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... Rebecca Gablé über die Waringham-Saga

Rebecca Gablé... Rebecca Gablé über die Waringham-Saga

Rebecca Gablé ist eine der erfolgreichsten, wenn nicht vielleicht sogar die erfolgreichste Autorin Historischer Romane in Deutscher Sprache. Der Kern ihres bisher fünf umfangreiche Romane umfassenden Werkes bildet die – mittlerweile so genannte – Waringham Saga, die die Romane „Das Lächeln der Fortuna“ (1997), „Die Hüter der Rose“ (2005) und ihren neuesten Roman „Das Spiel der Könige“ beinhaltet. Im weiteren Sinne gehört auch ihr mittelalterlicher Kaufmannsroman "König der purpurnen Stadt" (2001) dazu, denn hier wird in einer Nebenhandlung die Vorgeschichte der Waringham-Saga erzählt.

Dabei ist sie keine mit gigantischer Werbung „gemachte“ Autorin. „Das Lächeln der Fortuna“ kam zunächst in relativ kleiner Auflage als Taschenbuch auf den Markt. Inzwischen wurde es im Taschenbuch und als Hardcover (was ungewöhnlich ist) mehrfach wieder aufgelegt. Es war eines jener Bücher, das seinen Erfolg der Mundpropaganda seiner Leser verdankt (ich bin auch von einer Freundin – danke Karen – darauf gestoßen worden) und sich dann als „Longseller“ erwies. Sie ist also quasi eine Entdeckung ihrer Leser.

Wir hatten die Gelegenheit auf der Buchmesse in Frankfurt, ein Interview mit der Autorin zu führen. Dieses erscheint in drei Teilen.

Im diesem ersten Teil der Interview-Trilogie Laughing liegt der Themenschwerpunkt auf der Waringham-Saga.

Zauberspiegel: Frau Gablé, Sie spannen einen Bogen von 1360 über den 100jährigen Krieg und die Rosenkriege hinweg bis ins Jahr 1485. Haben Sie 1997, als „Das Lächeln der Fortuna“ erschien, schon geahnt, dass das einmal so enden würde?
FotoRebecca Gablé: Nein überhaupt nicht. Ich habe 1993 mit dem „Lächeln der Fortuna“, meinem allerersten Historischen Roman, angefangen. Ich hatte nur die Szene mit dem Jungen im Kopf, der aus der Klosterschule ausreißt. Das ist das zweite Kapitel des fertigen Romans. Mehr wusste ich noch nicht. Ich hatte auch keine Jahreszahl im Kopf, nur die Vorstellung, dass das im 14. Jahrhundert spielt. Mehr wusste ich nicht.
Für mich war das auch keine Trilogie. Dann habe ich sieben Jahre lang nichts an den Waringhams getan und eigentlich erst auf Drängen meiner Leser mit „Der Hüter der Rose“ begonnen. Da war mir dann auch klar: Wenn ich den zweiten Teil schreibe, dann muss es noch einen dritten geben. Die Rosenkriege haben sich ja eigentlich aus der Endphase des Hundertjährigen Krieges heraus entwickelt, so dass es auch logisch war eine Trilogie zu schreiben.

Auf der anderen Seite merke ich, dass ich noch nicht so ganz abgeschlossen habe mit den Waringhams.


Zauberspiegel: Haben Sie das Gefühl, einen Schlusspunkt in Sachen Waringhams gesetzt zu haben?
Rebecca Gablé: In gewisser Weise schon. Man sagt ja auch, dass 1485 das Mittelalter in England zu Ende ist. Von daher ist das schon ein gewisser Schlusspunkt. Auf der anderen Seite merke ich, dass ich noch nicht so ganz abgeschlossen habe mit den Waringhams.
Ich kann aber im Moment noch nicht beantworten, ob ich mich dieser Familie noch mal annehme. Ich weiß es einfach noch nicht.
Zauberspiegel: Vielleicht in sieben Jahren?
Rebecca Gablé (lacht): Ja, genau. Das ist doch ne gute Zeit.

Zauberspiegel: In „Das Lächeln der Fortuna“ spielt „Die Gabe“ (eine Art ‚Pferdeflüstern’) der Waringhams eine große Rolle. Diese wurde in Folgebänden zunehmend in den Hintergrund gerückt. Warum?
Rebecca Gablé: Ich finde man darf solche Motive nicht überstrapazieren. Ich habe dieses Motiv in „Das Lächeln der Fortuna“ – bevor  „Der Pferdeflüsterer“ erschienen ist – eingeführt, weil ich davon überzeugt bin, dass es diese Gabe gibt. Alle Menschen, die mit Pferden zu tun haben, werden Ihnen das bestätigen. Ich fand, dass es eine schöne Idee ist, eine Romanfigur mit dieser Gabe auszustatten. John in „Der Hüter der Rose“ hat sie ja auch. Nur spielt sie da keine so große Rolle. Julian in „Das Spiel der Könige“ eben nicht, denn das hätte ich ein bisschen langweilig gefunden. Ich wollte auch bewusst ein bisschen variieren, damit die Waringhams untereinander auch nicht so austauschbar sind.

FotoZauberspiegel: Shakespeare hat sich ja auch der Rosenkriege ausführlich angenommen. Inwieweit hat Shakespeare bei Ihnen eine Rolle gespielt?
Rebecca Gablé: Die Entscheidung wie ich Richard III. geschildert habe, hatte eigentlich nichts mit Shakespeare zu tun. Natürlich liebe ich dieses Stück. Es ist sein bestes Historiendrama. Klar, es hat ja auch den dankbarsten Schurken. Ich habe dann aber Shakespeare ganz losgelassen und habe stattdessen ermittelt, wie Richard III. vom aktuellen Forschungsstand beurteilt wird. Das Ergebnis meiner Recherche war eben, dass die Wissenschaft die gleiche Meinung hat wie Shakespeare: Richard war ein Schurke und hat seine beiden Neffen auf dem Gewissen. Von daher ist mein Richard vom Typus ein ähnlicher Schurke wie Shakespeares Richard. Wir haben eben beide die Quellen studiert und sind zum gleichen Ergebnis gekommen.
Zauberspiegel: Das könnte durchaus sein.
Rebecca Gablé: Ja. Es hat ja zwischendurch eine ganz andere Darstellung Richards gegeben.

Von daher ist mein Richard vom Typus ein ähnlicher Schurke wie Shakespeares Richard.

Es gibt ja auch immer noch die Forschungsrichtung, die sagt: Er hat seine Neffen nicht umgebracht und war kein Schurke. Er werde von der Nachwelt nur verunglimpft. Das wird aber von seriösen Historikern im Moment eigentlich nicht vertreten.

Zauberspiegel: Wie behält man bei der Geschichte der Waringhams die Übersicht. Zum einen spannt sich der Bogen von 1360 bis 1485. Zum anderen lag ja auch die Arbeit an den Texten weit auseinander?
Rebecca Gablé: Eigentlich ging das ganz gut. Weil ich mich ja auch täglich damit beschäftige. Das ist fast wie bei der eigenen Familie. Da kenn ich mich aus. So ist das auch mit den Waringhams, weil es ja fast täglicher Umgang ist.
Zauberspiegel: Es war auch kein Problem sich da jeweils wieder rein zu finden?
Rebecca Gablé: Gar nicht.

Ende des 1. Teils

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