedenfalls: Yeah, der Doctor kommt! (JA - ES GIBT HIER SPOILER, wer die Folge bis Donnerstag nach Weihnachten nun nicht schon gesehen hat oder noch gucken will: Schaut mal, Katzenvideos!)

Und nachdem ich mir noch mal ab "Face the Raven" die letzten Folgen der 9. Staffel plus "The Husbands of River Song" angesehen hatte, war ich ja zu allem bereit. Bekanntlich scheiden sich ja ab Staffel 8 die Geister - das tun die eigentlich immer, wenn ein neuer Doctor kommt, Staffel 8 aber mit dem sehr in sich zerrissenem Doctor - hey, der hat gerade das Special verdauen müssen, was ihn offenbar in seinen Grundfesten erschüttert hat - und dann die Staffel 9, in der offenbar kein Story-Arc zu finden war: Nicht jedermanns Geschmack. Aber ich mochte den 12. Doctor, ich mochte Clara - na ja, da hat Moffat auch viel Potential verschenkt, wenn wir ehrlich sind, 6 Folgen Mystery-Girl waren wirklich kurz, aber danach entwickelte sich Clara ja allmählich. Und nachdem River Song jetzt wohl endgültig abgehakt ist - schade eigentlich - und Nardole als neuer Companion angekündigt wurde - na ja, ich hatte meine Reserviertheiten - war das, was kommen sollte eigentlich schon interessant. Und der Trailer SAH VERDAMMT NOCHMAL GUT AUS! Echt!

Klar: Man merkt, die BBC hat in die Serie nicht mehr unbedingt das Geld reingepumpt, was sie zu Zeiten von Tennant oder Smith hatten. Oder vielleicht haben die das damals auch anders verteilt, aber sieht man sich mal die Sets und die Spezialeffekte an, so ist doch ein Rückgang festzustellen - nein, nichts erinnert an den alten Doctor. Mit den wobbeligen Dekorationen und dem eindeutigen Unterschied zwischen Studio- und Draußenfilm. Aber dennoch: Man merkt, das Budget ist für den Doctor gestrichen worden. Was einem dann schon im letzten Special auffiel - hmm, das Dorf kennen wir doch irgendwoher? - fällt hier auf, wenn man sich die Szenen aus "Angels in Manhattan" und dann jetzt "The Return of Doctor Mysterio" anschaut. Man merkt: Die waren nicht direkt vor Ort für das diesjährigen Special. Was ja nun auch kein Hindernis sein muss, Doctor Who hat immer mehr auf die Geschichte gesetzt. Plus einige Daleks. Oder Cybermen. Den - oder die? - Master...

Nach einer Stunde allerdings, ich teils ungläubig, teils mit offenem Mund - nein, nicht vor Bewunderung - vorm Bildschirm verbracht habe, frage ich mich echt: Was um Himmelswillen war das denn? Eine Rom-Com mit dem Superheld und dem Doctor? Hatten wir mit "The Ledger" schon so ähnlich - und trotz des Babies und der Cybermen war die wirklich okay. Dies hier aber ist ein dermaßen schreibfaules Drehbuch mit etlichen Stellen, an denen man sich fragt - was macht er da? Und vor allem warum?

Fangen wir mal direkt an: Der Doctor baumelt kopfüber vom Dach eines Hochhauses runter. Wir kriegen mit: Das ist der 60. Stock. Wie üblich in solchen Situationen: Der Strick droht zu reißen. Wir sehen in einer Einstellung, wie tief der Doctor fallen würde. Wir sehen: Da ist irgendwie nichts, an dem man sich im Fallen festhalten können würde. Was passiert ist klar: Seil reißt, Doctor fällt. Wir sehen das Seil am Fenster vorbeischnappen - und wenige Minuten später klammert sich der Doctor am Fensterbrett fest? Wie ist der da hochgekommen? Da ist NICHTS, was seinen Fall irgendwie bremsen würde. Pfeifen hören wir ihn auch nicht - also woran hat er sich festgehalten?

Nun könnte man das und das mit dem Glas Wasser, dass der Doctor hervorzaubert, nun noch als das übliche "Es ist halt Doctor Who, das muss nicht unbedingt logisch sein" abtun. Nein, natürlich hat Doctor Who keine normale Logik. Aber es gibt eine Serienlogik. Und die besagt: Wenn der Doctor irgendwo runterfällt, dann wird wenigstens irgendwie erklärt, wie er aus der Situation wieder rauskommt. Und raufkommt. Normalerweise wird die Polarität von irgendwas umgekehrt, aber es gibt eine Erklärung. Die spart sich Moffatt hier mal komplett.

Okay: Der Doctor baut also mal wieder einen Apparat - ja, der sieht wirklich billig aus - auf, der irgendwas von New York abhalten soll. Okay. Dafür braucht er diesen Kristall, den Grant dann verschluckt. Auch okay. Davon gibts dann irgendwie vier Stück, yadda, yadda. Der Diamant ist auch ein Computer, der genau weiß was man will und die Energie vom - roten - Stern? Oder so - abzieht. Gut. Und danach folgt die erste Superheldenszene. Schön. Und der Apparat und was der bewirken soll und warum da Gefahr im Verzug ist wird dann nie - wieder - erwähnt. Ja, es ist ein McGuffin, der nur dazu dient, dass der Junge Superkräfte bekommen soll. Aber wenn da Gefahr im Verzug ist und die einzige Abwehrwaffe außer Betrieb - dann - dann... Ach egal: SUPERKRAEFTE! Grant hat SUPERKRAEFTE! Der Apparat spielt dann weiterhin auch keine Rolle mehr. Also wirklich, wenigstens ein Satz oder der Hauch einer Erklärung hätte mir schon genügt, aber nein.

Wird der erwachsene Grant dann kurz darauf angerufen oder ruft er an während des Babysittings? Letzteres macht keinen Sinn, der Dialog ist auch nicht unbedingt ganz klar. Ja, das ist ein kleines Detail, aber dennoch...

Ja, ja, ein drehender Planet auf dem Dach und Miss Schuster und Miss Siegel. Haha! Eine Comic-Anspielung! Schaut, wie die Brille dann später auch! Nachdem der Doctor einem nochmal eingebaut hat, dass Clark Kent und Supermann nur die Brille voneinander trennen! Ja, das soll eine nette Hommage sein, aber wir Zuschauer sind nicht so doof, dass wir das nochmal extra erläutert bekommen müssten damit wir begreifen, dass es eine Hommage ist. Stöhn.

Unlogisch ist auch: Der offenbar wichtigste Wissenschaftler der Firma kommt zum Chef und meint, er müsste ihm was zeigen. Wäre ich Chef, würde ich ja sofort mitgehen, weil - das ist der wichtigste Professor der Firma? - aber wann sollen die sich wiedersehen? Um Mitternacht? Whow, Mitarbeiter sind enorm wichtig in der Firma. (Okay, das kennt man aus dem Alltag eventuell.) Des weiteren sehen wir dann ja die Szene mit der Putzfrau. Wenn der Boss das mitbekommen hat - das ist mehr als eindeutig - und vermutlich ist der auch nicht doof, nun ja, eventuell schon - also: Ich sehe, wie eine Reporterin sich auffällig mit einer Putzfrau unterhält und denke mir dann, dass die Reporterin garantiert nicht mit dem Ausweis der Putzfrau oder in Verkleidung wieder in die Firma sich einschleichen wird? Kein Wunder, dass das Gehirn später ersetzt wird von dem Guten. Und hey, es fällt gar nicht auf, dass Nardole sich in der Toilette - eingeschlossen - hat... Wie gesagt: Das Gehirn von Mr. Brown gehört definitiv ausgetauscht.

Okay: Wir merken uns - weil das wichtig wird - drei Chirurgen werden gebraucht, um das Aliengehirn gegen das menschliche Gehirn zu tauschen. Wobei die Frage aufkommt: Wo ist eigentlich dieses Gehirn, wenn die Köpfe aufgeklappt werden? Da gibts Fächer für Geldtransfers - siehe River Song Special, da kommen die Alien ja das erste Mal vor - oder für Pistolen. Aber man sieht nie ein richtiges Gehirn. Was eigentlich dann vom "Behälter zum Behälter" wechselt, wie der Dr. Simm das ausdrückt. Na ja. Aliens halt. Das ist bei denen so. Aber: Eigentlich braucht man drei Chirurgen für den Prozeß des Wandels. Merken wir uns das mal.

Ähm - hat Mr. Brown nicht so ganz kapiert, was Dr. Simm ihm da vorher wegen der Gehirne erklärt hat? Warum fragte er denn nochmal, was denn jetzt passiert, wenn die Chirurgen... Humpf. Vor allem: Wie operieren die eigentlich? So ganz ohne Instrumente? Oder haben die Skalpelle in ihren Schürzen? Oder machen das Aliens anders? Wir wundern uns nicht weiter darüber, dass eine so tiptopmoderne Firma offenbar nicht über genügend Sicherheitspersonal verfügt, während später allerhand UNIT-Soldaten den Laden stürmen werden. (Hätte man da das Budget für die Extras nicht aufteilen können? In solchen Szenen kommen doch IMMER irgendwelche Sicherheitsleute den Helden in die Quere.) Egal: Hauptbösewicht bedroht mit Waffe den Doctor - sieht immer gut aus.

