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Die Vampire und Dirk - Der Vampir-Horror Roman: Lebendig begraben

Dirk und die VampireDer Vampir-Horror-Roman
Lebendig begraben

Der Vampir-Horror-Roman ist eine Legende des Heftromans. Ich bin leider erst nach Einstellung der Reihe auf die Serie gestoßen und habe in den achtziger Jahren jede Menge davon gelesen.

Dreißig Jahre später wiederhole ich das Experiment Vampir-Horror-Roman lesen nochmals. Ob es immer noch gefällt?


Lebendig begrabenLebendig begraben
von Hugh Walker

Vampir Horror-Roman Nr. 24
Juli 1973 / DM 1,-

Pabel Verlag
Gerrie Bermann hört Stimmen um sich herum und eine Frau weint vor Kummer. Irgendjemand muss gestorben sein. Als er bemerkt, dass er seine Augen nicht öffnen kann und sich auch sonst kein Muskel bei ihm rührt, ahnt er Schreckliches. Er ist auf seiner eigenen Beerdigung.

Voller Panik versucht er die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen, aber das ist leichter gesagt als getan. Als man anfängt seinen Sarg zu schließen, sieht er schon das Ende in Form  eines Erstickungstodes auf sich  zukommen. Wenig später setzt die Erinnerung an sein Ableben ein. Ein gewisser Geissler hat ihn in eine Falle gelockt und ermordet, aber jetzt muss er sich erst einmal aus „dieser“ Falle befreien. Hoffnung keimt auf, als sich ganz zaghaft seine Finger bewegen, doch im nächsten Moment hört er die gedämpfte Stimme eines Priesters über sich. Die Zeit rennt. Als die ersten Erdkrumen auf den Deckel prasseln gelingt es ihm endlich einen Schrei auszustoßen. Seine Stimmbänder gehorchen wieder und kurze Zeit später stemmt er sogar eigenständig den Sargdeckel in die Höhe. Endlich ist er wieder unter den Lebenden. Was für eine Überraschung...

Die Trauergemeinde ist geschockt und der Friedhofsgärtner schaufelt weiter Erde in das Loch, so als wenn er nicht fassen kann was er da sieht. Seine Frau Millie und der Priester reagieren gefasster und helfen Gerrie aus dem Grab. Die immer noch verstörte Trauergemeinde näherte sich langsam wieder dem Geschehen an. Man sagt ihm, dass er schon klinisch tot gewesen ist und und dass seine Auferstehung ein Wunder sei. Und noch etwas ist seltsam. Eigentlich ist Gerrie ein dreiundfünfzig Jahre alter Anwalt, aber jetzt sieht er aus wie ein Endzwanziger.

Die nächsten Tage sind die Hölle, denn eine Menge Leute haben eine Menge Fragen. Zuerst die Polizei, die den Mord aufklären möchte. Bermann wurde durch Gift an einem Glas getötet, als er sich mit Geissler getroffen hat. Dieser wollte sich rächen, weil Gerrie angeblich für den Tod seiner Frau verantwortlich ist.  Dann war die Presse ständig hinter ihm her und obendrauf kam noch die allgemeine Öffentlichkeit mit ihrer nervigen Anteilnahme. Er schminkt sich älter und färbt sein Haar grau um seinem Alter wenigstens optisch zu entsprechen, denn eigentlich fühlte er sich wie fünfundzwanzig. In Millie sieht er bald nur noch eine ältere Frau die ganz brauchbar ist. Sein Erinnerungsvermögen lässt zudem auch immer mehr nach. Bald fängt er an, alles aufzuschreiben. Besonders die Sache mit Geissler durfte er nicht vergessen.
Als ihm auffällt, dass er gar kein Foto von seinem Feind hat, schleicht er etwas später, mit einer Kamera bewaffnet, um Geisslers Haus. Vom Hausherrn keine Spur. Dafür trifft er auf dessen hübsche, etwa siebzehnjährige Tochter Franziska. Sie ist zwar zuerst skeptisch ihm gegenüber  aber nachdem er seine Version erzählt hat, möchte sie sogar helfen. Sie hält ihren Vater für wahnsinnig und fanatisch. Ihre Mutter hat bei dem Versuch sich ein Teufelsmal aus dem Gesäß zu schneiden, das sie nach einer Liebesnacht mit dem Leibhaftigen bekommen hat,  ihr Leben gelassen. Angeblich sei sie, so ihr Vater, eine Hexe gewesen. Über Bermann wusste sie, dass einer seiner Vorfahren 1728 in Lorient einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Als man ihn für ein Vergehen folterte und anschließend verbrennen will, war seine Leiche verschwunden. Ein anderer Ahnherr saß mehrere Jahre im Gefängnis, weil er 1892 in Paris eine schwarze Messe abhielt. Geissler hatte eine Menge Informationen über Gerrie Bermann gesammelt. Zudem ist er felsenfest davon überzeugt, dass Bermann ebenfalls mit dem Teufel im Bunde steht und er den Zwang zum Bösen hat. Er verdirbt und manipuliert Menschen in seiner Umgebung. Da Franziska aber meint, ihr Vater ist mit dem Mord zu weit gegangen, möchte sich mit Gerrie ein Bündnis schließen und anschließend mit ihm schlafen...

