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Ein Filmklassiker - Das Drama von der Liebe bis zum frühen Tod

Ein FilmklassikerFolge 10
Das Drama von der Liebe bis zum frühen Tod

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. Wenn da etwas in der Liebe dann nicht passen soll, dann wird es ein Drama.

Weiße Hochzeit (Noce blanche)Weiße Hochzeit (Noce blanche)
Okay ... der Film kam damals (im Juni 1991) in Deutschland auch unter dem Titel BABY BLUE auf Video heraus, was schon einmal ziemlich verwirrend sein konnte, wenn man den Film bei seiner deutschen Erstausstrahlung etwas später am 30. September 1991 im Fernsehen gesehen hatte, so wie ich. Suchte man nämlich hiernach auch dieses Video, so hatte man das Problem, das man auf Nachfrage mit dem Titel WEISSE HOCHZEIT nur ein allgemeines Schulterzucken in den Videotheken erntete. Blöde also, wenn der Film als Konserve zwar schon früher da ist, aber eben unter einem völlig anderen Titel vermarktet wurde, mit dem dann vor Ort in den Videotheken niemand etwas anfangen konnte. Kaufmännisch würde ich da mal sagen, ist da durch eine gewisse schöpferische Dummheit wohl einiges in die Hose gegangen.

Das zweite mal hatte ich dann den Film WEISSE HOCHZEIT späterhin nochmals auf dem Sender ARTE gesehen. Da lagen aber schon verdammt viele Jahre dazwischen, was wiederum zeigt, dass das deutsche Fernsehen selbst sich immer noch ziemlich schwer mit dem Thema Liebe zwischen einer Minderjährigen und einem gestandenen älteren Mann tut. So ganz mag das nämlich nicht in unsere heile wie auch durchorganisierte Wertegemeinschaft passen.

Weiße Hochzeit (Noce blanche)Der Lolita-Komplex:
Damit wir uns damit jetzt nicht falsch verstehen, es geht hier nicht um die Thematik bezüglich der Pädophilie. Pädophilie ist durchaus verbunden mit einem reinen sexuellen Verlangen nach Kindern und da geht es faktisch nie um gegenseitige Gefühle oder gar Liebe, sondern um sexuelle Gewalt gegen Kindern, die sich nicht wehren können. Hier passen junge Menschen ab spätestens mit einem Alter von 15 Jahren und älter nicht mehr in das betreffende Opferprofil pädophiler Täter, erfüllen aber durchaus noch das Lolita-Klischee, mit dem man gerade in Frankreich recht gerne spielt. Mit faktisch 15 Jahren wurde so mit diesem Lolita-Klischee Vanessa Paradis bei uns in Deutschland durch ihrem Hit JOE LE TAXI (1987) bekannt, was durchaus kein einzelnes Hitwunder in Deutschland blieb. Denn mit BE MY BABY gelang ihr durchweg auch ein vergleichbarer Hit 1992 in Deutschland. Im französischen Fernsehen sang sie indessen bereits mit ca. 10 Jahren. Die Karriere von Vanessa Paradis ging spätestens nach dem Song JOE LE TAXI eigentlich nur noch bergauf. Sie startete nicht nur als Sängerin durch, sondern war bald auch als Model bekannt oder durch die Werbungkampagne für CHANEL, wo es nicht nur um den Damenduft selbst ging, sondern auch um Lippenstifte und Handtaschen mit gleicher Marke. Was das Lolita-Klischee betrifft, war Paradis in Frankreich auch kein Einzelfall. Schon viel früher wurde mit diesem Klischee schon die Sängerin France Gall bekannt, die man hierzulande auch durch ihren Hit ELLA ELLE L'A recht gut kennt. Und nach Vanessa Paradis trat dann Alizee Jacotey in die Lolita-Fußstapfen, die z.B. mit ihrem vielsagenden Song MOI ... LOLITA  zu diesem speziellen Thema auch in Deutschland bekannt wurde.

Weiße Hochzeit (Noce blanche)Die ersten zarten Schritte ins Filmgeschäft:
Was Vanessa Paradis anging, so fasste sie auch recht schnell Fuß im französischen Filmgeschäft mit Filmen wie ELISA (1995) oder DER HEXENCLUB VON BAYONNE (1997). Doch der Film WEISSE HOCHZEIT/NOCE BLANCHE aus dem Jahre 1989 war ihr Einstieg ins Filmgeschäft und verhalf ihr 1990 als recht junge Darstellerin gleich zu einem begehrten Cesar als beste Nachwuchsschauspielerin.

