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... Sebastian Pobot über einen Traum, verzwickte Rechte und absoluten Kult

Sebastian Pobot... …Sebastian Pobot ...
... über einen Traum, verzwickte Rechte und absoluten Kult

Sebastian Pobot ist ein bekannter Komponist und Musiker. Aber nicht nur das. Er liebt auch Hörspiele. Die Musikkunst und Hörspiele sind bekannter weise keine Dinge, die Welten auseinander liegen. So sicherte sich Herr Pobot sich die Rechte an dem Hörspielklassiker „Schuuubi-duu“ und „Detektiv Kolumbus und Sohn“. Beide Serien sind wieder als Download verfügbar. Den richtig großen Clou landete der Komponist aber mit der Rechtegewinnung der „van Dusen“-Hörspiele. Wir konnten mit ihm darüber sprechen.

Zauberspiegel: Zuerst einmal bist Du ja Musikproduzent. Wie bist Du zum Hörspiel gekommen?
Sebastian Pobot: Das ist richtig. Die ersten Jahre meiner beruflichen Laufbahn habe ich als Songwriter und Produzent gearbeitet und dabei zahlreiche Künstler wie Laura (bekannt aus dem „Marienhof“), Ice MC, Diana Amft (Doctor’s Diary), Judith Hildebrandt („Sturm der Liebe“) etc. produzieren dürfen.
Der größte Hit war wohl „Immer wieder“ von LAURA, mit dem wir auf Platz 3 der deutschen Charts standen, zahlreiche Preise bekamen, goldene CDs und sogar eine Echonominierung.
Aber auch für Nicole, Stefan Waggershausen usw. durfte ich schon Songs schreiben. Ich war jung und brauchte das Geld. Wink
Zum Hörspiel, bin ich nicht erst gekommen, ich habe als Kind schon immer Hörspiele geliebt. Bis heute habe ich eine komplette „Europa“-Sammlung mit allen Drei ???, TKKG, Pizza Bande, Funk Füchse etc. Original-Ausgaben.

Zauberspiegel: Du hast als Komponist viel für‘s Fernsehen gemacht. Viele Deiner modernen und klassischen Sounds haben Fernsehserien untermalt. Für welche TV-Serien hast Du genau gearbeitet?
Sebastian Pobot: Eigentlich für alle großen Sender.
Die bekanntesten Formate sind wohl „Abenteuer Forschung“, „Terra X“ & „Faszination Universum“, für deren Redaktion ich mit meinem Partner einige Soundtracks + Sounddesign realisieren darf. Aber auch „Aktenzeichen XY“, viele schöne Dokus, wie z.B. über das Leben von Orhan Pamuk, T.C. Boyle und etliche Tierfilme sowie Werbespots. Auch die bekannte „Space Night“ / „Waternight“ sei an dieser Stelle erwähnt, für die ich unter dem Projektnamen „Ambitus“ die Musik mache.

Zauberspiegel: Du hast jüngst die „Schubiduu…uh“- und „Detektiv Kolumbus“-Hörspiele wieder neu aufgelegt, wenn auch nur als Download. Warum? Kolumbus hatte MARITIM doch bereits 2003-2005 neu aufgelegt.
Sebastian Pobot: Das war diesmal kein „Rechteclearing“ bzw. keine „Rechterecherche“ wie bei der „Hörspielmusik“ von Europa und den Drei ??? oder wie bei „Als die Autos rückwärts fuhren“, sondern eine Art Wiederzugänglichmachung. Ich habe als Kind „Schubiduu…uh“ und „Detektiv Kolumbus“ geliebt, deswegen war es eine Ehre für mich, die Reihen in Zusammenarbeit mit dem Original-Autor Harald Dzubilla auf Highscore Music nochmals zu veröffentlichen.

Zauberspiegel: Der Downloadpreis für diese Hörspiele ist recht erschwinglich. Rechnet sich das?
Sebastian Pobot: Das wird sich zeigen… Da wir hier aber keine allzu hohen Lizenzgebühren hatten, konnten wir das an die Hörspiel-Fans weitergeben.

