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Die dunkle Stadt vor Batman - Gotham (Teil 2)

GothamDie dunkle Stadt vor Batman
Gotham (Teil 2)

Die Stadt GOTHAM wird dem breiten Publikum der DETECTIVE COMICS erst im Jahre 1941 bekannt werden. Genauer gesagt in der Ausgabe Nummer 48 und ist damit eine rein fiktive Stadt, deren Bauweise späterhin auch starke Einflüsse der Gotik sowie der Neogotik aufweist. Aber auch Einflüsse der ART DECO und der ART NOUVEAU. Auch gibt es bereits späterhin stets wiederkehrende Schauplätze, Gebäude, Brücken und Plätze innerhalb der Comics mit und rund um BATMAN.


Gotham (Staffel 1)Diese Angaben beziehen sich aber nicht nur auf die Comicserien, die eben BATMAN als Hauptfigur aufweisen, sondern gelten auch für Serien die im gleichen Umfeld von BATMAN angesiedelt sind, wie etwa den Comics BIRDS OF PREY, NIGHTWING, ROBIN oder AZRAEL. Hierbei handelt es sich um mittlerweile festgelegte Orte und Schauplätze innerhalb der Serien, die regelmäßig wiederkehren. Doch auch in Serien, die man nicht als Ableger der BATMAN-Comics bezeichnen kann, hält man sich durchaus akribisch an feste Namen, Orte und Gebäude zur Stadt GOTHAM. Hierzu zählen Comic-Reihen wie HITMAN, THE QUESTION oder ZATARA. Gerade aber auch in den diversen Verfilmungen lassen sich an den fiktiven Gebäuden Einflüsse von Otto Wagner, Albert Speer oder Norman Foster heraus erkennen.

Und wie das bei fiktiven Städten nun mal so ist, kann man sie auf der Landkarte erst einmal hin und her schieben. Eben je nach dem, wer gerade für die Storys verantwortlich ist. Doch auch hier zeigt sich nach einer gewissen Zeit, dass man im Hause DC durchaus Wert auf Genauigkeit zu legen begann. Die Fans nämlich würden einen wirklich zu wilden Umgang mit dieser Stadt irgendwann nicht mehr widerspruchslos tolerieren. So legte Mark Gruenwald den Standort von GOTHAM CITY schließlich nach einigem hin und her dann im südlichen Teil vom US-Bundesstaat New Jersey fest (THE AMANZING WORLD OF DC COMICS in den 70er Jahren). Vorher jedoch handelte man GOTHAM CITY aber auch als sogenannte „hässliche“ Zwillingsstadt der ebenfalls fiktiven Stadt METROPOLIS ab, zwischen denen rund 100 km Entfernung liegen sollten (laut Angaben in einigen Geschichten).  Damals wollte man zeitweise für die Comics zumindest eine gewisse Nähe zur Heimatmetropole von SUPERMAN herstellen. Doch späterhin verordnete man METROPOLIS dann eher in die Nähe von WASHINGTON DC.

Gotham (Staffel 1)Gotham City und New York City doch irgendwie verwandt?
Die Düsternis der Stadt war bereits Grundlage im ersten Abenteuer von BATMAN, der 1939 in DETECTIV COMICS Nr. 27 seinen ersten Auftritt hinlegte. Für diese Umschreibung der Stadt war der Schriftteller Bill Finger verantwortlich, worauf Bob Kane zeichnerisch diesen Ausführungen ein Gesicht verlieh. Doch dieses Gesicht zeigt durchaus interessante Bezüge zur Stadt NEW YORK CITY.

