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... Peter Brendt über U-Boot-Thriller, Jihad, Terrorismus sowie Task Group

Peter Brendt … ... Peter Brendt ...
...über U-Boot-Thriller,  Jihad, Terrorismus und Task Group

Mit „JIHAD“ schrieb Peter Brendt einen sehr realitätsnahen Thriller. Ein Grund für den Zauberspiegel etwas mehr über den Autor, seine Bücher und über seine weiteren Projekte  zu erfahren.

Peter Brendt sagt:
"Ich habe seit meiner Schulzeit immer geschrieben, aber weniger mit dem Ziel, Bücher zu veröffentlichen. Es ist einfach etwas, dass ich tat um Dampf abzulassen, Gedanken zu ordnen oder einfach aus Spaß an der Frage des "was wäre". Die wenigsten Dinge, die ich bis etwa 1995 schrieb waren überhaupt zur Veröffentlichung geeignet."
Immerhin: "Jihad" zeigt, dass er seit 1995 erheblich an Qualität gewonnen hat...

Zauberspiegel: Herr Brendt. Können Sie den Lesern des Zauberspiegels kurz etwas über Ihre Person erzählen. Wann und wo wurden Sie geboren, was machten Sie nach der Schule etc.?
Peter Brendt:
Da gibt es nicht soviel zu erzählen. Geboren wurde ich am 24. Juni 1964 in Lünen/Westfalen, bin aber in Neuss am Rhein und später in Karlsruhe zur Schule gegangen.
Nach dem Abitur, als der Wehrdienst rief, bin ich zur Marine gegangen, hauptsächlich weil ich mich immer schon für Schiffe und Seefahrt interessiert habe. Als sich die Gelegenheit ergab, verpflichtete ich mich und wechselte zu den Tauchern und auf dem gleichen Weg bin ich im Prinzip auch zur NATO gekommen.


Zauberspiegel:
Was machten Sie nach dem Abschied aus der Marine.
Peter Brendt:
Ich habe Informatik studiert und bin danach für eine lange Zeit in der Softwareentwicklung verschwunden. Aber nebenbei bin ich anderen Aktivitäten treu geblieben, habe Tauchen als Hobby betrieben, nach Wracks gesucht und etwas Geschichtsforschung betrieben

Zauberspiegel:
Sie verarbeiten also auch Erlebnisse aus Ihrer Marinezeit sowie aus Ihrer Zeit als Marinetaucher in Ihren Romanen?
Peter Brendt:
Aus der Marinezeit, späteren Erfahrungen, Reisen, Ausgrabungen und natürlich auch viel Recherche, die ja auch immer über das ursprünglich recherchierte Thema hinaus neue Erfahrungen liefert.
Ein Beispiel: Ich bin wochenlang in der Bretagne unterwegs gewesen, um ein paar mittelalterlichen Fragen nachzugehen, aber natürlich bin ich dabei auch in ein paar alten Dolmengräbern rumgekrochen und habe eine Reihe Tauchgänge nahe der Insel Artz eingelegt. Sicher wird sich gerade die Erfahrung, in einer steinzeitlichen Begräbnisstätte zu tauchen irgendwann in einem meiner Romane wiederfinden.


Zauberspiegel:
Hatten Sie Vorbilder aus Ihrer Kinder- oder Jugendzeit an denen Sie sich beim Schreiben neben ihren Erlebnissen während Ihrer Marinezeit orientieren?
Peter Brendt:
Viele, aber die meisten sind aus Büchern. Ich gebe zu, ich war ein richtiger Bücherwurm.

Zauberspiegel: Wann, wo und unter welchen Titel wurde ihr erster Roman veröffentlicht?
Peter Brendt:
„FADENKREUZ“ wurde 1999 in einem kleinen E-Book-Verlag namens Kripgans veröffentlicht. Auch das war eine Sache, die ich nicht geplant hatte. Jemand war einfach der Meinung, dass all diese Ausdrucke in einer bestimmten Schublade meines Schreibtisches dort nicht einfach ablagern sollten.
Für mich war die Rückantwort dieses Verlages, der ausschließlich elektronische Bücher veröffentlichte, zwar ganz interessant, aber ich war andererseits beruflich zu eingespannt um mir darüber viele Sorgen zu machen. Um ehrlich zu sein, ich verfolgte die Sache nicht richtig mit und wurde selbst von den Mails von Lesern überrascht.

