Civil War (1861-1865) - Der Krieg an der Küste und zur See 1861 (Teil 1)

Civil War (1861-1865)Der Krieg an der Küste und zur See 1861 (Teil 1)

Blockade:
Ein Kriegsschauplatz nahm im ursprünglichen Anakondaplan von General Scott einen besonderen Status ein: Der Krieg zur See. Wenn die CSA langfristig überleben wollte, brauchte sie den Handel mit Europa, um die Güter hereinzubringen, die sie selbst nicht produzieren konnte. Um genau zu sein, war die CSA in diesem Punkte vom Seehandel abhängiger als die verbliebenen Unionsstaaten, die ja eine wesentlich höhere industrielle Produktion hatten.

Insofern war es nur folgerichtig, daß Präsident Lincoln am 19. April 1861 die Blockade der konföderierten Häfen erklärte. Er tat das zwei Tage nachdem Jefferson Davis angekündigt hatte, Kaperbriefe an private Freibeuter ausstellen zu wollen, die auf Jagd nach Unionsschiffen gingen. Lincoln ließ denn auch erklären, daß man gefangene Kaperfahrer wie Piraten behandeln würde. In der Tat spielten solche privaten Kaperfahrer am Ende auch eine eher zu vernachlässigende Rolle in diesem Krieg - diese Initiative von Davis muß vor dem Hintergrund gesehen werden, daß die CSA zunächst gar keine Marine hatte. Lincolns Blockadeankündigung jedoch wäre fast kontra-produktiv gewesen. Denn eine Blockade kann juristisch gesehen nach dem Völkerrecht nur unter bestimmten Umständen verkündet werden: Wenn die beteiligten Kriegsparteien zwei kriegführende, unabhängige Nationen sind und wenn die Partei, die die Blockade verkündet, diese auch tatsächlich wirkungsvoll umsetzen kann. Das erste führt dazu, daß man Washington im Grunde genommen vorhalten konnte, die CSA als unabhängigen Staat damit anerkannt zu haben - was Lincolns Regierung immer bestritt. Denn wäre dies so, dann hätte es für die europäischen Regierungen keinen Grund gegeben, die CSA nicht auch anzuerkennen. Dies hätte weitreichende politische Folgen im Umgang der Europäer mit diesem Konflikt gehabt. Deshalb versuchte die CSA von Anfang an mit immer neuen Vorstößen und Gesandtschaften, die durchaus sympathisierenden Engländer und Franzosen zur Anerkennung der Konföderation zu bewegen. Die Blockade war dabei ein wichtiges Argument, das die Union nur sehr schwer zerstreuen konnte.

Das zweite betraf die Tatsache, daß die Blockade anfangs eigentlich nicht wirksam war. Und damit - nach Völkerrecht -eigentlich mehr oder weniger illegal. Es ist ein altes Problem, bis heute. Denn hier gehen Theorie und Praxis ganz offensichtlich nur schwer konform, denn natürlich muß der Blockierer erstmal eine Wirksamkeit erreichen. Und dazu muß ein Blockierer hart durchgreifen – auch gegen neutrale Schiffe. Und da lag das Problem. Blockadebrecher begannen schnell damit unter neutralen Flaggen zu fahren; und wenn man britische oder französische Schiffe aus dem Verkehr zog, gab es diplomatische Komplikationen - wie wir noch sehen werden.

 Aus dieser Problematik heraus begann die Blockade von Anfang an als Wettlauf zwischen CSA und USA um die verhinderte oder durchgesetzte Wirksamkeit. Die US-Marine besaß bei Kriegsbeginn 42 Schiffe, die aber zumeist in weit entfernten Gewässern auf Patrouille waren. Sie wurden schnell zurückgerufen, denn vor der amerikanischen Küste waren nicht mal ein Dutzend Schiffe verfügbar. Die Anzahl der zum Süden übergelaufenen Marine-Offiziere betrug 373 - etwa ein Fünftel des gesamten Offiziersstandes der US-Marine. Doch das Marineministerium ist etwas findiger als das US-Kriegsministerium. Innerhalb von zwei  Monaten hatte man bereits zahlreiche Handelsschiffe gekauft oder gechartert und bewaffnet. Ab Mai ging der Seekrieg in die erste Runde. Die US-Marine errichtet schon gegen Monatsbeginn die Blockade gegen Virginia. Über diplomatische Kanäle und Pressemitteilungen werden neutrale Schiffe gewarnt, daß sie beschlagnahmt würden, wenn man sie in CSA-Gewässern erwischt. Vor Hampton Roads werden denn auch prompt die ersten 4 CSA-Handelsschiffe aufgebracht, die sich als Blockadebrecher versuchten. Die einzige Bedrohung für die Unionsschiffe sind hier zunächst die Küstenbatterien, mit denen man sich öfter ergebnislose Feuerduelle liefert.