Ähm - The Ghost schleudert den pösen Purschen auf den Poden und fliegt mit der Reporterin davon. Ja, ja, Anspielung. Viel interessanter ist die Frage: Warum befragt der Doctor den Bösewicht nicht an dieser Stelle - nachdem der aufgewacht ist, hey, die TARDIS steht da rum! Da kann man Aliens auch mal etwas festsetzen! - warum die Firma Filialen in New York und jeder Hauptstadt hat? Stattdessen: Der Doctor nutzt die TARDIS um Grant nachzuspüren? Weil - weil - ja, warum eigentlich? (Weil das Special sonst nicht eine Minute und das Ende nicht dermaßen dämlich wäre? Ja. Vermutlich. Weil der Doctor sonst nicht den Gag mit dem Spiderman-Zitat... Auch.) Longe - range - Babymonitor. Mann, die Reichweite möchte ich auch haben! Also wenns um LTE und Internet geht. Phänomenal.

Wäre es ab jetzt eine Romantic-Comedy mit Superhelden - wobei, hatten wir das mit "Lois und Clark" nicht auch schon? - wäre es ab der Minute ja auszuhalten. Was mich ein wenig ärgert: Wir bekommen viel Backstory von Grant mit - aber so richtig lebendig wird er dadurch nicht. Im Gegenteil: Bliebe man im Romantic-Comedy-Bereich, dann wäre er genau die Sorte von Tollpatsch, die am Ende dank einiger Verwirrungen die Freundin fürs Leben findet. In erster Linie beschränken sich solche Charaktere dann darauf, gut auszusehen. Ich erwarte von Doctor Who nicht, dass zerrissene - sich selbst fragende - postmoderne - Superhelden... Moment mal. Wenn der Doctor am Beginn von Staffel 8 fragt, ob er ein "guter Mann" ist, wenn der Doctor in "Heaven Sent" bekennt, dass der Verlust von Clara ihn aufzehrt, der "gute Dalek" und das Dilemma in Staffel 8 ebenso wie der Charakter aus "Flatline" - Doctor Who kann das! Ja, es ist "nur" ein Christmas-Special und diese werden in der Regel von Nicht-Fans mehr gesehen als die eigentliche Serie selbst, aber der komplizierte Plot mit Santa und dem Nordpol hat doch auch gezeigt, dass selbst ein Christmas-Special annehmbare Plots und annehmbare Charaktere liefern kann. (Okay: Das mit den Charakteren schränke ich auf "wenigstens einigermaßen glaubhaft" ein.) Wie gesagt: Warum bekommt Grant eine ganze Backstory geliefert - und warum sehen wir nicht ansatzweise mal was von seiner Freundin? Außer dem kurzem "Hi, Lucy" in der einen Szene? Was will Lucy eigentlich? Was motiviert sie? Ja, sie hat einige schlagfertige Kommentare und kann sich gegenüber dem Doctor behaupten, aber weder Grant noch sie sind irgendwie - dreidimensional. In einer Rom-Com wäre das sogar noch in Ordnung, aber bei Doctor Who? Selbst die Charaktere der Rom-Com, die Moffat vorher geschrieben hat: "Coupling" - selbst die haben Schichten. Hier? Grant ist Superheld und Nanny und einzige Motivation für den Nanny-Job ist Lucy nahezukommen - was er gar nicht hinbekommt. Und Lucy ist einfach nur eine Reporterin, die am Ende erkennt, dass Grant immer für sie da war. Whow, wenn das nicht tief in die Klischeekiste gegriffen ist und man das nicht schon tausend Mal in - verdammt - nochmal - besser - gesehen - hätte...

Na schön, das Gehirn ist nicht das zentrale Nervensystem. Oder so. Deswegen sehen wir wohl keine Gehirne, wenn die Köpfe offen sind. Yeah. Wir merken uns trotzdem: Gehirne. Operation. Wobei: Wohnt Grant eigentlich bei Lucy? Oder warum sehen wir seine Wohnung nie? Ist das so üblich, wenn man Nanny ist? Obwohl "Die Nanny" hat ja auch immer bei dem - Millionär... Egal. Hmm, so nett der "Talking to you live"-Gag ist: Normalerweise sieht man doch auf dem Monitor was live und was aufgezeichnet ist?
Und überhaupt: Warum hat der Doctor nicht schon, nachdem der Ghost... Aber nein, der wartet einen Tag und eine Nacht, um an Informationen der Schurken zu kommen? Okay. Na dann. Unnötiger Gag 1: Der Burger. Unnötiger Gag 2, der sich dann bis zum Finale durchzieht: Nardole im Kostüm. Warum? Wieso? Sieht gut aus? Eher nicht. Spielts für die Handlung eine Rolle? Hätte Nardole keine Zeit, sich umzuziehen? Abstecher nach Konstantinopel ist okay, aber Umziehen und praktische Kleidung für die nächsten Szenen nicht? Schreibfauler Moffatt.