Zauberspiegel: Meines Wissens sind bisher nur die U-Boot-Thriller-Serie um Captain Di Angelo oder die historische Serie um Kapitän von Hassel in Deutschland erschienen. Wovon handeln diese beiden Serie?
Peter Brendt
: Die "DiAngelos" sind moderne U-Boot-Thriller, die aber oft genug vom reinen U-Boot-Thema abweichen. Robert DiAngelo ist jemand, den man losschickt, wenn die Navy irgendwo in Problemen ist, irgendwo immer in der Grauzone zwischen Navy und CIA gefangen.
Die "von Hassels" sind klassische U-Bootromane des zweiten Weltkrieges, wobei allerdings beide Seiten zur Sprache kommen. Also kein Heldenepos sondern einfach nur Männer, die durch den "Sachzwang" Krieg zu dem werden, was sie sind.
„Golden Gate“ ist ein Thriller, der von der Besetzung der Golden-Gate-Bridge durch eine Elitetruppe handelt, eine Aktion, die zuerst logischerweise für Terrorismus gehalten wird, dann für ein ungewöhnlich dreistes Gangsterstück und beinahe zu spät als das erkannt wird, was sie wirklich ist. Nur verrate ich hier nicht, was es wirklich ist.
Vor Jahren wurden "Fadenkreuz" und eine Fantasiereihe, die "Gralsbewahrer" als elektronische Bücher veröffentlicht, und es wird sicher in der Zukunft neben den Thrillern auch wieder Fantasybücher geben.


Zauberspiegel:
"JIHAD" (erschienen beim Blitz Verlag) hat mir ausgezeichnet gefallen. Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem interessanten und realitätsnahen Thriller?
Peter Brendt:
Terrorismus ist ein Thema, über das viele reden, ohne sich überhaupt Gedanken darüber zu machen. Wenn man Bücher schreibt, dann erscheinen einem die "bösen Terroristen" fast wie die "bösen Serienmörder" oder die "bösen Nazis" oder was es dergleichen mit solchen Etiketten gibt. Nur sehr selten setzt man sich wirklich mit dem Thema auseinander.
Gerade in Deutschland ist "Terrorismus" zu einem Klischee geworden, das man mit "islamischem Fundamentalismus" gleichsetzt. Aber die meisten Moslems, die ich in meinem Leben getroffen habe, waren durchaus nette friedfertige Menschen, genauso wie die meisten Christen, Atheisten, Buddhisten und Hindus. Terrorismus ist eine Sache, die von einigen wenigen gemacht wird. Und hier beginnt das Problem: Um solche Terrorakte zu begehen, wie wir sie in der vergangenen Dekade erlebt haben, müssen Anführer eine politische Agenda haben, aber die Attentäter selber brauchen nichts als Hass, ein Hass, der durch entsprechende Propaganda noch geschürt wird.
Aber politische Agendas und Hass sind nicht spezifisch für eine Religion. So gesehen unterscheidet sich die "religiöse" Propaganda einiger aktueller islamischer Terrorführer nicht von der christlicher Kirchenfürsten zur Zeit der Kreuzzüge.
Erst wenn wir solche Dinge analysieren können, ohne unserem ersten Gefühlseindruck zu folgen, können wir die dahinter stehenden Mechanismen erkennen, die sich in der Geschichte tausend Mal wiederholt haben. Terrorismus ist immer die Waffe eines unterlegenen Gegners der genügend Hass auf etwas säen kann, dass anders ist, sich schlicht seinem Verständnis entzieht.
In dem Moment, in dem man sich die Mühe macht, zu verstehen, entzieht man Terrorismus einen Teil seiner Basis. Aber nur aus diesem bewussten nicht verstehen wollen entsteht natürlich das Szenario in Jihad, die Idee, den "Islamisten" etwas von der eigenen Medizin zu geben. Hass und Unverständnis starten den nächsten Schritt in der Spirale.

Zauberspiegel: Ein weiterer Pluspunkt von „JIHAD“ ist meiner Meinung nach auch ihre Objektivität. Sie ergreifen für keine oder gegen keine der Seiten in Ihrem Roman Partei, weder für eine der  Religionen noch für irgendein Land oder irgendeine Nationalität noch für einen bestimmten Geheimdienst oder für eine bestimmte Terror-Organisation oder Organisation.
Wie haben Sie es geschafft diese Objektivität den ganzen Roman ‚durchzuhalten‘ und beim Schreiben nicht doch noch für eine der Seiten Partei zu ergreifen? War das nicht ein schwieriger Drahtseilakt?

