Ein DA VINCI CODE für Kinder - DER VERLORENE SCHATZ DER TEMPELRITTER

Da Vinci Code für KinderEin DA VINCI CODE für Kinder
DER VERLORENE SCHATZ DER TEMPELRITTER

Zuweilen stösst man auf kleine Perlen, wenn man am Nachmittag mal im Kinderprogramm der Sender herumstöbert. Filme oder Serien, die gut gemacht sind und auch ein erwachsenes Publikum spannend unterhalten können.

Dass diese Sachen vornehmlich aus Grossbritannien oder Skandinavien kommen, verwundert dabei wenig. Dort gibt es eine lange Tradition, was Spannungsfilme für Kinder angeht. Filme, die über den süsslichen Brei hinaus gehen, der für gewöhnlich bei uns produziert wird.


Interessant wird es, wenn man solche Filme mal hinterfragt. Und siehe da, die Leute nehmen ihr Publikum ernst. Die weit verbreitete Meinung, Kinder würden Ungereimtheiten nicht merken und/oder hinnehmen, ist oft ein Trugschluss. Dessen waren sich die Macher des Films TEMPELRIDDERNES SKAT in Dänemark wohl bewusst. Und deshalb wurde nicht viel dem Zufall überlassen.

Am Anfang stand der angekündigte Film THE DA VINCI CODE (2006) von Ron Howard und besonders der Roman von Dan Brown. Schnell war klar, dass der Stoff das Interesse der Massen wecken würde. Die darin enthaltenen Geheimnisse und Schlussfolgerungen hatten etwas Faszinierendes. Natürlich war es vermessen, dem etwas Gleichwertiges entgegen setzen zu wollen.

So ging man in Dänemark einen anderen Weg. Die Produzentin Mie Andreasen entwickelte die Idee, so etwas als Kinderfilm zu realisieren. Kinder haben ein grosses Interesse an Geheimnissen und deren Enträtselung. Gleichzeitig wollte sie einen Bezug zum Stoff von Brown herstellen, wodurch es den Kindern gegeben sein sollte, sozusagen ihren eigenen "Da Vinci Code" zu haben.

Sie stützte sich auf einen eher unbedeutenden Aspekt der Geschichte Browns, wonach die Tempelritter einst auch auf der Insel Bornholm gewesen sein sollten. Zudem gab es Forschungen und Erkenntnisse des dänischen Historikers (allerdings auch Verschwörungstheoretikers) Erling Haagensen, nach dem die Rundkirchen auf Bornholm im 13. Jahrhundert von den Templern erbaut worden sein sollten. Er konnte damit durchaus glaubhaft widerlegen, dass die Bauwerke, die in der Architektur untypisch für diese Region waren, von den Einheimischen stammen sollten.

Die BundesladeGestützt auf diesen Forschungsergebnissen entwarfen Mie Andreasen und der Drehbuchautor Philip LaZebnik das Szenario, dass die Tempelritter einst vor ihrer Zerschlagung zu Beginn des 14. Jahrhunderts den legendären Schatz, der u.a. die Bundeslade und den heiligen Gral enthalten sollte, auf Bornholm versteckten. Tatsächlich hatte Haagensen unter der Kirche von Østerlars einen grossen Hohlraum entdeckt, der bis dahin nicht erforscht war. So konnte man, gestützt auf diese Entdeckung, eine fantastische Thriller-Story entwickeln.
"All die Ideen, die wir verarbeitet haben, die Geschichten, die auftauchen, basieren auf Büchern und Theorien, die darüber geschrieben wurden. Also sind alle Dinge, die wir im Film behaupten, denkbar." (1)
Die 12jährige Katrine macht mit ihrem Vater wie in jedem Sommer Ferien auf Bornholm. Dort trifft sie sich mit ihren Freunden Nis und Mathias. Nis ist ein wissenschaftlich orientierter Typ, der gerade an der Theorie arbeitet, wonach die Tempelritter im 13. Jahrhundert die Rundkirchen auf der Insel erbaute. Schnell kann er die anderen in seine Forschungsarbeit einbeziehen.

In einer Kirche finden sie ein unterirdisches Gewölbe. Dort werden sie Zeugen eines Rituals von Männern in schwarzen Kutten, die einen Geheimbund namens "Schwarze Bruderschaft" bilden. Da Johannes, der Pfarrer der Kirche, kurz darauf die Kinder erwischt, gerät er in den Verdacht, ein Mitglied dieser Bruderschaft zu sein. Kurz darauf schenkt Johannes Katrine einen Ring mit einer seltsamen Gravur. Noch ahnt sie nicht, welche Bedeutung das hat.

Am Abend werden die Kinder Zeugen des Mordes an Johannes. Die Ermittler gehen von einem Unfall aus, worauf Katrine, Nis und Mathias beschliessen, dem Geheimnis des Todes des Priesters auf den Grund zu gehen. Hinzu gesellt sich Fie, die nervige kleine Schwester von Nis. Plötzlich gewinnt der Ring an Bedeutung. Sie finden eine lateinische Gravur, die auf eine andere Kirche verweist, die als einzige der Rundkirchen kein 3. Stockwerk hat. Dort finden sie einen Schlüssel und einen Hinweis, dass während der Sonnenwende das Licht einen Weg weist.

Mathias beobachtet zufällig Mitglieder der Schwarzen Bruderschaft, die Gegenstände zu einer Burgruine schaffen. In der folgenden Nacht fahren die Kinder mit ihren Rädern dorthin, werden von den Männern allerdings erwischt und verfolgt. Sie können jedoch entkommen. Nun wissen sie immerhin, dass beide Parteien das gleiche Ziel haben, nämlich den Schatz der Templer zu finden.

Katrine beobachtet ihren Vater in einer schwarzen Kutte, was ihr Vertrauen empfindlich stört. Die Schwarzen haben unterdessen das Zimmer von Nis durchsucht und all seine Erkenntnisse bezüglich des Schatzes gestohlen. Trotzdem finden die Kinder durch Ring und Schlüssel den entscheidenden Hinweis auf die Kirche von Østerlars. In der kommenden Nacht, der Nacht der Sonnenwende, machen sie sich auf nach Østerlars, werden jedoch wieder von den Schwarzen verfolgt. Dennoch schaffen sie es dort hin, wenn auch nicht mit den Fahrrädern, sondern mit dem Boot von Katrines Vater.

Rundkirche OsterlarsAn der Kirche angekommen, finden sie den Zugang zum unterirdischen Gewölbe. Nachdem sie durch den einfallenden ersten Sonnenstrahl auch den Eingang zur Krypta öffnen, entdecken sie das Wissensarchiv der Templer, den Schatz und die Bundeslade. Doch sie werden von der Bruderschaft überrascht. Es kommt zum Kampf, den die Kinder zu verlieren drohen, doch plötzlich kommen ihnen ein paar Tempelritter zu Hilfe.

Katrines Vater entpuppt sich als einer der Ritter. Johannes war der Grossmeister, der versucht hatte, die Schwarzen zu infiltrieren, um sie dadurch aufzuhalten.

Der Film entstand in den Sommerferien 2005, damit die Kinder keine Probleme mit der Schule bekamen. Die vier Hauptdarsteller wurden aus über 400 Bewerbern gecastet. Man verwendete viel Mühe darauf, dass die Kinder den erforderlichen Charakteren entsprachen. Auch die Teamfähigkeit für die Zeit der Dreharbeiten war ein wichtiges Kriterium.

"Wir waren ja zwei Monate ununterbrochen zusammen. In einer Zeit, die eigentlich unsere Sommerferien war. Am Ende waren wir wie Geschwister zueinander, im Guten wie im Schlechten. Wir mochten uns wirklich sehr." (2)
Die Kinder studieren einen FoliantenDie Kinder hatten viel Spass miteinander und dass die Chemie stimmte, das merkt man dem Film deutlich an. Alle Vier waren unerfahrene Neulinge. Zwar hatten Julie und Nicklas ein Jahr zuvor je einen Film mal gemacht, aber auf mehr Erfahrung konnte keiner von ihnen zurück blicken. Und obwohl die Dreharbeiten sehr professionell und damit durchaus hart und stressig waren, agierten die Kinder mit viel Freude. Der Kommentar der neunjährigen Frederikke sagt alles:
"Das war total lustig, Dinge machen zu dürfen, die man eigentlich nicht macht. Normalerweise haut man Leuten ja nicht in den Bauch oder so was." (3)
Gedreht wurde nur zum Teil auf Bornholm. Ein Teil wurde auch im Studio hergestellt. Der komplette Film vor Ort wäre zu zeitaufwendig und zu teuer gewesen. So wurde auch die Krypta unterhalb der Kirche von Østerlars in einem Studio in Lyngby gebaut. Man hielt sich dabei an die Masse der von Haagensen festgestellten Grösse. Bis heute hat die Kirche nicht einmal Archäologen erlaubt, diese Höhle zu erforschen. Die Ausstattung der Krypta ist dabei äusserst stimmig gelungen (Designerin Charlotte Bech erhielt nicht zu Unrecht eine Nominierung beim Robert-Festival 2007). Bemerkenswert sind dazu auch manche Kameraeinstellungen ausserhalb, die sich mit den Fotografien Haagensens decken. Hier wurde wirklich alles getan, um die Wahrscheinlichkeit der Geschichte zu unterstützen.