Der Alltag wird immer mühsamer für Gerrie. Seine Ehe, die eh nur eine erweiterte Zweckgemeinschaft war, zerfällt in ihre Einzelteile und er trennt sich von Millie. Sie gibt ihm noch ein Notizbuch, welches sie in seiner Jacke gefunden hat. Scheinbar hat er alle Informationen über Leute in seiner Nähe gesammelt, die er bekommen konnte. Das ein oder andere Leben hätte er damit nachhaltig zerstören können. Doch warum hat dieses Buch geführt? Trägt er wirklich den Keim des Bösen in sich und versucht anderen Menschen durch Intrigen und Gerüchten zu schaden? Es sieht so aus. Als er einen Anruf von Franziska bekommt, die ihn erneut vor ihrem Vater warnt, packt er seine Koffer und flieht Richtung Bahnhof. Geissler hat jetzt zwei bezahlte Helfer an seiner Seite, die keinen Spaß kennen. Nach kurzer Verfolgung wird er in einem Zug geschnappt und mit Steinen beschwert schließlich in einem Fluss versenkt. Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm.

Im Haus von Winfried Rainfelder und seiner Frau Katarina erwachen langsam wieder  Gerries Lebensgeister. Der Gutsbesitzer hat ihn aus dem Wasser gezogen, als dieser nach einer geeigneten Stelle für einen neuen Steg suchte. Zuerst hielt man ihn für eine gut erhaltene Wasserleiche, wurde aber schnell eines besseren belehrt. Ohne Erinnerungen an sein Leben gibt der etwa 20 jährige Mann den Menschen erneut Rätsel auf. Er selber hat das Gefühl, gerade erst geboren zu sein. Da die Rainfelders keine eigenen Kinder haben, sehen sie in Gerrie Bermann bald eine Art Ziehsohn und geben ihm, einem Monogramm im Hemd sei Dank, den Namen Georg. Nun, Georg ist den meisten Bewohnern des kleinen Ortes Forchting zuerst unheimlich, doch bald hat er sich in ihre Herzen geschlichen. Er kann zuhören und nimmt sich ihren Problemen an. Er selber kommt zu der Erkenntnis, dass er mal so etwas wie Jura studiert hat, denn er kennt sich erstaunlich gut mit Gesetzen aus. Kleine Streitigkeiten schlichtet er ohne dass eine der Parteien ihr Gesicht verliert oder benachteiligt wird. Bald hat er den Ruf eines unparteiischen Richters und er wird überall gern gesehen. Irgendwann merkt er aber, dass es ihm nicht reicht Streitigkeiten zu schlichten und er nutzt die ihm angetragenen Informationen um den abergläubischen Leuten der Ortschaft zu schaden. Um Gerüchte zu streuen und seinen Namen rein zu halten, stellt er zwei zwielichtige Männer ein, die diese Aufgabe für ihn übernehmen. Bei einem Fall wo es um angeblich verhexte Milch geht, stachelt er den Geschädigten so weit auf, dass dieser in der Nacht das Haus seiner vermeintlichen Widersacher ansteckt. Und so sterben wegen bitter schmeckender Milch zwei Menschen in den Flammen. Danach scheint der ganze Ort verhext und es kommt zu immer neuen Morden und seltsamen Todesfällen. Der Teufel scheint seine Hand im Spiel zu haben oder besser gesagt: Gerrie Bermann.