Peter Brendt:
Es war nicht so schwierig, wie es erscheinen mag, wenn man das fertige Buch in den Händen hält. Alle Personen in Jihad werden von "irgendetwas" angetrieben. Von einem Glauben, einer kulturellen Einstellung. Die Terroristen, die ein Flugzeug in Mekka einschlagen lassen sind keine Moslems, aber sie sind genauso Terroristen und treffen genauso Unschuldige. Unter diesem Gesichtspunkt ist es schon viel schwerer, für eine der beiden Seiten Partei zu ergreifen. Sie sind nicht so unterschiedlich.
Wenn man dann einen Schritt weitergeht, dann kommt man zu der Erkenntnis, dass es Terrorismus verschiedenster Couleur gibt, ohne Zweifel, dass er aber genauso das Arguemnt anderer Interessengruppen  darstellt, Rechte einzuschränken. Als die alte Regierung Schröder zum  Beispiel ein Gesetz durchbrachte, dass
es Beamten erlaubte, auf jedes Konto in Deutschland zu sehen, ohne auch nur den Inhaber zu benachrichtigen, da wurde das mit "Terror" begründet. Aber obwohl in der Zwischenzeit Millionen von Konten überprüft wurden, einen Terroristen hat man damit noch nicht gefangen. Noch eine Seite, für die man nicht Partei ergreifen möchte.


Zauberspiegel: Werden einige der Protagonisten aus „JIHAD“ in weiteren Romane eine Rolle spielen?
Peter Brendt:
Ich plane, aber der Zeitpunkt hängt auch von anderen Projekten ab, einige Figuren in anderen Romanen zu verwenden. Wobei Bill und Gill sicher wieder im Mittelpunkt der Geschichte stehen werden. Aber das wird noch einige Jahre dauern.

Zauberspiegel: Am 1. März 2010 erscheint der Roman „TASK GROUP“ beim Ullstein Verlag. Worum geht es in diesem Roman?
Peter Brendt:
"Task Group" ist der neueste DiAngelo. Wenn etwas auf dem Meeresgrund schief geht, dann schickt man ein U-Boot um nachzusehen. Wenn das, was dort schief geht, droht, die Aktienmärkte der Welt und den Immobilienmarkt der US Ostküste in ein Chaos zu stürzen, dann kann man schon sicher sein, dass es irgendjemand gibt, der daran verdienen will und deshalb das U-Boot für immer verschwinden lassen will. "Task Group" ist also in diesem Sinne ein echter DiAngelo, der maritime Inhalte und modernen Thriller miteinander kombiniert.

Zauberspiegel: An welchen Buch-Projekten arbeiten Sie zur Zeit? Können Sie uns darüber schon irgendetwas verraten?
Peter Brendt:
Im Mittelpunkt stehen derzeit ein geschichtlicher Thriller, ein Fantasybuch und ein Serienkiller-Thriller. "DER ENGEL DES HERRN" (Arbeitstitel) spielt in biblischer Zeit, dem Mittelalter und der Gegenwart. Aber auch wenn ein paar Tempelritter darin vorkommen, sie spielen nicht die Hauptrolle. Es wird ein sehr provokatives Buch werden, darüber bin ich mir bereits im Klaren.
"MERLIN'S ERBEN" handelt von Zeitreisen, den Problemen, die damit entstehen und all den Schwierigkeiten, die man hat, wenn man sich an die Gegebenheiten einer anderen Welt anpassen muss. Es ist eine sehr farbenprächtige und sicherlich auch aktionsreiche Fantasy, aber nicht ganz ohne Witz und Tiefgang.
"BABYLON" (ebenfalls Arbeitstitel) handelt von Serienmorden, von einer Profilerin "besonderer Art", einem alten Psychologen und einer blutigen Botschaft, die zunächst verstanden werden will. Mehr möchte ich dazu im Augenblick noch nicht verraten.


Zauberspiegel:
Herr Brendt, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Kommentare  

#1 Sascha 2010-10-10 17:29
Hallo,
kann mir bitte jemand die Chronologie der DiAngelo-Reihe mailen oder mir Kontakt zu dem Autor vermitteln? Ich möchte die Bücher gerne in der korrekten Reihenfolge lesen. Leider findet sich nirgendwo im Netz ein vollständige Bibliographie.
Danke & Gruß
Sascha

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