Ebenfalls schreibfaul: Mal eben so hinwerfen, dass der Doctor Nardole von Hydroflax entfernt und zusammengeflickt hat, weil Angst davor hat alleine zu sein. Okay, das hätte ja was. Das Special spielt nach den 24 Jahren mit River Song und der Doctor ist in einigen Szenen verwundbar - aber warum Nardole? Was hat Nardole so Besonderes? Hätte er nicht den anderen Kopf aka Rivers anderen Gatten nehmen können? Oder - total jemand anderen? Ja, Christmas-Special führen in der Regel keine Companions ein - na ja, außer Donna - aber dennoch: Erklär es mir, Moffatt! Wenigstens EIN SATZ VERDAMMT!

Hmmm - ja. Sagte ich schon, dass man ein paar Extras vielleicht auch mal von den UNIT-Soldaten hätte abziehen und als Einsatzkommando der Firma... Ich meine: Drei Chirurgen und zwei Männer mit Pistolen, beide irgendwie wichtig, stürmen in die Wohnung bzw. aufs Dach und bringen den Superhelden in ihre Gewalt? Kann man machen. Effektiver wäre ein komplettes Einsatzteam, dass ich den einfach schnappt und... Ach egal. Muss so sein. Weil: Länge des Specials! Na ja, immerhin hat das Raumschiff ZWEI Security-Drones! ZWEI! Wie - effektiv...

Und während auf dem Dach die Rom-Com dem Ende zugeht, rettet der Doctor mal wieder New York. Und das macht er natürlich spektakulär, einfallsreich und überhaupt... Er drückt alle Knöpfe in der Zentrale. Vergesst bitte clever. Danke. Steuern lässt sich die Katastrophe immerhin - vielleicht gehts irgendwie in den Ozean? Der Doctor entkommt, in dem er rechtzeitig die TARDIS ruft? - Ähm, nein. Grant hält einfach das riesengroße Raumschiff auf, das damit nicht explodiert. Mit einer Hand. Allein. Tut das weh? Ja, das tut weh. Ich hasse Anspielungen auf ähnliche dämliche Lösungen in Comics und wenn der Reaktorkern dermaßen instabil ist, dann gibts sicherlich auch noch andere Arten und Weisen ihn hochgehen zu lassen. Haben die Aliens keinen Plan B zum Sprengen? Echt nicht? Ich meine, die müssen doch wirklich sicher gehen, dass...

Egal. Macht sich halt super, wenn der Held mit einer Bombe und der Freundin, die endlich ihre Irrungen eingesehen hat praktisch in der Hand hält. Oder so - man, wer hat das nicht schon von Anfang an vorausgesehen? Nein, total unwahrscheinlich, klar. Was aber dann am Ärgerlichsten ist: Während die ganze Zeit davon die Rede ist, dass die Aliens eine Operation benötigen um den Körper zu wechseln, was passiert am Ende? Na? Richtig: Der Bösewicht schlüpft einfach so in den anderen Körper. Oder hat der etwa die ganze Zeit ein Operationbesteck im Kopf rumgetragen? So als Notfallvorsorge für irgendwann? Und warum läuft ihm zu Beginn des Films diese blaue Flüssigkeit aus Nase und Augen - und später nicht mehr? Wenn das zu Beginn der Operation und der Gewöhnung des Aliens an den neuen Körper immer so sein sollte, warum hat das dann später bei Brown keine Rolle gespielt? Was zum Henker sollte das also? Ach ja: JETZT haben wir endlich lauter viele Soldaten, die als Spezialkommando im Rahmen von UNIT unterwegs sind. Toll. Schön, dass UNIT so viele Leute hat, aber wie gesagt: Extras vorher hätten einige Szenen durchaus mehr - plausibler - gemacht? Und schon wieder keine Security-Leute in der Firma?

