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Kommissar X - Die Heftromanserie, Teil 19: EIN INTERVIEW MIT ALFRED BEKKER

Kommissar XDie Heftromanserie
Teil 17:

Ein Interview mit ALFRED BEKKER

 

Alfred Bekker kennen die meisten Leser heute als Fantasy- und Jugendbuchautor. Doch er begann seine Karriere beim Heftroman. Der Wilde Westen, die harte Welt der Gangster und die Weiten des Alls waren sein Ausgangspunkt. Stationen seiner Karriere war Jerry Cotton, die Sternenfaust und Colt.45 und eben auch die Abenteuer Jo Walkers in Straßenschluchten New Yorks und dem Rest der Welt.


Eben zu seiner Zeit bei Kommissar X haben wir ihn befragt...

Zauberspiegel: Herr Bekker, können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie zum KOMMISSAR X – Team gestoßen sind?Standen Sie schon vorher in irgendeiner ‚Beziehung' zu KX und den Pabel Verlag oder kamen sie erst als Autor der Serie mit Jo Walker in ‚Kontakt'?
Alfred Bekker:
Es war Anfang der Neunziger. Ich hatte gut zwei Dutzend Western-Romane unter dem Pseudonym Neal Chadwick für die Bastei-Serien Wildwest-Roman, Western-Hit und Colt 45 geschrieben, außerdem zahlreiche Kurzgeschichten und war gerade auf gutem Weg, mich als Autor zu etablieren.
Der Krimibereich interessierte mich und ich hatte schon einiges an Kurzgeschichten in diesem Bereich verfasst. Die Serie Kommissar X war mir schon seit Langem ein Begriff und so versuchte ich es einfach mal. Ich schrieb auf eigenes Risiko einen Kommissar-X-Roman.
Es dauerte eine Weile, dann erhielt ich den Anruf eines gewissen Dr. Florian F. Marzin,  der damals Cheflektor bei Pabel war. Ihm gefiel der Roman und er fragte mich, ob ich regelmäßig mitschreiben wollte. Schon das Einstiegshonorar war deutlich höher als bei der Konkurrenz und so ließ ich mich nicht lange bitten.
Vier Exposes wurden gleich akzeptiert und ich wurde aufgefordert, Abgabetermine zu nennen. "Wir probieren zurzeit etwas ganz Neues", sagte mir Dr. Marzin damals am Telefon. "Die Autoren sollen die Abgabetermine für ihre Romane nämlich selbst bestimmen - in der Hoffnung, dass sie sich wenigstens dann auch dran halten."
Auf Deutsch hieß das wohl: Es hielt sich in Wahrheit kein Mensch an die Termine! Und daran, dass dies den größten Reibungspunkt zwischen Autoren und Verlagen ausmacht, dürfte sich inzwischen wohl auch nichts geändert haben.
Insgesamt 12 Kommissar X-Romane schrieb ich dann. Und da sie später immer wieder neu aufgelegt und drei sogar ins Englische übersetzt wurden,  freue ich mich bis heute an diesen Stories.

Zauberspiegel: Meines Wissens war Ihr erster Roman das KX – Heft 1706 „BUBE, DAME, KILLER".  Wann erschien der Roman und können Sie mir etwas über den Inhalt des Heftes verraten?
Alfred Bekker:
"BUBE, DAME, KILLER" muss 1991 erschienen sein. Es geht um einen Killer, dessen Opfer zunächst in kein Schema passen. Der Roman erschien darüber hinaus später in einer Fassung, in der alle serientypischen Elemente ausgemerzt waren unter dem Titel "DER KILLER VON MANHATTAN" unter meinem Pseudonym Henry Rohmer und verkauft sich bis heute sehr gut bei www.Personalnovel.de. Eine englische Übersetzung existiert unter dem Titel "Manhattan Killer".

Zauberspiegel: In der Serie schrieben Sie die Romane, wie alle anderen KX – Autoren, auch unter Pseudonym.  Ist Ihr Autoren - Pseudonym Neal Chadwick eine ‚Erfindung' von Ihnen  oder wurde es von Seiten des Verlages oder der KX – Redaktion ins Leben gerufen?
Alfred Bekker:
"Neal Chadwick" ist mein persönliches Pseudonym. Ich hatte unter diesem Namen zuvor bereits meine Western geschrieben und dachte: Wenn man sich im wahrsten Sinn des Wortes bereits einen Namen gemacht hat, sollte man ihn weiter benutzen.  Außer für Western und KX, eine längere Fantasy-Novelle, die in einem Rollenspielmagazin erschien und eine Reihe von Kurzgeschichten und Illustrierten-Krimis benutzte ich "Neal Chadwick" auch noch für das Krimi-Taschenbuch "Quincy - der Hot Dog Mörder", einen Roman zur Fernsehserie Quincy um den gleichnamigen Gerichtsmediziner.

