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... Martin Baresch über den Fan, den Menschen und was er sonst noch trieb und treibt

Martin Baresch... Martin Baresch ...
... über den Fan, den Menschen und was er sonst noch trieb und treibt

Der dritte Teil unserer »Interview-Trilogie« mit Martin Baresch erscheint nicht von ungefähr am heutigen Montag (statt wie gewohnt am Sonntag), denn heute feiert er seinen 61. Geburtstag (nicht 62). Daher zunächst einmal einen herzlichen Glückwunsch von der Zauberspiegel Redaktion und von mir persönlich. Dass Martin Baresch Geburtstag feiert ist dabei nicht ganz so selbstverständlich, wie zu lesen sein wird ...


Diesmal geht es um den Menschen, der so einiges mit einer Streichholzschachtel großen Raumforderung im Kopf zu tun hatte. Das zeigt mal wieder wie froh ich sein kann, dass meine Zipperlein nicht Arztroman tauglich sind. Darüber hinaus befassen wir uns mit dem Fan und dem was er sonst noch so trieb ... Und wir klären auch gleich warum Eisele jetzt Baresch heißt.

Zauberspiegel: Nun kommen wir mal zu dem Mann hinter den Pseudonymen. Du bist Schwabe. Der Schwabe gilt als geizig. Bist Du das?
Martin Baresch: Nein, leider. Ich gebe immer noch viel zu viel Geld aus für Bücher und Kino. Aber ich arbeite dran.
Martin BareschZauberspiegel: Wie würdest du dich selbst beschreiben? Oder anders gefragt: Was für ein Mensch ist Martin Baresch? Wo liegen Deine Werte und Prinzipien?
Martin Baresch: Mich selbst beschreiben … das würde ich lieber gar nicht erst versuchen. Weil, das könnte vielleicht ein bisschen kompliziert werden.
Es gibt heutzutage viel zu viele Leute, deren Horizont ein Kreis mit Radius Null ist, und die das dann Standpunkt nennen. Allerdings hat das schon Einstein festgestellt. Das seh ich ähnlich, deshalb versuche ich, nicht wie diese viel zu vielen Leute zu sein. Keine Ahnung, ob mir das immer gelingt, wahrscheinlich eher nicht. Aber ich versuch`s. Ich lese wahnsinnig viel, Zeitschriften, Zeitungen, Fachbücher, Bücher, weil ich meine, dass ich immer noch jede Menge dazulernen sollte. Dazu bin ich bereit, also gebe ich diesbezüglich mein bestes. Ein gegebenes Wort oder eine mit Handschlag besiegelte Absprache ist für mich ganz altmodisch bindend.
Ich bin nicht mehr so vertrauensselig wie früher, ich schließe schwer Freundschaften, weil ich, gerade als es mir absolut dreckig ging, noch böse ausgenommen wurde – auf die harte Tour. Ich muss nicht mehr jedem helfen, der mich mit treuem Dackelblick fragt, ob ich ihm bei seinem ersten Roman helfen kann, und der mir dann fünfzehn Jahre lang seine Frauen- und Liebeskummergeschichten mailt, bloß keinen Romanentwurf - und nicht rafft, dass als Autor oder Künstler eben die Erfolg haben, die konsequent und diszipliniert arbeiten. Die sich nicht bis 4 Uhr morgens in eine Berliner Kneipe oder in die Hausgemeinschafts-Bar setzen, sich zuschütten, sich selbst bemitleiden und auf den Musenkuss warten. Oder darauf, bis sie wieder „aufgebaut“ oder „motiviert“ werden. „Inspiration ist für Amateure. Profis setzen sich einfach an ihre Arbeit und legen los“, soll der amerikanische Maler Chuck Close mal in einem Interview gesagt haben. Dem möchte ich hinzufügen: Und geben dann das verdammt Beste, das sie geben können. Überarbeiten kann man ja immer.
Seltsamerweise bin ich immer noch neugierig auf alles, auch auf andere Menschen; obwohl ich zu lange auf Odyssee durch Arztpraxen war und in der Zeit erfahren habe, wie Menschen mit dir umgehen, wenn sie glauben, dass du erledigt bist. Ich attestiere mir gewisse autistische Züge, heute. Andererseits versuche ich selbst heutzutage noch, und obwohl wir laut dem drei Jahrzehnte für den Bundesnachrichtendienst agierenden Ingo Hersmann bereits heute „natürlich komplett überwacht werden“ (zitiert nach Galore No 08/2015 – ein hochinteressantes Interview, übrigens!, auch hinsichtlich dessen, was die immer mal wieder angeregte „Abschaffung des Bargelds“ für unsere Demokratie bedeuten würde) eine eigene Meinung zu haben, aufgrund möglichst selbständigen Denkens außerhalb möglichst vieler Schubladen, und nicht durch Übernahme einer vorgegebenen Mainstream-Meinung. Was schwer ist, heutzutage, zugegeben, mit all den Kommentatoren in jeder Tagesschau und in jeder Heute-Sendung.
Außerdem gehöre ich zu den Unverbesserlichen, die auch nach gefühlten eineinhalb Millionen Jahren Kohl/Merkel und Claudia Roth/Cem Özdemir bei den Grünen zum Trotz noch wählen gehen. Und obwohl Wahlkabinen noch immer nicht im Supermarkt aufgestellt werden, wie die SPD ziemlich verpeilt zur Steigerung der Wahlbeteiligung anregte.
Ansonsten nehme ich zur Kenntnis, was man von den sogenannten Eliten dieser Welt heutzutage so lernen könnte. Von dem deutschen sogenannten Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer und dessen politischen Freunden Herrn Gerhard Schröder oder auch Herrn Roland Koch, zum Beispiel. Und natürlich, hallo!, von Sepp Blatter und dem Friedensnobelpreisträger Barack Obama, dessen Name künftig wohl eher mit Guantànamo, rechtlich und moralisch zweifelhaften Drohnen-Einsätzen und der NSA und nicht mit der amerikanischen Gesundheitsreform oder der Aussöhnung mit Kuba verknüpft bleiben wird.
Ähem. Ab: „Außerdem gehöre ich zu den Unverbesserlichen …“ hätte ich vielleicht kürzen sollen. Passt eigentlich nicht ins Helene Fischer-Wohlfühlland.

Zauberspiegel: Bis 1995 war deine Name Martin Eisele. Dann hast Du den Familiennamen Baresch angenommen, um nicht immer mit Deinen populären Büchern erkannt zu werden. Daraus resultieren für mich zwei Fragen: Warum Baresch? Der Name liegt für mich nicht so ohne weiteres auf der Hand. Und warum weichst Du Ruhm und Popularität aus? Ist das Zeichen dafür, dass Du Schwabe bist?
Martin Baresch: Baresch war der Mädchenname meiner damaligen Frau. Irgendwann wurd`s mir halt zu viel, selbst beim Kauf von Wanderschuhen auf Roland Emmerich, Film, „Camelon“ angesprochen zu werden und zuletzt sogar von meinem tüchtigen Finanzberater „Sie, ich will auch schon lange einen Roman schreiben! Könnten wir vielleicht mal kurz darüber reden?“ zu hören und ständig verfügbar sein zu müssen. Ruhm und Popularität war und ist ok für mich. Simenon sagte mal, sinngemäß: „Alle Schriftsteller sind irgendwo tief drin sehr verletzt, deshalb schreiben wir. Deshalb wollen wir geliebt werden.“ Das gilt wohl auch für mich, aber ich bin nicht bereit, jeden Preis dafür zu bezahlen.
Und nur noch über den Beruf wahrgenommen zu werden …?! Hallo! Wer will das schon?  - - Für Bücher-, Heftroman- und Filmfans und deren Fragen und Leserbriefe und Mails jedenfalls hab ich mir immer gerne Zeit genommen, nicht nur, wenn ich auf Lesetour war und ein neues Buch an die Leute bringen sollte. Diese Zeit nehm ich mir ja auch jetzt gerade.

Zauberspiegel: Du hattest einen Hirntumor, der erfolgreich operativ entfernt werden konnte. Krankheiten spielen im Leben vieler Menschen eine Rolle. Was hat der Tumor mit dir gemacht?
Martin Baresch: Viel zu viel konnte der mit mir „machen“, bis hin zum Abschalten beim geringsten falschen Gedanken, der geringsten falschen Bewegung – ab einem bestimmten Zeitpunkt.
Er war einer von der heimtückisch langsam wachsenden Sorte. Anfangs ist alles ganz unauffällig. Bisschen öfter bisschen heftigere Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schwindel usw., vor allem, wenn du nachts lange konzentriert arbeitest oder weite Strecken Auto fährst.
Dann steigt der Druck, buchstäblich. Unaufhaltsam. Das Ding wächst und drückt gegen umliegende Gehirnsubstanz. Der auf den ersten Blick eher verniedlichend klingende Begriff „Raumforderung“  trifft es perfekt.
Dämlicherweise war ich damals einer von den härteren Kerlen, die alles mit sich selbst ausgemacht haben. Auf dem Trip noch bestätigt wirst du, wenn deine Ärzte ständig relativ unkreativ auf dein Arbeitspensum schielen und „Überarbeitung“ diagnostizieren oder alternativ: „Depressionen“. Unmöglich, denen beizubringen, dass ich meine Arbeit nicht als Arbeit sehe, sondern liebe, auch wenn ich viel und lange je Tag arbeite. Die Folge: jahrelange Odysseen von Spezialist zu Spezialist. Sowas willst du nicht mit deinen Verlagen kommunizieren, das gehört nicht zum Job. Ich jedenfalls wollte es nicht und konnte es nicht.

Zauberspiegel: Du hast es nie versucht?
Martin Baresch: Nur ein einziges Mal, beim einzigen Verleger, dem ich in der Zeit noch vertraute. Mit dem Hansjörg Weitbrecht von Thienemann/Edition Weitbrecht wollte ich über den Albtraum reden, zu dem mein Leben unter stur Überweisungen an Arztkollegen schreibenden Ärzten geworden war. Aber es waren schon so viele Ablieferungs-Termine geplatzt, dass der verständlicherweise nicht mehr zuhören wollte, weil er verständlicherweise alles nur noch für Ausreden hielt. Ich hatte einen elenden sogenannten Berater, und habe selber eine Menge falsch gemacht, damals. Und hab den Preis dafür bezahlt, doppelt und dreifach. Statt eines Gesprächs gab es dann Unsummen für die Abtretung des Romantitels „Märchenmeister“ und die Exposés der geplanten Trilogie. Das Cover meines Projekts landete auf dem Hohlbein/Winkler-Gemeinschaftswerk „Das elfte Buch“ – Kind und Drache auf dem Cover  eines Enwor-Romans, haha, nur gut.
Kurz darauf verkaufte Weitbrecht seinen Thienemann Verlag und die Edition Weitbrecht, und ich wusste nun, weshalb der so unter Druck stand. Für „Märchenmeister“ hatte es gleich nach Ankündigung schon Angebote aus dem englischen Sprachraum gegeben. Ich denk mir ab und an mal: Was für ein geiles Romanprojekt ist uns beiden da entgangen, wegen diesem Scheiß-Tumor!
Um das aber nun abzukürzen:  Zu der Zeit war mein Leben ziemlich zu Klump zerballert. Von meiner Ehe war nur noch der Familienname übrig, den ich bis heute trage, schon aus Trotz. Aber auch aus Liebe und Respekt meinem mittlerweile verstorbenen Ex-Schwiegervater gegenüber.
Fünf Jahre später zog der Tumor dann den Stecker, als ich eine Straße überquerte. Notarzt. Klinik. Erst in diesem Moment, nach jahrelanger Quälerei, kam ich in den richtigen Teil der Maschinerie: Verdacht auf epileptischen Anfall der heftigen Sorte. Also: MRT, Gehirnscan. Diagnose: Gehirntumor, schon mehr als streichholzschachtelgroß, weit fortgeschrittenes Stadium. –
Tja. Das alles hat der Tumor mit mir und aus meinem Leben gemacht. Shit happens. Aber ich hab`s ja überlebt, OP, Chemo, Bestrahlung, Lungenembolie während der Chemo … alles. Zehn Jahre schon hab ich das alles überlebt, und nie wieder hatte ich einen epileptischen Anfall. - Also wirst du kein Gejammer hören, das wäre Undankbarkeit  auf hohem Niveau.
Kämpfen muss heutzutage jeder.

Martin BareschZauberspiegel: Man darf sich also vorstellen, dass sich dein Leben danach einschneidend verändert hat?
Martin Baresch: Ja. Und meine Einstellung zum Leben und zum Schreiben bzw. Arbeiten. Absolut.
Da war eine Gier auf Leben, auf Riechen, Schmecken. Eine Gier auf Reisen, Bewegung. Auf die ganze Welt – unglaublich. Ich dachte mir: Au Mann, ein Leben reicht echt nicht, um alles kennenzulernen auf dieser Welt, und um all die Geschichten zu schreiben, die ich im Kopf habe. Diese Gier hält bis heute an. Seither achte ich ganz anders auf meinen Körper, meine Ernährung, meine Fitness. Um alles unter einen Hut zu bringen, habe ich damals angefangen, auf Reisen zu schreiben, in Cafés, irgendwo auf einem Felsen im Schatten vom Leuchtturm über Cala Ratjada, das heute nur noch ein Säuferparadies ist, leider. Und war plötzlich produktiv wie nie zuvor.
Angefangen aber hat das schon … irgendwie … nach der Diagnose Gehirntumor.
Da kam ein Prozess in Gang. Erstmal hab ich mir gesagt, ok, das war`s jetzt. Aber weil ich wenigstens die Aufträge noch erfüllen wollte, die ich zu der Zeit hatte, habe ich den dringend angeratenen OP-Termin dann schieben lassen und erstmal wie ein Besessener gearbeitet. Dreißig Zeitschriften-Kurzromane, zwei, drei Buch-Übersetzungen für Festa, darunter Richard Tierneys „Im Haus der Kröte“ für die Reihe H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens. Immer wieder unterbrochen durch immer heftigere epileptische Anfälle.
Ich glaube heute noch, wäre meine Freundin nicht gewesen, ich hätte so weitergemacht und mich nicht operieren lassen.
Aber dieses Arbeiten wie besessen, das war auch schon der Beginn einer Veränderung. Wahnsinn, zu sehen, wie leistungsfähig ich ohne Ärzte-Odysseen selbst mit dem Kuckucksei im Kopf noch war, jetzt, da ich wusste: das ist da.
Irgendwann war ich so weit, dass ich leben wollte. Dass ich mir noch so ein bisschen was beweisen wollte – und meiner Liebsten erst recht. Also: Neurochirurgische Klinik. Tagelange Untersuchungen, dann OP. Danach, im Aufwachraum, habe ich schon an Geschichten gedacht und ans Reisen - und erstmal gar nicht realisiert, was die Physiotherapeutin von mir wollte. Linke Faust ballen, Arm heben. Die Finger der linken Hand wollten anfangs nicht so recht mitspielen. Der Arm blieb oben. Die Physiotherapeutin: „Die Zeiten sind aber glücklicherweise vorbei. Runter mit dem ausgestreckten Arm.“
Was haben wir gelacht!
Aber es war natürlich nicht vorbei.
Die Info, was für einen Tumor man mir aus dem Gehirn geholt hatte und dass in der nächstgelegenen Klinik bereits ein Besprechungstermin Chemo-/ Bestrahlungstherapie für mich „organisiert“ worden war, bekam ich nach der Entlassung zuhause serviert, telefonisch. Umständehalber, weil der Pathologe während meines Klinik-Aufenthalts in Urlaub war.
Danach: sieben Monate lang jeweils eine Woche lang ambulante Chemotherapie mit Temodal-Kapseln. Im ersten Monat 30 Tage lang parallel Bestrahlungstherapie. Und noch während der Chemo die Übersetzungsarbeit an Nancy Collins` „Der Todeskuss der Sonja Blue“, wieder für Frank. Der mir meine Arbeiten dann erst auf Druck des Verbands deutscher Schriftsteller – in Raten – bezahlte.
In den seither vergangenen elf Jahren habe ich nie wieder einen Ablieferungstermin geschmissen. Definitiv nicht nur, aber auch, weil ich nie wieder auf solche Verleger angewiesen sein wollte. Ich verdanke dem Grusel-Papst also wirklich viel. Das meine ich ernst.