A propos: Wie schön wäre es gewesen, das Finale einfach nach der Rede des Doctors beenden zu lassen. Der Durchschnitts-Nicht-Fan, der das sieht, hätte die dezente Andeutung, dass da was war auch einfach so hingenommen. Der Fan freut sich an der Musik, die das Thema vom letzten Special gegen Ende aufgreift. Manchmal muss man nicht alles erklären. Dass Nardole noch "her name was River Song, she died" hinzufügt ist einfach unnötig. Der Schnitt nach der Rede des Doctors hätte das ganze Finale aufgewertet - ja, der Doctor hat eine Vergangenheit, ja, offenbar ist er seit 24 Jahren wieder da und offenbar muss er sich noch etwas regenerieren. Also - nicht SO regenerieren. Seit wann heißt es denn "Tell, don't show"?

Es ist nicht so, dass das Special nicht seine netten Momente hätte - vor allem die Rom-Com-Elemente sind einigermaßen gelungen, das Quietsch-Verhör wird man kaum in einer anderen Serie finden, die Besetzung ist nicht schlecht - leider wird nicht immer gut geschauspielert, die Darsteller können das aber, wenn man sich einige Szenen anschaut. Die Musik ist okay, das generelle Voranschreiten der Handlung ist flüssig. Der Doctor ist wie immer großartig. Und wenn man nach "The Husbands of River Song" einen nervigen Nardole erwartet hätte, so ist das ganz und gar nicht der Fall. Da stimmt die Chemie zwischen den beiden Darstellern einfach. Positive Dinge gibt es durchaus. Und für alle, die es nicht so verwickelt mögen: Bis auf die Zeitsprünge ist die Handlung nicht kompliziert oder überladen.

Aber: Moffat ist schreibfaul geworden. Manches, was man noch einigermaßen hätte erklären können - und was garantiert kein "Wir bauen einen großen Story-Arc für die nächste Staffel auf" gewesen sein würde - wird nicht erklärt. Der Dialog zwischen Nardole und dem Doctor wegen des Anschraubens von Nardoles Kopf auf seinen Körper hätte zu einer sehr intensiven Szene werden können, in der wir mehr über die Abenteuer des Doctors nach dem Tod von River Song hätten erfahren können. Wobei: Wenn das Special direkt NACH dem Zweiteiler in der Bibliothek spielt, an derem Ende der Doctor River rettet und nicht direkt nach dem Geschehnis auf Trenzalore - warum ist der Doctor eigentlich so betrübt? River verabschiedet sich ja erst später so richtig, vorerst ist sie ja noch ein Datengeist, Seele im Computersystem, was auch immer?

Lucy ist als Charakter total flach und unterentwickelt. Das überrascht, weil Moffatt eigentlich gute Frauenfiguren schreiben kann. Dass die Bösewichte nicht so richtig zur Geltung kommen, trotz des zweiten Erscheinens in der Serie, na ja, wäre ja nicht das erste Mal bei Doctor Who. (Wobei: "Boomtown" anyone?) Und eine Hintertür ist ja noch affengehalten worden. Vielleicht sieht man die wieder. Meine Lieblingsfeinde sinds jedenfalls nicht. Vor allem natürlich, weil deren Kopf so wunderbar dazu geeignet ist, jedes Element für den Plot drin zu verstecken - etwa Pistolen. Nicht, dass man die am Körper trägt, nein, man muss dramatisch den Kopf aufklappen - und damit rechnen, dann vom Gegner jede Sekunde erschossen zu werden? Schreibfauler Moffat halt.

Es ist schade: Man merkt, das Special hätte wirklich besser sein können - also wenigstens ein paar wirklich gute Außenaufnahmen wären doch machbar gewesen, im Grunde spielt das Ganze ja mehr oder weniger im Studio oder in Nachbauten von New York, das sieht man ja deutlich. Die Flugszenen vom Ghost sind furchtbar übrigens. Und ein vernünftiges, gutes Ende - warum schleudert Ghost das Raumschiff nicht gleich in die Sonne eigentlich? - hätte dem Ganzen wirklich gutgetan. Schrieb ich, dass die Handlung nicht überladen ist? Gleichzeitig ist sie aber nicht gerade so fesselnd, dass ich wirklich folgen möchte. Bisher jedenfalls das schlechtestes Christmas-Special, dass ich je gesehen habe. Ich dachte, der Cyberking wäre schon furchtbar... Allerdings: Der Trailer für die nächste Staffel sieht gut aus. Nur, der Trailer fürs Special sah ja auch gut aus... Seufz.

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-12-30 10:11
Eigentlich beschreibst du eine typische Moffat-Folge :lol: Die bleiben oft hinter ihren Möglichkeiten zurück.

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