Zauberspiegel:
Gab es ein besonderes Ereignis im Bezug auf KX  an das sie sich heute noch besonders gut erinnern?
Alfred Bekker:
Als ich meinen zweiten KX "Der Killer-Cop" schrieb, wurde mein Sohn Hendrik geboren. Deswegen ist dieser Roman bis heute etwas Besonderes für mich, weil die Arbeit daran mit dieser Erinnerung verknüpft ist.
Ein besonderes Erlebnis ist auch mit "Stirb, Schnüffler" verknüpft (erschien später auch als "Tod eines Schnüfflers" und auf Englisch als "Fatal Jeopardy").
Zunächstmal hieß der Roman ursprünglich "Stirb, Schnüffler!" mit Ausrufungszeichen, aber Horst Hoffmann killte in seinem letztlich doch vergeblichen Kampf gegen meine Neigung zu zu vielen Ausrufungszeichen auch dieses.
Als der Roman 1996 als Moewig Hardcover neu aufgelegt wurde, war das Ausrufungszeichen aber wieder drin. Den Roman schrieb ich mitten in meinen Prüfungen zum Staatsexamen für das Lehramt.
Ich war etwas knapp dran mit dem Termin und hatte nun die Wahl: entweder den Roman pünktlich zu Ende zu bringen oder doch noch Knaurs Buch der modernen Psychologie zu lesen, dass die Grundlage für die Prüfung sein sollte.
Ich entschied mich für ersteres und war in der Psychologie-Prüfung auf meine Allgemeinbildung angewiesen, die für ein ausreichend reichte.
Jedesmal, wenn ich später meine Zeugnisse vorlegen musste (das Referendariat eingerechnet, war ich insgesamt 13 Jahre Lehrer bevor ich mich ausschließlich der Schriftstellerei widmete), wurde ich an diesen Roman erinnert.
Meine Note im ersten Staatsexamen war nämlich 1,3 und der Großteil der 3 hinter dem Komma geht auf die Psychologie-Prüfung und den Roman "Stirb, Schnüffler" (ohne Ausrufungszeichen wie in der Erstausgabe) zurück.


Zauberspiegel:
Wie würden Sie persönlich die Figur des Jo Walker bezeichnen? Ist er der typische Krimi – Held oder doch eher eine Figur mit Ecken und Kanten, die sich von den üblichen ‚Helden' abhebt?
Alfred Bekker:
Angefangen hat die Serie als James Bond-Verschnitt auf Deutsch  - aber die Serie ist mit der Zeit gegangen. Ich persönlich habe meinen Kommissar X z. B. etwas weniger Sunny boy-mäßig und realistischer angelegt und die dusseligen Macho-Sprüche rausgelassen. 
Horst Hoffmann hat mich durchaus ermutigt, diesen Weg weiterzugehen. Andere Autoren hatten da eine andere Vorstellung und haben auch Anfang der Neunziger noch so geschrieben, als hätten die Sechziger niemals aufgehört.
Ich habe nicht nur die Figur des Kommissar X, sondern vor allem die Krimihandlungen damals versucht, sehr modern anzulegen und für ihre Zeit waren sie das wohl auch.
Diesem Umstand schreibe ich es auch zu, dass die Romane heute noch lesbar sind  und in den bei www.personalnovel.de  vertriebenen Fassungen jedes Jahr einige tausend Leser finden.

Zauberspiegel: Wie muss man sich Arbeit als Autor an einer Serie wie KX vorstellen? Gab es bestimmt Vorgaben für die Serie und die Figur des Jo Walker (abgesehen vom Expose)? Konnte man eigene Ideen einbringen?
Alfred Bekker:
Ja, die Vorgaben waren eher sparsam und bezogen sich auf den Wohnort des Helden, seinen Wagen und die Nebencharaktere April Bondy und Tom Rowland.
Ansonsten war man sehr frei und ich wurde auch sehr ermutigt diese Freiheiten zu nutzen und habe damals vieles gelernt, was ich später bei meiner Arbeit an "Jerry Cotton", sowie an meinen Buch-Krimis ("Der Killer wartet...", "Münster-Wölfe" u.a.) nutzen konnte. Derzeit bin ich ja  eigentlich stärker im phantastischen Bereich engagiert (Elben-Romane, Elbenkinder-Serie, Drachenerde-Saga), aber gerade meine als 'historisch' bezeichneten  Kinder- und Jugendbücher haben oft einen ausgeprägten Krimi-Charakter wie zum Beispiel die bei Arena erscheinende Serie "Da Vincis Fälle" um den jungen Leonardo, von der in Kürze die Bände 5 und 6 erscheinen oder die Tatort Mittelalter-Krimis, die bei dtv als Taschenbücher neu herauskommen. 
Bei "Kommissar X" hatte ich erstmals die Möglichkeit, ziemlich frei verschiedene Spielarten des Genres regelrecht auszuprobieren und zu lernen, wie man gute Krimis in Romanlänge konstruiert.


