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Lassiter unter der Lupe einer Frau: Ein Roman wie Salzsäure – einfach ätzend - »Fern liegt El Dorado« (Lassiter 2366)

Lassiter unter der LupeEin Roman wie Salzsäure – einfach ätzend
»Fern liegt El Dorado« (Lassiter 2366)

Lassiter bekommt den Auftrag, denn Diebstahl von Planwagen mit Vorräten aus den Rindertrecks der „Bridgestone-Ranch“ aufzuklären. Gemäss Friedensrichter Richard L Clark, Mittelsmann der Brigade Sieben, verschwinden die Planwagen über Nacht, ohne das die anwesenden Cowboys etwas mitbekommen.

Man vermutet, dass die Täter Hillbillys aus den Bergen sind.

Fern liegt El DoradoDer Roman war (unter-)durchschnittlich. Ohne nennenswerte Höhen, dafür mit viel Tiefen. Man könnte auch sagen langweilig. Mit diesen einfach lieblos hingeschrieben Zeilen hat sich der Autor nicht mit Ruhm bekleckert. Die Handlung ist in die Länge gezogen und der Begriff „Hillbilly“(eine oft abfällig verwendete Bezeichnung für Bewohner der ländlichen, gebirgigen Gegenden der USA wie den Appalachen und den Ozarks) kommt - man glaubt es kaum - über 100mal in dem Roman vor…

Ich finde man merkt es dem Autor an, dass er kein Bezug zum Western-Genre hat und ohne ersichtlichen Plan etwas „lustlos“ vor sich hinschreibt

Er kehrte zu dem halbwüchsigen Rind zurück, kniete nieder und drückte ihm das Brandzeichen in die Flanken. Eine Qualmwolke und der Gestank verbrannten Horns stiegen auf.

(S. 13)

Wo bitte befindet sind beim Rind an der Hüfte Horn????

Leider fällt es mir seit längerem negativ auf, dass eine Vielzahl der Autoren über kein Serien-Fachwissen verfügt, denn auf Seite13 nennt ihn der Vormann der Bridgestone Ranch einen „verdammten Yankee“. (Lassiter wurde in Tennessee geboren und kämpfte während des Amerikanischen Bürgerkriegs auf Seiten der Konföderierten).

Auch ist den „lieben“ Autoren nicht bekannt, dass die Brigade 7 eigentlich als Geheim-Organisation gegründet wurde und LASSITER als Mitglied der BRIGADE SIEBEN mit Sonderauftrag der Regierung in Washington unterwegs ist, über den er aber strengstes Stillschweigen zu wahren hat.

"Die Regierung ist dabei, eine neue Geheimabteilung im Kampf gegen das Verbrechen aufzubauen." sagte er zu Shalakee. "Es ist eine Gruppe ausgesuchter Männer, die ihre Aufträge direkt von Washington bekommen. Die Abteilung besteht zurzeit aus sieben Mann, und von diesen sieben weiß niemand etwas vom anderen. Wir sind völlig auf uns allein gestellt. Niemand von uns kann im Ernstfall mit Hilfe rechnen. Ich besitze keinen Ausweis und kein Abzeichen wie etwa ein normaler Gesetzesvertreter. Nach außen hin muss ich weiter derjenige sein, der ich schon seit Jahren bin. Ein Desperado, ein Abenteurer. Muss ich noch mehr erzählen, Shalakee?" Der Wolfsjäger sah ihn nachdenklich an. "Und das hier ist dein erster Auftrag, LASSITER?" LASSITER nickte...“

(Lassiter-Taschenbuch Nr. 42121 "Zahltag ist in Wyoming“)

Umso mehr wundere ich mich, dass Lassiter auf Seite 13 der Rancherin Mrs. Lansby erklärt, er arbeite für die Regierung (S13):

„Ma`am“, grüßte Lassiter ungerührt und tippte sich an den Hut. „Ich komme im Auftrag der amerikanischen Regierung. Es geht um die gestohlenen Planwagen“.

Dies setzt doch wohl ein gewisses Grundwissen voraus seitens der Autoren und der Lektoren, oder ist dies zuviel erwartet?! 