Im Laufe des Mai wird die Sache ausgeweitet. Die USS "Constellation" macht vor der afrikanischen Küste Jagd auf Sklavenschiffe, um den Zustrom von Arbeitskräften in die Südstaate abzuschneiden. Gegen Monatsende gehen dann US-Schiffe vor  weiteren CSA-Häfen in Stellung: Die USS "Brooklyn" vor New Orleans, die USS "Powhatan" vor Mobile Bay an der Golfküste, die USS "Union" vor Savannah (Georgia).

Inzwischen hatten sich 20 Freibeuter mit Kaperbriefen der CSA aufgemacht, die US-Handelsflotte zu bejagen. Bei der Handelsmarine gab es deswegen einige, völlig überzogene Aufregung. Von Mai bis Juli 1861 brachten die Freibeuter gerademal 24 Schiffe auf. Mit einer systematischen Jagd schaffte es die US-Marine die meisten von ihnen aus dem Verkehr zu ziehen. Die Mannschaften landeten im Knast und wurden als Piraten angeklagt. Als einige zum Tode verurteilt wurden, drohte CS-Präsident Davis damit, für jeden hingerichteten Piraten einen Unionsgefangenen hin- richten zu lassen. Daraufhin machte die US-Regierung einen Rückzieher und wandelte die Todesstrafen um. Erst im Februar 1862 wurde entschieden, die Freibeuter als Kriegsgefangene zu behandeln - genau wie die Blockade ein weiteres Zugeständnis, daß es sich bei dem Krieg um mehr handelte als nur eine reine innere Rebellion.

Stephen R. MalloryDer Süden betraute den ehemaligen US-Senator von Florida, Stephen R. Mallory, nunmehr CS-Marineminister, damit, der CSA eine Flotte zu verschaffen. Gar nicht so einfach wenn man abgesehen von der Marinewerft in Norfolk keine für den Kriegsschiffsbau geeigneten Werften besitzt. Mallory war zwar als Schürzenjäger in der High Society Richmonds verschrien, aber wenn es um die Marine ging wußte er, was er tat. Noch im Mai ließ er schnell Schlepper, Kutter, kleine Dampfer aufkaufen und zu Kanonenbooten umbauen, um wenigstens die Häfen und den Mississippi schützen zu können. Außerdem ließ er erste Seeminen entwickeln, damals noch
"Torpedos" genannt (die Terminologie war damals noch nicht klar differenziert). Diese wurden schon 1861 unter anderem auf dem Potomac eingesetzt, jedoch mit nur schwachem Erfolg. Sie waren vor allem lästig für die US-Handelsschifffahrt, aber nicht sehr gefährlich.

Die erste Phase des Seekriegs war durch Mallorys umsichtiges Handeln schnell vorbei. Er sollte ihn ab dem Juni 1861 aus der Phase des improvisierten Freibeuterkriegs herausholen.

Und damit gehts nächstes Mal weiter...

Quellen:
http://www.sonofthesouth.net

Bûcher :
"Der Amerikanische Bürgerkrieg und die europäischen Einigungskriege" von Brian Holden Reid, Original von 1999, deutsche Übersetzung erschien 2000 beim Brandenburgischen Verlagshaus.

J.M. McPherson: Für die Freiheit sterben - Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs. List Verlag, 1997.
(Original erschienen als: Battle Cry of Freedom - The Civil War Era. Oxford University Press, New York,1988).

B.G.Längin: Der Amerikanische Bürgerkrieg. Eine Chronik in Bildern Tag für Tag. Bechtermünz Verlag, 1998.
 

Zum ersten ArtikelZur Übersicht

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-12-30 13:23
Creanna, du hast Post ;-)
Zitieren
#2 Creanna 2017-12-30 18:23
Andreas, du hast PN :-)
Zitieren
#3 Andreas Decker 2017-12-31 11:44
Und noch mal eine Antwort ;-)
Zitieren

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren