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Ein Roman, der sich lohnt - Das ist Ihr Sarg, Sir

Dr. MortonEin Roman, der sich lohnt
Das ist Ihr Sarg, Sir

Der Titel mag etwas beliebig sein. Ist es vielleicht die nette Auskunft eines Leichenbestatters zu einem Kunden, der zu Lebzeiten nichts dem Zufall überlassen möchte?

Oder ist es die Ordnungsliebe unter der Grasnarbe, um mögliche wilde Sargbesetzungen heimatloser Leichen direkt im Keim zu ersticken?


Man weiß es nicht wirklich so genau, denn ein Sarg kommt im zweiten Band der Romanserie DR. MORTON eigentlich nicht vor.

Das ist ihr Sarg, SirDr. Mortons unfreiwilliger Gast:
Macht das aber den Roman jetzt weniger lesenswert? Schließlich würde man ja gerne wissen, wie der Autor (wie immer ein gewisser John Ball) auf diesen Titel überhaupt gekommen ist, welchen Zusammenhang es zur Handlung hat oder ob der Autor hier bei diesem Titel überhaupt die Finger mit im Spiel hatte? Oder hat man diesen Titel gar von einem Western-Roman geklaut weil er so schön düster klingt?

Man weiß es nicht. Aber der kleinere, auf dem Cover gehaltene Untertitel trifft den Kern der Handlung dieses zweiten Romans schon etwas treffender, wenn dort steht: DR. MORTONS UNFREIWILLIGER GAST. Und das dieser Gast - oder sollten wir vielleicht sogar Gäste sagen - alles andere als freiwillig in den versteckten, unterirdischen Versuchslaboren unseres teuflischen Doktors weilt, davon darf man hier getrost ausgehen.

Das hier nicht der Mord der Woche beschrieben wird, sondern die Serie durchaus einen gewissen logischen Zusammenhang aufweist, merkt man dann auch daran, dass an manchen Stellen der Handlung auf den zurückliegenden Roman eingegangen wird. Denn die junge Mrs. Clandon lebt noch, trotz der sich immer wiederholenden Versuche mit dem Blutersatz, der über eine gewisse Zeit die menschliche Haut blau verfärbt (siehe hierzu auch den Artikel im Zauberspiegel: Der schockierende Dr. Morton kehrt zurück). Doch wie wir auch erfahren dürfen, ist Mrs. Clandon mittlerweile nur noch ein Schatten ihrer selbst und seelisch völlig gebrochen. Da taucht dann auch netter Weise für DR. MORTON und Grimsby die Frage auf, ob man nicht langsam dem "Versuchskaninchen" den Gnadenstoß verpassen sollte. Aber keine Angst, die Leiden von Mrs. Clandon werden im zweiten Band (noch) nicht beendet.

Aber DR. MORTON hat längst mit anderen, ebenfalls gefährlichen Versuchen begonnen und die drehen sich um ein neues Nervengas, dass in geringeren Mengen zwar nicht tödlich, aber körperlich recht qualvoll auf ein entsprechendes Opfer wirkt.

Eine Blutfontäne schoss fast yardhoch in die Luft. Einige der Zuschauer schrien vor Schreck auf. Vielleicht schrie auch Saffron, aber das hörte man nicht.

(Dr. Morton: Das ist ihr Sarg, Sir / Seite 5)

Keine Angst bei dem ersten Zitat, denn hier wird niemand öffentlich ermordet sondern vielmehr sogar nach einem Unfall gerettet. Aber lassen sie sich überraschen, denn selber lesen erhellt bekanntlich die Hintergründe. Doch jemand anderes gerät in diesem zweiten Roman bald ins Visier von DR. MORTON.

Der unbeherrschte Philipp Gregory:
Wie schnell man Gregory aus der Fassung bringen kann, dass testet DR. MORTON schon recht schnell aus und sieht seinen Verdacht mehr als bestätigt. Gregory ist ein Lügner, ein Krimineller, ein Mörder und bei Zeiten auch in mancher Hinsicht ein Sadist. Er stand schon so einige male in der Zeitung und nicht gerade deshalb, weil er ein netter junger Mann ist. Wegen eines Mordes konnte man ihn nicht überführen und auch sonst reihen sich so manche Skandale um seine lockere Lebensweise. Aber wenn man über genügend Geld verfügt, dann kann man sich nicht nur Anwälte sondern manchmal auch die Freiheit erkaufen. Umstände also, die gerade DR. MORTON nicht unbedingt zu schätzen vermag, obwohl Gregory ihm in mancher Hinsicht näher steht als manch andere, unbescholtene Bürger.