Meine Meinung ist, den Hauptakteur so lieblos durch die Handlung irren zu lassen, ist schon fast eine Beleidigung für den Leser und wird dem Charakter des „Härtesten Mann seiner Zeit“ nicht gerecht.

Mal agiert Lassiter völlig gefühlslos und schlägt einen Verwundeten(S. 53), mal lässt er sich von einer Bande jugendlicher „Hillbillys“ zusammenschlagen, ohne dass er sich wehrt (S.42).

Dass aber der Vormann Enderson nach einem Grizzly-Angriff, der wirklich dramatisch geschildert wird und das Beste an der Geschichte ist

“Der Bär hatte Enderson unterdessen die ganze Seite aufgerissen, ihm mit einem Biss die Schulter zerfetzt und mit einem anderen ein Stück seines Haarschopfes abgetrennt. Der Vormann fühlte seine Beine nicht mehr, ebenso wenig wie seine Arme, die kraftlos unter den zottigen Gliedermassen des Grizzly herumschaukelten“

(Seite 51)

Auf Seite 53 wird schon wieder versucht, Lassiter zu schlagen, ohne die Verwundung des Grizzly-Angriffes zu thematisieren, gibt der Geschichte den Rest.

“Enderson warf sich gegen die Arme der beiden Hillbilly-Männer, die ihn festhielten. Er riss sich mit einem Arm los und schlug nach Lassiter“.

Fazit:
Einer der schlechtesten Lassiter seit Langem. Für mich war der Roman wie Salzsäure – einfach ätzend! 


Heftvorschau Bastei Webseite auf diesen Roman:

Die tiefen Schatten auf den Gesichtern der Männer reichten bis zur Kinnlinie. Das knappe Dutzend Cowboys hatte sich im kniehohen Büffelgras auf die Lauer gelegt und behielt die verhasste Hillbilly-Hochzeit auf freiem Feld argwöhnisch im Auge.
Die Braut hatte sich soeben von ihrem Vater verabschiedet.
Außer den Brauteltern war Friedensrichter Richard L. Clark zugegen, der es sich als einziger Amtsträger in der Gegend herausnahm, einem verdammten Hillbilly die Hand zu schütteln. Die übrigen Hochzeitsgäste waren zerlumpte Kerle aus den Wäldern, die sich nicht den Dreck unter den Nägeln hervorkratzen konnten.
"Noch ein paar Minuten", flüsterte einer der Cowboys und kniff die Augen zusammen. "Dann schlagen wir los."

Fern liegt El Dorado
Lassiter 2366
von Jack Slade (?)
Cover: Del Nido (Ein gelungenes und schönes Cover)
Ersterscheinung: 21.11.2017
1,80 €
Bastei

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Kommentare  

#31 Feldese 2017-11-24 23:22
Mal ernsthaft, Harantor: WIeso TYPISCHES "Lassiter"-Durcheinander? Meinst Du tatsächlich, dass gerade "Lassiter" von allen Heftromanserien in Deutschland für Durcheinander steht? Oder zumindest bei deutschen Westernserien gerade "Lassiter" die typisch "Durcheinanderste" ist?

Es gibt keinen Grund, sich so auf den großen Mann einzuschießen. By the way: Ich war in Kansas. Ich war dort auf (vielleicht nicht bedeutenden, aber) recht großen Rinderranches (von dänischen Einwanderern).
Und Kansas galt als Hillbilly-"Hochburg".
Und Gebiete treffen aufeinander...

Im Wissen, dass Hillbilly trotz Überlappungen nicht völlig gleichzusetzen mit Redneck ist, dieser kleine Link hier, in dem übrigens der Handlungsort des "Lassiter" bei den Städten an zweiter Stelle genannt wird...
www.roadsnacks.net/these-are-the-10-most-redneck-cities-in-kansas/
#32 Harantor 2017-11-24 23:36
Lassiter hat zu der Zeit, in denen ich den einen oder anderen band goutiert habe wirklich ein großes Durcheinander auf den Markt gebracht. Liegt aber auch daran, dass dergleichen für Lassiter NIE wichtig war. Daher ist das auch nicht schlimm. Aber es mag Leser nerven.

