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Moebius: Arzach (Comic)

Moebius: Arzach (Comic)Arzach
Autor: Moebius
Zeichner: Moebius
64 Seiten
Hardcover
16,- €
ISBN: 9783936480689

Cross Cult

Man kann mit Arzach alles Mögliche machen – eine sinnvolle Inhaltsangabe zu schreiben ist jedoch eher schwierig. So wartet der Covertext auch mit einer ziemlich schrägen Rezeptur auf, die den Leser etwas ratlos zurücklässt. Genau so mag es manchem Leser gehen, der bislang weder von Moebius noch von Arzach etwas gehört hat. Alles in allem lässt sich aber festhalten, dass es sich bei Arzach weniger um eine abgeschlossene Geschichte als vielmehr um eine Sammlung verschiedener Kurzgeschichten und Zeichnungen handelt, die alle einen (etwas seltsam gekleideten) Krieger zur Hauptperson haben, der mit einem geflügelten Reitsaurier durch psychedelisch anmutende Science-Fiction-Landschaften reis
t.

Doch zunächst einige Sätze zu Moebius. Nachdem er unter seinem richtigen Namen Jean Giraud seit den sechziger Jahren für das französische Comic-Magazin Pilote die Western-Serie Leutnant Blueberry (2004 vom niederländischen Regisseur Jan Kounen mit Vincent Kassel in der Hauptrolle verfilmt) gezeichnet hatte, gründete er 1975 den Verlag Les Humanoïdes Associés, der in der Folge das Magazin Métal Hurlant herausbrachte. Für Marvel zeichnete er 1988 ein Abenteuer des „Silver Surfer“, was in auch in Kreisen, die sich eher für traditionelle Superheldencomics interessieren, bekannt machte. Darüber hinaus war er auch immer wieder fürs Kino tätig. So kreierte er beispielsweise die Raumanzüge für den ersten Alien-Film und war für das Design von „Das fünfte Element“ verantwortlich. Wem Métal Hurlant nichts sagt, der wird sicherlich entweder die Bezeichnungen Heavy Metal oder Schwermetall kennen, unter denen das Magazin  in den USA und in Deutschland herausgegeben wurde. Schwerpunkt von Métal Hurlant war von Anfang an das Genre der Science Fiction, so dass es nicht sonderlich verwundert, dass der Großteil der im vorliegenden Band enthaltenen Geschichten ebendort veröffentlicht wurde. Lediglich die einleitende, sich sowohl durch ihren Stil als auch ihren Inhalt von den anderen Storys des Bandes unterscheidende Geschichte „Die Umleitung“ wurde noch vor der Erstveröffentlichung von Métal Hurlant bereits 1973 in Pilote veröffentlicht.

Doch wenden wir uns an dieser Stelle einmal dem Inhalt des Bandes zu: Zunächst gibt es ein paar einleitende Worte von Moebius selbst, bevor dann Martin Jurgeit (Herausgeber der Comixene) einige Sätze zu Moebius und Arzach schreiben darf. Dann geht es mit „Die Umleitung“ los. Gänzlich in Schwarz-Weiß gehalten, erzählt Moebius hier von einem etwas anderen Familienausflug. Die Familie Gerard (gemeint ist Girauds eigene Familie) nimmt auf dem Weg in den Urlaub eine andere Route als gewöhnlich und kommt dabei in ziemlich seltsame Gegenden. Bereits hier wird deutlich, dass die Storys in diesem Band gerade jüngeren Lesern, die an moderne Mainstream-Comics gewöhnt sind, doch einige an Kopfzerbrechen bereiten werden. Ältere Leser und solche, die schon mal gerne in Independent-Comics schmökern, werden weit weniger Probleme mit der Art der Erzählung haben. Im Allgemeinen wird „Die Umleitung“ als (zumindest thematischer) Vorläufer von Arzach bezeichnet, da Giraud (oder Moebius) hier erstmalig mit psychedelisch anmutender Science-Fiction gearbeitet hat. Im Gegensatz zu den eigentlichen Arzach-Geschichten kommen hier zwar phantastische Elemente vor, doch wird die Story in erster Linie von der Erzählung der Familie Gerard getragen, die (wie bereits erwähnt) auf dem Weg in den Urlaub vom eigentlichen Weg abkommt und daraufhin reichlich seltsame Erfahrungen sammelt. Die Klammer zu den Arzach-Geschichten schließt sich erst mit der letzten Story des Bandes, einem 1987 erschaffenen Epilog zur Arzach-Serie, in dem auch auf die Ereignisse in „Die Umleitung“ Bezug genommen wird. Zwischen „die Umleitung“ und dem angesprochenen Epilog findet der Leser dann das, was zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung in der Mitte der siebziger Jahre (zurecht) als kleine Revolution in der Comic-Szene angesehen wurde. Arzach kommt komplett ohne Worte oder Sprechblasen aus. Bilder und Landschaften, die an zustände unter Drogeneinfluss oder wie aus Träumen entnommen wirken, erzählen kurze, teils groteske, teils komische Abschnitte im Leben des (natürlich) schweigsamen Protagonisten, welcher auf einem prähistorisch anmutenden Reitsaurier durch die Lande fliegt. Inhaltlich bieten die Storys dann auch entsprechend wenig, zumindest auf den ersten Blick. Nichtsdestotrotz bietet Arzach Lesern, die Lust dazu verspüren, natürlich reichlich Raum für Interpretationen, an denen ich mich hier aber nicht beteiligen möchte. Ein weiterer Punkt, der für damalige Verhältnisse noch ungewöhnlich war, ist die Seitenaufteilung. Während die meisten anderen Comics noch sehr starre, klassische Panelaufteilungen hatten, kümmert sich Moebius nicht um solche Konventionen. Zwar hatte er dies bereits in einigen Blueberry-Ausgaben getan, doch in Arzach treibt er es quasi auf die Spitze.

Nachdem Arzach längere Zeit nicht oder nur antiquarisch erhältlich war, ist die Veröffentlichung von Cross Cult in jedem Fall zu begrüßen. Allerdings sollten Leser, die eher dem Mainstream zugeneigt sind, die Finger von dem Band lassen. Aufmachung und Druck entsprechen der gewohnt hohen Cross Cult-Qualität, so dass jeder, der einen Blick in einen interessanten, aber nicht leicht zugänglichen Comic-Klassiker riskieren möchte, dies auch bedenkenlos  tun kann. Psylocybin oder eine Portion von Albert Hofmanns Entdeckung sind zwar nicht unbedingt notwendig, können den Konsum von Arzach aber sicher nachhaltig beeinflussen. Achtung: Dies ist kein Aufruf dazu, bewusstseinserweiternde Substanzen an sich selbst oder anderen auszuprobieren Laughing

 

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