Der Film WEISSE HOCHZEIT wurde darüber hinaus aber auch noch für zwei weitere Cesars nominiert. So manche deutsche Kritiken gingen mit dem Film nicht gerade zimperlich um, kamen allerdings nicht darum herum, die darstellerische Leistung gerade von Vanessa Paradis hervorzuheben bzw. zu loben.

Weiße Hochzeit (Noce blanche)Regie, Drehbuch und die Klischees:
Das Regisseur Jean-Claude Brisseau, der auch für das Drehbuch verantwortlich war, hier im Film mitunter etwas zu tief in die Kiste der Klischees griff, lässt sich dabei auch nicht unbedingt von der Hand weisen. Besonders bei den Dialogen, die mitunter vor einigen trockenen Lebensweisheiten strotzen, können solche Klischees durchaus schon mal etwas "peinlich" wirken. Dies trübt jedoch den allgemeinen Genuss am Film WEISSE HOCHZEIT nur am Rande, denn die Handlung an sich weiß durchaus in einer besonderen Art zu fesseln und findet ihr Ende dankenswerter Weise eben nicht in einem allgemeinen Happy End, auch wenn damit im Hinblick auf den großen Altersunterschied der Liebenden wiederum ein gängiges Klischee bedient wird. Wäre ja auch seltsam, wenn man eine solch ungleiche Beziehung mal als Bestandsfähig darstellen würde. Aber auch in diesem Punkt will ich mal Gnade walten lassen, denn von Liebesfilmen (die allgemein immer mit einer gewissen Dramatik einher gehen), wird man ja in der Regel mit zuckersüßen Happy Ends zumeist erschlagen, was mit der Realität auch kaum vereinbar ist. Man kann es also irgendwie drehen und wenden wie man will, in Sachen Romantik bis Liebesdrama kommt man nur sehr schwer an gewissen Klischees vorbei.

Seine Uraufführung hatte der Film WEISSE HOCHZEIT übrigens am 08. November 1989 in den französischen Kinos. In Deutschland kam der Film unter dem Titel WEISSE HOCHZEIT 1990 in die Lichtspielhäuser.

Weiße Hochzeit (Noce blanche)Ein Urgestein des französischen Film:
Bruno Cremer, der hier übrigens nicht nur den besorgten Lehrer in WEISSE HOCHZEIT spielt, sondern sich auch immer mehr im Liebeskarusell mit seiner jungen Schülerin verstrickt, braucht man eigentlich hier nicht mehr wirklich breit vorzustellen. Wer sich nur ein wenig im französischen Film auskennt, dem dürften Filme wie DER GREIFER von 1976 einfallen, wo Cremer neben Jean-Paul Belmondo spielt, oder der Kriminalfilm DAS FLEISCH DER ORCHIDEE aus dem Jahre 1975 neben der großen französischen Schauspielerin Charlotte Rampling. Dabei konnte er, bevor er zum Film kam, bereits auf zehn Jahre Bühnenerfahrung zurückgreifen. Sein Filmdebüt gab er übrigens gemeinsam mit Alain Delon im Film DIE KILLER LASSEN BITTEN (1957).

Wie gesagt, man kommt in Sachen Filme aus Frankreich an Bruno Cremer nur schwer vorbei, denn in seiner Biogafie türmen sich weit über 80 Kinofilme. Aber auch Krimifreunde fürs Fernsehen dürften über ihn vielleicht schon mal gestolpert sein, denn er verkörperte auch über 50 mal die markante Rolle des KOMMISSAR MAIGRET. Bruno Cremer verstarb mit 88 Jahren am 07. August 2010 in Paris.

Doch kommen wir nun zum eigentlichen Inhalt des Films WEISSE HOCHZEIT, den ich euch mit diesem Artikel meiner Reihe DER FILMKLASSIKER gerne nahe bringen möchte.

Weiße Hochzeit (Noce blanche)Eine ungleiche Liebe auf Umwegen und ... der Tod:
Die 17-jährige Mathilde Tessier schafft es gerade mal so eben, fasst am Ende einer Unterrichtsstunde in ihrer Schule in Saint-Etienne, noch in ihre Klasse zu eilen. Dabei dürfte dies noch ihr kleinstes Problem sein, denn sie war seit 17 Schultagen bereits nicht mehr an ihrer Schule aufgetaucht.

