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Ein US-Krimiautor: RAYMOND CHANDLER

Ein US-KrimiautorRAYMOND CHANDLER
(1888 - 1959)

Raymond Chandler wurde am 23. Juli 1888 in Chicago, Illinois, als einziges Kind der Eheleute Maurice Benjamin und Florence Dart Chandler (geb. Thornton) geboren.

Sein Vater war Ingenieur und arbeitete für Eisenbahngesellschaften im Mittleren Westen.


Raymond ChanlerDie dadurch bedingte häufige Abwesenheit, seine Neigung zum Alkohol und seine gewalttätigen Übergriffe zerstören die Ehe und sieben Jahre nach der Geburt des kleinen Raymond verließ Maurice Chandler seine Familie wegen einer anderen Frau. Trotz dieses Erlebnisses fand Raymond in seiner Mutter den nötigen starken Halt.

Aus finanziellen Gründen wanderten Mutter und Sohn nach England aus, genauer gesagt zu Verwandten nach London.

Im Jahre 1900 zogen Großmutter, Mutter und Tante mit  dem jungen Chandler nach Dulwich. Auf Betreiben seines Onkels Ernest Thornton, der auch das hohe Schulgeld bezahlte, wurde der nun zwölfjährige Chandler von 1900 bis 1905 Schüler des nahegelegenen Dulwich College im Südwesten von London.

„Ich bin aufs Dulwich College gegangen, eine englische Public School, die unter gesellschaftlichem Aspekt zwar nicht ganz an Eton und Harrow heranreicht, aber doch eine sehr gute Bildung vermittelte.“ (1)

Raymonds Wunsch nach Beendigung der Schulzeit im Jahre 1905 ein juristisches Studium zu beginnen erfüllte sich leider nicht. So schickte die Familie den Siebzehnjährigen zur Vervollkommnung seiner Fremdsprachenkenntnissen für sechs Monate nach Paris und Deutschland.
Mit 18 fällten seine Mutter und sein Onkel die Entscheidung das Raymond in den Staatsdienst eintreten sollte und so trat er den Posten in einem Büro der Admiralität an, den er aber schon nach sechs Monaten wieder verließ
.

„Ich ging zum Marineministerium, fand die Atmosphäre dort so zum Davonlaufen, dass ich nach sechs Monaten davonlief.“ (2)

Nach seinem Ausscheiden arbeitete er zeitweise als Aushilfslehrer am Dulwich College bis er beschließt Schriftsteller zu werden. Durch diese Entscheidung setzte sich der junge Chandler allerdings ins materielle Abseits, da ihm sein reicher Onkel jedwede Unterstützung versagte.

Ab 1908 arbeitete Chandler als Reporter in London für den „Daily Express“, danach als freier Journalist für die liberale Abendzeitung „The Westminster Gazette“ und die Wochenendzeitschrift „The Academy“.

„Ich lebte praktisch von nichts und schrieb für eine intellektuelle Wochenzeitschrift und für WESTMINSTER GAZETTE . Aber selbst im besten Fall bekam ich nur einen sehr kargen Lebensunterhalt zusammen.“ (3)

Chandler arbeitete in dieser Zeit als Reporter, Übersetzer und Rezensent, schrieb für diverse Zeitungen und literarische Zeitschriften und verkaufte Artikel, Besprechungen, Essays, satirische Skizzen und Verse.
Langfristig sah  er allerdings keine große Zukunftschance in Großbritannien und so lieh er sich von seinem Onkel 500 Pfund und bestieg im Jahre 1912 ein Schiff nach Amerika.
Der Neuanfang im Land seiner Geburt war allerdings außerordentlich hart.

Er war in diversen Jobs tätig und nahm 1913 an einen sechswöchigen Buchführungskurs teil, dessen Kenntnisse er später bei einigen seiner Jobs anwenden konnte.
Während dieser Zeit lernte er die verheiratete und 18 Jahre älteren Cissy Pascal, kennen, die später seine Frau werden sollte.

1917 wurde er Soldat in der kanadischen Armee und zwei Jahre später wieder aus der Armee entlassen.

