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Johnson, Jean - Söhne der Insel (gebunden)

Cover - Söhne der Insel - Jean JohnsonSöhne der Insel
von Jean Johnson
aus dem Amerikanischen von Nina Bader
Originalausgabe: "The Sword", Berkley, New York 2007
432 Seiten, € 18,95
ISBN: 978-3-7645-3007-5
Penhaligon (Random House)


Die Romantic Times, das "Magazin for Fiction Lovers" überschlug sich vor Begeisterung über die Buchserie von Jean Johnson, deren erster Roman nun in Deutsch bei Penhaligon erschienen ist: "Johnsons wundervolles Debut signalisiert den Beginn einer wundervoll sexy und sagenhaft packenden neuen Serie."1

Ich habe mich auch überschlagen - vor Ärger über dieses Machwerk und vor Lachen über die Qualität des Buches.

Dabei ist die Idee der "Romantasy" - Romantic Fantasy - eigentlich gar nicht so schlecht, warum sollte nicht auch (durchaus *hüstel* handfeste) Erotik (oder "sexually explicit" wie Amerikaner es so gerne nennen) ihren Platz in den Welten der Fantastik haben? Und an und für sich ist die Idee, die Jean Johnson hier verbrannt hat, gar nicht übel.

Auf einer einsamen Insel, dem Festland weit vorgelagert, leben die acht Brüder der Adelsfamilie Corvis in einer Burganlage mit Donjon als Wohnturm. Jeder der Acht hat ein ausgeprägtes magisches Talent, mit einer Spezialisierung in eine eigene Richtung: Saber ist der "Waffenmacher", Rydan der mysteriöse "Nachtgänger", Trevan der "Gestaltwandler" und "Kunsthandwerker" und so weiter.

Diese Fähigkeiten würden sie zu geschätzten Mitgliedern ihres Landes machen, wenn ... ja, wenn es nicht die mysteriöse Prophezeiung der Seherin Draganna geben würde. Großes Unheil ist angekündigt für den Moment, an dem der älteste der acht Corvis-Söhne die Frau seines Herzens findet, denn "Ihr auf dem Fuß folgt das Unheil". 

Auf Entscheidung des Rates werden die acht, übrigens alles Zwillinge, auf jene Insel Nightfall verbannt, zu groß ist die Furcht des Rates davor, dass sich die Prophezeiung bewahrheiten könnte.

Tatsächlich gelingt es Saber, dem ältesten der Brüder und damit Erbe und Träger des Titels, sich über Jahre hinweg von allen Verlockungen des weiblichen Geschlechts fern zu halten, und ganz auf seine Zauberei zu konzentrieren.

Das Buch setzt ein als einer seiner Brüder, Morganen, seines Zeichens der mächtigste Magier unter ihnen, bei einer seiner mentalen Wanderungen durch den Äther eine junge Frau in einer anderen Welt entdeckt, die gerade von einem Feuer in ihrem Haus überrascht wird. Obwohl Morganen durchaus bewußt ist, dass er durch sein Handeln die Erweckung der Prophezeiung vorantreibt, rettet er die junge Frau - und besiegelt so das Schicksal der acht Brüder.

Jean Johnson - Autorin von "Söhne der Insel"

Ab da geht es mit der Geschichte rasant bergab. Es ist wirklich unglaublich, wie wenig wirklich packende Szenen sich in 430 Seiten Fantasyroman packen lassen, und dabei auch noch schlecht erzählt. 

Jean Johnson nutzt Versatzstücke, auch das nicht weiter tragisch, die in den vergangenen Jahren ein breites Publikum an Frauen erreicht haben: Eine Frau des 21. Jahrhunderts, die sich in ihrer Welt nicht wirklich zuhause fühlt, gerät durch Magie in eine andere Welt, das Zusammentreffen mit einem Mann aus einer (spät)mittelalterlich orientierten Welt, Flüche und Zauber, mittelalterliche Burgen etc.

Ein großer Teil dieser Bücher, die hier in Deutschland mit großem Aufwand vermarktet wurden (vgl. z.B. Diana Gabaldons "Outlander" und eine große Zahl ähnlicher Serien) und sich offensichtlich gut verkauften, kommen aus der Richtung der Romantic(al) Fantasy, die in den USA einen riesen Markt darstellt und dort der große Abräumer ist. 

Originalcover - "The Storm" - Söhne der Insel - Jean Johnson

Dabei bin ich mir der Tatsache bewusst, dass es sich bei dem Buch ganz klar um ein Schreibwerk aus der Richtung der "mass market paperback" (siehe u.a. Cora) handelt, das den Aufstieg in die Riege der "trade paperback" geschafft hat. 

Zielpublikum dürfte der/die Erwachsene sein, der/die  zwischen Büroarbeit und Wäsche oder während des Wartens auf den Ehegatten am abendlich verwaisten Esstisch einen Schuss Leben und Erotik brauchen. Das Originalcover des Buches stellt denn auch  für die potenzielle Leserschaft die Zielrichtung klar - anders als das deutsche, das eine Fantasystory ganz anderen Kalibers erwarten lässt. Auch der Klappentext läßt nicht auf die eigentliche Richtung schließen, die laut Angaben der Autorin und begeisterten Leserschaft voller Witz sein soll.

Die "Sons of Destiny" schaffen meiner Meinung nach den Sprung vom "Billigtaschenbuch" im Supermarktregal, das gar nichts anderes sein will als einfache Unterhaltung, zum anspruchsvolleren Taschenbuch in keiner Weise. Alles an dieser Story erinnert mich an jene Plots, die pubertierende junge Mädchen entwickeln, die glauben Schriftstellerinnen zu sein, ihre Geschichten mit feuchten Fingern in Kladden kritzeln und diese dann mit hochroten Ohren ihren Freundinnen zum Lesen geben. 

Dazu gehören acht Seiten ausführliche Beschreibung eines Großputzes im gesamten Schloss, bei dem die unerbittliche Kelly die Magierbrüder dazu bringt, endlich mal richtig Ordnung im Turm zu machen, oder die wahrhaft grauenvolle Kleidung, die Jean Johnson den armen Protagonisten bei ihrer Hochzeit auf den Leib schneidert: "Sie" in einer enganliegenden Hose, darüber einen unregelmäßig zipfelig auslaufenden Rock über einer Bluse mit miederartigen Weste (alles in aquamarinblauer Seide und verziert mit weißer Spitze - das geht ja nun gar nicht, dabei hat ihr der liebende Saber doch erst wenige Kapitel zuvor kostbare Bänder zum Besatz von Kleidern geschenkt), "Er" in einer Hose sowie Hemd und Tunika - ebenfalls aus aquamarinblauer Seide (puuuhhh).

An sich ist es so gar nicht meine Sache, mich über die Fantasie und Vorstellung eines Autoren in dieser Form lustig zu machen - aber ich kann einfach nicht anders:

Sein linkes Auge begann zu zucken, dann seine Halsseite und seine Brustmuskeln, dann zuckte seine gesamte linke Körperhälfte. (S. 107)

Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass dies biologisch wirklich schwer zu bewerkstelligen ist, in dem Fall würde ich den Ärmsten packen und sofort mit  starken Verdacht eines Schlaganfalls in die nächste Notaufnahme bringen.

Ähnlich eigenwillig der Moment als Kelly gedanklich feststellt in dieser seltsamen Welt, in die sie geraten ist, fehle es "nicht nur an Technologie sondern auch an Uhren". 

Kelly erfüllt - ebenso wie Saber - alle Klischees, die in so einem Roman zu erwarten sind. Saber ist breitschultrig, gut aussehend (klar), ich weise nur auf das Cover des Originals hin. Kelly selbst ist nicht sehr groß, an den "wichtigen Stellen" wohl gerundt, dabei aber offensichtlich schlank - wie schlank (das muss schon extremste Magersucht sein) beschreibt die Tatsache: "als sie sich erhob, um wieder aus der Wanne zu klettern, drehte er sich um und schloss seine gesunde Hand um ihren Oberschenkel." (*häh??*)

Von Beginn an hat dieses Buch die Qualität einer "Liebesschmonzette in Gewandung", die nur dann ein gewisses Maß an echter Originalität erreicht, als Kelly und die acht Magiere auf ihrer Insel eine "Invasionstruppe" mit Steinschlosswaffen entdecken, gegen die sie sich behaupten müssen.

Cover - "The Wolf" von Jean JohnsonAber auch hier setzt Jean Johnson auf den ungebremsten Liebeshunger der Protagonisten, die sogar in dieser Situation die Möglichkeit zu einem kleinen Schäferstündchen finden (Lassiter und der Kaktus lassen grüßen).