Zur Zeit hat es Gregory auf die junge und hübsche Helen Sandringham abgesehen und da hat selbst DR. MORTON etwas gegen einzuwenden. Zeit also Grimsby damit zu beauftragen, ein neues "Versuchskaninchen" an Land zu ziehen.

Das Plopp des Korkens und Blondies Schmerzensschrei kamen in der gleichen Sekunde. Philipp lachte vor Vergnügen laut auf. Blondie hielt sich mit beiden Händen das linke Auge zu. Der Schmerz war schlimm, dass sie fürchtete, das Auge sei hin. Sie hörte Philipps Lachen und verstand überhaupt nichts.

(Dr. Morton: Das ist ihr Sarg, Sir  / Seite 22)

Als Grimsby des Nachts in das Haus von Gregory eindringt, ist dieser gerade mit einer blutjungen Blondine zugange.  Doch die muss leider lernen, dass sie dieses mal faktisch einem sadistischen Teufel in die Wohnung gefolgt ist, der sich an ihren Schmerzen weidet, die er ihr zufügen kann.

Grimsby entscheidet sich, diesem Treiben ein Ende zu setzen, doch dann macht er einen kleinen Fehler, so das Gregory vorgewarnt ist. Der zweite Fehler von Grimsby besteht danach darin, seinen Gegner und dessen Gefährlichkeit auch noch zu unterschätzen.

Chiefinspektor Spratt und sein Verdacht:
Chiefinspektor Spratt hat indessen immer noch DR. MORTON im Visier im Fall der verschwundenen Mrs. Clandon, nur wirklich etwas beweisen kann er hierzu noch nichts. Also wäre es ein folgenschwerer Fehler, jemandem zu erzählen, dass er den berühmten Chirurgen in diesem Fall in Verdacht hat.

Das er aber weiterhin wie ein Bluthund jeden Stein in diesem Fall umdreht, ist selbst DR. MORTON nicht entgangen. Hierzu ist auch Cynthia Barrington ihm sehr hilfreich, die ihren Chef über die jede Keinigkeit zu Spatts Fragen und Untersuchungen in seinem näheren Umfeld unterrichtet.

Dabei sieht Dr. MORTON ihn nicht unbedingt direkt als ernsthafte Gefahr für sich an. Dafür tappt ihm der Chiefinspektor noch zu sehr in eher trüben Gewässern. Doch irgendwann, so weiß auch er, findet auch ein blindes Huhn mal ein Körnchen und das dürfte der Moment sein, an dem man diesen Kriminalisten nur noch recht schwer aus dem Verkehr ziehen kann, ohne das dabei alle Hinweise auf DR. MORTON zurückführen.

Zeit also, dass dem Chiefinspektor vielleicht ein schlimmer Unfall passiert, oder dieser samt seinen bisher gesammelten Informationen über DR. MORTON einfach von der Bildfläche verschwindet.

Spratt hob den Kopf, als er das leise Zischen hörte. Neben ihm sank Gregory in die Knie, versuchte den Kopf zwischen den Armen zu schützen und begann zu wimmern wie ein Kind.

(Dr. Morton: Das ist ihr Sarg, Sir / Seite 65)

Mein kritischer Blickwinkel:
Ja, dieser zweite Roman fing eigentlich schon etwas blutig an, wusste mich aber zuerst noch nicht so ganz zu fesseln. Es galt nämlich einem Unfallopfer das Leben zu retten, bevor dieses völlig ausblutet. Der Earl of Saffron hat dabei noch richtiges Glück, dass er keine seltene Blutgruppe aufzuweisen hat, denn von diesem wichtigen Lebenssaft verliert er in recht kurzer Zeit nicht gerade sehr wenig.

Gut, das ganze war als Einstieg recht nett zu lesen, doch ich richtete mich schon irgendwie auf eine Handlung in diesem Roman ein, die einem unspektakulären Kriminalroman nicht gerade sehr unähnlich sein dürfte. Auch hatte ich hier mit den üblichen ein bis zwei Todesfällen des Monats gerechnet. Die Frage war nun nur noch, wie gut werden diese beschrieben und wie läuft das Drumherum ab.

Und ja, zwei nicht unwesentliche Todesfälle gab es in diesem Roman wirklich. Dabei dürfte der letztere eher zu der Gruppe der unspektakulären Morde zählen, wenn man davon absieht, dass dieser direkt in einem Büro des Scotland Yard passiert und den Superintendent dahin rafft. Wie und warum, dass darf der geneigte Leser hier selbst nachlesen, denn dieser zweite Band von DR. MORTON ist schließlich bei der Romantruhe bereits erhältlich.

Für den ersten Mord muss man allerdings etwas warten und der läuft in letzter Konsequenz sogar noch etwas unspektakulärer ab. Doch halt, denn bevor hier ein junges Mädchen stirbt, muss man sich erst einmal über eine gewisse längere Strecke mit ihrer Vorgeschichte im Hause ihres Mörders auseinandersetzen. Und genau dieser Hergang hat es ordentlich in sich, so das einem Gore oder Slasher-Fan wie mir das Herz durchaus etwas höher schlägt. Ich sage hier nur, wirklich derb was hier abgeht, also auf keinen Fall verpassen.

Das nächste interessante dürften die Gespräche von DR. MORTON z.B. mit seinen "Versuchskaninchen" sein, wenn wir mal ihren Status so direkt bezeichnen wollen. Da stirbt zwar niemand oder blutet etwas sinnlos vor sich herum, aber recht interessant sind diese Dialoge doch. Besonders wenn man sein Kopfkino dabei auf Hochtouren laufen lässt. Dr. MORTON erweist sich hierbei nämlich wahrlich als Teufel, den man einfach nicht aus der Ruhe bringen kann und der einem in netten, ja fasst gönnerhaften Worten erzählt, welche Hölle einen gerade bei ihm erwartet. Eine Hölle, aus der man nicht mehr lebend herauskommen wird.

Unter dem Strich gesagt lohnt es sich wirklich, sich den Roman DAS IST IHR SARG, SIR vorzunehmen. Denn ist man erst einmal über den Anfang hinaus, steigert sich die Spannung langsam aber merklich und schleift dann mitunter den Leser auch durch das blanke Grauen, dass gerade Lesern mit eher sanftem Gemüt etwas auf die Magengegend schlagen könnte.

Gesamt betrachtet sehe ich in diesem zweiten Band sogar noch eine Steigerung gegenüber Band 1 unter dem Titel BLAUES BLUT. Nur bei dem Titel hätte man etwas sauberer (wohl schon damals in den 70ern) vorgehen können, so das dieser auch zur Handlung einen Bezug aufweist.

Und selbst Grimsby kommt hier recht gut herüber, denn das er nicht so unfehlbar bzw. unbesiegbar ist, wie es im Vorfeld gerne geschildert wird, macht diese Figur durchaus noch um einiges interessanter.

Von mir bekommt dieser zweite Band daher glatte vier von insgesamt fünf Punkten.  Ansonsten kann ich hier aber eine absolute Leseempfehlung aussprechen, besonders wenn man es zwischendurch mal etwas derber mag.
Das ist ihr Sarg, Sir
Das ist Ihr Sarg, Sir
Dr. Morton (Band 2)
von John Ball (Verlagspseudonym)
Genre: Grusel-Krimi
Seitenanzahl: 65 Seiten
Altersempfehlung: 16 Jahre
Extras: Leseprobe zu Dr. Morton - Band 3/Bad in HCL
Preis: 4,95 Euro/Printversion
Bezugsmöglichkeit: Romantruhe.de

Erber+Luther

Anmerkung des Herausgebers: Hiermit enden unsere Besprechungen von Morton-Titeln und allen von der Romantruhe herausgebrachten oder vertriebenen Titeln, da die Beschwerden der Romantruhe in Gestalt Herrn Ottos als unpassend empfunden werden und Hinweise auf den "nicht rechtsfreien Raum" der unbehinderten Berichtersttung als nicht förderlich erachtet werden. Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.

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