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Ein Filmklassiker - Über Legenden und andere kleine Lügen

Ein FilmklassikerFolge 1
Über Legenden und andere kleine Lügen

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. In Sachen Western gibt es da für mich eine ganz besondere Perle.


Der Mann der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)Der Mann der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)
Als der Western DER MANN DER LIBERTY VALANCE ERSCHOSS in die Kinos kam, war ich gerade mal ein Jahre und ein paar krümmelige Monate alt. Also mit ins Kino gehen war da noch lange nichts angesagt gewesen. Es gingen da auch noch verdammt viele Jahre ins Land, bis das ich diesen Western später im Fernsehen gesehen hatte. Und hier kann ich zu meinem Leidwesen nicht einmal mehr genau sagen, wann das hier das erste mal war.

Das lag an dem Umstand, dass wir in meinem Elternhaus schlicht jeden Western und auch jede entsprechende Serie des Genre gesehen hatten. Der absolute Fan hiervon war mein Vater, der sich ansonsten auch mit diversen Heftromanen aus dem wilden Westen vergnügte.

Meine Baustelle war der Western nie wirklich gewesen und ist es auch bis heute nicht. Als Heftroman hatte dieses Genre bei mir nie eine wirkliche Chance gehabt und auch in meiner heutigen Filmsammlung füllt der Western eher einen kleinen Randbereich aus. Doch in diesem kleinen Randbereich tummeln sich ein paar Filme, die selbst mich nicht links liegen ließen und die ich von Zeit zu Zeit immer wieder recht gerne sehe. Und zu diesen Western gehört zweifelsfrei auch der Film DER MANN DER LIBERTY VALANCE ERSCHOSS.

Der Mann der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)Für seine Zeit irgendwie anders:
Dieser "Spätwestern" von John Ford, einem der ganz Großen, wenn es um dieses Genre ging, setzte gerade hier einige Akzente, die man sonst in seinen Filmen auch wohl nicht gerade häufig antrifft.

Erstaunlich ist hier z.B. die Vielseitigkeit, mit der Ford zu Werke ging und die damals noch nicht wirklich zum Grundhandwerk des Film an sich gehörte. So gibt es in diesem Film gleich mehrere recht markante Charaktere, deren Persönlichkeit man hier recht interessant aufbereitet. Dieses beinhaltet natürlich auch mehrere verschiedene Handlungsstränge, die irgendwann wieder zusammen geführt werden müssen, um ein logisches Ganzes zu vollenden. Und dann kommen noch die diversen Zeitsprünge dazu, die perfekt angelegt die Story unterfüttern ohne dabei auch nur einen Augenblick Verwirrung beim Zuschauer zu erzeugen.

Das hatte schon was und damit hob man sich durchaus von den anderen Westernfilmen dieser Zeit etwas ab. Die Zeitsprünge markieren dabei jeweils eine der markanten Epochen der Zeit, in dem der Westen der USA noch Wild, Frei und Grenzenlos erschien, sowie Jahre später mit dem Gesetzbuch in der Hand und der Eisenbahn als Hauptmotor der damaligen, grundlegenden Veränderungen, wobei die Größe und Freiheit eines Landes beachtlich zusammen schrumpfte.

John Ford liebte bei seinen Filmen, die nicht unbedingt immer viel mit der Realität gemein haben mussten, den Mythos, der über diesen Teil der Geschichte der USA ausgebreitet wurde. Markiert doch die Zeit in denen die Männer noch raue Kerle waren und eher mit dem Colt als mit dem Verstand agierten genau das Amerika, in dem mitunter schlicht das Chaos und die Anarchie die jeweilige Freiheit des Westens charakterisierte. Der Western lebt schließlich im Film nicht wirklich von der Realität, sondern eher von seinen auf Hochglanz polierten Legenden.

Sei es nun Billy the Kid oder Butch Cassidy bzw. Jesse James, die Diskrepanz liegt immer zwischen den idealisierten Werten auf der einen Seite und der wirklich grauen Realität auf der anderen, was mit der späteren Legendenbildung nun nicht wirklich konform geht. Eine Diskrepanz, mit der auf sehr vielen Ebenen die Nation USA auch heute noch selbst im Widerspruch steht. Das kommt auch zum Teil daher, weil die USA auch heute noch von ihren Legenden zehrt, die jedoch mit der Realität nicht immer vieles gemein haben.