Im Jahr seiner Entlassung kehrte er mit seiner Mutter zurück nach Kalifornien, wo Chandler
darauf angewiesen war, wieder wenig erträgliche Jobs anzunehmen. Doch Anfang der 1920er Jahre änderte sich seine Lage allmählich.

Da Chandler beachtliches geschäftliches Talent an den Tag legte und die Stadt Los Angels vom Ölrausch erfasst worden war, machte er in kurzer Zeit eine erstaunliche Karriere und brachte es zum Vizepräsidenten von Joseph Dabneys „South Basin Oil Company“ und zum Direktor etlicher anderer Erdölgesellschaften.

Nach dem Tod seiner Mutter im Jahre 1924 heiratete er Cissy Pascal, eine um 18 Jahre ältere, zweimal geschiedene Pianistin.

Doch Chandler fühlte sich in der Rolle des spießigen Wohlstandsbürgers nicht sonderlich wohl, wendete sich dem Alkohol zu und geriet zunehmend aus der Bahn.
So verschwand  er tagelang, drohte gelegentlich mit Selbstmord und kümmerte sich nicht mehr besonders um seine Arbeit.

1932 wurde er schließlich vierundvierzigjährig entlassen.

Raymond Chandler stand vor dem Nichts, doch in dieser verzwickten Situation entschied er sich seinen langgehegten Wunsch zu erfüllen und Schriftsteller zu werden.

1932 verfasste er seine erste Kurzgeschichte mit dem etwas merkwürdigen Titel „BIER IN DER MÜTZE DES OBERFELDWEBELS  oder DIE SONNE NIEST AUCH".  Bei dieser Erzählung handelt es sich um eine Parodie auf Hemingway und Chandler kopierte Hemingways Stil exakt und mit viel Witz.

Ein Jahr lang arbeitete Chandler zudem daran, Kriminalgeschichten zu schreiben. Dabei orientierte er sich an den Stilen und den Werken von Hammett, Gardner und Hemingway.

Fünf Monate benötigte er um seine erste Kriminalerzählung zu schreiben, die er 1933 an das “BLACK MASK“ – Magazin schickte.

Joseph Shaw, dem Herausgeber des Pulp Magazins, gefiel die Story und im Dezember 1933 war es soweit, Raymond Chandler debütierte mit „BLACKMAILERS DON’T SHOOT“ (Erpresser schießen nicht) als Kriminalschriftsteller im Pulp – Magazin BLACK MASK, das ausschließlich Detektivgeschichten druckte und wegen seiner literarischen Qualitäten aus der Masse anderer Magazine herausragte.

Mallory, ein Privatdetektiv aus Chicago, wird in einen verwirrenden Fall in Hollywood hineingezogen. Es geht um Briefe einer bekannten Schauspielerin, mit denen sie erpresst wird. Doch die Sache entwickelt sich zunehmend komplizierter, immer mehr zwielichtige Typen verfolgen ihre eigenen Ziele in dieser Sache und auch die Schauspielerin scheint schließlich nicht ganz stubenrein zu sein.

Zwischen 1933 und 1936 verkaufte Chandler zehn weitere Erzählungen an „BLACK MASK“ und eine an „DETECTIVE FICTION WEEKLY“.

1934 veröffentlichte er u. a.  „SMART – ALECK KILL“ (Der superkluge Mord) und „FINGER MAN“ (Einfache Chancen).

1935 erschien „KILLER IN THE RAIN“ (Mord im Regen), die zu den besten seiner früher Story zählt und in dem zum ersten Mal ein Ich – Detektiv auftaucht, der schon gewissen Ähnlichkeiten mit seinem späteren Helden, dem Detektiv Philip Marlow aufweist.

Zwischen 1936 und 1938 schrieb Chandler noch 12 weitere Kriminalgeschichten für das Magazin „BLACK MASK“„DIME DETECTIVE“, u. a. „BAY CITY BLUES“, das in der Juni – Ausgabe des Jahres 1938 erschien. und von 1937 bis 1939 sieben Kriminalerzählungen für

1939 veröffentlichte er nach dreimonatiger Arbeit mit „THE BIG SLEEP“ (Der große Schlaf) seinen ersten Marlow – Roman.

