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... Uschi Zietsch über Fabylon, Kleinverlage, das Spektrum und ein Weihnachtsgeschenk

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... über Fabylon, Kleinverlage, das Spektrum und ein Weihnachtsgeschenk

Der Fabylon-Verlag gehört zu den Kleinverlagen, die der deutschen SF-, Fantasy- und Horrorszene seit einigen Jahren frische Impulse gegeben haben. SunQuest, das vielleicht ambitionierteste Projekt des Verlages, eine in Buchform in zweimonatigem Rhythmus erscheinende SF/Fantasy-Serie, ist gerade in die zweite Staffel gestartet.
Uschi Zietsch, manchen besser bekannt als Susan Schwartz, Verlegerin und Autorin in Personalunion beantwortet Fragen zum Verlag und zur Serie.

Zauberspiegel: Der Fabylon-Verlag zählt zu den sogenannten Kleinverlagen. Wo siehst Du die besondere Bedeutung und die Rolle dieser Verlage im deutschen Verlagswesen, gerade auch in Bezug auf SF und Fantasy?
Uschi Zietsch: In diesen Verlagen können Newcomer eine Chance zur Veröffentlichung bekommen, weil das Risiko stark minimiert werden kann, auch Anthologien haben ihre Nische gefunden, weil sie sich trotz Kleinauflagen tragen können. Dadurch gibt es eine viel größere Vielfalt, und wahre Perlen und Kleinodien, abseits des Mainstreams und Bestsellers. Entsprechend honoriert wird dieses Engagement durch Überraschungserfolge, denke man an „Tannöd“ oder, das prominenteste Beispiel, „Harry Potter“. Beide Titel sind in Kleinverlagen erschienen.

Zauberspiegel: Was mir auffällt, ist das sehr professionelle Erscheinungsbild des Verlages (Internetseite, Programmheft, Gimmicks, die Bücher selbst). Hier seid ihr anderen Kleinverlagen um Längen voraus. Wie schafft ihr das?
Uschi Zietsch: Nun, ich habe vor der Gründung des Verlags schon drei Jahre im Vertrieb und Marketing gearbeitet, deswegen waren mir Begriffe wie Corporate Identity nicht fremd. Wir haben von Anfang an auf den Wiedererkennungswert unseres Logos und Werbesprüche wie „Schöne Bücher für mehr Freude am Lesen“, „Phantasie kennt keine Grenzen“, „Der Verlag mit dem Faible fürs Fabelhafte“ gesetzt. Unseren kleinen A6-Prospekt haben wir in diesem Format seit 20 Jahren, auch das Titelmotiv ist immer gleich geblieben, das erhöht den Wiedererkennungswert. Außerdem passt der kleine Prospekt auch in eine Hosentasche zum Schnell-Mitnehmen. Natürlich waren wir enthusiastisch bei der Gründung des Verlages, aber Professionalität war von Anfang an gefordert. So haben wir auch ein bestimmtes Erscheinungsbild bei den Büchern geschaffen, das vom Format her ungewöhnlich ist und von der Aufmachung so, dass man sofort ein Fabylon-Buch erkennt. Wir haben einige Sammler, die uns seit Anbeginn treu sind. Wichtig sind auch die Cover, auf großartigen Schriftenschnickschnack hingegen verzichten wir, da sind wir ganz „nüchtern“.

Zauberspiegel: Was unterscheidet Euch noch von einem großen Verlag? Seid ihr auf dem Weg dorthin?
Uschi Zietsch: Wir haben natürlich nur sehr geringe Kostenaufwendungen, was die Verwaltung betrifft, und können die Bücher deswegen vom Preis her knallhart kalkulieren, sodass sie sich durchaus mit den „Großen“ messen können. Auf dem Weg zu einem großen Verlag sind wir aber erst dann, wenn wir einen „Knaller“ gelandet haben. Einen Großverlag würde ich auch gar nicht wollen, mittelständisch würde vollkommen reichen. Dafür allerdings stehen die Zeichen derzeit schlecht, wenn man bedenkt, wie viele gutsituierte Verlage gerade um ihre Existenz kämpfen oder gar wie der renommierte Schweizer Ammann-Verlag aufgeben müssen. Insofern bleiben wir im vernünftigen Risiko-Rahmen, mit einem kleinen Programm, erweitern allerdings derzeit unsere Marketing-Aktivitäten.