Kentucky Fried MovieZauberspiegel: Und dann ist aus Dir ein Danger-Seeker geworden, der nun auf Berge steigt oder sich mit Gleitschirmen Abhänge hinab wirft?
Martin Baresch: Ach nö. Gefahrensucher … da denke ich automatisch an „Kentucky Fried Chicken – The Movie“, haha. Außerdem, mit regelmäßigen Verlaufskontrollen und damit Rückkehr in die Neurochirurgische Klinik und die Kernspinröhre brauchst du die Gefahr nicht mehr zu suchen. Die hast du eh bis zum Abwinken in deinem Leben.

Zauberspiegel: Soll heißen?!
Martin Baresch: Ich war ungeduldig. Ich wollte alles und sofort. So schnell wie möglich nicht mehr als Patient gesehen werden und mich auch selber nicht mehr so empfinden. Arbeiten. Leben. Reisen. Schreiben. Alles besser machen. Ich wollte mein Leben zurück.
Dann musste ich erstmal erkennen, dass ich vor der OP eigentlich jahrelang gar kein Leben mehr hatte. Nur noch Arzttermine und Terminstress. Falsche Freunde. Es dauert, bis du kapierst, dass du ein besseres Leben haben willst. Und dann kommen die irren Gedanken: Hey, Wahnsinn! Ich hab das überlebt. Danke. Danke. Danke. Und dann, so, ohne Vorwarnung: Echt, jetzt?! - Oder bilde ich mir das nur ein? Vielleicht liege ich in Wirklichkeit ja gerade im OP unterm Messer? Die Beschäftigung mit Philip K. Dicks Werk rächt sich also spätestens nach überstandener Gehirntumor-OP. Ein Anästhesist aus der Neurochirugischen Klinik wurde mir zum engen Freund. Auch dank der langen und intensiven Gespräche mit ihm wurde mir klar:
Es gilt, eine gewisse mentale Hygiene zu erlernen und zu betreiben. Alles mit anderen Augen zu sehen, intensiver zu riechen, fühlen, schmecken. Zu leben. So hab ich`s mir bewiesen, dass ich wach bin. Lebendig. Dass ich meinen Verstand, meine Ideen, selbst meine Englisch-Sprachkenntnisse noch hatte. Noch viel wichtiger war: meine Freundin war da. Morgens, bevor sie zur Arbeit ging. Und abends, wenn sie von der Arbeit kam. Selbst wenn die Temodal-Dosis mich mal wieder umgehauen hatte und ich leergekotzt und eingenässt irgendwo im Haus herumlag und zu schwach war zum Aufstehen - sie war einfach da und hat an mich geglaubt, bis auch ich wieder an mich glauben konnte.
Irgendwann begreifst du dann, es gibt sie, die Chance für ein besseres zweites Leben.
Diese Chance hab ich genutzt – mit aller Kraft. Noch während der Chemo hab ich wieder angefangen zu arbeiten, immer doppelt so lange, wie die Ärzte mir angeraten haben. Ich brauchte keine Motivation von Anderen.
Je mehr Aufträge ich in meinem gerade mal begonnenen zweiten Leben bekam und je mehr ich gearbeitet habe, desto mehr hab ich begriffen, dass es kein Albtraum ist, aus dem ich irgendwann auf einem OP-Tisch oder in einer Gummizelle aufwache. Unvergesslich bleiben wird mir, wie ich während einer Chemo-Phase im Loewe Verlag mit Schüttelfrost wie ein Junkie auf kaltem Entzug dem Verleger Volker Gondrom gegenübersaß und der mir ohne mit der Wimper zu zucken den Übersetzungsauftrag für den „Benjamin Piff und die Magie der Wünsche“ gab – gegen richtig gutes Seitenhonorar.
Trotzdem geht es halt immer wieder darum, sein neues Leben auch sinnvoll zu leben. Knifflig, bei anfangs vierteljährlichen Verlaufskontrollen und regelmäßig konfrontiert mit der Frage: Ist der Krebs zurückgekommen? Ja? Nein? Drei Monate und sogar sechs Monate verfliegen sowas von wahnsinnig schnell, wenn man Verlaufskontroll-Termine fix in seinem Kalender eingetragen hat. Deshalb: Scheiß auf den Danger-Seeker. Ich kapier nicht mal, wie man sich als Leser „Fifty Shades of Gray“ reinziehen kann. 
Ich jedenfalls hatte und habe genug damit zu tun, mein geschenktes Leben sinnvoller und besser zu leben. Das kann man schaffen. Wenn man will. Ich wollte und will. Mit aller Kraft. Weg mit dem großen Haus und dem verwunschenen Garten. Reisen. Arbeiten. Schreiben. Die Welt schmecken. Und immer: Schreiben. Außer für das ein oder andere Interview schau ich nur  selten zurück, sondern nur nach vorn. - Selbst dann noch, wenn ich mal völlig kaputt bin und zu Tode erschöpft nach der Arbeit an einem Roman, oder weil ich vor lauter Schreiben mit völlig verkrampftem Zwerchfell da hänge und kaum mehr Luft holen kann oder vergessen habe, zu essen und, vor allem, ausreichend zu trinken. - Oder nach einem Ausdauer- oder Krafttraining, bei dem ich mich ein bisschen zu wild und überheblich und zu lange ausgepowert habe.