Die Handlung des Romans dreht sich um eine sehr komplexe Erpressungsaffäre. Doch Hauptthema ist die seltsame korrupte Welt und die Darstellung des Verfalls und der Morbidität einer reichen Familie.

General Sternwood, ein alter invalider Kapitalist (Öl), hat sich eine gewisse Integrität bewahrt. Seine Tochter Carmen wird bereits zum zweiten Mal erpresst, und Marlowe soll der Sache ein Ende machen. Marlowe entdeckt zuerst eine pornographische Leihbibliothek, kurz darauf den Leichnam des Besitzers.
Carmen schmuggelt sich in Marlowes Zimmer und erwartet den Detektiv im Bett. Sie ist Kind und Teufel in einem; sie hat keine sexuellen Hemmungen und säuft bis zur Bewusstlosigkeit – ein geeignetes Objekt für Porno-Photographen und Erpresser

Der Erfolg von „THE BIG SLEEP“  (Der große Schlaf) veränderte Chandlers Dasein nicht, da der relativ gute Verkauf des Buches in materieller Hinsicht keine Aufschwung brachte. So war er sich im klaren, dass er aus finanziellen Gründen weiterhin die eine oder andere Detektivgeschichte verkaufen musste.

Im Januar 1939 erschien „THE LADY IN THE LAKE“ (Die Tote im See), gefolgt von drei weiteren Geschichte, die er an das Magazin „BLACK MASK“ verkaufe.

Im April begann er seinen zweiten Marlow - Roman „FAREWELL, MY LOVELY“ (Lebewohl, mein Liebling) und beendete dessen erste Fassung bereits im September, schrieb das Buch aber dann von Grund auf um nachdem ihm die Aufnahme in die kanadische Armee auf Grund seines Alters verweigert wurde

Während Chandler schon mitten in der Arbeit an seinem nächsten Marlow – Krimi „THE HIGH WINDOW“ (Das hohe Fenster) steckte, erschien „FAREWELL, MY LOVELY“ (Lebewohl, mein Liebling) im Buchhandel und erhielt so gute Kritiken, dass auch Hollywood auf den Autor aufmerksam wurde.

1941 wurde sein zweiter Roman unter dem Titel „THE FALCON TAKES  OVER“ verfilmt, allerdings nur als Teil einer Serie um einen Detektiv namens ‚The Falcon‘ und in einer Weise, dass von der Vorlage nicht viel übrigblieb.

Drei Jahre später folgte eine zweite und weit bessere Verfilmung unter dem Titel „MURDER, MY SWEET“.

1941 veröffentlichte Chandler mit „NO CRIME IN THE MOUNTAINS“ (Kein Verbrechen in den Bergen) seine vorläufig letzte Kurzgeschichte

1942 erschien sein nächster Roman „THE HIGH WINDOW“, das sehr bald nach Erscheinen unter dem Titel „TIME TO KILL“ verfilmt wurde.

Marlowe wird von der reichen Mrs. Elizabeth Murdock aus Pasadena mit der Auffindung einer gestohlenen, sehr wertvollen Münze beauftragt – der ›Brasher-Dublone‹.
Bald wird klar, dass Mrs. Murdocks Sohn Leslie das Stück entwendet hat, um seine Schulden beim Casinobesitzer Alex Morny zu begleichen. Doch dann entdeckt Marlowe Hinweise auf ein ganz anderes Verbrechen …

Im November 1943 wurde Chandlers vierter Roman „THE LADY IN THE LAKE“ (Die Tote im See) veröffentlich.

Derace Kingsley, ein älterer Wirtschaftsboss, engagiert Marlowe, um Mrs. Kingsley zu finden. Die junge Schönheit hat ihrem Mann am 14. Juni ein Telegramm aus El Paso gesandt, in dem sie ihm mitteilt, sie sei auf dem Weg nach Mexico, um sich dort scheiden zu lassen und ihren Liebhaber Lavey zu heiraten.
Kingsley ist nicht überrascht; er macht sich erst in dem Moment Sorgen, als er Lavery auf der Straße begegnet und dieser ihm versichert, er wisse nichts von einer Reise nach Mexiko.