Zauberspiegel: Das Verlagsprogramm ist relativ breit gestreut. Es gibt Anthologien, Novellen, einen Märchenroman, Thriller,  Fantasy, Serien usw.. Hat sich das zufällig so ergeben oder war diese Bandbreite von Anfang an so gewollt?
Uschi Zietsch: Das war von Anfang an so gewollt. Wir wollen Phantasie in all ihrer Bandbreite herausgeben, und zwar eben kleine Perlen, die unseren Geschmack treffen. Das ist natürlich subjektiv, aber wir stehen zu jedem Buch, das wir machen, und das überdurchschnittliche positive Feedback aus Rezensionen und Lesermeinungen gibt uns recht.

Zauberspiegel: Neben Deinen eigenen Werken gibt es auch Bücher von Uwe Anton, Hans Kneifel und Ernst Vleck, also lauter bekannte PR-Autoren. Wie wichtig sind solche eingeführten, etablierten Namen für den Verlag?
Uschi Zietsch: Sie unterstützen natürlich unsere Plattform für Newcomer und machen den Verlagsnamen bekannter.

Zauberspiegel: In der SunQuest-Serie kommen auch neue Autoren zum Zug, die Deine Schreibworkshops besucht haben. Wie wichtig ist Dir die Förderung von Nachwuchsautoren? Siehst Du hier einen Schwerpunkt des Verlags?
Uschi Zietsch: Ja, wir haben von Anfang an in unserem Verlag eine Autorenförderung gesehen. Deswegen publizieren wir auch ausschließlich deutschsprachige Autoren und geben keine Lizenzen oder Übersetzungen heraus. Gerade weil vor allem in der Phantastik deutschsprachige Autoren lange Jahre verpönt waren – erst in der Fantasy hat sich in den letzten Jahren durch Überraschungserfolge ein bisschen was getan –, haben wir unser Engagement dahin gesetzt, unbekannten Talenten eine Chance zu geben und zu zeigen, dass auch deutschsprachige Autoren richtig gut sind. Eine weitere Konsequenz der Autorenförderung sind unsere Seminare.

Zauberspiegel: SunQuest ist momentan einer der wenigen Versuche, in der deutschen SF-Szene neue Wege einzuschlagen. Das fängt schon mit der zweimonatigen Erscheinungsweise an, geht mit der Autorenzusammenstellung weiter und hört mit der exotischen Konstellation der Serie noch lange nicht auf. Was ist für Dich das Besondere an der Serie? Welche Figuren sind Dir besonders ans Herz gewachsen?
Uschi Zietsch: Ich finde die Serie an sich etwas Besonderes, genau aus den von dir genannten Gründen, wie alles zusammengestellt ist. Und wir wollten eine unterhaltende Abenteuerserie machen, aber eben mit skurrilen Elementen und bizarren Geschöpfen. Mit einer Welt, in der nahezu alles möglich ist – außer elektronischer Technik. Die Autoren sollten hier vor allem ihre Phantasie bei der Darstellung entfalten und ein außergewöhnliches Universum schaffen. Besonders ans Herz gewachsen ist mir natürlich der lustige kleine Pong, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Alle Hauptfiguren haben ihren ganz eigenen Charme, sodass es mir schwerfällt, mich zu entscheiden. Wenn ich ganz ehrlich bin, so ist mir vor allem ein Ort ans Herz gewachsen – das schaurige Schiff ELIUM, das eine Erfindung unseres österreichischen Autors Wolfgang Oberleithner ist und so gut gelungen, dass es der Zentralpunkt im zweiten Zyklus ist – und … tja, die Quinternen. Ein so fremdes Volk mit so vielen Geheimnissen zu kreieren, die wir erst am Ende aufdecken werden ... das hat sehr viel Spaß gemacht.