Zauberspiegel: Du schreibst immer wieder, Du warst im Fandom. Wie bist du Fan geworden? Was hast Du als Fan so getrieben und wie ist diese Zeit so im Rückblick?
Martin Baresch: Ich bin durch „Rhodan“ ins SF-Fandom gekommen. Geschrieben hatte ich zu der Zeit eh schon lange. In der benachbarten Stadt gaben Fans ein Fanzine namens „Galaxy Magazine“ heraus – im Spiritus-Umdruck-Verfahren; kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Und dann der Name! Keiner von uns hatte einen blassen Schimmer, was für einen Namen wir da geklaut hatten. Aber so lernst du halt die ganze Big-Name-Fan-Rasselbande kennen, Dieter Steinseifer, die Leute vom SFCD und die Fraktion mit dem Slogan „Nieder mit der verderblichen Schundliteratur!“ – Hab ich nie verstanden, diesen Fanatismus. Diese Trennung in Unterhaltung gleich schlecht und Kunst gleich gut. Ich habe damals von Rhodan bis Simenon bis Ren Dhark bis Mark Twain bis Dostojewski und Fix&Foxi, Donald Duck und Tarzan-, Stephen King, Bomba-Taschenbücher von Roy Rockwood, Tibor- , Sigurd-, Nick-, Falk-Comics alles queerbeet gelesen. Und in den Buddenbrocks definitiv Dämlicheres und Verquasteres entdeckt als in Donald Ducks von der genialen Frau Dr. Erika Fuchs gepimpten philosophischen Einlassungen.
Die Zeit unter den SF-Fans war wild, chaotisch, es gab einige bösartige Streitigkeiten und Verletzungen, aber ich durfte auch einiges fürs Leben lernen von Typen wie Kurt Sterz und Knud Denkena. Denkena war mit seinen X Spiritus-Fanzines wie „Papyrus Curcuma“ und „SF-Nachrichten“ (die nur wenig SF-Nachrichten boten)  im Mikrokosmos Fandom sowas wie der Springer-Konzern in der realen Welt. Den er von Herzen hasste. Denkena verkündete in „seinen“ Blättern jedem, wie fortschrittlich links er als Lehrer war und dass links die reine Lehre sei. Menschlich. Sozial.  – Und gleichzeitig walzt der mit einem Fanatismus und einer Überheblichkeit über fassungslose NEOs weg und macht genau damit seinen „sozialen Fortschrittsglauben links“ völlig unglaubwürdig. Mich hat er als „CDU-Bonzen“ denunziert, nachdem ich so vertrauensselig war, ihm von meinem ersten Auto, einem gebrauchten NSU 110er (!) mit 80.000 Kilometern auf dem Tacho, vorzuschwärmen. Muss man auch erst mal drauf  kommen. - Links, rechts – was heißt denn das heutzutage noch? Denkena hat damals schon demonstriert, wie beliebig und austauschbar dieses Feindbilddenken ist.
Aber das ist lange her. Man vergisst es nicht. Rückblickend ist alles einfach nur ok und verklärt. Ich habe jede Menge gelernt, in dieser Zeit, von glaubwürdigeren Menschen wie Ronald Hahn und HJ Alpers, Dieter Steinseifer, Hubert Strassl. Viele Freundschaften aus dieser Zeit dauern bis heute an.
Ich trieb dann in die Alternativliteraturszene ab. Literarisches Infozentrum und der legendäre Josef Wintjes mit seinem „Ulcus Molle-Info“. MainzerMinipressen-Messe. Baute einen eigenen alternativen Literaturvertrieb auf, analog zum „Filmverlag der Autoren“ den „Versand der Autoren“ mit zuletzt rund 5.000 Kunden. Fand ich interessanter. Dank Benno Käsmayr und dem MARO Verlag lernte ich Bukowski kennen, damals war der kurz mal auf Deutschland-„Ochsentour“. In der Zeit, etwa 1972/73, hab ich schon meine ersten Heftromane geschrieben.
In die „Phantastik“-Szene zurück kam ich dann erst wieder als „Damona King“-Autor via Ehrenmitgliedschaften in Dutzenden Clubs und durfte dort so tolle Leute kennenlernen wie Joachim Otto, der damals gerade mit viel Elan und Kreativität daranging, seine Romantruhe aufzubauen. Ich bewundere sehr, was er in den zurückliegenden Jahren geschaffen hat.

Zauberspiegel: Fans neigen oft dazu sehr verbissen zu sein, das Objekt ihrer Begierde auch als ihr Eigentum zu betrachten und gerne in der Vergangenheit zu schwelgen und sich als Hüter der Tradition zu betrachten. Wie stehst du dazu?
Martin Baresch: Ja. Und? Ist doch ok. Ohne das gäb`s doch Heinz Mohlbergs tolle Retro-Reihen nicht, darunter „Sun Koh“ – und auch nicht die von Jörg Kaegelmann bis heute herausgebrachten und mit neuen Abenteuern fortgesetzten Serien „Dan Shocker `s Larry Brent“ und „Dan Shocker`s Macabros“, um nur ein paar zu nennen.

Zauberspiegel: Nein, das meine ich nicht. Was mir bei dieser Frage vorschwebte war der verbissene Kampf mancher Fans um die Deutungshoheit. Beispiel Perry Rhodan, wo Fans meinen, dass PR heute nur noch ein Verdauungsendprodukt ist, wenn man die Serie mit den Romanen der Sechziger vergleicht und man sich gefälligst wieder in diese Richtung entwickeln müsse. Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen.
Martin Baresch: Also, ich hab immer so ein bisschen Probleme mit Verbissenheit, weil mir das so absolut fremd ist und ich, was Serienfortführungen betrifft,  eher milde bin … und neugierig. Gute Platte auflegen und gucken: hey, was machen die Autoren denn da? Andererseits gestehe ich Fans, auch den Hardcore-Fans, gerne das Recht zu, sich zu äußern, zu versuchen, den Redakteur und damit ihre Serie in ihrem Sinne zu beeinflussen. Warum nicht? Deshalb wurde man Fan. Ist für mich OK, solange nicht nur gepöbelt, sondern überwiegend  argumentiert wird. Schlimmer fände ich es, würde nur tote Hose herrschen. Und noch schlimmer, wenn der Redakteur oder der/die Autor/en der jeweiligen Serie – nur noch wie Marionetten ausschließlich das umsetzen würden, was die Lautstärksten fordern. Wohin das führen könnte, sieht man an Horst Seehofer und der bayerischen CSU.

Zauberspiegel: Im SF-Fandom der Siebziger ging es als Folge der 68er nicht nur hoch her. Nicht nur um die Qualität der SF wurde gestritten, sondern es ging auch ideologisch heftig zur Sache. Wie bewertest du das? Was war da los?
Martin Baresch: Keine Ahnung. Vielleicht wurde damals in irgend einem von der Regierung oder von unerkannt unter uns lebenden Aliens finanzierten Geheimlabor an einer Art „Verblödungsgas“ geforscht und selbiges bevorzugt auf Cons oder über Fanzine-Macher-Heimstätten versprüht?  So eine Art deutsches „Fandoms -Agent Orange“, sozusagen? Die Wahrheit, liegt wohl, wie immer seit Akte X, „irgendwo dort draußen“. Ich maße mir nicht an, das zu bewerten, und wenn, dann höchstens so: Wir waren alle mal jung und den Umgang mit den eigenen Hormonen noch nicht so gewöhnt.
Meine geliebten HeinzelmännchenZauberspiegel: Wie so manche bist du vom Fan zum Autor geworden. Wie war der Weg genau und was veränderte sich als Fan für dich, als du selbst geschrieben hast?
Martin Baresch: Meinen Eltern zuliebe habe ich einen sogenannten ordentlichen Beruf erlernt und den auch ein paar Jahre ausgeübt. Mit zunehmendem Grauen angesichts dessen, was hinter den Kulissen gewisser Banken und Steuerberatungsgesellschften vorging. Parallel dazu hab ich mir, wie vorhin beschrieben, ein paar Jahre das Fandom und die Alternativliteratur-Szene gegeben. - Eines Tages habe ich gekündigt, mich an einem 1. April beim Finanzamt als Selbständiger angemeldet, mir mit einem kleinen Zuschuss von meinem Opa eine manuelle Schreibmaschine gekauft und mich in einer Zwei-Zimmer-Wohnung verbarrikadiert. Und dann habe ich nur noch geschrieben.
Zeitschriften wie „Frau – die aktuelle Illustrierte“ zahlten damals für sogenannte „Lesergeschichten der Woche“ 350,-- DM. Ich habe denen Woche für Woche Geschichten geliefert, unter den Namen sämtlicher Bekannter und Verwandter und nicht weniger Freunde. Und jedesmal wurde meine Geschichte „Geschichte der Woche“. Dass die das durchschauten, merkte ich erst, als ich offiziell eingeladen wurde, regelmäßig auch Fortsetzungsromane zu liefern. Später hab ich mich mit einem Roman bei Kelter beworben. Der wurde angekauft mit der Frage, ob da noch mehr komme. Danach dachte ich: OK, geschafft, jetzt hast du als Autor sozusagen eine ordentliche Lehrstelle. Unter dieser Prämisse habe ich meine ersten fünfzig Romane geschrieben, querbeet, durch alle Genres, Liebe, Western, Mami, Berg- und Heimat, Doktor, Krimi und irgendwann Geister und Grusel, nicht nur für Kelter. Und gelernt.
Zur SF zurück kam ich erst dank Ronald Hahn, dessen Utoprop-Agentur ich dank eines gemeinsamen Freundes aus seligen SF-Fandoms-Zeiten meinen ersten SF-Roman unterjubeln konnte, bzw. meinen ersten halben SF-Roman, es war ein Gemeinschaftswerk. Das trug sinnvollerweise den Titel „Fremde unter uns“ und erschien unter dem genialen Agentur-Pseudonym Thorn Forrester in Kelters Gemini-Reihe. Der Held hieß Mark Eysel, und das ganze Ding war grottenschlecht, ein Ulk, ausgetüftelt und geschrieben auf dem Boden eines Korridors einer Klinik, in der mein Co-Autor zu der Zeit seinen Zivildienst leistete. Verpflegung: Hähnchen vom Grillmeister, Cola, Kaffee und noch mehr Kaffee.
Verändert hat sich für den Fan Martin E. oder B. nix. Ich konnte halt schließlich von dem leben, was ich eh schon von klein an liebte: Lesen und Geschichtenschreiben.

