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Lassiter unter der Lupe einer Frau: Aus jedem seiner Romane, einen der besten zu machen, das ist die große Gabe des Autors. - »Der Ripper von Memphis« (Lassiter 2321)

Lassiter unter der LupeAus jedem seiner Romane, einen der besten zu machen, das ist die große Gabe des Autors.
»Der Ripper von Memphis« (Lassiter 2321)

Ein Serienmörder treibt in Memphis sein Unwesen und in vielen Details erinnern die Morde an den unbekannten Psychopathen, der im vergangenen Jahr fünf Prostituierte im fernen London umgebracht und verstümmelt hatte.

Sein Name: Jack the Ripper.

Es gibt ein paar Hinweise, die den Verdacht nahelegen, dass der Ripper aus England geflohen ist und sich nun hier im Süden der Vereinigten Staaten neue Opfer gesucht hat.
Denn selbst die theoretische Möglichkeit, dass ein Brite in Memphis sein Unwesen treibt, macht den Fall zu einer Bundesangelegenheit.

LASSITER bekommt den Auftrag von der Brigade Sieben, in seinem Heimatstaat Tennessee den Mörder zu stellen und zu verhindern, dass der Ripper sein blutiges Werk fortsetzen kann.

LASSITER hält den Gedanken für abwegig, dass Jack the Ripper der Mörder sei, viel wahrscheinlicher erscheint es ihm, dass sich in Memphis ein mordlustiger Irrer herumtreibt, der von den reißerischen Artikeln über den Serienmörder von London inspiriert worden ist.

In Memphis trifft er nicht nur einen alten Bekannten aus seiner Jugend, sondern muss sich auch dem bizarren Spiel eines sadistischen Psychopathen stellen.

Der Ripper von MemphisZum Roman von Kolja Van Horne:
Der Roman ist meiner Meinung nach einer der neuzeitlichen Meilensteine der Lassiter-Serie.

Er liest sich wie ein Krimi im Western-Style.

Er verbindet eine historische Begebenheit, Jack the Ripper, gekonnt mit seiner Geschichte.

Kolja Van Horne beschreibt einen erwachsenen, abgeklärten LASSITER, der gefällt; kompromisslos, hart zu seinen Gegnern, mit umwerfender Coolness, trockenem Humor und doch einfühlsam zu Hilfsbedürftigen. LASSITERS Handeln bestimmt ein ungeschriebener Ehrenkodex und ist nur seinem Gewissen verantwortlich.

Kolja Van Hornes phantasievolle Bilder, mit einer für den Leser spannenden Grundidee, lassen den Roman zu etwas Besonderem werden. Die geschilderten Actionszenen sind glaubwürdig und die verschiedenen Charaktere im Roman sind überzeugend dargestellt. Wilbur Knight, der Name eines Verdächtigen, ist gut gewählt, schrieb doch der britische Journalist Stephen Knight 1976 ein interessantes Werk ("Jack the Ripper. The Final Solution") über die Morde von „Jack the Ripper“.

Es sind die kleinen aber entscheidenden Dinge, die Kolja Van Horne in seiner Geschichte hervorhebt und zu einem grossen Ganzen verknüpft. Mit der Liebe zum Detail, verführerischer Eleganz stimmiger Beschreibungen der Landschaft, der Natur und Tierwelt, schmeichelt er meine Sinne und lässt mich in seine erzählerische Welt eintauchen. Man wünscht, der Roman würde niemals enden! Ganz große Unterhaltung!

Positiv: glaubwürdig Actionszenen

„Was soll der Scheiss, Daylan?“, liess sich einer der Männer hinter dem Blonden vernehmen. „Lass uns diesem Scheisskerl doch wegpusten.“ Er beging den Fehler, seine Waffe zu heben. Lassiter riss die Winchester hoch und feuerte. Der Mann wurde in der Schulter getroffen, und sein Gewehr landete in hohem Bogen im Baumwollfeld. Stöhnend ging er in die Knie, während sich der blonde junge Mann erschrocken fallen gelassen hatte, als die Kugel nur wenige Zentimeter an seinem Kopf vorbeigegangen war.

Seite 10/11

Positiv: umwerfende Coolness

Speichel flog vor seinem Mund durch die Luft und das Gesicht des jungen Mannes erinnerte Lassiter nun an einen tollwütigen Schakal. „Sie werden die nächsten vierundzwanzig Stunden nicht überleben, das verspreche ich Ihnen!“ Die Männer hinter dem Jungen rührten sich nicht. Sie starrten Lassiter lediglich an, als wäre ihm plötzlich ein zweiter Kopf aus der Schulter gewachsen. Es schien ihnen offenbar unerhört zu sein, dass jemand ihrem Anführer Paroli bot.
„Na gut, Junge“, brummte Lassiter. „Dann werden wir uns ja bald wiedersehen.“

Seite 11

Genauso stelle ich mir ein LASSITER realistisch geschildert vor.

Positiv: die Liebe zum Detail

Lassiter zügelte seinen Wallach und schob sich den Stetson in den Nacken. Die schwüle Mittagshitze von Tennessee trieb ihm den Schweiß aus allen Poren. Er ließ seinen Blick über die Baumwollfelder schweifen, hinter denen träge und majestätisch der Mississippi gen Süden floss. Ein Schwarm Raben zog krächzend am Himmel über ihn hinweg, ehe er sich in den dichten, dunkelgrünen Wipfeln eines Wäldchens am Flussufer niederließ.

Seite 8

Lassiter lenkte den Wallach über die Mainstreet, die von pulsierenden Leben erfüllt war. Er wich einem Fuhrwerk aus, das sich mannshoch mit dicken Bündeln abgeernteter Baumwolle beladen auf den Weg nach unten zum Hafen befand. Unten vom Fluss hörte er das dröhnende Horn eines eintreffenden Raddampfers, und auf den Sidewalk vor den Geschäften herrschte munteres Treiben.

Seite 15

Positiv: Krimi-Elemente
Kolja Van Horne gelingt es in seiner Geschichte einige glaubwürdige Krimi-Elemente einzubauen, die nicht übertrieben sind, sondern gefallen. Als der Gerichtsmediziner, ein junger Arzt namens Curt Davis die Leiche der aufgeschlitzten Betsy Malone untersucht, schildert er die Untersuchung des Tatorts und der Leiche mit einer scheinbaren Leichtigkeit und schriftstellerischen Eleganz. Es liest sich, als würde das „Wild-West CSI-Memphis“ ermitteln. Mir persönlich gefallen solche in die Geschichte eingebetteten Krimi-Elemente und stören den Lesefluss in keiner Weise.

„Sie ist noch nicht lange tot, höchstens zwei Stunden. Es wurden zwei äußerst scharfe Messer benutzt. Das eine ist ein Stilett mit spitzer, zweischneidiger Klinge, schmal, nicht viel breiter als ein Daumen. Bei dem anderen könnte es sich um ein Jagd-oder Metzgermesser handeln.“

Seite 6

„Der Killer hat zumindest rudimentäre Kenntnisse  in Anatomie, denke ich.“ Davis deutete auf die Tote. „ Auch wenn es den Anschein haben mag, dass das Ganze hier ein wildes Gemetzel ist, kann man doch erkennen, dass der Mann planvoll vorgegangen ist“

Seite 6

Ein Kriterium, das ich immer wieder aufzeige ist die Geheimhaltung der Brigade Sieben. Kolja Van Horne löst diese Aufgabe, indem er sie in die Handlung integriert: dem Marshal Bloom ist schon bekannt, dass ein Mann aus Washington in Kürze in Memphis eintreffen wird. Eine der Möglichkeiten, die mir gefallen.


Ein Thema, dass mir als Waffensammlerin von Western-Waffen sehr am Herzen liegt sind „authentische Waffen“!  

Negativ:
Da kommt mir zu wenig, LASSITER benutzt einfach eine Winchester oder ein Remington.

Da hätte ich mir mehr Details vom Autor gewünscht, zum Beispiel ob es eine Winchester 66 „Yellowboy“/71/76/85  86 oder ein Remington 1858,1858 „New Model Army“ Remington Conversion five Shot oder 1875  Revolver ist. Vor allem von einem Autor der sehr detailbewusst schreibt. Das könnte man besser machen. Man muss ihm aber zugutehalten, dass das Fehlen der genauen Bezeichnung der Waffen, den Lesefluss in keiner Weise stört!

Positiv:
Der Rausschmeißer vom „Darker Pleasures“ benutzt eine Parker Gun.

„Hank hielt eine Parker Gun mit abgesägten Doppellauf in seinen fleischigen Händen, und Rowdy schwenkte einen Totschläger in der rechten Pranke hin und her.

Seite 58

Sex bei der Serie LASSITER:
Allgemein gilt: LASSITER-Romane sind Western, in denen Frauen mitspielen, sie sind keine Sexromane vor der Kulisse des Wilden Westens.

Die Prostituierten Harriet Knowles, die Lassiter aus einem anderen Abenteuer kennt, und Heather Grimes sind in der Handlung super integriert.

Mit der voluminösen Frauenfigur und Besitzerin des Bordells „Kitty Kat“, Dolores Santiago, gelingt es Kolja Van Horne eine zusätzliche Frauenrolle zu schaffen, die ohne sexuelle Bezüge positive Funktionen hat. Dolores Santiago erinnert mich ein bisschen an Lizza aus Yucca, die sich immer während LASSITERs Anwesenheit in ihrem Bordell, wie eine Mutter um ihn gekümmert hatte. Wäre schön, wenn Dolores Santiago in einem späteren Abenteuer von Lassiter wieder vorkommen würde.

Seite 27-29: Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Szenen die aufzeigen wie Frauen erniedrigt werden, doch passen die Zeilen zu den Charakteren der beiden Protagonisten, sprich Kotzbrocken, Wilbur Knight & Dylan Livingston und ist voll in der Gesamtstory eingebettet und gut geschrieben.

Negativ:
1889 trugen die Damen des horizontalen Gewerbes noch keine Slips, sondern die weibliche Unterhose war sehr weit geschnitten wie eine Pluderhose. Ab 1877 gab es einteilige Kombinationen wie die Hemdhose oder die „Unterrockhose“. Der Slip wurde erst im 20. Jahrhundert eingeführt. Aber ich verstehe voll und ganz, dass Autoren, sprich Männer, diesem kleinen Detail weniger Beachtung schenken und die Bezeichnung „Pluderhose“ wenig reizvoll in der Geschichte ist!

„Betsy Malone zog sich den Slip über die ausladenden Hüften, und ihre kirschrot geschminkten Lippen kräuselten sich zu einem verruchten Lächeln.“

Rota Seite

„Der Mann zerriss ihren Slip und warf ihn zu Boden, so dass Betsy Malone nun splitternackt vor im lag.“

Seite 5

Meine absolut „besten“ Sätze im Heft:
Marshal Bloom im Gespräch mit LASSITER:

„Dieser Kerl hat ein krankhaftes Geltungsbedürfnis, hält sich für den Größten und glaubt, dass ihn niemand am Zeug flicken kann.“

Seite 19

Solche Personen kenne ich auch….
 
Dolores Santiago, Besitzerin des Etablissements „Kitty Kat“ zu LASSITER:

„Wenn du mich fragst, ist der Kerl ein reicher Sack mit einer dicken Brieftasche und einem kleinen Schwanz, der seinen Frust an arme, wehrlosen Dingern auslässt, weil er ihn sonst nicht hochkriegt.“

Seite 20

LASSITER nach dem Gespräch mit der Prostituierten Harriet Knowles:

„Nach all den Jahren war es ihm doch immer wieder ein Rätsel, was in den Köpfen der Frauen vor sich ging.“
Wohl wahr, wohl wahr…

Seite 23

Cover:
Mir gefällt grundsätzlich die Stimmung des Motivs, sprich die Farbgebung und die Ästhetik.

Brigitta Creanna Rogenmoser-GrobFazit:
Prädikat „Top“, eine Perle der Lassiter-Serie.

Was gefällt, das sind die fundierten Kenntnisse des Autors über die Serien-Historie.

Der Autor hält die Spannung aufrecht bis zum Schluss. Neben der unglaublichen Spannung schreibt Kolja Van Horne auch interessante Details über Geschichte und Geographie. Alles in allem eine wunderbare Mischung, höchst empfehlenswert!

Von Kolja Van Horne würde ich mir gerne mal einen Jerry Cotton wünschen!

Die LASSITER-Serie ist mit solchen Autoren auf dem richtigen Weg. Ich freue mich auf viele weitere Romane aus seiner Feder.


Heftvorschau Bastei Webseite auf diesen Roman:

Betsy Malone zog sich den Slip über die ausladenden Hüften, und ihre kirschrot geschminkten Lippen kräuselten sich zu einem verruchten Lächeln. Sie klimperte mit den langen Wimpern, als der ältere Mann eine Handvoll Dollarscheine auf das Bett fallen ließ. "Das ist wirklich großzügig von dir, Burt", gurrte sie, und der Grauhaarige grinste breit.
"Du hast es dir mehr als verdient, Schätzchen", brummte er, bevor er sich zur Tür wandte. "Man sieht sich."
"Jederzeit!", rief sie ihm nach, doch ihr Lächeln erstarb, sobald sich die Tür hinter dem Mann geschlossen hatte. Sie warf sich eine Stola über den nackten Oberkörper und griff nach der glimmenden Zigarette im Aschenbecher, bevor sie auf den Balkon hinaustrat. "Blöder Mistkerl", murmelte sie und rieb sich das schmerzende Hinterteil, während sie hinunter auf die belebte nächtliche Gasse im Hafenviertel von Memphis blickte.
"Betsy, Betsy", flüsterte jemand hinter ihr, und die Dirne erstarrte. "Spricht man so über seine Kunden?"  

Der Ripper von Memphis
Lassiter 2321
von Jack Slade (Kolja Van Horne aka Thorsten Wilkens)
Cover: Boada
Ersterscheinung: 10.01.2017
1,80 € / 3,50 CHFr
Bastei

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Kommentare  

#1 Heiko Langhans 2017-12-07 11:01
Hm ... irgendwie ergibt die Überschrift so keinen Sinn. Und sind Koljas Kenntnisse der Serien-Historie nun gründlich oder angeschimmelt?

Aber davon mal ab - schöne Rezi. 8)
#2 Creanna 2017-12-07 12:16
@Heiko
Hmm...ich finde, die Überschrift muss nicht zwingend auf den Roman bezogen sein, sondern auf den Autor und allgemein auf die schreibenden Künste. 8)
Koljas Kenntnisse sind sehr fungiert und gründlich, von angeschimmelt kann nicht die Rede sein. :-)
Aber danke, freue mich wenn's gefällt. :lol:
#3 GuentherDrach 2017-12-07 13:07
"Aus jedem seiner Romane einen der Besten zu machen" wäre korrekter. Ich persönlich würde wohl "besten" auch klein schreiben.
#4 Creanna 2017-12-07 14:18
@GuentherDrach
Danke für den Hinweis...wurde geändert. :-*
#5 Heiko Langhans 2017-12-07 15:27
Hm - besteht hier ein schwyzer/deutsches Verständigungsproblem? Ich kenne nur "fundiert" (d.i. auf solider Grundlage), während "fungiert" entweder als Verb verwendet wird (= ist zur Zeit tätig als), so aber in dem Satz keinen Sinn ergibt, oder ein Tippfehler ist, der mich an Fungus (d.i. Schimmel) gemahnt. Oder es ist eben ein schwyzer Wort, das ich nicht kenne ...
#6 Creanna 2017-12-07 15:42
@Heiko
buaaahhhh...peinlich..... :cry: deutsche Sprach....schwere Sprach... :oops:
Bei uns im Dialekt spricht man "fungiert" für solide Grundlage , aber wir Schweizer sind eben was Spezielles.....in jeder Hinsicht.... :lol: :-*
Aber vielen Dank für die fundierten Erläuterungen! :lol:
#7 Heizer 2017-12-07 18:09
Ein wenig verwundert bin ich schon.
Schießen sich alle auf die Rezensentin ein....?
Ich habe hier schon Artikel gelesen, in denen es von schlechtem Deutsch, mangelhafter Grammatik, redundanten Aussagen in aufeinanderfolgenden Sätzen usw. wimmelte. Kein Problem bislang.
Seltsam, dass nun sowas zur Sprache kommt.
Danke jedenfalls für diese Artikelserie. Sie beleuchtet verschiedene Aspekte der Hefte und wenn es inhaltlich mal ein paar Missverständnise bezüglich Waffen oder Kleidung gibt: Egal. Darüber könnte man sonst einen Roman schreiben. Subjektiv und objektiv. WEITERMACHEN!!! Swiss Lady....
#8 Heiko Langhans 2017-12-07 19:02
Alles ist gut. Das waren nur dienlich gedachte Hinweise, die m.E. auch so aufgenommen wurden. 8)
#9 Heizer 2017-12-07 19:34
Ich wollte hier auch (noch) keinem auf die Füße treten. Ich bin aber gerade nach ein paar Wochen Abstinenz wieder mal auf diesem Forum zu Gast, um zu sehen was es Neues gibt.
Und erstaunt durfte ich feststellen, dass hier gerade der „große Brigadier“ eine breite Bühne bekommt.
Schön...so weit.
Aber die Artikelserie wurde schon vom Start her fulminant kommentiert.
Und ich sage es ungern: Ich bin weitgehend auf Harantorˋs Seite. Auch wenn ich einigen seiner Argumente nicht ganz folgen konnte. Aus unterschiedlichen Gründen. Aber wir parken trotzdem in der selben Garage.
Eventuell werde ich unter den entsprechenden Beiträgen noch etwas kommentieren. Auf jeden Fall muss ich noch eine Frage an Herrn Kügler stellen, ähnlich der Frage von Des Romero nach der Telegraphie......
Also fürs Erste: Peace in our Time ;-)
#10 Harantor 2017-12-07 20:55
Den Titel so zu übernehmen war mein Fehler. Tut mir leid.

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