Dann verschwindet einer seiner Mittelsmänner und Bermann hat die Befürchtung, dass er sich irgendwo abgesetzt hat und nun plaudert, oder man ihn gefangen genommen hat und ausquetscht. Anzeigen und Informationen über die Geschehnisse gehen zwar nicht mehr über die Dorfgrenze hinaus, dafür sorgten starke Kräfte (?), aber bis jetzt wusste niemand dass er hinter den Niederträchtigkeiten steckt. Bis er einen Anruf von einem Unbekannten bekommt, der ihn und seine Vergangenheit zu kennen scheint. Da Gerrie/Georg keine Erinnerungen an sein vorheriges Leben hat, kann man ihm alles erzählen, doch dieser Mann scheint eine Menge über ihn zu wissen. Und das sind keine schönen Dinge.

 Die restlichen Bewohner von Forchting versammeln sich im großen Saal der Dorfschänke um den Anschuldigungen von Geissler, wer sonst, zu lauschen. Zuerst erklärt er den Leuten, dass sie einem Scharlatan aufgesessen sind der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat und er, selbsternannter Hexenjäger, diesen Mann schon seit 30 Jahren verfolgt. Niemand macht sich darüber lustig und schließlich kann dies der Ankläger mit einem Schreiben aus dem 1700 Jahrhundert, das von Luzifer und einigen Nebenteufeln unterschrieben wurde, beweisen. Mit geschickt gesetzten Gegenargumenten versteht Gerrie Bermann mehrmals das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Als aber immer deutlicher wird, Geissler ist sehr überzeugend und hat das Dorf einige Zeit beobachtet,  wer hier mit Hilfe von sogenannten Zuträgern Gerüchte gestreut hat, kippt die Stimmung und Bermann wird gefesselt. Mit einer stabilen Nadel wird an ihm, unter unsäglichen Schmerzen, die Hexenprobe vollzogen und nach einiger Zeit findet man die Stelle aus der kein Blut tropft. Das ist Beweis genug und schließlich hat sich die Dorfgemeinschaft mitschuldig an den Morden gemacht. Ein Sündenbock, dazu noch ein schuldiger der vom Teufel besessen ist, kommt gerade recht. Plötzlich zieht Bermann aber die Nadel aus dem Hexenmal und  sticht sie Geissler in den Kopf. Zumindest diesen verfluchten Hexenjäger hat er noch auf seine Reise in Jenseits mitgenommen. Dann wird er gepackt und nach draußen gebracht, wo schon ein ordentliches Feuer lodert. Nun, zur Hinrichtung kommt es nicht, denn von weiten hören die Versammelten  Sirenen der Polizei. Die Tochter von Geissler ist ebenfalls anwesend und mit ihr gelingt schließlich die Flucht vor den Behörden und deren Fragen. Die Freude wehrt allerdings nicht lang, denn Franziska wird von einem aufgebrachten Bauern niedergeschlagen, der sich anschließen um Gerrie kümmert. Er ist zwar nicht davon überzeugt, dass Bermann der Teufel in Person ist, aber trotzdem einen lästigen Zeugen für all die schrecklichen Taten abgibt. Dann schneidet er ihm die Kehle durch.

Gerrie erwacht wieder mal in einem sauberen Bett und er hört gerade noch, wie Franziska gerade die Polizei verabschiedet. Er  kann sich  nicht so genau erinnern was passiert ist. Alles ist irgendwie frisch und neu. Die beiden bleiben nun zusammen und führen zuerst ein ruhiges Leben, doch nach einiger Zeit stellt sich wieder allmählich diese Freude am intrigieren ein. Franziska erzählt Gerrie einiges aus seinen früheren Leben und verspricht weiter bei ihm zu bleiben. Vielleicht kann man diesen Zwang zum Bösen ja durch Liebe irgendwie eindämmen...

Dirk und sein SenfMein Senf
Wer kennt ihn nicht, den Zwang Dinge zu tun bei denen man im Vorfeld schon weiß, dass sich nicht alle Mitmenschen darüber freuen oder sogar sehr erbost darüber sind und keinerlei Spaß darin sehen. Meistens hat man diesen Zwang im Griff, aber manchmal gehen die Pferde mit einem durch. Das fängt schon als kleines Kind an, wenn einen die Erwachsenen das erste mal auf den „roten Knopf“ aufmerksam machen den man auf gar keinen Fall drücken darf. Normalerweise dauert es keine fünf Minuten bis die Alarmglocken schrillen oder irgendein Zug eine astreine Vollbremsung hinlegt.  Ob hier schon der Hang zu bösen Taten sichtbar wird? Eher nicht, dieses Verhalten gehört zur kindlichen Neugier und dient dazu Grenzen auszuloten. Oft wurde man dann am Ohr vom Ort des Geschehens geführt.   Spätestens in der Grundschule trifft man dann aber auf Vasallen, die ihre Grenze ständig ausloten und auch schon mal versuchen andere, zwecks Manipulation, mit Süßigkeiten und Spielzeug  auf ihre Seite zu bringen. In den weiterführenden Schulen geht es dann richtig zur Sache und es wird gemobbt was das Zeug hält. Da werden Intrigen gegen Klassenkameraden und Lehrer geschmiedet, Gerüchte verbreitet und manipuliert, bis das Opfer zu Boden geht oder die Schule wechselt. Kinder können  grausam sein. Jeder kennt sie aus seiner eigenen Schulzeit und der ein oder andere hat mit Sicherheit auch unter ihnen gelitten oder war sogar selber so ein Fießling. Schlimm wird es, wenn man diese, nennen wir sie  AK`s (Arschlochkinder), dann im Erwachsenenleben wieder trifft und sie auch noch Karriere gemacht haben oder sogar auf der berühmten Leiter über einem stehen. Ja, sagen dann einige hochachtungsvoll, der hat seine Ellbogen eingesetzt und ist über Leichen gegangen. Wie viele Leichen bleibt meist im Dunkeln. Aber kann man jetzt vom Zwang zum Bösen sprechen oder lohnt es sich vielleicht, selber einen solchen Zwang zu haben? Vielleicht, mit einer gehörigen Prise soziopathie garniert, denn hier verlaufen die Grenzen ein wenig. Es ist kein Geheimnis, dass man Menschen mit Hilfe von geschickter Rhetorik, falschen Behauptungen und Verdächtigungen für seine Zwecke gängeln kann um an sein Ziel zu kommen oder aus purer Freude an der Bosheit. Die Geschichte und auch die aktuelle Politik ist voll mit solchen „Künstlern“ und manchmal haben es diese ehemaligen AK´s sogar bis an die Spitze eines Staates gebracht (siehe die aktuellen Beispiele). Für die einfacheren Vertreter dieser Gattung bleiben aber noch genügend Betätigungsfelder übrig und so trifft man sie u.a. im Internet oft auf den sogenannten Social Media Seiten, wo sie Hassparolen gegen ganze Gruppen oder auch Einzelpersonen loswerden dürfen.

Haben solche Menschen auch einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, denn genau so ein Typ war Gerrie Bermann in Hugh Walkers fünften Roman für die Vampir-Horror Serie. Diesmal ging es nicht um Hexen, Vampire und Werwölfe sondern um die Frage, warum einige Artgenossen mehr  bösartige Energie haben als andere und diese auch ausleben. Damit waren nicht die Ganoven, die sich mit Banküberfällen, Einbrüchen sowie anderen Straftaten über Wasser halten und somit ihr tägliches Brot verdienen gemeint, sondern die etwas intelligentere Sorte, denn Bermann war schließlich Anwalt und alles andere als dumm. Geschickt spann er in ländlich naiven und vom Aberglauben geprägten Gemeinden seine Fäden. Er hatte eine satanische Freude daran, wenn die Leute dann bis zum Äußersten gingen und sich gegenseitig umbrachten. Das war mal was völlig anderes bei den Vampiren von Pabel, denn Dämonen aus der Hölle suchte man in diesem Roman vergeblich. Der Teufel und einige seiner Beisitzer wurden nur am Rand der Story erwähnt und hatten eher die Funktion von dubiosen Geschäftemachern oder zwielichtigen Versicherungstypen mit grauen Anzügen. Einmal mit Blut die Unterschrift unter den Vertrag gesetzt, brauchte Gerrie sich keine Gedanken mehr um sein Ableben machen, denn sterben konnte er nicht mehr. Oder doch? Verbrennen wäre eine Möglichkeit gewesen, aber diese Todesart umschipperte Straßl immer wieder geschickt  mit sogenannten „das war knapp“ Momenten. Als man ihn  am Anfang des Romans beerdigen wollte, hätte dies wohl auch eine längere Pause bedeutet bis der Sarg verfault war und er sich hätte befreien können. Das Versenken mit Steinen im See war auch keine ideale Todesart, denn hinterher kam heraus, dass er mehrere Monate im Wasser verbrachte und immer wieder ertrank und wiedergeboren wurde. Die Sache hatte also doch einen Harken. Der Teufel baut ja oft solche Fallen ins Kleingedruckte  und ohne Hilfe von außen hätte das mit den Wiedergeburten übel ausgesehen. Zum großen Glück für Gerrie verliebt sich die Tochter seines Mörders in ihn und hilft ihm aus so manch kniffliger Lage. Ohne sie hätte der ganze Roman eh nicht funktioniert, aber das war ja auch ein Aspekt der Geschichte. Die Liebe, die alles Böse besiegen kann. Das diese Liebe in Gestalt einer 17- Jährigen daherkam, dürfte zu dieser Zeit noch ein kleiner Skandal gewesen sein (wenn es überhaupt jemand bemerkt hat), denn erst 1974 wurde die Volljährigkeit mit 18 statt 21 eingeführt und Bermann war ja im Prinzip schon ein alter Sack. Diese Kombination „älterer Herr mit blutjungen Mädchen“ kennt man aber auch aus den Filmen vergangener Tage wo gestandene Männer noch von Jungfrauen angehimmelt wurden. Vielleicht wollte uns Straßl auch vorführen, dass Gerrie Berman ein durch und durch schwacher Charakter war, der sogar mit Minderjährigen schlief. Die Tatsache, dass Gerrie bei jeder Wiedergeburt jünger aussah brachte die beiden dann aber, zumindest von der Optik her, wieder enger zusammen. Hätte Bermann nach seinem letzten Erwachen nicht noch jünger aussehen müssen, nachdem er ja bereits wieder wie ein Twen aussah? Hätte er nicht irgendwann wieder als AK und dann als Tropfen Sperma enden müssen, so ähnlich wie Benjamin Button? Eigentlich ja, aber dazu hätte sich Straßl bestimmt auch noch etwas einfallen lassen. Für 65 Seiten Spannung hat es allemal gereicht. Aber was meinte er mit den „starken Kräften“, die nichts an Informationen vom Dorf nach draußen ließen? Ach, mit dieser „Schnellerklärung“ kann ja nur der Teufel gemeint sein. Bei Walkers komplexen Storys muss eh immer ein wenig nach erklärt werden. Meistens taucht noch irgendwo ein Brief auf oder wie in diesem Fall halt ein verliebtes Mädchen, das alles aufgezeichnet hat. Mich hat es nicht gestört.

Eigentlich handelt es sich  bei LEBENDIG BEGRABEN um einen Gerichtsthriller mit leicht fantastischer Note, denn gefühlte zwanzig Seiten verbrachte der Leser in Vandermanns (der Wirt) Kneipensaal und lauschte den Thesen und Anklagepunkten der beiden Parteien. Bis sich der Schuldige herauskristallisierte, schwankte die Gunst des Publikums gehörig und hier zeigte Walker/Straßl wieder einmal hervorragend, dass er mit seiner Art zu schreiben sogar Gerichtsverhandlungen in Horror-Heft Romane unterbringen konnte ohne zu langweilen. Das Grundthema war natürlich nicht neu, denn zu erwähnen wäre da zB. der Film mit Orson Welles von Richard Fleischer aus dem Jahr 1959, der im Deutschen sogar den Titel DER ZWANG ZUM BÖSEN trug. Der Streifen basiert auf dem Roman COMPULSION von Meyer Levin, bei dem zwei Jugendliche (AK`s) den vermeintlich perfekten Mord begehen und schließlich vor Gericht entlarvt werden. Ich glaube, diesen Film hat Hubert Straßl auch gesehen und der Titel bot sich ja auch geradezu für einen Gruselroman an. Das sollte man ihm auch nicht übel nehmen, denn Ideen wachsen nicht auf Bäumen und schließlich schrieb er Heftromane und keine Drehbücher. Bei HS war es auch eher ein Femegericht oder auch Freigericht, welche sich oft, ab ca. 13. Jahrhundert, um die streitbaren Angelegenheiten des einfachen Landvolks kümmerte. Todesurteile waren nicht selten, aber sie galten mitunter als gerechter als die offiziellen Gerichte zu dieser Zeit. Am Ende der Verhandlung bei Vandermann`s sah die Landbevölkerung zwar wieder reichlich blöd aus, dass sie sich so hat hinter die Scheune führen lassen, doch Zeugen für ihre schlimmen Taten konnten sie nicht gebrauchen. So dumm konnten die Einheimischen also doch nicht sein und genau solche Sachen mag ich an Hubert Straßl. Er räumte der einfachen „Roman-08/15-Durchschnittstype“ doch eine gewisse Intelligenz ein.

Hubert Strassl aka Hugh WalkerEigentlich kann ich nur erneut sagen, dass Romane von Hugh Straßl ihre Mark wert sind und immer wieder Spaß machen. Diesmal ist die Story auch in der, für ihn, gewohnten Ego-Perspektive geschrieben. Das gefällt mir besser was vielleicht ein Andenken an die  gute alte John Sinclair Zeit ist, was ich aber nicht hoffe (zitter). Kann man von 2 Jahren Sinclair Konsum etwas zurückbehalten? Wie immer bei Walker war es auch diesmal nicht klar, ob der Protagonist nun bemitleidenswert ist oder ob man ihn hassen muss. Durch das reseten seiner Erinnerungen war Gerrie nach seinen Wiedergeburten ja jedes mal unschuldig und ich hätte ihm ein friedliches Leben gegönnt, doch nach einiger Zeit kam wieder das Böse in ihm hervor. Die Überlegungen am Schluss des Romans lassen auch nichts Gutes hoffen... und irgendwie ist da auch etwas dran...

Immer wenn ich eine Zeitung aufschlage oder Nachrichten im Fernsehen ansehe, glaube ich, daß es sie gibt – als Politiker, Journalisten, als biedere Männer in Vertrauenspositionen.
  Und meiner kann nicht der einzige Pakt gewesen sein, der je geschlossen wurde.
Sicher, die Liebe mag vieles wieder reinzuwaschen, aber...
  Vor einigen Tagen sah ich einen jungen Mann wieder, von dem ich wußte, daß er gestorben war. Ich hatte ihn gut gekannt. Ich versuchte, ihn anzusprechen, aber er war in der Menge verschwunden, bevor ich ihn erreichte.
  Ein Doppelgänger? Ja, daran würde ich glauben, wenn es bei diesem einen Fall geblieben wäre, und wenn meine eigene Vergangenheit nicht so deutlich auf eine Möglichkeit hingewiesen hätte.Wäre es nicht an der Zeit, endlich die Gräber zu öffnen und nachzusehen, ob die Toten auch ruhten?

Hugh Walker

Was gab es sonst noch?
Hoch die Hände, Wochenende! Das Titelbild von Thole war diesmal richtiger Rock´n Roll, denn der Robert Plant  Verschnitt scheint einem seiner verstorbenen Zeitgenossen (Klub 27?) auf dem Friedhof ein Ständchen zu geben. Stairway to heaven? Mit diesem Bild ist der Vampir endgültig in der damaligen Moderne angekommen, denn auch die Klamotten von Ersatz-Plant sind absolut zeitgemäß. Ein Friedhof kann auch bei Tageslicht schaurig wirken, was Thole mit dem Bild zur Nr.24 beweist. Der/die Tote dürfte bei dem bischen Erde allerdings nicht tief gelegen haben. Da hat der Totengräber wohl arg geschlampt.

Alfons zeigte dem Leser diesmal die traurige Seite von „ Da lacht der Vampir“. Ein fieser Pierrot mauert den dummen August mit den viel zu großen Schuhen ein. Diese weißgeschminkten Oberclowns sind mir sowieso immer ein wenig unheimlich. Den kleinen Berthold am Anfang des Romans spare ich mir lieber, da muss ich mir erst eine stärkere Lesehilfe zulegen.

Bei den Horrorfilmen von 1973 führten an den Kassen immer noch die "Reitenden Leichen“, aber auch Vincent Price war mit dem „Theater des Grauens“ eine Erwähnung bei VAMPIR INFORMIERT wert. Zudem gab es ein Szenenfoto aus dem Film „Frogs“. Irgendwie sind diese Seiten ganz interessant (der Nostalgie-Effekt ist immens) und Manfred Knorr labert seine Leser auch nicht unbedingt zu.

Dreht man den Roman um, grinst einen der muskelbepackte„Arnie“ Arnold Schwarzenegger entgegen. Da ging es noch um seine Muskeln und nicht um seine schauspielerischen Fähigkeiten. Wann wurde eigentlich Anabolika entdeckt? Ich mochte seine Filme immer, auch wenn sie nicht jeden Geschmack trafen, waren doch ein paar richtig gute Klopper dabei. Wer hätte das zu dieser Zeit geahnt?

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