Zauberspiegel: Heutzutage arbeitest Du auch für kleinere Verlage (auch und gerade im eBook). Was reizt dich daran so sehr?
Martin Baresch: Dass ich von einem Winzling wie thrillkult-media bessere Konditionen für die eBook-Verwertung meiner Heftroman-Backlist erhalte als die 5% des Verlags-Nettoerlöses, die mir im Januar 2013 vom Projektmanagement Bastei-Entertainment E-Publishing & Crossmediale Verwertung für meine alten „Sinclair“-Titel angeboten wurden? (Weshalb ich die Rechte dafür auch nicht für die eBook-Verwertung freigegeben habe)
Kleiner Scherz.
Momentan arbeite ich in Sachen eBooks zunehmend mit thrillkult-media zusammen, weil mir dort  faire Konditionen geboten werden, die sich selbst bei nur 1.000 oder 2.000 Downloads nicht nur für den Verlag, sondern auch für den Autor lohnen. Und weil meine Titel professionell gestaltet veröffentlicht werden. Auch wenn noch nicht alles perfekt rund läuft mit Vorankündigungen und tatsächlicher Veröffentlichung – es ist ok, ein kreatives Chaos. Ich sehe das mittel- und langfristig und fühl mich wohl, weil mir immer auch genügend Zeit für meine hauptberufliche Autorentätigkeit bleibt. Aber da entwickelt sich eine verschworene Autoren-Künstler-Verlagskooperative. Alle sprühen vor Ideen. Alle sind hungrig auf Erfolg durch spannende Romane. Ein gutes Klima für einen Nebenerwerbs-eBook-Schreiberling. Das ist für mich der Reiz – bei so etwas dabei zu sein. Und notfalls kann ich ja jederzeit die Reißleine ziehen. Ein Muss gibt es für mich eh nicht mehr. Das Wollen ist entscheidend.
Einen solchen Reiz hoffe ich bei kleineren Print-Verlagen noch zu finden. Bis es so weit ist, schreibe ich halt für die Großen und TKM – und halte Augen und Ohren offen.
Leider ist es gar nicht so leicht, bei den „Kleineren“ rein zu kommen. Als ich mich bei Zaubermond zur Mitarbeit beim „Dämonenkiller“ aka „Dorian Hunter“ beworben habe, war ein Frisör dort Chef und beschied mir streng, dass er sich mich gar nicht leisten könne, ich soll mich in ein paar Jahren mal wieder melden.

Zauberspiegel: Sherlock Holmes ist eine unverwüstliche Figur. Auch Geschichten mit dem Meisterdetektiv hast du geschrieben. Worauf sollte deiner Meinung nach geachtet werden, wenn man sich solchen Figuren mit einer Erzählung annähert? Was reizt dich an Figuren wie Holmes?
Martin Baresch: Holmes schreibe ich eigentlich aus ganz egoistischen Gründen, nämlich, weil ich seit meiner Jugend Holmes-Fan bin und das Viktorianische Zeitalter mich seit jeher gleichermaßen fasziniert und abstößt. Mit Holmes und der Novelle „Sherlock Holmes und der Mordfall Watson“ habe ich mich nach der Gehirntumor-OP dann auch zum ersten Mal wieder an einem eigenen Text versucht – den Jörg Kaegelmann schließlich in Band 3 seiner „Sherlock Holmes` Criminal-Bibliothek“-Reihe veröffentlichte, aller sprachlichen Holperigkeiten zum Trotz. Dafür allein schon habe ich Grund, ihm dankbar zu sein.
Ich zumindest achte bei Holmes-Geschichten sehr den Kanon der von Arthur Conan Doyle geschriebenen Geschichten und die von ihm erfundenen und zum Leben erweckten Persönlichkeiten. Auch wenn ich Watson ungern so devot schildere, wie der Maestro das handhabte … und deshalb in diesem Punkt gern mal ein bisschen frech trickse. Für`s Schreiben selbst gilt für mich wiederum das, was ich schon zu meiner Herangehensweise an eine Buch-Übersetzung oder einen „Roman zum Film“ gesagt habe.

Zauberspiegel: Bei Pelikan warst du mit einer Jugendfantasyserie vertreten, die parallel zu Rellergerds Schloss-Trio dort lief. Woran lag es, dass es nur sechs Bände waren?
Martin Baresch: Nö. Das „Schloss Trio lief bei Pelikan nach „Camelon“, 1988 bis 91.
 „Camelon“ war 1984 die erste Jugend-Fantasyserie überhaupt in Deutschland, und die Betreuung der Serie und die z.T. im Schnelldurchlauf abgehandelten und verschenkten Ideen frusten mich bis heute. Noch auf der Buchmesse ließ Pelikan 1984 verbreiten, dass einen Monat nach Start die ersten drei Titel bereits in dritter Auflage gedruckt werden. BILD und X andere große Medien berichteten. Im Börsenblatt lancierte Jörg Weigand eine Artikelserie über „deutsche SF-Autoren“ und machte meinen auf mit der Headline: „Vom Steuerberater zum Bestsellerautor“. Super. Aber Pelikan wollte, so sehr alle jubilierten über den unerwarteten Erfolg, trotzdem eine Fantasy-Serie die eins zu eins TKKG enthält, nur eben auf einer Fantasy-Welt angesiedelt. Und die genauso runtergeschrieben ist.
Das wollte ich nicht. Man kann für Geld vieles oder alles machen als Autor. Muss man aber nicht. Nicht mal, wenn man schon für ein Büchlein wie „Camelon – Gefahr an der Einhornquelle“ vertraglich eine Startauflage von 100.000 Büchern garantiert bekam.
Ich habe 1984 dann „Das Arche Noah Prinzip“ geschrieben, das auch zu einem Erfolg wurde. Danach habe ich mich 1985 gegen „Camelon“ und für Roland Emmerich und die große weite Welt, nicht nur des Films, entschieden.

