Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Die Schlacht von Hastings (14.Oktober 1066)

Große Keilereien - Nicht nur in Issos war was los

Die Schlacht von Hastings
(14.Oktober 1066)

William der Bastard sammelt eine Armee um seine Ansprüche in England durchzusetzen. Er hat viele Gründe und Erklärungen für seinen Anspruch aber im Prinzip ist der einzige brauchbare Anspruch nur der den man durchsetzen kann.  So beschloss William eine Armee zusammenzustellen und sich die Thronfolge von England mit Waffengewalt zu sichern.  William ist eher dafür bekannt kein wilder Schlachtenlenker zu sein und genau betrachtet hatte er erst eine Schlacht geschlagen – allen anderen Möglichkeiten zum Kampfe ist er ausgewichen.


Trotzdem hat er einen guten Ruf und auf seinen Aufruf hin folgen ihm viele. Selbst der Papst unterstützt die Sache und schickt sein Banner als Unterstützung und durch die Teilnahme von Bischof Odo , Bischof von Bayeux sowie Geoffrey, Bischof von Coutances bekommt dieser Angriff einen  weiteren christlichen Charakter.

Im August beginnt er bei Dives-sur-Mer die Schiffe zu versammeln. Rund 700 sollen es werden – die Zahl erscheint sehr groß wenn man die Besatzung eines Wikingerschiffes mit 60-100 Mann rechnet, aber diese Armee ist eine Andere.

Das Zeitalter der Wikinger ist vorbei – die Morgenstunde des Feudalen Rittertums hat geschlagen. Es sind Pferde zu transportieren, Köche, Diener, Schmiede, Versorgungsmaterialien, Waffen – schon im Vorfeld eine logistische Leistung wenn man bedenkt dass die 2000 Pferde 5-6 kg Hafer und gleich viel Heu pro Tag benötigen.

Die Normannen:
Die Armee besteht aus ca. 1500 Franzosen und Flamen, davon 300 Bögen und in etwa 400 Reiter.

Aus Bretonen mit ca. 400 Bögen, 500 Reitern sowie ca. 1100 Mann Infanterie.

4000 Normannen  stellen das Hauptkontingent mit rd.800 Bögen, ca. 1000 Reitern und dem Rest Infanterie.

Die eigentliche Neue Waffe ist der Einsatz von Reiterei – die hat in England bisher noch keine Rolle gespielt. Als Kampfmittel war das Pferd eher lange in einem Art Ruhezustand welcher in diesem Jahrhundert zu Ende geht. Die Erfahrungen mit Reitern an der Byzantinischen Front führen zur Erkenntnis das ein Reiter, der in einem Hohen Sattel (vorne und hinten hoch gebaut) sitzt, und die Steigbügel lange hat (beim Reiten den Schwerpunkt möglichst tief hat)  mittels  Lanze bzw. Speers den er hinter der Mitte fasst, ausgezeichnet stochern und zustoßen kann. Der klassische Tjost ist hier noch ein wenig entfernt aber die Grundidee besteht.

Die Kampfeinheiten der Reiterei sind klein – 25 bis 50 Reiter – und so viel größer werden sie auch später nicht werden. Eine Einheit soll durch eine Stimme kommandierbar sein – und da ist die natürliche Größe bei ca. 60 in der Reihe und bei 120 in zwei Reihen.

Die Reiter sind Männer von Rang und Namen – Pferde und Ausrüstung sind teuer, Training kostet Zeit die ein einfacher Mann nicht hat der um das Überleben kämpft. Der Reiter/Ritter trägt ein Kettenhemd bis zu den Knien, der Kopf ist ebenfalls mit Kettenhaube und einfachen konischen Helm mit Nasenschutz geschützt. Das Schwert gehört zur Grundausstattung. Einige Streitkolben wurden getragen, die aber eher die Funktion eines Kommandostabes hatten – zumindest bei William selber. Der Tropfenschild ist wohl das woran man als allererstes denkt wenn man an Normannen denkt. Der Schild wurde meist umgehängt um ihn nicht ständig halten zu müssen – im Kampf wurde er dann am Arm getragen. Dieser Schild ist allerdings zu Fuß um einiges effizienter deckt aber auch die Schildseite eines Reiters.

