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Ein Filmklassiker - Pseudoattitüden, Moralismen und Sex aus Spaß

Ein FilmklassikerFolge 3
Pseudoattitüden, Moralismen und Sex aus Spaß

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. 1967 lagen Romantik und Tragödie dabei durchaus nahe beieinander.


Die Sammlerin (La Collectionneuse)Die Sammlerin (La Collectionneuse)
Mit der Jugend ist das so eine Sache. Ende der 60er Jahre machte man ab einem gewissen Alter gerne schon mal einen auf Interlektuell. Besonders dann, wenn man mal ein Buch in Richtung Philosophie gelesen hatte, was man vielleicht aber noch nicht einmal wirklich verstanden haben musste (zumindest nicht in seiner Gesamtheit).

Mein Bruder z.B. gehörte auch in diese Generation und meinte damals auch immer, das Wissen und Interllekt ein Vorrecht des Alters gegenüber jüngeren Personen sei. Und hier besonders sein kleiner Bruder (also ich), dem er wohl immer zehn (Jahre und ... )Schritte voraus sein würde. Na ja, manche Erkenntnis, was das Leben betrifft, stellt sich bestimmt erst in einem gehobenerem Alter ein, kann dann aber manchmals auch jemanden recht übel auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Ich selbst, eben runde zehn Jahre jünger gehörte als Heranwachsender da schon wieder einer anderen Generation an. Wir sahen da vieles lockerer, hinterfragten nicht jeden Blödsinn philosophisch in Rosarot getüncht und statt die Welt auf die umständliche Tour erklären zu wollen, legten wir schon mal die Grundsteine für die nächste Generation meines Neffen mit Punk-Frisuren und Null-Bock-Mentalität.

Besonders was da höhere Schulen anging oder die Universitäten, schien es, als produzierten diese gerade Ende der 60er Jahre alles kleine Philosophen am Fließband. Und als Sahnehäubchen oben drauf trat gerade noch die sexuelle Revolution alle Türen ein. Eric Rohmer jedenfalls legte hierzu sein ganzes Gewicht in den Film und behandelte die doch recht ähnliche Story gleich in einem Zyklus von Kurz- sowie Langfilmen. Man könnte auch sagen, er drehte sich in gewisser Weise zum Thema Jugend, Beziehung und Moral etwas im Kreis.

Die Sammlerin (La Collectionneuse)Der Film DIE SAMMLERIN gehört da ebenso hinzu und ist als dritter Beitrag gleichsam auch der erste Langfilm dieses Filmzyklus von Rohmers "Sechs moralischen Erzählungen". Wer hier mehr wissen will oder in den Zyklus tiefer einsteigen möchte, dem seien hier einmal die zusammenhängenden filmischen Beiträge von Eric Rohmer aufgezählt:

  •  DIE BÄCKERIN VON MONCEAU (1962)
  •  DIE KARRIERE VON SUZANNE (1963)
  •  DIE SAMMLERIN (1967)
  •  MEINE NACHT BEI MAUD (1969)
  •  CLAIRES KNIE (1970)
  •  LIEBE AM NACHMITTAG (1972)

Die Sammlerin (La Collectionneuse)Muss man nun alle diese Beiträge gesehen haben?
Ehrlich gesagt - Nein. Es reicht hier völlig, wenn man wie ich den ersten Langfilm, DIE SAMMLERIN anschaut, denn Rohmer wechselt die Darsteller, tauscht das Umfeld und die begleitenden Begebenheiten und Auslöser aus, bleibt aber in der Grundausrichtung immer der gleichen Grundlage treu, die wie hier bei DIE SAMMLERIN folgt aussieht:

Ein Mann befindet sich in einer festeren Beziehung mit einer Frau (was aber nun nicht mit der Ehe gleichzusetzen ist) und trifft durch Zufall auf eine andere Frau und gerät hier gefühlsmäßig und sexuell in Versuchung. Dieser Versuchung widersteht er sich auf mehr oder weniger extremer Weise und bleibt sich selbst und seiner selbstgewählten Moralvorstellung treu. Ob aber positiv oder negativ, darüber darf der Zuschauer hier durchaus auch sich selbst eine Antwort basteln.

Es handelt sich hier also immer um filmische Beiträge in abweichenden, geringfügigen Variationen, aber immer mit dem gleichen Grundthema. Eric Rohmer nennt dieses Schema selbst übrigens "vacances sentimentales". Der Tanz um die (selbstgewählte) Moral fungiert hier also als kompositorische Klammer des filmischen Zyklus.

Hat das aber nun etwas mit Romantik zu tun? Ja, im Grunde schon und würden die jeweiligen Akteure etwas anders reagieren, könnte es glatt auf einen Liebesfilm mit Happy End hinaus laufen. Tut es aber nicht, weil das Interesse auf der einen Seite eher auf Sparflamme läuft, während auf der anderen Seite man sich schlicht selbst belügt und die sich bietenden Zeichen einfach nach der selbstgewählten Lüge falsch interpretiert.

Die Sammlerin (La Collectionneuse)Dies lässt sich im Film auch recht gut und ziemlich amüsant nachvollziehen. Man muss nur die tagebuchartigen Dialoge des Ich-Erzählers (hier des jungen Kunsthändlers Adrien) und die parallel laufende Kameraperspektive in einer Einheit betrachten und schon kommt man recht flott dahinter, das beide Perspektiven nicht im mindesten im Gleichklang verlaufen. Oder um es einfacher zu sagen, zeigt die Kameraperspektive die Realität in Bildern, während Adrien in seinen tagebuchartigen Kommentaren sich faktisch in seinem Selbstbetrug mitunter sogar sult.

Wie gesagt, Adrien, selbst, nicht gerade Alt, strotzt geradezu vor pseudophilosophischer Selbstüberschätzung wie ein Hahn auf dem Mist, empfindet sich als Weise gegenüber der jungen und eher recht lockeren Haydee und merkt nicht einmal, dass er sich so geradewegs selbst mächtig in die Tasche lügt. Das hat an sich für den Verlauf der Handlung des gesamten Films etwas tragisches, aber bei genauer Betrachtung auch durchaus eine recht komische Komponente. Denn eigentlich würde er ja schon recht gerne mit Haydee, stellt sich aber schlicht durch seine selbstgewählte und realitätsferne Moralvorstellung selbst laufend ein Bein. Das er damit ständig auf die Fresse fällt ist dabei nur eine logische Konsequenz, die er selber allerdings nur selten registriert. Am Ende redet er sich dann selbst ein, das er Standhaft geblieben ist für die eigene Beziehung, bei der er jedoch nicht einmal weiß, ob diese überhaupt noch wirklich eine Zukunft besitzt. Haydee indessen langweilt am Ende der Selbstbetrug von Adrien und zieht wie ein Zugvogel einfach weiter als dieser sie einfach stehen lässt, ohne einen weiteren Gedanken an ihn zu verschwenden. Wozu auch, schließlich sperrte er sich bei jeder sich bietenden realen Möglichkeit, den Dingen eine neue (vielleicht gemeinsame) Wendung zu geben.

Die Sammlerin (La Collectionneuse)Rohmer ist mir bei einer anderen Gelegenheit bereits aufgefallen:
Der Film von Eric Rohmer mit dem Titel DIE SAMMLERIN ist mir erst viel später wirklich aufgefallen, doch Rohmer war mir in Sachen tragischer Romantik schon einmal recht positiv aufgefallen, und zwar in seiner Komödie von 1982/83 mit dem Titel PAULINE AM STRAND (Pauline a la plage). Hier konnte er mit feinem Humor die Probleme einer 15-jährigen mit der Liebe zu einem 17-jährigen Jungen und dem ehemaligen Liebhaber ihrer älteren Schwester (wohl so um die 30 Jahre) aufbereiten, während deren ältere Schwester nicht minder ihre Probleme mit den Männern und ihren Gefühlen hat.

Der Film sprühte geradezu von einer faszinierenden Erotik, ohne jedoch jemals negativ zweideutig oder schmuddelig daher zu kommen. Und das was ihm bei dem Film PAULINE AM STRAND somit recht gut gelang, zeichnet ihn auch bereits bei der tragischen Romanze DIE SAMMLERIN aus, wie ich eben späterhin positiv feststellen durfte.

Was Filme im Bereich der Romantik angeht, standen und stehen bei mir überhaupt französische Filme stets an erster Stelle. Im Logo oben zur Artikelreihe sieht man z.B. Clark Cable und Vivien Leigh aus dem Film VOM WINDE VERWEHT aus dem Jahre 1939. Nun muss ich gestehen das ich genau diesen Film vor mindestens 30 Jahren das letzte mal gesehen hatte und das noch nicht einmal wirklich vollständig. In Sachen Filme (und eben nur Filme) sehe ich mir hierzu lieber US-Liebeskomödien mit einem recht hohem Humorfaktor an, denn die eigentlichen US-Liebesfilme der Sparte Romantik sind mir (ähnlich wie viele der deutschen Produktionen) oft zu aalglatt und mit einem schon nicht mehr zu ertragenden moralischen Anspruch verseucht, der mir ehrlich gesagt einfach nur noch Magenschmerzen verursacht. Da sind mir also die französischen Beiträge des romantischen Kinos lieber, die eben nicht nach Schema F mit einem unglaubwürdigen Happy End einem die Lebenszeit stehlen. Also wer bei dem Logo die tiefere Hoffnung hegen sollte, das ich auch mal einen Artikel in der Reihe DER FILMKLASSIKER zu dem Film VOM WINDE VERWEHT bringe, den muss ich hier leider enttäuschen. Auch dieser Film mag ein Klassiker der Filmgeschichte sein, aber meine verfügbare Lebenszeit mag ich mit diesem oder ähnlichen 08/15 Schmachtfetzen nicht verschwenden wollen.

Doch kommen wir nun mal zur eigentlichen Handlung des Films DIE SAMMLERIN. Zum einen schon deshalb, damit man hier einen gewissen Einblick erhält, zum anderen, weil die Handlung wohl nicht unbedingt mehr der breiten Gemeinde der Filmfreunde bekannt sein dürfte. Dabei hat gerade dieser Film ja 1967 in Deutschland den Silbernen Bären als Spezialpreis der Jury und den Preis für den besten Film für (damalige) junge Menschen erhalten. Darüber hinaus war der Film DIE SAMMLERIN auch für den Goldenen Bären nominiert gewesen, was ich im Ausblck natürlich nicht verraten hatte, denn sonst hätte man ihn leichter im Internet aufstöbern können. Hinzu kommt, das der Film wohl zur Zeit nicht gerade an jeder Ecke noch erhältlich ist und man schon zur Zeit etwas suchen muss, um ihn noch an Land ziehen zu können. Im Moment jedenfalls ist der Film wohl nur in einer Filmbox (mit 10 DVDs) zu Filmen von Eric Rohmer mit einem recht stattlichen Preis erhältlich. Aber nun genug des Drumherum und kommen wir nun endlich zur Handlung von DIE SAMMLERIN.

Die Sammlerin (La Collectionneuse)Von Möglichkeiten, Erotik und Selbstbetrug:
In der Beziehung zwischen dem jungen Kunsthändler Adrien und seiner Freundin krieselt es gewaltig, weshalb sie nun alleine nach London gefahren ist. Adrien hingegen will die nun anstehende freie Zeit mit seinem Freund Daniel in einer Villa am Mittelmeer verbringen, die ihnen ein anderer Freund über den Sommer überlassen hat, um eigentlich nur noch seine Seele baumeln lassen.

Diese rein männliche Zeit des Sommers wird jedoch empfindlich gestört durch die ebenso junge wie hübsche Haydee, die sich ebenfalls in der Villa einquartiert hat. Schnell kommt es zu ersten Kontakten zwischen Adrien und der lockeren Haydee, wobei Adrien der festen Überzeugung ist, das Haydee es auf ihn abgesehen hat. Nur leider trifft dies nicht ganz den Kern der Realität, denn Haydee findet Adrien zwar interessant, kann mit seiner überheblichen Art in Beziehungsdingen aber nicht wirklich viel anfangen.

Adrien, der diese Zeit eigentlich mit Nichtstun und philosophischem Nonsens verbringen möchte, sucht nun immer wieder irgendwie die Nähe von Haydee, lässt aber auch keinen Zweifel daran aufkommen, das er ihre Anwesenheit eigentlich nicht zu schätzen gedenkt.

Haydee wiederum hat nicht vor, diesem seltsamen Spiel ihre kostbare Zeit zu schenken und trifft sich jeden Abend mit einem anderen jungen Liebhaber, was gerade Adrien erneut als eine Provokation von ihr ihm gegenüber empfindet. Bald ist er irgendwo der Vorstellung verfallen, es hier mit einer "Sammlerin" zu tun zu haben, die jede Nacht einen anderen Mann im Bett haben muss, alleine um scheinbar seine Aufmerksamkeit zu erregen. Haydee verneint indessen Adriens Annahme, sie sei eine berechnende Sammlerin männlicher Liebhaber.

Adrien der sich selbst einredet, das sie dies nur macht um ihn zu verführen, bekommt Haydee irgendwie aber auch nicht mehr aus seinen Gedanken verbannt. Dabei hat sich zwischen ihnen schon längst ein Spiel entwickelt, in dem Haydee ihn vor vollendete Fakten in ihrem Liebesleben stellt, während Adrien sich eigentlich permanent selbst in die Tasche lügt. Als Haydee dann auch noch eine lockere Nacht mit Daniel verbringt, verdüstert sich die Stimmung unter den Dreien zusehends, bis das Daniel die Villa verlässt.
Die Sammlerin (La Collectionneuse)
Zwar versöhnen sich Adrien und Haydee danach wieder, doch die wirren pseudointerlektuellen Gedankengänge von Adrien gegenüber Haydee legen schon bald das nächste Hindernis bereit.

Dies passiert, als Adrien in der Villa dem wesendlich älteren Kunstsammler Sam eine wertvolle chinesische Vase verkaufen möchte und diesen dabei mit Haydee bekannt macht. Der wesendlich ältere Sam scheint hierbei ein Auge auf die hübsche Haydee geworfen zu haben und teilt dies Adrien ohne Umschweife mit. Um von Sam auch eine Kunstgalerie finanziert zu bekommen, animiert Adrien Haydee daher dazu, mit Sam einen ganzen Tag und eine ganze Nacht zu verbringen.

Haydee, die auf Adriens Wunsch eingeht, verbringt daraufhin eine gewisse Zeitspanne mit Sam, lässt Adrien im Gegenzug aber darüber im Ungewissen, ob sie mit dem Kunstsammler in dieser Zeit auch eine sexuelle Affäre eingegangen ist.

Adrien, dem Haydee mittlerweile eigentlich nicht mehr aus dem Kopf geht, freut sich bereits darauf, mit ihr die letzte Woche in der Villa gemeinsam zu verbringen und holt sie mit seinem Wagen ab. Das er vielleicht den Bogen bereits überspannt haben könnte, indem er sie faktisch an den lüsternden Sam ausgeliehen hat, kommt ihm dabei nicht wirklich in den Sinn. Alles was Adrien sich nun nämlich in der letzten Ferienwoche erhofft, ist mit Haydee eine "perfekte kurze Affäre" zu verbringen.

Auf dem Weg zurück in die Villa treffen sie jedoch auf Freunde von Haydee, die diese spontan einladen, mit nach Rom zu fahren. Aus einer recht seltsamen Eingebung heraus lässt Adrien Haydee plötzlich bei ihren Bekannten zurück und macht sich mit dem Auto alleine auf den weiteren Weg in die Villa am Meer.

Haydee jedenfalls kehrt nicht mehr in die Villa zurück und so bleibt Adrien wirklich alleine. Doch auch jetzt ist an Erholung für ihn nicht mehr zu denken, denn eigentlich geht ihm Haydee nun nicht mehr aus dem Kopf und er wird überall an sie erinnert. So erkundigt er sich bald nach Flügen von Nizza nach London, wo er seine Freundin wiedersehen möchte. Ob er diese Beziehung jedoch ohne Hindernisse so einfach wieder aufnehmen kann (nach dem Streit mit ihr), steht für Adrien wohl auch noch in den Sternen.

Die Sammlerin (La Collectionneuse)Meine Filmkritik:
Ja, unser altkluger Adrien hat sich da im Film eine wirklich krude philosophische Moral für sich und seine Umwelt zusammengezimmert. Mit der eigenen Freundin ziemlich zerstritten wälzt er seinen Weltschmerz gegenüber den Frauen auf die hübsche Haydee ab, die zugegeben am Anfang einen recht lockeren Lebenstil führt. Doch während der weiteren Handlung merkt man sehr wohl, das Haydee zu Adrien durchaus Ansätze einer tieferen Zuneigung entwickelt, die Adrien jedoch kaum zu deuten oder zu verstehen vermag.

Letzteres liegt weniger daran, das Adrien dumm wäre, sondern ist schlicht ein Ausdruck seiner verletzten, kruden Sicht auf die Weiblichkeit, bei der er sich fasst im Sekundentakt (ersichtlich an seinen eingestreuten tagebuchartigen Kommentaren) immer wieder von dem Mädchen weg bewegt. Und Haydee zeigt ihm durch ihre nun erst recht lockere Lebensweise, das er eben nicht der Nabel der Welt ist, auch wenn er sich selbst dafür hält.

Dieses Spiel mit jeder Menge moralischem Selbstbetrug und gefühlsmäßiger Achtlosigkeiten seitens Adrien kann man durchaus als selbstzertörerischen Akt bezeichnen, der jeden Ansatz einer möglichen neuen Beziehung immer wieder direkt im Keim erstickt. Das er mitunter den Bogen enorm überspannt, merkt er in seiner festgefahrenen Einstellung nicht einmal.

Haydee verfährt dagegen ziemlich locker in dem Spiel und lässt sich auch mit seinem Freund ein um eine Reaktion von Adrien zu bekommen, die vielleicht mehr verspricht als ein süßer Augenaufschlag und ein niedliches Lächeln. Doch ihr ist auch klar, das man am Ende nichts verlieren kann, was man eigentlich nie gehabt hat und setzt sich schließlich mit Bekannten nach Rom/Italien ab und überlässt Adrien seinem nun selbstgewählten Schicksal. Ob sie mit dem alten Sam nun was gehabt hat oder nicht, erfährt weder Adrien noch der Zuschauer des Films wirklich. Und ob Adrien am Ende das Porzelan wieder kitten kann, was bereits in seiner alten Beziehung zerschlagen wurde, bleibt ebenfalls der Fantasie des Zuschauers überlassen.

Fehler werden in diesem Film sehr wohl auf beiden Seiten sichtbar, lassen sich aber kaum vermeiden, weil hier wirklich in Form eines jungen Mannes und eines lebensfrohen Mädchens zwei Welten aufeinander prallen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Was auf der einen Seite locker weggesteckt erscheint, wird auf der anderen Seite durch systematischen Selbstbetrug ebenfalls nicht besser. Am Ende bleibt schlicht eine lange Liste ungenutzter Möglichkeiten und Chancen zurück.

Der Film DIE SAMMLERIN ist durchaus eine tragische Romanze die nicht unbedingt zur leichten filmischen Kost gehört. Man bekommt hier nicht eine Liebesgeschichte nach Schema F präsentiert, die sich durch die typischen Höhen und Tiefen kämpfen muss, um in einem märchenhaften Happy End zu gibfeln. Diesen Schmalz aus Liebe, Leid und bekannter Schnulze mag Rohmer den zumeist damals jungen Zuschauern in diesem Film nicht vorsetzen.

Dafür erkennt man vielmehr, wo Fallstricke liegen können, die man in schöner Selbstüberschätzung sich selbst legen kann. Ein gewichtiger Fehler liegt auch darin gut zu beobachten, dass es nichts bringt, überhöhte moralische Ansprüche an andere zu stellen, die man selbst nicht in der Lage ist, zu erfüllen.

Wie gesagt, DIE SAMMLERIN ist keine einfache Filmkost im Bereich der Romantik und erfordert auch vom Zuschauer ein gewisses mitdenken aber auch überdenken der eigenen Ansprüche. Wer also auf die typische Mainstream-Romantik im Film steht, der dürfte eventuell von dem Film DIE SAMMLERIN etwas überfordert sein. Wer darüber hinaus ein Happy End mit Friede, Freude, Eierkuchen in einem gefühlvollen Film um Romantik und Liebe bevorzugt, der dürfte am Ende auch ziemlich ratlos zurück bleiben wie die Figur des Adrien in der Handlung. Wer aber einen Film zum mitdenken und hinterfragen sucht, der kommt hier durchaus auf seine Kosten, sei es in der Romantik, der eher tragischen Note, aber auch macher Szene mit einem gewissen Augenzwinkern.

Als Blickfang glänzt hier in dem Film natürlich die hübsche Haydee Politoff (im Mai 1946 in Paris geboren) als Haydee. Wirklich oft kann sie aber nicht in der französischen Filmindustrie mitgemischt haben, denn den einzigen Film, den ich hier (wirklich) auf die Schnelle noch finden konnte und in dem sie mitspielte, ist der spanische Horrorstreifen COUNT DRACULA'S GREAT LOVE von Paul Naschy aus dem Jahre 1974. Laut einem anderen Eintrag dürfte sie aber 1981 ihren letzten Film gedreht haben, während der Film DIE SAMMLERIN als ihr Filmdebüt als Schauspielerin aufgeführt ist.

Die Sammlerin (La Collectionneuse)Nun muss ich ja gestehen, das dieses Genre nicht gerade von mir wirklich bevorzugt wird und wenn, dann greife ich hier liebend gerne oft auf das französische Kino zurück, das mich mit dem handelsüblichen Schmalz des Genre gerne verschont und eher etwas zum mitdenken liefert ohne ein kunterbuntes Happy End zwingend im Auge zu haben. Der Film DIE SAMMLERIN ist solch ein Beispiel , bei dem ich eine klare Empfehlung aussprechen kann und ihm gerne fünf von fünf möglichen Punkten zuspreche.

Wer darüber hinaus mal überhaupt einen Blick auf einen Film von Eric Rohmer werfen möchte, der kann am 12.07.2017 (kommenden Mittwoch) um 21:35 Uhr den Sender ARTE einschalten, wo Rohmers letzter Film ASTREE UND CELADON aus dem Jahre 2007 (eine französisch-spanische Gemeinschaftsproduktion) gezeigt wird.

Ausblick auf DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER:
Die Hammer-Films-Company hatte längst schon kein eigenes Studio mehr, als dieser Film gedreht wurde, denn ein eigenes Studio zu unterhalten war schlicht mittlerweile zu teuer. Also arbeitete man hier gerne schon mal mit anderen Studios zusammen.

Um den Film dann noch möglichst in den Kosten nicht ausufern zu lassen, brachte die Verantwortlichen auch dazu, vermehrt mehr Außenaufnahmen einzubauen, denn die freie Natur nahm kein Geld und fraß kein Brot.

Selbiges traf daher auch auf diesen Film zu, der das Thema des Vampir gleich auch etwas aus seiner klassischen aber bereits reichlich verstaubten Ecke heraus holen sollte. So wurde das gebissene Opfer nicht gleichsam nach seinem Ableben zu einem Vampir sondern musste gerade in noch jungen Jahren eines recht üblen Todes sterben.

Wirklich berühmt wurde dieser Film aber eigentlich nicht, zumindest nicht in Deutschland. Dabei wurde die Hauptrolle der englischen Produktion sogar mit einem deutschen Darsteller besetzt. Laut den Informationen die ich bisher im Internet finden konnte, ist dieser Film daher nie in einem deutschen Kino gelaufen und damals auch nie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden.

Grund genug also, mich erst einmal etwas fern von dieser englischen Horrorproduktion zu halten, die auch mitunter auf DVD nicht gerade immer mit einem angenehmen Preis daher kam. Als der Film aber nun seit einiger Zeit auch als BD mit einem vernünftigen Preisverhältnis vorliegt, musste ich einfach zugreifen, zumal die weibliche Hauptrolle mich immer geradezu mit einem stetig lüsternen Augenzwinkern dazu animierte ... kauf mich endlich! Aber mal ehrlich, diese Darstellerin hätte auch im Film ständig nur mit den Hüften wackeln und in die Kamera lächeln können, einen Kauf des Films wäre dies alleine dafür schon wert gewesen.

Gesagt, getan und am Ende muss ich sogar gestehen, das dieser Beitrag aus frühen Tagen mich durchaus recht gut und interessant unterhalten hatte. Natürlich gibt es in dieser Filmproduktion so einige Dinge, die vorher nicht wirklich üblich waren, aber aufzeigten, das man auch in diesem Genre weiter im Umdenken und Anpassen begriffen war. Leider hatte dies am Ende jedoch nicht viel mehr genutzt, denn aus den USA kamen längst andere, härtere Horrorfilme, die dem klassischen Horrorstreifen beständig das Leben aussaugten.

Und wer in dem eher doch noch klassischen Horrofilm eine gewisse Spur des damaligen Mantel-und-Degen-Films zu erkennen glaubt, dem kann ich versichern, das er damit auch nicht so falsch liegt.

Als letzten Hinweis sei gesagt, das der Held hier durchaus nicht unverhofft in Nöte gerät und faktisch erst einmal zum Helden mutieren muss, sondern irgendwie wie eine frühe Version der typischen Romanhefthelden wie John Sinclair, Tony Ballard und Co. unter den Kreaturen der Finsternis aufräumt. Aber nicht wenige Anleihen aus dem Film TANZ DER VAMPIRE von Roman Polanski (1967) kann man hier auch durchaus in der Handlung wiederfinden, wenn der Film auch nicht wirklich so intensiv auf Horrorkomödie getrimmt ist.

Ich hoffe mal, diese Hinweise helfen euch schon weiter, denn mehr kann und will ich euch hier noch nicht verraten. Aber ich kann schon jetzt versichern, das ich ihn vorher für schlimmer gehalten hatte (also negativ gesehen), als er sich dann für mich offenbarte. Zwar war auch in diesem Film nicht unbedingt alles Gold, aber man musste sich sinnbildlich gesprochen wirklich nicht durch billige Kohle wühlen, was mich durchaus sehr positiv überraschte.

In diesem Sinne, viel Spaß beim raten und ein freudiges Hallo am nächsten Samstag, wenn es wieder zum PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKER (Folge 103) geht.
Die Sammlerin (La Collectionneuse)
Die Sammlerin
(La Collectionneuse)
mit Haydee Politoff, Patrick Bauchau, Mijanou Bardot, Dennis Berry, Nestor Almendros, Alain Jouffroy, Jackie Raynal, Laszlo Benkö, Annick Morice, Anne Dubot, Donald Cammell, Daniel Pommereulle, Seymour Hertzberg u.a.
Regie und Drehbuch: Eric Rohmer
Produktion: Georges de Beauregard, Barbet Schroeder
Genre: Romantik/Tragigkomödie
Laufzeit: 83 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Arthaus
Frankreich 1967

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-07-08 17:38
Na ja, interessante Epoche, zwei Jahre später hätte das Drehbuch vermutlich anders ausgesehen. Ich sehe mir zwar auch keine Beziehungsfilme an und schon gar keine RomComs, aber Filme wie "Der Swimming Pool" - La Piscine von 74, nicht zu verwechseln mit "Swimming Pool" von 2003 mit Rampling und Sagnier - mit Schneider, Delon und Birkin haben was. Die Franzosen können schon was.

"Count Dracula's Great Love" ist ein überraschend guter Gothic mit viel Blut und Busen. Kann mir ehrlich gesagt wenig vorstellen, das gegensätzlicher ist als einen Rohmer-Film und ein spanischer Low Budget. Haydee hatte wohl kein glückliches Händchen bei der Rollenwahl oder einen miesen Agenten.

Den Film nächste Woche mag ich überhaupt nicht. Der wird meistens als "Aufbruch in neue Richtungen" schöngeredet, aber auch nach neuerer Sichtung fand ich ihn schwer langweilig und superbieder. Der Hauptdarsteller mit der schönen blonden Mähne ist noch das geringste Problem. ;-)
#2 Laurin 2017-07-08 23:28
@ Andreas Decker:
Ja, in mancher Beziehung ziehe ich die Franzosen auch gerne vor. Und Rohmer hatte ja die Grundsubstanz (siehe Zyklus) später in drei weiteren Beiträgen nochmals angepackt.

"Count Dracula's Great Love" kenne ich selber nicht und ist wohl zur Zeit auch nicht wirklich gut als DVD/BD mit deutscher Synchronisation zu bekommen. Da "Die Sammlerin" wie gesagt wohl Haydees Debüt im Filmgeschäft war, kann man durchaus wohl sagen, das man da lange Zeit nicht wählerisch sein durfte/konnte was Filmangebote anging. 1972 hatte sie bei Rohmer dann nochmals eine Filmrolle in "Love in the Afternoon" (Liebe am Nachmittag), also im letzten Film dieses Zyklus. Und nicht wenige Filmrollen hatte sie bei italienischen Filmen und weniger wohl in rein französischen Produktionen. Mehr als ca. 18 Filme scheint sie in den Jahren auch nicht gemacht zu haben.

Ja, der Film im "Ausblick". Stimmt aber, man wollte eine neue Richtung einschlagen, aber dies war weniger ein Aufbruch als vielmehr das Prinzip Hoffnung, was aber nicht aufging. Aber auch wenn er recht superbieder daher kam (man muss ja auch sehen, wo der Zug hätte hingehen sollen bei der "neuen Richtung"), fand ich ihn eigentlich nicht einmal so schlecht. Nur unsere "blonde Mähne" passt da nicht wirklich rein, hat sich aber nett in dem Genre geschlagen. :-*
#3 Friedhelm 2017-07-09 19:53
Zitat:
"Count Dracula's Great Love" kenne ich selber nicht und ist wohl zur Zeit auch nicht wirklich gut als DVD/BD mit deutscher Synchronisation zu bekommen.
Soviel ich weiss, gibt es diesen Streifen gar nicht als deutsche Synchro. Bisher ist der hier nie gelaufen - wie soviele andere Naschy-Streifen.

"Die Sammlerin" kenne ich irgendwie gar nicht,

Ausblick: Der deutsche Darsteller hiess dann wohl mit Vornamen Horst. Und in diesem Film saugen die Vampire kein Blut sondern.....?? (mehr will ich denn auch nicht verraten..)

Der Film selber ist erst vor kurzem als Blue-Ray erschienen (meine ich..) Eine DVD gab es aber schon länger.
#4 Laurin 2017-07-10 13:15
@ Friedhelm:
Wird wohl so sein mit den Naschy-Filmen, ich konnte jedenfalls nichts finden was den deutschen DVD-Markt zu diesem Film betrifft.

Und ja, der Hase heißt Horst (kleine Anspielung auf ein Comic mit einem recht notgeilen Hasen mit selbigem Vornamen :D ).
Und ehrlich gesagt, sieht man hier niemanden "saugen", vielleicht machen diese neuen Vampire das auch, indem sie jemanden schräg ansehen ... wer weiß das schon so genau. ;-)
#5 Andreas Decker 2017-07-10 15:55
Stimmt, den "Dracula" gibt es nicht auf Deutsch. Den gab es letztes Jahr neu als BD vom amerikanischen Label Vinegar Syndrom, sehr schöne Bildqualität. Oder in der Reihe "Elvira's Movie Macabre", da ist die Qualität allerdings grauslich. Vielleicht nimmt sich ja Subkultur in seiner Naschy-Reihe den mal vor. Ich kann mit dem Kult um Naschy nicht so viel anfangen, aber er war gar kein übler Graf. Hat mir besser gefallen als Langella und Co.
#6 Laurin 2017-07-10 17:59
@ Andreas Decker:
Zwar kenne ich nichts aus der filmischen Wundertüte von Naschy wirklich, aber zumindest was ich aus zweiter Hand mitbekommen habe, ging ich immer davon aus das es zumindest ansprechender ist als der Langella-Dracula aus dem Jahre 1979, der eher nur die Knie des gehobenen weiblichen Alters feucht halten konnte. :P
#7 Erlkönig 2017-07-10 21:16
Laurin

Bei den Naschy-Filmen solltest du ruhig mal einen Blick riskieren. Langweilen wirst du dich bestimmt nicht. "Howl of the devil" und "Werwolf and the Yety" mag ich da besonders. Als "Dracula" fand ich Naschy nicht ganz so überzeugend. Trotzdem ein gelungener Film.

Ausblick

Bin mal bei "YouTube" über den Film gestolpert. Buch und Regie: B.C. und dann noch Carolin M. Da konnte doch eigentlich nichts schiefgehen. Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe den Film nicht bis zum Ende angeschaut. Gehe mal davon aus, daß der blonde Recke (er hatte sogar, ganz nobel, eine mit Monogramm versehene Pferdedecke) am Schluß den Sieg davongetragen hat. Jetzt könnte ich ja einfach nochmal nachschauen, warte aber lieber auf deinen Artikel, der sicher auch das - bestimmt ruhmreiche? - Ende des Films aufklärend enthält. :-)
#8 Harantor 2017-07-10 22:02
Friedhelm hat im Zauberspiegel einen Nachruf und eine Übersicht über Filme mit Paul Naschy gebrcaht. Hier gehts los: www.zauberspiegel-online.de/index.php/phantastisches/gesehenes-mainmenu-150/4549-adios-paul-naschy-waldemar-daninsky-ist-tot und hier ist die Übersicht der besprochenen Filme: www.zauberspiegel-online.de/index.php/phantastisches/gesehenes-mainmenu-150/4549-adios-paul-naschy-waldemar-daninsky-ist-tot#a1
#9 Laurin 2017-07-11 15:51
@ Erlkönig:
Habe mal herum gestöbert in Sachen Naschy-Filme. Was mich interessieren könnte ist Importware DVD oder BD ohne deutsche Synchro. Und ansonsten viel mit Wehrwölfen, die mich persönlich nicht unbedingt hinterm Ofen herlocken. Mal sehen, vielleicht finde ich noch was passendes.
PS: Den oben besagten Dracula von Naschy habe ich auch gefunden als Import-DVD für (jetzt bitte alle mal festhalten) über 150,00 Teuro. Sorry, aber das ist mir persönlich zu teuer.

Was das Monogramm/Logo zu dem Film im "Ausblick" angeht, hatte dies eine besondere, hintergründige Bedeutung. Quasi eine Art Logo mit Widererkennungswert für mögliche Serienfreunde. Aber dazu Samstag mehr. ;-)
#10 Erlkönig 2017-07-11 21:17
Haranator

Danke für den Hinweis.

Laurin
Den Dracula-Naschy kannst du dir auch bei YouTube ansehen. Die Qualität ist allerdings eher "horror-mäßig" zu nennen.

Ausblick
Da bin ich ja mal gespannt auf "Das Geheimnis der bestickten Pferdedecke". Dachte schon, das "K" steht als Werbung für das Pferdefutter "Kalopp, Brauner". :-)

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