Auch die Verfilmung dieses Krimis drei Jahre später war nur eine sinnlose Verstümmelung des Originalstoffs mit dümmlichen Dialogen und unerträglichen Kitschszenen.

Die einzige interessante Verfilmung eines Chandler – Romans war und blieb „THE BIG SLEEP“ (Tote schlafen fest) aus dem Jahre 1946 mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall, an die sich viele Kinofans bis heute noch erinnern.
Das Remake des Films mit Robert Mitchum aus dem Jahre 1978 war dagegen nur ein müder und zugleich langweiliger und langatmiger Abklatsch des Originalfilms.

1943 begab sich Raymond Chandler nach Hollywood, um mit dem Regisseur Billy Wilder das Drehbuch zu dem Film „DOUBLE INDEMNITY“ zu schreiben.

„In erster Linie tat er dies aus wirtschaftlichen Gründen, denn obwohl er mittlerweile ein erfolgreicher Schriftsteller war und sich einen Namen gemacht hatte, wusste er, dass er sich als Romanautor schwerlich den Grad an finanzieller Sicherheit  und Unabhängigkeit erreichen würde, der er entgegenstrebte.
Und weil er kein Produzent schneller, billiger Krimi – Bestseller war noch werden wollte – und seine Werke kein Vermögen abwarfen, nahm er den Job als Drehbuchautor in Hollywood an.
“ (4)

Der Film „DOUBLE INDEMNITY“ aus dem Jahre 1944 mit Fred MacMurray, Edward G. Robinson und Barbara Stanwyck in den Hauptrollen wurde ein großer Erfolg und das Drehbuch zum Film erhielt sogar eine Oscar – Nominierung.

Raymond Chandler hatte sich nach diesem Erfolg als Drehbuchautor durchgesetzt und gehörte sehr schnell zu den sehr raren Schreibern in Hollywood, die ansehnliche Summen bekamen. So mietete er sich für sich und Cissy einen kleinen Bungalow im südlichen Hollywood.

Am liebsten verkehrte Chandler während dieser Zeit  mit seinen Autorenkollegen, die ihn als klugen, jederzeit hilfsbereiten Ansprechpartner schätzten.

Ende 1945 besaß er den Mut seine gesammelten Erkenntnisse über Hollywood in einem polemischen Essay publik zu machen und seinen Arbeitgebern offen die Stirn zu bieten.
Die Arbeit an dem Drehbuch für „THE BLUE DAHLIE“ (Die blaue Dahlie, 1946) mit Alan Ladd und Veronika Lake in den Hauptrollen, brachte Chandler am Rande des Zusammenbruchs.
Um das Drehbuch für seinen Freund Houseman rechtzeitig abliefern zu können, versetzte er sich in organisierte Trunkenheit.
Unter Aufsicht eines Arztes, der ihm Traubenzucker spritzte, betrank er sich eine Woche lang, aß in dieser Zeit nichts und beendete, in vollkommener Konzentration  und Selbstkontrolle, seine Arbeit.
Der Film wurde zwar rechtzeitig fertig, aber es dauerte lange bis sich der Autor von dieser exzessiven Arbeit erholte und wieder auf die Beine kam.

1946 kehrte er Hollywood endgültig den Rücken und kaufte für sich und seine Frau Cissy ein Haus in La Jolla einer reicher Vorstadt von San Diego.
Dort führte Chandler das zurückgezogene Leben einer Autorenexistenz. Kontaktfreudigkeit und Verlangen nach gesellschaftlicher Geborgenheit war nie seine Sache gewesen. Obwohl er ein witziger Gesellschafter sein konnte, hatte er doch Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen und Hemmungen.

1949 erschien Chandlers fünfter Romane „THE LITTLER SISTER“ (Die kleine Schwester).

Der Roman ist ein Feuerwerk an Witz. Chandler ist in Hochform, obwohl er meint, er habe den Roman in schlechter Stimmung  geschrieben.

Zu Marlowe kommt die ›kleine Schwester‹ Orfamay Quest aus dem Nest Manhattan in Kansas. Sie sucht ihren Bruder Orrin, der vor einigen Monaten in Los Angeles verschwunden ist.
Sie spielt die arme Kleine vom Lande, und Marlowe gibt sich mit einem Vorschuß von 20 Dollar zufrieden.
Die Suche führt Marlowe zuerst in einen finsteren Wohnblock. Bald ist der Hausmeister eine Leiche, ebenso der Mann, der Orrin Quests Wohnung übernommen hat.
Ein Arzt setzt Marlowe mit einer vergifteten Zigarette vorübergehend außer Gefecht. Als Marlowe erwacht, steht er vor der dritten Leiche: Orrin …

Die Veröffentlichung des Romans steigerte Chandlers Bekanntheit  in der literarischen Welt und vergrößerte die Gemeinde seiner Leserschaft.

1950 schrieb er für den Film „STRANGERS ON TRAIN“ (Der Fremde im Zug), nach einem Roman von Patricia Highsmith, in dem Alfred Hitchcock die Regie führte, sein letztes Drehbuch für Hollywood.

Im selben Jahr verfasste Chandler auch seine vorletzte Kurzgeschichte, die sich mit seinem Steckenpferd, dem phantastischen Genre befasste und den merkwürdigen Titel trägt „PROFESSOR BINGO’S SNUFF“ (Professor Bingos Schnupfpulver).

1950 erkrankte Cissy an einem tödlich verlaufenden Lungenleiden. Chandler war voller Sorge um seine Frau und betäubte sich mit dem Schreiben an seinem Roman „THE LONG GOODBYE“ (Der lange Abschied) und mit Alkohol.

Ein Freund Marlowes soll einen grässlichen Mord verübt haben. Nachdem dieser Mann in Mexiko untergetaucht ist, will Marlowe dem Fall nachgehen, doch von Seiten des Schwiegervaters seines Freundes und von den Gesetzeswächtern kommen Drohungen. Marlowe wird mit einem neuen Fall beladen: Er soll den verschwundenen Schriftsteller Wade suchen. Plötzlich bilden sich Parallelen zwischen den beiden Fällen …

Das Buch „THE LONG GOODBYW“ (Der lange Abschied) erschien Ende 1953 in England und Anfang 1954 in Amerika und erhielt eine Menge positiver Besprechungen.

1955 bekam der von der „MYSTERY WRITERS OF AMERICA“  sogar den „EDGAR“ für den besten Kriminalroman des Jahres 1954.

Doch am 12. Dezember 1954 erlebte Chandler den tragischsten Rückschlag in seinem Leben. Seine geliebte Frau Cissy starb vierundachtzigjährig nach schwerer Krankheit im Krankenhaus.
Der Verlust Cissys riss  nun alle Schranken nieder. Alkohol gehörte nun zu Chandlers täglichen Gebrauch.
Er kam  betrunken zu der  Beerdigung seiner Frau, um diese und die ganze Situation in der er sich befand überhaupt nervlich durchstehen zu können.

Am 22. Februar 1955 versuchte er in alkoholisierten Zustand einen halbherzigen Selbstmordversuch, der jedoch fehlschlug.
Nachdem er sich davon erholt hatte, reiste er nach England, wo er sich, finanziell unabhängig, im CONNAUGHT HOTEL in London einquartierte.

1956 musste er allerdings Großbritannien wieder verlassen, weil seine Aufenthaltsgenehmigung erloschen war. In New York angekommen brach er plötzlich zusammen und wurde dort in ein Krankenhaus eingeliefert.

1957 begann Chandler  seinen siebten Roman „PLAYBACK“, den er Anfang 1958 beendete. Dieser letzte Roman ist Chandlers schlechtester und mit den anderen nicht auf eine Stufe zu stellen, trotzdem ist „PLAYBACK“ die „unwahrscheinlichste Energieleistung eines Mannes, der noch ein Buch aus sich herausholte, wo die meisten in seiner Lage bereits aufgegeben und vor dem Leben kapituliert hätten.“ (5)

Privatdetektiv Philip Marlowe wird vom Rechtsanwalt Clyde Unmey beauftragt, einer jungen Dame, die mit dem Zug in Los Angeles ankommt, zu folgen und ihre Adresse festzustellen.
Die junge Dame führt Marlowe ins Städtchen Esmeralda, zwanzig Kilometer von San Diego entfernt. Marlowe merkt bald, dass da etwas nicht stimmt: Die Dame wird auch von anderen verfolgt.

1958 kehrte Chandler kurzzeitig nach London zurück und wohnte am Neptune Place, musste aber im Mai wieder ins Krankenhaus.
Nach seiner Genesung flog er zurück nach Amerika, wo er seine letzte Kurzgeschichte mit dem Titel „THE PENCIL“ (Der Bleistift) verfasstr, die seinen Roman „PLAYBACK“ um Klassen überragte und schrieb die ersten vier Kapitel seines achten und letzten Romans „THE POODLE SPRINGS STORY“, den er aber nie vollendete.

1959 hatte er seinen letzten öffentlichen Auftritt, als er zum Präsident der „MYSTERY WRITERS OF AMERICA“ gewählt wurde.

Am 15. März kehrte Chandler  wieder in sein Haus in La Jolla in der Prospect Street zurück und versank im Alkoholrausch.

Mit einer Lungenentzündung wurde er am 23. März ins Krankenhaus eingeliefert und von dort zwei Tage später in eine andere Klinik überführt.

Dort verstarb Raymond Chandler am Nachmittag des 26. März 1959 im Alter von siebzig Jahren

Bibliographie
Romane
The Big Sleep (1939), his first
Farewell, My Lovely (1940)
The High Window (1942)
The Lady in the Lake (1943)
The Little Sister (1949)
The Long Goodbye (1954) (Edgar Award for Best Novel, 1955)
Playback (1958)
Poodle Springs (1959) (incomplete; completed by Robert B. Parker in 1989)

Krimi - Kurzgeschichten
Blackmailers Don't Shoot (1933)
Smart-Aleck Kill (1934)
Finger Man (1934)
Killer in the Rain (1935)
Nevada Gas (1935)
Spanish Blood (1935)
The Curtain (1936)
Guns at Cyrano's (1936)
Goldfish (1936)
The Man Who Liked Dogs (1936)
Pickup on Noon Street/Noon Street Nemesis (1936)
Mandarin's Jade (1937)
Try the Girl (1937)
Bay City Blues (1938)
The King in Yellow (1938)
Red Wind (1938)
The Lady in the Lake (1939)
Pearls Are a Nuisance (1939)
Trouble is My Business (1939)
No Crime in the Mountains (1941)
The Pencil (1959; published posthumously; originally published as Marlowe Takes on the Syndicate, also published as Wrong Pigeon and Philip Marlowe's Last Case)

Sonstige Kurzgeschichten
I'll Be Waiting (1939)
The Bronze Door (1939)
Professor Bingo's Snuff (1951)
English Summer (1976; published posthumously)

Die Werke Raymond Chandler in deutscher Übersetzung (Diogenes Verlag)
Der große Schlaf
Lebewohl, mein Liebling
Das hohe Fenster
Die Tote im See
Die kleine Schwester
Der lange Abschied
Playback
Mord im Regen (Frühe Stories)
Erpresser schießen nicht (Gesammelte Detektivgeschichten I)
Der König in Gelb (Gesammelte Detektivgeschichten II)
Gefahr ist mein Geschäft (Gesammelte Detektivgeschichten III)
Englischer Sommer (Geschichten, Parodien, Essays etc.)
Die simple Kunst des Mordes (Briefe, Essays, Notizen)
Meistererzählungen


(1) Raymond Chandler
(2) Raymond Chandler
(3) Raymond Chandler
(4) Thomas Degering
(5) Thomas Degering

© 2007 by Ingo Löchel

Quellen:
Al Clark: Raymond Chandler in Hollywood
Thomas Degering: Raymond Chandler
Frank McShane: Raymond Chandler – Eine Biographie
Jerry Speir: Raymond Chandler

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