Zauberspiegel:
Wer war zu ihrer KX - Zeit für die Exposes der Serie zuständig und aus welchen Leuten bestand die Redaktion der Serie?
Alfred Bekker:
Für die Romane gab es keine Exposevorgaben. Die hat jeder Autor selbst gemacht. Wie erwähnt war Florian F. Marzin der Cheflektor. Er genehmigte und besprach auch die Exposés der Autoren. Bearbeitet wurden die Manuskripte von Horst Hoffmann, der mich dann alle drei Wochen anrief, um mit mir die Fehler durchzusprechen, die ich bitte nicht wieder machen sollte.
Er hat sich richtig viel Mühe gegeben. Meistens ging es um rechtschriftliche Spezialfälle. Leider musste ich mir die meisten Dinge, die er mir beigebracht hat nach der Rechtschreibreform wieder abgewöhnen... Außerdem war noch Sabine Bretzinger (später Kropp) in der Redaktion.

Zauberspiegel: Kannten sich die Autoren untereinander und gab es eine Zusammenarbeit zwischen den Autoren der Serie?
Alfred Bekker:
Ich kannte die anderen Autoren nicht. "Frank Evans" alias Walter Appel habe ich später persönlich kennengelernt.

Zauberspiegel: 1992 hatten Sie ja leider die traurige Aufgabe mit Heft 1740 „DER  TODESKANDIDAT" den letzten KX – Roman zu schreiben. Wovon handelte  dieser Roman?
Alfred Bekker:
Es geht um einen zu Unrecht verurteilten Schwarzen, der in der Todeszelle sitzt. Ich ließ Jo Walker dafür nach Houston, Texas reisen und dort ermitteln, denn in New York gab es damals die Todesstrafe nicht.
Als ich den Roman schrieb, wusste ich nicht, dass es der letzte war, der erschien. Horst Hoffmann rief mich an und ich bekam ein Riesenlob für diesen Krimi.
Danach schrieb ich noch "Doppeltes Spiel", der als Band 1744 eingeplant und auch bezahlt wurde - aber nicht mehr erschien.
Er wird jetzt bei Nocturna Media als Hörbuch vertont! Einen weiteren Band mit dem Titel "Der Barbier von Long Island" habe ich bis Seite zwanzig geschrieben, als die Nachricht von der Einstellung kam.
Ich hätte den Roman sogar zu Ende schreiben können und voll honoriert bekommen, aber das wollte ich nicht und so bekam ich ein Ausfallhonorar für die ersten zwanzig Seiten.
16 Jahre später habe ich aus der Grundidee dann den Jerry Cotton "Der Barbier von  Manhattan" gemacht - allerdings nur aus der Idee, die zwanzig Seiten konnte ich dafür nicht gebrauchen. Jerry Cotton Redakteur war übrigens inzwischen derselbe Dr. Florian F. Marzin, der seinerzeit Kommissar X betreut hatte. So   schließt sich manchmal ein Kreis.

Zauberspiegel: Wussten die Autoren über die Einstellung der Serie schon vorher Bescheid oder wurden Sie und die übrigen Autoren von der Entscheidung des Verlages überrascht?
Alfred Bekker:
Nein, das war ziemlich überraschend. Später wurden dann einige meiner Romane erst als Paperback in der Reihe Flamingo Kriminalroman (Paul Zsolnay Verlag) und noch später als Hardcover innerhalb des Moewig Buchprogramms nachgedruckt.

Zauberspiegel: Hätte Ihrer Meinung nach eine Serie wie KX heutzutage noch eine Chance sich auf dem Heftroman-Markt durchzusetzen?
Alfred Bekker:
Genau das mache ich gerade! Allerdings nicht als Heft, sondern als Buch. Im März 2009 erscheint mit dem Titel "TOD UND TUCH" mein erster Roman  um einen Privatdetektiv namens Berringer, auch bekannt als der Niederrhein-Schnüffler, der in seiner Verschrobenheit allerdings genauso viel von Monk wie von Kommissar X hat.
Bis Jahresende müssen die Fahnen dafür durchgesehen sein und die Fortsetzung werde ich bis zum Sommer geschrieben haben, so dass Band 2 dann Anfang 2010 erscheinen kann.
Aber es spräche nichts dagegen, so etwas auch im Heft zu versuchen. Eine Schablone wie Kommissar X ist so offen, dass sie sich immer wieder einer neuen Zeit anpassen könnte.


Zauberspiegel: Herr Bekker. Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Internetseite von Alfred Bekker

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