Die Adeligen rüsteten auch ihre Gefolgsleute entsprechend aus – davon auch einige ohne Kettenhemd – sozusagen leichtere Reiterei.

Diese Reiterei eignet sich bestens gegen einen Gegner in aufgebrochener Ordnung – zum durchstoßen dichter Formationen eignet sie sich nicht. Da kommt die Psychologie des Pferdes dazu die es dem Pferd von Natur aus unmöglich macht ein festes Hindernis (möglicherweise Speerbewehrt) nieder zu reiten. Erst als man später beginnt den Pferden die Sicht zu nehmen und sie auch entsprechend zu trainieren gelingen auch Manöver gegen dichte Menschenmassen. Im Allgemeinen ist aber ein Speer oder Pikenbewehrter Schildwall oder Menschenwall für Reiterei undurchdringbar. Selbst später als die Pike durch die Bajonettbewehrte Muskete abgelöst wird, sind es nur wenige dieser Karrees die von Reiterei zerschlagen werden.

Die Bögen: Willliam hat ca.1500 Bögen mit sich – der Bogen dieser Zeit ist noch nicht die Waffe mit der später die Schlachten des hundertjährigen Krieges gewonnen werden. Noch ist es ein „normaler“ Bogen wie ihn auch die anderen Völker des Nordens verwenden.  Es scheint aber dass die Armbrust einen ihrer ersten Auftritte hat. Die wurde damals noch dadurch gespannt, dass man die Füße in die Bogenarme stellte und die Sehne mit der Hand spannte. Schlachtentscheidend wird sie noch nicht gewesen sein aber ihr Potential hat sie gezeigt.

Der Rest der Fußtruppen ist in seiner Rüstung den Huscarls und Thegns sehr ähnlich – ganz leichte Truppen dürften eher weniger mitgereist sein – sie hätten bei geringer Effizienz doch die gleichen Transportkapazitäten eines gut gerüsteten verbraucht.

Die Angelsachsen/Engländer:

Es ist die gleiche Armee die gegen Harald Hardraada gesiegt hat  - nach dem Sieg sind sie nach London gezogen um sich zu erholen und entgegen guten Rates entschließt sich Harold II so schnell wie möglich William entgegen zu treten. Vermutlich auch deshalb da dieser bei seiner Landung sofort begonnen hat die Umgebung zu verwüsten und auf´s Gröbste zu furagieren – eben um Harold herbeizulocken – denn das Landegebiet ist das Stammland von Harold und wie würde es beim Volk ankommen wenn er seine ihm direkt untergebenen nicht mit aller Macht schützen würde. Auch damit hat William sicher spekuliert.

Hätte Harold sich viel Zeit gelassen und William am Strand warten lassen wäre es ihm sicher leichter gefallen denn der Nachschub wäre über See durch eine Blockade der Flotte leicht zu unterbinden gewesen und da die Bevölkerung den Eroberer in keiner Weise begrüßte oder unterstützte wäre auch von hier eine Versorgung von so vielen Mannen rasch ein Problem geworden und länger als ein Monat hätte William wohl kaum bestehen können.

Doch Harold ist bekannt dafür dass er nichts anbrennen lässt und seine ungestüme Art hat William sicher in seine Kalkulation einbezogen.

Des Weiteren wären Harolds ruf zu den Waffen noch viel mehr Männer gefolgt hätte er gewartet und sie ordentlich versammelt.

So sammelt er auf dem Weg von London in den Süden noch alles zusammen was kämpfen kann und seine Armee hat ungefähr folgendes Aussehen.

Rd. 1000 Huscarls, 6500 Thegns und besser gerüstete Fyrd sowie ca. 700 weniger gut gerüstete Fyrd – sozusagen Miliz und während des Tages stoßen immer wieder neue Fyrd in Gruppen und einzeln zu den Kämpfenden.

Die Bewaffnung der Sachsen ist analog zu der bei Stamford Bridge und dort nachzulesen.

Die Schlacht

Harold erreicht am Abend des 13.Oktober den Apfelbaum am Caldbec Hill  der als Sammelpunkt dient. Harolds Armee ist entlang eines Rückens aufgestellt der sich später vom Santlace (Sandiger Strom) zu Senlac (blutiger See) Hill umbenennen soll.

Nur eine Straße führt durch den Andresweald aus der Halbinsel hinaus und vor diesem Wald liegt ein Rücken und dort steht am nächsten Morgen die Armee Harolds – dicht geschlossen, die Schilde zum Schutz überlappt. In den vorderen Reihen die besten Krieger. Die Kampffront ist ca. 800 m lang, das Gelände fällt vor den Verteidigern ab, links und rechts sind Wälder bzw. unzugängliches Gelände – eine perfekte Platzwahl aus der Notwendigkeit geboren gegen einen starken Gegner zu bestehen der über Reiterei verfügt und diese darf keinen Platz zum Manövrieren haben.

Seine Brüder Gyrth und Leofwine kommandieren seine Flügel.

William lässt aus Angst vor einem Nachtangriff seine Mannen in Waffen schlafen. Am 14. Oktober hört William die Messe, hängt sich die heiligen Relikte um, bei denen einst Harold geschworen haben soll das er Williams Thronfolge anerkennen wird und trifft um ca. 7 Uhr morgens ein.

Seine Aufstellung zeigt den umgekehrten Aufstellungsmodus.

Zuerst die Bogen (das erinnert an die Velites der Römer – jung, leicht, auf Distanz tötend ) über die ganze Frontbreite.

Dahinter die Fußtruppen und dann die Reiterei.

Der linke Flügel besteht aus den Bretonen, der rechte aus den Franko/Flämischen Truppen und das Zentrum gehört den Normannen.

William bleibt nur der Frontalangriff mit sehr geringen Chancen die Flanken des Gegners nehmen zu können.

Der Angriff beginnt um 9 Uhr (die dritte Stunde des  Kirchentages) – Die Bögen schießen sich leer und als dies der Fall ist, greift Williams Infanterie den Schildwall an – ihnen schlägt ein Feuer von wenigen Bögen,  aber doch einigen Speeren, Schleudern und geworfenen Äxten entgegen.

Ein blutiges Gemetzel in der ersten Reihe beginnt  und die Schlacht wogt, auch die Reiter rücken zur Unterstützung auf. Es sind die Bretonen auf Williams linker Flanke, die zuerst brechen

Sie geben nach und flüchten hügelabwärts, gefolgt von den Sachsen – der Ruf wird laut das William gefallen sei. Die Mitte der Normannen beginnt auch zurückzuweichen.  William reagiert sofort und nimmt seinen Helm ab und zeigt sich seinen Männern. Das Banner des Papstes wird an seiner Seite geschwenkt.

Auch die Brüder Harolds Gyrth und Leofwine fallen ca. in dieser Phase. Dies könnte auch der Grund sein das ein massiver Angriff der Sachsen einfach nicht stattfindet – möglicherweise hätte dieser Erfolg gehabt. Dies wäre vermutlich der Moment gewesen in dem Harold den Sieg davontragen hätte können.

In dieser schwierigen Situation führt William einen Gegenangriff mit seinen Reitern die genau das vorfinden was sie am Besten bekämpfen können – einen Feind in aufgelöster Ordnung. Viele Sachsen die die Bretonen verfolgt haben, sich vom schützenden Hügel entfernt haben, werden getötet, aber die Masse kehrt zu ihrer Linie zurück und der Kampf geht weiter.

Bischof Odo hat flüchtende  am Gegenhügel gesammelt und bringt sie zurück zum Kampfplatz.

Um ihre Truppen zu formieren dürfte nun eine Schlachtpause eingetreten sein.

William hat keine Möglichkeit ein Unentschieden ins Auge zu fassen – es wäre eine Niederlage welche die Moral der Truppen zu sehr beeinträchtigen würde, furagieren wäre auf Grund der Nähe des Feindes kaum möglich und der Rückzug über das Meer  von einer Sachsenflotte abgeschnitten die Harold schon hinbeordert hat.

Wieder marschieren die Fußruppen Williams, unterstützt von Reitern, hinauf zu den Sachsen.