Die Schöpfer von BATMAN legten aber anfänglich keinen wirklich großen Wert darauf, dieser Großstadt nun auch einen festen Namen zu geben. So blieb die Stadt in den Comics zwischen 1939 und 1940 eher namenlos. Nur vereinzelt und eher versteckt tauchte aber als Name die Bezeichnung NEW YORK durchaus schon mal auf. Und wer sich mit dem Comic-Helden BATMAN auskennt, der wird leicht einige markante Gemeinsamkeiten zwischen NEW YORK CITY und GOTHAM finden, bei denen nicht mehr von der Hand zu weisen ist, dass NEW YORK CITY faktisch die Blaupause für GOTHAM lieferte. Doch zumeist wurde die Stadt eben nicht namentlich benannt, sondern eher als „düstere Stadt der grauen Schatten“ umschrieben, um auch ja eine gewisse Stimmung für das Umfeld des Helden festzulegen. Erst im Jahre 1941 bekam die Stadt dann endlich den Namen GOTHAM CITY verpasst, womit NEW YORK CITY nun endgültig als Heimatstadt von BATMAN vom Tisch war.

Doch halt: Die Bezeichnung GOTHAM war bereits viel früher ziemlich  verwurzelt mit der Stadt NEW YORK. Der dänische Fotograf Jacob August Riis benutzte z.B. den Ausdruck GOTHAM bereits in seinem Werk HOW THE OTHER HALF LIVES wenn es um NEW YORK ging im Jahre 1890.

Der Kriminalschriftsteller O. Henry nannte NEW YORK CITY als Schauplatz in einem seiner Romane, erstellt um die Jahrhundertwende ebenfalls GOTHAM.

Gotham (Staffel 1)1807 nutzte Washington Irving für seine Essaysammlung ebenfalls bereits die Bezeichnung GOTHAM CITY für NEW YORK. Wobei er hier auf die Bezeichnung des Karthäuser-Mönch Andrew Borde und dessen Sammlung satirischer Geschichten (THE MERRY TALES OF THE MAD MAN OF GOTHAM aus dem 15. Jahrhundert) zurückgriff. Hierbei handelte es sich allerdings um GOTHAM in England. Irving wollte damit jedoch aufgreifen, wie wichtigtuerisch und mitunter närrisch sich die Bewohner von NEW YORK CITY verhielten.

Edgar Allan Poe schrieb 1844 ebenfalls einen Bericht über das Alltagsleben in NEW YORK unter dem Titel DOINGS OF GOTHAM, wobei Poe jedoch nicht auf die bedrohliche Atmosphäre hinweisen wollte, wie späterhin z.B. in den Comics üblich, sonder eher auf die verdreckten Straßen und den allgegenwärtigen Schmutz der Stadt Bezug nahm.

Aber auch das lokale Basketballteam von NEW YORK CITY trug in den Gründerjahren 1883 bis 1885 noch stolz den Namen NEW YORK GOTHAMS, bevor sie ihren Namen dann endgültig in GIANTS änderten.

Man sieht also, so fiktiv die Stadt GOTHAM CITY in Comics, Kinofilmen und nun eben auch der Fernsehserie auch sein mag, es lassen sich immer wieder auch Querverbindungen und Merkmale finden, die untrüglich doch wieder in Richtung NEW YORK CITY verweisen als Chifree für die „düstere Stadt der grauen Schatten“.

Das man also das fiktive GOTHAM CITY für die Comics dann letztendlich südlich in den US-Bundesstaat New Jersey verlegte, war im Prinzip auch die Lösung dafür, dass GOTHAM nicht ständig mit NEW YORK CITY in einen Topf geworfen wurde, was ein stetiges Dilemma gewesen wäre. Denn man hätte sonst stets immer wieder erklären müssen, warum man nicht gleich NEW YORK CITY schrieb und warum eben die reale Stadt sich in doch vielen Eigenheiten und Schauplätzen, Gebäuden und so weiter, von GOTHAM unterschied. Zudem hatte bereits das Comic-Haus MARVEL damals recht schnell erkannt, dass es einem die Bewohner von NEW YORK CITY sehr schnell übel nehmen würden, wenn man Schauplätze für ihre Stadt verwendet, die es real überhaupt nicht gibt. Der Leser und erst recht der Fan will sich schließlich in diesen Geschichten, die in ihrer Stadt spielen auch identifizieren und irgendwie wiederfinden können.

