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Ein phantastischer Filmklassiker - Folge 107 Eine gigantische Schildkröte kommt in Wallung

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 107
Eine gigantische Schildkröte kommt in Wallung

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. In der Phantastik ist eine wichtige Frage immer: Was wäre wenn?


Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt (Gamera tai Daimaju Jaiga)Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt (Gamera tai Daimaju Jaiga)
Warum das Monster Guila eigentlich gleich nach dem ersten Kaiju-Movie wieder in Rente ging, wissen wahrscheinlich nur die Verantwortlichen der japanischen Filmschmiede Shochiku. Der Erfolg war ihm ja schon in Japan bei den Kindern absolut sicher. Da hätte es auch eigentlich weiter gehen können. Doch dem war nicht so.

So hatte fasst unangefochten die japanische Filmgesellschaft Toho mit Godzilla, Mothra, Rodan, Gigan oder King Ghidorah und dem restlichen Heer an Monstern die Nase vorne, wenn es darum ging, auf der Kinoleinwand mal wieder halb Tokio oder Osaka platt zu walzen.

Fasst eben, wäre da nämlich nicht die ebenfalls japanische Filmschmiede Daiei Motion Picture Company gewesen, die mit einem schildkrötenartigen Monster namens GAMERA zwar nie aus dem gewaltigen Schatten von Godzilla heraustreten konnte, aber bis 1980 zumindest in seinen großen Fußstapfen folgte. GAMERA gelang zudem laut der filmischen Konzeption, das er wie Guila zum Liebling der japanischen Kinder aufstieg. Denn er wandelte seinen Charakter bald kaum noch wirklich, was ihn ebenfalls von der Monsterechse Godzilla unterschied. Godzilla nämlich konnte in manchen früheren Filmen recht familienfreundlich die Gefahren durch andere Monster bekämpfen, aber auch selbst zur Gefahr werden, was die Kids dann in Japan etwas vorsichtiger Jubeln ließ, wenn Godzilla gerade mal wieder am Ufer von Japan auftauchte. In diesem Punkt blieb GAMERA also berechenbarer als seine offensichtliche Vorlage seitens Toho.

Hatte Godzilla (Gojira) 1954 seinen ersten, nicht gerade menschenfreundlichen Auftritt in den Kinos, womit man das japanische Trauma um die US-Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki auch in gewisser Weise thematisierte, so pellte sich  1965 dann die Superschildkröte GAMERA aus dem ewigen Eis der Arktis.

Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt (Gamera tai Daimaju Jaiga)Aufwachen! - Der Atomwecker knallt!
Auch bei GAMERA war hierfür eine Atombombe verantwortlich. Die explodierte nämlich, als ein sowjetischer Bomber über der Arktis  im Territorium der USA abgeschossen wird. GAMERA ist dabei der letzte seiner Art und über 8000 Jahre jung und eben auch im Eis recht frisch geblieben. Seine eigentliche Heimat hatte er im übrigen auf dem ehemals versunkenen Kontinent Atlantis.

Aber erst zwei Jahre nach dem ersten erscheinen von GAMERA durch eine Atomexplosion legten dann Shoji Otomo und Shogo Endo die eigentlichen anatomischen Besonderheiten der Riesenschildkröte fest. Neben dem Aussehen, das eher dem freundlichen Lächeln einer Schnappschildkröte nahe käme bei diesen Zähnen, zieht unser GAMERA z.B. seinen Kopf und die anderen Gliedmaße auch flott ein und kann so wie eine rotierender Kreisel fliegen. Oder er zieht schlicht nur die hinteren Beine ein und startet wie ein Düsenjet, wobei er die vorderen Gliedmaße wie Steuerruder verwendet. Aufgerichtet auf den Hinterbeinen ist GAMERA lockere 60 Meter groß und sein Kampfgewicht liegt bei schlappen 80 Tonnen.