Das Szenario wirkt denn auch jederzeit glaubhaft. Dabei hat der Film durchaus einige skurrile Ideen zu bieten. Allen voran die Tatsache, dass die Schwarze Bruderschaft die Kinder auf Motorrädern verfolgt. Das wirkt nur für einen Moment etwas lächerlich, stellt sich aber als konsequent und logisch heraus (sollen sie etwa Pferde nehmen?). Nach wenigen Augenblicken vergisst man es, denn es entstehen dadurch einige spannende und effektreiche Szenen.

Überhaupt sind die Actionsequenzen des Films recht überzeugend. Die Stunt-Koordinatoren leisten sehr gute Arbeit. So sind denn auch die kurzen Schwertkämpfe am Ende gut choreografiert und entbehren sogar nicht einmal der entsprechenden Wucht der Schläge. Wenn man sich das Making Of anschaut, dann kann man sehen, mit welch einer Ausdauer diese Szenen immer und immer wieder geprobt wurden, bis es zur Aufnahme kam. Nebenbei: Das Making Of, das netterweise auf die deutsche DVD übernommen wurde, hebt sich in seinem Gehalt wohltuend von dem üblichen belanglosen Gesülze dieser Art Bonusgaben ab.

Der Film besticht durch ein kluges Drehbuch, eine sorgfältige Regie, ruhige, unspektakuläre, aber visuell schöne Kameraarbeit, sanfte Schnittfolgen ohne Hektik, eine sparsame, aber stimmige Musik, sowie gute und spielfreudige Darsteller. Ein rundum perfektes und spannendes Filmvergnügen, nicht nur für Kinder.

TEMPELRIDDERNES SKAT bekam mehrere Publikumspreise auf diversen Filmfestivals 2006/2007, was nicht verwundert. So auf dem Hamburger Filmfest, den Nordischen Filmtagen in Lübeck, auf den Kinderfilm-Festivals in Amderdam und Leeds. In der Heimat war er auf dem Robert-Festival lediglich ein paar Mal nominiert.

Aufgrund des Erfolges entstanden zwei Fortsetzungen, die sich allerdings nicht mehr so stark auf reale Grundlagen stützten und vielleicht deshalb ein wenig zurückfallen. Dennoch sind sie gut genug, dass ich sie noch in einem Folgeartikel abhandeln werde.


Dänische SammeleditionTEMPELRIDDERNES SKAT
(Der verlorene Schatz der Tempelritter)
Dänemark 2006

mit Julie Grundtvig Wester (Katrine), Christian Heldbo Wienberg (Nis), Nicklas Svale Andersen (Mathias), Frederikke Thomassen (Fie), Peter Gantzler (Christian, Katrines Vater), Ulf Pilgaard (Johannes), Kurt Ravn (Erik Isaksen), Birgitte Simonsen, Bent Conradi, Soren Steen, Jarl Forsmann, Ingerid Nielsen.

Produktion: Mie Andreasen, Kim und Tivi Magnusson für M&M Productions, TV2, Nordisk Film
Regie: Kasper Barfoed
Drehbuch: Philip LaZebnik nach einer Idee von Mie Andreasen und Jakob Volver
Kamera: Jan Richter-Friis
Schnitt: Kasper Leick
Musik: Jeppe Kaas

Farbe
, 85 Minuten, Format: 2,35:1
deutsche DVDDVD: GalileoMedien/FilmConfect
TV: PRO7


Deutscher Trailer bei YouTube

Originaltrailer bei YouTube (Dänisch mit engl. UT) (Empfehlenswerter, weil länger und fetziger)

Zitate:
(1) Kasper Barfoed
(2) Julie Grundtvig Wester
(3) Frederikke Thomassen
aus dem Making Of


Wesentliches zum Film:

IMDb.de

Kinderfilmdienst.de (pdf-Datei)

Dänisches Film Institut (dfi.dk)

Merling.dk (Forschungen und Bilder von Erling Haagensen) (merling.dk)

Bilder:
Logo - Dänische DVD-Box - M&M/Nordisk
Deutsches DVD-Cover - GalileoMedien
Szenenfotos - dfi.dk
Kirche von Østerlars - nordenskirker.dk


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