MacHale, D.J.: Pendragon - Der Anfang

Cover zu Pendragon - Der AnfangPendragon – Der Anfang
(The Merchant of Death/ The Lost City of Faar)
von D.J. MacHale
aus dem Amerikanischen von Birgit Oberg
734 Seiten; 14,00 €
ISBN: 978-3-442-26649-4
Erschienen: Herbst 2009 (D); 2002/03 (USA)
Blanvalet Fantasy

»Pendragon«. Der Titel der neuen Serie aus dem Hause Blanvalet dürfte dem ein oder anderen Fantasyfan verdächtig bekannt vorkommen. Kein Wunder, denn so neu, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat, ist die Reihe nicht.

Der amerikanische Autor und Regisseur D.J. MacHale kreierte die Reihe um den Reisenden Bobby Pendragon bereits zu Beginn des Jahrtausends. 2002 startete die Serie dann mit dem Roman »The Merchant of Death«. Einige Jahre später veröffentlichte Ueberreuter diesen und die Folgeromane in deutscher Erstausgabe.


Während die Serie in den USA bis heute erfolgreich läuft (Mitte des Jahres ist in den Vereinigten Staaten bereits das zehnte Abenteuer erschienen), war der Reihe im deutschsprachigen Raum, wie es scheint, nur wenig Erfolg beschieden. Nach nur vier Bänden stellte Ueberreuter die Serie schon wieder ein. In der deutschen Fantasyszene wurde es still um Bobby Pendragon – bis jetzt.

 
All Age-Fantasy boomt. Insofern verwundert es nicht, dass man sich in der Verlagsbranche an MacHales Serie erinnert hat und der Reihe eine neue Chance geben will. Unter dem wenig spektakulären Titel »Der Anfang« und mit einem Titelbild, das dem von Scott Mebus' »Gods of Manhattan« verblüffend ähnlich sieht, hat Blanvalet die ersten beiden Romane, »Der Händler des Todes« und »Die vergessene Stadt Faar« in einem schmucken Doppelband erneut auf den deutschsprachigen Buchmarkt gebracht. Für alle, die die Abenteuer Bobby Pendragons bislang noch nicht kennen, ist der Roman die ideale Gelegenheit, dieses Versäumnis nachzuholen.

Zum Inhalt des Buchs: Bobby Pendragon ist im Grunde ein ganz gewöhnlicher Junge. Er hat durchschnittliche Noten, ist beliebt, ein guter Basketballspieler und in das hübscheste Mädchen aus ganz Stony Brooks verknallt. Als ihn sein Onkel Press eines Tages um Hilfe bittet, verändert sich Bobbys Leben jedoch grundlegend.

Press führt Bobby zu einer verlassenen U-Bahnstation. Hier werden die beiden von einem eiskalten Gestaltwandler namens Saint Dane angegriffen, der eine Meute blutrünstiger Bestien auf sie hetzt. In letzter Sekunde können Bobby und sein Onkel dem Hinterhalt entkommen – durch ein geheimnisvolles Portal, das sie in die Welt Denduron „flumt“.

Geschockt muss Bobby lernen, dass die Erde, wie er sie kennt, nur eine von unendlich vielen ist. In Wahrheit gibt es unzählige andere Welten bzw. Territorien, die voneinander unabhängig existieren. Nur einige Auserwählte, die sogenannten Reisenden, können die Grenzen zwischen diesen Welten überwinden. Bobby ist ein solcher Reisender, deren Aufgabe es ist, die Territorien im Gleichgewicht zu halten.

Doch nicht jeder ist bestrebt, das Gleichgewicht zu wahren. Der skrupellose Saint Dane setzt alles daran, Krieg und Zerstörung zu sähen und die Welten in Chaos versinken zu lassen. Auf Denduron, einer mittelalterlich anmutenden Welt, ist er dabei, einen blutigen Bürgerkrieg auszulösen, der das Territorium schwer erschüttern könnte. Bobby muss all seine Kraft aufbringen, um den finsteren Plan zu durchkreuzen ...

Im zweiten Teil des Buchs verschlägt es Bobby auf die Wasserwelt Cloral. Auch diese steht vor einer entscheidenden Wende. Doch im Verborgenen lauert eine Gefahr, die den Untergang aller Bewohner Clorals heraufbeschwören möchte ...

Zugegeben, durch ein besonderes Maß an Originalität zeichnet sich »Pendragon – Der Anfang« nicht aus. Beide Teile des Romans sind nach ähnlichem Muster gestrickt. Die Storys sind über weite Strecken vorhersehbar und enthalten genau das richtige Maß an Action, Humor und Tragik, das den durchschnittlichen All Age-Romanen von heute zu Eigen ist. Wer also nach einer außergewöhnlichen, unberechenbaren Geschichte sucht, der ist hier falsch und sollte lieber zu anderen Büchern greifen. Wer allerdings bereit ist, ein paar Abstriche in Sachen Originalität hinzunehmen, der sollte MacHales Werk unbedingt zur Hand nehmen. »Pendragon – Der Anfang« ist ein ungemein unterhaltsames Abenteuer, das man vom Fleck weg ins Herz schließt.

MacHale hat seine Erzählung in zwei Ebenen aufgeteilt. Zum einen ist da die Geschichte um Bobby, der seine Erlebnisse aufschreibt und an seine Freunde in Stony Brooks schickt, damit diese seine Manuskripte aufbewahren. In diesen in der Ich-Perspektive geschilderten „Journalen“ (wie sie genannt werden) erfährt der Leser alles über die abenteuerlichen Verwicklungen Bobbys.

Zum anderen gibt es die Ebene um Bobbys Freunde Courtney und Mark. Die beiden ungleichen Gefährten sind die einzigen Menschen, die von Bobbys Dasein als Reisendem wissen. Gemeinsam verfolgen sie Bobbys Abenteuer gespannt anhand seiner Manuskripte und müssen sich dabei mit ganz eigenen Problemen herumschlagen.

Die Aufteilung, die MacHale hier vorgenommen hat, ist geschickt gemacht. Nicht nur, dass er Bobbys Erzählung stets an der spannendsten Stelle unterbricht und zu Mark und Courtney blendet (wie könnte es auch anders sein?). Zudem wirken die Abenteuer Bobbys dadurch viel unmittelbarer, hat man doch das Gefühl, sie Seite an Seite mit seinen Freunden mitzulesen.

Dass es sich bei »Pendragon – Der Anfang« um einen Roman handelt, der sich in erster Linie an ein jüngeres Publikum richtet, merkt man dem Buch an. Die Sprache ist einfach, die Story ist übersichtlich gehalten und die Protagonisten sind derart gezeichnet, dass sie sich im Grunde genommen schon über ihr Äußeres charakterisieren lassen. Wirkliche Tiefe findet man nicht.

Davon sollte sich aber niemand abhalten lassen, einen Blick in das Buch zu werfen. MacHale mag seine Geschichte recht einfach gestaltet haben; dennoch ist es ihm gelungen ein farbenfrohes, durchweg überzeugendes Universum zu entwerfen. Die verschiedenen Protagonisten sind samt und sonders lebendig gezeichnet, die Story verfügt über den richtigen Mix aus Abenteuer, Action und zwischenmenschlichen Momenten, der sie zu einer äußerst unterhaltsamen Erzählung macht. Nicht zu vergessen ist auch eine gute Portion Humor, die der Geschichte zu Eigen ist. Vielleicht sollte man sogar gerade diesen Aspekt besonders hervorheben; selten habe ich nämlich einen Roman gelesen, bei dem der Humor derart treffend platziert und immer im richtigen Maße vorhanden war.

Sehr schön ist auch der rote Faden, der sich durch die beiden Abenteuer zieht. Der finstere Saint Dane, so hat es den Anschein, verfolgt einen düsteren Plan, dessen Tragweite sich auch am Ende von »Pendragon – Der Anfang« noch nicht erschlossen hat. Auch hat Bobby noch eine ganze Menge Fragen zu seinem Dasein als Reisender, die noch lange nicht beantwortet sind. Die Folgebände werden zeigen, was sich MacHale hier so alles ausgedacht hat. Von daher kann man nur hoffen, dass Blanvalet nicht allzu lange auf sich warten lässt und die Folgebände in Kürze ebenfalls auf den Markt bringt. Ich persönlich habe allerdings keine Lust, mich so lange zu gedulden – die nächsten Abenteuer um Bobby Pendragon sind bereits bestellt, in englischsprachiger Fassung.

Der letzte Kommentar dürfte es deutlich gemacht haben: MacHales »Pendragon«-Saga ist eine sehr amüsante, kurzweilige Fantasysaga, die jugendlichen wie erwachsenen Lesern gleichermaßen viel Freude bereitet. Wer temporeiche und phantastische Abenteuerspektakel mag und bereit ist, über die mangelnde Originalität der Storys hinwegzusehen, der sollte »Pendragon – Der Anfang« in jedem Fall zur Hand nehmen. Ein Muss für alle Leser von Thomas Thiemeyers »Die Chroniken der Weltensucher«.

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