Zauberspiegel: Mich erinnern die Hauptpersonen der ersten Staffel so ein wenig an eine Truppe aus einem Rollenspiel (Kämpfer, Dieb, Kleriker etc.). Täuscht der Eindruck oder gibt es da Bezüge?
Uschi Zietsch: Nein, Bezug gibt es keinen, weder mein Mann noch ich sind Gamer oder Rollenspieler. Aber wenn eine Heldengruppe auf Reisen geht, bleibt es natürlich nicht aus, dass es da Parallelen gibt. Wir wollten eigenständige, ungewöhnliche Charaktere, damit für jeden Leser etwas dabei ist, womit er sich identifizieren kann.

Zauberspiegel: Welche Veränderungen gibt es in der gerade gestarteten zweiten Staffel?
Uschi Zietsch: Abgesehen von der Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse als Vorspann sind wir gleich mitten in der Geschichte drin. Nahezu alle Protagonisten und auch einige Antagonisten der ersten Staffel haben sich in den vergangenen zehn Jahren in einem neuen Leben eingerichtet – viele haben Ordnung, Familie -, und steuern ihr Schiff unerschütterlich durch die Schwierigkeiten, mit denen die Welt Less nach der Passage immer noch zu kämpfen hat: Naturkatastrophen, Armut, Raub. Die für unsere Figuren bis jetzt trotzdem vergleichsweise heile Welt wird entsprechend im ersten Teil in Stücke gehauen.
Die hauptsächliche Veränderung liegt darin, dass es diesmal einen kompletten, durchgehenden Handlungsbogen gibt, der sich vor allem mit den Quinternen beschäftigt. Die Autoren bekamen die Schauplätze und den Handlungsverlauf vorgegeben, konnten sich aber dennoch in der Ausführung frei entfalten.

Zauberspiegel: SunQuest ist momentan ja ein wenig das Aushängeschild des Verlages. Besteht Aussicht auf weitere Staffeln?
Uschi Zietsch: Der Handlungsbogen ist mit Band 12, der ihm Frühjahr 2010 erscheint, abgeschlossen, eine weitere Staffel wird es daher nicht geben. Aber es besteht durchaus später die Möglichkeit von Einzelabenteuern oder vielleicht auch einmal einer Storysammlung.

Zauberspiegel: Bei den Titelbildern der ersten Staffel erkenne ich vage Ähnlichkeiten mit einer der beteiligten Autorinnen. Habe ich Recht?
Uschi Zietsch: *Schmunzel* Ja, diesen Eindruck habe ich auch – dazu müsste man allerdings den Künstler Swen Papenbrock befragen, und der hat bisher auch auf hartnäckige Nachfragen still lächelnd geschwiegen. Ich glaube, das wird eine ewige Spekulation bleiben …

Zauberspiegel: Wenn Du den Lesern des Zaubespiegels einen Buchtipp geben darfst, welches Buch aus dem Fabylon-Verlag würdest Du als Weihnachtsgeschenk empfehlen?
Uschi Zietsch: Weihnachten? Ganz klar: „Der Pakt der Mäuse“ von Uwe Gehrmann. Ein zauberhaftes Buch mit ebenso zauberhaften Illustrationen des Autors, witzig, spannend und märchenhaft, mit eingeflochtenen Mythen.
 
Zauberspiegel: Uschi, vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns auf die Abenteuer der zweiten Staffel SunQuest und erwarten mit Spannung die kommenden Bücher aus dem Fabylon-Verlag. 

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