Der Mann der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)Vom Träumer zum Realismus:
Man kann John Ford hier in seinen Filmen durchaus bescheinigen, dass er stets von dem Mythos, den Legenden zehrte und eher hier ein Träumer war, der uns eine idealisierte Sichtweise auf die grenzenlose Freiheit im noch jungen Westen der USA in seinen Filmen aufzeigte. Genau mit dem Film DER MANN DER LIBERTY VALANCE ERSCHOSS, räumt er aber überraschender Weise geradezu auch auf mit den falschen Mythen und Legenden.

"When the legend becomes fact, print the legend!"

(Satz eines Zeitungsverlegers innerhalb der Filmhandlung)

"Wenn die Legende zur Wahrheit wird, druckt die Legende!" Dieser Satz aus dem Film zeigt recht schön auf, worin der Fehler eben nicht nur vieler Filme und Romane bestehen. Doniphon erschießt Valance. Diese Tat (faktisch ein Befreiungsakt) wird von Seiten der Bürger von Shinbone jedoch fälschlicher Weise dem jungen Anwalt Stoddard zugerechnet. Stoddard wiederum klärt diesen "Irrtum" nicht auf, sondern lässt sogar zu, dass sich darufhin  seine Karriere weiter aufbaut. Die sogenannte "neue Welt", für die Stoddard also nicht mit dem Colt sondern dem Gesetzbuch in der Hand steht, begründet sich schlicht zu Beginn gleich auf einer Lüge.

Erst viele Jahre später, faktisch am Sarg von Tom Doniphon enthüllt Stoddard, nunmehr Senator, die Wahrheit dem Chefredakteur der lokalen Zeitung. Dieser wiederum weigert sich, bildhaft eben für das ewige Problem zwischen Realität und Legendenbildung innerhalb der USA, diese Enthüllung zu veröffentlichen und drückt dies mit dem oben genannten Filmzitat auch ensprechend klar aus.

Das oben angeführte Zitat tritt in der deutschen Übersetzung jedoch zumeist in veränderter Form auf. So wurde der Satz in der deutschen Synchronisation wie folgt umgeändert: "Unsere Legenden wollen wir bewahren. Sie sind für uns wahr geworden."

John Ford räumt hier mitnichten nur im Bereich der Legendenbildung auf, die sich alleine aus der Gründerzeit der USA auftat. Die USA zehrte und zehrt bis Heute von einer Menge Legenden, die mit der Wahrheit allerdings mitunter kaum vereinbar sind. Die Kritik zu diesem Western von Thomas Jeier fasst dies recht komplex in einem Satz zusammen, wenn er schreibt:

"Ein stimmungsvolles Zeugnis für die Erkenntnis, das jede Epoche auf den Lügen der vorhergehenden basiert."

(Thomas Jeier, 1987/Nachzulesen in Wikipedia zum Film von John Ford)

Der Mann der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)Noch heute predigt man in den USA nämlich die Legende von Freiheit, Gleichheit, Frieden und den unbegrenzten Möglichkeiten, ohne jedoch faktisch in der Lage zu sein, diese Werte auch in der Realität wirklich umsetzen zu können. So dürften nicht wenige ihren "Traum vom Tellerwäscher zum Millionär" über den Umweg von Lügen und unlauterer Vorteilnahme oder gar Drogenhandel und Prostitution etwas beschleunigt haben und nur die wenigsten sind mit sauberer Weste und einer Menge Glück zu ihrem Reichtum gekommen.

Was den Western als Film angeht, so zieht John Ford hier selbst auch unter seine eigenen Filme eine Art Schlussstrich zwischen einem idealisierten Anspruch und der rauen Realität. Und mit diesem Schlussstrich (was nichts damit zu tun hat, das er nicht auch weiterhin heroische, auf Legenden beruhende Western drehte) unter der Handlung, setzt er gerade in diesem Western mit dem Titel DER MANN DER LIBERTY VALANCE ERSCHOSS ein kritisches  Denkmal zum Thema Mythos und Realität. Nach DER MANN DER LIBERTY VALANCE ERSCHOSS folgten von John Ford dann nur noch zwei weitere Westernfilme unter den Titeln DAS WAR DER WILDE WESTEN (HOW THE WEST WAS WON), ebenfalls 1962 sowie CHEYENNE (CHEYENNE AUTUMEN) aus dem Jahr 1964.

Doch kommen wir nun zur unvermeindlichen Handlung des Films DER MANN DER LIBERTY VALANCE ERSCHOSS. Was das Rätsel im letzten "Ausblick" zur ersten Folge der Reihe DER FILMKLASSIKER anging, so kam man ja etwas ins schwimmen um auf die Lösung zu stoßen. Der Bereich Western ist auch wahrlich ein weites Feld, so das es hier ohne konkrete Anhaltspunkte nur schwer Möglich erscheint, hier anhand weniger Fakten einen Film heraus zu finden. Andererseits will ich es euch aber auch nicht zu leicht machen, denn wo bleibt dann mein Spaß?

Der Mann der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)Zwischen Anarchie und Legende:
Senator Ransom Stoddard kehrt mit seiner Frau Hallie per Zug in das kleine Städtchen Shinbone zurück. Dort eben, wo seine Karriere ihren Anfang genommen hatte. Der Grund für sein kommen ist jedoch keine recht angenehme Situation. Gilt es doch einem alten und nunmehr verstorbenen Freund aus vergangener Zeit das letzte Geleit zu geben.

Im Ort selber gibt es immer weniger Menschen, die mit dem Namen und der Person von Tom Doniphon wirklich noch etwas anfangen können. Lebte der Rancher doch die letzten Jahre äußerst zurückgezogen auf seiner Ranch. Das für dessen Beerdigung ein Senator anrückt, macht natürlich die Männer der örtlichen Presse recht neugierig, zumal die Journalisten sich kaum vorstellen können, welche tiefere Verbindung es zwischen Stoddard und Doniphon hätte geben können.

Stoddard lässt sich hierzu auch nicht lange bitten und beginnt den Journalisten hierzu aus seiner und Doniphons Vergangenheit zu berichten. Einer Vergangenheit, in der in Shinbone noch nicht das Gesetz, dafür aber der schnelle Colt und der Terror den Tagesablauf bestimmten.

Im Gedanken reist Stoddard zurück in diese Zeit, als er noch als recht junger und idealistischer junger Mann in Shinbone eine Anwaltskanzlei eröffnen wollte. Diesem Traum setzt der Revolverheld und Schurke Liberty Valance und seine Bande ein schnelles Ende. Ziemlich angeschlagen gerät Stoddard so erst einmal in Pflege bei der jungen Hallie und deren Eltern, die in Shinbone ein einfaches Restaurant leiten.

Genau hier, wo er erst einmal wieder als Tellerwäscher Boden unter den Füßen gewinnen muss, trifft Stoddard auch auf den raubeinigen Cowboy Tom Doniphon, der hier nicht umsonst vorbei schaut. Ist er doch heimlich in Hallie verliebt und würde sie gerne irgendwann zur Frau nehmen. Doniphon scheint aber auch der einizge Mann weit und breit zu sein, den Liberty Valance nicht terrorisiert und der dem Schurken sogar einen gewissen Respekt abverlangt.

Stoddards Versuche, Liberty Valance mit dem Gesetzbuch zu stoppen, scheitern auf ganzer Linie. Denn hinter dem Schurken stehen die korrupten Landbesitzer, die den Revolvermann auch finanziell unterstützen, damit er denen mit kalter Gewalt jeglichen Ärger vom Hals hält.

Stoddard hat sich indessen recht gut in Shinbone eingelebt und bringt nicht nur Hallie nunmehr in seiner Freizeit das Lesen und Schreiben bei. Das er dabei immer stärker die eigentlichen Liebespläne von Doniphon stört, ahnt er dabei nicht einmal. Doch Stoddard, der verbissen an Recht und Gesetz glaubt, wird auch zunehmend ein Dorn im Auge der großen Landbesitzer.

Damit er nicht hilflos auf offener Straße erschossen wird, ist es wiederum Doniphon, der ihm Hilfestellung im Umgang mit einer Waffe gibt, was jedoch nicht gerade von durchschlagendem Erfolg gekrönt ist. Als Stoddard sich nun immer stärker gegen die korrupten Landbesitzer stellt, kommt es zwangsläufig zum alles entscheidenden Showdown, bei dem der gefürchtete Desperado Liberty Valance erschossen wird.

Schnell verbreitet sich der Mythos, dass Stoddard Liberty Valance in einem fairen Zweikampf erschossen habe, was viele Bürger als einen Befreiungsschlag gegen den Terror ansehen, dem sie bisher unterworfen waren. Das führt dazu das man Stoddards Karriere nun massiv unterstützt und man ihn sogar als Senator für dieses Gebiet wählen will, damit er endlich Recht und Ordnung in diese kleine Pionierstadt und dem zukünftigen Bundesstaat der USA bringen mag. Dabei ist es wiederum Doniphon, der auch hier wieder Stoddard mit auf die Sprünge hilft.

Dabei ahnt niemand, dass sich alles auf einer Lüge aufbaut, denn Liberty Valance wurde in Wahrheit an dem besagten Abend von niemand anderem als Tom Doniphon aus dem Hinterhalt erschossen. Schließlich wusste Doniphon recht gut das Stoddard als miserabler Schütze absolut keine Chance in einem fairen Zweikampf gehabt hätte. Da dies aber niemand bemerkte und Stoddard auch weiterhin dazu schwieg, ermöglichte dieser Mythos ihm die nun folgende, beispiellose politische Karriere. Doch Stoddard verdankt Doniphon nicht nur sein Leben und durch die Lüge seine Karriere, sondern er erlangt hierdurch auch das eheliche Jawort von Hallie, die Doniphons große Liebe war.

Als man jedoch nunmehr, viele Jahrzehnte später die Wahrheit direkt aus dem Munde von Stoddard erfährt, beschließt man seitens der Journalisten, diese nicht für die Öffentlichkeit zu drucken, um so die Legende nicht zu zerstören über den Mann, der damals Liberty Valance erschoß.

Der Mann der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)Meine Filmkritik:
Mal abgesehen davon, dass hier die damaligen Filmgrößen James Stewart als Stoddard, John Wayne als Doniphon und der unvergessliche Lee Marvin als Valance, aber auch Vera Miles als Hallie hier ein durchweg recht ansprechendes Schauspiel ablieferten, blieb mir der Film erst viele Jahre später genau wegen der unterschwelligen Kritik zwischen der schnellen Legendenbildung einerseits und der völlig entgegengesetzten Realität besonders im Gedächtnis haften.

Das Heldenprinzip, das dem Western bisher und auch danach immer noch haften blieb, wurde hier in einer recht ansprechenden und durchaus spannenden Weise vom Kopf wieder auf die Füße gestellt.

Für den einen ist es das Sprungbrett für eine beispiellose Karriere durch einen Ruhm, den er kaum verdient haben dürfte und bei der er auch noch den Traum einer Beziehung aus Liebe zerstört. Der andere, eigentlich auch in diesem Film am Anfang eher auf raubeiniger Held in der Not gebürstet, bekleckert sich ebenfalls nicht gerade mit Ruhm, weil er den Bösewicht schlechthin aus dem Hinterhalt umnietet.

Das Resultat am Ende ist hierzu mehr als ernüchternd hart. Denn selbst als die Fakten der Wahrheit offen auf dem Tisch liegen, entschließt man sich, diese nicht zu veröffentlichen, um den einmal bestehenden Mythos und damit auch faktisch zur späten Zeit, die Karriere des Senators nicht zu beschädigen.

Wie gesagt, was den Western angeht, war John Ford nicht nur einer der ganz Großen im Filmgeschäft, sondern durchaus ein Träumer unter der Sonne. Seine Filme überzeichneten den Helden oftmals, ließen ihn zum Garanten von Moral, Recht und Anstand werden, der selbst bei aller härte seinem Gegner eine gewisse Fairness entgegen brachte. Und wenn er dann nicht auf seinem Pferd in die Sonne und damit in den unendlichen Weiten des wilden Westen als einsamer Reiter entschwand, dann bekam er auch schon mal die Liebe seines Lebens um glücklich bis ans Ende aller Tage zu leben. Nur genau in diesem Film hatte sich John Ford entschlossen, dem typischen, eher verklärten Helden eine lange Nase zu drehen.

Das zwischen dem hellen Glanz einer schön aufbereiteten Legende und der grauen, weil eher ernüchternden Wahrheit oftmals mehr liegen kann als die Tiefen eines Grand Canyon, wusste John Ford allerdings insgeheim auch. Das er in dem Film DER MANN DER LIBERTY VALANCE ERSCHOSS gerade mit dieser realitätsfernen Legendenbildung aufräumte, dürfte somit zu Recht einer seiner filmischen Glanzleistungen darstellen. Dieser Western dürfte schon alleine aus diesem Grund einer seiner wohl besten Filme sein, der für sich stehend, leider jedoch (auch hier in Deutschland) nicht die Würdigung erfahren hat, die ihm eigentlich schon durch seine schnörkellose und ernüchternde Aussagekraft zusteht.

Mitunter, so wie am letzten Pfingstmontag schaffte es der Film DER MANN DER LIBERTY VALANCE ERSCHOSS wieder einmal ins Fernsehen, wenn auch nur auf einem eher kleinen Sender wie ARTE, aber dafür zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr. Es lohnt sich also ab und zu auch mal bei den kleineren Sendern nachzusehen, um wieder einmal in den Genuss solcher filmischen Perlen zu gelangen.

Ich selbst besitze den Film auf DVD und konnte ihn mir als einen von wenigen, für mich interessanten Filme der "John Wayne DVD-Collection" von DeAgostini an Land ziehen, die es damals an manchen Kiosken und in Tabakläden zu kaufen gab. Der Film ist aber auch durchaus heute noch als DVD bzw. BD recht günstig von verschiedenen anderen Anbietern über den Handel zu erstehen.

Wer Western mag, bzw. ein Fan von guten Western ist, der sollte sich diesen Film eigentlich nicht entgehen lassen. Afgrund der hier recht überraschenden und spannend aufbereiteten Aussagekraft hat dieser Western aber auch so eine gewisse Berechtigung, sich in einer Sammlung diverser Filmklassiker zu tummeln. Von mir bekommt er daher die volle Anzahl von fünf Revolverkugeln direkt zwischen die Augen als persönliche Empfehlung für einen schönen Filmabend.

Der Mann der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)Ausblick:
Ja, da haben wir die erste Folge von DER FILMKLASSIKER auch schon hinter uns gebracht und schon steht nächsten Samstag wieder eine weitere Folge von DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER an.

Eigentlich hatte ich zu diesem Film schon mal einen Artikel geschrieben. Es dürften sogar zwei Artikel sein, wenn ich mal die unautorisierte Neuverfilmung hinzu rechne, die hier unter anderem Namen und ziemlich zerstückelt auf den deutschen Markt kam.

Der andere Artikel widmete sich übrigens damals dem Remake, das in meinen Augen sogar noch etwas härter ausgefallen ist, als der Originalfilm, der hier leider in Deutschland mal wieder beschlagnahmt wurde. Zu kaufen gibt es ihn hier aber wohl schon mit einer jeweiligen FSK-Freigabe von 16 Jahren, wobei man jedoch locker auf ganze 17 Minuten Filmmaterial verzichten muss, sowie einer juristisch geprüften Fassung, der aber immer noch runde 11 Minuten an Filmmaterial fehlen (ob die sich damit die Kopfkissen auspolstern?).

Das man solche verstümmelten Werke nicht mal mehr mit einer Handvoll Klopapier anfassen sollte, versteht sich allerdings ebenso von selbst, wie die Tatsache, das nur das Original Freunde und Frohsinn vermittelt. Wer also hier nicht auf jede Menge an unterschlagenem Filmmaterial verzichten möchte, der ist recht gut mit dem Hinweis auf das deutschsprachige Ausland und dessen Möglichkeiten verwiesen. Ehrlicher Weise muss ich aber hier nun auch sagen, dass man auch in diesem Fall den Film bei klarem Verstand nicht unbedingt Kindern in die Hände drücken sollte, denn gewisse für sie verstörende Szenen sind nun wirklich vorhanden.

Genau diesem Original aus dem Jahre 1972 werde ich mich im nächsten Artikel der Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER - Folge 101, annehmen.

Als kleinen Hinweis sei gesagt, es geht es um Töchter, die nicht gerade das tun, was Eltern gerne sehen. Bösen Menschen, denen man nun nicht gerade alle Tage begegnet und einem Haus, in dem sich zeigen wird, welche Seite nun die Oberhand behält (also das Gute über das Böse oder eben umgekehrt - soll ja auch vorkommen).

Wer jetzt noch nicht weiß, welchen Film ich meine, dem sei hier noch gesagt, dass sich der Regisseur lose auf den Film DIE JUNGFRAUENQUELLE von Ingmar Bergmann (nicht von der FSK aber mit einem Oscar-prämiertes Werk) bezogen hatte, was ihm allerdings bei den (bleichen) deutschen Tugend- und Sittenwächtern auch keinen Stein im Brett eingebracht hatte.

Viel mehr möchte ich an dieser Stelle nun nicht weiter verraten, sonst könnte ich den Titel des Films auch gleich hier hinschreiben und was wäre das dann noch für ein Rätsel? Genauso könnte ich euch die Frage stellen, wo nun Köln am Rhein liegt.

Von daher sage ich mal bis zum nächsten Samstag, wenn ich wieder etwas in Richtung Phantastik gehe, ohne das hier eigentlich etwas wirklich phantastisches passiert. Aber durch das Genre gehört der Film nunmal unter den Oberbegriff Horror.
Der Mann der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance)
Der Mann der Liberty Valance erschoss
(The Man Who Shot Liberty Valance)
mit James Stewart, John Wayne, Lee Marvin, Vera Miles, Woody Strode, John Carradine, Edmond O'Brien, Andy Devine, John Qualen, Lee Van Cleef, Jeanette Nolan, Strother Martin, Denver Pyle, Ken Murray, Robert F. Simon, Jack Pennick u.a.
Regie: John Ford
Drehbuch: James Warner Bellah, Willis Goldbeck
Produktion: John Ford, Willis Goldbeck
Genre: Western/Abenteuer
Laufzeit: 118 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: DeAgostini (die mir vorliegende Fassung)
USA 1962

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-06-10 11:46
Ich habe genau zwei Western auf DVD. "Duell in Diablo" mit James Garner und "The Wild Bunch" ;-)

Die Ford-Western finde ich abgesehen von "Stagecoach" heute meistens nur noch schwer erträglich, vor allem die Armeewestern. "Liberty Valance" ist zugegeben wieder oder immer noch recht aktuell mit seinen "alternativen Fakten". Obwohl auch eher unbeabsichtigt. Wenn ich mich richtig erinnere, ist gerade die Geschichtsfälschung hier ja durchaus positiv besetzt.
#2 Laurin 2017-06-10 12:22
@ Andreas Decker:
Klar, Ford hat in seinen Western selbst immer gerne mit haarsträubenden Legenden und Mythen gespielt. Da muss man sich eben nur mal seine Armee-Western ansehen. Und ich glaube nicht mal, dass ihm bei LIBERTY VALANCE wirklich klar war, wie er hier die Legenden auf den Prüfstand stellt. Aber die Aussage, die sich hier offensichtlich in der Handlung zeitigt ist schon etwas besonderes (gerade für Western von Ford).

Du hast nur zwei Western auf DVD? Und ich dachte schon, weniger als ich hätte niemand mehr, weil alle Western lieber sehen als ich. :lol: Da fühl ich mich jetzt aber schon irgendwie als Hardcore-Fan mit sechs Western. :P
#3 Mainstream 2017-06-10 21:52
-
Laurin hat es schon wieder geschafft, mir mit dem "Ausblick"
einen Film ans Herz zu legen, welchen ich noch nicht gesehen
habe. Obwohl ich eigentlich ein Verehrer dieses Regisseures bin.
Schnell noch einen kühle Hopfensaft geholt, und dann geht es los.
Bin gespannt.
#4 Laurin 2017-06-10 22:11
Viel Spaß beim Film, Mainstream. ;-)
#5 Erlkönig 2017-06-11 20:45
Den Western habe ich s.Zt. im Kino gesehen. Fand ihn recht langweilig und geschwätzig. Das lag wahrscheinlich daran, daß sich meine Sehgewohnheiten im Western-Bereich, geprägt durch jahrelangen "Fuzzy-Film-Genuss", einfach noch nicht weiterentwickelt hatten. Habe allerdings "Liberty V." nach der damaligen Kinosichtung auch keinerlei Rehabilationsmaßnahmen (z.B. nochmaliges Anschauen) unterzogen. Darum westernmäßig knallhart meine Erinnerungs-Bewertung für den Film: 5 Platzpatronen.

Ausblick
Der Film hinterläßt das Dogma "Kein Oral-Sex mit rachedurstigen Frauen". :-)
#6 Laurin 2017-06-12 12:19
@ Erlkönig:
Ja, man sollte zumindest diese Weisheit aus dem Film (Ausblick) beherzigen, dass man Frauen, die gerade schlechte Laune haben oder auf hinterlistigen Krawall gebürstet sind, niemals freiwillig die Nudel hinhalten sollte. So etwas kann zumindest sehr weh tun. :lol:
#7 Feldese 2017-12-05 23:46
Man kann ja von Ford halten, was man möchte, aber eins ist sicher: Er war als Geschichtenerzähler seit der Stummfilmzeit mit der Legendenbildung vertraut.
Und man sollte ihn vielleicht nicht als Trottel einschätzen: Natürlich wusste er, was das Thema seines Films war und dass er damit eine Aussage zu seiner Profession und der Legendenbildung allgemein macht.
(Und das durchaus gebrochen: Während der Journalist die Legende nicht zerstören will, hadert ja der James-Stewart-Protagonist deutlich mit ihr.)
#8 Laurin 2017-12-06 19:58
Nun ja, als "Trottel" würde ich und habe ich ihn ja auch nicht bezeichnet. So ein hartes Urteil steht mir hier auch nicht zu. Ein "Träumer" mag er allerdings gewesen sein, wie ich es schrieb. Nur das muss ja nicht unbedingt negativ gesehen werden. ;-)
#9 Feldese 2017-12-06 23:42
Wenn ein Regisseur nicht das deutliche Thema seines eigenen Films kennen würde, ist wohl Träumer kaum die passende Bezeichnung für diesen, vor allem nicht ein positiv (oder neutral) "gemeinter" Träumer... :o :lol:
#10 Feldese 2017-12-07 00:03
P.S.: Konrad schrieb über Ford: "...einem der ganz Großen, wenn es um dieses Genre ging,..." und meinte mit diesem Genre den Western.

Ich möchte aber daran erinnern, dass Ford davon unabhängig zumindest laut seiner Zeitgenossen allgemein einer der ganz großen Regisseure war, speziell in anderen Genres:

Seine VIER Regie-Oscars bekam er alle für Nicht-Western!
#11 Laurin 2017-12-09 00:42
zitiere Feldese:
P.S.: Konrad schrieb über Ford: "...einem der ganz Großen, wenn es um dieses Genre ging,..." und meinte mit diesem Genre den Western.

Ich möchte aber daran erinnern, dass Ford davon unabhängig zumindest laut seiner Zeitgenossen allgemein einer der ganz großen Regisseure war, speziell in anderen Genres:

Seine VIER Regie-Oscars bekam er alle für Nicht-Western!


Das mit den vier Oscars ist ja richtig, Feldese. Nur kenne ich keinen einzigen dieser Filme (also nie gesehen) und Ford ist für mich eher (was gesehene Filme von ihm angeht) ein Begriff in Sachen Western.
#12 Feldese 2017-12-09 09:29
Zumindest zwei davon sind noch heute unvergessene (und gern gesehene) Klassiker, die Du dir mal anschauen solltest: "Früchte des Zorns" (der Ford und Hauptdarsteller Henry Fonda später Probleme mit den Kommunistenjägern einbrachte, wo Ford - anders als Fonda - aber gegensteuern konnte) und "Der Sieger" ("The Quiet Man"), der "irische Heimatfilm" mit Wayne und 0'Hara.

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