Es gibt nun mehrere Möglichkeiten wie sich diese Schlacht aufgelöst haben kann. Viele verschiedene Versionen existieren. Man vermeint das es William nach der Flucht der Bretonen in den Sinn kam den Ungestüm der Sachsen zu seinem Vorteil zu nutzen und selber Fluchten an verschiedenen Positionen vortäuschen zu lassen um dann in diese Linien stoßen zu können – Eine äußerst schwierige militärische Operation- das kann auch in eine Generalflucht ausarten und ist sehr riskant. Da wäre es eher noch wahrscheinlich das wirklich Truppenteile geflohen sind – diese sich aber in der Talsohle wieder gesammelt haben.

Es gab wohl solche organisierten Fluchten in Arques 1052/53 und Messina 1060

Und nachher in Cassel 1071 aber ob es hier wirklich stattfand ist nicht beweisbar und könnte durchaus auch der Propaganda der Sieger zuzuschreiben sein, damit sie nicht zugeben müssen das auch ihre Ritter manchmal flüchten.

Für mich wahrscheinlicher ist das – wie es auch dokumentiert ist – die Bögen wieder ins Kampfgeschehen eingreifen, nachdem sie sich mit neuen Pfeilen ausgerüstet haben und nun, nach dem wilden Gemetzel, wirken ihre Pfeile besser. Auch deshalb, weil die besten (auch bestens gerüsteten) Recken der vordersten Linie der Sachsen schon schwer dezimiert sind und die nachrückenden Thegns und Fyrd nicht mehr so gut ausgerüstet sind. Auch befinden sich eine Menge Toter und verwundeter am Kampfplatz und diese erschweren die Bewegung – alle Ordnung beginnt sich leicht zu lockern  - eine Gelegenheit die Bögen gut einzusetzen. Und ungefähr zu diesem Zeitpunkt wird Harold von einem Bogen getroffen – über dem Auge oder im Auge lässt sich nicht sagen, aber er ist außer Gefecht gesetzt.

Das ist ein Schock für die Sachsen, und der Widerstand bricht zusammen – langsam, aber das genügt der Reiterei um vorzustoßen und Harolds rotes Drachenbanner zu erobern – der schwerst verwundete Harold wird angeblich liegend von einem Normannischen Ritter erschlagen (dafür wird ihm die Ritterschaft aberkannt) denn der größte Teil seiner Garde von Huscarls  ist schon gefallen. Anscheinend ist es der rechte Flügel der Normannen der zuerst Fuß fasst und die Linie der Sachsen aufrollt.

Die Engländer brechen weg, und flüchten in den Wald wo sie sehr sicher sind. Kein Reiter folgt ihnen da hinein und die siegreichen Normannen sind viel zu erschöpft um eine ordentliche Verfolgung zu organisieren.

Es soll nach der Schlacht noch ein Widerstandsnest gegeben haben das möglicherweise sogar aus Nachzüglern die zu spät zur Schlacht gekommen waren bestand und diese wurden ebenfalls von einer von William geführten Reiterschar erschlagen nachdem sie Eustace of Boulogne getötet hatten.

Am 15. begraben die Normannen ihre toten und erlauben auch den Sachsen zu begraben wen immer sie begraben wollen.

William wartet fünf Tage in  seinem Lager bei Hastings um Huldigungen und Unterwerfungen entgegen zu nehmen – nur es kommt keiner und so muß er sich diese England erobern. Am Heiligen Abend 1066 wird William in Westminster gekrönt. Wer hier nachliest findet eine sehr erbärmliche Krönung in den Annalen.

Haben Sachsen, Angeln und Jüten das England erobert, so wird William die Ganze Insel erobern. Wales und Schottland stehen auf seiner Liste. Um die anfänglich noch schwache Position der Normannen in England zu stärken werden überall schwere Befestigungen erbaut um von da aus das Umland beherrschen zu können.

William stirbt erst 1087 an inneren Verletzungen die er sich durch seinen Sattel zugezogen hat, bei der Niederschlagung eines Aufstandes an der Grenze der Normandie.

Bellum  Leonicum

Gäste sind momentan nicht mehr berechtigt Kommentare zu schreiben, da täglich bis zu 200 Spamkommentare gelöscht werden mussten.

Bitte registriert Euch beim Zauberspiegel. Wir suchen nach einer Lösung.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles