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Die Novelization - Der Roman zum Film: Katz und Maus-Spiel

Die Novelization - Der Roman zum FilmKatz und Maus-Spiel

Üblicherweise entsteht ein Film nach einer Vorlage, sei es nun ein Buch, ein Comic oder gar ein Spiel. Meist handelt es sich aber um literarische Vorlagen, also ein Buch oder eine Erzählung. Manchmal aber ist es genau umgekehrt: Nicht die Henne war zuerst da, sondern das Ei, sprich: der Film. War dieser erfolgreich, folgte posthum oft eine literarische Fassung. Das nennt man dann eine Novelization. In dieser Reihe stelle ich in loser Folge einige Nacherzählungen aus dem phantastischen Genre vor.


Alien (Alien)Alien (Alien)
von Alan Dean Foster (*1946)
Über den Film:
1979 kam dieser Streifen in die Kinos und sollte das eher harmlose SF-Genre revolutionieren. Er verschmolz geschickt Science Fiction mit Horror.

Gedreht wurde er von Regisseur Ridley Scott nach einem Drehbuch von Dan O´Bannon und Ronald Shushnett. O´Bannon hatte schon 5 Jahre zuvor mit John Carpenter den Kultfilm Dark Star realisiert, in dem er sowohl mitspielte, als auch für Schnitt und Spezialeffekte verantwortlich war. O´Bannon war zur Zeit des Entstehungsprozesses des Alien-Skripts in einer sehr schlechten Verfassung und üblen Situation. Ein geplatztes Projekt, für das er für die Spezialeffekte engagiert worden wäre, warf ihn aus der Bahn. Es handelte sich um Dune. Für diesen Film sollten bekannte Größen wie Chris Foss, Moebius und auch H. R. Giger die Designs erstellen. Gigers sollte den düsteren Harkonnen Aussehen verleihen. O´Bannon nutzte die so entstandenen Kontakte und engagierte sie für Alien. Ein weiser Entschluß, zumindest was Giger betraf. Foss´ durchaus interessante und ästhetische Entwürfe kamen nicht zum Einsatz, von Moebius wurden nur die Raumanzüge verwendet. Das Design des Schweizer Künstlers Giger aber war bahnbrechend und wurde schließlich auch mit dem Oscar ausgezeichnet O´Bannon verwendete Elemente aus seinem Film Dark Star auch hier und ließ sich anscheinend auch ein wenig zu sehr von A. E. van Vogts Ungeheuer an Bord inspirieren, was diesem nach einem Rechtsstreit eine hübsche Summe einbrachte.

Alien (Alien)An Dark Star erinnert das Szenario: eine kleine Gruppe von Raumfahrern zusammengepfercht auf einem kleinen Schiff, sowie ein sprechender weiblicher Computer. Aber auch ein sehr bekannter Klassiker, der bereits knapp 40 Jahre zuvor über die Leinwand flimmerte, dürfte den Film inspiriert haben: Das Ding aus einer anderen Welt von Howard Hawks, gedreht nach der Novelle Who goes there? von John W. Campbell.

Alien (Alien)Auch hier wird eine kleine Gruppe von Menschen, ganz allein auf sich gestellt, mit der Bedrohung durch ein schier übermächtiges Wesen aus einer fremden Welt konfrontiert, das sie lediglich als Beute betrachtet. Wie in Ding versucht man auch in Alien, dem Wesen mit Feuer beizukommen. Eine weitere Parallele ist die Methode zur Aufspürung der Kreatur: in Ding ist es ein Geigerzähler, in Alien hingegen ein Bewegungsmelder. Auch die Wahl der Schauspieler zeigt Ähnlichkeiten: Das Alien von dem über 2,08 Meter großen Nigerianer Bolaji Badejo dargestellt, für das Ding verpflichtete man seinerzeit den 2,01 Meter großen James Arness, bekannt aus Formicula, sowie als rauhbeiniger Marshall Matt Dillon in Rauchende Colts. Nur gut, dass lediglich van Vogt geklagt hat!

Mit dem Schauspieler Tom Skerritt findet sich dann auch wieder ein neuer Bart im Weltraum in diesem Streifen wieder. Die sonstigen Akteure waren weitegehend unbekannt. Ian Holm, der Darsteller des Wissenschaftsoffiziers Ash, wurde sehr viel später durch seine Rolle als Bilbo Beutlin bekannt. Im gleichen Jahr wie Alien erschien auch das Remake von Im Westen nichts Neues, in dem er die Rolle des Unteroffizier Himmelstoss hatte. Veronica Cartwright (Lambert) hatte bereits als zehnjährige ihre erste Hauptrolle als Cathy Brenner in Hitchcock´s Die Vögel. John Hurt (Kane) spielte zuvor für´s Fernsehen; bekannt wurde er als Caligula in der Serie Ich Claudius, Kaiser und Gott. Ein Jahr nach Alien spielte er in David Lynch´s Der Elefantenmensch die Hauptrolle. Mittlerweile ist er ja leider verstorben.

Alien (Alien)Für die Darstellerin der Ellen Ripley, Sigourney Weaver, war es der Durchbruch. Zuvor war sie nur in kleiner Rollen zu sehen, beispielsweise in Woody Allen´s Der Stadtneurotiker, aber nach Alien wurde sie zum Publikumsmagneten, was aber keine Aussage zur Qualität ihrer Filme macht.

Alien wurde bald zu einem modernen Klassiker, was nicht zuletzt dem genialen Design Gigers zu verdanken ist, und zog eine Flut von Nachahmungen, Parodien, Sequels und Crossovern nach sich. Keine davon erreichte jedoch die Qualität des Erstlings.

P.S.: Die mir vorliegende DVD stammt aus der „Alien Legacy Box“ mit den vier Filmen und sehr viel Bonusmaterial, wie etwa einer Bildergalerie der Designer Giger, Moebius und Foss.


Alien (Alien)Die Story:
Ein vermeintlicher Notruf entpuppt sich als Warnsignal: Bis die Besatzung dies aber erkennt, ist es bereits zu spät. Ein Erkundungstrupp landet auf dem Planetoiden LV-426 und bringt entgegen der Warnung des weiblichen Offiziers Ripley einen gefährlichen Gast an Bord, der sich am Gesicht eines der Besatzungsmitglieder festgesetzt hat. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als er sich wie durch ein Wunder wieder ablöst und Kane zunächst wieder gesund erscheint…

Die Romanfassung:
Mit der Novelization wurde Alan Dean Foster beauftragt, der 5 Jahre zuvor schon Erfahrung mit der Adaption von John Carpenter´s Dark Star gesammelt hatte, und auch für Teil 2 und 3 engagiert wurde. Allerdings hatte er zum Schreiben nur knapp 3 Wochen Zeit. Eine reife Leistung also.

Auf Deutsch erschien der Roman im Heyne Verlag und verkaufte sich anscheinend hervorragend: meine Ausgabe stammt aus dem Jahre 1992 und ist in der 15. Auflage! Das Buch ist mit 20 Fimbildern auch sehr schön illustriert. Leider nur in s/w. Gekürzt wurde wohl nichts, denn das Buch ist in etwa genauso lange wie das Original.

Alien (Alien)1979 erschien im Moewig-Verlag vorab ein 64-seitiges Comic zum Film. Ich habe es als 15-jähriger täglich nach der Schule im Bahnhofskiosk in den Händen gehalten und darin gelesen. Dummerweise kannte ich den Inhalt natürlich auswendig, als ich den Film Ende 1979 endlich im Kino sehen konnte. Sehr zum Leidwesen der Mitbesucher, die wohl schon recht bald genervt waren von meinen nicht gerade subtilen Andeutungen wie z.B. „ Passt auf, gleich kommt die Szenen in der ….“

Alien (Alien)Schriftlich umgesetzt wurde die Story von Alan Dean Foster, der 5 Jahre zuvor schon John Carpenter´s Dark Star „verbucht“ hatte. Wie auch bei diesem Buch ist die erste Hälfte etwas in die Länge gezogen, zum Schluß hin überschlagen sich die Ereignisse ein wenig. Scheint wohl typisch für Fosters Stil zu sein. Immerhin bekommen die Akteure in der Romanfassung mehr Tiefe, sogar die Schiffskatze wird charakterisiert. Ob das nun nötig ist oder nicht, darüber kann man streiten. Allerdings trägt es nicht zum besseren Verständnis des Films bei. Wichtige Sequenzen wie etwa die Entdeckung des  außerirdischen Raumfahrers, aus dessen Brust scheinbar etwas von innen heraus gebrochen zu sein scheint, fehlen dagegen.

Positiv dazu fällt auf, dass der Ablauf und die Hintergrundstory wesentlich verständlicher und in sich selbst logischer wirken als im Film.

Für „Rosinenausscheider“ wie mich ist allerdings ärgerlich, dass der Übersetzer den Film entweder gar nicht gesehen, oder nicht genau aufgepasst hat: Aus Brett´s Lieblingsantwort „Genau“ in der Deutschen Filmversion wird hier „Richtig“. Im Original ist dies natürlich wurscht!


Zum Cover der deutschen Ausgaben:
Zeigt das Motiv des Filmplakats und ist ansprechend. Der Bezug zum Film ist sofort klar, da das Motiv sattsam bekannt ist.

Alien (Alien)Bewertung:
Eine weitgehend kongeniale Ergänzung zum Film, obwohl sich die Ereignisse im letzten Drittel (ähnlich wie zuvor schon bei Dark Star)etwas überschlagen. Das Timing hätte hier besser sein können. Insgesamt aber eine sehr gekonnt und professionell geschriebene und spannende Novelization.

Lässt sich bequem an zwei Abenden auf dem Sofa konsumieren.

Ich vergebe 4 von 5 Facehuggern

Dazu:
Ein phantastischer Filmklassiker - Versuch erst gar nicht, im Weltraum zu schreien

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-03-19 12:11
Ich habe gestern abend noch mal reingeblättert anlässlich des angekündigten Beitrags. Foster gehört zu den Autoren, die ich mal sehr gern gelesen habe, aber bei denen ich irgendwann die Lust verlor. Es hat mich echt erstaunt, dass er immer noch wohl DER Mann für SF-Novelisations ist. Braucht die Welt Transformers-Novelisations?

In letzter Zeit habe ich in ausländischen Blogs ein paar Verrisse gerade über dieses Buch gelesen. Kann ich nicht so wirklich nachvollziehen. Die Struktur ist zugegebenermaßen sehr ungleich, das letzten Filmdrittel wird hier auf wenigen Seiten abgefeiert. Es ist etwas dürftig. Andererseits hätte gerade der Actionrest des Films nur wenig Material für die Seite ergeben. Und Foster hat viele Dinge unauffällig einfließen lassen, die im Film nur angedeutet wurden. So Dinge wie, dass die Nostromo eine fliegende Raffinerie ist, und man trotz Hyperraumflug Öl braucht, um Plastik zu erzeugen. Für die Story ist das unerheblich, aber es rundet das Bild von Ripleys Welt ab. Ich erinnere mich, dass auch sein Aliens die Geschichte viel klarer gemacht hat, weil so viel Story aus dem Film rausgenommen wurde. So sollte man eine Novelisation schreiben. Etwas mehr, als nur Dialoge mit ein paar Beschreibungen ummanteln.

Foster gehörte damals für mich zu den besten Novelisation-Autoren. Und ich hoffe, er war so clever, für sein Star Wars-Buch auf Tantiemen zu bestehen. :lol: (Auch wenn ich es bezweifle) Das ist 40 Jahre später immer noch lieferbar.
#2 Laurin 2017-03-19 16:13
Zitat Andreas Decker:
Ich erinnere mich, dass auch sein Aliens die Geschichte viel klarer gemacht hat, weil so viel Story aus dem Film rausgenommen wurde. So sollte man eine Novelisation schreiben. Etwas mehr, als nur Dialoge mit ein paar Beschreibungen ummanteln.

Deshalb hatte ich früher eigentlich recht selten zu Romanen gegriffen, die zum Film erschienen sind. Irgendwie hatte ich immer die Angst, dass hier nur der Film als Textversion herunter geleiert werden könnte. Aber es scheint doch nicht wenige Autoren gegeben zu haben, die dem Roman zum Film eine ansprechende und in gewisser Weise auch eigene Seele gegeben haben. :-)
#3 Heiko Langhans 2017-03-19 18:55
Bei Aliens meine ich mich zu erinnern, dass die "Buch"-Szenen später restauriert wurden (Director´s cut?) - aber das soll jemand bestätigen, der sich damit besser auskennt ...
#4 Andreas Decker 2017-03-19 19:18
zitiere Heiko Langhans:
Bei Aliens meine ich mich zu erinnern, dass die "Buch"-Szenen später restauriert wurden (Director´s cut?) - aber das soll jemand bestätigen, der sich damit besser auskennt ...


Ja, der Director's Cut ist so 17 Minuten länger. Den wollte man dem Kinopublikum nicht zumuten. Wenn ich mich richtig erinnere, ist zb die ganze Vorgeschichte der Kolonisten rausgeflogen, wie Newts Eltern die Alieneier entdecken. Kann man lange drüber streiten, ob die wirklich erforderlich ist. Sie nimmt einiges an Tempo raus, weil Ripley so lange von der Bildfläche verschwindet. Ich weiß aber nicht mehr, ob die auch schon in Fosters Roman war oder nicht. Nachher mal nachsehen.

Als der DC zuerst auf Video kam, musste man ihn in der Videothek auf die Warteliste setzen lassen und durfte kräftig mehr zahlen :lol: Graue Vorzeit, da musste man noch seinen Hintern in Bewegung setzen und ihn sich holen. Gute Tage.

zitiere Laurin:

Deshalb hatte ich früher eigentlich recht selten zu Romanen gegriffen, die zum Film erschienen sind. Irgendwie hatte ich immer die Angst, dass hier nur der Film als Textversion herunter geleiert werden könnte. Aber es scheint doch nicht wenige Autoren gegeben zu haben, die dem Roman zum Film eine ansprechende und in gewisser Weise auch eigene Seele gegeben haben. :-)


Ich finde, das ist sehr unterschiedlich. Man darf zwar nicht vergessen, dass die Autoren meistens nur wenig Zeit haben und nach unfertigen Mustern arbeiten. Aber die meisten Novelisations, an die ich mich erinnere, waren nichtssagende Nacherzählungen. Hatte der Autor aber ein Händchen dafür, waren sie gut. So wie Peter Davids "Spider-Man 1", oder auch McIntyres "Star Trek 4". Da bekam man einen echten Mehrwert. So was wie Max Allan Collins' - den ich wegen anderen Romanen sehr mag - "Die Mumie" eher nicht.
#5 Heiko Langhans 2017-03-19 23:09
Abyss von Orson Scott Card fällt auch in die Kategorie der Guten.
#6 Larandil 2017-03-20 11:23
Was die "sonstigen Akteure" angeht: Yaphet Kotto, der den LI an Bord gibt, war sechs Jahre vorher der Bond-Schurke Mr. Big in "Leben und sterben lassen". Harry Dean Stanton kam erst ein paar Jahre später mit "Paris, Texas" so recht auf die Kinoplakate.
#7 Estrangain 2017-03-20 17:04
Ich kann mir nicht helfen: aber der Boladi Badejo, der ja in dem Latexkostüm steckte, der war auch mal kurz in einem Streifen mit Bruce Willis zu sehen. Mir fällt nur der Titel nicht mehr ein...

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