Zauberspiegel: Übersetzt hast du auch, wir haben schon darüber gesprochen. Da gab es den kürzlich verstorben Harry Rowohlt, dessen Übersetzungen mit diesem Spruch wohl am besten umschrieben sind. »Du hast den Text nur im Original gelesen. Da geht gegenüber der Rowohlt Übersetzung aber viel verloren?«. Aber diese Qualität bietet nicht jeder Übersetzer.
Helmut Pesch hatte mal »The Worm Ouroboros« zu seinem Projekt erkoren und stundenlang in Unibibliotheken damit verbracht, zu Zitaten aus mittelalterlicher englischer Literatur deutsche Entsprechungen zu finden. Das war mehr fürs Renommee als Portemonnaie.
Jemand, der Belletristik auf Termin übersetzt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, der muss doch ganz anders an den Text herangehen. Wie also bist Du an Übersetzungen herangegangen?
Martin Baresch: Ganz einfach. Ich habe die Arbeit als Übersetzer lange Jahre ganz un-schwäbisch als Lernen und nicht nur als Geldverdienen verbucht.
Als ich mein Handwerk und einen genügend großen Wortschatz beherrschte und mehr und mehr imstande war, mich auch stilistisch in denjenigen einzufühlen, der ins Deutsche zu übertragen war – und dem entsprechend auch bessere Honorare verlangen konnte (soll heißen: pro übersetzter Seite bezahlt wurde) -, arbeitete ich mit einer Art Mischkalkulation: Autoren und Romane, für die mir der Redakteur von Anfang an nur ein paar Wochen Zeit gibt: so schnell wie möglich, so gut wie möglich. Alle anderen Autoren/Romane und v.a. diejenigen, die du eh magst: in Ruhe und sorgfältig, ohne aufs Geld zu schielen. Einzuhalten war der Vorsatz nicht immer.
Die „Kane“-Romane für Bastei mussten jeweils sehr kurzfristig abgeliefert werden, und den K.E.Wagner zählte ich damals schon zu meinen Lieblingsautoren. Mehr als jeweils drei Wochen Arbeitszeit, mehr blieb für diese 450-Seiten-Wälzer nicht; und das noch auf Festhonorar-Basis. Um solche Termine zu halten, und das habe ich, waren 20 Stunden Textarbeit am Tag nötig und danach ein Urlaub …Und die größte Belohnung war: Leser und Kritiker waren trotzdem begeistert und schrieben das auch in ihren Leserbriefen an den Verlag. „Das Skorpionenhaus“-Hardcover für Loewe entstand unter ähnlichem Druck, aber mit mehr als angemessen hohem Seitenhonorar  plus Anteil an Tantiemen und Nebenrechten… und für den fertigen Text gab`s außerdem noch den Literaturpreis „Buxtehuder Bulle“. Nur geil.
Das waren Glücksfälle, hätte auch schief gehen können, trotz des extremem Arbeitseinsatzes. Andere Projekte liefen einfach gut. James Herberts „Moon“ und „Magic Cottage“ bei Bastei-Paperback. C.A. Smiths „Poseidonis“, oder Jo Claytons „Diadem“-Serie bei Moewig. Habe ich geliebt … und konnte dank Alpers auch mit Vorlauf und normalen Terminen daran arbeiten. Kurz hektisch wurde es nur unter Horst Hoffmanns Lektoren-Zwischenspiel. Ausgerechnet der Horst wollte den vorletzten Roman der „Diadem“-Serie „Die Fallen von Ibex“ innerhalb von drei Wochen und staunte, als ich die 450 Manuskriptseiten nach zwei Wochen abgeliefert habe.
Aber klar, seien wir ehrlich: Bücher wie Eric Rücker Eddisons Klassiker „The Worm Ouroborus“ aus dem Jahr 1922 habe ich – leider - nie angeboten bekommen. Angenommen hätte ich die Herausforderung allemal. Und dem legendären Harry Rowohlt, mit dem ich auch einige lustige Gespräche über seinen Ärger mit der Übersetzung von Ken Bruens Jack Taylor-Reihe bei Atrium erleben durfte  – dem konnte einer wie ich natürlich nie das Wasser reichen … höchstens mal, mit tiefer Verbeugung, einen guten irischen Whiskey 

Zauberspiegel: Andererseits, wer Philip K. Dick übersetzt, der hat es doch schwer. Das ist doch sehr literarische SF. Wie versucht man den ins Deutsche zu übertragen, ohne dass zuviel verloren geht? Oder war Dick Dein ›Ouroboros‹?
Martin Baresch: Haha, nein! Die beiden Dick-Romane, die ich für Moewig ins Deutsche übertragen durfte, waren Frühwerke des Meisters … im Klartext: bessere Heftromane. SF-Trash, den Dick halt auch mal runtergeschrieben hat. Gerade deshalb hab ich mich aber mit den Schwarten unheimlich schwer getan. Ich hätte die am liebsten „in einen ordentlichen Philip K. Dick-Stil“ gebracht. Doch Alpers bestand auf Texttreue, und das war auch gut so. Mein Freund und Kollege Karl-Ulrich Burgdorf hatte mit „Der dunkle Schirm“, 1981 bei Bastei als Deutsche Erstveröffentlichung, eine weit kniffligere Arbeit zu leisten. Und die für spätere Neuausgaben, u.a. bei Heyne, sogar nochmal überarbeitet. Ihm oder Thomas Ziegler, der für Moewig einige sauschwere Dick-Titel übersetzte, gebührt viel mehr Lob.

Zauberspiegel: Es gibt auch Dinge wie Wortspiele und Slang, die schwer bis gar nicht zu übersetzen sind. Anders ist es bei Thrillern mit Wirtschaftshintergrund. Dort braucht vieles gar nicht übersetzt werden, weil die gängigen Begriffe in der Wirtschaft komplett in Englisch sind. Was macht der Übersetzer dann da? Wie versucht er dergleichen zu lösen? Wie findet er – wie bei den Wirtschaftsthrillern – heraus wann er sich zuviel Arbeit macht?
Martin Baresch: Du siehst mich zart erröten. Weil ich Thriller nie übersetzt, sondern bequemerweise lieber selber geschrieben habe, mit oder ohne Slang. So. Endlich mal wieder eine knappe Antwort.

Zauberspiegel: Welche Pläne hat Martin Baresch in der näheren oder ferneren Zukunft? Gibt es Projekte, die du uns vorstellen möchtest?
Martin Baresch: Ach, was sind unsere Pläne schon wert, bei all den Varianten, die uns das Leben in jeder einzelnen Sekunde servieren kann? Ich schmeiß mich weg, wenn ich höre, dass irgendwer einen Fünf-Jahres-Plan aufstellt. Ich lebe jeden einzelnen Tag so bewusst wie möglich und versuche an diesem Tag, mein Bestmögliches zu geben - und weiterhin Spaß dabei zu haben. Dann den nächsten. Und so weiter. Ich hoffe, gesund zu bleiben und fit, und weil mir hoffen allein zu billig wäre, tu` ich halt was dafür, siehe oben. 
Projekte vorstellen: Au ja! In meiner Eigenschaft als „Nebenerwerbs-eBook-Autor“ habe ich zwei Holmes-Romane abgeliefert, den Pilotroman einer Endzeit-Serie, mehrere „Panthera“- und „The Cleaner“-Thriller. Die werden momentan zur Veröffentlichung vorbereitet, soviel ich weiß.
Die eine oder andere exklusive Textprobe habe ich Dir für den Zauberspiegel eh schon zugesagt. Wer nicht warten will, den lade ich herzlich ein, mal auf meiner Amazon-Autorenseite vorbeischauen, dort sind schon zwei Cover vorgestellt. Ansonsten leiste ich mir als Ghost dankbar den Luxus, ganz diskret in den Schatten zu bleiben und nicht den Butterfahrtenverkäufer in E-Commerce geben zu müssen… - Deine gefühlten zweidreiviertel Millionen Fragen jedenfalls habe ich definitiv nicht beantwortet, um Dir oder den Zauberspiegel-Lesern etwas „zu verkaufen“.

