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Der Kommissar und seine Mörder - Folge 51: Fluchtwege

1Folge 51
Fluchtwege

Gabriele Bebra, ein junges Mädchen, das aus zerrütteten Familienverhältnissen stammt, flüchtet bei der Waldarbeit aus einem Erziehungsheim. Zunächst sieht der Fall so aus, als wäre er nur eine Routinesache für die Landpolizei.

Zehn Tage später wird der tyrannische Vater, Herr Bebra in seiner Wohnung erstochen aufgefunden. Durch diesen Mordfall muss Keller sich einschalten.


Bei seinen Nachforschungen trifft er auch auf Harald Steinhoff, dem Sohn eines Industriellen. MenschlicheSzenenfoto Konflikte erschweren dem Kommissar und seinen Mitarbeitern die Suche nach dem Mörder erheblich. (1)

Die neue Folge nach der Sommerpause 1972 liefert eine typische Kommissar-Story mit den üblichen menschlichen Konflikten und Abgründen sowie dem sozialkritischen Hintergrund. Anders ist diesmal, dass die Folge viel dichter und handlungsreicher ist als die sonstigen Folgen dieser Art. Spannung entsteht durch den sozialen Konflikt und die menschliche Komponente und nicht durch die Mördersuche. Das rückt die Folge in ein besonderes Licht. Herr Reineckerr legte später viele Storys so an, da auch diese Folge des Kommissars außerordentlich erfolgreich war. Leider gelang es Reinecker selten bis gar nicht seine Idee von 1972 zu wiederholen.

Vieles an dieser Folge wirkt altertümlich und überholt. So etwa das Erziehungsheim in dem Zwangsarbeit geleistet wird. Gibt es heute auch noch vereinzelt, nur heißt es anders und ist in jeder Form mehr oder weniger freiwillig. Auch die Methoden der Erzieher, die  sich offenbar für Helden hielten und das Lager wie in NS-Zeiten behersschten sind befremdlich. Kinder, die keine ordentliche Erziehung genießen werden von der Fürsorge abgeholt und in ein solches Heim gesteckt. Schrecklich, zumal man bedenken muss, daß die Kinder für ihre Erziehung ja gar nichts können.

In der Hauptrolle ist Monica Bleibtreu zu bewundern, die als junge und aufmüpfige Gabriele Bebra die Handlung bestimmt und nicht nur eine Flucht ergreift, wie die aus dem Erziehungsheim. Sondern auch eine Flucht aus ihrer Welt und die sich glücksuchend umsieht und beim Sohn aus reichen Hause eine Art Hoffnung entdeckt. Für die damals 32jährige Bleibtreu war die Rolle einer Sechszehnjährigen eine Herausforderung ganz eigener Art, wie man unschwer vermuten kann. Auch tragend und unglaublich gut in seiner Darstellung ist Martin Semmelrogge, der ausnahmsweise mal sehr intensiv spielt und sicher eine der besten Rollen seiner Karriere abliefert.

Gedreht 1972, Erstsendung 6.10.1972

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemmnitz, Fritz Wepper, Monica Bleibtreu, Joachim Ansorge, Carl Lange, Martin Semmelrogge, Robert Naegele, Eva-Ingeborg Scholz, H. Seitz u.a.
Stab: Regie: Wolfgang Becker - Buch: Herbert Reinecker - Titelmusik: Herbert Jarczyk - Musik: The Les Humphries Singers: Take Care Of Me, Peter Thomas - Neue Münchner Fernsehproduktion 1972

(1)= 3sat
Foto: 3sat

Kommentare  

#1 joe p. 2015-02-28 10:26
"Die neue Folge nach der Sommerpause 1976..."
Im Sommer '76 war der Kommissar schon Geschichte.
"Auch die heroischen Methoden, die einem Lager aus NS-Zeiten gleichen..."
Heroisches gab's in der NS-Zeit wohl eher nur in der Vorstellungswelt der Machthaber (und im Widerstand). Hier vielleicht "martialisch".
#2 harantor 2015-02-28 10:55
Es war natürlich 1972 ... Korrigiert
#3 G. Walt 2015-02-28 11:59
Auch Idee von 76 habe ich korrigiert.

Ja, die Anstaltsleiter und Fürsürger fühlten sich heroisch. Glaubten sie doch alle Kinder zu gutmenschen erziehen zu können....
#4 G. Walt 2015-02-28 12:04
Vielleicht versteht man es so besser. Geänderter Satz.
#5 Jörg B. 2017-04-11 21:36
Interessant auch die Namensfindung der Figuren. Gabriele Bebra.. Die kleine osthessische Eisenbahnerstadt.. Auch in anderen Folgen merkt man manchmal das Nachnamen offenbar beim Studium einer Landkarte "erfunden" wurden. ;-)
#6 G. Walt 2017-04-12 10:13
Zitat:
Interessant auch die Namensfindung der Figuren. Gabriele Bebra.. Die kleine osthessische Eisenbahnerstadt.. Auch in anderen Folgen merkt man manchmal das Nachnamen offenbar beim Studium einer Landkarte "erfunden" wurden.
Das habe ich bei dem Namen auch gedacht. Bebra. Wie oft bin ich da mit der Bahn durchgefahren. Und man hatte irgendwie den Eindruck man ist schon "drüben" - damals. Sorry liebe Bebraraner!!!
#7 Frank Reichelt 2017-04-12 11:35
Reinecker hat mal in einem Interview erzählt, dass er die Namen seiner Figuren aus dem Münchner Telefonbuch zieht. Einfach ist die Namensgebung nur wenn jemand geistig etwas minderbemittelt ist, die heißen immer Bruno!
#8 Jörg B. 2017-05-19 11:36
Aber ich glaube der Name Bebra hat es Reinecker angetan, denn im Derrick kommt der Name auch vor. Dort allerdings als Stadtname. In den Wäldern um Bebra aus " Eine ganz alte Geschichte".. mit Matthieu Carriere in der Hauptrolle.

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