Das sie sich nicht so ohne weiteres durchmogeln kann, müsste ihr also bewußt sein und ihr Philosophielehrer Francois Hainaut reagiert daher auch recht ungehalten und wirft Mathilde gleich wieder aus seinem Unterricht. Er gibt ihr dabei mit auf den Weg, einmal genauer darüber nachzudenken, warum sie ständig die Schule schwänzt. Denn an der Schule hat man sie deshalb bereits im Auge und nicht wenige ihrer anderen Lehrerinnen und Lehrer würden das Mädchen lieber gleich von der Schule rauswerfen.

Als Francois sich später auf den Heimweg macht, entdeckt er Mathilde wieder, die in einem nahen Wartehäuschen für den Bus ohnmächtig zusammengebrochen ist. Er bringt die Schülerin nach Hause und muss hier feststellen, das sie völlig alleine in einer kleinen Dachwohnung ziemlich ärmlich lebt. So erfährt er auch bald, das ihr Vater Psychater ist und ihre Mutter an tiefen Depressionen leidet, weshalb sie bereits einige Selbstmordversuche hinter sich hat. Damit sie daher nicht alleine bei ihrer Mutter leben muss, hatte ihr Vater ihr diese kleine Wohnung in Saint-Etienne besorgt und sie dort an der Schule angemeldet. Das sie überhaupt an der Schule angenommen wurde um ihr Abitur machen zu können, hatte sie hingegen einem Lehrer zu verdanken, der jedoch aus Altersgründen nun nicht mehr auf der Schule unterrichtet.

Aber auch Mathilde erfährt so einiges von ihrem Lehrer, der mit einer Buchhändlerin verheiratet ist, die nebenbei auch noch für die örtliche Zeitung Artikel schreibt. Als Francois jedoch gehen will, nachdem er sicher ist, das es Mathilde wieder etwas besser geht, lässt er sich von ihr doch noch zu einem gemeinsamen Abendessen einladen. Bevor er dann seinen Heimweg antritt, küsst sie ihren wesentlich älteren Lehrer auch noch zärtlich auf die Wange. Francois weiß in diesem Moment noch nicht, welcher Stein damit ins rollen gebracht wird.

Am nächsten Tag ist Mathilde sogar pünktlich in der Schule und hält sogar ein geradezu perfektes Referat im Unterricht von Francois. Der versucht seinerseits Mathilde zu helfen und erwirkt auf der Lehrerkonferenz eine Bewährungszeit für Mathilde bis zu den Osterferien. Damit diese Hilfe nicht vergeblich ist, bemüht er sich in seiner Freizeit, mit ihr den bisher verlorenen Schulstoff sogar nachzuholen, doch irgendwie scheint Mathilde ein Geheimnis vor ihm zu haben, was ihn plötzlich seltsamer Weise sehr persönlich trifft.

Doch die Sache wird immer intensiver. Bald duzen sich Mathilde und Francois und das Mädchen ruf ihn fasst regelmäßig an, obwohl er ihr nie seine private Telefonnummer gegeben hatte. Catherine, Francois Ehefrau, wird über diese ständige Nähe von Mathilde zu ihrem Mann misstrauisch und lässt sich von ihm alles über seine Schülerin erzählen. Sie warnt ihn aber auch davor, das sich das Mädchen in ihn verlieben könnte und er sich in sie, was er jedoch als eher lächerlich betrachtet und sie beruhigt. Doch die Realität sieht bereits völlig anders aus, denn Francois verfällt dem hübschen Mädchen immer mehr. Als sie eines Tages nicht zum Unterricht erscheint, eilt er in ihre Wohnung um sie zur Rede zu stellen. Dieses Treffen endet jedoch recht bald in ihrem Bett, wo sie miteinander schlafen.

Catherine erhält bald danach anonyme Briefe, indem Francois beschuldigt wird, eine Affäre mit einer anderen Frau zu haben. Darauf angesprochen wiegelt Francois nur entrüstet ab. Doch die Realität sieht bereits ganz anders aus, als Catherine es sich zuerst vorzustellen wagt. Kurz vor den Osterferien haben sich an der Schule die Leistungen von Mathilde indessen so weit verbessert, das sie die Schule auch weiterhin besuchen darf. Glücklich über diesen Erfolg, passt sie Francois heimlich ab um mit ihm gemeinsam fortzufahren. Doch dabei werden sie heimlich von einer Kollegin von Francois beobachtet.

Francois würde die Ferien nun gerne mit Mathilde gemeinsam verbringen, doch das Mädchen muss zurück nach Paris, weil ihre Mutter einen neuerlichen Selbstmordversuch begangen hat. Doch bevor sie nach Paris fährt, gesteht Mathilde Francois, das sie mit 11 Jahren bereits Drogen genommen hatte und ihre Brüder als Dealer tätig waren und sie sich darüber hinaus drei Jahre lang durch Prostitution durchs Leben geschlagen hatte. Doch Ruhe findet auch Catherine nicht, als Mathilde in Paris weilt. Das Mädchen ruft ständig bei ihnen an und so verlässt sie ihren Mann völlig entnervt über die Ferientage, damit er sich darüber klar werden kann, an welcher Seite er zukünftig stehen will.

Als Mathilde wieder in Saint-Etienne ist, sucht sie Francois zu Hause auf und bittet ihn darum, sich für sie zu entscheiden und seine Frau Catherine zu verlassen. Sie schlafen zwar wieder miteinander, doch eine Trennung von Catherine lehnt Francois grundsätzlich ab, da er in der Beziehung zu dem jungen Mädchen keine wirkliche Zukunft für beide sieht.

Als die Schule wieder beginnt, ist Mathilde plötzlich zu einem Schulkameraden gezogen, da Francois ihr am Ende gesagt hatte, das sie sich für immer trennen müssten. Mathilde ahnt jedoch, das Francois sie stets beobachtet und provoziert ihn, indem sie recht offen mit ihrem Schulkameraden flirtet. In Francois keimt indessen immer mehr Eifersucht auf, die nun Mathilde bewußt ignoriert. Dafür terrorisiert sie inzwischen Catherine, die fasst einem organisiertem Unfall zum Opfer fällt. Auch werden die Scheiben ihrer Buchhandlung eingeschlagen. Nach einer Bombendrohung legt man sogar ihre Mitarbeit bei der örtlichen Zeitung auf Eis.

Francois rastet daraufhin völlig aus, zerrt Mathilde aus dem voll besetzten Unterricht und schleift sie in ein leerstehendes Klassenzimmer am anderen Ende der Schule. Dort zur Rede gestellt, offenbart ihm Mathilde, das sie Catherine weiterhin Schwierigkeiten machen werde, weil sie ihn liebe und ganz für sich haben will. Zwar verpasst ihr Francois einige Ohrfeigen, doch dann fallen sie in einem Umkleideraum übereinander her und schlafen miteinander. Dieser Sex wird jedoch von der Kollegin beobachtet, die sogar versucht, Francois zu decken, indem sie den Schülern den Zutritt verwehrt. Doch dann muss sie ihren "Wachposten" verlassen, so das mehrere Schüler Zeuge des Liebesspiels von Francois mit Mathilde werden, was natürlich bald die Runde auf der Schule macht.

Weiße Hochzeit (Noce blanche)Zwischeninformation:
Hier setzt nun im Film ein Erzähler ein, der dem Zuschauer kurz die weitere Entwicklung näher bringt. So wird Francois seitens der Schulbehörde nach Dunkerque (Dünkirchen) strafversetzt. Der Vorwurf besteht darin, das er ein sexuelles Verhältnis mit einer schutzbefohlenen Schülerin eingegangen ist. Catherine hat ihren Mann daraufhin für immer verlassen. Fasst zeitgleich verstirbt Mathildes Mutter, worauf auch sie plötzlich aus Francois Leben verschwindet.

Ein Jahr später:
Francois, nunmehr alleine, unterrichtet an einer Schule in Dunkerque. Kaum in seiner Wohnung angekommen, erhält er einen Anruf der Polizei mit der Bitte, in eine bestimmte Wohnung in der Stadt zu kommen, die sich direkt gegenüber der Schule befindet. dort wird er mit der Leiche der jungen Mathilde konfrontiert, die sich das Leben genommen hat. Seit nunmehr zwei Monaten hatte sie die Wohnung gemietet, von wo aus sie ihn vom Fenster aus jeden Tag beim Unterricht in der Schule beobachtet hatte, aber während der ganzen Zeit nie das Zimmer verließ. Alles was man bei dem toten Mädchen gefunden hatte, war ein Buch, das Francois einmal verfasst hatte und wo sein Name, Telefonnummer und seine neue Adresse vermerkt waren. So war sie ihm ganz nahe ohne das er etwas davon bemerkte und ohne das sie jemals wieder persönlich Kontakt zu ihm aufgenommen hatte. Mathilde starb einzig wegen ihrer unerfüllten Liebe zu ihrem Leher Francois.