Zauberspiegel: Besten Dank für diese Interview-Trilogie!
Martin Baresch: Gern geschehen – und herzliche Grüße an die Zauberspiegel-Leser!

Horst Hermann von Allwörden



Die Fragen für den Zauberspiegel stellte: Horst Hermann von Allwörden

 

Kommentare  

#1 Alter Hahn 2015-09-14 11:50
Alle guten Wünsche zum Geburtstag, weiterhin viel Erfolg und 365 Tage Gesundheit, Glück und Harmonie... bei 62 bin ich dir 5 Jahre voraus...also absolut nicht einzuholen...
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#2 Schnabel 2015-09-14 12:24
Ich wünsche Dir alles Gute zum Geburtstag, auf das dich die Phantasie nie verläßt.
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#3 dor 2015-09-14 13:16
Hammer-Geschichte!!! Kein Wunder, dass der so gelassen rüberkommt. Auch von meiner Seite alles Gute zum Geburtstag, vor allem natürlich Gesundheit und weiterhin die Lebensenergie und Coolness, die dich auszeichnet. Aber das alles wünsche ich dir nicht zum 62. Geburtstag, sondern zum heutigen 61. Jedenfalls, vorausgesetzt, die Martin Baresch-Wikipedia-Seite gibt Deinen Geburtstag mit dem 14.09.1954 richtig an ;-)
@Harantor: Danke für Deinen Hinweis-Kommentar im 2.Teil des Interviews. Ich hätte es mir ja denken können. Den letzten Teil des Interviews heute zu Martin Bareschs Geburtstag zu bringen, halte ich für eine richtig schöne Idee! und Geste!

Harantor sagt: inzwischen ist es auch bei uns der 61.
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#4 Toni 2015-09-14 16:08
Toller dritter Teil, leider schon der letzte :sad:

Alles Gute zum Geburtstag!
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#5 Heinz Mohlberg 2015-09-14 17:10
Auch noch von mir herzlichen Glückwunsch, damals - zur Zeit der SF-Baustelle (irgendwann in den End70ern) - existierte mal ein relativ kurzer Kontakt. Aus welchem Grund nicht mehr daraus wurde kann ich heute auch nicht mehr sagen.
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#6 Alro 2015-09-14 20:00
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, dazu das nötige Glück, Erfolg und vor allem Gesundheit im neuen Lebensjahr.
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#7 Zakum 2015-09-14 20:21
Auch von meiner Seite alles Gute und vor allem weiterhin viel Gesundheit!
Dass man nach "so einer Sache" anders/intensiver lebt, kenne ich aus eigener Erfahrung. Auch wenn es von der Schwere her bei weitem nicht vergleichbar ist. Aber sehr nachvollziehbar!
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#8 Sarkana 2015-09-14 22:24
Auch von mir alles Gute zum Geburtstag und das nötige Glück um weiter amchen zu können. :)
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#9 Advok 2015-09-15 20:20
Sehr schöne Interviewreihe!
Wäre schön, wenn Sie öfter in Erinnerungen schwelgen würde, Herr Baresch! ;-)
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#10 KU 2015-09-22 16:35
Lieber Martin,
da wir ja seit einiger Zeit wieder in persönlichem Kontakt sind, kannte ich schon viele Details Deiner Krankengeschichte. Trotzdem hat es mich wieder tief erschüttert, Deinen Bericht darüber im 3. Teil des Zauberspiegel-Interviews zu lesen. So etwas zu überleben und hinterher trotzdem wieder mit vollem Schwung ins Leben und Schreiben einzusteigen — das nötigt höchsten Respekt ab!
Ganz herzlich danken möchte ich Dir für die freundlichen Worte, die Du nicht nur für die Philip K. Dick-Übersetzungen unseres viel zu früh verstorbenen Kollegen Rainer Zubeil (aka Thomas Ziegler), sondern auch für meine eigene Übersetzung von Dicks Anti-Drogen-Dystopie A Scanner Darkly (dt. als Der dunkle Schirm) gefunden hast. In einem Punkt irrst Du Dich allerdings: Die Bearbeitung der Übersetzung für die Neuausgabe bei Heyne stammt nicht von mir, sondern von einem gewissen Alexander Martin — wer immer das auch sein mag. Zwar hat der zuständige Redakteur bei Heyne seinerzeit bei mir angefragt, ob die Rechte an meiner Übersetzung inzwischen wieder bei mir lägen (taten sie leider nicht — ich hatte versäumt, sie mir rechtzeitig zurückzuholen, und deshalb ist das Honorar für die Ausgaben bei Heyne und jetzt aktuell bei Fischer auch nicht an mich, sondern an Bastei Lübbe gegangen); darum, meine Übersetzung selbst noch einmal zu überarbeiten, hat man mich hingegen nicht gebeten.
Und noch ein anderer kleiner Fehler ist mir aufgefallen: Mit „Knud Denkena“ meinst Du doch sicherlich Kurt S. Denkena. Und sein Literaturblatt hieß auch nicht „Papyrus curcuma“, sondern Papyrus cacama.
Dir auf diesem Wege noch nachträglich einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag
Dein Karl-Ulrich Burgdorf
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#11 martin baresch 2015-09-23 09:14
Dankeschön an alle, die einen Kommentar zum Interview gepostet haben - für Euer Interesse an mir, meiner Arbeit und einer (scheinbar) vergessenen Gruselserie - und, natürlich, für die Geburtstagswünsche. Na, wenn die alle in Erfüllung gehen, dann brauch ich mir das nächste graue Barthaar eher nicht wachsen zu lassen.
- Und apopos ... scheinbar vergessene Gruselserie?! - Selbst der fleißige Herr Hohlbein (wiewohl nicht schwäbischer Abstammung, soweit mir bekannt - was das anbelangte, war der Gute immer sehr schweigsam) entdeckt "seine" Damona King-Romane gerade als noch verwertbar wieder und haut sie in der "Hohlbein Classics"-E-Book-Reihe wieder unters Lesevolk, ohne sich drum zu kümmern, dass er zur Entstehungszeit dieser *Serien*romane mal einen Partner hatte, der auch die eine oder andere Idee beigesteuert hat. Aber zu Wolfgang Hohlbein und dessen Umgang mit alten Weggefährten hat KU Burgdorf in seinem Kommentar zum 1. Interview-Teil (und "dem Fall RAVEN") ja schon eine klitzekleine Andeutung gemacht und auf die Darstellung des Vergleichs Burgdorf/Hohlbein auf seiner Homepage verwiesen. Und ich, ich war mit meinen Ideen schon immer freigibig, ist mir doch klar, dass ich in diesem Leben unmöglich all die Geschichten schreiben kann, die mir im Kopf summen. So what?!
Und damit zu den Einzel-Credits:
- Dir, mein knurriger Verhörspezialist HvA, einen Spezialdank für die Sonderbehandlung und das Online-Stellen des 3. Interview-Teils ausgerechnet am 14.9., meinem 62. oder 61. Geburtstag. Binnen eines Tages um ein Jahr gealtert und wieder verjüngt. Cool!
-@Heinz Mohlberg: Auch Dir ein Extra-Dankeschön! Dass Du Dich daran noch erinnerst! In all den Jahren aber hab ich immer wieder mal fleißig eingekauft bzw. von in Deutschland wohnenden Freunden in Deinem Shop einkaufen lassen. Weiterhin viel Erfolg - v.a. mit den "Terranauten", auf dass sie sich gegen "Military SF" doch noch durchsetzen. (So gern ich temporeiche SF-Romane auch liebe)
-@ alro: Auch Dir ein Spezial-Dankeschön. Ich hab hier das 2. Belegexemplar Deines Heyne-TBs "Computerspiele" liegen, in das Du am 30.7.1980 (!) die Widmung "Wenn die Zeit mit uns spielt, sind wir Schatten" geschrieben hast. Schätze, die Zeit *hat* ein bisschen mit uns gespielt und sich dann als "das Leben" zu erkennen gegeben ;) -- Von Dir hier auf ZS-online gleich *zwei* Lebenszeichen zu lesen nachdem - nach meiner Info an Dich über meine Diagnose und dass sich meine Frau getrennt hatte - jeder Kontakt abbrach, das war einfach ... schön. Auch ich wünsch Dir alles Gute, nicht nur für Deine "Roland Rosenbauer-Kochshow".
- @KU Burgdorf: Dein Kommentar berührte mich besonders. Weil: im Interview rückblickend kam mir alles so ... selbstverständlich vor. Leben und Schreiben. Und dass ich darum halt kämpfen muss und aufgeben gar keine Option ist ... Und dass ich das dann auch konnte ... kämpfen und *nicht* aufgeben. Es war wirklich so einfach, obwohl es - bizarrerweise gleichzeitig - natürlich eine heftige Zeit war. Wer einen noch heftigeren Einblick in das Nicht-mehr-Leben eines Gehirntumor-Patienten bekommen möchte, dem empfehle ich das Buch "Arbeit und Struktur" meines Freundes und Kollegen Wolfgang Herrndorf, der auch bis zuletzt - schreibend - kämpfte und sich schließlich doch gezwungen sah, sich am 26.08.2013 den Kopf samt trotz Chemo und OPs immer wiederkehrender Metastasen wegzublasen. Sein genialer Roman "Tschick" wird dieser Tage von Fatih Akin verfilmt.
Es war eine heftige Zeit, eine intensive - und wenn man im Zeitraffer darüber liest, schockt das erstmal. Aber: es war, zumindest für mich, keine verlorene. Denn ich durfte eine Menge lernen darüber, was wirklich wichtig ist und was nicht. Und darf das bis heute, mit jeder Verlaufskontrolle, bei der mein Mindesthaltbarkeitsdatum verlängert wird um ein weiteres halbes Jahr. - Dass bei all dem erstaunlicherweise nur wenig Bitterkeit aufkam, sondern ein umso stärkerer Lebenswille, und eine große Demut, dass sich von irgendwoher so ein Wahnsinns-Überlebenswillen-Gen in meinen Genpool geschmuggelt hat, das war ein weiteres Riesengeschenk. Diese Demut und Dankbarkeit dem Leben und meinem Beruf gegenüber, die sind, bei aller Ironie (die mir oft das Leben mit Redakteuren/Verlegern unnötig ein bisschen schwer macht) bis heute sehr tief in mir verwurzelt. Mist! Das hätte ich im Interview stärker hervorheben sollen.
Bewusst *nicht* hervorheben wollte ich andererseits, dass ich knud dedenkas Namen und die seiner Mikrospringerpresse-Erzeugnisse einfach für nicht erinnernswert hielt. Wie Du siehst, hab ich alles was Du dazu geschrieben hast, schon wieder vergessen - zack. :)
Und noch ein Satz zu Deiner wunderbaren Übersetzungsarbeit an "A Scanner Darkly". Wie hier in Sachen Nachdruckrechten vorgegangen wurde, ist heutzutage leider gang und gäbe. Da auch ich ein bisschen den Überblick über die von mir übersetzten SF- und Fantasy-Stories verloren habe, ging`s mir mit einer (oder mehreren, keine Ahnung) meiner George R.R.Martin-Übersetzungen genauso. Schade drum, Heyne verwendete uralte und grottenschlechte Fassungen, die der heutige Übersetzer M.B. mit einer kleinen Überarbeitung um Klassen besser hätte machen können. Aber solange Leserinnen und Leser ihre Bücher nur nach dem "großen" Namen einkaufen und nicht auf den Text sehen, werden Autoren und Übersetzer für Verlage das bleiben, was sie heute sind: Beliebig austauschbares billiges Fußvolk. Und eben nicht die Kreativen, die die Existenz des Verlags erst ermöglichen.
Herzliche Grüße an alle!
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#12 Uwe Lammers 2016-02-03 22:31
...ja, und dann hatte ich, unterbrochen durch einen zweistündigen Anruf (Martin, du ahnst, von wem, und du schweigst bitte still!), auch den dritten und letzten Teil des Interviews gelesen. Nicht an deinem Geburtstag, nicht mal näherungsweise, aber immerhin... und ja, es ist sehr erschütternd für mich gewesen, noch ein Gutteil mehr Details zu deiner Krankengeschichte zu lesen, als ich schon kennen durfte. Gleichwohl: es ist wirklich schwer beeindruckend, wie phantastisch im wörtlichsten Sinne dich dein Lebensmut, deine Kreativität und auch deine Lebenspartnerin, die wir hier nicht unterschlagen wollen, mit Fulldrive ins Leben zurückkatapultiert haben. Ja, ich glaube, so kann man das am besten nennen.
Ich bin außerdem der Auffassung, dass dir wahrlich die Ideen nicht ausgehen, und dieser enorme Wissenshunger, der dich vorantreibt und der sich in diesem Interviewteil ganz besonders stark bemerkbar macht, ist eine tolle Sache. So soll das optimal sein.
In zwei Punkten möchte ich jedoch insistieren: zum einen betonst du, dass du im wesentlichen straight forward orientiert seiest und im Grunde nicht so sehr zurückblicken würdest. Verzeih, wenn das dreiteilige Interview da einen anderen Eindruck hinterlässt (im positivsten Sinne, wie ich als Historiker betonen möchte). Hohen Respekt vor deiner Erinnerungsleistung!
Zum zweiten möchte ich Advoks Kommentar bekräftigen. Ja, es ist schade, dass das Interview - wiewohl dreiteilig - schon vorbei ist. Aber es gäbe da ja durchaus noch eine Steigerungsmöglichkeit. Als die hieße? Autobiografie, mein guter Martin. Habe ich auch anderen Leuten schon angeraten, und wenigstens einer ist darauf schon angesprungen und hat aus einem kleinen Teil seines Lebens ein nettes, hübsches Büchlein gemacht. Darf ich hier kurz Werbung dafür machen? Dann tu ich das gern: schaut euch einfach mal Alexander Knörrs "Reis am Stiel" an. Ein lesenswertes Buch über seine Reiseerfahrungen in China. Und portioniert, Martin, könnte ich mir das bei dir auch sehr gut vorstelleh... sei es auf einer eigenen Website mit einem biografischen Blog, sei es in kleinen E-Books autobiografischen Zuschnitts... du kannst ja in schwachen Stunden mal drüber nachdenken.
Ansonsten wünsche ich dir an dieser Stelle alles erdenklich Gute fürs Jahr 2016 - und viel Erfolg für deine Zusammenarbeit mit Thrillkult-Media (TKM)!
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#13 martin baresch 2016-02-04 11:57
@Uwe: Äh ... Nein, ich ahne nicht, wer Dich da zwei Stunden lang angerufen hat. Der Osterhase? Ein Alien? Ein Vorstandskollege aus dem 28 Mitglieder umfassenden "Science Fiction Club Baden-Württemberg"?
Und zu Deiner Interpretation des "straight forward orientiert" seins nur noch folgendes:
Es gibt da einen klitzekleinen Unterschied zwischen: a) Ich geb ein Interview und guck dafür mal - kurz - zurück. Und: b) ein nach vorn orientiertes Leben zu *leben*.
Got it?
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