Selbst in Sachen Geschwindigkeiten hatte man sich für diese Figur auf feste Daten festgelegt. Seine maximale Fluggeschwindigkeit liegt so gleich mal bei Mach 3, mit den Wanderschuhen ist er am Boden mit maximal 20 Metern pro Sekunde unterwegs und im Wasser bringt er es schwimmend noch auf 150 Knoten.

Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt (Gamera tai Daimaju Jaiga)Wirklich interessant wird es aber, wenn es an das Innenleben von GAMERA geht, denn das hat irgendwie Ähnlichkeiten mit einer explosiven Chemiefabrik. So besitzt er mehrere Kammern innerhalb seines Körpers, die als Speicher für Feuer, Kohle, Magma, Öl oder Uran funktionieren. Und diesen Inhalt wandelt er bei Bedarf um, um seine geballte Kraft zu erhalten oder durch die Umwandlung in pure Energie seinen Feueratem (oder Feuerbälle) im Kampf einzusetzen. Dieses Spiel mit den besagten Kammern wiederholt sich dann nochmals in seinen Gliedmaßen, um hier die benötigte Energie zum fliegen sicher zu stellen. Wenn GAMERA das nicht zu einem expolsives Bürchen macht, dann weiß ich  auch nicht mehr weiter.

Ein neuer Riesenspaß mit Frankensteins tollen Tierchen!

(Zitat: DVD Backcover)

Nun kann man sagen, dass ja auch Godzilla und Co. mit einer Menge Energie innerhalb ihres Körpers herum rennen und lustig mit ihren Feuerstrahlen ganze Vorgärten in Schutt und Asche legen können. Doch GAMERA ist der Mutter aller Kaiju-Monster (schließlich hat Godzilla ja schon mal ein Ei gelegt und somit auch Nachwuchs bekommen) trotzdem etwas voraus, denn in den späteren Filmen, faktisch einem Reboot der älteren Filmreihe, kann sich GAMERA auch telepathisch mit den Menschen verbinden und auch daraus Kraft schöpfen. Ja, so gelingt es durchaus auch, ihn sogar wiederzubeleben, wenn mal beim Kampf gegen ein anderes Monster etwas schief gelaufen sein sollte.

Hatte man spätestens ab dem Moment, als Godzilla Nachwuchs auf der "Insel der Monster" bekam, eine (gewisse) Sicherheit, das Er in Wirklichkeit eine Sie sein könnte, so ist das Geschlecht bei GAMERA bis zum heutigen Tag ein gut gehütetes Geheimnis. Aber in Sachen Godzilla gibt es ja auch noch die These, das dieser beide Geschlechter in sich vereinigen könnte, womit Godzillas Nachwuchs  schon einer biblischen Jungfrauengeburt recht nahe kommt. Die Idee mit den beiderlei Geschlechtern im Monster-Gesamtpaket hatte dann ja  auch Roland Emmerich 1998 in seiner US-Godzilla-Version übernommen, die man aber schlicht als eine miese Kopie des japanischen Originals betrachten darf, auch wenn man hier mit jeder Menge Spezialeffekte aus dem Computer um sich geschmissen hatte. Doch kommen wir nun wieder zurück zu unserem eigentlichen "Helden" in Monstergestalt. Der wohl wesentlichste Unterschied zwischen Toho's Godzilla und Daiei's GAMERA lag und liegt wohl darin, das GAMERA überwiegend als Beschützer der Menschheit auftritt, während Godzilla hier locker schon mal die Seiten wechselt wie unsere Chefs die weißen Hemden um ihre schwarze Seele zu überdecken.

 Immer ran und immer rein - so schön ist's nur bei Frankenstein!

(Zitat: DVD Backcover)

Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt (Gamera tai Daimaju Jaiga)Schauen wir uns doch hier, bevor wir nun zum Inhalt des Films GAMERA GEGEN JIGGAR kommen (den Rest mit Frankensteins ... bla ... bla ... bla, lasse ich mal hier weg), schauen wir uns doch mal an, in welchen Filmen er so durch die japanischen Städte stampfte.

Die erste Filmreihe:
1965: Gamera - Frankensteins Monster aus dem Eis
1966: Gamera gegen Barugon: Frankensteins Drache aus dem Dschungel
1967: Gamera gegen Gaos: Frankensteins Kampf der Ungeheuer
1968: Gamera gegen Viras: Frankensteins Weltraummonster greift an
1969: Gamera gegen Guiron: Frankensteins Monsterkampf im Weltall
1970: Gamera gegen Jiggar: Frankensteins Dämon bedroht die Welt
1971: Gamera gegen Zigra: Frankensteins Weltraumbestie schlägt zu
1980: Gameras Kampf gegen Frankensteins Monster

Die Reboot-Reihe:
1995: Gamera: Guardian of the Universe
1996: Gamera 2.: Attack of the Legion
1999: Gamera 3.: Revenge of Iris
2006: Gamera the Brave
2015: Gamera

Wir kommen hier also durchaus auf eine stattliche Zahl an Leinwandauftritten unseres Berserker-Turtle von Daiei. Lustiger Weise kam ein Film von GAMERA auch mit einigen anderen, verwirrenden Titeln in Deutschland in die Kinos bzw. in den Verleih und Verkauf. So wurde der Film GAMERA GEGEN BARUGON: FRANKENSTEINS DRACHE AUS DEM DSCHUNGEL auch noch unter den Titeln DRAGON WARS - KRIEG DER MONSTER oder PANIK! DINOSAURIER BEDROHEN DIE WELT verwurstet. Doch wirklich übel waren dann letztendlich die weiteren deutschen Titel GODZILLA - MONSTER DES GRAUENS und GODZILLA - DER DRACHE AUS DEM DSCHUNGEL für diesen zweiten GAMERA-Film.

Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt (Gamera tai Daimaju Jaiga)Das Elend mit den deutschen Titeln:
Beim deutschen Filmverleih war man schließlich noch nie verlegen darin, andere, werbewirksamere Namen in eingedeutschte Titel einzubinden, um für mehr Kinobesucher oder höhere Absätze zu sorgen. Das merkt man schon, wenn bei den Kaiju-Filmen Namen wie FRANKENSTEIN oder KING KONG auftauchen, obwohl diese Figuren nichts, aber auch überhaupt nichts mit dem Film zu tun hatten. Als KING KONG bezeichnete man so z.B. im Titel und der deutschen Synchronisation schlicht einen Roboter, der mitunter absolut keine Ähnlichkeit mit dem Riesenaffen des US-Kinos hatte.

Wirklich dreist wurde man aber bei dem zweiten GAMERA-Film. Denn hier baute man schlicht den Namen "Godzilla" ein, der in diesem Film zu keinem Zeitpunkt vorkommt. Selbst in der deutschen Synchronisation hatte man dann plötzlich GAMERA nach seinem Gegner Barugon umbenannt und das Monster Barugon dann mit dem Namen Godzilla aufgepeppt. Selbst 2003, als man den Film als DVD unter dem Titel DRAGON WARS - KRIEG DER MONSTER heraus brachte, warb man mit "Godzilla" fälschlicher Weise auf dem Cover und dem Backcover der DVD. Das Originalmonster Godzilla aus dem Toho Studio tauchte allerdings hier nie auf, was auch völlig normal ist, denn schließlich war Daiei mit seiner Figur des GAMERA ein konkurrierendes Filmunternehmen und hatte mit dem Monster-Universum von Toho nichts gemein. Man darf sich also bezüglich dieser profitorientierten Schummeleien des deutschen Filmverleih mal wieder ordentlich fremdschämen. Doch kommen wir jetzt zum Inhalt des GAMERA-Films, den ich hier in meiner Kaiju-Filmecke für euch herausgesucht habe.

Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt (Gamera tai Daimaju Jaiga)Wenn die Statue einem was pfeift:
Um die Weltausstellung in Japan etwas aufzupeppen, wird eine uralte Statue, die man bei Ausgrabungen gefunden hatte, gleich auf dem Luftwege nach Osaka geschafft. Doch schnell bemerkt man, das dieses Relikt seltsame Töne von sich gibt, die man sich zuerst nicht erklären kann. Das die Erbauer hiermit aber damals sogar eine gewaltige Gefahr für die Menschheit bannen wollten, dürfte den Verantwortlichen erst dann klar geworden sein, als sie mitbekommen, was sich aus den Tiefen der Erde befreit hat und dieser Statue nun bis Osaka folgt.

Es ist das Monster JIGGAR, das sich dieser Statue bemächtigen will, um nicht nochmals in seiner zerstörerischen Freiheit behindert zu werden. Und um an diese Statue heran zu kommen, walzt sich der riesige JIGGAR auch bald mit brutaler Gewalt durch belebte Städte.

Diesem üblen Treiben kann das menschenfreundliche Monster GAMERA natürlich nicht lange zusehen, zumal auch er die Klänge der Statue vernimmt und Eins und Eins schnell zusammenrechnen kann. Die Menschen samt dem Militär stehen JIGGAR faktisch hilflos gegenüber, weshalb sie mit dem Auftauchen von GAMERA als weiteres Monster so ihre Schwierigkeiten haben. Nur die Kinder scheinen zu erkennen, das GAMERA ihnen nur zu Hilfe eilen will.

Die Riesenschidkröte GAMERA muss aber selbst auch recht schnell feststellen, das JIGGAR nicht gerade ein Häppchen für zwischendurch ist, sondern auch für ihn eine durchaus ernstzunehmende Gefahr darstellt. Als JIGGAR anfängt, Osaka in Schutt und Asche zu legen scheint GAMERA in ihm dann auch seinen Meister gefunden zu haben und wird schwer verwundet. Der giftige Schwanzstachel, den JIGGAR ihm in den Leib rammt, versetzt GAMERA nicht nur in eine Art Schockstarre, wobei sich ganze Teile seines Körpers weiß verfärben, sondern pflanzt ihm sogar ein Ei seitens JIGGAR ein. Aus diesem schlüpft ein weiterer, noch kleines JIGGAR-Baby der nun im Körper von GAMERA heranwächst wie ein todbringender Parasit.

Nur die Kinder scheinen zu wissen, wie man GAMERA noch retten könnte, zumal man ihn ja auch gegen den bösen JIGGAR benötigt. Und da die Erwachsenen eh irgendwie mit ihrem Latein am Ende sind, ist es der kleine Hiroshi und sein Kumpel Tommy, die mit einem kleinen U-Boot in den nun eher leblos am Wasser liegenden GAMERA einfahren, um diesen wiederzubeleben und dem JIGGAR-Baby in ihm den Hahn abzudrehen.

Die Aktion der beiden Jungen gelingt und sie schaffen es sogar, rechtzeitig aus GAMERA wieder heraus zu kommen. Dieser macht sich nun auch um einige üble Erfahrungen mit JIGGAR reicher daran, dem Treiben dieses Monstervieh das verdiente Ende zu setzen. Doch hierzu benötigt GAMERA nicht nur die eigenen, urgewaltigen körperlichen Kräfte, sondern auch die Statue, die samt JIGGAR wieder zurück an ihren ursprünglichen Ort gehört. Und in diesem Punkt müssen die Menschen schon ein wenig mit GAMERA zusammenarbeiten, der ihnen hirfür kämpfend den Rücken freihält.

Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt (Gamera tai Daimaju Jaiga)Meine Filmkritik:
Nein, an Godzilla von Toho kommt GAMERA nun wirklich nicht ganz heran, auch wenn die Reboot-Filme über den grünen Klee gelobt wurden, was die Spezialeffekte und die Storys anging. Nun gehört GAMERA GEGEN JIGGAR aber auch nicht zu der Reboot-Reihe um die Monsterschildkröte mit dem Gebiss eines afrikanischen Warzenschwein.

Das lag schlicht auch schon damals in meiner frühen Jugendzeit daran, das GAMERA eigentlich viel zu nett war. Das konnte Godzilla zwar auch schon mal sein (und sogar lustig), aber ihn umwehte schon aus der Erfahrung vieler besuchter Jugendvorstellungen im Kino immer das Mantra einer gewissen Unberechenbarkeit. Schließlich konnte die Echse auch ganz anders und damit eben absolut nicht lieb oder lustig.

Das, wie hier im Film dann auch noch zwei Jungs in einem Mini-U-Boot in GAMERAS Speiseröhre hinein dampfen um ihn aus der tödlichen Schockstarre zu erretten, ist im Rückblick gesehen dann auch etwas zu viel des Guten. Das GAMERA gerade unter den japanischen Kindern (und wohl nicht nur dort) damals so viel Zuspruch erhielt, dürfte angesichts solcher Handlungsstränge aber auch kaum ein Wunder sein. Diesem Muster blieb man auch in der Reboot-Reihe ziemlich treu, wo ebenfalls Kinder innerhalb der jeweiligen Handlung keine unbedeutende Rolle spielen.

Gerade bei GAMERA GEGEN JIGGAR zeigt sich aber auch recht schön, das die Schildkröte mitunter in einigen Szenen härter leiden musste, als es vergleichsweise bei den Filmen zu Godzilla seitens dem Toho Studio der Fall war. Da wird GAMERA durch die Stacheln von JIGGAR genüßlich durch alle Gliedmaßen förmlich gekreuzigt um später dann noch mit dem vergifteten Schwanzstachel halb ins Jenseits befördert zu werden. Natürlich darf sich GAMERA am Ende für solche Brutalitäten revanchieren, kommt dabei aber nicht umhin, sich wegen JIGGARs akustischen Angriffen gleich zwei Telefonmasten bis zum Anschlag in die Gehörgänge zu rammen.

Man wird hier also durchaus auch entschädigt für ein nerviges kleines Mädchen (man achte hier mal auf Hiroshis kleine Schwester) und dummen Erwachsenen, die nicht begreifen wollen, das sie mit den Monstern in ihrer Welt umzugehen lernen müssen und GAMERA eigentlich hierbei sogar ihr Beschützer ist. Und es sind hier in der Handlung gerade die Erwachsenen, die mitunter einen dümmlichen Dialog nach dem anderen zum Besten geben dürfen. So wird dem Zuschauer damit auch mit brachialer Gewalt, ähnlich einer geschwungenen Dachlatte, durch die Augen und Ohren formschön ins Gehirn gehämmert, das man in Sachen Monster und Weltrettung besser gleich auf die anwesenden Kinder hören sollte.

Trotzdem hat auch GAMERA hier irgendwo zwischen offensichtlichem Trash, kindlicher Unschuld und saftigen brutalen Szenen einen Charme, der den Kaiju-Filmen von damals trotzdem irgendwo gut zu Gesicht stand.

Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt (Gamera tai Daimaju Jaiga)Heute sitzt man zwar nicht mehr wie früher als Kind mit klopfendem Herzen in einem finsteren Kinosaal und fühlt sich fasst schon bei der riesigen Leinwand mitten im Geschehen der Geschichte, sondern verfolgt das Spektakel nun eher mit einem Lächeln im Gesicht auf dem heimischen Bildschirm. Doch seien wir mal ehrlich, irgendwo, spätestens wenn das Monster zum ersten mal im Film über die Mattscheibe stampft, kommt das süße Gefühl der Nostalgie wieder etwas hoch und man denkt gleichsam Dankbar an die schöne Jugendzeit zurück, in der man regelmäßig zu den Monstern ins Kino geeilt ist um sie dort mit offenem Mund und kindlicher Phantasie zu bestaunen.

Die Zitate vom Backcover der DVD dürften wohl auch schon damals auf den Kinoplakaten zu finden gewesen sein. Die sollten vielleicht auch lustig gemeint sein, doch auch die sind (nicht nur) aus heutiger Sicht eher schon zum fremdschämen. Schließlich hat für diesen Blödsinn in Wort und Schrift der besagte Schreiberling wohl auch noch Geld erhalten.

Das staunen mit dem offenen Mund und das Herzklopfen hinsichtlich der aufkommenden Spannung können wir heute, viele Jahrzehnte später natürlich nicht zurückholen, aber der Spaßfaktor für diese Trash-Monster ist nach wie vor vorhanden. Und nichts ist im Leben so wichtig und gleichsam so unvergänglich wie der Spaß. Von daher kann ich GAMERA GEGEN JIGGAR - FRANKENSTEINS DÄMON BEDROHT DIE WELT wirklich noch vier von insgesamt fünf Spaßpunkte zugestehen. Den fünften Spaßpunkt muss ich aber leider einbehalten, weil die Mutter aller Kaiju's - Godzilla - dann doch oftmals noch einen (kleinen) Zacken besser war.

Ausblick:
DER FILMKLASSIKER wartet wieder auf euch. Hier nehmen wir uns daher mal der eher noch jüngeren Geschichte an, die nicht wirklich so lustig gewesen ist. Diktatur, Krieg und Dummheit sind eben alles andere als lustig, wenn man es richtig betrachtet.

Letzteres ist auch eigentlich mit ein Grund, weshalb ich nicht sonderlich gerne Kriegsfilme schaue. Die US-Filme dieser Sparte sind mir zudem oft einfach zu dümmlich patriotisch bis nationalistisch und warten oft auch mit einem Riesengepäck an Lügen auf, wenn es um das Warum und Wieso geht. Man muss sich hier nur einmal Filme wie DIE GRÜNEN TEUFEL ansehen, wo nicht nur John Wayne mit krummen Beinen läuft, sondern die gesamte Handlung vor lauter verlogener Propaganda kaum noch einen Fuß vor den anderen bekommt. Bei diesen Filmen schwillt mir dann vor Zorn meistens die Halsschlagader an, so das ein Artikel zu solchen Filmen hier von mir wohl schwer verdaulich zu lesen sein dürften. Aber keine Angst, diese besagten Kriegsfilme packe ich mit der Kneifzange nicht (mehr) an und erspare mir und euch daher auch eher derbe Artikel hierzu.

Doch gehen wir noch etwas weiter in der Zeit zurück und zwar in die Zeit des Zweiten Weltkrieg. Der mir hierzu vorliegende Film auf BD gehört zu den ganz wenigen Filmen dieses Genre, den ich durchaus ohne Wutausbrüche hinsichtlich einer möglichen, eingearbeiteten üblen Propaganda anschauen kann.

Der Film selbst kommt dabei ohne Farbe daher und betrachtet das Geschehen von vielen verschiedenen Seiten. Dabei verfügt der Film über eine lange Liste von Namen, die im Filmgeschäft damals schon wirklich ganz oben mitmischen konnten. Da dürfen dann viele große Namen z.B. aus Hollywood, aber auch anderen Ländern nicht fehlen, auch wenn jeder einzelne Darsteller bzw. Darstellerin hier nur jeweils eine von vielen wesentlichen Rollen spielt, die der Film aufzubieten hatte. Wenn es also an die Auflistung der Darstellerinnen und Darsteller geht, kann ich in diesem Artikel nur eine gewisse Auswahl treffen um dies zu verdeutlichen. Mit einer Seite käme man bei der Menge nämlich hier mit Sicherheit nicht aus in Sachen beteiligter Schauspielerinnen und Schauspieler.

Verraten kann ich hier zudem noch, das es sich hier um ein ganz besonderes Ereignis im Kriegsverlauf dreht und das ich auch in Sachen Handlung nicht wirklich alles in einen Artikel hinein packen kann. Auch das würde die Länge meines nächsten Artikels wohl regelrecht sprengen. Und faktisch habe ich euch hier schon wieder viel zu viele Infos gegeben. Darum beende ich hier auch gleich meine Ausführungen, wünsche euch viel Spaß beim Rätseln und verbleibe bis zum nächsten Samstag, wenn es wieder heißt, DER FILMKLASSIKER ist da.    

Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt (Gamera tai Daimaju Jaiga)
Gamera gegen Jiggar - Frankensteins Dämon bedroht die Welt
(Gamera tai Daimaju Jaiga)
mit Tsutomu Takakuwa, Kon Omura, Ryo Hayami, Kelly Varis, Katherine Murphy, Junko Yashiro u.a.
Regie: Noriaki Yuasa
Drehbuch: Nisan Takahashi
Produktion: Daiei Motion Picture Gompany
Genre: Kaiju/Fantasy
Laufzeit: 79 Minuten (Gamera Classic No.6)
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Cult Movie Entertainment
Japan 1970

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2017-09-09 10:43
Habe ja schön des öfteren betont, dass ich ein absoluter Fan der guten, alten Kaijus bin. Mein erster Gamera-Streifen war dann, als junger Bursch, "Gamera gegen Gaos".
W i e billig die Dinger wirklich waren, das erschliesst sich einem offensichtlich erst, wenn man dem Kleinkind-Alter entwachsen ist. Macht aber trotzdem nix.

Der erste Gamera (in s/w) kam ja nie in die deutschen Filmtheater und hatte bekanntlich vor einiger Zeit sein Debut als "Gamera...Frankensteins....." Was den zweiten betrifft: In den deutschen Kinos hiess der zuerst "Godzilla, der Drache aus dem Dschungel". (aus erfindlichen Gründen..) Danach (ca. ab 1977 in einer Wiederaufführung) "Panik -Dinosaurier bedrohen die Welt.." und nun sei einiger Zeit eben "Dragon Wars..."

Gamera gegen Jiggar hat auf DVD leidereine total miese Synchro, weil die alte angeblich verloren ging. Das mildert den "Kaiju-Spass" gewaltig ab. Soviel ich noch weiss, gab es die von dir erwähnten Zitate nicht auf den Filmplakaten..

Zum Ausblick:Ich nehme an, dass dies der Film ist, in dem Ur-Bond Connery und "unser" Hardy Krüger dabei sind: "Die B...von A..."?
#2 Andreas Decker 2017-09-09 11:58
Den muss ich tatsächlich als Kind gesehen habe, das mit dem Stachel und der Herzmassage ruft dann doch Erinnerungen wach. Aber ich glaube, das war auch der Einzige der Gamera-Filme, den ich gesehen habe. Es ist nicht mehr meins.

@Friedhelm Den erwähnten Film von voriger Woche muss ich auf einem Spartenkanal gesehen haben. Sky Nostalgie, Kabel 1 Classics, irgend so was. Könnte Mothra gewesen sein.

Zum Ausblick:
könnte auch der mit Curd Jürgens und Heinz Reincke sein, der mit Überlänge.
#3 Friedhelm 2017-09-09 12:11
Wenn ich's recht überlege, dann könnte das, was der Decker vermutet, natürlich auch (oder viel wahrscheinlicher?) der Fall sein.

Der Film hatte neben Ken Anakin diverse, andere Regisseure. Und neben uns Curd und dem Heinzerl war da ja Sean Connery ebenfalls dabei.

@Andreas: Da liegst du mit Mothra richtig. In wohl (fast) jedem Film mit dieser Ur-Motte waren ja auch zwei Zwillingsschwestern zu sehen, die dann MOthra mit ihrem Gesang erweckten. Könnte man dann tatsächlich als zuckersüß bezeichnen..
#4 Laurin 2017-09-09 12:39
@ Friedhelm & Andreas Decker:
Das war die Motte Mothra und bei ihr kamen dann auch die kleinen singenden Zwillinge zum Einsatz. :-)

Das die zwei Zitate vom DVD-Backcover nicht auch auf den Kinoplakaten waren, verwundert mich etwas. Denn diese seltsam witzigen Sätze haben so was von einem 70er Jahre Flair das es schon weh tut.

Was den "Ausblick" angeht, da spielte Connery in beiden von euch angedachten Kriegsfilmen mit. Aber die Idee mit der "Überlänge" würde ich hier mal eher umkreisen. :lol: Obwohl, mal ganz unter uns, die beiden Filme haben beide Überlänge. :-*

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