Civil War (1861-1865) - Der Krieg an der Küste und zur See 1861 (Teil 2)

Civil War (1861-1865)Der Krieg an der Küste und zur See 1861 (Teil 2)

Die Blockade beginnt:
Mallory konnte ab Sommer 1861 auf einen wichtigen Helfer bauen: James D. Bulloch, der 14 Jahre bei der US-Navy und 8 Jahre bei der Handelsschifffahrt war. Er war im Süden der Fachmann schlechthin für Schiffe aller Art. Als Geschäftsmann besaß er außerdem ausgezeichnete Umgangsformen. Im Juni 1861 kam Bulloch in Liverpool an. Die Konföderation schickte ihn nach England mit einem klaren Auftrag: Kriegsschiffe und Nachschub zu besorgen!

Kaum war Bulloch in England eingetroffen, konnte er auch schon Verträge für zwei Dampf/Segel-Kreuzer abschließen, die später als die CSS Florida und Alabama bekannt werden sollten.

Derweil bemühte sich Mallory mit allen Mitteln auch vor Ort die konföderierte Flotte aufzurüsten. Dabei setzte er voll auf technische Innovation, inspiriert durch erste Versuche der Briten und Franzosen mit stahlverkleideten Schiffen: Wo immer möglich sollten Schiffe gepanzert werden. Auch sollten möglichst viele Schiffe mit Rammspornen ausgestattet werden, um die hölzernen Rümpfe der Unionsschiffe aufzureißen.

Das vielleicht anspruchsvollste Projekt in diesem Rahmen begann mit der Hebung des Wracks der USS Merrimack, die bei Kriegsausbruch so unvollkommen von ihrer US-Besatzung versenkt worden war. Mallory ordnete an, das halbzerstörte Wrack nicht nur zu reparieren, sondern zu einem modernen Panzerschiff umzuwandeln. Die Arbeiten dazu begannen im Juli 1861 und führten zu einem ganz besonderen Kapitel dieses Krieges, das uns später beschäftigen wird.

Mallory wußte, daß er gegen die Zeit arbeitete. Es ging darum, die Blockade der Union zu schwächen, bevor diese zu stark wurde. Mit dem gleichen Ziel, arbeitete das konföderierte Außenministerium und die südstaatliche Öffentlichkeit zur selben Zeit daran, zumindest Großbritannien dazu zu bringen, gegen die Blockade vorzugehen. Damit zusammen hing auch die Frage der Anerkennung der CSA als eigenständige Nation. Doch der erste Versuch dazu im Sommer 1861 scheiterte. Aufgestachelt durch die südstaatliche Presse versuchte man es mit Erpressung. Sanktioniert durch die konföderierte Regierung wurde es nie, lediglich durch die öffentliche Meinung: Die Baumwollpflanzer und -händler verhängten ein Embargo über ihr eigenes Produkt – die Baumwolle. Der Hintergedanke: Die in weiten Teilen von der Baumwolle abhängige britische und französische Industrie würde kollabieren, Massenentlassungen und Betriebsschließungen wären die Folge – und als Folge davon auch eine Hungersnot.

Und die Bedingung zur Aufhebung des Embargos? Natürlich – Großbritannien sollte die Blockade der USA aufbrechen. Und natürlich im gleichen Atemzug die CSA offiziell anerkennen.

Zunächst hatte es dafür ja günstig ausgesehen. Die CSA hatte eine eigene Verfassung, ein stehendes Heer, kontrollierte 750‘000 Quadratmeilen und besaß eine Bevölkerung von etwa 9 Millionen Menschen. Außerdem hatte die USA eine Blockade über sie verhängt, was eigentlich nur unter zwei kriegführenden Mächten ging.

Der britische Außenminister Lord Russel erklärte denn auch:

„Die Frage nach den Rechten einer kriegführenden Macht ist keine prinzipielle, sondern eine faktische.“

Recht hat der Mann. Eigentlich. Entsprechend verärgert war Washington. Aber die Frage nach den Rechten ist vor allem auch eine Frage der Interessen. Wie die Konföderierten nun zu lernen hatten.

Die Sache mit dem Baumwollembargo ging ziemlich nach hinten los. Die Vertreter der Konföderation wollten den Briten erklären, daß die Blockade ja noch dazu illegal, weil wirkungslos war. Das stimmte ja schon, im Jahre 1861 kamen noch 9 von 10 Blockadebrechern durch. Nur wirkt dieses Argument irgendwie etwas unglaubwürdig, wenn vom Exportschlager des Südens – der Baumwolle – nichts mehr nach Europa rüberkommt. Dass es ein eigenes Embargo gab, konnte die CSA-Regierung wiederum nicht offiziell zugeben. Das wäre dem Eingeständnis eines Erpressungsversuchs gleichgekommen. Der britischen und französischen Öffentlichkeit war dieser Umstand dummerweise aber sowieso klar – entsprechend groß war die Empörung. Die Überlegungen, gegen die US-Blockade der Südstaaten vorzugehen, um den Baumwollhandel wieder aufzunehmen, waren schnell vom Tisch.

