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Eva und Lilith

StoryEva und Lilith

Der Kalif von Bagdad hatte zwei Frauen, die er innigst liebte, jede auf ihre Weise, Eva und Lilith, nebst achtundneunzig anderen, die vornehmlich bloß dazu dienten, sein Ansehen zu mehren. Eva war brav und folgsam, sie gehorchte schon beim ersten Wort. Lilith hingegen war widerborstig, sie wollte sich nicht fügen. Sie forderte ihn zu Handlungen auf, die wohl reizvoll gewesen wären, doch für ihn als gläubigen Mohammedaner waren sie undenkbar auszuführen, denn sein Gott stand hinter ihm, und es würde ihm den Atem verschlagen.

Schön waren sie beide, Eva wie Lilith. Eva war von der Anmut des scheuen Rehs, Lilith von der der tollen Füchsin. Jede hatte das Ihre: Eva war von dem Reiz des Wassers, Lilith von dem des Salamanders auf dem heißen Stein.

Eva und Lilith verstanden sich nicht gut. Eva war die Ruhige und Besonnene, sie wägte die Worte genau, langsam kamen sie dafür aus ihrem Mund. Lilith dagegen war zänkisch und von hellem, schnellem Geist. Sie machte sich Eva gegenüber lustig über ihre Unterwürfigkeit. „Du bist unter unserem Manne“, pflegte sie Eva zu necken, „ich aber über ihm. Müsste er eine zu seiner Königin erwählen, würde ich es sein.“

Solcherart trug es sich zu im ersten Jahr.

Doch die Zeiten sich änderten, die Blätter sich wendeten.

Die Kinder, die Eva dem Kalifen gebar, waren allesamt von geradem Wuchs, umsichtig und ergeben. Liliths Brut war wasserköpfig und klumpfüßig und hatte nicht mehr Verstand als ein Kamel. Fortan saß Eva im Palast neben dem Kalifen. Lilith, verstoßen, wanderte von Düne zu Düne, auf der Suche nach brackigem Wasser und verdorrten Datteln.

Zum Autor

Bright Angel (Pseudonym) wurde Mitte der 1960er Jahre in Kärnten geboren. Er ist ein unsteter Geist und ein rollender Stein. Er schreibt Lyrik, Prosa und Hörspiele und fotografiert. Er veröffentlichte Lyrik, Kurzprosa und Fotos in Zeitschriften und Anthologien und bei „Erozuna“, „Zukunftia“, „Gangway“ und „zugetextet.com“ im Internet.

Veröffentlichungen:

  • Gedichte in „Driesch“, Nr. 5  im Jahr 2011.
  • Kurzgeschichte in „Brückenschlag“, Band 27 im Jahr 2011.
  • Kurzgeschichte in „TrokkenPresse“, Nr. 5 im Jahr 2011.
  • Prosatext in „TrokkenPresse“, Nr. 2 im Jahr 2012.
  • Gedichte in und Gedicht auf „Brückenschlag“, Band 28 im Jahr 2012.
  • Miniaturen in „WORTSCHAU“, Nr. 17 im November des Jahres 2012.
  • Gedichte in „Spring ins Feld“, 13. Ausgabe, Dezember des Jahres 2012.
  • Kurzgeschichte in „Brückenschlag“, Band 29 im Jahr 2013.
  • Prosatext in „TrokkenPresse“, Nr. 3 im Jahr 2013.
  • Gedicht in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 59, 09/2013.
  • Kurzgeschichte in der Anthologie „Mein heimliches Auge, Das Jahrbuch der Erotik XXVIII“ vom konkursbuch Verlag
  • Claudia Gehrke im Jahr 2013.
  • Gedichte in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 60, 12/2013.
  • Gedichte in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 61, 04/2014.
  • Gedichte in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 62, 08/2014.
  • Kurzgeschichte und Gedicht in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 63, 11/2014.
  • Gedichte in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 64, 04/2015.
  • Kurzgeschichte und Gedicht in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 67, 04/2016.

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