Hillbillys war eigentlich mehr das Hinterland drer Südstaaten (Westvirgina und so, aber das war kein Rinderland) habe ich gelernt. Kansas war zu der Zeit eher "backwoodsman"-Land.
#33 Valerius 2017-11-25 00:19
Ich habe immer gedacht die Bezeichnung "Hillibies" beträfe die Bewohner, die "Mountain People",
im Gebiet der Appalachan bzw. den sogenannten "Ozark Mountains"
#34 Feldese 2017-11-25 02:04
Das ist ganz witzig: Man findet auf YouTube zig Filmchen, auf denen Amis erklären, was (ihrer Meinung nach) der Unterschied zwischen Rednecks, Hillbillys, White Trash und auch Southerners ist. Auch unterschieden nach früherer und heutiger Bedeutung. (Natürlich mit unterschiedlichen Ansichten.)

Da sind viele witzige Dinge dabei. (Übrigens auch eine zweiteilige Doku über in Kansas' Rinder züchtende Hillbillys...) ;-)

Heute optisches Unterscheidungsmerkmal: Redneck, tätowiert, bekleidet mit Tarnkleidung, Hillbilly, evtl peaciger (weil man barfuß irgendwie auch nicht so aggressiv rüberkommt :-) ) bekleidet mit Latzhose (was für einen Deutschen noch peaciger wirkt. Ein tierproteinfreier Öko hierzulande - aber nicht in den Staaten!).

Ein, sich selbst als Redneck bezeichnender Typ bringt es auf den Punkt: "Ich und meine Kumpels, wir sind halt gern draußen in der Natur, jagen, fischen, trinken was. Und abends kommen wir dann zurück in die Vorstadt, in den Trailerpark. Die Hillbillys sind im Grunde genauso wie wir, machen dasselbe. Bloß die kommen abends nicht zurück. Die wohnen in der Natur..." (frei nacherzählt)

Heute hat das evtl. sogar was mit Lebensentwurf zu tun. Vor 150 Jahren eher mit unglaublicher Armut und unglaublich bescheidenen Lebensverhältnissen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten (und Lebenslügen). (Man muss sich den historischen Landstrich ihres Lebens am Rande der Zivilisation auch nicht als bergig, sondern eher als hügelig, abgelegen vorstellen.)

Witzigerweise muss ich bei dem Thema immer an das "Brandenburg"-Lied von Rainald Grebe denken. :sad:
#35 Feldese 2017-11-25 09:16
@Valerius
Gemäß Wiki ist der Begriff wohl in der Gegend entstanden. (Es gibt einige Erklärungsversuche der Herkunft des Begriffs, der wahrscheinlich aus dem Schottischem stammen soll. Und: "The term "hillbilly" spread in the years following the American Civil War." )
#36 Valerius 2017-11-25 10:09
Wenn ich an das Wort "Hinterwäldler" denke, kommen bei mir Erinnerungen an den Film "Ruf nach Vergeltung" mit Patrick Swayze auf.
#37 Feldese 2017-11-25 11:36
Ich muss dabei immer an den grandiosen Film "Beim Sterben ist jeder der Erste" (auch bekannt als "Flussfahrt") mit Jon Voight und einem großartigen Burt Reynolds denken.

Inzwischen hab ich den "Lassiter" 2366 durchgelesen, den ich durchaus sehr lesenswert fand (und alles andere als "lieblos" geschrieben) -- bis zur Seite 30.

Bis dahin hätte ich Brigitta (und Querleser Harantor) in so ziemlich allem widersprochen (außer das tatsächlich der Begriff "Hillbilly" unnötig oft in Koppelung vor ein Substantiv gesetzt wird. Wenn in einer Szene nur zwei Menschen vorkommen, muss man wahrlich nicht ständig um Klarheit zu schaffen Hillbilly vor -Mädchen oder -Frau setzen. Und vor -Familien und vor -Jungen und wieder vor -Familien (Seite 16/17). Der Leser hat schon begriffen, um was und wen es geht...)

Bis dahin...
(Vielleicht komme ich selbst dazu, eine Rezi im Bastei-Forum zu schreiben. Hier nur soviel: Es ist leider nicht das erste Mal in letzter Zeit, dass mich ab einem gewissen Punkt die INITIATIVLOSIGKEIT eines seltsam zurückhaltenden Titelhelden nervt, der hier zudem wider zwischen Kunstschützem und Rumballerndem pendelt.)