Gotham (Staffel 1)Der Held der mal ein Junge war:
Bruce Wayne ist BATMAN, dass weiß jedes Kind. Spätestens dann, wenn es sich für Comics und ihre Helden interessiert. Die Vorgeschichte dieses Helden im Fledermaus-Kostüm jedoch war schlicht bisher eher der Auslöser, warum Bruce überhaupt erst zum dunklen Rächer der Nacht gegen das Verbrechen in GOTHAM wurde.

Diesen Hergang muss ich wohl hier nicht nochmals ausführen. Was jedoch allgemein bisher fehlte war die Geschichte während dieses folgenschweren Verbrechens und eben das, was danach passierte.

Hier liegt auch eben etwas das Kreuz, dass die vielen Superheldenserien und Helden mit sich herum zu tragen haben. Denn bisher gaben sie eher das Bild ab, dass sie als Helden den Kampf gegen das Verbrechen und das Böse aufnehmen und erst dann Bösewichte und brandgefährliche oder wahnsinnige Gegner auftauchen, die irgendwie die normalen Gangster weit hinter sich lassen. Der Superheld gibt so das Bild eines „Magneten“ ab, der erst durch sein auftreten überhaupt die Geiseln der Menschheit anziehen wie die Motten das Licht.

Der Held kommt also in eine fatale Zwickmühle, denn der Stallgeruch das er erst der Auslöser für das erscheinen der Superschurken ist, lässt sich nicht mehr so einfach wegwischen. Hier setzt die Serie GOTHAM an und zeigt auf, dass es wohl auch ohne einen BATMAN nicht anders verlaufen wäre. Das Gegner nun bereits älter sind als der spätere Held, zollt an dieser Stelle dem Gesamtbild überhaupt keinen Abbruch.

Gerade bei BATMAN sind viele seiner frühen Gegner nicht nur psychopathisch Veranlagt, sondern zeichneten sich auch oft nicht gerade dadurch aus, dass sie gute Kämpfer im Bereich des Körperkontakt wären. Sie sind eher Meister der Hinterlist, der Gifte, der Waffen und einer durchtriebenen bis teuflischen Intelligenz. Da spielt es also überhaupt keine Rolle, ob z.B. der PINGUIN oder der RIDDLER bereits einige Jahre mehr auf dem Buckel haben als unser Held selbst. Hatte BATMAN nämlich in den Comics deren heimtückischen Fallen und Waffen getrotzt, war er ihnen stets körperlich überlegen im direkten Zweikampf.

In diesem Sinne ist der Altersunterschied mancher Gegner in der Fernsehserie GOTHAM zum noch recht jungen Bruce Wayne keine Umschreibung der damaligen Comics, sondern nähern sich sogar dem Realismus stärker an, der in den Comics damals schon anhand der körperlichen Kräfteverhältnisse umgesetzt wurde.

Was den jungen Bruce Wayne in der Serie für manche jedoch wohl eher uninteressant wirken lässt, dürfte an folgenden Punkten festzumachen sein:

  • Punkt 1: Er ist zu jung und damit dürfte das auftreten von BATMAN in der Serie eher in den unwahrscheinlichen Bereich abgleiten. Ein Umstand, der den beinharten Fans von BATMAN durchaus schon Magenschmerzen bereiten kann. Doch GOTHAM ist keine direkte BATMAN-Helden-Serie, sondern die Vorgeschichte eben vor BATMAN.

  • Punkt 2: Gegner wie z.B. Cubblepot oder Nygma (PINGUIN und RIDDLER) wirken zu alt um glaubwürdig später noch gefährliche Gegner für BATMAN zu sein. Hier verweise ich gleich wieder auf das oben geschriebene, denn diese Gegner zeichneten sich nie wirklich durch körperliche Kräfte im direkten Zweikampf aus, womit eine zwingende Gleichstellung im Alter zum Helden völlig hinfällig ist.

  • Punkt 3: Der junge Bruce Wayne wird in der Serie für sein Alter zu ernst und nachdenklich geschildert. Ja, hier dürfte ein kleines Manko liegen, denn Jungen in seinem Alter sind generell spontaner, hitzköpfiger und mitunter auch mal abgelenkt von dem, was sie eigentlich so antreibt. Hier kann man aber auf die bisherige Erziehung des Jungen verweisen und eben auch auf den für ihn traumatischen Tod der Eltern, den er ja nicht nur kennt, sondern mit eigenen Augen miterlebt hat. Solche Ereignisse können schon sehr prägend auf einen jungen Menschen wirken. Und was die Erziehung angeht, so dürfte auch die bei dem jungen Bruce nicht vergleichbar sein mit der, anderer Jugendlicher im vergleichbarem Alter. Dies sieht man in der Serie GOTHAM z.B. sehr schön und interessant in dem Zusammenspiel zwischen Bruce Wayne und seinem Vormund, dem Butler Alfred Pennyworth.

Gotham (Staffel 1)An sich kann man also sagen, dass auch hier das Zusammenspiel in der Fernsehserie GOTHAM geradezu perfekt gelöst wird. Die Kritiken hierzu dürften also eher in den Vorstellungen derer ihren Ursprung haben, die seitens der Comics sich ein völlig anderes Bild der Vorgeschichte gemacht haben, dass mit dem nun gezeigten eben nicht Deckungsgleich sein kann. Hier liegt aber nicht das Problem bei der Serie GOTHAM an sich, sondern eben beim Betrachter und Fan der Comics um BATMAN. Denn in den Comics wurde nur recht selten in der Geschichte vor BATMAN Licht hinein gebracht. Ein Butler wie Alfred war immer schon alt, hager von Gestalt, im Auftreten eher britisch-steif und passt damit so überhaupt nicht zum Bild, dass die Fernsehserie uns nun mit einem noch jüngeren Alfred bietet. Hier z.B. klammert sich der Fan gerne an das Klischee das die Comics bisher produziert und verfestigt hatten.

Und auch in Sachen Bruce Wayne als junger Bursche gab es diverse Klischees in den Comics, die dem damaligen noch selbst jugendlichen Fan wohl gefielen, aber die nicht in den eigentlichen Kanon der Serie hinein passen. So kann ich mich noch an ein Comic erinnern, in dem SUPERBOY auf den noch recht jungen Bruce Wayne (bevor er später BATMAN wurde) trifft. SUPERBOY aber weiß, dass Bruce einmal zum BATMAN wird und fördert dies bei einer Auseinandersetzung des jungen Bruce mit einem Gegner, indem er ihm zu einer Maske (samt Umhang) eines „roten Fuchses“ verhilft. Ist schon verdammt lange her (70er Jahre) und die Story kam damals in den SUPERMAN–BATMAN–Heften des EHAPA Verlages in Deutschland heraus.

Solch eine Lösung hier aber in die Serie einzubauen, wäre die Krönung jeglicher nun wirklich vermeidbarer Klischees. Zudem wäre das auftauchen einer jungen Version von SUPERMAN hier der düsteren und spannenden Atmosphäre schlicht abträglich. Denn dann stände (wie in den Comics generell) die Frage im Raum, warum ein Held und Alleskönner wie SUPERMAN (oder SUPERBOY) nicht gleich mal eben ganz GOTHAM aufräumt und einen Helden wie BATMAN gleich arbeitslos macht.

Gotham (Staffel 1)Verbrecher ist nicht gleich Verbrecher:
Und das trifft auch auf die Psychos unter ihnen zu. In der Fernsehserie GOTHAM greift man hier in erster Linie auf die Mafia als Hintergrund zurück und bedient dabei auch durchaus einige Klischees, gerade was die italienischen Stammväter jeglicher Mafia-Geschichten angeht.

Doch eben dieses festhalten an gewissen Klischees bei der Darstellung lockert die Ernsthaftigkeit der Handlung innerhalb der Folgen eher wohltuend auf und trägt versteckt sogar einige komödiantische Elemente in die betreffenden Folgen. Wer hier anfängt die besagten Rollen mit denen aus Kinofilmen wie DER PATE und ähnlichen zu vergleichen, der sucht aber förmlich ein Haar in der Suppe, dass er eventuell sonst wohl nicht finden kann.

Solche Vergleiche sind eigentlich so unnötig und irreführend wie wenn man einen Westernfilm wie DER SCHWARZE FALKE mit John Wayne mit der Fernsehserie BONANZA vergleichen würde. Das klappt hinten und vorne nicht und trägt auch nicht zu einer auch nur halbwegs fairen Kritik an einer für sich stehenden Serie bei.  Eine persönliche Geschmacksfrage wird nämlich nicht damit zur berechtigten kritischen Sichtweise, wenn man mit Nebelkerzen um sich wirft.

GOTHAM ist kein Serienableger von Kinofilmen wie DER PATE oder ähnlich gelagerten Filmen bzw. Serien. Von daher lohnt sich ein kritischer Blick hierauf nur in dem Moment, wenn man die diversen Verfilmungen zum Thema italienische Mafia in den USA und ihre Darstellung heranziehen würde. Doch dieses werde ich in diesen Artikeln tunlichst unterlassen, wo es sich generell um das Gesamtbild der Serie GOTHAM dreht.

Von daher mag die Umsetzung der Mafia innerhalb der Serie durchaus aufgrund mancher überzogen wirkenden Darstellungen berechtigt sein, für die Serie an sich fügt sich diese Thematik jedoch durchaus Sehbar in das Gesamtgefüge ein. Ob manches überzogen wirkt oder gar nicht akzeptabel, muss jeder für sich selbst entscheiden, denn hier nimmt eher der persönliche Geschmack die Führungsrolle ein.

Eine weitere Kritik (geäußert beim ersten Teil dieses Artikels) ist z.B. die, dass der Schauspieler Robin Lord Taylor (Darsteller von Oswald Cobblepot/PINGUIN) wohl besser in der Rolle des JOKER besetzt gewesen wäre. Nun, diese Kritik ist berechtigt und auch nicht einfach von der Hand zu weisen. Das Rüstzeug hierfür hat die Darstellung schon.

Gotham (Staffel 1)Richtig ist auch, dass Cobblepot ziemlich wahnsinnig dargestellt wird und damit faktisch schon dem JOKER den Rang ablaufen könnte. Nun ja, auch hier mag ich nicht grundsätzlich widersprechen wollen, obwohl eben der PINGUIN auch in den Comics einen, wie man im Volksmund sagen würde, an der Klatsche hat. In Sachen Darstellung des JOKERS wäre Taylor also durchaus gut aufgehoben gewesen wenn, ja wenn er denn nicht so planlos agieren würde. Cubblepot hat in der ersten Staffel mehr Glück als Verstand und auf das verlässt er sich auch durchgängig mehr oder weniger. Was also das Verbrechen angeht, wird er in der Serie wohl eher im Lernprozess betrachtet. Und in diesem Punkt hat er eher ein Händchen dafür, bestimmte Situationen und Vorkommnisse eher instinktiv statt berechnend für sich ausnutzen zu können.

Doch auch in diesem Punkt zeigt sich Cubblepot lernfähig, auch wenn er immer noch des öfteren in ein Fettnäpfchen tritt. Er wirkt dabei jedoch eher hinterlistig, verschlagen und intuitiv. Diese Voraussetzungen verfeinert er etwas langsam aber beständig um nicht ständig von dem Leben zu müssen, was das Schicksal gerade an Krümeln vom Tisch fallen lässt. Genau das passt aber eher nicht zum JOKER, der eher mit der Brechstange vorgeht. Seine Stärken liegen zwar ebenfalls in der hinterlistigen und verschlagenen Art, doch statt eher intuitiv Situationen zu nutzen, zeichnet sich der Joker durchaus durch eben eine gewisse Berechenbarkeit und Skrupellosigkeit aus. Ergreift der eine (PINGUIN) in der Serie eher instinktiv eine sich bietende Möglichkeit, wobei er sich hier nicht einmal sicher sein kann, dass er diese Möglichkeit auch wirklich nutzen kann, so schafft der JOKER (in der Regel auch in den Comics) eine eigene durchdachte Initiative, legt seine Strategie im Vorfeld fest und arbeitet sich dann zielstrebig und äußerst skrupellos zu seinem gesetzten Ziel durch.

Hier wird man wohl erst in der zweiten Staffel sehen, ob dieser Unterschied in Sachen PINFUIN und JOKER noch stärker zum tragen kommt. Durch die späte Sendezeit bei PRO 7 bin ich da leider auf die BD-Veröffentlichung der zweiten Staffel von GOTHAM angewiesen um mir hier ein Urteil bilden zu können. Nur eben die bisherige Handlungsweise des PINGUIN passt in gewissen Punkten eben nicht mit denen überein, die man dem JOKER (auch in anderen Verfilmungen zu BATMAN) bisher zugestanden hat. Hier heißt es also abwarten und erst einmal die nächste Staffel sehen, wenn sie gegen Ende Januar auf den Markt kommt.

Man sieht aber schon, dass auch der Wahnsinn nicht gleich  Wahnsinn ist. Mitunter sind es eben vielleicht nur Abweichungen geringer Art, die die Verschiedenartigkeit ausmachen. Und auch was das teuflische Lachen des JOKERS angeht, hat der Darsteller Cameron Monaghan in seinem ersten Auftritt, in der ersten Staffel, letztendlich dann doch die Nase bei mir vorne gegenüber dem linkischen Grinsegesicht, das Robin Lord Taylor als PINGUIN stetigst von sich gibt. Als JOKER jedenfalls hätte seine Rolle doch etwas umgestaltet werden müssen um eben die Figur des JOKERS nicht weitgehend planlos absurd sondern von Grund auf bösartig und zielorientiert wirken zu lassen.

Ansonsten kann man aber durchweg feststellen, dass viele Figuren der dunklen Seite von GOTHAM gegenüber den Mafia-Verbrechern ein gewaltiges Problem mit ihrer Psyche aufweisen und hier hält man sich durchaus an den bekannten Kanon aus den zurückliegenden Comics zu BATMAN. Hier ein kleiner Tipp von mir: Man achte in der ersten Staffel z.B. auf das nervöse Zucken im Gesicht von Harvey Dent, als etwas nicht wie beabsichtigt positiv verläuft, was durchaus erahnen lässt, dass auch er schon im Oberstübchen wirklich nicht völlig rund läuft, was aber wohl erst dann richtig durchbrechen wird, wenn er durch den Säureanschlag zu TWO-FACE mutiert.

Gotham (Staffel 1)Meine abschließende Beurteilung:
Es gäbe noch viel mehr zur ersten Staffel von GOTHAM zu sagen und an wissenswertem rund um die Serie ist der Topf wahrlich auch noch lange nicht ausgeschöpft.

Man achte manchmal eben nur auf gewisse Feinheiten (wie oben z.B. bei Harvey Dent) und man entdeckt manches, dass das Herz des Fans von BATMAN und seiner Welt durchaus höher schlagen lässt.