Es gibt noch andere (Liebes-)Szenen, die ich zu gerne zitieren würde, einfach weil sie so "daneben" sind und wortwörtlich aus jenen Heften jener pubertierenden Mädels stammen könnten, die tief vergraben im Keller in einem verstaubten Karton liegen ... aber das erspare ich mir hier - wer eine persönliche Lesung möchte (zwecks der Lacheffekte), kann sich melden.

Meiner (durchaus nicht maßgeblichen) Meinung nach hofft Penhaligon mit dem Erstlingsband der Serie auf einen ähnlichen Erfolg wie ihn der Schwesterverlag Blanvalet mit Gabaldon verbuchen konnte, und streckt mit dem fünften Buch ihres "Ersten Programms" seine Fühler denn in den Bereich der Romantic(al) Fantasy, der als einer der großen kommenden Märkte von einigen Insidern bezeichnet wird.

Und DIESES Mal bin ich doch tatsächlich dafür, den Büchern dieser Riege groß und deutlich lesbar ein Marketinglabel aufzudrücken: den Button "Romantikfantasy"  - damit ich weiß, dass ich von diesen Büchern tendenziell meine Finger lasse.

Cover - "The Flame" von Jean JohnsonEnglische Originalbände:
Bd 1: "The Sword" - erschienen Februar 2007
Bd 2: "The Wolf" - erschienen April 2007
Bd 3: "The Master" - erschienen September 2007
Bd 4: "The Song" - erschienen Februar 2008
Bd 5: "The Cat" - erschienen Juni 2008
Bd 6: "The Storm" - erscheint September 2008
Bd 7: "The Flame" - terminiert für Dezember 2008
Bd 8: "The Mage" - Abschlussband - terminiert für April 2009

Auf ihrer offiziellen Website sagt Jean Johnson unter F.A.Q., dass sie andere Geschichten in Planung hat, darunter auch aus dem Bereich Science Fiction2. Ebenfalls auf dieser Seite findet sich die Kurzgeschichte "Angel of Mercy" aus dem Jahr 2007, die mich wesentlich mehr überzeugt hat als das Buch "Söhne der Insel". 

 

Quellen:
1 http://www.romantictimes.com
2 http://www.jeanjohnson.net (auch Coverabbildungen und Autorenfoto)

Kommentare  

#1 Gabriel Adams 2008-09-10 11:06
Wie immer eine klasse Rezension, Bettina. Frei von der Seele weg und genauso offen und schonungslos wie die deine positiven Kritiken. So sollen Rezis sein, so sind sie hilfreich!
Jetzt habe ich aber mal eine Frage, die dieses Buch nur teilweise betrifft.Weißt du zufällig, welche Werke Penhaligon in Zukunft noch herausbringen möchte? Von Fantasybüchern kriege ich nämlich nie genug, und mögen die bisherigen Werke den Zauberspiegel-Kritiken zufolge ja auch eher mau ausfallen: An dem Buch "Königsmacher" bin ich trotzdem nicht vorbeigekommen, und wer weiß, vielleicht ist bei den kommenden Veröffentlichungen ja ein echtes Juwel dabei...
#2 BettinaM. 2008-09-10 16:29
Hallo Gabriel,
danke für das Lob ... ich habe lang überlegt ob ich so "böse" werden will ... ich bin ja eher die diplomatische :-* .

Das Folgeprogramm von Penhaligon kennen wir bisher nicht.

Zum Königsmacher: Ich bin mit dem 2. Teil des 1. Buches durch, meine Ergänzungsrezension kommt heute oder morgen Nacht. Ich will dich neugierig machen, denn meine Meinung zum Buch erfährt gerade eine Veränderung *hinthint* ;-)
#3 Gabriel Adams 2008-09-10 19:54
Das mit dem neugierig machen ist dir gelungen :D
Steiegrt sich die Handlung oder fällt sie ab? Ich bin echt gespannt, was du dazu meinst. Bei mir dauert es leider noch ein wenig, bis ich mich endlich an das Buch heranwagen kann - mein Buchregal hat eine Menge Bewohner, die allesamt noch gelesen werden möchten.
Aber wer weiß, welche Auswirkungen der zweite Teil deiner Rezi haben wird...
Ich freue mich auf den Artikel!

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