Grund: Knallharte Kalkulation.

In den Jahren bis 1860 hatten die Amerikaner so viel Baumwolle geliefert, daß die britischen und französischen Fabriken kaum hinterherkamen. Was übrig blieb, wurde eingebunkert. Die so gebildeten Reserven standen jetzt den Textilfabriken zur Verfügung – eigentlich waren sie sogar froh über das Embargo, jetzt konnte man die Reserven abbauen. Das man trotzdem auf Kurzarbeit umstellte hing damit zusammen, daß der Textilmarkt gesättigt war. Die von der CSA erhoffte Wirkung hätte wenn überhaupt erst im Sommer 1862 eintreten können. Da aber hatten die Südstaatler längst das Embargo aufgegeben, weil sie die Baumwolle jetzt selbst loswerden mußten, um Waffenimporte bezahlen zu können. Da hatte die britische Regierung aber längst begonnen, den eigenen Baumwollanbau in Ägypten und Indien zu forcieren, um die durch das Baumwollembargo gestiegenen Preise auszugleichen. Und noch etwas: Die britische Wirtschaft befand sich in einem Umbruch.

Die Textilindustrie sank in ihrer Bedeutung, die Stahlindustrie wurde wichtiger. Dieser Umbruch sollte 1862-63 zu kurzfristig erhöhten Arbeitslosenzahlen führen, die dann aber wieder ausgeglichen wurden. Zugleich gab es 1860-63 in Europa mehrere Mißernten. Jedenfalls zeichnete sich aufgrund dessen schon 1861 ein Muster ab: Die Nordstaaten konnten den Europäern Getreide und Mehl bieten – und die Europäer den USA im Gegenzug Waffen, Rüstungsmaterial, Soldatenbekleidung. Das wurde das fette Geschäft, wie die Briten schon im Spätsommer 1861 erkannten. Die paar kleineren Geschäfte mit der Konföderation waren eigentlich nur das Dessert.

Ein weiterer Punkt kam vor allem bei den Briten hinzu: Da sie selbst gern in Kriegen die Seeblockade einsetzten und sehr gut wußten wie schwierig deren Umsetzung war, waren sie bereit den USA auch hier Zugeständnisse zu machen. Schon allein, weil man sich selbst diese Möglichkeit der Kriegsführung in Zukunft nicht verbauen wollte.

Ein Vorgehen gegen die Blockade und/oder die Anerkennung der CSA hätte nur all die genannten Vorteile zunichte gemacht und darüber hinaus ziemlichen Ärger mit den USA bedeutet. Zwar hätte
London einen solchen Konflikt gewinnen können, aber er wäre teuer und verlustreich geworden.
Das Resultat dieser nüchternen Kalkulation: Großbritannien blieb weiterhin neutral und hielt sich raus.
Die CSA hatte sich gründlich verkalkuliert.

So wurde die CSA weiterhin nicht anerkannt, was ihr die Rechte verwehrte Kredite in neutralen Ländern aufzunehmen oder fremde Schiffe auf hoher See zu beschlagnahmen. Zumindest nach dem Völkerrecht jener Zeit.

Und die Blockade. Nun ja. Im Sommer 1861 war das noch eine recht löchrige Angelegenheit – die Blockade war eher ein Sieb. Im Juni 1861 war der größte Erfolg der Blockadeflotte, das die USS Massachusetts im Golf von Mexiko vier Blockadebrecher aufbringen kann. In der ersten Juliwoche traf es im Golf vier weitere Blockadebrecher. Außerdem gingen US-Schiffe nun auch vor den Häfen Galveston (Texas) und Wilmington (North Carolina) in Position. Am 5. August konnte die USS Vincennes den Blockadebrecher Alvarado vor Floridas Küste aufbringen. Im September 1861 traf es dann vier Blockadebrecher vor der Küste North Carolinas; Mitte September wird der Blockadebrecher Judah vor Florida von der USS Colorado kurzerhand versenkt, nachdem er nicht anhalten wollte.

Zu dieser Zeit steht die Blockade wirklich erst noch am Anfang. Obwohl sie bereits zahlreiche US-Schiffe für Patrouillenzwecke einbindet (und Patrouillendienst ist übrigens mordslangweilig), hat sie tatsächlich noch kaum Wirkung – wie gesagt, 9 von 10 Blockadebrechern kommen durch.

Die Blockadebrecher sind vor allem etwas kleinere und schnellere Schiffe. Sie fahren Häfen auf Kuba, den Bahamas und den Bermudas an, wenige fahren bis nach Südamerika oder Europa. Den Kapitänen und Mannschaften verheißen die Blockadebrecher Fahrten hohen Profit bei geringem Risiko.