Prinzipiell hat man hier aber dankenswerter Weise auf die üblichen Fehler verzichtet, mit denen man Serien wie FLASH, ARROW oder SUPERGIRL gleich zum abgewöhnen mutieren lässt. Auch das fehlen von diversen Superhelden, die hier als Gaststars präsent werden könnten, nutzt der Serie mehr als es ihr schadet. Überhaupt wären die Helden mit Strampelanzügen irgendwie in der Serie GOTHAM ziemlich fehl am Platz, weil sie eben die durchgängig düstere Crime-Stimmung negativ durchbrechen würden.

Worauf ich noch nicht in würdiger Art eingegangen bin, ist die Schauspielerin Jada Pinkett Smith, die hier die brandgefährliche Verbrecherin Maria Mercedes Mooney, auch „Fish“ genannt, spielt. Hier darf sich ihr Ehemann Will Smith ruhig mal eine Scheibe abschneiden, denn darstellerisch wirkt sie hier durchaus überzeugender als ihr weltberühmter Ehemann, dem es einfach in keinem Filmgenre gelingt, seine Rolle aus DER PRINZ VON BELL-AIR (THE FRESH PRINCE OF BELL-AIR) vollständig und glaubhaft abzuschütteln. Auch von ihr könnte man hier noch so einiges erzählen, sowohl als Schauspielerin als auch über ihre Rolle in GOTHAM, doch irgendwo muss man mal einen Strich ziehen, sonst wären wir bald bei einem dritten und vierten Teil zur Fernsehserie. Dann hätte es aber wohl wirklich mehr Sinn gemacht, jede Folge einzeln zu behandeln, was ich aber hier schlicht vermeiden wollte.

Grundsätzlich hat für mich die Fernsehserie GOTHAM alles, was eine düstere und spannende Serie mit phantastischen Einschlägen ausmacht. Die Serie hat absolutes Suchtpotential, was ich von den anderen Serien aus dem DC-Kosmos nun wirklich nicht behaupten kann. Wenn man also mich persönlich fragt, welche Serie des DC-Universums wirklich sehenswert ist, dann kann ich einfach nur den Titel GOTHAM nennen. Wen wundert es da, dass ich der Serie GOTHAM (zur ersten Staffel) mehr als gerne volle fünf von fünf Punkten vergebe.

Gotham (Staffel 1)Gotham (Staffel 1)Gotham
(Staffel 1.)
USA 2014

Besetzung: Benjamin McKenzie, Camren Bicondova, Robin Lord Taylor, Cory Michael Smith, Donal Logue, Morena Baccarin, David Mazouz, Erin Richards, Jada Pinkett Smith, Sean Pertwee, Cameron Monaghan, Zabryna Guevara, Michael Chiklis, Drew Powell, John Doman, Chris Chalk, Nicholas D'Agosto, Maggie Geha, James Frain, Victoria Cartagena, Andrew Stewart-Jones, Benedict Samuel, Jessica Lucas, Carol Kane, Danny Mastrigiorgio, David Zayas, Chelsea Spack, Milo Ventimiglia u.a.

DVD/FSK: 16 Jahre
Laufzeit: 968 Minuten
22 Episoden mit je 44 Minuten
Blu-ray: 4 Discs
Vertrieb: Warner Home Video Germany   

Kommentare  

#1 Heiko Langhans 2017-01-10 17:18
Verzeihung, aber auch nach zweimaligem Lesen des Artikels vestehe ich immer noch nicht, worauf Du eigentlich hinaus willst.
#2 Laurin 2017-01-10 18:49
@ Heiko Langhans:
Das man seitens DC endlich mal eine richtig gute Serie an den Start gebracht hat. Andererseits gehe ich auch hier auf Kommentare ein zum ersten Artikel. Oder eben die Hintergrundgeschichte zur fiktiven Stadt GOTHAM.

Aber deiner Phantasie nach dem Sinn eines Artikels sind auch so keine Grenzen gesetzt. ;-)

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