Weiße Hochzeit (Noce blanche)Meine Filmkritik:
Eine damalige Filmkritik stellte bei dem Film WEISSE HOCHZEIT Verbindungen zur Handlung des Films EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE aus dem Jahr 1987 mit Michael Douglas und Glenn Close her, was anhand dem eifersüchtigen Terror von Mathilde gegenüber Catherine nicht wirklich völlig von der Hand zu weisen ist.

Doch bestehen diese Ähnlichkeiten eigentlich nur nach einer recht oberflächlichen Natur. EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE behandelt nämlich eher einen rein sexuellen Seitensprung, der völlig einseitig gefühlmäßig vertieft wurde (durch die weibliche Figur der Alex Forrest), in rasende Eifersucht gipfelte, ausgelöst durch ihre erheblichen psychischen Probleme und dann in einen tödlichen Hass ausuferte. Das passt allerdings nicht wirklich in die Handlung des Films WEISSE HOCHZEIT. Der hier von Mathilde ausgelöste Terror gegen Catherine entspricht ihrer jugendlichen Unerfahrenheit, andere Wege zu beschreiten um den Mann an sich zu binden, in den sie unsterblich verliebt ist. Auch entwickelt sich keinerlei Hass zwischen ihr und Francois. Zwar wurden sie faktisch gewaltsam getrennt, doch am Ende wusste Mathilde keinen anderen Ausweg mehr, als selbst aus dem Leben zu scheiden, weil sie keine Zukunftschancen mit Francois sah. Ein Grund auch, warum sie einerseits alles aufgab um nur in seiner Nähe zu sein, andererseits allerdings auch keinen Versuch mehr startete, nochmals Kontakt mit ihm aufzunehmen.

Im Film selbst wird übrigens mit keinem Wort von einem Selbstmord seitens Mathilde gesprochen. Vielmehr wird hier davon gesprochen, das sie aus tiefer und unerfüllter Liebe gestorben ist. Man kann dies aber getrost als eine Art poetische Umschreibung für einen Selbstmord betrachten.

Der Film selbst kommt etwas spröde, aber durchaus auch sehr erotisch wie nachdenklich herüber und wusste mich, der ich ja sonst eigentlich ein Fan der ganz blutigen Sachen im Film und Roman bin, durchaus zu begeistern.

Etwas kritischer muss man hier aber bei manchen Dialogen sein, besonders dann, wenn hier ein Übergang zwischen dem philosophischen Schulstoff und dem realen Gefühlsleben geschlagen werden soll. Hier fängt das ganze leider etwas an, mächtig aufgesetzt zu klingen, was man insbesondere einer Schülerin mit 17 Jahren nicht wirklich abnehmen möchte. Da hatte Jean-Claude Brisseau es in Sachen Drehbuch und Regie etwas zu gut gemeint und deshalb tippelte er hier dann auch völlig neben jeder realistischen Spur, was ihm dann auch nicht wenige Kritikpunkte einbrachte. Vanessa Paradis und ihrem Filmdebüt hatte dies allerdings nicht geschadet. Denn was die vorgegebenen Dialoge angeht, kann man sie nun nicht wirklich mit in Haftung nehmen und selbst bei diesen aufgesetzt wirkenden Szenen gelang ihr es immer noch, das bestmögliche hier noch heraus zu holen. Ihr Eifer aber auch ihre besondere, mädchenhaften Art, die Rolle auszufüllen, wurde dann letztendlich auch von den meisten wichtigen Kritikern belohnt.

Das Ende mag hier durchaus einem gewissen Klischee folgen, doch wie oben schon einmal erwähnt, kommt man in diesem Genre nie wirklich weiter, ohne dabei das eine oder andere Klischee mitzunehmen. Da lässt sich eigentlich nichts mehr wirklich neu erfinden, so das es nur noch darauf ankommt, wie interessant, oder wie uninteressant man diese Klischees in eine Handlung einzubauen weiß.

Natürlich sind solche Filme auch nicht jedermanns Sache. Wer aber etwas offener ist auch für solche Filme im Bereich von Liebe, Romantik und Drama, der sollte hier möglichst auf französische Produktionen zurückgreifen, denn die Franzosen haben einfach das sicherste Händchen dafür, solch einen Stoff filmisch wirklich interessant umzusetzen.