Frachtpreise und Versicherungsraten schießen dadurch in die Höhe.

Obwohl die US-Blockade noch so löchrig ist und der Norden händeringend jedes Schiff unter Waffen setzt, um es auf Patrouille zu schicken, gibt es erste Auswirkungen bereits im Juli 1861. Ein Kaufmann aus Charleston trug damals in sein Tagebuch ein: „Die Blockade geht weiter, und alle Artikel des täglichen Verbrauchs, besonders Lebensmittel, werden immer teurer.“

Im Herbst notierte er:

„Geschäft liegt völlig darnieder, alles enorm teuer, (…), Schuhe sind kaum zu haben…“

Noch lag das vor allem an dem Profitstreben der Lieferanten. Die Blockade mußte als Grund für die Preissteigerungen herhalten. Damit wurde die tatsächliche Wirkung um Wochen und Monate vorweggenommen.

Die Blockade erscheint einem vielleicht zunächst als ein reines Katz-und Mausspiel. Doch sie war mehr. Beide Seiten setzten auch sehr viel harschere Mittel ein:

Die Konföderation setzte ab Ende Juni – angetrieben von Mallory – auf eigene professionell geführte Kriegsschiffe, die die Blockade durchbrechen und dann auf die Jagd nach US-Handelsschiffen gehen sollten. Dies sollte einerseits die Unionswirtschaft unter Druck setzen und andererseits US-Kriegsschiffe vom Blockadedienst abhalten, weil sie ja die CS-Kriegsschiffe jagen mußten.

Das erste dieser Kriegsschiffe war die CSS Sumter. Ursprünglich ein spanischer Frachter, der umgerüstet worden war, verdrängte das Schiff nur 520 t und besaß 5 Kanonen. Die Ausfahrt der Sumter markierte den Übergang von der amateurhaften Freibeuterei zur professionellen Kriegsführung mit Besatzungen aus Marinesoldaten. Kommandant der Sumter war Raphael Semmes, ein taktisch gewiefter 52jähriger gebürtiger Maryländer, der abgesehen von seiner Anwaltskarriere auch lange Zeit in der US-Marine gedient hatte. Jetzt hatte er eben diese zum Gegner.

Am 30. Juni 1861 gab es die erste Bewährungsprobe: Semmes lief mit der Sumter aus New Orleans aus und kann der langsameren USS Brooklyn vor der Mississippi-Mündung entkommen.

Das war übler als ein entkommener Blockadebrecher: Semmes konnte in den folgenden 6 Monaten mit der Sumter 18 Schiffe aufbringen oder versenken.

Die Union wiederum griff zu einem weitaus offensiveren Mittel als bislang beschrieben, um die Blockade noch perfekter zu machen: Sie besetzte konföderierte Häfen und Küstengebiete. Dieses Brückenkopf-System schränkte die Bewegungsfreiheit der konföderierten Schiffe ein und erhöhte zugleich jene der US-Schiffe. Die Kämpfe um die Brückenköpfe waren eine der wenig bekannten Nebenfronten in diesem Krieg.

James Dunwoody Bulloch 1823 – 1901    (Bild 04)
Nachrichtendienstoffizier der CSA
Geboren: 25. Juni 1823, Savannah, Georgia, Vereinigte Staaten
Gestorben: 7. Januar 1901, Liverpool, Vereinigtes Königreich
Geschwister: Irvine Bulloch, Martha Bulloch Roosevelt
Nichten: Corinne Roosevelt Robinson, Bamie Roosevelt
Funktion in der CSA: Secret Agent and Mastermind of the Confederate Navy



Daher nächstes Mal: Der Krieg an der Küste und zur See 1861 (Teil 3): Der Kampf um die Brückenköpfe


Quellen:

  • http://www.sonofthesouth.net / http://www.civilwarhome.com / http://www.csa-dixie.com

Bücher:

  • "Der Amerikanische Bürgerkrieg und die europäischen Einigungskriege" von Brian Holden Reid, Original von 1999, deutsche Übersetzung erschien 2000 beim Brandenburgischen Verlagshaus.

  • J.M. McPherson: Für die Freiheit sterben - Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs. List Verlag, 1997.
    (Original erschienen als: Battle Cry of Freedom - The Civil War Era. Oxford University Press, New York,1988).

  • B.G.Längin: Der Amerikanische Bürgerkrieg. Eine Chronik in Bildern Tag für Tag. Bechtermünz Verlag, 1998.

  • Myron J. Smith Jr.: Civil War Biographies from the Western Waters: 956 Confederate and Union Naval and Military Personnel, Contractors, Politicians, Officials, Steamboat Pilots and Others (2015)

  • Stephen Chapin Kinnaman: Captain Bulloch: The Life of James Dunwoody Bulloch, Naval Agent of the Confederacy (2013)

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