Zauberspiegel: Nun kommt Prof. Dr. Dr. Dr. van Dusen! Absoluter Kult bei Hörspielfans. Wie kamst Du auf diese geniale Idee?
Sebastian Pobot: Ich kannte van Dusen eigentlich gar nicht. Die Motivation war eher die „Mission impossible“, quasi den heiligen Gral aller Hörspiele zu clearen. Nachdem ich nach einem würdigen Nachfolgeprojekt gefragt hatte und alle immer nur gemeint haben, „van Dusen, aber das schaffst Du niiiiie“, dachte ich mir: Hmmm, interessante Aufgabe!Wink

Zauberspiegel: Du hast „Folgenreich“ als Partner gewinnen können. Wie kam das zustande?
Sebastian Pobot: „Folgenreich“ ist meiner Meinung nach das zurzeit beste Hörspiel-Label, also für van Dusen gerade gut genug. Ich würde mir wünschen, dass durch diese Möglichkeiten, eine komplett neue Zielgruppe erschlossen werden kann und wir somit viele neue Fans für van Dusen gewinnen. Diese hochkarätige Serie hätte es verdient!

Zauberspiegel: Werden die Originalaufnahmen remastert, oder gar mit neuer Musik versehen? Oder bleibt die Originalität so erhalten wie sie ist?
Sebastian Pobot: Die 1. Staffel wurde von Peter Harenberg (er macht auch die Europa-Klassiker-Serien) remastert, d.h. im Klang den heutigen Hörgewohnheiten angepasst, also veredelt. Neue Musiken sind in der 1. Staffel nicht drin, das war rechtlich nicht notwendig. Allerdings mussten wir bei einer Folge ein paar Sätze aus Rechtsgründen rausschneiden. Die Alternative wäre leider gewesen, van Dusen nicht zu veröffentlichen. Das geschah aber in Absprache mit Rainer Clute, dem Original-Regisseur. Somit ist quasi ein neuer „Director’s Cut“ entstanden. ;-) Alles andere ist reinstes Original! Nach diesem Verfahren plane ich auch weiterzumachen. Bevor eine Folge gar nicht erscheint, würde ich lieber Kleinigkeiten verändern – natürlich immer so, dass Qualität, Kontext und der Kult nicht darunter leiden würden. Meine letzte Instanz sind immer Herr Koser und Herr Clute.

Zauberspiegel: Die Rechtesituation bei van Dusen war etwas kompliziert. Daher erst die späte CD-Veröffentlichung. Was genau war daran so schwierig?
Sebastian Pobot: Die Rechte setzen sich aus verschiedenen Ebenen zusammen:
Einmal die Stoff- bzw. Titelrechte, die Nutzungsrechte der Mitwirkenden, die Verlagsrechte der Komponisten und die Nutzungsrechte der ausführenden Musiker.
Die Schwierigkeit war die Menge an Rechten und die lange Zeitspanne, die zwischen Erstausstrahlung und dem CD-Release liegt. Seitdem sind leider viele Mitwirkende verstorben und/oder deren Erben unauffindbar. Es war eigentlich richtige Detektivarbeit. Dusen & Hatch wären hoffentlich stolz auf mich. Wink

Zauberspiegel: Dein Traum ist es alle 77 Folgen zu veröffentlichen, hast Du einmal gesagt. Das ist natürlich ein langer Weg. Doch wirklich unrealistisch ist das Ziel nicht. Schließlich ist die Anzahl zu schaffen in wenigen Jahren. Die Frage ist nur ob die Hörspielfans treu bleiben. Da Du jedoch „Folgenreich“ gewinnen konntest, und die Geschichten in sich jeweils abgeschlossen sind, geht man offenbar davon aus, dass die Sache gut läuft?
Sebastian Pobot: Mein Gefühl sagt ja, aber ehrlich gesagt kann ich dazu noch keine Prognosen abgeben. Das Risiko ist nach wie vor sehr hoch, da die CD-Verkäufe heutzutage recht niedrig sind, im Vergleich zu früher.
Wie oft ich mir den Stress nochmal antun werde, entscheiden allein die Fans… Wink

Zauberspiegel: Du hast ferner Zusatzmaterial auf den CDs versprochen. Wie sieht das aus?
Sebastian Pobot: Audiokommentare von Michael Koser (Autor) und Rainer Clute (Regisseur) werden drauf sein, einen Vorgeschmack davon kann man bei youtube auf dem Highscoremusic-Channel bekommen. Außerdem ein schönes Booklet mit den Covern von Lars Vollbrecht und Gerd Pircher als Wendecover-Lösung, Fotos, sowie einen kleinen blog von Michael Koser.

Zauberspiegel: Trotz der Popularität der Serie, blieb sie bisher von vielen Hörern unentdeckt. Liegt das am Alter der Serie, dass sie so gar nicht im Bewusstsein der Kassettenkinder erscheint?
Sebastian Pobot: Ich vermute mal, das liegt am Nichtvorhandensein von Tonträgern. Die Serie lief offiziell immer nur im Radio. Doch dieses Problem ist ja nun gelöst… Wink

Zauberspiegel: Vielen Dank für das Interview.

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