Zur Zeit ist z.B. die Videokasette unter dem Titel BABY BLUE bei Amazon noch gebraucht zu erstehen. Die DVD mit dem Titel WEISSE HOCHZEIT, die mir vorliegt, ist indessen wohl auch nur noch gebraucht erhältlich, was eigentlich sehr schade ist. Was die DVD-Fassung angeht, so wird man dann auch wohl etwas Zeit bei der Suche aufwenden müssen, denn so leicht ist dieser Film (selbst gebraucht) gerade nicht zu bekommen und hat dann natürlich auch meist einen gewissen Sammlerpreis. Daher kann ich hier nur den Tipp geben ... wenn ihr günstig an eine gute, gebrachte DVD von WEISSE HOCHZEIT kommen könnt, dann greift zu. Andererseits sollten sich die vorhandenen Labels überlegen, ob sie diesen durchweg hervorragenden Filmklassiker nicht wieder neu ins Sortiment aufnehmen, denn er hätte es durchaus zwischen der sonstigen Massenware aus den USA in diesem Genre verdient.

Von mir erhält der Film WEISSE HOCHZEIT trotz mancher kleiner Mängel seitens des Drehbuches und der Regie daher die vollen fünf von insgesamt fünf möglichen Punkte und eine klare Empfehlung in Sachen Heimkino und Filmsammlung.

Ausblick:
Werwölfe sind ja putzige Vertreter im Wald und auf der Heide. Man sollte ihnen nur eben nicht zu nahe kommen, weil sie nicht gerade über eine gute Kinderstube verfügen. In einer bekannten Filmreihe des Kino stellte man auch bei Werwölfen sehr treffend fest, das sie nach "nassem Hund" riechen.

Ist man dann noch reichlich jung und sagen wir mal, nicht gerade gut zu Fuß, dann könnte es schon einige Probleme mit diesen putzigen Gesellen geben. Allerdings reicht da wohl schon einer, um wirklich in Schwierigkeiten zu kommen.

Und dann muss man natürlich noch jemanden finden, der einem überhaupt glaubt, das da so ein Vieh direkt in der unmittelbaren Nachbarschaft seinen Auslauf bei Vollmond benötigt. Hat man das aber erst einmal überwunden, dann legen die ersten Mutigen auch schon los um die Bestie an die nächste Hauswand zu nageln. Ob das aber dann eine wirklich gute Idee ist, wage ich angesichts dieses fellbewährten Lieblings irgendwie zu bezweifeln.

Der Film wurde übrigens nach einem recht ungewöhnlich verfassten Buch verfilmt. Ich glaube mal, der berühmte Autor hat da was mit seinem Terminplaner verwechselt. Wie gut also, wenn man dann noch einen Onkel sein eigen nennen kann, der nicht gerade selten zu tief in eine Alkoholflsche schaut. Oder war gar die eigene Schwester besoffen? Ehrlich, ich weiß es gerade nicht mehr so genau, aber raten sollt ihr ja eigentlich, um welchen Horrorfilm es sich beim nächsten mal handelt.

Viel mehr kann ich euch hier nicht verraten, denn das würde dieses Rätsel nun wirklich zu einfach machen. Der Film kommt übrigens in seiner Handlung schon mal mit einem gewissen Augenzwinkern daher, besitzt aber durchaus seine gelungenen wie spannenden Momente mit einem Werwolf, der mich mal nicht gleich zum schmunzeln bringt, weil man sich in dem Punkt auch mal etwas mehr Mühe gemacht hatte, als einen Darsteller nur Opas Zweithaar ins Gesicht zu kleben.

Aber ich gehe mal davon aus, das ihr auch bei diesem Film durchaus flott auf den Titel kommt, weil ich hier nun wirklich mehr als genug Hinweise verstreut habe. In diesem Sinne also noch viel Spaß beim raten und bis zum nächsten Samstag, wenn ich mal wieder meine Sammlung der PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKER öffne.

Weiße Hochzeit (Noce blanche)Weiße Hochzeit 
(Noce blanche)
mit Vanessa Paradis, Bruno Cremer, Ludmila Mikael, Francois Negret, Veronique Silver, Philippe Tuin, Jean Daste, Arnaud Goujon, Pierre Gabaston, Benoit Muracciole u.a.
Regie und Drehbuch: Jean-Claude Brisseau
Produktion: Margaret Menegoz
Genre: Romantik/Drama
Laufzeit: 89 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Arthaus
Frankreich 1989

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2017-10-14 05:49
So ist das, wenn man samstags morgens viel zu früh wach wird - und einfach nicht mehr schlafen kann: entweder TV, Buch...oder einfach im www-mäßig unterwegs - good morning Zauberspiegel.

Nun bin ich so gar kein Paradis-Fan - und wenn ich nicht irre, dann habe ich diesen Film irgendwann, zwangszweise, bei einer "guten Freundin", am späten Abend gesehen. Französische Filme mag ich eigentlich - aber dann doch schon eher die alten "Flic-Filme" mit Delon. Belmondo, Gabin oder Ventura.
Bruno Cremer gefiel mir immer recht gut - und neben seinen Filmen ist er mir auch sehr gut als "Espinosa" , in der von mir hoch geschätzten Mafia-Serie "Allein gegen die Mafia" in Erinnerung,

Zum Ausblick: wieder recht einfach - vom berühmten Autor läuft gerade eine Verfilmung im Kino (auch ein Horrorroman). Und der berüchtigte Werwolf predigt eigentlich das "Wort zum Sonntag..."
#2 Laurin 2017-10-14 11:45
@ Friedhelm:
Wenn ich mir so manche Filme von Vanessa Paradis ansehe, so konnte ich mit ihrer Musik auch (darüber hinaus betrachtet) mehr anfangen. Doch in WEISSE HOCHZEIT hatte sie bei mir filmisch gesehen wirklich punkten können. Bei französischen Filmen allgemein gesehen muss ich sagen, können hier auch heute noch nicht wenige Produktionen bei mir punkten, weil sie sich von den US-Produktionen immer noch etwas wohltuend abzuheben vermögen.

Was den Ausblick betrifft: Ja, da läuft gerade der erste Teil einer Verfilmung seines Horrorromans ziemlich gut. Eine andere Verfilmung (kam im August in die Kinos) ließ hingegen viele seiner Fans eher sehr verhalten zurück. Und was den Werwolf betrifft, der predigte nicht nur, sondern wusste im Film auch jede Menge Pfandflaschen und Dosen zu würdigen. ;-)
#3 Andreas Decker 2017-10-14 13:08
Die Story ist ein echtes Klischee, oder? Da fällt mir neben dem Klassiker "Lolita" zb "Baby Love" aus England ein, wo die blutjunge Linda Hayden die Verführerin war. Der war für 1968 relativ freizügig. Oder natürlich Tatorts "Reifezeugnis".

Das Ende klingt schon arg romantisch/verquast, oder? Eine 18jährige, die wegen unerfüllter Liebe stirbt? Klingt wenig plausibel und sehr männerzentriert vom Drehbuch her. Umgekehrt würde ich es eher glauben :-) Kein größerer Narr als ein alter Narr ;-)

Mit Werwölfen kannst du mich jagen. Es gibt genau einen Film, wo ich sie interessant gemacht fand, das war "The Howling", ansonsten finde ich das Konzept sehr begrenzt und mittlerweile stinklangweilig, ob nun als Roman oder Film. Den Film nächste Woche muss ich zwar gesehen haben - im Gegensatz zu heute waren Verfilmungen vom berühmten Autor damals Pflicht; heute sind sie mir so egal wie seine Romane -, aber ich habe keine große Erinnerung daran. Wahrscheinlich aufgebläht, weil die Vorlage doch sehr schlicht gestrickt war. Aber die Bilder dazu von Wrightson waren nett.
#4 Friedhelm 2017-10-14 16:22
eigentlich geht es ja hauptsächlich um den "Paradis-Film", aber das Thema "Werwölfe" ist zuweilen ja wirklich interessant. Zitat:
Es gibt genau einen Film, wo ich sie interessant gemacht fand, das war "The Howling",
Stimme ich dir zu - unter anderem sind die Transformationsszenen von Rick Baker-Schüler Rob Bottin superb. Und das noch lange vor den ganzen Digital-Movies. Allerdings ist hier auch nur der erste Teil erwähnenswert. Teil 2..und das was noch folgte waren wirkich unterirdisch.

Bei "Underworld" fand ich immer total schräg, dass sich Vampire u n d Werwölfe mit Kanonen beharken.

Hammers "Fluch des Sinestro" fand ich übrigens auch nicht schlecht.

Ich bin jamal wieder der -vielleicht seeehr untypischen Meinung- das der gesuchte Film ein bisserl "Spielberg-Touch" hat. Aber ich habe das Ding auch seit den seligen Achtzigern nicht mehr gesehen. Kann also sein, dass ich da etwas durcheinander bringe...(Nobody is perferct...auch ein Hippen nicht.... :-* )
#5 Andreas Decker 2017-10-14 17:58
zitiere Friedhelm:


Stimme ich dir zu - unter anderem sind die Transformationsszenen von Rick Baker-Schüler Rob Bottin superb. Und das noch lange vor den ganzen Digital-Movies. Allerdings ist hier auch nur der erste Teil erwähnenswert. Teil 2..und das was noch folgte waren wirkich unterirdisch.


Ja, die Szene ist unerreicht. Das ist wirklich ein böses Vieh, das da vor unserer unglücklichen Heldin steht. Gefällt mir auch heute noch besser als der "American Werewolf", der so mit der Brechstange witzig sein muss, um ja kein Horrorfilm zu sein.

Und Teil 2 ist Schrott, keine Frage - obwohl, er hat auch seinen Charme. ;-) Chris Lee auf Autopilot und deutlich erleichtert, dass er jetzt seine Steuerschulden zahlen kann, Volksfest in Budapest oder wo auch immer das gedreht wurde, Ferdy Mayne. Und der bizarre Nachspann, in dem sich Sybil Danning 20 mal oder so das Top vom Körper reißt. Dafür nimmt man den öden Schwachsinn dazwischen irgendwie in Kauf :D :D
#6 Laurin 2017-10-14 22:49
Nun bin ich ja ein ehrliches Männlein und muss sagen, das ich um das Thema Werwölfe z.B. im Heftroman immer schon einen weiten Bogen gemacht habe, weil ich diesem Monster nun wirklich recht wenig abgewinnen konnte, was bei den Steigerungen wie Wertigern, Werhasen und was es da nicht alles gibt, auch nicht besser wurde. Im Film war so ein Vieh für mich meistens einen Lacher wert.

THE HOWLING dagegen war durchaus damals sehenswert, hat aber in meiner Filmsammlung noch keinen Eingang gefunden. Der Hinweis auf "ein bisserl Spielberg-Touch" ist auf den Film der nächsten Woche auch durchaus zutreffend. Trotzdem hatte der Film irgendwas, was ihn für mich durchaus unterhaltend macht (wirklicher Horror ist da hingegen wirklich Mangelware). Richtig gut hingegen fand ich bei dem Film allerdings, das man hier mal einen Geistlichen zum Monster degradierte. Das hatte was. :lol:
AMERICAN WEREWOLF z.B. empfand ich persönlich sogar als eine filmische Zumutung, die ich mir im Leben wohl kein zweites mal mehr antun werde.

Und was die Klischees bei dem Film WEISSE HOCHZEIT angeht, Andreas Decker, schrieb ich oben ja schon, das man generell bei solchen Filmen nie an Klischees vorbei kommt. Da gibt es eigentlich wirklich fasst nichts, was nicht schon einmal in irgendeiner Form in diesem Genre mal dagewesen ist. Es hängt also eher davon ab, ob du solche Klischees interessant innerhalb der Handlung verpackst oder nicht. Von daher sagte mir z.B. der Filmklassiker LOLITA sogar weniger zu als dieser Film oben, ganz einfach, weil hier die Klischees einfach nur mitunter plump und wie aufgesetzt herüber kamen. Da fand ich sogar den TATORT/REIFEZEUGNIS um Längen besser umgesetzt. Aber im Grunde ist dies am Ende auch wieder wie so oft, eine Frage des persönlichen Geschmacks.
#7 Feldese 2017-10-17 09:19
Absolute Zustimmung zu "The Howling" (Das Tier). Mich hat es immer gewundert, dass diese kleine Horrorfilm-Perle so ein bisschen in Vergessenheit geraten ist, während der auch von mir als eher unerträglich (weder witzig, noch gruselig, sondern schlicht langweilig) eingestufte "American Werwolf" es zum kleinen Klassiker gebracht hat.

Was Werwolf-Romane angeht, hab ich da eine (sehr) dunkle Erinnerung an einen gelungenen in der Heftromanreihe "Vampir-Horror-Roman"... Von Hugh Walker...???

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