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Derrick und seine Fälle: Folge 265 - Zeuge Karuhn

Derrick und seine FälleFolge 265
Zeuge Karuhn

Konrad Paulus wird erschossen. Einziger Augenzeuge ist der Obdachlose Paul Karuhn, der jedoch schweigt. Kann Derrick ihn zu einer Aussage überreden? Und falls ja, würde das Gericht dem Außenseiter Glauben schenken?  (1)

Augenzeugen waren auch immer ein beliebtes Thema im Derrick. Ihnen die entscheidende Aussage zu entlocken war dabei immer die eigentlich zu lösende Aufgabe.


Den Mord zu klären war sekundär, denn der Täter stand ja fest.

Somit haben diese Folgen den Charakter vieler Frühfolgen, in denen der Mörder immer bekannt war und nur entlarvt werden musste. Hier wird der Zeuge Karuhn (Michael Heltau) als heruntergekommener Penner dargestellt, der anscheinend nicht sprechen kann oder will. Der Mörder, ein feiner Herr Hanau (Sky du Mont) hat seinen Geschäftspartner und Kompagnon erschossen, weil dieser bei einigen nicht ganz seriösen Geschäften nicht mehr mitmachen möchte. Da der Augenzeuge des Mordes aber nicht spricht, sondern nur nickt oder den Kopf schüttelt, ist seine Aussage wertlos. Erst als die Tochter des Opfers dem Penner hilft, wieder "menschlich" zu werden und ihm ein Bett und neue Kleidung verschafft, gewinnt er seine Stimme zurück und plaudert wie aus dem Bilderbuch den Mord herunter. Das Ende von Hanau.

Wenn sich nun jeder, der das liest, wie im Märchen vorkommt, dem sei gesagt: Genau so kam ich mir beim Anschauen der Episode auch vor. Herr Reinecker hatte mal wieder vergessen, dass er eigentlich einen Krimi schreiben sollte und keine zu haltende Moralpredigt an die ach so verkorkste Menschheit. Und ein Appell an die Menschen, die glauben, in einem Penner stecke kein Mensch, sollte dies sicher auch nicht werden.

Hinzu kommt mal wieder die handwerklich sehr schlechte Machart des Pseudokrimis, die alle Darsteller in einem sehr unwirklichen und künstlichen Licht erscheinen lassen. Wollte Reinecker wirklich etwas Menschliches darstellen? Dann muss man sagen, dass seine Figuren vollkommen unrealistisch und "unmenschlich" handeln. Angefangen bei der Tatsache, dass eine liebende Ehefrau keine Träne für ihren Mann verliert und aufgehört bei der Tatsache, dass ein Polizist namens Derrick dem Tatzeugen die Aussage in den Mund legt.

Überzeugen kann phasenweise höchstens Herr Heltau als Penner, dem das Leben nicht gerade wohlgesonnen war. Heltau ist im Übrigen nicht nur in seinem letzten Derrick zu sehen, sondern in seiner vorletzten Kameraarbeit überhaupt. Nur 1999 tauchte er noch einmal in "Kinder der Sonne" im TV auf. Er war dreimal im Derrick zu Gast und ließ sich wahrscheinlich nur auf Bitten seiner großen Theaterkollegen zu den Auftritten bewegen, die allesamt überzeugend waren. Heute spielt er ausschließlich Theater in seiner Heimat Österreich.

Auch Sky du Mont verlässt den Derrick nach insgesamt 14 Einsätzen, die bis in die Anfänge der Serie zurückreichen. Die meisten hatte er allerdings in den 90er-Jahren. Als Mörder darf er hier noch mal sein Spiel zum Besten geben. Eine Routinedarbietung allerdings - wie so oft bei du Mont.

Auch Christine Buchegger sagt dem Derrick Adieu nach 10 Einsätzen. Sie war bereits 1975 in der legendären Folge "Tod am Bahngleis" dabei. Ebenfalls nach nur zwei Einsätzen zum letzten Mal dabei ist Anette Hellwig. Und ein Krimiurgestein des bayrischen Ensembles verlässt Derrick ebenfalls für immer: Werner Asam brachte es auf 13 Einsätze.

Darsteller: Horst Tappert, Fritz Wepper, Willy Schäfer, Michael Heltau, Sky du Mont, Udo Schenk, Anette Hellwig, Christine Buchegger, Michael Zittel, Werner Asam und andere
Stab: Musik: Eberhard Schoener, Titelmusik: Les Humphries, Regie: Peter Deutsch, Produzent: Helmut Ringelmann. Eine Produktion der Telenova Film- und Fernsehproduktion im Auftrag von ZDF, ORF, SRG. Erstsendung: 08.11.1996 

1) ZDF


Bild: ZDF

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