Schade um den sehr gelungenen Auftakt und der guten ersten Hälfte.
Aber der Weg nach El Dorado ist eben weit...
#38 Andreas Decker 2017-11-25 14:51
Die letzte nette Serie mit vielen Hillbillys, an die ich dabei denken muss, war "Justified", das in Kentucky spielte. Entweder brannte man illegalen Whiskey oder kochte Meth irgendwo weitab vom Schuss in den Wäldern.

Wenn Lassister nur in Texas rumgurken würde, wäre es ja schnell langweilig ;-) Da lieber doch ein "Durcheinander". auch wenn häufig nicht viel aus dem Schauplatz gemacht wird. Obwohl "Lassiter in London" eine witzige Idee war.
#39 Feldese 2017-11-25 18:15
Ja, und diese Hillbillys (in der Super-Serie "Justified" mit Timothy Oliphant und Walton Goggins, alle 6 Staffeln auf dr. DVD erhältlich) sind tatsächlich alles andere als peacig...

Ja, Andreas, Du hast Recht. Leider werden schöne Ideen, auch was originellere Schauplätze betrifft, dann nicht adäquat umgesetzt. Als wenn manchem Autor beim Umsetzen ihrer netten Ideen, beim Zu-Papier-bringen, schließlich die Zeit weggelaufen ist und Dinge dann etwas gedankenlos abgefrühstückt werden.

Dazu kommt in diesem Fall eine suboptimale Schlussred. Es fehlen Satzteile, ein nicht unwichtiger Dialog wird zum Monolog zusammengepappt, bei dem man nicht weiß, wer nun was gesagt hat.
Der Name des "Bösewichts" wechselt beständig von Enderson zu Anderson und zurück.

Aber am Unerträglichsten ist ein "Held", der völlig unverständlich hilflos zum Zuschauer degradiert wird, dann seltsam inkonsequent eingreift (er erschießt einen Cowboy mit Fackel, NACHDEM dieser Feuer gelegt hat, prellt aber dem auf Menschen schießenden "Bösewicht", Mörder und Anstifter nur den Revolver aus der Hand), um sich schließlich von ein paar Halbwüchsigen ohne Gegenwehr verprügeln zu lassen. ???
Was, bitte, sollten z.B. diese Seiten 30 bis 46?
#40 Feldese 2017-11-26 08:57
Nicht zu vergessen, die schon von Brigitta angesprochene Wunderheilung A/Endersons, der es schafft - statt zu verbluten - sogar noch einarmig (!) irgendwo rumzukraxeln.
(Dass Lassiter ihn misshandelt, sehe ich allerdings nicht, es ist eine sowohl emotional verständliche wie auch "justified" 8) Reaktion des großen Mannes.)

Diese Emotionalität einiger Protagonisten (auch des Bösewichts angesichts des Verhaltens seiner Chefin) ist für mich die Stärke des Romans, mit dem ich mich wahrscheinlich schon längst nicht mehr gedanklich auseinandersetzen würde, wenn er durchgehend der Müll und so "ätzend" wäre, wie Brigitta ihn für sich einschätzt.

Aber gerade, wenn etwas für einen so positiv beginnt, anfangs genau die Eckpunkte gesetzt werden, die man so schätzt (Einfühlsamkeit in die Gefühlswelt der Protagonisten, Motivation dieser, Bezug zu unserer Gegenwart, interessantes Setting, Geheimnis), ist man umso enttäuschter, wenn der gute Spielbeginn nach der Halbzeit in die Tonne getreten wird.
(Und macht sich weiter Gedanken darüber, woran man dieses - sorry -"Abkacken" im Detail so festmachen kann.)
#41 Feldese 2017-11-29 08:28
Ich hab die schon hier z.T. angesprochenen Kritikpunkte (ob positiv oder negativ) zu einer persönlichen Rezi von "Lassiter" 2366 zusammengefasst:
www.bastei.de/forum/thread.html?bwthreadid=4673&bwpage=46

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